Angst – der unsichtbare Erfolgskiller

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Angst - der unsichtbare Erfolgskiller

Lt. einer Studie wird Angst als Innovationsverhinderer Nummer eins genannt. Gleichzeitig wird so getan, also ob die Unternehmen und das Management alles im Griff haben. Die Innovationen werden lautstark angekündigt, doch die meisten davon bleiben folgenlos.[1]

35% der befragten Innovationschefs gaben zu, dass sie selbst Innovationen aus Angst verhindert haben.[2]

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Knapp jede zweite Führungskraft befürchtet lt. Studie einen Machtverlust durch die gesetzten Innovationen [3]. In meiner Arbeit als Coach und Berater erlebe ich fast täglich, wie Angst wirkt bzw. wie versucht wird, die Ängste still und heimlich beiseite zu schieben, mit der Hoffnung, dass sie dann ganz verschwinden. Das ist vollkommen verständlich. Angst schwächt, und niemand will sich schwach oder gar ohnmächtig fühlen.[4] Auch wenn wir die Angst nicht mehr wahrnehmen, so heißt das nicht, dass die Angst nicht mehr wirkt. Leider tut sie das, aus dem Verborgenen heraus oder verzerrt und verdreht durch andere emotionale Schlupflöcher. So kann beispielsweise Unlust ein Zeichen für Angst sein, ebenso wie Missfallen, Unmut, Unruhe, Kleinmütigkeit, Unzufriedenheit und Unentschlossenheit.[5] Sogar körperliche Beschwerden können ein Hinweis auf Angst sein. Dann ist es besonders schwer zu verstehen, dass eigentlich Angst vorliegt.[6]

  • Was macht Ihnen konkret im Beruf Angst? Können Sie von sich sagen, ob Sie im Beruf, bei Ihren Entscheidungen als Führungskraft und den vielen anstehenden Umwälzungen durch den Digitalisierungsprozess Angst verspüren?

  • Wie sieht es bei Ihnen privat aus? Haben Sie für sich selbst und Ihre Familie Angst in Bezug auf das, was aktuell in der Welt so vor sich geht?

Angst als solche ist eine durchaus sinnvolle menschliche Reaktion, um Gefahren zu überwinden. Aber dieses Alarmsystem funktioniert in vielen Situationen nicht angemessen. Viele als Gefahren eingestufte Situationen sind nicht so real und gefährlich wie man meinen könnte, bzw. werden erst durch eine individuell eingefärbte Bewertung zur Gefahr.[7] Gleichzeitig verliert man genau deshalb das Gefühl für die wirklichen Gefahren, für jene, die tatsächlich die Notwendigkeit nach sich ziehen, entsprechend zu handeln.

Angst ist neben der realen Gefahrenwarnung eine individuelle Entscheidung, gespeist durch die unzähligen in Bezug auf Angst gemachten Erfahrungen aus der Kindheit.[8]

Die innere Bewertung einer Situation und dem darin möglichen Gefahrenpotential oder anders ausgedrückt, dieses innere Selbstgespräch in Bezug auf eine mögliche Gefahr ist uns in den meisten Fällen nicht bewusst. Unser System agiert wie ein Autopilot und versucht uns so schnell wie möglich durch Flucht, Angriff oder Ducken aus einer vermeintlichen Gefahrensituation herauszuholen.[9] Menschlich betrachtet ist es deshalb ganz normal, dass viele Entscheidungen durch Unmengen von Ängsten beeinflusst werden – realer und unrealer Ängste.

Die Überspielung der Angst ist gar nicht der schlimmste Aspekt, sondern vielmehr die Tatsache, dass durch Angst zielführendes Denken und Handeln verhindert wird.[10]

Systemisch betrachtet ist Angst so komplex wie die Probleme selbst komplex sind. Um die Ängste und die Angst auslösenden Herausforderungen adäquat steuern und regulieren zu können, muss mindestens auf dem gleichen Komplexitätsgrad gearbeitet und gehandelt werden. Das heißt zu verstehen, dass die Angst selbst nicht das Hindernis, sondern viel mehr die Chance ist zu begreifen, wie komplex die Situation ist, und dass man entsprechend darauf eingehen sollte.[11] Solange jedoch die Ängste verdrängt werden, kann man die in den Ängsten versteckten Ressourcen nicht nutzen. Dabei sind Ängste eine gute Methode, um hinter die Probleme zu sehen, die Probleme zu erkennen und in Folge tatkräftig zu lösen.[12] So schreibt ein Journalist sehr offen über seine beruflichen Ängste [13]. Seine Ängste sind sicher anders gelagert als die von ManagerInnen, aber zeigen, wie schwierig und komplex es ist die Ängste zu managen:

Meine privaten Ängste – von der Gesundheit bis zur Zukunft der Kinder – sind leicht zu verbalisieren. Das geht jedoch die Öffentlichkeit nichts an. Mir geht es hier um meine berufsbezogenen Ängste, die viel komplexer und schwieriger zu beschreiben sind. Ich brauche eine Persönlichkeitsspaltung, um in meiner Arbeit zu entscheiden, ob und wann wie viel an (scheinbar) neutralen Fakten oder individueller Meinung eingebracht werden kann. Das führt bei mir zu einer Dauerangst. Ich habe Angst vor Rückmeldungen und Feedbacks. Gleichzeitig habe ich Angst meiner Aufgabe als Politik- und Medienvermittler nicht gerecht zu werden, zu wenig engagiert oder zu missionarisch aufzutreten. Was mir ebenfalls Angst macht, dass ist die Erfahrung, dass bei Interviews sowohl JournalistInnen als auch ZuseherInnen dem Experten gegenüber so unaufmerksam plus gutgläubig zuhören, dass Falschmeldungen und hanebüchener Unsinn problemlos durchgehen. Das erschütterte mich wirklich. Das liegt u.a. an den Verkürzungen. Komplexe Sachverhalte können einfach nicht in kurzer Zeit so erklärt und kommentiert werden, dass die Folgen verständlich gemacht werden können. Wer das leugnet, der schwindelt gewaltig. Als ich über 9/11 berichtete, machte es mir unheimlich Angst über etwas zu berichten, worüber keiner noch so genau wusste, was und wie das passieren konnte. Gigantische Angst habe ich davor, dass die Stimmungslage der Bevölkerung durch entsprechende Propaganda gelenkt wird. Etwas nicht anzusprechen, nagt aber auch an den Ängsten.[14]

Das ist ein kleiner Auszug von den berufsbedingten Ängsten dieses Journalisten. Auch wenn seine Ängste anders sein mögen als die von ManagerInnen, es zeigt Ihnen vielleicht, dass Ängste im Beruf ganz normal sind, doch meist nur selten verbalisiert werden. Dabei ist unumstritten, dass Angst die Fähigkeit hemmt, sich weiterzuentwickeln und darüber hinaus einen guten Umgang mit Fehlern verhindert [15]. Es ist also zuvorderst notwendig, die Ängste der Menschen im Unternehmen respektvoll anzuerkennen, und mit achtsamer Führung zum Schwinden zu bringen. Mit Angst im Nacken läuft man zwar schneller, aber nur ein kurzes Stück. Die Mär, dass der Mensch unter Druck geistige Großtaten vollbringt, ist gefährlich. Das Gegenteil ist der Fall.[16]

Der Dauerdruck und die anhaltende Missstimmung sabotieren die Fähigkeit des Gehirns, sein Bestes zu geben, weil die im Angstzustand ausgeschütteten Botenstoffe Synapsen blockieren.[17]

Doch gerade in schnellen Zeiten sind schnelle Synapsen bitter vonnöten. Anstatt Angst, braucht es Heiterkeit, Muße und Stress-Abstinenz.[18] Doch das Handeln aus Angst heraus scheint für viele der normale Arbeitsstil zu sein. Abgesehen davon löst eine Veränderung der Arbeitsweise auch gleich wieder Angst aus. So beißt sich die Katze in den Schwanz.

Angst soll besser gemanagt werden, aber gerade die Auseinandersetzung damit löst neue Ängste aus.

Sobald man etwas ändert, muss etwas Altes verabschiedet werden. Das löst Verlustängste aus.[19] Darüber hinaus gibt es keine Garantie, dass das Neue besser ist. So geraten wir in eine Dilemmata-Situation. Was sollen wir retten, und was opfern?[20] Der Blick über den Tellerrand ist unumgänglich – rational und emotional. Doch Angst verhindert auch das. Egal von welcher Seite aus ich versuche das Thema Angst anzugehen, die Angst weicht nicht. Im Gegenteil, in gewisser Weise verstärkt sich sogar die Angst. Jetzt werden Sie mich vermutlich zu Recht fragen, und was jetzt? Es ist doch keine Lösung, die Ängste zu betrachten und dann noch mehr Ängste zu schüren. Das ist selbstverständlich nicht meine Intention. Ich möchte Sie vielmehr dazu ermutigen, Ihre Ängste nicht zu oft zu verdrängen, sondern Ihre Ängste als Ratgeber zu sehen, der Ihnen hilft Herausforderungen verantwortungsvoll zu managen.

  • Es beginnt bei der bewussten Auseinandersetzung, dem respektvollen und verständnisvollen Ja zu den Ängsten. Sehen Sie in der Angst nicht Ihren Feind, sondern einen Verbündeten, der Ihnen zeigen möchte, dass ein anderer Weg gegangen werden kann. Falls Sie zu all denen gehören, die Ihre Ängste meist zu betäuben versuchen, beispielsweise durch Nikotin, Alkohol, Essen oder andere Ablenkungen, dann heißt es zuerst einmal wahrzunehmen, ob Sie unter Umständen Ihre Angst vor sich selbst verheimlichen wollen. Ich weiß, das ist nicht einfach. Aber in dem Moment, wo Sie sich selbst genauer betrachten, fühlen sich Ihre Emotionen, u.a. eben auch Ihre Angst eingeladen, Ihnen zu zeigen, was los ist.

  • Wagen Sie es, Ihre weichen Kompetenzen zu erweitern – nicht nur Ihre fachlich rationalen, sondern eben auch Ihre emotionalen Fähigkeiten. Versuchen Sie Ihren vielleicht vorhandenen Allergien gegenüber der Weiterbildung von weichen Kompetenzen achtsam zu begegnen [21]. Angst braucht einen verständnisvollen Gesprächspartner und eine verantwortungsbewusste, erfahrene Führung.

  • Üben Sie sich in Achtsamkeit. Ich weiß, schon wieder erwähne ich die Achtsamkeit. Aber aus meiner langjährigen Erfahrung heraus kann ich sagen, dass Achtsamkeit einer der Universalschlüssel ist, um mit schwierigen und belastenden Situationen erfolgsversprechend umzugehen.[22],[23]

  • Formulieren Sie Visionen, nicht Ziele, um die Zukunft im Gesamtblick zu erfassen – nicht bloß Ihren persönlichen Erfolg, sondern auch die Folgen für die Umwelt und Gesellschaft [24]. Die nebulösen Ungewissheiten von realen und unrealen Gefahren klären sich, trennen die Spreu vom Weizen. So können Sie im Vorfeld bereits entsprechend anders handeln, Ihre Ängste als Ratgeber und Warnsignale einbeziehen, und befriedigende Lösungen finden.

Ziel ist es nicht, angstfrei zu sein, sondern zu lernen [25],

  • das tatsächliche, real existierende Gefahrenpotential und die damit verbundenen Ängste von den individuell aufgeputschten, aber ungefährlichen Gefahren bestmöglich auseinanderzuhalten. Das heißt, die Ängste anerkennen und prüfen, wie gefährlich die jeweilige Situation tatsächlich ist oder eben nicht ist, sondern nur emotional aufgrund schlechter Erfahrungen als gefährlich eingestuft wird.

  • Selbstverständlich gilt es auch zu lernen, die Angst vor realen, unkontrollierbaren Situationen angemessen zu bewältigen.

Abschließen möchte ich diesen Beitrag mit einer Textpassage von einem Lied von André Heller, österreichischer Chansonnier, Aktionskünstler, Kulturmanager, Autor, Dichter und Schauspieler:

Es gibt eine Angst, die macht klein,

die macht einen krank und allein.

Und es gibt eine Angst, die macht klug,

mutiger, freier von Selbstbetrug.

 

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[2] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[3] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[4] http://blog-wagner-consulting.eu/machtspiele/.
[5] http://corpora.uni-leipzig.de/de/res?corpusId=deu_newscrawl_2011&word=Angst Am 2017-09-12 gelesen.
[
6] Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. 17. Auflage. PAL Verlagsgesellschaft mbH, München: 2003.
[7] Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. 17. Auflage. PAL Verlagsgesellschaft mbH, München: 2003.
[8] Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. 17. Auflage. PAL Verlagsgesellschaft mbH, München: 2003.
[9] Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. 17. Auflage. PAL Verlagsgesellschaft mbH, München: 2003.
[10] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[11] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[12] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[13] http://www.fleischmagazin.at/index.php/fleisch-40-angst-vor-komplexitaet-peter-filzmeier. Am 2017-09-12 gelesen.
[14] http://www.fleischmagazin.at/index.php/fleisch-40-angst-vor-komplexitaet-peter-filzmeier. Am 2017-09-12 gelesen.
[15] https://leitung-supervision.de/der-umgang-mit-fehlern/. Am 2017-09-12 gelesen.
[16] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[17] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[18] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessten-innovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[19] http://leadership-dojo.eu/transition/.
[20] http://blog-wagner-consulting.eu/harte-zwickmuehlen-im-management/.
[21] http://blog-wagner-consulting.eu/bildung-im-management/.
[22] http://blog-wagner-consulting.eu/unerwartete-revolution/.
[23] http://blog-wagner-consulting.eu/slowness-trend-wirtschaft/.
[24] http://blog-wagner-consulting.eu/visionen-im-management/.
[25] Wolf, Doris: Ängste verstehen und überwinden. 17. Auflage. PAL Verlagsgesellschaft mbH, München: 2003.

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