Doping

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„Langstreckenläufer positiv auf ein Steroid getestet, Geher wegen Epo-Dopings verdächtigt, Sprinterin wegen Dopings vom Wettkampf ausgeschlossen, Schwimmerin muss sich gegen Doping-Vorwürfe wehren.“

Diese Schlagzeilen begleiten die Olympischen Sommerspiele, obwohl am Vorabend der Spiele Sarah Stevenson den Olympischen Eid abgelegt hat.

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Im Namen aller Athleten  hatte sie versprochen, die gültigen Regeln zu respektieren und  sich  einem Sport ohne Doping und ohne Drogen“ zu verpflichten.

 

Ist das System von Scheinheiligkeit und Verlogenheit gekennzeichnet?

Wissen wir nicht alle, dass Spitzensport in dieser aufwendigen Form ohne Doping nicht funktioniert? Wir erwarten zum Teil unmenschliche und übermenschliche Leistungen von den Athleten, welche punktgenau erbracht werden sollten und wundern uns, dass sie zu solchen Mitteln greifen. Neben dem Profisport wurde aber ein weiteres, sehr lukratives Geschäft aufgebaut – die Dopingjagd.

Letztlich konkurrieren die Pharmakonzerne in einem lukrativen Geschäft mit dem Spitzensport. Die Einen entwickeln in hochgezüchteten Labors  sündhaft teure leistungsfördernde Substanzen und Methoden. Bei den Anderen läuft die Maschinerie, um den Doping-Sündern auf die Schliche zu kommen. Dieses Scheingefecht verschlingt inzwischen Milliarden, die eigentlich dem volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch so wichtigen Sport zugutekommen sollten.

 

Doping – ein gesellschaftliches Problem?

Das System funktioniert aber auch dadurch, dass die Menschen in  unserer ehrgeizigen Gesellschaft ein Problem damit haben, Zweitbester zu sein. Es beginnt in der Schule, im Sportverein, in der Erziehung. So wurden Generationen erzogen, denen das Credo des euphorischen Individualismus vorgebetet und eingebläut wurde. Der individuelle Erfolg um jeden Preis steht hier oft im Vordergrund. So wird geschwindelt und getrickst, um an die gewünschten Früchte von Ruhm, Ehre oder Geld zu gelangen.

Wenn es aber selbstverständlich wird, dass der Erfolg nicht um jeden Preis im Vordergrund steht, sondern Fairness, dann wird Vertrauen aufgebaut und nicht mehr gefault. In der Sozialisation müssen diese Werte verinnerlicht werden, damit sie später auch gelebt werden können. Dazu muss aber auch unsere ewig gestrige Schule reformiert werden, so dass die Kinder wieder spielerisch und mit gemeinschaftlichem Geist lernen, statt gedrillt und zu Konkurrenzdenkern formiert zu werden.

 

Dopt die Wirtschaft?

Die Jagd nach Leistungsrekorden ist aber nicht nur im Sport ein Thema, sondern längst auch in der Wirtschaft. „Auch Manager, Politiker und Künstler sind gedopt, um bessere Leistungen zu erbringen. Hier nennt es sich Enhancement.“ [1]

Unter solch verharmlosenden Namen wie „NeuroPusher“, „Brainbooster““ oder „Gedächtnisverstärker“ werden solche leistungssteigernden Mittel in diesen Gesellschaftskreisen mehr und mehr zur Normalität. Dabei kommen chemische Substanzen wie Methylphenidat („Ritalin“), Modafinil („Vigil“), Fluoextin („Prozac“, „Fluctin“), aber auch Kokain, bei den so genannten geistigen Eliten und Führungskräften unserer Gesellschaft zusehends zum Einsatz.

Auch Studierende erfreuen sich an konzentrations- und leistungssteigernden Drogen, um so ihre kognitiven Leistungen zu steigern. In den Vereinigten Staaten „dopen“ sich bereits heute 16 bis 25 Prozent der Prüflinge regelmäßig pharmakologisch. Durch weltweit aktive Apotheken im Internet werden diese Zahlen sicher weiter steigen.[2]

 

Welche Werte bestimmen mein Leben?

Jeder Mensch hat eine Identität und möchte Anerkennung für seine Leistungen. Daher auch das Rekordstreben. Die Frage ist, auf Basis welcher Werte ich anerkannt werde.

Wenn Fairness einer meiner Werte ist, welcher sich in meinem Denken und Handeln widerspiegelt, dann werde ich auch Anerkennung erfahren.

 

[1] Andrea Hlinka; Wir sind eine gedopte Gesellschaft; Kurier 04.08.2012; S.9
[2] vgl. F.A.Z.-Serie: Gehirntraining Ein Wettrüsten, das unser Denken bedroht; 11.09.2008

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