Erschöpfung

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Franz Hörmann, suspendierter Professor an der Wirtschaftsuniversität Wien, spricht sehr offen über seine Vision einer empathischen und verantwortungsbewussten Gesellschaft, die das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben neu organisiert.

Er redet sogar unmissverständlich darüber, dass ein Zusammenbruch des Wirtschaftssystems notwendig scheint. Er spricht offen von einer globalen Krise, deren Folgen und Auswirkungen jenseits des Erwartungshorizonts liegen.

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Ökologische und menschliche Ausbeutung bis zur Erschöpfung

Die wirtschaftsinitiierten Probleme wie Umweltverschmutzung, Klimawandel, Ressourcenknappheit, die Ausbeutung von Natur und Menschen werden offensichtlicher, aber nicht wirklich umfassend realisiert. Die stressaktivierenden Aspekte einer wettkampforientierten Wirtschaft, die das Leben aller physisch und psychisch gesundheitsschädigend beeinflussen, dürfen nicht mehr länger unterdrückt werden.

Das Ausmaß an Folgen einer unempathischen Wirtschaftsweise wird jedoch als kontrollierbar eingeschätzt, und das kann schlimme Folgen haben. Die krankmachenden Auswirkungen für Menschen, wie einige Studien bereits eindeutig belegen, sind unverkennbar sichtbar, von den Umweltzerstörungen ganz zu Schweigen. Die Folgen werden sich zeigen, in einer vermutlich für alle unerwarteten Dimension. 

So hat laut einer weltweiten Studie von Regus, dem weltweiten Führer von innovativen Arbeitsplatzlösungen, seit Beginn der Wirtschaftskrise der Stress am Arbeitsplatz deutlich zugenommen. Es heißt in dieser Studie, dass die zunehmende Gewinnfixierung der Unternehmen für 35% der Arbeitnehmer in Deutschland einen erheblichen Stressfaktor darstellt. Weitere 33% der Befragten gaben an, dass der Druck einen erstklassigen Kundenservice zu liefern, ebenfalls für deutlich mehr Stress sorgt, mit den Folgen: Etwa 800.000 Arbeitnehmer in Deutschland greifen regelmäßig zu Aufputschmitteln, um den Anforderungen am Arbeitsplatz gerecht zu werden. [1]

Eine aktuelle Studie der AOK zeigt die Auswirkungen ebenso deutlich. Laut diesem Report verursachen psychische Erkrankungen die längsten Fehlzeiten am Arbeitsplatz (im Durchschnitt fast 23 Tage im Jahr), und liegen mittlerweile an vierter Stelle bei den Ursachen für Erkrankungen von Berufstätigen. [2]

Das Centrum für Disease Management an der Technischen Universität München hat errechnet, das seit 1998 die Fehlzeiten durch psychische Krankheiten, ausgelöst durch Stress und Druck am Arbeitsplatz, um 80 Prozent gestiegen sind, und daraus jährlich in Deutschland ein wirtschaftlicher Schaden von mindestens acht Milliarden Euro entstehe.(3) Und auch im BKK Gesundheitsreport 2010 zeigt sich, dass die Zahl an Krankheitsständen in Deutschland, ausgelöst durch ein Burnout-Syndrom, seit 2004 deutlich angestiegen ist. [4]  

Stress und die Folgen von Stress sind nicht bloß ein Problem für die Betroffenen, sondern auch ein volkswirtschaftliches und wirtschaftliches Problem. WHO, die Weltgesundheitsorganisation, hat errechnet, dass ein Burnout-Fall jährlich 30,4 Krankheitstage mit sich bringt und weitreichende Folgen auch direkt für die Unternehmen durch die Fehlzeiten entstehen. [5]

Ausgehend von diesem Wissen kommt man nicht umhin sich die Frage zu stellen, wie die Politik und Wirtschaft in Zukunft mit ihren systeminitiierten Problemen und Herausforderungen umgehen wird?

  • Bleibt das Wirtschaftssystem den bis dato gültigen Werten Gewinnmaximierung, Wachstumssteigerung, Effizienzerhöhung und Konkurrenzstreben treu?

  • Wird die Politik und Wirtschaft global versuchen diese Werte als Produktions- und Arbeitsphilosophie weiterhin durchzusetzen?

  • Wird die Politik und Wirtschaft die „noch“ vorhandenen Ressourcen der Natur und die wirtschaftsmitwirkenden Institutionen und Menschen entsprechend diesen Wertmaßstäben weiterhin zu manipulieren versuchen?

  • Was könnte das an Folgen mit sich bringen?

Wir wissen es nicht, eines ist jedoch Gewiss, Folgen und Überraschungen bezüglich der Folgen wird es geben.

 

 

[1] Regus, Düsseldorf: http://www.pressebox.de/pressemeldungen/regus/boxid/306278. 2009-11-23. 
[2] Badura, Bernhard / Schröder, Helmut / Klose, Joachim / Macco, Katrin: Fehlzeiten-Report 2010: Vielfalt managen: Gesundheit fördern – Potenziale nutzen. Berlin: Springer Verlag, 2010. 
[3] APA: Psychische Krankheiten kommen Wirtschaft teuer. Der Standard, 2010-11-23., S. 16. 
[4] BKK Bundesverband (Hrsg.): BKK Gesundheitsreport 2010. Gesundheit in einer älter werdenden Gesellschaft. Essen: Schröers-Druck GmbH. 2010, S. 143. 
[5] Marquart, Maria: Wie Firmen ihre Spitzenkräfte verbrennen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/0,1518,740853,00.html. 2011-02-04.

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