Erschütterung der Macht

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Erschütterung der Macht - ein Blick in die Zukunft

Das rasante Ansteigen der technischen Errungenschaften und der global vernetzen, digitalisierten Welt lässt den Boden auf dem wir alle stehen stark vibrieren.

Ein Blick in die Zukunft

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  • Kennen Sie essbare Kleidung, oder Outfits, die Emotionen sichtbar werden lassen? Wissen Sie, dass Stoffe aus herangezüchteten Hefepilzen produziert werden können?

  • Haben Sie schon von den frei in den Weltmeeren schwimmenden, künstlich erschaffenen Steuer-Oasen-Schiffen gehört?

  • Werden Sie einen Grillen-Kebab, einen Heuschrecken-Snack oder ein Würstel aus geklonten tierischen Zellen in Ihrer Pause essen wollen?

  • Stellen Sie sich vor, jetzt wartet ein autonom fahrendes E-Mobil oder ein Dronen-Taxi vor Ihrer Türe, um Sie zu einem der äußerst selten gewordenen analogen Meetings zu bringen?

  • Den Großteil Ihrer Arbeit als Führungskraft, sofern Sie als solche überhaupt noch gebraucht werden, verrichten Sie mit der Datenbrille. So benötigen Sie kein Büro mehr, müssen nicht mehr herumreisen, können Ihre noch vorhandenen MitarbeiterInnen per Datenbrille erreichen.

  • Und jetzt werden Sie in einen Operationssaal geführt. Ein Roboter diagnostizierte die Notwendigkeit einer Operation, die von einem erfahrenen Roboter-Team durchgeführt wird. Roboter sind im Diagnostizieren von Krankheiten mittlerweile besser als Menschen.

Niemand kann leugnen, dass neue Techniken unsere Art zu leben und zu arbeiten verändern. Wir werden ZeitzeugInnen der 2. Weltrevolution, die wie die 1. Weltrevolution uns zu einem Prozess-Muster-Wechsel zwingt.

Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht,

so die Worte, angelehnt an die Aussage des Imperators in Star Wars, von Prof. Dr. Peter Kruse zu Beginn seines Interviews auf der Messe „Zukunft Personal“.[1] Ich lade Sie ein, sich rund 9 Minuten Zeit zu nehmen, und die Einsichten von Prof. Dr. Kruse, des leider zu früh verstorbenen Quer- und Vordenkers, auf sich wirken zu lassen.

Wir schwimmen aktuell in einem Meer von Inkompetenz.

So drückt es Richard David Precht bei einem Vortrag 2016 aus.[2] Wir sollten jetzt endlich so ehrlich sein und zugeben,

  • dass unsere Unternehmenskulturen und entsprechenden Werte veraltet sind, und

  • dass wir mit unseren gegenwärtigen Kompetenzen die 2. Weltrevolution nicht zu führen im Stande sind.

Prof. Dr. Peter Kruse weist in seinem Interview sehr deutlich auf die Herausforderungen der Führungskräfte hin und auf die Notwendigkeit, das gegenwärtige Führungsverhalten kritisch zu hinterfragen, und neue Führungswege zu wagen.

So spricht Prof.Dr. Kruse von dem 3fachen Problem der Führung:

  1. Komplexitätsfalle: Die Globalisierung und Digitalisierung erschwert in enormer Tragweite die Vorhersagbarkeit von Märkten. Damit wird die Führungslegitimation in Frage gestellt.

  2. Machtverschiebung: Netze übernehmen die Macht. Die Führung im klassischen Sinne verliert an Durchsetzungskraft.

  3. Identitätsfrage: Auch hier sind die Netzwerkstrukturen an der Macht. Diese verschaffen neue sinnstiftende Zugehörigkeiten, die weit stärker wirken als die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen. Was das für die Führung in Unternehmen heißt, das können Sie erahnen.

In ähnlicher Weise versuche ich auf meiner Seite „Leadership der Zukunft“ ebenfalls auf die Herausforderungen der Führungskräfte aufmerksam zu machen. Die Entwicklung zukunftstauglicher Managementfähigkeiten scheitert gegenwärtig an 5 Führungsfehlern:[3]

  • das Festhalten an alten Gewohnheiten – „Das war schon immer so!“

  • das Fehlen einer systematischen Prognose und Beurteilung der Zukunft – das Management beschäftigte sich pedantisch mit Kleinigkeiten und nicht mit der generellen Lage, 

  • einer schlechten bzw. unprofessionellen Kommunikation und Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Bereichen,

  • dem menschlichen Fehlverhalten in Krisensituationen und 

  • einer fehlenden Innovationskultur.   

Doch wo können die Führungskräfte diese für die Zukunft notwendigen Skills erlernen?

  • In den MBA-Studiengängen kaum.

  • In den Unternehmen selbst auch nur sehr begrenzt.

  • Die Führungskräfte sind auf sich selbst gestellt.

Das bedeutet:

  • Es braucht von den Führungskräften einen Funken Selbsterkenntnis, um einzusehen, dass Sie Ihr Führungsverhalten kritisch beleuchten und sich fehlendes Wissen eingestehen sollten.

  • Und es braucht über den Tellerrand hinausblickende Persönlichkeiten, mit denen die Führungskräfte gemeinsam Skills entwickeln, um ihre Unternehmen erfolgreich und verantwortungsbewusst durch die 2. Weltrevolution führen zu können.

Die Erschütterungen sind zu spüren. Jetzt liegt es an uns allen, das nicht zu leugnen, die Herausforderungen anzunehmen und den Prozess-Muster-Wechsel kompetent zu führen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be
[2]
Precht, Richard David: Vortrag 2016. https://www.youtube.com/watch?v=7PgQ4YxbKWk&t=249s
[3]
Dobler, Christoph: Leadership. Impulse, Zitate und Reflexionen

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