Leistung aus Leidenschaft

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Mit dem „Stabwechsel“  bei der Deutschen Bank von Josef Ackermann an das neue Führungs-Duo Jain / Fitschen springt mir der Slogan des größten deutschen Bankhauses „Leistung aus Leidenschaft“ noch deutlicher ins Gesicht.

 

Leistung aus Leidenschaft – was für einen Slogan hat sich die Bank gegeben?

Welche Kernaussage möchte sie ihren (potentiellen) Kunden vermitteln?

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Slogan (aus dem schottisch-gälischen sluagh-ghairen) war einst der Sammel- und auch Schlachtruf eines Clans während des Kampfes. [1] Rückblickend auf die Ära Ackermann in der Deutschen Bank stellt sich mir die Frage:

  • In welche Schlachten hatte er seine Bank und deren Mitarbeiter geführt?

  • In welchen hatte er einen Sieg errungen oder eine Niederlage einstecken müssen (also die Frage nach der Leistung)?

  • Mit welcher Leidenschaft haben er als Feldherr, aber auch seine Mitarbeiter in diesen Schlachten gefochten?

  • Und in welcher Weise will das neue Führungs-Duo Leistung mit Leidenschaft zeigen?

Die Josef Ackermann-Ära, und sein Dienst mit Leidenschaft, geht zu Ende. Was seine Leistungen betrifft, darüber kann man diskutieren. Es wird auf ihn verbal eingeschlagen, wovon ich mich jedoch klar distanzieren möchte. Auch wenn ich kein leidenschaftlicher Verfechter seiner Person bin, möchte ich ihm Respekt zollen. Respekt z.B. dafür, dass er die Bank ohne Staatshilfe (Steuergelder) durch die Krise geführt hat oder sein hohes Engagement auf der Suche nach Lösungsmöglichkeiten rund um die Finanzkrise. 

Ich möchte einfach, inspiriert durch den Slogan der Deutschen Bank, den Dialog zu: „Leistung aus Leidenschaft“, anregen. Ist es überhaupt möglich, in einem primär auf Systemkontrolle und Wettbewerb ausgerichteten Unternehmen, mit Leidenschaft Leistung zu erbringen, und wenn ja wie?

 

Leistung – steht immer in Verbindung mit einer Bewertung und damit im Vergleich / Bezug zu einem anderen Wert. So sprechen wir von Spitzenleistung, Extraleistung, Hauptleistung, aber auch von Minderleistung oder Nichtleistung. Diese steht als  Synonym für Erfolg oder das Ergebnis einer erbrachten Leistung. Leistung ist rational, messbar und bewertbar.

Im Falle der Deutschen Bank stehen hier als erbrachte oder angestrebte Leistungen u.a.:

  • die Integration der Postbank

  • die teils heftig umstrittenen 25% Eigenkapitalrendite, aber auch

  • Investitionen in Streubombenhersteller oder

  • Spekulationen auf Agrarrohstoffe

 

Leidenschaft hingegen– ist eine das Gemüt ergreifende Emotion.[2] Diese steht u.a. für Enthusiasmus, Begeisterung, Begierde, aber auch für Affekt, Rausch und Gier.[3] Leidenschaft ist, im Gegensatz zur Leistung, nicht wirklich messbar und auch nicht rational erfassbar. Diese lässt sich auch nicht wirklich Planen, strategisch und zielorientiert Produzieren oder gar Re-Produzieren. Ich kann Leidenschaft allenfalls beobachten.

Die Leidenschaft, welche ein Mitarbeiter in einer bestimmten Situation oder Tätigkeit entwickelt, ist von vielen Bedingungen abhängig. U.a. vom Umfeld, was auf den einzelnen Mitarbeiter einwirkt, der Unternehmenskultur, aber auch der persönlichen Tagesverfassung.

Leidenschaft heißt:

  • Kreativität und  Schöpfungskraft frei wirken lassen – das was einem beim Tun, Arbeiten antreibt

  • Querdenken – die Suche von Lösungen außerhalb der vorgegebenen Form

  • eine damit verbundene Fehlerkultur – wie kann man experimentieren, ausprobieren ohne Angst vor Fehlern haben zu müssen

Wenn ich den Slogan „Leistung aus Leidenschaft“ auf mich wirken lasse, kommen mir Assoziationen wie: 

  • im Flow arbeiten

  • die eigenen Fähigkeiten und Talente bestmöglich zum Einsatz bringen

  • situationsbezogen frei agieren und die Lösungen der eigenen Kreativität anvertrauen

  • hinter der Sache stehen

Eine „Leistung aus Leidenschaft“ kann auch entstehen, wenn ich aus einer tieferen Verbundenheit zu dem Ganzen agiere. Im Flow spürt man ziemlich deutlich, was in jedem Moment das Beste für die jeweiligen Beteiligten sein kann.

Eine „Leistung aus Leidenschaft“ ist daher aus meiner Sicht nicht möglich, wenn das Tun unter steten Vorgaben erfolgt und nur auf den eigenen Profit / Ertrag ausgerichtet ist. „Leistung aus Leidentschaft“ ist auch nicht möglich, wenn die Mitarbeiter permanent auf Hochtouren laufen, ausgelaugt und überarbeitet sind.  

Wie ist dieser scheinbare, vielleicht vorhandene Widerspruch von zwei Begriffen, die miteinander verschmelzen sollen, aufzulösen und zu transformieren? Wie kann dabei tatsächlich eine neue Qualität im Tun und Handeln von wettbewerbs-orientierten Unternehmen herbeigeführt werden?

 

 

[1] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Slogan

[2] vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Leidenschaft

[3] vgl. Wortschatzportal der Uni Leipzig http://wortschatz.uni-leipzig.de/ 

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