Jede Veränderung löst lt. Forschung eine Unmenge an Hirnarbeit und Hirnturbolenzen aus, weit mehr als in den meisten Veränderungsprozessen angedacht und berücksichtigt wird –

das hat Folgen …

Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein – neugierig!?Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein – neugierig!?

Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein - neugierig!?

Was Unternehmen voneinander unterscheidet, das ist Neugier und Innovation, so die Worte von Isabel de Paoli, Chief Strategie Officer.[1]

Kognitive Flexibilität, ein Geschenk der Evolution, bietet uns unendlich viele Innovationen; aber es ist die Neugier, die uns dazu bringt, ihre Kraft voll auszuschöpfen. Damit Unternehmen dieses Potenzial voll nutzen können, braucht es jedoch weniger die Fixierung auf neue Technologien, sondern den Mut für eine offene Arbeitskultur, eine Kultur der Gemeinschaft, in der man auf den Ideen anderer aufbaut, in der es mehr darauf ankommt, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben – kurz gesagt: eine Kultur der Neugier. Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein.[2]

So las ich es in der umfassenden Neugier-Studie 2018 von Merck. Um in einem florierenden Neugier-Stadium arbeiten zu können, braucht es, wie schon oben im Statement angerissen, eine entsprechende Arbeitsumgebung [3] – ein WeQ-Wirken statt eine IQ-Fixierung, die kontinuierliches Lernen und Erforschen ermutigt. Das sind Umgebungen, die sich ganz konkret Fragen widmen, die weitreichend und fachübergreifend die Zukunft beleuchten, so wie ich es in meinen Artikel, was kommt nach der Digitalisierung, anzuregen gesucht habe. Was ich jedoch noch nicht konkret angesprochen habe, das ist der Faktor Neugier, der dafür notwendig ist.

Die Zukunft aller Unternehmen und ArbeitnehmerInnen lässt sich mit einem Wort beschreiben: Veränderung. Wir alle müssen uns neues Wissen aneignen und uns an neue Prozesse anpassen. Damit uns das nicht erschlägt, brauchen wir Neugier. Neugier ist der Kleber, der Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft zusammenhält. Neugier sichert das Überleben.[4]

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Der Wettbewerb der Nationen ist ein Wettbewerb der Ideen – und Neugier die Grundlage dafür

Neugier und Ideen sind ein sich gegenseitig unterstützendes Paar, zwei Seiten einer Medaille. Dieses Potential gilt es zu hegen und zu pflegen, so früh wie nur möglich. Wenn wir die Neugier nicht verschütten, dann brauchen wir diese hinterher auch nicht mühsam freizulegen.[5] Leider zeigt sich jedoch trotz viel Bemühen, dass die Neugier unter vielen fixierten Erklärungsmustern und Gewohnheiten, tief verwurzelten Annahmen, die man nicht loslassen will, zu oft ein verkümmertes Dasein fristet.

Träge, müde, von Zeitnot erschlagen, von Regeln, Normen, Denkfixierungen klein gehalten, hat die Neugier mühe sich stärker in den Arbeitsalltag einzubringen. Die Kreativität als zweite Seite der Medaille leidet mit der Neugier mit – statt in positiv gestimmter Neugier Herausforderungen zu meistern, denkt man in Problemen und versucht kopflastig rational gut durchdacht Lösungen kontrollierbar aufzusetzen. Das mag objektiv betrachtet ein sinnvoller Ansatz sein, aber ob man so herausragende Innovationen findet, das wage ich zu bezweifeln.

Neugier ist eine sensitive Fähigkeit, ein Lichtstrahl, der Herausforderungen frei von Bewertungen und Nützlichkeiten zu durchdringen vermag, ein offenes Staunen über das Leben – zumindest ist es bei Kindern noch so wahrzunehmen. Mit zunehmendem Alter verlieren jedoch viele diese kindliche Fähigkeit des Staunens, die bewertungsfreie Neugier.[6] Das Staunen entzaubert sich, wird mechanistisch, zielfokussiert, ausgrenzend, verliert an Offenheit und an Kreativität. Die Neugier leidet konkret unter 3 Symptomen:[7]

  • Innere Nörgler, die Stimmen des Urteilens blockieren das Staunen. Urteile im Kopf wie auch das reaktive Abspulen gewohnter Denkschablonen hemmen offenes Denken, und damit die Neugier.

  • Zynismus steht der Neugier ebenfalls nicht einladend gegenüber, führt vielmehr zur Distanzierung zu allem, was neu ist und was neugierig machen könnte. Zynismus muss aber oft gar nicht so offen bemerkbar sein, sondern wirkt viel öfter als man glaubt, still und kaum wahrnehmbar als Gedankengeister im Kopf.

  • Mit Angst im Nacken lässt es sich ebenfalls kaum neugierig in die Welt blicken. Angst im Nacken führt viel mehr dazu, unbewusst Schutzmauern zu errichten, die jeden offenen, neugierigen Blick verschließen.

Aber ich möchte nicht gleich zu Beginn von diesem Artikel die Neugier durch negativen Input lahmlegen. Sehen wir uns in der Studie von Merck einmal konkret an, wie umfassend Neugier im Arbeitsalltag wirkt.

Was heißt eigentlich neugierig sein?

Lt. der Studie von Merck zeigt sich Neugier in vier bestimmten Charakterzügen, die gemeinsam die Grundlage einer multidimensionalen Neugierwirksamkeit sind:[8]

  • Entdecker-Freude: Die jeweiligen Menschen sind neuem Wissen gegenüber sehr aufgeschlossen – vergleichbar mit dem Staunen der Kinder, die ein Interesse an Gegenständen um ihrer selbst willen zeigen, und nicht weil diese nützlich, attraktiv oder kostbar sind.[9]

  • Antrieb durch Wissenslücken: Menschen, die Neugier zeigen, sind oft nicht nur im eigenen Wissensbereich aktiv und sehen dort Wissenslücken, sondern blicken auch neugierig über den Tellerrand, sehen Lücken in einem größeren Kontext, und sind bestrebt in einem größeren Zusammenhang diese zu begreifen und lösen zu wollen. Das bedarf u.a. aber einer sehr relevanten Eigenschaft, die jetzt folgt.

  • Offenheit für Ideen anderer: Es braucht die Offenheit, unterschiedlichste Perspektiven, Meinungen, Anschauungen, Ideen anzuerkennen und so couragiert zu sein, Lösungsansätze anzustreben, die vielleicht fachfremd, oder gar unlogisch wirken. Das wiederum braucht eine gesunde Anpassungstoleranz, womit wir bei dem 4. Charakterzug sind, der die Neugier bestärkt.

  • Anspannungstoleranz: Man muss bereit sein, sich der Unruhe und dem Unbehagen zu stellen, die beim Erkunden des Neuen, Unbekannten und Unsicheren entsteht. Bei Neugier geht es nicht nur darum, neue Ideen zu finden. Es geht auch um die Fähigkeit, mit dem Neuen, dem Komplexen kreativ umgehen zu können. Es geht darum, dass man weitermachen kann und will, auch wenn das Neue unangenehme Gefühle hervorruft. An dem Punkt aber scheitern einige, schalten unbewusst auf kognitive Dissonanz und schwächen damit die Neugier und Kreativität.

Deutschland steht besser da als man meinen könnte – zumindest beim ersten neugierigen Blick! In Bezug auf die Studie von Merck erzielte Deutschland den höchsten Gesamtwert für Neugier – das heißt: Im Vergleich zu den USA und China zeigt sich in Deutschland ein großes Verlangen nach neuem Wissen und Informationen. Die MitarbeiterInnen können gut mit Reizen umgehen, die unsicher, komplex und konfliktbeladen sind. Aber das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass in D 48% der MitarbeiterInnen sich für ihre Projekte verantwortlich fühlen, hingegen nur 38% in den USA und 33% in China. In D fühlen sich nur 14% der MitarbeiterInnen durch ihre Umgebung eingeschränkt bzw. in der Arbeit überwacht, im Gegensatz zu 19% in den USA und 33% in China.[10]

Was mich erstaunt, dass China scheinbar mit den Neugierwerten abgeschlagen hinter Deutschland und den USA liegt. Gleichzeitig treibt China die Digitalisierung an, schafft unzählige neue Trends und setzt neue Maßstäbe. Wie ist das zu verstehen?

Im 2. Blick auf diese Studie erhellt sich meine Frage. China liegt zwar in den Neugierwerten hinter D und den USA. Aber das hat einen Grund: Die ChinesInnen stellen persönlich deutlich höhere Ansprüche in Bezug auf eine innovative Kultur und halten Digitalisierung für äußerst wichtig – darin sind die Deutschen und die USA nicht so ambitioniert. 52% der ChinesInnen, von einem hohen innovativen Anspruch geprägt, suchen aktiv nach neuen Ideen und Innovationen – im Gegensatz dazu 39% in den USA und abgeschlagen nur 37% in D. Diese Haltung, der hohe Anspruch an eine innovative Kultur, könnte bald schon China einen deutlichen Vorteil verschaffen.[11]

Ebenso interessant ist der Aspekt, dass in dieser Studie von Merck die jüngste Generation, die Generation Z, bei der Neugier weit hinten bleibt. Die Generation der Millennials ist hingegen äußerst neugierig und meint zu 61%, dass eine Investition in Neugier als Innovationstreiber eine solide Investition für ein Unternehmen sei. Aber in der Studie zeigt sich auch, dass man der Generation Z anscheinend nicht genug Zeit gibt bzw. sie zu wenig darin unterstützt, um deren Anspruch in Bezug auf Neugier gerecht zu werden.[12]

Soviel erstmal zum kognitiven Zugang zur Neugier. Mich interessiert aber jetzt noch viel mehr, wie Sie persönlich zum Thema Neugier stehen:

  • Würden Sie sich als neugierig bezeichnen?

  • Und was konkret erweckt Ihre Neugier, ein Staunen, ein Aha?

Ich stelle mir selbst auch die Frage und kann nur sagen, dass ich dann Neugier spüre, wenn ich was höre, was ich noch nicht kenne, oder was ich mir mit dem was ich weiß, noch nicht erklären kann. Ich brenne vor Neugier, wenn ich Geschichten lese, die ein gutes Storyboard haben, sprich ich mit einem Problem konfrontiert werden, wo ich schon zu Beginn weiß, dass dieses Problem anders gelöst wird, als ich es mir vorstelle. Ich bin regelrecht euphorisch neugierig, wenn ich mit Ideen konfrontiert werde, die ich aus mir selbst heraus nicht entwickeln kann. Umgelegt auf den Arbeitsalltag heißt das, ich reagiere dann mit Neugier, wenn ich spüre, dass die Lösung anders aussehen kann als ich es mir selbst vorzustellen vermag.

Die Neugier ist jedoch so unterschiedlich und individuell wie es Menschen gibt. Und jeder Mensch ist zu dem geworden, was er ist, weil die Neugier ihn dazu gemacht hat. Die Neugier mag manchmal schüchtern, verängstigt wirken, manchmal expressiv und durchzogen von Pioniergeist, und dazwischen gibt es Millionen weitere Schattierungen und Ausprägungen der Neugier.

Es geht auch gar nicht darum mit Neugier immer nur den großen Wurf zu machen, sondern vielmehr täglich sich für die kleinen Wunder dieser Welt im Herzen offen zu zeigen, nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen, die kleinen Dinge des Lebens wieder mehr zu achten, über das Leben zu staunen – wie Kinder, die selbst dann noch Warum-Fragen stellen, obgleich aus Sicht der Erwachsenen, die Fragen eigentlich schon umfassend objektiv korrekt beantwortet scheinen. Die Neugier der Kinder ist in den ersten Jahren intrinsisch motiviert, und nicht extrinsisch durch Belohnungen künstlich angeregt – was sich jedoch meist später in der Schule ändert.

Vielleicht wäre es an dieser Stelle interessant, die Frage erneut zu stellen, was konkret macht Sie persönlich neugierig – aber ergänzt um den Aspekt der Motivation:

  • Aus welcher Ecke heraus lässt sich Ihre Neugier konkret anregen – aus einem inneren Bedürfnis heraus, oder mehr von außen auf Sie einwirkend, durch bestimmte Begebenheiten, die Sie persönlich anregen und motivieren etwas zu tun? Vielleicht zeigt sich auch, dass durch eine äußere Begebenheit die Neugier entflammt, und dann in Ihnen im Inneren auf einen Impuls trifft, mit dem gemeinsam die Neugier so richtig zum Brennen kommt.

Wie dem auch sei, Neugier scheint jedenfalls in der Digitalisierung eine der Kompetenzen zu sein, die notwendig ist, um die tiefgreifenden Veränderungen gemanagt zu bekommen. Neugier ist einer der Schlüssel, um das überlebensnotwendige Innovationspotential von Konzernen freizusetzen – zumindest ist das so immer wieder in der Studie von Merck zu lesen. Leichter gesagt als umgesetzt.

Neugier ist sehr individuell, u.a. auch durch die entsprechende Hirnprägung unterschiedlich ausgerichtet. Dr. Hans-Georg Häusel, zählt international zu den führenden Experten in der Marketing-, Verkaufs- und Management-Hirnforschung, setzt sich intensiv mit dem limbischen System auseinander und belegt, dass 80% der Menschen dem Balance-Typ zugeordnet werden. Bei diesen Menschen-Typ wirkt Neugier einfach anders bzw. auf andere Themen hin ausgerichtet als bei den beiden anderen Typen, den Stimulanz- und den Dominanztypen.[13] Entwicklungsgeschichtlich ist die Balance-Instruktion der älteste limbische Antrieb mit einem Alter von mehr als 3,5 Milliarden Jahre, mit dem ein Höchstmaß an Sicherheit, Stabilität und Konstanz für die äußere Lebensumwelt, für das Denken und den eigenen Körper zu erreichen bzw. zu erhalten gesucht wird.[14]

Limbische Prägung nach Hans-Georg Häusel

Nur 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt Spaß am Neuen [15], und damit verbundenen im Vergleich zu den BalanceträgerInnen einen scheinbar größeren Entdeckungsgeist, mehr Innovationsspaß und ein stärkeres Explorationsbestreben. In der Merck-Studie ist zu lesen, dass 70% der hochgradig Neugierigen der Meinung sind, dass Neugier eine große Rolle für die weltweiten Herausforderungen spielt, wohingegen nur rund 30% der Befragten mit niedrigen Neugier-Werten dieser Aussage zustimmen.[16] Daran kann man ableiten, wie unterschiedlich Neugier wirkt bzw. durch Prägung entsprechend bewertet wird.

Das ist doch ohnehin klar, werden Sie vielleicht jetzt gelangweilt sagen. Ja, das mag allen klar sein, dass Neugier individuell unterschiedlich wirkt, aber die Konsequenzen und die Folgen daraus werden nicht berücksichtigt, obgleich genau das wichtig und erkenntnisreich ist. Die einen fühlen Neugier, wenn es beispielsweise darum geht die Tradition im Unternehmen sicherzustellen, andere hingegen spüren Neugier erst, wenn sie damit ihre Macht verstärken können, und wiederum andere brauchen QuerdenkerInnen, schräge Vögel, RevoluterInnen, kreative Spinner um sich herum gescharrt, um davon neugierig beseelt zu werden. Ob man will oder nicht, das hat Folgen für ein Unternehmen, für die Innovationskraft und das Überleben in der Digitalisierung.

In der Studie von Merck ist unmissverständlich zu lesen, dass es sich kein Unternehmen mehr leisten kann, Neugier zu unterschätzen. Wenn man als Unternehmen heute wettbewerbsfähig bleiben will, müssen alle Branchen in Neugier investieren, um zu überleben bzw. weiterhin zu florieren.[17]

Resümee – mit Aha-Momenten spielen!

Digitalisierung erfordert Innovationen, und diese erfordern Neugier. So gesehen braucht es verstärkt Neugier, aber nicht nur von jenen, die ohnehin so geprägt sind, sondern auch von jenen, deren Neugier schwächer ausgeprägt zu sein scheint bzw. nicht gerade die Themen trifft, die aktuell mit Neugier hochgerüstet werden sollten.

Neugier wächst u.a. dadurch, dass man anerkennt, dass die eigene Wahrheit nicht unbedingt die Wahrheit der anderen ist. Neugier zeigt sich darin, wenn man nicht gleich auf ungewohnte, fremde Ansichten mit Ablehnung reagiert.

Das heißt, aufmerksam werden für andersartige Ansichten, den Kopf dorthin wenden, wo man eigentlich vielleicht gar nicht hinsehen will, weil das scheinbar auf den ersten Blick nutzlos, ineffizient, vielleicht sogar beängstigend, unlogisch oder gar die falsche Richtung scheint.[18]

  • Neugierde zeigt sich u.a. in einer Offenheit für und eine aktive Suche nach neuen Informationen, ohne die zuvor auf Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit abzuchecken.

  • Neugier zeigt sich ebenso darin, mehr spontane Fragen zuzulassen und mit unklaren Informationen angeregt offen umzugehen. Die Warum-Fragen der Kinder nerven manchmal die Erwachsenen, auch deshalb, weil manche Warum-Fragen sinnlos erscheinen oder einfach nur zum 100ten Mal gestellt worden sind. Doch Neugier arbeitet nicht fokussiert, linear, effizient, sondern chaotisch, kreativ, verträumt, rätselhaft. 

  • Neugier bedeutet in Verbindung mit dem vorhergehenden Punkt, offen zu sein für Fakten, die nicht in die eigene Weltanschauung passen, und deren Konsequenzen zu verstehen suchen. An dem Punkt hakt es jedoch oft – auch wenn das die wenigsten so diagnostizieren würden. Sobald eine Weltanschauung nicht in das Konzept, beispielsweise der Wirtschaft passt, verdrehen viele Wirtschaftsgläubige die Augen. Man geht auf Dissonanz. Die Neugier will man nur fixiert auf das facheigene Wissen wirken lassen und zur Anwendung bringen.

Wenn Ihr Unternehmen wüsste, was Ihr Unternehmen weiß – macht Sie das neugierig?

Wie wäre es jetzt mit einem Spiel, um Ihre Neugier zu wecken, falls diese sich bereits zu verabschieden sucht, um sich anderen Themen zu widmen, die mehr Neugier, mehr Interesse, mehr Sinnhaftigkeit wecken als die Auseinandersetzung mit der Neugier selbst.

Eigenland®, so heißt das Spiel bzw. diese innovative, spielerische Alternative zu üblichen Workshops, mit der sich schnell und strukturiert unternehmerische Handlungsfelder analysieren und gestalten lassen. Diesem Spiel bin ich am 30. Oktober 2019 beim Corporate Culture Jam in Frankfurt über den Weg gelaufen. Dieses Spiel hat meine Neugier geweckt und mich in eine Stimmung versetzt, die meine bereits vorhandene Neugier sogar noch während des Spiels verstärkt hat.

Rolf Schröder, verantwortlich für das Projektmanagement in der Deutschen Telekom Technik Deutsche Telekom AG, war ebenfalls beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit man zu Erkenntnissen kommen kann, und überrascht über die hohe Eindringlichkeit in den untersuchten Bereichen. In diesem Spiel können sich auch unterschiedliche AkteurInnen sehr gut Meinungen und Informationen austauschen, was ohne das Spiel in der Offenheit so kaum anzudenken geht.[19] Auch VORSPRUNGatwork hat ein Planspiel entwickelt, um mit Hilfe der spielerischen Energie die Herausforderungen auf einer anderen Ebene mit einer offenen, kindlich verspielt neugierigen Haltung heraus zu betrachten. Spiele sind genau genommen keine Spiele, sondern führen über den Tellerrand hinaus zu real wirksamen positiven Interventionen.[20]

Ich möchte jetzt aber noch eine weitere Methode, Aha-Momente auf Abruf, erwähnen, die mich persönlich neugierig gemacht hat.

Sharpist in Aha! Momenten

Ein Aha! Moment sagt mehr als tausend Worte und regt Neugier an – genau das, was in Zukunft lt. der Merck-Studie dringlicher denn je gebraucht und entsprechend gefördert werden sollte.

Das was mich an Sharpist, dem Anbieter von datengestütztem, mobilem Coaching für Führungskräfte, neugierig werden ließ, das ist der Aspekt, dass Sharpist mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) nach dem perfekten Match zwischen Führungskraft und Coach sucht. Denn eines muss schon gesagt sein: Das richtige Seminar, Workshop, Coaching für das Unternehmen zu finden, ist äußerst schwierig in der Fülle an Möglichkeiten. Darüber hinaus ist der Coaching-Markt sehr fragmentiert und bis jetzt wenig digitalisiert.

Ganz oft wird Förderung, Weiterbildung, Coaching, Beratung noch analog durchgeführt, die digitalen Möglichkeiten deutlich unterschätzt. Dem sollte man jedoch deutlich mehr Achtung schenken, denn das Potential von digitalem Coaching kann zur eierlegenden Wollmilchsau der betriebsinternen Weiterbildung werden.[21]

Unbegrenzt viele Cochees können gleichzeitig begleitet werden. Alle TeilnehmerInnen bekommen maßgeschneiderte Übungen, ein Live-Chat hilft, Fragen zu klären. Flatrate-Modelle halten die Kosten im Rahmen, Reise- und Arbeitsausfallzeiten können drastisch reduziert werden, die Ergebnisse sind messbar und können ein Spiegelbild der Unternehmenskultur darstellen, und für Nachhaltigkeit der Prozesse kann ebenfalls besser gesorgt werden als mit klassischen Bildungs-Tools.[22] Sharpist ist ein Pionier in diesem Gebiet.[23]

Auch wenn ich persönlich analoge Gespräche als relevant einstufe, so sehe ich auch, dass man mit den herkömmlichen Beratungsmethoden, weder inhaltlich noch organisatorisch, das an Förderung, Bildung, Beratung abzudecken vermag, was aktuell notwendig ist und setze daher selber Online-Coaching seit mehreren Jahren ein.

In der Merck-Studie ist zu lesen, dass Konzerne mehr in Programme und Prozesse für die persönliche Entwicklung investieren müssen, um die weltweiten Herausforderungen zu lösen und in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Neugier sei hierfür ein Schlüssel, aber Neugier ist kein Zufall![24]

Diese letzte Aussage möchte ich unkommentiert so stehen lassen, und Ihnen zum Abschluss von diesem Artikel nur noch eine kleine Neugier-Anregung mitgeben: Versuchen Sie jeden Tag über irgendetwas, egal was, erstaunt zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dazu eine konkrete Fragestellung:

Mich wundert, warum …

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen: 

[1] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[2] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[3] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[4] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[5] https://www.merckgroup.com/de/company/curiosity/curiosity-report.html. Am 2019-11-06 gelesen.
[6] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[7] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[8] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[9] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[10] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[11] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[12] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[13] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[14] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[15] http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html. Am 2017-09-26 gelesen.
[16] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[17] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[18] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[19] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[20] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[21] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52. 
[22] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52.
[23] https://www.sharpist.com/. Am 2019-11-07 gelesen.
[24] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.

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Was kommt nach der Digitalisierung?

Was kommt nach der Digitalisierung?

Im letzten Artikel kündigte ich ein Reloading der Digitalisierung an. Google ließ im Oktober 2019 den ersten Quantencomputer in Betrieb gehen. Als ich meinen Artikel dazu verfasste, hatte ich noch nicht auf dem Radar, dass China bereits einen Quantensatelliten im All laufen hat, der eine spukhafte Fernwirkung auf die Kommunikation haben soll. Angeblich kann man bei diesem Quantensatelliten keine Daten mehr hacken, die Kommunikation sei durch die Quantenkryptographie sämtlichen gängigen Entschlüsselungsmethoden gegenüber immun.[1]

Auch wenn Google auf der Erde offiziell als Erster einen Quantencomputer stabil zur Anwendung gebracht hat, China steht um nichts hinten nach – aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Wo steht Deutschland, die EU, insbesondere Ihr Unternehmen im Wettrüsten von Quantentechnik, Quantenkryptographie, Künstlicher Intelligenz (KI), Neuroscience, Bio- und Nanotechnologie?

Ob man will oder nicht, Deutschland zählt nicht mehr zu den Top 10 was die neuen Technologien betrifft – und das sollte Grund genug sein, sich deutlich mehr Gedanken über die Zukunft zu machen, als man es anscheinend tut. Deutschland unterschätzt möglicherweise die Kraft und Macht der Supercomputer, der Neurotechnik und den Einsatz von KI, die alles revolutionieren könnten – Materialforschung, Finanzdienste, die Astrophysik bis hin zur Medizin, Verkehrsüberwachung, Molekülbewegungen, selbst Klimaauseinandersetzung, … – einfach alles.[2] Die Neurowissenschaft spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der flexibel arbeitende, selbstlernende Roboter am Fließband.

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Gerade diesem Aspekt, der Kraft der Neurowissenschaft in Verbindung mit Big Data, wird scheinbar zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[3] Der Westen mag dem mit Vorbehalt gegenüberstehen, der Osten hingegen sammelt fröhlich Daten und kann damit experimentieren. Das kann ein Nach- aber auch ein Vorteil sein. Wie dem auch sei, die Neurotechnik wird vermutlich auch nicht bei uns halt machen.

  • Mit Hilfe neuer und deutlich umfangreicheren Messmöglichkeiten von Gehirnströmen bzw. Gehirnaktivitäten, lassen sich vielfältigste äußerst genaue Informationen erstellen über die Aufmerksamkeit, Konzentration, über die Stimmungslage des Menschen und das Sozialverhalten. Die Nutzung dieser Informationen gehen tief, bis hin zu Lernempfehlungen für Kinder.

  • Darüber hinaus ist es angeblich sogar möglich, die Einstellungen und Empfindungen von Personen untereinander zu messen und zu analysieren – beispielsweise, ob zwei MitarbeiterInnen miteinander Probleme haben. Wenn das der Fall sein sollte, dann kann man gezielt Impulse setzen, sprich die Emotionen manipulieren, damit beispielsweise aus Ärger Empathie wird.

  • Angst, Stress, Freude, Wut, … lässt sich nicht mehr verheimlichen. Stattdessen geht man her, misst, analysiert und versucht anhand der Daten das Leben noch weiter zu optimieren.

  • Selbst Ästhetik findet eine neue Form der Messbarkeit und damit Anwendung. In China konnte mit Hilfe von Emotionsdaten ein Produkt, dass ein Ladenhüter war, entsprechend der Datenanalyse neu designt werden, und wurde von einem Tag zum anderen ein Kassenschlager.

Dieser Ansatz, Emotionen zu nutzen, um gezielt Menschen zu beeinflussen ist selbstverständlich nichts Neues. Jede Marketingabteilung nutzt die Kraft der Emotionen, um Produkte und Dienstleistungen attraktiv wirken zu lassen und die Kauflust darauf zu wecken. Jeder weiß, dass Ästhetik bzw. Gefühle eine Rolle spielen. Bisher hat man sich intuitiv mit ein paar soziologischen Analysen darauf verlassen, wie man die Emotionen der KundInnen positiv triggert. Heute, mit der neuen Technologie, können die Emotionen hingegen äußerst genau gemessen, analysiert und zu großen Datenclustern zusammengefügt werden. Man kann mit den neuen Technologien unfassbar viel erfahren, was Menschen bewegt, was sie sich wünschen, was sie beängstigt, …

Das ist die Revolution, die Fülle an Daten, die noch dazu die stärkste Kraft mitanalysiert – die Emotionen.

Mit Hilfe der Gesichtserkennung- und Aufmerksamkeitsanalysen kann man Auswertungen erstellen, die in dieser Art noch nie möglich waren. Selbstverständlich werden diese Analysen nicht einfach nur so ins Blaue hin erstellt, sondern sehr gezielt für Politik, Wirtschaft, aber auch für Medizin und andere Bereiche, wie die Kunst zu nutzen gesucht.

  • Mag sein, dass es schön ist, wenn man beispielsweise die neuen Technologien und Messmöglichkeiten dahingehend einsetzt, um sich beispielsweise wieder mit einem bestimmten Mitarbeiter besser zu verstehen?![4]

  • Mag sein, dass eine Lebensverlängerung mittels DNA-Hacking die Sehnsucht der Menschen, ein längeres, gesünderes Leben zu führen, positiv zu befriedigen vermag.

  • Die Drohnensteuerung durch Gedankenübertragung mag eine nette Spielerei sein,

  • oder man genießt einfach nur virtuelle, holographische Freundschaften, ohne bei dieser Art von Freundschaft kritisch angesprochen zu werden, wenn man etwas sagt, was nicht ganz stimmig ist. Abgesehen davon haben diese virtuellen Freunde genau dann Zeit, wenn man selbst Zeit hat.[5]

Das neue Zeitalter mag mit dem, was man fähig sein wird zu messen, zu analysieren, zu produzieren, den Menschen auf eine Macht- und gleichzeitig Ohnmachtsstufe stellen, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

So gesehen sollte man sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, was nach der Digitalisierung kommt, weil die Phase der Digitalisierung selbst kurz sein wird, und darüber hinaus Digitalisierung mit den Attributen wie Agilität, Kollaboration, Sinnökonomie, flache Hierarchien, zusammengefügt unter dem Synonym New Work, ohnehin aktuell zu oft missinterpretiert bzw. abgespeckt und damit unzureichend umzusetzen gesucht wird.

Schon wieder eine Digitalisierungs-Predigt vom Wagner – denken Sie vielleicht. Fast hat es den Anschein, dass nur ich mit einigen anderen scheinbar die Entwicklungen verschlafe, und nun im Eiltempo zu erfassen suche, was da alles passiert. Mag jedoch auch sein, dass es Ihnen ähnlich geht wie mir. Kann ebenso sein, dass Sie der Meinung sind, dass Quantentechnik und der andere neue Technikkram bloß was für die Riesenkonzerne dieser Welt bzw. für die großen Forschungslabs sind. Sie warten lieber ab, und wenn die neue Technik alltagstauglich wird, dann greifen Sie zu.

Und genau diesen Zugang zu den Entwicklungen sehe ich kritisch. Ja, es stimmt, die Riesen haben die Ressourcen und Möglichkeiten sich eingehend mit der Entwicklung der Technik auseinanderzusetzen. Aber es ist meiner Meinung nach fatal, erst bei offiziellem Startschuss der neuesten Technik sich mit diesen neuen Spielereien intensiver auseinanderzusetzen. Ich habe den Eindruck, ebenso wie andere, mit denen ich darüber diskutiere, dass zu viele Unternehmen, selbst Konzerne, sowohl die technischen Entwicklungen wie auch die damit verbundenen Folgen in den möglichen Wirksamkeiten unterschätzen.

Mag sein, dass dies auch absichtsvoll so gehandhabt wird, weil man einfach das, was jetzt an Gewinnen noch machbar ist, einstreifen will. Wie dem auch sei, die einen versuchen jetzt noch schnell alles herauszuholen, was herauszuholen geht, die anderen sehen noch gar keinen Handlungsbedarf, weil man davon ausgeht, dass die Veränderungen durch den Einsatz der Supercomputer ohnehin vollkommen überzeichnet werden. Ganz egal wie Sie es jetzt sehen, der erste Quantenrechner läuft, und ich frage Sie jetzt ganz direkt:

  • Was wissen Sie konkret über Quantencomputer und deren Arbeitskraft? Was wissen Sie konkret über Quantentechnologie, über KI wie auch Neurotechnik, über den Einsatz, die Möglichkeiten, Chancen und auch Folgen dieser technischen Entwicklungen?

Im Anschluss an diese Frage gehe ich noch einen Schritt weiter – das hat einen Grund, der sich im zweiten Teil von diesem Artikel in der Relevanz erschließen lässt. Aber jetzt gehen wir über das möglicherweise fehlende Wissen in Bezug auf die Technik hinweg, in die Zukunft hinein und fragen uns:

  • Was kommt nach der Digitalisierung?

  • Was kommt nach den agilen Arbeitsweisen im Digitalisierungsprozess?

  • Leben wir vielleicht in der Zukunft in einer Zeit, die ähnlich scheint wie im Film Matrix, wo eine kleine Gruppe von Menschen gegen die Macht der Maschinen ein selbstbestimmtes Leben zu bewahren sucht, obgleich dieses im Vergleich zu dem manipulierten Leben deutlich nüchterner scheint?

  • Leben wir u.U. in Liebesbeziehungen mit einer KI?

  • Wird mit Hilfe der Nano- und Biotechnologie das individuelle Leben deutlich verlängert, und wir haben 200 Jahre Zeit, unser Leben zu leben? Wenn das möglich wird, was macht das mit uns persönlich, mit der Gesellschaft, …?

  • Wäre es auch denkbar, dass aufgrund der Klimaveränderungen sich das Leben ebenfalls auswirkungsreich verändert – in einer Weise, die wir nicht für möglich halten würden. Zum einen, indem vielleicht große Gruppen von Klimaflüchtlingen durch die Welt ziehen, Ressourcenkämpfe stattfinden. Zum anderen entwickelt sich vielleicht eine große Besinnung, dahingehend, rückbesinnend im Respekt und Einklang mit der Natur zu leben, die Kreislaufwirtschaft mit Hilfe der neuen Technologien zu nutzen suchen, gänzlich neue Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht auf Basis von Raubbau produziert werden?

  • Könnte auch sein, dass man in Zukunft vorwiegend künstlich hergestellte Lebensmittel isst, ausgedruckt aus 3-D-Druckern, angereichter mit genau individuell abgestimmten Nährstoffen, die präzise auf den Organismus abgestimmt sind. Viele Krankheiten verschwinden, können gezielt geheilt werden, wo man heute noch kämpft. Vielleicht ist es sogar möglich, den Körper zu verändern, indem man gezielt manipulativ einwirkt – wie ich schon vorhin als DNA-Hacking erwähnt habe.

Diese Fragen und viele weitere mehr müssen wir uns stellen, weil die aktuellen Entwicklungen so rasant gehen, und in einer Wucht das Leben, Ihre Unternehmen auf den Kopf stellen könnten. Wie dem auch sei, selbst jetzt schon sind die Veränderungen gewaltig, und die alten Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen stehen dem hinderlich gegenüber. Das spüren Sie im Unternehmen ohnehin ganz genau – nicht grundlos werden so gut wie überall Changeprozesse aufgesetzt. Aber Agilität und im noch größeren Format New Work wirklich erfolgsversprechend im Unternehmen zu implementieren, ist deutlich schwerer als gedacht. Das zeigt sich daran, dass 2/3 in dem Versuch, das Unternehmen agil werden zu lassen, neue Arbeitsweisen erfolgsversprechend zu integrieren, scheitern.[6]

Genau genommen stecken wir in einem Dilemma – es scheint weder in die eine Richtung weiter zu gehen noch in die andere Richtung, deren Arbeits- und Wirkungsweisen scheinbar noch in der Zukunft zu liegen scheinen. Was also tun? Gehen wir vielleicht wieder zurück zu der Quelle von New Work. Dort sehe ich etwas, was uns dienlich sein könnte und gleichzeitig die Zukunftsfrage, was nach der Agilität kommt, einsichtig werden lässt. Im ursprünglichen Verständnis von New Work heißt es:

  1. Ein Drittel der Arbeitszeit sollte der Selbstversorgung dienen, also Arbeit sein, die man für sich selbst macht.

  2. Ein Drittel sollte die gewöhnliche Erwerbszeit ausmachen – außer man schafft es mit der Selbstversorgung gänzlich auszukommen.

  3. Das letzte Drittel – und dieses sei jenes, das am schwierigsten umzusetzen ist – sollte mit einer Arbeit erfüllt sein, zu der man sich berufen fühlt. Einer Arbeit, die man „wirklich, wirklich, wirklich machen will“. Warum das jedoch so schwierig sei, erklärt der Begründer von New Work, Frithjof Bergmann damit, dass Menschen verlernt hätten, auf sich selbst zu hören. Die Kultur, in der wir sozialisiert sind, basiert auf Zähmung.[7]

Tragend auf diesen 3 Säulen hat Bergmann in den 80er Jahren des 20.Jhdt. einen Wandel in der Automobilindustrie in der US-Stadt Flint initiiert. Dort gründete er sein Zentrum für Neue Arbeit, um Massenentlassungen mit seinem Konzept entgegenzuwirken. Massenentlassungen könnten uns erneut aufgrund der Digitalisierung heimsuchen. Damals sollten die MitarbeiterInnen jedenfalls sechs Monate in der Fabrik arbeiten, und die anderen sechs Monate darüber nachdenken, was sie wirklich tun wollen. Das Zentrum von Bergmann hätte die aufkeimenden Ideen in der Umsetzung unterstützt. ABER die MitarbeiterInnen waren davon nicht begeistert, haben vielmehr mit Skepsis, Zweifel und sogar Tränen reagiert.[8]

Bergmann erklärt sich diese Reaktion damit, dass all jene mit neuen Strukturen und neuen Verantwortlichkeiten Schwierigkeiten hätten, die sich nicht mit der Frage beschäftigen, was sie im Leben wirklich wollen. Diese Menschen sind seiner Meinung nach feige.[9] Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich möchte es eher dahingehend zu verstehen suchen, dass einigen dieser Menschen eine tief verankernde Vision fehlt, ein Lebensinhalt, der über die Befriedigung von materiellen Gütern, über Ruhm, Ehre, Status hinausgeht.

Sie fragen sich jetzt vielleicht zu Recht, worauf ich überhaupt hinaus will? Die Herausforderungen sind gewaltig, und ich komme jetzt mit Sinnfragen. Das mag auf den ersten Blick Unmut erzeugen, nervös machen, verärgern. Sie brauchen dringend Lösungen, um die Herausforderungen zu meistern, keine Sinnsuche.

Schenken Sie mir bitte noch etwas Zeit, damit ich Ihnen verständlicher machen kann, worauf ich hinaus will, wo ich meine ein Lösungspotential zu erschließen, dass auf jeden Fall wirksam ist – so oder so.

Ich bitte Sie jetzt, mit mir gemeinsam erneut einen Blick auf die Automobilbranche zu werfen. Machen wir eine Ist-Aufnahme: Die Automobilbranche steckt aktuell offensichtlich wieder in einer Krise, die sicherlich durch die Digitalisierung mitgetragen wird, aber nicht nur. Von Bosch über Continental bis ZF, in der Zulieferer-Branche steht ein massiver Jobabbau an, Fabriken droht die Schließung. Dazu kommen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Insolvenzen der kleinen, oft unbekannten Zulieferfirmen. Bei der vergangenen großen Krise vor mehr als zehn Jahren gab es Rezepte, die das Schlimmste verhinderten: Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten leerräumen, mal für ein paar Tage die Halle zusperren. Es sind Rezepte für die ganz normale Krise.

Was in diesen Monaten in der Autobranche passiert, ist aber keine dieser normalen Krisen, zu denen man in den Lehrbüchern der Betriebswirtschaftslehre nach Antworten suchen kann. Diesmal geht es um einen Umbruch, wie ihn die Autoindustrie noch nicht erlebt hat, weil u.a. vieles von dem, was produziert wird, künftig nicht mehr gebraucht wird.[10]

  • Man hat es verabsäumt, sich ernsthaft genug die Frage zu stellen, was kommt ganz konkret nach den Benzinmotoren?

  • Wie sieht überhaupt die Mobilität in 30ig Jahren aus?

Es ist nicht so, dass sich dieses Wissen bzw. die damit verbunden Zukunftsherausforderungen erst in den vergangenen Wochen gezeigt hätte. In der Branche wissen die PlanerInnen seit Langem, wo die Reise hingeht. Aber solange sich Benziner und Diesel gut verkauften (und sie werden sich noch einige Jahre verkaufen), gibt man sich der Illusion hin, dass es doch noch so weitergehen würde. Warum umsteuern? Läuft doch.[11] Aber der Abschwung ist im Gange. Die Party neigt sich dem Ende.

Man muss sich vorstellen, dass die Mehrheit der Menschen in Zukunft in Ballungszentren leben werden. 1950 lebten noch 2/3 der Menschen in ländlichen Gebieten. Bis 2050 werden hingegen 2/3 der Menschen weltweit in Ballungszentren wohnhaft sein. Dort wird es immer schwieriger mit privaten Autos bequem von einem Bezirk zum anderen zu kommen, abgesehen von den akuten Luftproblemen. Die Mobilität der Zukunft mag deshalb schon anders aussehen – bedingt durch das veränderte Leben der Menschen. Doch man konzentriert sich noch immer so sehr auf die Motorentechnologie, anstatt in großen Dimensionen zu denken, zu erspüren, was in Zukunft überhaupt noch sinnvoll und damit auch wirtschaftlich rentabel ist.

Mag sein, dass viele von Ihnen ohnehin so weit denken, und die Zukunft sehr konkret im Blick haben. Andererseits merke ich in den vielen Diskussionen die ich führe, dass die Bereitschaft zum ausgiebigen Zukunftscheck vorhanden sein mag, aber es mangelt gravierend bei vielen an der Zeit, sich wirklich tiefgreifend mit den technischen Entwicklungen und den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Das Tagesgeschäft lässt kaum Räume frei, sich intensiver mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist aber notwendig, damit man die Entwicklungen, den Fortschritt, die damit verbundenen Möglichkeiten nicht verschläft, sondern gewissenhaft erfolgsversprechend zu nutzen versteht.

Der Fortschritt lässt nicht auf sich warten, bis Sie Zeit finden sich eingehender damit auseinanderzusetzen – weder was die Mobilität angeht noch was die Verwendung von Daten betrifft.

Resümee: Europa braucht mehr utopische Energie

Im Magazin Nr. 1 heißt es, wir brauen Utopien als Kompassnadel, die uns den Weg weisen. Es genügt nicht mehr zu fragen, wie man agil wird, wie man die Unternehmen in einem digitalen Zeitalter bestmöglich platzieren kann, wie man beispielsweise die Verkaufszahlen von Benzinautos noch ankurbeln kann.

Hingegen zeigt sich, dass kaum positive Visionen, kaum eine Utopie zu denken gewagt wird. Stattdessen hört man vorwiegend Horrormeldungen. Viele Intellektuelle scheinen in einem pessimistischen Modus gefangen zu sein, man widmet sich lieber mit großer Lust einem möglichen Untergang, als bahnbrechende Utopien in Verbindung mit den technischen Möglichkeiten durchzukauen.[12]

Das ist äußerst Schade. Denn so lassen sich die Fragen, was nach der Agilität, was nach den Benzinmotoren kommt, wie man die Digitalisierung wirklich erfolgsversprechend meistern kann, nicht aussichtsreich beantworten. Vielleicht sollte man auch weniger von Utopie sprechen. Mag sein, dass dieses Wort bei einigen Widerstand, eine kognitive Dissonanz auslöst. Dann wären wir wieder beim Anfang, dort, wo Agilität scheitert, dort wo man die technologische Revolution und die damit verbundenen Folgen u.U. verschläft bzw. (un)bewusst zu ignorieren sucht. Also versuchen wir es erneut, stellen wir uns einerseits den Herausforderungen und wagen andererseits einen Bewusstseinssprung in die Zukunft.

  • Fakt ist: Computer arbeiten jetzt schon, demnächst noch viel mehr, derart besser und leistungsfähiger als Menschen, dass vermutlich viele Tätigkeiten, die diese Supercomputer in Zukunft übernehmen können, vermutlich auch von diesen übernommen werden. Gleichzeitig könnte es sein, dass man sich als Mensch mit der Leistungskapazität der Computer irgendwann einmal auch verbinden kann bzw. muss. Was dann passiert, das wäre nochmals ein Aspekt, den man mitdenken könnte.

  • Ein weiterer Fakt könnte sein, dass jene, die unter den Ersten sind, die Quantencomputer, KI, Neurotechnik, … vor den vielen anderen zu meistern verstehen, die damit verbundene Macht missbrauchen. Vielleicht darf man aber gar nicht nur die möglichen wenigen MonopolistInnen in Betracht ziehen, weil vielleicht sogar schon bald mehr als man sich vorstellen kann, mit den unterschiedlichen Variationen der Entwicklungen arbeiten können. Dahingehend könnte ein Datenmissbrauch überall stattfinden. Denn wer würde nicht die Möglichkeiten nutzen, die Fülle an Daten für unternehmerische Eigenzwecke zu nutzen suchen.

  • Mag aber auch sein, dass die Skepsis in Bezug auf die Neurotechnik in den westlichen Ländern so groß ist, dass man ohnehin nicht so leicht zu den vielversprechenden Daten kommt. China hat damit kaum Probleme, bewertet, gemessen, emotional erfasst zu werden. Japan hat ebenfalls keine Probleme sich beispielsweise mit KI als Ersatz für Menschen zu arrangieren. Die JapanerInnen sind sogar der Meinung, dass die KI ihnen helfen könnte, ein besserer Mensch zu werden. Die KI hätte ebenso eine Seele, wie alles andere auf diesem Planeten. Diese japanische Sichtweise rührt aus der uralten japanischen Shinzo-Tradition heraus. Das mögen jetzt manche von Ihnen äußerst skurril sehen, an den Haaren herbeigezogen, aber es wirkt in Bezug auf den Umgang mit KI.[13]

Die Fakten liegen doch ziemlich eindeutig auf der Hand, doch was die Fakten zu Taten werden lässt, das sind die Emotionen.

Emotionen ziehen in den Bann. Das, was ich vor kurzem in „Jedermann Reloaded“ hautnah, fast schon quälend von Philip Hochmair in der Rolle des Jedermanns zu spüren bekam – in dem Kampf, das Leben nur aus egoistischer Befriedigung heraus sinnerfüllt zu verstehen, und dann im Angesicht des Todes zu merken, dass man u.U. so das Leben missverstanden geführt hat. Wenn man die Sinnfrage ernsthaft rauslässt, dann mag das manche irritieren, aber so gut wie fast immer Emotionen und Gedankenimpulse auslösen. Und genau das braucht es jetzt im Prozess der Digitalisierung – Betroffenheit.

So gesehen ist es fast verständlich, dass New Work oder auch Agilität scheitern musste. New Work, ebenso wie Agilität war/ist zu selten emotional sinnerfüllt beflügelt. Es fehlt an Begeisterung, an ehrlichem tief verankertem Sinn. Es mangelt an einem inneren Bedürfnis, die Welt mit etwas was einem selbst wirklich wichtig und richtig scheint, bereichern zu wollen. So gesehen gibt es eigentlich nur einen Weg, die Digitalisierung und die Folgen erfolgsversprechend zu meistern:

Lösung ist einzig allein der Mensch. Dieser rückt mit den menschlichen Fähigkeiten Empathie, Mitgefühl, Liebe, Kreativität, Sinnsuche in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die kognitiven Fähigkeiten übernehmen die Computer, die emotionalen Fähigkeiten können Computer messen, analysieren und entsprechende Diagnosen stellen – aber die Kraft des menschlichen Bewusstseins über die Endlichkeit des Lebens obliegt den Menschen.

Diese Fähigkeit, manche würden hierbei vielleicht sogar von der spirituellen Dimension des Menschen sprechen, mag in Zukunft vielleicht die einzige Kraft sein, die ein Computer nicht zu beherrschen vermag. Die Emotionen könnten manipuliert werden. Aber ein geschultes Bewusstsein, verankert in einer übergeordneten Kraft, vertrauensvoll eingebunden in das Leben in seiner Unendlichkeit, ist vermutlich jedem Computer gegenüber überlegen. Vielleicht ist es das, was nach der Agilität kommt – ein Bewusstseinssprung hin zu mehr Achtsamkeit, eine Bewusstseinsschärfung dem Leben als Ganzes gegenüber, ein Lösungsansatz, auf der Spiral Dynamics u.a. auch fußt.

Das ich mit diesem Ansatz nicht ganz daneben liege, oder gar als Spinner angesehen werde, sehe ich daran, dass der Spiral Dynamics Ansatz bereits mehrfach als relevanter Arbeitsansatz zur Bewältigung von Krisen in Wirtschaft, Politik und expliziten Krisenherden dieser Welt herangezogen wurde. Bill Clinton, Tony Blair und Nelson Mandela arbeiteten ebenfalls mit diesem Modell. Dieses Modell diente u.a. zur Unterstützung des Übergangs zu einer Post-Apartheid-Ära in Südafrika.[14] Die jungen Generationen scheinen diesem Arbeitsansatz ebenfalls offen gegenüberzustehen, ziehen diesen in MBA-Arbeiten heran, um die komplexen Probleme unserer Zeit in neuer Weise erfassen und lösen zu können.

Ich weiß nicht, ob Sie das Spiral Dynamics Modell kennen – vielleicht ist es auch nicht notwendig, wenn Sie sich ehrlich und ernsthaft Ihre persönliche Sinnfrage stellen, und dann davon ausgehend einen Blick machen hin zur Digitalisierung, hin zur Quantentechnologie, hin zur Neurotechnik.

Vielleicht spüren Sie, dass Sie Ihr Wissen in Bezug auf die neuen Technologien verbessern müssen, oder Sie merken, Ihr Sinn für das was Sie tun, muss vielleicht auch ein wenig nachgeschärft werden. Egal von wo Sie aus auf die Herausforderungen unserer Zeit blicken, Sie wissen genau, dass Quantencomputer den Menschen in den rationalen Fähigkeiten um Längen voraus sein werden. Sie ahnen vielleicht auch, dass Sie Lösungen brauchen, die nicht mehr rein betriebswirtschaftlich gefunden werden können, sondern auf einer anderen Ebene zu finden sein werden – möglicherweise dort wo die Achtsamkeit daheim ist, dort wo wir Menschen im Bewusstsein in der unendlichen Natur verankert sind. Dann mag Agilität ganz anders erscheinen, vielleicht sogar wirkungsvoll werden, und wie magisch die Herausforderungen der Digitalisierung zu managen fähig sein.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[2] https://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article165724737/Chinas-Quantencomputer-sind-die-Schnellsten.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[4] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[5] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[6] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[7] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[8] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[9] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[10] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[11] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[12] Ein Interview mit Aleida Assmann: Genug Apokalyptische Klugheit. In: Magazin Nr. 1 / 2019 20 – Utopie.
[13] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics. Am 2019-10-30 gelesen.

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Google setzt neue Maßstäbe – Digitalisierung muss reloaded werden

Google setzt neue Maßstäbe - Digitalisierung muss reloaded werden

Es ist erst einige Tage her, als ich Anders Indset, Business-Philosoph, in Salzburg getroffen habe. Mich mit ihm und Christine Vallaster in einem Expertentalk ausgetauscht, und ihn auch als Gastreferent beim Kongress New Business Models über die Herausforderungen der Wirtschaft sprechen hörte.

Währenddessen ist etwas eingetreten, was Folgen haben könnte, die man bisher wie eine heiße Kartoffel vor sich hergeschoben hat. Das was bisher VordenkeInnen, wie u.a. Indset in Bezug auf die weitreichende Dynamik von Digitalisierung, Quantencomputer, Artificial Intelligence (AI) und den entsprechenden Folgen der Wirtschaft, trotz Negierungen und Verharmlosungen, verständlich zu machen suchten, wird aktuell mit dem Arbeitsstart von dem Chip namens Sycamore von Google vielleicht begreifbarer. Dieser Quantencomputer kann in 200 Sekunden eine Berechnung durchführen, für die der schnellste Supercomputer der Welt angeblich noch 10 000 Jahre braucht.[1] Mag sein, dass letzte Aussage übertrieben ist, aber an den Reaktionen im Netz merkt man, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, genau hinzusehen.

Vielleicht ist man jetzt mit dem offiziellen Arbeitsstart des ersten Quantencomputers in der Wirtschaft bereit, ehrliche Antworten zu suchen auf schicksalshafte Fragen, die man bisher nicht zu fragen bereit war?! Eines zeigt sich bereits, die Reaktionen auf die Meldung des Arbeitsstartes von Sycamore reichen von höchst euphorisch bis hin zu sehr bedenklich – insbesondere von der IT-Seite, die bisher meinem Empfinden nach die Entwicklungen wenig kritisch kommentiert hat, zeigt sich Sorge.

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Die Notwendigkeit von Veränderungen hat man im Digitalisierungsprozess zwar faktisch anerkannt, aber in der Reichweite und den Folgen weder rational noch emotional akzeptiert. Dieser Umstand macht es schwer, sehr schwer, egal von welcher Seite man kommt, wirklich ernsthaft und ehrlich über Fakten, Herausforderungen, Widerstände, Illusionen und (un)bewusste Verzerrungen, Täuschungen zu diskutieren – mit dem offiziellen Arbeitsstart von Sycamore mag sich das vielleicht schlagartig ändern.

Hinter verschlossenen Türen hat man vermutlich sehr wohl die Folgen bedacht, aber offen wird darüber ungern diskutiert. Mag aber auch sein, dass tatsächlich viele das Thema Quantencomputer, AI noch als zu utopisch oder zu aufgeblasen ansehen. Dem folgt dazu noch der Umstand, dass die demografische Überalterung in der EU zusätzlich das Verständnis oder sagen wir die Offenheit und den damit verbundenen Weitblick bzgl. der Digitalisierung verzerrt. Die Frage und die daraus resultierenden Folgen der demografischen Überalterung in der EU wird einfach nicht gestellt. Mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren in der EU, im Vergleich zu der Bevölkerungsexplosion in Afrika, wo beispielsweise im Niger das Durchschnittsalter bei 15 Jahren liegt [2], wird die Digitalisierung innerhalb der EU zusätzlich eingeschränkt sowie verzerrt verstanden, und ebenso zur Umsetzung geführt.

Man muss sich klar vor Augen führen, wo die Märkte und Träume der Zukunft sind – weniger in der EU mit einer überalterten Generation, schon eher in China, Indien, Afrika, … . Und genau diese Länder, teilweise noch sehr geprägt von Überlebenskämpfen, werden vielleicht durch die Digitalisierung, durch den Einsatz von Quantencomputer und AI ihre eingeschränkten Möglichkeiten zu neuen Chancen wachsen lassen – in einer Weise, die uns Menschen in der EU aus einem gesättigten, überalterten Wissen und Leben heraus schwer erschließbar ist.

InderInnen, ChinesInnen, AfrikanerInnen machen sich keine Gedanken, ob sie möglicherweise durch den Einsatz von Quantencomputern und Co. etwas verlieren könnten. Sie sind es ohnehin gewohnt, sich ständig neu ums Überleben zu kümmern, verlieren damit möglicherweise deutlich weniger beim Experimentieren mit explosionsartig ausufernden Errungenschaften. Diese Länder sind bereit, sich auf das neue Zeitalter einzulassen, in einer Weise, die vielleicht uns in der EU erschrecken mag.

Diese Länder werden möglicherweise fast schon naiv anmutend die neuen Spielzeuge zu nutzen suchen. Länder wie China, Afrika, Indien, … kooperieren mit der Digitalisierung, mit Quantencomputern und AI mit scheinbar deutlich weniger Hemmung. Und genau deshalb mag gerade dort die digitale, agil, kollaborativ wirkende Utopie einer globalen Welt mit grenzenlosen Möglichkeiten Unmögliches offen gegenüberstehen – mit der Gefahr, dass genau das dort missbraucht wird, mit Folgen über den ganzen Globus hinweg. Zufall, Schicksal kollaboriert möglicherweise in Zukunft mit Hilfe von Quantencomputern in Ländern wie China, Afrika, Indien u.U. zu ungeahnten Eventualitäten und unglaublichen Möglichkeiten, aber auch Folgen, die schwer absehbar sind.

China setzt ganz sicher alles daran, ebenfalls bald einen Quantencomputer stabil zum Laufen zu bringen. Afrika steht da vermutlich ganz woanders, ABER deshalb darf man Afrika in Verbindung mit dem Einsatz von Quantencomputern und AI nicht unterschätzen. Aufgrund des Überlebenskampfes dort, der damit verbundenen Lebensausrichtung, dem damit verbundenen Lebenssinn, mag die Wirkungsweise von Quantencomputern und AI dort in einer Weise kreativ genutzt werden, die von unserem meist mechanistisch geprägten Denken nicht für möglich gehalten wird – ebenfalls mit Folgen, die man nicht abschätzen kann.

Ich weiß, meine Aussagen sind heute äußerst plakativ und nicht wissenschaftlich zu belegen. Um das geht es mir im Moment auch nicht. Sondern darum, das Bewusstsein der Unternehmen zu rütteln für die Folgen, die Quantencomputer und AI auslösen könnten.

Die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht mehr im Boden, sondern zwischen den Ohren – so die Aussage von Indset [3] und anderen VordenkerInnen, deren Worte jedoch meiner Wahrnehmung nach gerade in Industrieländern mit überalterten Generationen bloß wie Seifenblasen in der Luft zerplatzen. Die Digitalisierung ist eine Revolution, die Chancen offenbart, Veränderungen anregt, die von Orten in die Welt hinauswirken, in einer Weise, die man sich kaum vorstellen kann. Das Zukunftsszenario, das im Zeitalter der Digitalisierung andere an die Macht kommen als jene, die in der Industrialisierung die Macht sich gesichert haben, scheint für uns in der EU einfach nicht vorstellbar. Genau diese verzerrte, eingeschränkte Wahrnehmung der Wirklichkeit kann uns in Zukunft, vielleicht sogar schon sehr bald durch den Einsatz von Quantencomputern und der AI, aber ebenso durch die demografische Ignoranz, Pläne, Ziele in einer Weise durchkreuzen, die wir jetzt im Moment einfach nicht für möglich halten wollen.

Statt anzuerkennen bzw. zuzugeben, dass man u.U. die Digitalisierung, den Einsatz von Quantencomputern, AI und die Einflussgrößen dieser falsch einschätzt bzw. unterbewertet, macht man das Gegenteil: Man fixiert das Denken auf die noch vorhandenen Erfolge ganz im Verständnis der positiven Psychologie, fast schon esoterisch anmutend. Man meint, man muss nur positiv denken, dann wird es auch positiv werden. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn die Esoterik ist in der Wirtschaft verschrien. Aber was die aktuellen Veränderungsbeweihräucherungen in Bezug auf die Digitalisierung der Unternehmen betrifft, zeigt sich fast schon ein naives esoterisches Vorgehen.

Das mag Sie jetzt verärgern. Zu Recht, denn es gibt sicherlich viele unter Ihnen, die wirklich bemüht sind, die Herausforderungen der Digitalisierung umfassend zu verstehen, und nicht nur den Quartalsberichten blind zujubeln und ehrliche Zukunftsprognosen verschleiern. Dennoch gibt es auch genug Unternehmen, die im Rausch der vergangenen Erfolge, die Digitalisierung und die Folgen dieser negieren bzw. kleinreden.

Decadence for you and me, decadence…

In jedem Fall entscheid‘ ich mich, Egal, ob nobel oder nicht, Besser neureich sein als nie reich sein, Und in Gesellschaft nicht allein.

Let’s decadence at all events, Im Walzerschritt zum letzten Tritt, Denn wer den Walzer richtig tritt, Der ist auch für den Abgang fit.

Eine harte Aussage, die ich aus dem Lied Titanic von Falco kurzfristig für die jetzige Situation mir ausgeliehen habe [4], weil ich finde, es passt irgendwie in Bezug auf das, wie man mit den aktuellen Entwicklungen umgeht.

  • Was passiert, wenn 2020, sprich im kommenden Jahr, in Ihrem Unternehmen ein Quantencomputer, ein 2000 Qubits Rechner zum Einsatz gebracht wird? Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit als Führungskraft, für die Arbeitsprozesse Ihrer MitarbeiterInnen, für die IT, für die KundInnen, für Ihre GeschäftspartnerInnen? Werden Sie sich in Ihren Entscheidungen dann vorwiegend auf die Prognosen und Handlungsweisen des 2000 Qubits Computer verlassen? Möglicherweise trifft dieser jedoch Entscheidungen, die Ihnen fremdartig und skurril, unethisch oder umgekehrt sogar ethisch überbewertet erscheinen? Was machen Sie dann?

  • Wäre es für Sie darüber hinaus vorstellbar, dass aufgrund der Digitalisierung Länder, wie beispielsweise in Afrika, eine neue Konkurrenz werden? Wäre es denkbar, dass aufgrund der digitalen Möglichkeiten, die Wirtschaft sich ganz neu definiert, weil mit Hilfe von Quantencomputern und AI ganz neue Player zum Zug kommen können, die ohne Digitalisierung so das Feld nicht betreten hätten? Wäre es erwägbar, dass mit Hilfe von 3-D-Druckern, mit Hilfe von AI und anderen Tools, im WeQ-vernetzten Denken und Wirken, Menschen überall auf der Welt, von nahezu jedem Ort aus etwas kreieren, produzieren und in die Welt hinaus vertreiben könnten? Wenn ja, was würde sich dadurch für Sie und Ihr Unternehmen ändern?

  • Was glauben Sie, welche Visionen und welche Skills werden Sie morgen, im Jahr 2020 und darüber hinaus in Ihrem Unternehmen ernsthaft und ehrlich konkret brauchen, um im digitalen Wirkungsfeld neben Quantencomputern, AI und einer großen jungen Maße von neuen Playern, nicht das Nachsehen zu haben?

Menschen, wie Unternehmen stehen, vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[5] Und die Menschen streben nach dem Nutzen solcher besser arbeitenden Algorithmen. Der Einsatz von dem Chip Sycamore zeigt klar und deutlich den Trend. Was man dabei übersieht, der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir u.U. zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[6] Durch die Algorithmen wird auch wieder die Kluft zwischen arm und reich steigen – was das in Folge heißt, dafür blicken Sie bitte zurück in die Geschichte. So gesehen mag beispielsweise Afrika im Digitalisierungsprozess kaum eine Chance haben, und gleichzeitig aber aufgrund der Geschichte und der damit verbundenen notwendigen ständigen Überlebensstrategien vielleicht auf Kompetenzen, auf psychologische Überlebensstrategien zurückgreifen, die wir in der sicheren, bequemen EU nur mehr eingeschränkt zu nutzen fähig sind.

Ich will, wenn ich ehrlich bin, auch nicht wahrhaben, dass die Quantencomputer und AI unser Leben derart verändern könnte. Aber gleichzeitig kann ich auch nicht mehr so tun, als ob das Gerede um den Homo obsuletus, um einen unerbittlichen Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine bloß ein Marketinggag ist, eine abenteuerlustige Story wie die vom Zauberlehrling von Goethe, der Geister zur Machtdemonstration rief, die ihm dann aber das Leben zur Hölle machten. Ich kann die weltberühmte Story über die Schöpfung von Dr. Frankenstein nicht mehr nur als Story belächeln, in der Frankenstein beseelt war, von der Idee künstliches Leben zu erschaffen. Etwas Bahnbrechendes in die Welt setzen wollte, aber stattdessen durch die eigene Schöpfung zu Grunde ging. Frankenstein scheiterte mit seiner Errungenschaft in der Geschichte jedoch nicht, weil seine von ihm erschaffene Kreatur schlecht war, sondern weil er sich um diese nach dem Schaffensprozess hinaus viel zu wenig gekümmert hat.[7]

Das sehe ich in dieser Geschichte vom Frankenstein als einen der wichtigsten Hinweise für die Zukunft in einer digitalen Welt:

  • Es reicht nicht aus, einfach nur Neues zu erschaffen. Das sich neu Entwickelte braucht auch über die Entwicklung hinaus Fürsorge im umfassenden Sinn – aber daran mangelt es deutlich.

  • Die Forschung und Entwicklung selbst mag die Fürsorge zwar im Blickfeld haben, aber ist doch oft durch finanzielle bzw. andere machtstrategische Vorgaben getrieben, die möglichen Folgen der Errungenschaften und Entwicklungen klein zu reden bzw. darüber zu schweigen.

Die von Frankenstein erschaffene Kreatur sagt etwas, das so meine ich gerade heute in der Entwicklung bzw. im Einsatz von Quantencomputern und AI zum Nachdenken anregen sollte:

Du Frankenstein bist mein Schöpfer, aber ich bin Dein Meister.[8]

Ich persönlich finde diese Aussage richtungsweisend für die Digitalisierung – ganz egal von wo aus man die Herausforderung positiv wie negativ andenkt. Mit den Worten von Indset verknüpft, führt es zu der dringlichen Aufforderung, endlich ernsthaft Denkstunden einzuplanen. Das Wissen, was wir nach Indset haben, das ist überholt. Es geht nicht mehr um Wissen, sondern um Verstehen, um mehr Bewusstsein.[9] Genau das würde ich im Rahmen der Wirtschaft als Fürsorge bezeichnen, sich über das was man tut bzw. plant zu tun, tiefgreifender, über den Tellerrand hinaus, Gedanken zu machen.

Es braucht in Verbindung mit Quantencomputern und AI explizit Bewusstseinsarbeit auf einer höheren Ebene.

Das heißt zu lernen, mit Quantencomputern auf einer Achtsamkeitsebene zu agieren, aus einer Art meditativem Bewusstsein, aus einer allumfassenden Offenheit, aus Fürsorge heraus, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Quantencomputern und AI intuitiv erfassen. Dieser Ansatz mag Sie nun vollkommen irritieren, sogar verärgern, aber das werden Quantencomputer ebenfalls tun – das Leben derart verändern, dass man nur mit einem Bewusstseinssprung mithalten wird können.

Mag sein, dass Sie der Meinung sind, dass Sie als Wirtschaftstreibender oder als Manager von einem großen Unternehmen es nicht als Ihr Aufgabe sehen, die technischen Errungenschaften und deren Einsatz in Ihrem Unternehmen weitreichend reflektieren zu müssen, das sei die Aufgabe von anderen, das sei Aufgabe der EntwicklerInnen, der Politik, der KundInnen selbst, der Gesellschaft. Indset sieht genau diesen Punkt als den Gefahrenpunkt schlechthin: Man geht davon aus, dass irgendjemand es schon richten wird, wenn die Sache aus dem Gleichgewicht gerät.[10] Die Grünen mögen sich beispielsweise fürsorglich, in Liebe zur Natur für den Klimaschutz einsetzen. Aber genau das greift auch nicht, weil jene, die das Problem auf die Grünen abwälzen, nicht bereit sind die notwendigen Veränderungen mitzutragen, die engagiert und weitsichtig von den Grünen als Fürsorge erdacht werden. Man drückt die Verantwortung anderen auf, hält diese anderen aber so klein, so dass die nicht wirklich was tun können, um die Herausforderungen fürsorglich gemangt zu bekommen.

RESÜMEE

Quantencomputer werden viel Positives bewegen, beispielsweise im Bereich der Medizin, aber auch viele neue Probleme schaffen. Quantencomputer werden vielleicht sogar die umweltbezogenen Herausforderungen mit einem überraschend fürsorglichen Ansatz zu managen wissen, weil Quantencomputer eine ganz andere Verarbeitung von Information zulassen. Aber gleichzeitig können Quantencomputer zum direkten Konkurrenten der Menschen werden, oder von einzelnen missbräuchlich verwendet werden, um sich Macht zu sichern. Egal wie, eines ist sicher, wir müssen uns mit der Wirkungsweise, den Folgen und Einflussgrößen von Quantencomputern auseinandersetzen.

Quantencomputer sind nicht mehr science fiction, diese sind science fact. Dafür muss man sich mit quantenphysikalische Phänomenen vertraut machen. Das heißt u.a., das Prinzip der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von allem intuitiv anerkennen, das Prinzip von Schrödinger`s Katze, man ist gleichzeitig tot wie lebendig, Teilchen und Welle, das Prinzip von Chaos und Ordnung in der Gleichzeitigkeit vorstellbar werden lässt mit dem darin vorhandenen unfassbaren Schöpfungspotential – vereinfacht ausgedrückt, das Leben wieder magischer betrachtet. Länder wie beispielsweise Indien, China oder in Afrika könnten darin durch deren doch anders geprägte Kultur und Sicht auf die Welt Verständnis- und auch Handlungsvorteile haben. Aus unserer mechanistisch geprägten Vorstellung heraus ist das aktuell schwer denkbar. Und genau diese eingeschränkte Sicht lässt uns das, was gerade im Einsatz von Quantencomputern kambrisch explodieren könnte, nicht erkennen.

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[11]

Diese Aussage bringt es auf den Punkt: Wir müssen die Zukunft lernen neu zu denken, und die Zukunft nicht aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hineinprojizieren.

  • Erfolg wird in Zukunft maßgebend von den richtig gestellten Fragen abhängen, von quantenphysikalisch aufgeschlossenen, intuitiv, emotional offenen Fragen, das magische im Leben wieder mehr inkludierend.

  • Hierfür gilt es nach Indset, keine Zeit zu verschwenden in altmodische Meetings, sondern deutlich mehr Interesse zu zeigen für andere, für das Leben selbst, für innovative Projekte u.a. in Afrika, offen zu sein für schräge Ideen und ganz besonders davon, Softskills wie Mitgefühl, Empathie (zwei unterschiedliche Skills), Intuition, Verletzbarkeit, Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

  • Die Angst, Quantencomputer und AI könnten den Menschen einmal nutzlos werden lassen, stellt sich in China, Indien oder Afrika gar nicht so sehr, wie aus unser westlich mechanistisch geprägten Weltsicht, weil der Sinn des Lebens in diesen Ländern, insbesondere bei jenen, die noch nicht verwestlicht denken, anders interpretiert wird, auf anderen Werten, auf einem anderen Lebensverständnis fußt. Möglicherweise stürzt uns die Digitalisierung in eine Sinnkrise. Erfolg und Befriedigung im Leben zeigt sich im digitalen Zeitalter vielleicht nicht mehr im Erfolg der Arbeit im bisherigen Verständnis von Arbeit, sondern in einem neuen Sinn?

  • Welchem Sinn würden Sie konkret im Leben folgen, wenn beispielsweise die AI deutlich klügere, vielleicht sogar fürsorglichere Entscheidungen trifft als man selbst als Führungskraft?

  • Welcher Sinn wird die Wirtschaft im Jahr 2020 prägen, wenn science fiction becomes science fact, wenn Quantencomputer, AI, neue Player am Markt alles auf den Kopf stellen? Was zählt dann?

Matthias Horx, Trendforscher, spricht von einer neuen Sinngebung, die sich am ehesten im Über-Persönlichen finden lässt, in einem sozialen oder kulturellen Projekt, das über jede/n einzelne/n hinauszielt.[12]

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so die Auffassung von Indset.[13] Esoterisches Gefasel werden Sie vielleicht antworten. Ja, das mag sein, aber die Digitalisierung, der Einsatz von AI und Quantencomputern wird magisch sein in der Wirkungskraft. Wir sollten unser Denken entsprechend darauf vorbereiten. Die jungen Generationen tun es vielleicht schon deutlich mehr, die älteren verlassen sich noch auf die mechanistisch konzipierten Erfolgsstrategien. Daran ist nichts auszusetzen, doch die Wirtschaft steht durch die Digitalisierung vor einem Paradigmenwechsel, der einen Bewusstseinssprung hin zu einem intuitiven, alles ist mit allem verbundenen Verständnis vom Leben, Chaos, Zufälligkeiten und Schicksalsverbindungen prägen wird. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Chance für die Wirtschaft im digitalen Zeitalter:

Man kann Quantencomputer und AI nur beherrschen, wenn man sich auf eine neue Sinnsuche begibt. Wenn man das Leben umfassend zu verstehen ergründet, aus einem offenen Geist, aus einem achtsamen Bewusstsein heraus, wenn man vertikale, statt horizontale Veränderungsprozesse zu verstehen und zu managen begreift, die kambrische Explosion mit Haut und Haaren auf sich wirken lässt.

Darin könnten Führungskräfte TrendsetterInnen werden, als InfluencerInnen Einfluss und Verantwortung übernehmen, Fürsorge über das Private hinaus arbeits- bzw. wirtschaftsfähig machen. Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [14] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Die digitale Welt kann man beherrschen, wenn man es wagt magischer zu denken – mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de/digital/google-quantencomputer-1.4652387. Am 2019-10-24 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/europe-survive-next-demographic-explosion-tech-view-pascal-morgan/. Am 2019-10-23 gelesen.
[3] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[4] https://www.golyr.de/falco/songtext-titanic-18220.html. Am 2018-05-29 gelesen.
[5] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[8] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[9] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[10] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[11] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[12] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/-ff3f5389fd/. Am 2018-05-30 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[15] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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CEOs erobern als Business Influencer die Märkte

CEOs erobern als Business Influencer die Märkte

  • Welche Erfolge können Unternehmen erzielen, wenn CEOs verstärkt als MarkenbotschafterInnen in den Sozialen Medien agieren?

  • Und wieviel mehr an digitaler Kommunikation wird in Zukunft nötig sein – sowohl als CEOs von Konzernen, aber auch für Geschäftsführer von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) – um die Firma im globalen Wettkampf mit anderen Unternehmen erfolgsversprechend zu positionieren?

Diesem neuen Trend, InfluencerInnen digital zu platzieren, möchte ich heute nachgehen. Dieser Trend mag vielleicht aktuell von einigen belächelt, von manchen gehypt und von anderen als ein überbewertetes Ego-Spiel betrachtet werden, das momentan einfach In scheint, aber morgen schon durch einen anderen Hype überholt sein wird. Jede Ansicht stimmt, aber das heißt nicht, diesen aktuellen Trend einfach wie Wolken am Himmel an einem selbst vorüberziehen zu lassen. Denn eines sollte man nicht unterschätzen – die schnelle Wirkungskraft vom Netz und die damit verbundenen Folgen.

Was jetzt mit diesem Trend des digitalen Influencing angeheizt wird, hat Tragweite und eben auch Folgen. Das Influencing bedient sich einer äußerst wirksamen Strategie – Storytelling. Das was Menschen seit Beginn der menschlichen Evolution getan haben, sich gegenseitig Geschichten erzählen, Inspiration wecken, andere von eigenen Ideen durch Geschichten überzeugen. Wirtschaft selbst beruht auf Storytelling, darauf, dass man das, was einige über die Wirtschaft und deren Funktionsweisen erzählt haben, als richtig und erfolgsversprechend anerkannt und entsprechend weitererzählt hat.

Influencing bedient sich ebenfalls diesem evolutionär menschlichen Bedürfnis, Geschichten zu erzählen. Das digitale Influencing ist meiner Meinung nach dahingehend mehr eine erweiterte Möglichkeit einer eigentlich uralten Tradition der Menschen, aber wird von einigen skeptisch betrachtet bzw. als oberflächlich oder gar unseriös gesehen. Ja, es stimmt, Geschichten erzählen ist keine rein objektive, von Fakten belegbare Kommunikation, sondern eine von Stimmungen, Ideen, Vorlieben, emotionalen Beweggründen getriebene Suche nach Menschen, die man mit Geschichten berühren, betroffen machen will – aus Machtanspruch, aus Anerkennungssuche, aus Sorge, aus einem Beschützungsinstinkt heraus, aus Angst, aus ästhetischem Enthusiasmus heraus, aus einer starken inneren Vision, aus Liebe, … meist aus einem Gemisch aus allem. Und das Netz bietet hierfür eine neue Bühne, Geschichten in die Welt zu setzen – was vermehrt CEOs zu nutzen beginnen.

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Produkte, Qualität, Ziele, Fakten belegen – aber Geschichten wirken

In einem ursprünglich rein privat orientierten Gespräch mit dem Leiter vom Raiffeisenbank-Filialverbund in Salzburg, habe ich von Seiten der Bank sehr deutlich die Sorge vernommen, dass insbesondere KMUs im globalen Wettbewerb das Nachsehen haben werden, wenn diese ihre digitale Kommunikation und digitalen Auftritt nicht deutlich hochfahren bzw. verbessern.

  • Es geht in der noch immer von vielen Unternehmen unterschätzten Social-Media-Kommunikation nicht bloß um die Herausforderung, die KundInnen digital zu befriedigen,

  • sondern auch um den Wettkampf um die besten MitarbeiterInnen. Ob man will oder nicht, MitarbeiterInnen-Rekrutierung wird immer mehr digital ausgetragen.

  • Eine fehlende Social-Media-Kommunikations-Strategie hat jedoch noch weitere Nachwehen. Wer als Unternehmen digital schlecht aufgestellt ist, wird von Seiten der Bank u.U. anders bewerten werden als jene Unternehmen, die digital fit am Markt agieren – das wird ein Beurteilungskriterium für die Kreditwürdigkeit.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es besteht die Notwendigkeit, im digitalen Zeitalter die Kommunikation radikaler zu nutzen …

Das kurze Video über die Corporate-Influence-Strategie der Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1971) mag vielleicht positiv motivierend stimmen, in der digitalen Kommunikation couragierter weiter voranzuschreiten und mehr anders zu tun, als möglicherweise bisher getan wurde.

Deutlich offenbart sich der Trend, dass CEOs, MitarbeiterInnen, KundInnen wie auch ExpertInnen als InfluencerInnen von Unternehmen im Netz explizit verstärkt positioniert werden. Ob Sie das persönlich gut finden oder auch nicht, wird das Netz, das World-Wide-Web nicht daran hindern, das zu hypen. Das global umfassende Netz reagiert jedenfalls mit unverkennbar verstärkter Aufmerksamkeit auf die digitalen InfluencerInnen, auf die CEOs, die sich als MarkenbotschafterInnen outen, Geschichten erzählen über das, was sie als CEO im Unternehmen bewegt.

Digitalguru Gary Vaynerchuk prophezeit, dass die Relevanz von digitalen Plattformen, und damit die Notwendigkeit diese für sich entsprechend zu nutzen, noch weiter steigen wird.[1]

Eines zeigt sich in Verbindung zum neuen Trend ebenfalls unverkennbar: CEOs als InfluencerInnen absorbieren viel Aufmerksamkeit, haben eine sehr große Followerschaft, eine hohe Likequote, damit gleichzeitig eine nochmals ansteigende Medienpräsenz. Die im Hintergrund solcher Plattformen wirkenden Algorithmen reagieren auf diese Kriterien und befeuern die Weitreichen solcher gehypter InfluencerInnen zusätzlich, wodurch die digitale Präsenz dieser noch weiter verstärkt wird.

Das hat Folgen, ob man will oder nicht, für all die anderen, die im Netz eher noch sparsam und unauffällig agieren. Das mag sogar manche Unternehmen abschrecken, sich überhaupt auf den digitalen Kanälen entsprechend zu positionieren, weil die Felder ohnehin schon von den digitalen Heros beschlagnahmt sind, die es verstehen spannende Geschichten zu erzählen. Dann sieht man die Vorteile der Social-Media-Kommunikation natürlich nicht mehr.

Doch es wäre äußerst schade, das Potential von Social-Media-Kommunikation, die Kraft des digitalen Storytellings, im Sand verlaufen zu lassen. Das führt darüber hinaus, schleichend, kaum wahrnehmbar auch dazu, dass die Vielfältigkeit an Meinungen abnimmt, die Heros als die Allwissenden gehypt, und damit deren Meinungen als das Maß der Dinge betrachtet werden. Was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Doch diese scheinbar digitalen Heros erwecken dann bei den Nicht-Heros ein nervöses Gefühl – in zwei Richtungen gehend:

  1. Man sieht sich im Vergleich zu den digitalen InfluencerInnen unbewusst in der Defensive. Dann reagiert man u.U. mit Ablehnung, redet es schön, dass man diese digitale Ego-Show nicht benötigt, sondern auf menschlicher Ebene trotz unausgesprochener digitaler Wehrpflicht deutlich erfolgreicher ist. Das mag so stimmen und ist menschlich gesehen ganz fein. Aber ob das genügt, um in Zukunft als Unternehmen wahrgenommen zu werden, das wage ich zu bezweifeln – insbesondere, weil die digital affine Gruppe wild darauf ist, als digitale InfluencerInnen gehypt zu werden, und andere es lieben Geschichten vorgesetzt zu bekommen.

  2. Die Heros erwecken vielleicht sogar bei manchen das Gefühl, ebenfalls zu diesen gehypten TrendsetterInnen gehören zu wollen. Dieser Wunsch treibt dann Unternehmen bzw. einzelne Persönlichkeiten dazu an, sich medial digital großflächig zu platzieren. Man will zu den InfluencerInnen dieser Zeit zählen. Auf Anraten von BeraterInnen werden CEOs als MarkenbotschafterInnen entsprechend positioniert, KundInnen als InfluencerInnen zu gewinnen gesucht, eventuell auch eigene MitarbeiterInnen – mit leider manchmal fragwürdigen Inhalten. Ich nenne jetzt keine Namen, aber man will das Spiel um die besten Plätze im Netz nicht versäumen, aber versucht das manchmal mit unzureichenden Mitteln bzw. Inhalten, oder mit zu wenig professioneller Hilfe. Geschichten erzählen scheint so einfach zu sein, aber ist es bei genauer Betrachtung gar nicht. Manche haben das Talent dafür, dann wirkt es wirklich großartig, andere müssen das erst entwickeln.

Auch wenn ich jetzt gerade mehr die kritischen Seiten dieses neuen Trends des digitalen Influencertums ins Visier nehme, muss ich gleichzeitig auch sagen, dass kein Weg daran vorbeigeht, das Netz als Präsentationsplattform für Unternehmen und deren Geschichten zu nutzen. Ein gut aufgestelltes Social-Networking ist eigentlich ein Muss in Form einer freiwilligen Notwendigkeit. Die LV 1871 stellt sich jedenfalls diesem Trend und entwickelt Corporate Influencing, trainiert CEOs und MitarbeiterInnen in Social-Media-Aktivitäten, und stellt entsprechende Guide Lines auf. Ein Punkt ist dabei besonders relevant: Vertrauen.

LV 1871 vertraut darauf, dass deren InfluencerInnen das richtige tun, auch wenn diese explizit mit den eigenen Worten, eigenen Geschichten, sehr persönlich mit eigenen Meinungen und Statements im Netz agieren. Im Verständnis der LV 1871 heißt Influencing: Wissen und Arbeitsalltag authentisch, ehrlich im Netz zu teilen, erzählen was hinter den Produkten konkret steht, wie man zu bestimmten Trends Stellung nimmt, was einen bewegt, im Unternehmen tätig zu sein, warum man sich für das Unternehmen engagieret, uvm … – sprich, unternehmensrelevante Themen anderen in Form von Geschichten verpackt zu erzählen.

Ich weiß, all jene, die die digitalen Plattformen und deren Getue als überschätzt, als überzogene Ego-Shows sehen, werden jetzt sagen, dass Social-Networking, der Influencehype bzw. das digitale Storytelling bloß ein weiterer Marketing-Gag ist. Das mag sein, aber der Trend hat Wirkung – das sollten Sie nicht außer Acht lassen.

Wenn Sie nicht Geschichten erzählen, andere tun es immer mehr …

Die anderen tun es aber nicht nur in Bezug auf das eigene Wirken, sondern eben auch über andere. Ihr Unternehmen mag vielleicht in der einen oder anderen Geschichte von anderen erwähnt, beschrieben, beurteilt, wenn es gut läuft gelobt werden. Sie stehen, ob Sie wollen oder nicht im digitalen Rampenlicht – aktiv oder inaktiv. Ihre Produkte oder Dienstleistungen werden rezensiert. Sie können dabei weiterhin eher inaktiv zusehen, oder aktiv das Geschehen im Netz mit Ihren eigenen Ansichten und Erlebnissen mitbeeinflussen. Sie können versuchen Follower, Interessierte zu gewinnen, oder beschränken sich mehr darauf zufällig durch Erwähnungen im Netz irgendwann auch einmal gesehen zu werden.

Manche werden jetzt einwenden, dass beispielsweise die Höhe der Followerschaft doch nur ein Fake ist, weil doch klar auf der Hand liegt, dass beispielsweise ein CEO eines Weltkonzerns unglaublich viele Follower verzeichnet – u.a. deshalb, weil es von MitarbeiterInnen als eine Art Pflicht gesehen wird, dem eigenen CEO zu folgen und diesen mit seinen Aussagen zu liken. Mag sein, dass ist sicher ein heikler Punkt, an dem ich das Influencing und die gehypten InfluencerInnen trotz meiner Affinität dazu in Kritik nehme – aber nicht, um die Arbeit dieser schlecht zu machen, sondern vielmehr dahingehend, dass so u.U. das Wissen, und die damit verbundene Meinungsmache, verzerrt aufgebaut wird.

Ein ähnliches Phänomen kennt man in der Kunst, Popkultur und auch aus der Opernwelt, dahingehend, dass es weltweit plakativ ausgedrückt scheinbar nur 3 herausragende OpernsängerInnen gibt. Man sieht beispielsweise vorwiegend Anna Netrebko, die weltweit von Opernhäusern gebucht wird, weil sie anscheinend die einzige ist, die perfekt singen kann. Nachdem man die vielen anderen aufgrund dieser beschränkten Sicht heraus weniger zu Gesicht bekommt bzw. hört, glaubt man irgendwann, dass die Netrebko tatsächlich die beste Sängerin der Welt ist. Sie allein weiß, wie es geht. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag den Erfolg und den Hype der Netrebko nicht schlecht reden, sie ist sehr gut und Weltklasse, aber sicherlich nicht nur eine von ganz wenigen.

Entsprechende Wissens- und Bewertungs-Verzerrungen befürchte ich in Bezug auf den Influence-Hype. Die Sache verstärkt sich noch, weil die Plattformen selbst gehypte InfluencerInnen für ihr eigenes Image benötigen, um sich selbst als Plattform damit ebenfalls in ein goldenes Licht zu rücken, auf diese Weise den Erfolgskurs der Plattform zu bestätigen suchen. Wie gesagt, ich möchte die digitalen Medien und die damit verbundenen Trends wie den Influence-Hype in keiner Weise schlecht reden, jedoch zu bedenken geben, dass damit die Meinungsvielfalt leiden könnte – genau das, was aber die digitalen Medien angeblich verstärken möchten.

Trotz meiner Kritik an den aktuellen Trends im digitalen Kommunikationsraum muss ich festhalten, dass die Ansicht, dass das digitale Treiben wenig bringt, keine wirklich sinnvolle und erfolgsversprechende Gegenoffensive ist. Ob man will oder nicht, man muss sich den digitalen Medien stellen, ansonsten hat man irgendwann einmal u.U. tatsächlich einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Mag sein, dass jetzt im Moment für Ihr Unternehmen noch kein Bedarf an verstärkter, zielgerichteter digitaler Kommunikation, beispielsweise in Form von Influencing, in Form von digitalem Storytelling, notwendig scheint, aber die gesellschaftlichen Veränderungen sind gewaltig und damit auch die Notwendigkeit, den Kontakt zu potentiellen KundInnen weiterzuentwickeln. Das sollte man im Fokus halten.

DER RELEVANTE PUNKT

Der Trend geht dahin, ob man will oder nicht, verstärkt Social-CEOs im Netz entsprechend zu positionieren, MitarbeiterInnen als InfluencerInnen zu aktivieren, MarkenbotschafterInnen, Experten-InfluencerInnen aufzubauen, die das Unternehmen in neuer Weise mit gelebten, nachvollziehbaren, ehrlichen, menschlich berührenden Geschichten im Außen präsentieren.

Influencing ist gefragt und zwar deshalb, weil es persönlich ist, weil Unternehmen so greifbarer, lebendiger, menschlicher werden. Das ist das, was das digitale Netz verstärkt, das was Menschen bewegt – eine starke Personalisierung, das Gefühl, persönlich angesprochen zu werden – auch wenn das so gar nicht der Fall ist, aber es wirkt.[2] Damit ist u.a. vielleicht auch begründbar, warum der Trend, InfluencerInnen zu positionieren, scheinbar so gut und schnell im Netz Fuß fasst. KundInnen im digitalen Zeitalter wollen weniger Fakten lesen, sondern persönliches von den Unternehmen vorgelebt bekommen, sich persönlich angesprochen fühlen, Ähnlichkeiten mit sich selbst wahrnehmen, inspiriert werden, … Die Menschen wollen wissen, was Unternehmen antreibt, wie das Unternehmen, die MitarbeiterInnen, Führungskräfte, aber auch die CEOs persönlich ticken. Menschen wollen Geschichten hören, spürbar, sichtbar, erlebbar erzählt bekommen wie man Probleme löst und auf Ziele hinarbeitet, …[3]

Die digitalen Medien haben das Persönliche neben vielen anderen Aspekten in den Mittelpunkt gerückt – und das auf einer immens großen Bühne. Damit wird es fast schon zur Notwendigkeit, Fakten, Produkte, Dienstleistungen, Trends noch stärker als jemals zuvor personalisiert in Form von Geschichten zu positionieren. Personalisierte Werbung in Form von Storytelling ist jedoch nichts Neues, werden jetzt die KritikerInnen unter Ihnen melden. Dafür braucht es den angeblich neuen Trend des Influencing nicht – im Gegenteil, mit dem Zwang, sich im Netz so offen zu outen, Geschichten zu produzieren, passiert auch viel Mist. Ja, das stimmt natürlich. Wie so oft gibt es 2 Seiten einer Medaille:

  • Zum einen kann man mit Hilfe einer professionell gut aufgesetzten Social-Media-Kampagne das eigene Unternehmen im Netz entsprechend gut positionieren, vielleicht sich auch mit ähnlich gesinnten Unternehmen verbinden, um sich gegenseitig zu bestärken, innovativ Lösungen gemeinsam finden, KundInnen emotional berühren und sogar in die Verantwortung ziehen, gemeinsam mit KundInnen und/oder GeschäftspartnerInnen die Zukunft mit neuen Geschäftsideen sicherzustellen.

  • Andererseits zeigt sich aber auch, dass der digital geprägte InfluencerInnentrend missbraucht wird. Das rückt das Influencing und das große Potential darin leider in ein falsches Licht. Das passiert meiner Meinung nach aber auch deshalb, weil einfach noch zu viele abwartend auf die Social-Media-Trends reagieren, selbst noch nicht aktiv mitmischen. So überlässt man das Feld mehr oder weniger nur jenen, die die Trends schnell zu nutzen verstehen, und ärgert sich u.U. über diese, die scheinbar ohne große Taten, mit flachen Storys gehypt werden. Viele Unternehmen, insbesondere KMUs lassen das Potential von Social-Media-Kommunikation leider noch brach liegen, kritisieren die Gehypten anstatt selbst digital aktiver zu werden. Denn eines muss auch gesagt werden, wenn man es den anderen überlässt, sich entsprechend im Netz zu positionieren, mit Geschichten Menschen berührt und auf sich aufmerksam macht, hypt man indirekt sogar diese Gruppe von digitalen Heros, die man kritisiert.

Resümee

In sehr bescheidenem Maß zähle auch ich zu einem Kreis von InfluencerInnen. Ich sehe, was das bedeutet – für mich persönlich, für meine Arbeit. Ich sehe, was das an Erwartungshaltung von anderen auslösen kann, was ich an Kritik aushalten muss, aber ebenso an unglaublich vielen wichtigen Inputs erhalte.

Die Vorteile von digital Influencing sehe ich dahingehend, die Herausforderungen dieser Welt deutlich vor Auge geführt zu bekommen, um gezielt mit Hilfe der digitalen Community, die bei InfluencerInnen meist deutlich größer ist als bei anderen, exklusive Lösungen zu generieren. Davon und daraus könnten Unternehmen mit einem ehrlich authentischen Influcencing meiner Meinung nach unglaublich profitieren. So können Unternehmen Trends, Probleme, Herausforderungen besser wahrnehmen und schneller darauf reagieren. Unternehmen werden für KundInnen nicht mehr nur ein Warenlager, das man gegen Geld bedienen kann, sondern man entwickelt ein Community-Image, ein Wir-Gefühl, einen wirksamen WeQ zwischen MitarbeiterInnen, KundInnen, GeschäftspartnerInnen. Das verstärkt die Bindung und das Verantwortungsgefühl, aber ebenso in besonderer Weise das Wissen, die Innovationskraft und Courage, sich für wirklich bahnbrechende neue Lösungen einzusetzen – von denen man dreiseitig als KundIn, GeschäftspartnerIn als auch selbst als Unternehmen profitiert.

Es bringt meinem Empfinden nach nicht viel, wenn es im Influencing vorrangig nur darum geht, sich selbst im Vergleich zu anderen als besser darzustellen. Diese Art von Storytelling und Influencing verfehlt meiner Meinung genau das, was das InfluencerInnentum als Mehrwert bietet – einen breitgefächerten offenen Diskurs mit spannenden Lösungsansätzen.

Das Netz ist voll von unglaublich anregenden Möglichkeiten, sich mit Menschen auszutauschen, auf Menschen zu treffen, die man ohne das WWW eher selten bzw. gar nicht sieht – Menschen, die vielleicht sogar kritisch die Geschichten, Statements, Meinungen, Beiträge verfolgen, lesen, kommentieren, aber genau deshalb vielleicht einen äußerst relevanten Gedankensprung anregen, der analog so u.U. nicht stattgefunden hätte. Denn eines muss man schon sagen, analog trifft man sich doch vermehrt nur mit jenen, die der eigenen Gesinnung und Wissenswelt ähnlich, sprich homogen sind. Im Netz ist die Chance, eine heterogene Diskussion zu führen, eher gegeben. Dafür ist es jedoch notwendig, dass nicht nur einige wenige InfluencerInnen ihre Geschichten und Meinungen auf der digitalen Bühne erzählen, sondern viele Unternehmen sich äußern. Da sehe ich jedoch viel Aufholbedarf.

Dem mögen sicherlich einige zu Recht entgegenhalten, dass im Business-to-Consumer-Bereich (B2C) die Zusammenarbeit mit InfluencerInnen ohnehin gang und gäbe ist. Doch das Influencing hat sich durch die digitalen Medien deutlich verändert, und das übersehen doch noch einige. Es geht auch nicht mehr nur um B2C-Beziehungen, sondern um die quer vernetzte Vermittlung von persönlichen Geschichten, darum, vom CEO persönlich angesprochen zu werden, mit MitarbeiterInnen ehrlich über das Wirken im Unternehmen ungezwungen plaudern zu können, ev. über Probleme zu reden, die man über den Austausch mit Menschen außerhalb vom Unternehmen vielleicht sogar besser gelöst bekommt, …Diese neue Art in viele Richtungen, breitgestreut zu kommunizieren, zu influencen, eröffnet ganz neue Möglichkeiten und Räume, mit KundInnen und GeschäftspartnerInnen in Kontakt zu kommen, u.U. sogar neue Geschäftsideen zu entwickeln, neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen, uvm …

Mag sein, dass in Ihrem Unternehmen, bei Ihnen persönlich aktuell noch andere Kommunikationsmethoden erfolgreich greifen, um den eigenen Ruf zu stärken, um sich erfolgsversprechend am Markt zu positionieren. Aber das digitale Reputationsmanagement schläft nicht, und wird immer mehr jene hypen, die es jetzt schon für sich intensiver und greifbarer, lebendiger, in Form von Geschichten zu nutzen verstehen als andere. Ob und welche Folgen das für jene hat, die dem digitalen Influencing kritisch oder auch abwartend gegenüberstehen, das wird sich wie so oft erst später zeigen.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://omr.com/de/linkedin-influencer-ranking/. Am 2019-10-15 gelesen.
[2] https://www.computerworld.ch/business/management/ceo-influencer-1671071.html. Am 2019-10-16 gelesen.
[3] https://www.computerworld.ch/business/management/ceo-influencer-1671071.html. Am 2019-10-16 gelesen.

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Erfolgreiche Unternehmen sind der Zukunft voraus. Das heißt konkret …

Erfolgreiche Unternehmen sind der Zukunft voraus. Das heißt konkret ...

Vertikale statt horizontale Veränderungsprozesse managen

Im Artikel, virtuelle Büros sind keine Spiele mehr, schrieb ich vom ersten real arbeitenden virtuellen Büro, einem wirklich existierender Bürokomplex, das virtuelle Beschäftigungsfeld von eXp Realty, einer 610 Millionen Dollar Company, wo 1500 MitarbeiterInnen tatsächlich arbeiten. eXp Realty hat Ideen zur Wirklichkeit werden lassen – trotz, wie ich vermute, vieler skeptischer und kritischer Einwände. Elon Musk ebenso.

Musk hat einen Tesla ins Weltall geschossen, arbeitet u.a. an wiederverwertbaren Raketen und an neuen Mobilitätskonzepten, weil er davon überzeugt ist, dass die E-Autos nur eine Überbrückung sind. Unternehmen wie Spotify und Apple haben ebenfalls den Weg in Bereiche geebnet, die zunächst als unbegehbar galten.[1]

Diese Beispiele von Unternehmen zeigen, was machbar ist, was umgesetzt werden kann, wenn man große Visionen hat und es wagt, diese umzusetzen. Mag sein, dass viele unter uns diese Unternehmen nur als Nischen-Player im globalen Markt verorten, ihnen aber niemals die Macht zugestehen, dass sie einmal das Wirtschaftsgeschehen verändern würden. Mag sein, dass es so ist. Aber wir sollten uns in einer Zeit, die ein so unfassbares Entwicklungspotential in sich trägt, da nicht so sicher sein.

Die Digitalisierung bzw. die mit der Digitalisierung zusammenhängenden agilen, kollaborativen, vernetzen, WeQ ausgerichteten Arbeitsweisen bringen täglich neue Marktplayer ins Spiel, die von einem Tag zum anderen neue Wege aufzeigen, neue Bedürfnisse anregen, neue Produkte auf den Markt bringen. Damit könnten Unternehmen, die bisher noch scheinbar gut im Sattel saßen, von einem Tag zum anderen aus dem Rennen gedrängt werden. Die Digitalisierung erhöht in kaum zu erfassenden Weise die Chancen und Möglichkeiten, so dass QuerdenkerInnen, VisionärInnen, RevolutionärInnen, das Café von nebenan mit einen 3D-Drucker, uva., die Chance ergreifen können, ihre Ideen einfach umzusetzen und auf den Markt zu bringen, insbesondere in den digitalen Markt. Und das geschieht vielleicht schneller und radikaler, als man sich das jetzt im Moment vorstellen mag.

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Zhang Ruimin, CEO & Chairman of the board, Haier Group, says that ‘successful companies move with the times’. But instead of only talking about it (like so many others) he also walks his talk.[2]

Haier zählt wie eXp Realty, Spotify, … zu den Unternehmens-Pionieren dieser Zeit – ein Unternehmen der Sonderklasse, der größte Gerätehersteller der Welt mit 70.000 MitarbeiterInnen und einem jährlichen Wachstum von 28%. Haier wagte den echten Sprung in die Digitalisierung, setzte auf die Transformation von einer konventionellen, bürokratischen und hierarchischen Produktionsfirma zu einem hochflexiblen online basierten Unternehmen mit Null Distanz zum Kunden.[3] Dafür hat Haier u.a. 10.000 Managementjobs der alten Struktur eliminiert, an deren Stelle ein Netzwerk von Unternehmen aufgebaut wurde, welches von den MitarbeiterInnen selbstständig betrieben wird.[4]

Haier hat das getan, wovon viele sprechen, wenn es um Digitalisierung geht, wirklich konkrete Schritte gesetzt. Dem werden vermutlich viele widersprechen, denn tagtäglich bemüht sich das Management einen vielversprechenden Changeprozess zu organisieren, ihr Unternehmen digital fit zu machen. Aber es mangelt an ganz bestimmten Umsetzungsschritten, die man zwar auf dem Radar hat, aber nicht ernsthaft und tiefgreifend genug angeht. Man kratzt an der Oberfläche bzw. meint, die technische Aufrüstung genügt, und schon geht es fröhlich weiter.

Es mangelt am konkreten Tun – aber was ist damit wirklich gemeint?

Es mangelt u.a. …

  • an tiefgreifenden Visionen, an New Business Models, was ich in einigen meiner letzten Artikel versucht habe, zum Ausdruck zu bringen.

  • an der Bereitschaft sich auf wirklich Neues einzulassen, sprich am Veränderungswillen. Das mag für einige wie ein Affront erscheinen, weil doch die meisten Unternehmen im großen Stil bemüht sind, sich eingehender neu zu strukturieren. Mit Hilfe von umfassenden Beratungsvorgaben initiieren diese scheinbar groß und umfassend angelegte Changeprozesse. Doch Analysen zeigen, dass bloß 1/3 der Changeprozesse wirklich Erfolg zeigen, der Rest schafft den Change nur am Blatt Papier aber nicht in der Realität. Es fehlt an einem entscheidenden Schritt – daran, das Alte wirklich loszulassen. Es scheitern aber auch daran, dass Neue wirklich ernsthaft zu tun, und nicht nur so zu tun, als ob man es ohnehin schon anders macht. Das kommt leider ganz oft vor, Schein-Changeprozesse, man tut so als ob man was tut, aber es mangelt ganz konkret am wirklich neuen Machen. Unter vorgehaltener Hand muss man zugestehen, dass man die neue Welt und die damit verbundenen Herausforderungen doch nicht wirklich versteht, sondern nur so tut als ob, um das Gesicht nach außen hin zu wahren. Und genau deshalb scheitern auch so viele Veränderungen bzw. stecken fest, und man weiß gar nicht so genau, warum.

  • Es mangelt jedoch auch an den Möglichkeiten, das Machen als tiefgreifendes Machen und Tun zuzulassen. Es gibt genügend gute Ideen, die umgesetzt werden können, aber es gibt zu viele Hindernisgründe und Einwände, warum es nicht geht. Das Klimapaket der Deutschen Regierung ist ein Beispiel dafür. Man hat solange debattiert, so dass zum Schluss nur noch ein winziges Machen übrigbleibt – aus Angst, mit einen konkreten Maßnahmenpaket, mit einem konkreten Machen zu viele abzuschrecken. Das mag stimmen, aber es hindert einfach auch daran wirklich ins Tun zu kommen.

China macht, Start-ups machen

Mag sein, dass viele der Start-ups, vielleicht auch China, scheitern bzw. in ein Tun geraten, dass man anzweifeln könnte. Das ist die Kehrseite dieser Machensmedaille. Aber eines ist gewiss: Das Machen der neuen Generationen steigt an, angeheizt durch die Geschwindigkeit der Entwicklungen. China gibt, wie es aktuell scheint, das Tempo vor und merkt auch, dass die anderen, u.a. die EU hinterherhinken. Genau das analysiert Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, und gibt aktuellen Veränderungsprozessen schlechte Noten:

Es gibt Schwätzer und es gibt Macher. Ideen entstehen, indem man Dingte tut, indem man Dinge ausprobiert, indem man sich nicht einschränkt und keine Angst hat, mutig etwas Neues zu versuchen.[5]

Aber was heißt jetzt konkret „machen“?

Wir machen doch alle unentwegt. Es gibt niemanden, der nicht tut. Ja, das stimmt. Deshalb braucht es einen etwas genaueren Blick auf das, was aktuell im Zeitalter der Digitalisierung unter Machen verstanden werden kann. Das Machen, das Umsetzen scheint auf den ersten Blick so klar und eindeutig zu sein. Aber in Zeiten der Veränderungen kippen die mit dem Machen verbundenen Attribute. Konkret für das digitale Zeitalter heißt Machen etwas anderes, als zuvor im industriellen Wirkungsverständnis. Das Machen im Kontext der digitalen Prägung heißt: agil, kollaborativ, vernetzt, sinnökonomisch, selbstverantwortlich, höchst kreativ und intuitiv, unentwegt Neues dazulernend, zu wirken. Ich weiß, das ist gar nichts Neues, daran arbeiten Sie tagtäglich – bzw. Sie versuchen es.

Lassen Sie mich jetzt die kambrische Explosion ins Wording bringen, um das Machen von heute im Vergleich zum Machen von früher besser in der Wirksamkeit bzw. in der Unterschiedlichkeit verstehen zu können.

Daniel C. Dennett, Philosoph und Deb Roy, Medienwissenschaftler setzen sich im Buch „Wie die digitale Transparenz die Welt verändert“[6] eingehend mit der kambrischen Explosion und der Verknüpfung zur aktuellen menschlichen Herausforderung, der Digitalisierung, auseinander. Das tun diese zwei, weil sie wie Indset oder Musk, u.a., überzeugt sind, dass die Digitalisierung eine ganz neue Denk- und Handlungsweise, und damit ein ganz neues Machen, ein anderes Tun initiiert.

Damals vor etwa 543 Millionen Jahren hat sich aufgrund der Veränderung des Sauerstoffgehaltes in den Ozeanen eine gänzlich neue Art des Lebens entwickeln können. Das Wasser – bisher trüb – wurde klar und lichtdurchlässig. Dadurch konnten die Lebewesen Augen nutzen, was das gesamte Wirken, das Machen in gänzlich neue Sphären gehoben hat. Dieser Prozess ist zeitgeschichtlich vergleichbar mit einem Wimpernschlag, der das Leben von einem Moment zum anderen geändert hat.[7] Umgemünzt auf die aktuelle Zeit heißt das: Das Machen aus einem nicht digitalen Verständnis heraus kann aktuell im digitalen Zeitalter nicht mehr als das Machen im machtvollen Verständnis des industriellen Zeitalters verstanden werden, sondern ist nur noch ein nettes Relikt der Industrialisierung, das in dem einen oder andere Bereich vielleicht noch überleben mag.

Ja, ich weiß, einige sagen, ich versuche mit diesen an den Haaren herbeigezogenen Analogien nur Aufmerksamkeit zu erregen. Die Digitalisierung ist bei weitem nicht so schräg und so chaotisch wie Indset, ich und andere das behaupten. Das mag aktuell vielleicht wirklich stimmen, aber wer weiß wie lange noch. Das ist das Problem bei größeren Entwicklungssprüngen. Man verharrt im gewohnten Tun, anstatt das Tun in eine neue Ebene zu führen, ein anderes Machen zu wagen. Man erkennt den notwendigen Sprung oft erst dann, wenn man knapp vor dem Absturz hängt, manchmal sogar erst dann, wenn man schon fällt – man siehe die Pleite von Thomas Cook. Mit der verharrenden Haltung im Modus des alten Machens vergibt man sich aktuell jedoch die Chance, die Veränderungsnotwendigkeiten noch zeitgerecht auszuprobieren, zu testen, sich damit vertraut zu machen.

Das Machen, wovon ich spreche, ist der Aufruf, sich endlich mit Haut und Haaren auf das einzulassen, was man noch wie ein heißes Eisen vor sich herschiebt – den leibhaftigen Schritt hinein in die Digitalisierung. Die ChinesInnen sind mittendrin. Wir, die EU, die Deutschen strecken den großen Zeh hinein ins Bad des neuen Machbaren. Wir glauben, wir sind voll im Machen, aber die wirklichen MacherInnen sind wir aktuell nicht mehr, sondern die sitzen woanders – und viele von denen kennen wir noch gar nicht.

Das Machen im 21. Jahrhundert erfordert es über das Gewohnte hinaus zu gehen, auf einem Weg zu gehen, der noch nicht vorhandenen scheint, und das noch dazu mit einem unbekannten Ziel. Das ist für viele, insbesondere für die Wirtschaft, die auf Basis von klaren Zielen, bestmöglich durchgerechneten Prognosen und Wachstumsraten und entsprechend dafür ausgerichteten Strategien und Prozessen handelt, eigentlich fast schon eine Anmaßung. Das mag sein. Doch Sie wissen es insgeheim auch, dass die Digitalisierung ganz neue Wachstumsmärkte anheizen wird. Noch scheint es nicht so, aber ich bin mir sicher, dass der Zuwachs an neue Ideen und entsprechend schrägen Umsetzungen den Markt ziemlich aufwühlen wird.

Nach Indset treiben beispielsweise HackerInnen (#hackersoftheworldunite) den Wandel voran. Sie sind die zukünftigen Welt-VerändererInnen.[8] Für manche aus der Wirtschaft mag diese Annahme vollkommen irrelevant und gänzlich überzeichnet sein. Ja, vielleicht. Aber möglicherweise verstehen wir noch nicht, welche Kraft und weitreichende Wirkung von dieser Hackerszene ausgehen, und in welcher Weise das auch Sie als Unternehmen treffen könnte? Wer von Ihnen weiß eigentlich, was konkret die hackersoftheworldunite tut?

Ich muss zugeben, dass ich es nur im äußerst bescheidenen Maß weiß. Aber was ich sagen kann, die HackerInnen spinnen Ideen aus und setzen diese in Echtzeit um – das kann Durchschlagskraft haben, was für Auswirkungen das haben könnte, das wird sich zeigen. Ich weiß, für einige von Ihnen sind HackerInnen keine Gefahr, tangieren scheinbar nicht Ihr Unternehmen. Ja, das mag sein. Doch die Zahl all jener, die Hackerszene ist nur ein kleines Beispiel im globalen digitalen Geschehen, die mit Hilfe der Digitalisierung neue Ideen radikal schnell zur Umsetzung führen, wird steigen. Große Unternehmen, die Ideen über viele Jahre hinweg aussitzen, planen, und irgendwann einmal, wenn es perfekt geplant scheint, zur Umsetzung bringen, werden in Zukunft das Nachsehen haben.

Es braucht dringend eine neue Welle von echten UnternehmerInnen, neue Führungspersönlichkeiten – ähnlich der Generation der MacherInnen nach dem zweiten Weltkrieg, die ErfinderInnen und ImpulsgeberInnen der zahlreichen Hidden Champions, die heute den Weltklasse-Mittelstand bilden, das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Der große Fehler ist, dass man sich noch immer an den Erfolgen von damals labt, sich von diesem alten erfolgsverwöhnten Geist führen lässt in der Annahme, damals haben die aufgesetzten Prozesse die Unternehmen zu angesehenen global Playern aufsteigen lassen, und mit dem Fleiß und der Perfektion und Verlässlichkeit von damals wird das auch heute noch greifen – das ist jedoch der große Irrtum.

Man übersieht gegenwärtig, dass es notwendig ist, sich aus der Vergangenheit heraus zu emanzipieren und wirklich neue Wege zu wagen. Die Wirtschaft muss das Elternhaus der Industrialisierung mit all den damit verbundenen Vorteilen, Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und auch liebgewonnenen Regeln und Normen, Einsichten und Lebensweisheiten endlich verlassen. Die Wirtschaft muss sich auf den Weg machen, sich von den Eltern zu lösen und ein neues zu Hause suchen bzw. aufbauen. Start-ups tun das ohnehin schon, aber das ist nur ein kleiner Bereich.

Indset spricht davon, dass ein neues Expertentum notwendig ist, mit der notwendigen Courage als ImpulsgeberInnen ein neues Machen zu initiieren, und sich selbst als Führungskraft damit auch neu auszurichten. Dafür ist es jedoch erforderlich, die Wahrnehmung zu verändern, sich in einen Zustand des Anfangens zu versetzen.[9] Das Elternhaus Industrialisierung muss verlassen werden, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – mit all den Höhen und Tiefen und Ungewissheiten, die damit verbunden sind. Dafür braucht es sicherlich Mut und eine gesunde Konstitution, man könnte auch sagen eine gute Resilienz.

Vielleicht ist aber auch die zu große Ansammlung von Macht bei einzelnen ein Problem?! Macht inkludiert in sich das Wort Machen. Macht haben in Zukunft u.U. jene, die in der Digitalisierung sich Monopolstellungen sichern, oder jene die die Digitalisierung wirklich durchdringend verstehen und entsprechend handeln, in neuer Weise das Machen im digitalen Raum erschließen. Wie dem auch sei, so oder so, ich frage Sie jetzt ganz ungeniert – zu welcher Gruppe zählen Sie sich:

  • zu den MonopolistInnen der Digitalisierung und/oder zu den ExpertInnen der digitalen Welt,

  • bzw. weder zu den einen noch zu den anderen, sondern noch im vertrauten wirtschaftlichen Rahmen wirkend, in einem unternehmerischen industrialisiert geprägten Elternhaus.

Resümee

Wir leben in einer Zeit des permanenten Wandels, dem sich VORSPRUNGatwork mit Haut und Haaren stellt, mit einem couragierten Machen, mit einem Sprung in Welten, die man angeblich kennt.

Echte Visionen sind ein relevanter Schritt, aber ebenso das konkrete Machen – losgelöst vom Elternhaus der Industrialisierung. Machen, Lernen, Entwickeln in Echtzeit, direkt aus der Situation heraus, miteinander verwoben – so definiert VORSRPUNGatwork das, was Unternehmen aktuell beherrschen sollten. Machen, Lernen, Entwickeln entsteht aus der Basis heraus, aus der Selbstorganisation und der Wirkungskraft der Menschen, dem Drang der MitarbeiterInnen, Interessensgemeinschaften zu finden, wenn man diese braucht, in denen sich MitarbeiterInnen gegenseitig unterstützen, motivieren und auch Mut schenken, Neues zu wagen. Auf genau diese Art der Bildungs- bzw. Machensnotwendigkeit setzt auch Haier.[10]

Machen, Lernen und Entwickeln findet weder hierarchisch noch seriell aufeinander aufbauend statt, sondern flach hierarchisch zeitgleich in agilen, kollaborativen, vernetzten Prozessen ineinander verzahnt wirkend. Das erfordert, ob man will oder nicht, eine ganz neue Art, sich auf Prozesse einzulassen. Indset unterscheidet ganz konkret zwei Wege der Veränderungen: den horizontalen Weg und den Vertikalen. Unter dem horizontalen Prozess versteht Indset, dass man dabei einfach nur vorhandene funktionierende Ideen kopiert bzw. verbessert, indem man sie effizienter oder nützlicher macht. Damit bleibt man jedoch mit dem Machen im alten Modus hängen. Im digitalen Zeitalter braucht es jedoch den vertikalen Weg. Das bedeutet, etwas völlig Neues zu schaffen in einer Kategorie, die man – zumindest für eine kurze Zeit – ganz allein besetzt.[11]

Doch die Macht der Gewohnheit, in altbekannten Strategien und Denkmustern das Neue hinein zu quetschen, hält einem davon ab, ins konkrete Machen im 21. Jahrhundert zu kommen. Das neue Machen ist nicht das Problem, sondern das Festhalten am altbekannten gewohnten Stil des Tuns, mit dem damit verbundenen Annehmlichkeiten, Bequemlichkeiten, Vorteilen, …

Das Elternhaus verlassen ist nicht immer leicht, auch nicht für die Wirtschaft bzw. für die Unternehmen. Ein Management im Digitalisierungsprozess ist gefordert, sich selbst im Prozess der Digitalisierung neu zu erfinden, mit neuen Aufgaben, neuen Kompetenzen, anderer Vergütung, … auseinanderzusetzen. Und vielleicht ist dieser Punkt, die deutlich spürbaren persönlichen Veränderungen als Führungskraft der Punkt, an dem die Digitalisierung bei vielen Unternehmen hängt. Das gilt es für das Management auszuhalten und durchzugehen, aber das ist alles andere als leicht. Und das ist vermutlich ein Grund, warum 75 Prozent der Unternehmen im Digitalisierungsprozess scheitern [12] – aus Angst, als Führungskraft Einfluss und Annehmlichkeiten zu verlieren.

Um diesen Schritt im Digitalisierungsprozess, die höchst persönliche Betroffenheit als Führungskraft mit weitreichenden persönlichen Veränderungen zu wagen, braucht es Unterstützung und ganz konkrete Visionen – persönlich und unternehmerisch.

Eines ist Gewiss: Sie brauchen Mut – so oder so – zur Überwindung von Zweifeln, Ängsten, gewohnten Arbeitsroutinen, denn das verlangt die Digitalisierung auf jeden Fall. Das digitale Zeitalter erfordert einen Mindjump, der alles andere als leicht zu managen ist – persönlich wie auch unternehmerisch. So gesehen ist es äußerst verständlich, dass viele Veränderungsprozesse an der Oberfläche hängen bleiben, das gewohnte Milieu bestmöglich anzupassen versuchen anstatt neue Welten zu erobern.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[2] https://corporate-rebels.com/haier/. Am 2018-12-04 gelesen.
[3] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[4] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[5] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[6] https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-662-53836-4_20. Am 2018-09-25 gelesen.
[7] https://www.aargauerzeitung.ch/leben/digital/mehr-licht-schafft-druck-zur-entwicklung-in-natur-und-gesellschaft-129169170. Am 2018-09-25 gelesen.
[8] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[9] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[10] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[11] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[12] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.

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Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Jede Epoche hat ein Symbol. Der Eiffelturm, errichtet für die Pariser Weltausstellung 1889, war das Aushängeschild für die mit allen Traditionen brechenden, revolutionären Möglichkeiten industrieller Technologie. Die damit verbundene neue Ordnung stellte sich mit dem Eiffelturm selbst zur Schau. Oberste Maxime war: Vertrauen gewinnen in das Zeitalter des Kapitals und den damit verbundenen möglichen Erfolgen.[1]

Vorsprung einst – Vorsprung heute – Vorsprung morgen

Die Pariser Weltausstellung war ein Muss für jeden, der die Industrialisierung mitgestalten, beeinflussen und daran gewinnen wollte. Man wetteiferte, man konkurrierte, spornte sich gegenseitig an, noch schneller, noch weiter, noch mehr zu leisten, noch mehr zu produzieren, noch mehr zu kapitalisieren, … Jeder wollte dabei der Erste sein.

Machen wir jetzt einen großen Sprung, vorwärts in das Jahr 2030. Der Ansporn besser zu sein als die Konkurrenz, treibt vermutlich im Jahr 2030 die Wirtschaft noch immer an. Der Wetteifer beflügelt weitere Errungenschaften und Fortschritte. Etwas hat sich jedoch zu damals um 1900 geändert: Die Geschwindigkeit und damit auch die Schnelligkeit der Auswirkungen sowie der entsprechenden Rückkoppelungen.

Das ist absolut nichts Neues, das ist ohnehin allen klar – werden Sie vermutlich denken. Alle Unternehmen verfolgen das Ziel, die Unternehmen fit für den Markt, fit für die Zukunft zu machen. Das heißt aktuell im Digitalisierungsprozess, schneller, agiler, flexibler zu sein als man es früher war. Strategien gibt es viele, doch die entscheidende Frage und Lösung zeigt sich weniger in bestens durchdachten Digitalisierungsprozessen, sondern in der Courage, bahnbrechende Visionen umzusetzen – wie beispielsweise das erste virtuelle Büro dieser Welt ins Leben zu rufen.

Das virtuelle Büro, , das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty

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Dieses virtuelle Büro ist kein Videospiel. Es ist das reale Bürogebäude, das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty. Dort arbeiten alle 1500 MitarbeiterInnen remote auf einer virtuellen Insel. Dort kann man, wenn es gerade notwendig scheint, die Arbeit mit einer Bootstour kombinieren, aber genauso gut Besprechungen in eigens dafür festgelegten Besprechungsräumen durchführen, oder diese ganz individuell gemeinsam auf der Terrasse im 30. Stock abhalten, uvm… Dieses virtuelle Büro kann hunderte von BesucherInnen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.[2]

Das virtuelle Büro von eXp Realty kann hunderte von Besucher*innen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.

Und jetzt frage ich Sie:

  • Gehören Sie auch zu jenen, die die Zukunft mit bahnbrechenden Visionen mitgestalten,

  • oder zählen Sie zu denjenigen, die aktuell zu wenig Zeit, zu wenig Rückendeckung, aber auch zu wenig Courage aufbringen, spannende Visionen zuzulassen?

Ein solch weiter Griff, hin zu virtuellen Büros mag Ihnen als Führungskraft und für Ihr Unternehmen aktuell noch zu früh erscheinen. Doch die Zukunft klopft auch an Ihre Türen, schneller als es vorstellbar ist. Das virtuelle Büro, um das jetzt als Beispiel zu nennen, ist vermutlich erst ein spannender Versuch einer aktuell bahnbrechenden Arbeits- und Gesellschaftsrevolution – zumindest prophezeien das einige WissenschaftlerInnen.

Digitalisierung stellt die Weltordnung des Industriekapitalismus auf den Kopf

Die Industrialisierung hat im angehenden 20. Jahrhundert die Welt verändert, eine neue Ordnung der Welt hervorgebracht. Das hat einiges an Turbolenzen ausgelöst, aber ist auch über viele Jahre hinweg aufstrebend und stabil gelaufen. Die Industrialisierung hat einen Wohlstand auf dieser Welt mit sich gebracht, der in keiner Weise zuvor so genannt werden kann – eine wirklich außergewöhnliche Leistung. Doch jetzt steht die Entwicklung und die Errungenschaften der Industrialisierung vor einem Wendepunkt. Die Digitalisierung läutet diese ein, und könnte die Weltordnung nach 100 Jahren wieder einmal auf den Kopf stellen, so wie es damals die Industrialisierung auch getan hat. Die Digitalisierung wird deutlich mehr verändern, als das, was man aktuell im Kopf hat.

Ich weiß, das sehen Sie ohnehin auch so. Aber wie offen gehen Sie wirklich an die Sache heran? Sie gehen vermutlich wie ich davon aus, dass Sie für die bahnbrechenden Veränderungen der Zukunft ganz offen sind, Unterstützung suchen bei hochkarätige BeraterInnen, die scheinbar wissen, wie, was, wo, wann passieren wird und strategisch Ihr Unternehmen bestens auszurichten versucht. Doch der Rückblick auf die Industrialisierung zeigt, dass der Weitblick aus dem Moment heraus, selbst bei Fachkundigen, meist deutlich eingeschränkter aussieht als man meinen möchte. Was will ich damit verständlich machen?

Ich gebe Ihnen einen kleinen Anhaltspunkt anhand eines konkreten Beispiels:

  • Denken Sie an ein Auto. Wenn Sie an ein konkretes Auto denken, gehen Ihnen vielleicht Gedanken durch den Kopf, wie man die Autos der Zukunft verbessern könnte, um weniger Schadstoffe zu produzieren. Sie denken vielleicht an E-Autos oder an Wasserstoff betriebene Autos, an Autos mit Solarantrieb, ebenso an selbstfahrende Autos, wodurch weniger Unfälle passieren, uvm …

  • Was geht Ihnen aber noch durch den Kopf, wenn Sie an Autos der Zukunft denken? Gehen Ihnen auch noch andere Aspekte durch den Kopf?

  • Vielleicht gibt es 2030 das Auto, wie wir es uns heute vorstellen in der Art und Weise nicht mehr – u.a., weil China weltweit aufgrund Klimakatastrophen strikte Vorkehrungen trifft und Autos abschafft, oder auch die EU die Zahl der Autos stark reduziert, oder …?

Vielleicht muss man, um die Digitalisierung und die damit verbundenen weitreichenden Veränderungen zu verstehen, weniger die Frage nach den Autos beantworten, was ich jetzt nur als Platzhalter für viele andere Themen der Digitalisierung nehme, und stattdessen sich beispielsweise über die Zukunft der Mobilität Gedanken macht. Es geht nicht mehr um die Autos als solche, es geht um einen übergeordneten Aspekt. Weniger wie das Autofahren mit Autos wird, sondern wie man sich in unterschiedlichen Möglichkeiten fortbewegen könnte.

Ein Wal-Bus

Machen wir dafür wieder einen Sprung zurück ins 19. Jahrhundert. Es kann manchmal hilfreich sein, aus der Vergangenheit heraus die Zukunft zu betrachten, um das begrenzte Denken im Jetzt zu öffnen. Damals um 1900 träumte eine Gruppe französischer Künstler unter dem Titel „Im Jahr 2000“ von künftigen technischen Errungenschaften. Die daraus entstandene Bilderserie bietet meiner Meinung nach einen anregenden „Rückblick in die Zukunft“. So abenteuerlich-absurd manche der abgebildeten Ideen aus heutiger Sicht erscheinen, so visionär sind diese zugleich – beispielsweise Ideen von Landwirtschaftsmaschinen, Maschinen, die den Haushalt bzw. den Boden selbstständig reinigen, Dienstleistungen wie Frisör und Zahnarzt, die von Robotern durchgeführt werden, Mobilität in Form von einem Wal-Bus, oder Schulen, wo nicht mehr das Lehrpersonal vorträgt, sondern Wissensvermittlung über Kopfhörer stattfindet, … – sehen Sie selbst.[3]

Schön und gut, werden Sie vielleicht denken, das ist unterhaltsam, aber …

  • was möchte ich Ihnen nun konkret mit diesem kleinen Ausflug in die Vorstellungswelt von 1900 auf Ihren Weg in die Zukunft als Führungskraft mitgeben?

Es gibt etwas: Think big!

Ich meine aber nicht das „Think big“, was Sie ohnehin tagtäglich als Führungskraft tun.

Ich meine das „Think big“, was beispielsweise diese Künstler*innen von 1900 getan haben, indem sie sich gewagt utopisch über die Zukunft Gedanken gemacht haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, dass die Ideen aus dem Think big heraus umsetzungstauglich sein müssen, sondern darum, überhaupt einmal den meist doch ziemlich eingeschränkt agierenden Denkrahmen zu verlassen. Wie oft meinen wir, wir tun dies ohnehin. Aber das ist meist ein Selbstbetrug, dem auch ich selbst häufig erliege. Doch genau diese eingeschränkte Sicht auf die Zukunft und das Potential der Zukunft kann Unternehmen im Digitalisierungsprozess in deutliche Schwierigkeiten bringen.

Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, werden nur im Modus „Think big“ möglich werden – und nicht im selbsttrügerischen gemäßigten, industriell verhafteten Think big-Erfolgsdenken. Die Kraft und Macht der Digitalisierung, einschließlich der AI, sind bahnbrechend. Mit Hilfe der neuesten technischen Möglichkeiten könnten schneller als man sich vorzustellen gedenkt, schräge Ideen umsetzungstauglich gemacht werden. Mit Hilfe der Technik könnten wahnwitzige Ideen weitergesponnen und darauf aufbauend durchführbare, noch nicht gedachte Ideen, generiert werden …

Die Kreativität ist jedoch nur ein Aspekt, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – ein wesentlicher, aber nur ein Aspekt. Es gibt noch einen weiteren, der jedoch mit der Kreativität in Verbindung steht, mit dieser verschränkt wirkt – nämlich die Fragestellung, ob das demokratische Denken, so wie wir im Westen das aktuell verstehen und zu nutzen üben, der Umsetzung schräger Ideen, großer Visionen im Weg stehen könnte, im Vergleich zu China, das gigantische Visionen einfach anordnet und umsetzt. Eine heiße Hypothese, ich weiß, aber ich fürchte eine, der man sich besser jetzt als morgen stellen muss.

China, das möglicherweise die Vorreiterrolle im Zeitalter der Digitalisierung übernimmt, malt große Visionen, gigantische Visionen. Der Flugplatz in Peking, ein Superlativ in nur 4 Jahren aus der Erde gestampft, ist nur ein winziger Aspekt von dem, was China aktuell an Umsetzungen von Visionen vorantreibt – meist jedoch von oben herab brutal angeordnet und nicht demokratisch abgestimmt. Ich mag mit dieser Aussage in keiner Weise die Art und Weise der Umsetzung gigantischer Visionsprojekte der ChinesInnen gutheißen oder auch kritisieren, sondern vielmehr dazu aufrufen, uns mit China und wie China den Fortschritt anheizt, offen auseinanderzusetzen.

Wenn China im Digitalisierungsprozess so weiter macht wie bisher, dann könnte China im Digitalisierungswettlauf und der Nutzung von AI den Westen abhängen – u.U. dann sogar über den Westen bestimmen. Die EU wird zur neuen Kolonie, oder zum Retro-Land, das die ChinesInnen zwecks Erholung gerne bereisen. Ich weiß, dem werden viele von Ihnen nicht zustimmen und es nur als Schwarzmalerei abtun. Ich will diese, meine Meinung auch nicht als zukünftige Realität hinstellen, sondern vielmehr als Diskussionspunkt nutzen.

Wenn man davon ausgeht, dass u.U. die ChinesInnen in der Digitalisierung den Westen abhängen, dann sollten wir uns jetzt die Frage stellen, wie wir darauf rechtzeitig reagieren können, damit das nicht passiert. Uns stehen dafür u.a. 2 Wege offen:

  1. Entweder wir organisieren die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen ebenfalls weniger demokratisch und diskutieren nicht so viel, setzen große Entscheidungen einfach um. Bis zum gewissen Grad wird es ohnehin so gemacht, jedoch subtil, von hinten herum. Aber mit dieser Taktik läuft man Gefahr, dass durch die Geheimoffensiven relevante Lernaspekte untergraben werden – was rückblickend gesehen großen Schaden verursachen kann. Dann lieber direkt und offen mit undemokratischen Mitteln arbeiten, als subtil aus dem Off heraus die Fäden ziehen.

  2. Als 2. Chance sehe ich die Option, dass wir die ChinesInnen mit noch größeren Visionen übertrumpfen. Dafür braucht es aber wirklich offene Leute mit Mut, schräge Ideen und Visionen zuzulassen, und das entsprechende technische Know-how. Dafür brauchen wir einen starken WeQ, ein äußerst agiles, kollaboratives, sinnökonomisches Vorgehen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach wirklich wichtig, aktuell sich ehrlich und ernsthaft die Frage zu stellen:

  • Was könnten die neuen Impuls- und Veränderungsgrößen im Digitalisierungsprozess sein? Wird die neue Ordnung möglicherweise nur von einzelnen Staaten, vielleicht sogar nur noch von einzelnen Unternehmenssupergiganten entsprechend geformt werden, u.a. von China, Tesla im neuen Gewand, …?

Oder anders gefragt:

  • Welche Vision haben Sie konkret von der Zukunft?

  • Wie arbeiten Sie persönlich im Jahr 2030, sofern Sie dann noch arbeiten dürfen bzw. müssen?

  • Hat sich die Arbeitsweise und möglicherweise auch die Ziele und entsprechenden Produkte und Dienstleistungen geändert?

  • Oder meinen Sie, Ihr Unternehmen läuft 2030 in ähnlicher Weise wie heute – nur mit einigen technischen Adaptionen und weniger MitarbeiterInnen, die darüber hinaus ein anderes Know-how mitbringen müssen?

  • Meinen Sie, dass Ihr persönliches Know-how und Verständnis von heute ausreicht, um das Leben und Arbeiten von 2030 entsprechend visionieren und in Folge auch managen zu können?

Ich selbst glaube nein, mein jetziger Wissensstand wird in keiner Weise dafür ausreichen, die Veränderungen umfassend genug zu begreifen. Und genau deshalb, weil das Verständnis und das Wissen fehlen, sehe ich aktuell die Veränderungspotentiale und Veränderungsdringlichkeiten nicht klar genug.

Das ist das Spannende an großen Veränderungsprozessen: Man kann das, was möglich ist an Veränderungen nicht erkennen, weil man die Veränderungen noch nicht konkret sieht. Aber wie soll man es sehen, wenn man es noch nicht andenkt bzw. weiß – ein Wissensdilemma. Und wenn dann auch noch die Angst oder Ignoranz vor großen Umbrüchen sich zu Wort melden, dann wird die Möglichkeit, die Veränderungen zumindest in Ansätzen ernsthaft als realistische Möglichkeit anzudenken, sofort wieder im Nichts verschwinden und die Veränderungsnotwendigkeit als nichtig erklärt.

Aber vielleicht haben Sie obige Fragen zur Zukunft schon ausgiebig und umfassend durchgekaut, bemühen sich um Antworten und arbeiten eifrig an Lösungen bzw. an entsprechenden Strategien. Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO von VORSPRUNGatwork, meint, Veränderungen werden durch zwei große Parameter vorangetrieben, durch Visionen oder durch Dringlichkeit.[4] Dem werden vermutlich viele zustimmen, und auch wissen, dass Visionen erfolgsversprechender sind als notgedrungene Maßnahmen. Doch an dem Punkt gibt es noch einen Haken: Viele Unternehmen gehen davon aus, sie hätten eine starke Vision. In vielen Führungsetagen mag man überzeugt meinen, man arbeitet kreativ und innovativ an der Zukunft des Unternehmens. Man holt sich ExpertInnen, analysiert, visualisiert und plant entsprechende Maßnahmen.

ABER: Viele Visionen sind keine echten Visionen, sondern kopierte Schablonen, derer man sich bedient. Doch adaptierte Schablonen genügen gegenwärtig nicht mehr, um die Zukunft zu gestalten und die Digitalisierung erfolgsversprechend zu durchlaufen. Es braucht den ernsthaften Willen, couragiert visionär voranzuschreiten, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[5] Das erfordert jedoch Anstrengung, die gewohnten beharrlichen Sichtweisen über das, was man als möglich und real annimmt, beiseite zu schieben und stattdessen es zu wagen, bahnbrechende Visionen zuzulassen.

Sie werden jetzt ziemlich sicher denken, dass Sie das wissen und entsprechend diesem Wissen handeln. Ja, das tun Sie, davon bin ich überzeugt. Doch in der Hitze des Gefechts übersieht man, ob man will oder nicht, manche Erkenntnis und vielleicht sogar die Zukunft selbst – auch ich – eine Zukunft, die vielleicht schon bald von den ChinesInnen geprägt sein mag, vielleicht auch eine Mobilität, in der nur noch wenige Autos auf den Straßen zu finden sein, und stattdessen die Parkplätze in den Städten als zusätzliche agrarwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um sowohl das Stadtklima als auch die Versorgung sicherzustellen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[6]

Doch genau das, Think big, lass bahnbrechende Visionen zu und die damit verbundenen Veränderungen zu, tut weh. Das motiviert nicht jeden und jede, lässt oft sogar eine abwehrende Haltung aufkommen. Groß Denken lässt einen vielleicht sogar seltsam ermatten als euphorisch anregen, man mag u.U. sogar eine unangenehme Schwere spüren. Mit solchen oder ähnlichen Gefühlen will man sich als Führungskraft nicht auseinandersetzen – äußerst verständlich. Eine Führungskraft will entscheidungsstark und selbstsicher wirken. Die mit bahnbrechenden Visionen verbundenen Veränderungen, von denen man selbst unweigerlich betroffen sein wird, stehen dem hinderlich im Weg. Aber diese mit Einsichten verbundenen Widerstände und unangenehmen Begleiterscheinungen sind nur eine Phase von einem wirklich spannenden Prozess.

An diesem Punkt könnte es helfen, eine Übung zu machen:[7]

  • Wählen Sie zu Beginn dieser Übung eine Überzeugung, an der Sie wirklich hochgradig überzeugt festhalten. Dann machen Sie gedanklich einen Sprung und denken in den nächsten Minuten das genaue Gegenteil dazu. Versuchen Sie dem Gegenteil zu Ihrer Überzeugung etwas Raum zu geben. Versuchen Sie dieses Gegenteil nicht sofort niederzuschlagen mit Ihrer Überzeugung.

  • Probieren Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht?

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als eine neue Möglichkeit hinzuzunehmen, spannend.

In dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen. Die unvollständigen und oft auch unzureichenden Vorstellungen des Realen und die Beharrlichkeit auf der als Realität angenommenen Weltanschauung beeinträchtigen leider viel zu oft unsere Vorstellung – ohne dass wir das mitbekommen. Dadurch sind auch unsere Zukunftsvisionen beeinträchtigt, und unterscheiden sich meist nicht sehr von dem, was man im Augenblick für wahr hält.[8]

Resümee

Die Industrialisierung und die damit verbundenen Arbeits- und Produktionsweisen waren nie als Allheilmittel und Rezept für alles gedacht, sondern es hat einfach so unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Zeiten gut funktioniert – aber heute in der Digitalisierung greifen andere Rezepte, die jedoch für manche noch mehr wie eine Utopie, eine überzeichnete Idee als möglich werdende Realitäten sind.

Die ChinesInnen, aber ebenso das Unternehmen eXp Realty realisieren bereits Visionen, die für manche noch in den Sternen stehen. Diese machen damit Erfahrungen, geben damit vielleicht auch die weiteren Schritte und Entwicklungen vor, prägen u.U. in Folge ganze Wirtschaftszweige und Arbeitsformen.

Ja, ich weiß, viele werden jetzt meinen, so weit kommt es nicht. Doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dass virtuelle Büros nur von einzelnen Unternehmen eingerichtet werden – das könnte im Jahr 2030 ganz anders aussehen. Ich denke, die Wirtschaft der EU, darunter auch die deutsche Wirtschaft steht vor dem Punkt, den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Welten, mit neuen Denk-, Arbeits- und Produktionsräume endlich einmal ernsthafter anzudenken, und nicht als Hirngespinste abzuwerten. Wenn Sie konkret es nicht wagen, andere werden es wagen, davon können Sie sicher sein – allen voran die ChinesInnen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem entspannten Flirt zwischen Vergangenheit und Zukunft bzw. Vergangenheit und aktueller Zeit. Zwei VORSPRINGERInnen machen sich auf ins neue Zeitalter …

Was ich Ihnen mitgeben möchte:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] http://www.steiner-verlag.de/uploads/tx_crondavtitel/datei-datei/9783515084826_p.pdf. Am 2019-10-03 gelesen.
[2] https://bigthink.com/technology-innovation/virtual-island-remote-workers-exp. Am 2019-10-02 gelesen.
[3] https://www.derstandard.at/story/2000028483147/zurueck-in-die-zukunft-wie-man-sich-um-1900-das. Am 2019-10-01 gelesen.
[4] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[5] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[6] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[7] Mindful. Balanced. Happy. – ProjectBemore.
[8] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.

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