Jede Veränderung löst lt. Forschung eine Unmenge an Hirnarbeit und Hirnturbolenzen aus, weit mehr als in den meisten Veränderungsprozessen angedacht und berücksichtigt wird –

das hat Folgen …

Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Es lässt mir keine Ruhe zu wissen bzw. mehr als mir lieb ist vor Ort festzustellen, dass in etwa 75% New Work Prozesse scheitern.[1] Bloß 15-30%, je nach Quelle, können mit agilen Methoden ein bisschen vor sich hindümpeln, ohne jedoch das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen.[2]

Gründe des Scheiterns von New Work

Die Gründe für das umfassende Scheitern von New Work sind nach Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, daran festzuhalten, dass die Mehrheit der Unternehmen in Bezug auf New Work bloß Oberflächenphänomene ändern. Nach ihr finden sich in der Praxis sieben Fehler im Einsatz von New Work:[3]

  • Aktionismus

  • Fragmentiertes Vorgehen

  • Schablonenhaftes Denken

  • Technologieüberhöhung

  • Führungsschwäche an der Spitze

  • Instrumenteneuphorie

  • Kurzsichtigkeit

Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork, sieht in Bezug auf die Praxisfehler von Bruch zwei übergeordnete Aspekte, die auf alle anderen nachfolgenden Aspekte, von denen Bruch spricht, entsprechend hemmend Einfluss nehmen:[4]

  1. Es besteht oft eine (unbewusst) vorhandene Abneigung / Scheu vor New Work.
    Nach außen hin mag man vielleicht hochmotiviert von New Work sprechen, aber im Hintergrund, ungesehen, unbemerkt, unbewusst, lassen kritische Stimmen kein gutes Wort daran. So gesehen ist weniger New Work falsch, sondern das Mindset hat Probleme, sich auf eine neue Arbeitsweise, agil mit flexiblen Strukturen, flachen Hierarchien, kollaborativ, sinnökonomisch, als offene Wissenskultur, einzulassen.

  2. Die Rahmenbedingungen und die damit zusammenhängende Unternehmenskultur müssen für New Work neu aufgestellt werden. Der von Führungskräften notwendige Mindjump, um New Work erfolgsversprechend anzuleiten und zu führen, kann nur dann entsprechend unterstützt werden, wenn die Unternehmen einen passenden Rahmen dafür schaffen. Es gilt umfassend zu verstehen, dass die bisher wirksamen Unternehmenskulturen New Work nicht zu tragen fähig sind, und entsprechend neu erarbeitet werden sollten.

Kann eine Galionsfigur helfen, New Work endlich richtig zum Laufen zu bringen?

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Die vorhin genannten Gründe für das Scheitern von New Work, sind eine grobe Analyse. Ich möchte mich heute mit einem ganz spezifischen Grund für ein mögliches Scheitern auseinandersetzen, der vielleicht seltener diskutiert wird, aber unter Umständen reizvoll wie auch reizbar sein kann – nämlich, dass New Work möglicherweise Galionsfiguren fehlen, oder neudeutsch ausgedrückt Opinion Leader.

Wie komme ich zu der Annahme, dass eine Galionsfigur eventuell New Work auf die Sprünge helfen könnte, und solche fähig wären, New Work aus dem Sumpf des 75%igen Scheiterns zu ziehen – sofern das überhaupt gewünscht ist?! Steve Jobs, Elon Musk, Mark Zuckerberg, …, Pop-Ikonen, BloggerInnen und AktivistInnen, wie die Kapitänin Carola Rackete oder Greta Thunberg, …, kann man als Galionsfiguren bezeichnen. Diese verzeichnen, trotz viel Kritik, Erfolge, von denen andere nur träumen können bzw. wollen. Die Occupy-Bewegung ist dabei ein Sonderfall, sicherlich Feindbild der Wirtschaft, aber meiner Meinung nach spannend in der Analyse, warum diese anfangs so erfolgsversprechend gestartete Bewegung schlussendlich gescheitert ist.

Analyse der Occupy-Bewegung, und was New Work daraus lernen kann

Dieses Phänomen der anfangs gehypten und sogar erfolgsversprechenden Occupy-Bewegung hat mich zum Nachdenken bewegt, und die Vorgehensweise und das Scheitern von der Occupy-Bewegung angeregt, dieses mit der New Work Bewegung zu vergleichen. Das heißt nicht, dass New Work überall scheitert und es keine spannenden und kompetenten Menschen gibt, die New Work erfolgsversprechend verkörpern. Es heißt auch nicht, dass New Work gegen die Wirtschaft arbeitet. Was mich dazu bewegt die beiden Bewegungen zu vergleichen, ist ein Aspekt, der selten in seiner Wirkungsweise umfassend reflektiert wie auch kritisch hinterfragt wird – die Macht der Galionsfiguren, die in so gut wie allen Bereichen, in Wirtschaft, wie auch Kunst, Gesellschaft, Politik, wirken.

Die Occupy-Bewegung als bankenkritischer Protest erreichte eine beachtliche Ausdehnung und eine enorme Aufmerksamkeit. Für viele war die Bewegung ein Wunder. Dabei waren BauarbeiterInnen, ProfessorInnen, StudentInnen, RentnerInnen, Menschen verschiedener Religionen, Gesinnungen und Nationalitäten, auch bekannte Persönlichkeiten.[5] In weniger als 4 Wochen gelang es der Occupy-Bewegung auf Anhieb, eine globale Dimension zu erreichen. In nicht weniger als 911 Städten in 82 Ländern wurde demonstriert. Hunderttausende sind auf die Straße gegangen.[6] Ich war selbst in Frankfurt dabei, im Jahr 2011. Es war unglaublich. Diese Bewegung hat eine Kraft versprüht, die mich persönlich berührt hat. Ich selbst habe nicht mit gestreikt, das muss ich auch sagen. Aber ich war von dem Engagement fasziniert.[7]

Und doch ist die Occupy-Bewegung gescheitert, u.a. an klar benennbaren Forderungen, an einem eindeutigen Adressaten, an einem Konzept, wie man mit dem eigenen Anliegen in die unübersehbaren Legitimationslücken der politisch Verantwortlichen in den Regierungen und Parlamenten vorstoßen kann.[8] Aber darüber hinaus ist diese Bewegung gescheitert, weil es keine Galionsfigur ab – eine solche Widersprach der Bewegung, hat aber damit möglicherweise der Bewegung die Zugkraft genommen.

Es hätte eine Galionsfigur geben können, möglicherweise in Deutschland mit Wolfram Siener. Er konnte gut reden, wurde interviewt, er diskutierte mit PolitikerInnen in Talkshows, JournalistInnen porträtierten ihn als Hoffnungsträger der Generation Occupy. Doch genau das war von der Bewegung selbst nicht gewünscht – diese wollten keine Galionsfigur, keine Führungsfigur, sondern alles basisdemokratisch abstimmen und entsprechend darstellen. Da passt eine Galionsfigur als Träger nicht dazu.

Was danach blieb, ist bloß das bekannte Label „Occupy“, was zu einer Protestmarke geworden ist, deren Name und Form immer wieder von neuen Bewegungen aufgegriffen wird, etwa 2013 „Occupy-Gezi“ in Instanbul oder 2014 „Occupy Cenral with Love and Peace“ in Hongkong. Die Occupier hätten aus ihrer Sicht heute noch Grund genug, erneut zu demonstrieren.[9] Siener meint, er würde bei einem Neuanfang von Occupy nur noch anonym wirken wollen, in einem Kernteam von maximal 50 Personen, die sich vorher ganz genau überlegen, was sie erreichen wollen. Es braucht für einen Neustart unbedingt ein Manifest, Ansprüche müssten zurückgeschraubt und mit kleinen, klaren Forderungen und Lösungsvorschlägen angefangen werden.[10]

Was eine fehlende Galionsfigur betrifft, äußerst sich Siener nicht mehr – er hat sich dabei zu sehr verbrannt. Doch gerade damit vergibt sich vielleicht die Occupy-Bewegung, wie auch andere, einer Kraft, die beispielsweise bei Jobs, Musk, Zuckerberg oder auch wie Thunberg oder der Blogger Rezo, Menschen derart begeistert, dass diese dafür bereit sind, einiges zu tun, Komfortzonen verlassen, für ein neues Ziel, Fleiß, Kreativität, Motivation, Offenheit, Courage an den Tag legen.

Ich verstehe die Diskrepanz, die diese Bewegung hat, die auf Augenhöhe gegen Eliten für faire Lebensentwürfe steht, dass sich diese keine Ikone, die dann möglicherweise die Kraft zu missbrauchen droht, aufbauen wollen. Aber gleichzeitig muss man auch sehen, dass es anscheinend Ikonen braucht, damit manches richtig in Fahrt kommt – selbstverständlich mit der Gefahr, dass die Galionsfiguren irgendwann aufgrund der Macht, die Macht zu missbrauchen beginnen. Doch …

  • Was wäre Apple ohne der Galionsfigur Steve Jobs?

  • Was wäre Tesla ohne Elon Musk, Facebook ohne Mark Zuckerberg?

  • Was wäre Fridays for Future ohne Greta Thunberg?

  • Selbst eine bisher unbekannte Kapitänin namens Carola Rackete der Sea-Watch 3, wird zu einer Galionsfigur für die Rettungschiffe im Mittelmeer, und Menschen sammeln Geld für sie, in Höhen, die mich staunen lassen.

  • Welche Galionsfiguren vertreten New Work?

Sicherlich gibt es welche, aber spontan fallen mir keine ein – ähnlich wie bei Occupy. New Work, dort wo dieses tatsächlich erfolgsversprechend gelebt wird, besteht scheinbar aus vielen kleinen Zellen, die im Verständnis von WeQ wirken. Es gibt kein einzelnes Gesicht, dass eine ganze Gruppe nach außen hin vertritt, damit vielleicht sogar Macht und damit Schubkraft hat. Andererseits zeigt sich gerade am Phänomen Greta, dass sie als Galionsfigur den WeQ-Aspekt in keiner Weise schmälert, sondern sogar als Galionsfigur stärkt. Psychologisch gesehen kann man das damit erklären, dass Greta bewundert wird – sicher nicht von allen, aber zumindest von so vielen, dass damit ein Stein zum Rollen kommt.

Zwei Komponenten wirken: Galionsfiguren und die Bewunderung dieser

Bewunderung ist eine Kraft, die einen anspornt, motiviert, sich selbst zu expandieren, dazu zu lernen, das eigene Selbst erweitern zu wollen. Bewunderung eröffnet neue Perspektiven und Ressourcen. Dabei ist es nicht nötig eine enge Bindung zu dem Bewunderten aufzubauen, die kann oberflächlich sein. Im Fall der Bewunderung kann man das, was diese Menschen erreicht haben, theoretisch auch erreichen, die Leistung der Bewundernden sogar überholen. Die Verehrung hingegen, was man u.a. bei Popgrößen im Verehrungskult, aber vielleicht auch bei Apple-Fans findet, ist als Schwester der Bewunderung mehr ein prekäres und zwiespältiges Gefühl. Die, die man verehrt, wird man so gut wie nie in Bezug auf die Leistungen zu erreichen im Stande sein.[11]

In der rechten Dosis kann jedoch die Verehrung wie auch die Bewunderung Sinn in einer Gemeinschaft stiften – ein wichtiger Aspekt in Veränderungsprozessen, aber im Fall der Verehrung auch zu einer Sucht entgleisen. Verehrende wollen sich ihrer Gruppe unbedingt zugehörig fühlen. Ihre Emotionen empfinden sie als unglaublich und unbeschreiblich. Im Gegensatz zur Bewunderung bleibt die Verehrung jedoch ein heikles und widersprüchliches Gefühl. Menschen, die verehren, sind meist nicht autonom, sagt die Forscherin Ines Schindler, und verlieren leicht den Blick auf die Dinge.[12]

Selbst wenn Verehrung kritisch ist, die Kraft, die Verehrung und Bewunderung zu mobilisieren im Stande sind, sollte zu denken geben. Doch selbst in der Wissenschaft und vermutlich noch seltener in Prozessstrategien im Business, möglicherweise mit Ausnahme in den Marketingabteilungen, wird Bewunderung und Verehrung bewusst thematisiert. Damit vergibt man sich aber vielleicht einer Kraft, die dafür sorgt, dass notwendige Veränderungen erfolgreicher und mit mehr Bejahung durchgezogen werden können. Jobs hat vermutlich die Kraft der Bewunderung und Verehrung instinktiv zu nutzen gewusst, wie unter Umständen auch Musk und Zuckerberg. Das Motto von Jobs lautete: Folge Deinem Instinkt. Es gibt keinen Grund, dass man nicht seinem Herzen folgen soll.[13]

Das heißt, Jobs agierte höchst emotional und intuitiv. Genau damit hat er die Menschen in seinen Bann gezogen – was andererseits auch nicht unumstritten ist. Mit seinen Ideen und der Fähigkeit, vorherzusehen, welche Wünsche die zunehmend digitale Gesellschaft haben wird, ist er zur Galionsfigur einer ganzen Generation geworden. Immer wieder hat er ganze Branchen gezwungen, sich der digitalen Zukunft zu stellen – erst die Musikindustrie mit dem iPod, dann die Telekommunikationsunternehmen mit dem iPhone und schließlich die Verlage mit dem iPad. Damit hat er nahezu alle Bereiche revolutioniert, die das digitale Leben bestimmen. So analysieren es Matthias Hohensee und Michael Kroker in der WirtschaftsWoche. Jobs gelingt wie nur wenigen die totale Verführung der KundInnen. Jobs meistert das wie kein anderer, indem er die Emotionen seiner KundInnen schürt, sagt Trendforscher Saffo.[14]

Ähnlich Musk, der ebenfalls höchst emotional seine Visionen voranbringt, und ebenso Zuckerberg, Greta, Rackete, u.a. Was deren Kraft ausmacht, das sind neben Pioniergeist, Courage, große Visionen, emotional bewegte Visionen, womit sie andere bewegen und berühren, bei anderen Bewunderung auslösen, unter Umständen Verehrung. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Jürgen Schmiederer: Musk gilt als verrückter Visionär, der derart abgehoben daherkommt, u.a. twitterte: Das Gerücht, dass ich nur deshalb ein Raumschiff baue, um zu meinem Heimatplaneten zurückzukehren, ist nicht wahr. Musk ist ein Politikflüsterer.[15]

Musk ist nicht nur verrückt genug zu denken, dass er die Welt retten oder bei Misserfolg zumindest auf einen anderen Planeten übersiedeln kann, er ist auch Meister in der Kunst, Menschen für seine Ideen zu begeistern.[16] Das löst, auch wenn man es ungern zugeben will, irgendwie Bewunderung aus. Musk berührt Menschen mit seinen Träumen, mit seinen Visionen.

Greta hingegen wirkt still und ruhig, löst aber nicht weniger Emotionen aus wie Jobs oder Musk, vielleicht andere. Sie wird für Ihre Visionen, sich für den Klimaschutz einzusetzen, bejubelt, bewundert, verehrt, aber auch sehr kritisiert. Klimaschutz ist bei ihr ein höchst emotionales Thema, das kann man nicht täuschend anderen um die Ohren wickeln – auch wenn das einige so behaupten. Vielleicht ist Greta aufgrund ihres Handicaps Asperger-Syndrom und Zwangsstörungen so vehement, um ihre Störungen zu überwinden – zumindest schien es Greta dahingehend zu helfen, ihre Einschränkungen in den Griff zu bekommen, so erklären es ihre Eltern.[17]

Aber vielleicht ist es genau das, das menschlich Zerbrechliche in Verbindung mit einem sensiblen, emotional umstrittenen Thema, warum Greta so einen Zulauf an Fans und MitstreiterInnen zu aktivieren im Stande ist. Die Bewegung wird weltweit beachtet – auch in den höchsten Etagen der Macht. Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, mit der Bewegung steigt der Druck auf die PolitikerInnen.[18]

Am 20. September 2019 soll eine weltweite Protestbewegung, ein Generalstreik, stattfinden.[19] Ob man will oder nicht, die Fridays for Future Bewegung mobilisiert Menschen, Jugendliche in einer Weise, die ich mit dem Eifer bei New Work Prozessen weniger bemerke.

  • Genau an dem Punkt frage ich mich, wo ist die motivierende Kraft, die New Work antreibt?

  • Was könnte Menschen an New Work emotional so berühren, dass diese bereit sind, sich dafür couragiert zu engagieren?

  • Wen kann man für New Work als Galionsfigur bewundern, und damit vielleicht auch wie bei Jobs, Musk, Greta, … einen Wirkungspush initiieren? Von den rund 25%, die an New Work zumindest nicht scheitern, kann man sicher auch Bewunderung und emotional positive Betroffenheit als Kraft nutzen. Doch wo sind diese treibenden Kräfte zu orten?

Aber vielleicht ist es von „höherer Macht“ nicht gewünscht, dass New Work einen Bewunderungshype und damit wie andere emotional angeregte Bewegungen Erfolg verspricht?! Vielleicht fehlt eine entsprechend ausgerichtete Kommunikation, ähnlich der Sache, dass beispielsweise die alten Energieversorger etwa acht bis zehnmal mehr Termine bei der Kanzlerin Merkel und beim Wirtschaftsminister hatten als die Vertreter der erneuerbaren Energien.[20]

Wie dem auch sei, ich finde, es fehlen der New Work Bewegung anregende Vorbilder, Galionsfiguren, die New Work wie Musk oder Jobs oder Greta als etwas erstrebenswertes, emotional berührendes vermitteln können. Galionsfiguren sind Projektionsflächen, das sollte einem auch bewusst sein, aber haben genau damit Wirkung.[21] Viele Prozesse, nicht nur New Work, wirken jedoch seelenlos wie ein Maschinenaufrüstungsprogramm, technisch gut, rational bestens durchdacht, effizient, aber kaum emotional berührend. Die Ziele sind nicht greifbar, nicht spürbar, sind irgendwelche abstrakten Dinge, mit denen man sich schwer identifizieren kann. Jobs, Musk, Zuckerberg, Greta, … haben hingegen Prozesse in Gang gebracht, die auf greifbare, emotional berührende Bilder zurückgreifen können.

New Work fehlen vielleicht die greifbaren Bilder. Man sprich von technischen Prozessen und den damit verbundenen Veränderungen. Man spricht selten von leiblich spürbaren Dingen, die New Work ebenfalls ausmachen können. Vernetzt arbeiten, sinnökonomisch und kollaborativ wirken, agil sein, mögen Attribute von New Work sein, aber in welcher Weise kann ich davon emotional berührt werden, Zukunftsbilder und mögliche Arbeitsveränderungen emotional spüren, so dass ich mich motiviert sehe, New Work tatkräftig zu unterstützen?

Galionsfiguren mögen umstritten sein, auch aufgrund der Möglichkeit, dass die ansteigende Macht der Ikonen, diese verändern und unter Umständen dazu führt, dass genau jene, die andere inspirieren, sinnvoll Neues zu wagen, dann die Kraft der Inspiration nur noch zu eigenen Gunsten missbrauchen. Aber gleichzeitig muss man zugestehen, dass Galionsfiguren viel bewegen, die Komfortzonen vieler zu überwinden im Stande sind, den Abenteuergeist positiv stimmen, es schaffen eine Gruppe von Menschen dahin zu bewegen, einen großen Schritt zu wagen.

Was können wir von Galionsfiguren für den New Work Prozess lernen?

Galionsfiguren sind Pioniere, zeigen Abenteuergeist

Das liegt jedoch nicht jeder Persönlichkeit, das muss man auch sagen. Kann leicht sein, dass viele Führungskräfte nicht mit einer solchen Persönlichkeitsstruktur ausgerüstet sind – was man aber auch nicht schlecht machen soll. Es gibt lt. Forschung gar nicht so viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.[22]

Nur etwa 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt tatsächlich Spaß am Neuen. 80 Prozent, sprich die Mehrheit der Menschen brauchen hingegen Routinen, Verlässlichkeit, Gewohnheit, um sich wohl zu fühlen – selbst dann, wenn ihnen das Gewohnte nicht guttut. Häusel spricht bei den 80 Prozent von den Balance-Typen, die durch entsprechende im Körper wirkende Antriebssysteme durch das Leben bewegt werden. Pionier- bzw. Abenteuergeist zeigt sich hingegen bloß bei 6 Prozent.[23]

Es gibt lt. Forschung nicht viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.

Das ist jetzt keine Kritik an die Führungsebenen, sondern einfach eine wie es scheint menschliche Tatsache. Vielmehr geht es darum, sich eingestehen zu können, ob man selbst weniger mit Pioniergeist ausgerüstet ist, und in welcher Weise man diese fehlende Kompetenz überwinden bzw. anderweitig lösen kann.

In Verbindung mit dem Pioniergeist wirken Mut und ein entsprechendes Risikomanagement

Mut zählt neben Weisheit, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz zu einer der sechs Grundtugenden.[24]

Mut heißt, ein Risiko, eine angemessene Handlung und ein Ziel verantwortungsbewusst durchgehen. Im Verständnis der Tugend heißt das: Mutig ist, wer sich den richtigen Dingen aus den richtigen Gründen auf die richtige Art zur richtigen Zeit stellt, und dessen Gewissen rein ist.[25]

Manchmal muss man dafür Courage aufbringen, gegen den Strom schwimmen, die Komfortzonen und die damit verbundenen Annehmlichkeiten überwinden, unter Umständen mit neuen Ideen durch einen Hagel von Kritik hinweg tauchen. Courage haben heißt, benevolent und universal agieren. Das bedeutet, dass jemand auch am Wohlergehen anderer Menschen interessiert ist, und das fördern will.[26] Aber das ist leichter gesagt, als getan. Darüber hinaus zeigt sich, dass das Sicherheitsdenken und die Mutlosigkeit in der Gesellschaft zunehmen.[27]

Doch Mut ist entwicklungsfähig. Mut hat viele Facetten und ist äußerst individuell. Zudem ist Mut domänenspezifisch, wie Risikoforscher Thorsten Pachur vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung es nennt. Nur weil man in einem Bereich mutig ist, muss das in anderen noch lange nicht so sein. Um couragiert domänenübergreifend voranschreiten zu können, braucht es die mentale Bereitschaft, echtes Selbstvertrauen, emotionale Stabilität, Stressresistenz und auch eine gute Portion Empathie.[28] Pioniergeist und Mut können jedoch ohne große Visionen wenig bewirken.

Es braucht große Visionen

Es braucht also zusätzlich echte Visionen und keine Scheinziele, die in den Bann ziehen. Musk, Zuckerberg, Greta, … haben solche Visionen. Rackete, die Kapitänin der Sea-Watch 3, hat diese auch, Menschen in Not retten. Sie sagt von sich, sie hätte das Privileg und die Fähigkeit, helfen zu können. Sie ist bereit, dafür sich vor Gericht zu verteidigen und ins Gefängnis zu gehen, weil sie überzeugt ist, dass das was sie tut, richtig ist. Rackete wird damit das neue Gesicht der Flüchtlingskrise.[29] Sie bekam für ihren Einsatz, ihre Vision und die Herausforderungen, die sie zu meistern hat, eine Million Euro als Spende, um ihre Prozesskosten und möglichen Strafzahlungen finanzieren zu können. Der Fall Rackete betrifft jetzt ganz Europa. Ihre Vision, Menschen zu retten, wirkt.[30]

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.[31] Entscheidend ist: Eine Vision soll man nicht hören, sondern spüren.[32]

Visionen brauchen Ideen, aber eben auch die richtige Einstellung. Visionäre Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren.[33] Das Durchhalten gehört dabei genauso dazu, wie der Beginn, Phantasiereisen zuzulassen. Doch die mögliche Aussicht auf schnelles Geld, die mangelnde Fokussierung auf das große Anliegen, auf eine würdevolle Vision, lassen viele Visionen im Keim ersticken. Im Extremfall zeigt sich diese Problematik darin, dass Unternehmen am Kapitalmarkt mehr Geld verdienen als in ihrem eigentlichen Business. Ein Versicherungsunternehmen, das lieber zockt, als die Solidargemeinschaft der Versicherten weiterzuentwickeln, ist visionär auf dem Holzweg.[34]

Resümee

Visionen soll man nicht hören, sondern spüren. Das könnte umgelegt auf New Work heißen, dass es bei New Work an echten Visionen, am Pioniergeist und der damit verbundenen Courage fehlt.

Aber wie ich in diesem Artikel auch schon erwähnt habe, vielleicht ist der Aufruf nach New Work gar nicht so ernst gemeint, bzw. nur in der Weise, dass man selbst davon nicht betroffen sein mag. Mit dieser Herangehensweise kann aber New Work nicht wirken, dann scheitert New Work zu 75 Prozent.[35]

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://www.dgfp.de/aktuell/new-work-transformation-aktive-gestaltung-der-arbeitswelt-40/. Am 2018-11-21 gelesen.
[3] https://www.arbeitenviernull.de/experimentierraeume/kachelinhalt/dialog/heike-bruch.html. Am 2018-11-21 gelesen.
[4] Gespräch mit Andreas Loroch im Rahmen der New Work Safari in Weinheim am 20.11.2018.
[5] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[6] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[7] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[8] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[9] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[10] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[11] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[12] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[13] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[14] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[15] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[16] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[17] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[18] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[19] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[20] http://www.sonnenseite.com/de/franz-alt/kommentare-interviews/weltweiter-streik-fuers-klima-am-20.-september-2019.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[21] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[22] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[23] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[24] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[25] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[26] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[27] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[28] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[29] https://www.derstandard.de/story/2000105559880/das-neue-gesicht-der-fluechtlingskrise-im-mittelmeer. Am 2019-07-09 gelesen.
[30] https://www.derstandard.at/story/2000105689963/sea-watch-3-das-schiff-das-die-asylkrise-wieder-sichtbar. Am 2019-07-09 gelesen.
[31] Keller, Matthias: Wie entwickeln Sie eine Vision? Konkrete Tipps von acht Top Führungskräften renommierter Firmen. In: OrganisationsEntwicklung. Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management. Heft 4/2012. Schwerpunkt: Die Kraft des Träumens in Organisationen.
[32] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[33] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[34] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[35] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.

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Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Macht ist Wirkung. Mit Macht passieren Dinge, die ohne Macht nicht zur Umsetzung kommen. So ähnlich beschreibt es Martin Saar, Philosoph, Machtexperte, im 60 minütigen Interview zum Thema: Was die Macht mit uns macht.

Nichts Neues, werden Sie jetzt denken. Die, die an den Machthebeln sitzen, bestimmen, die anderen (müssen) reagieren. Die Mächtigen formieren sich so, dass sie ihre Macht zu sichern bzw. zu erweitern suchen. Die anderen, die weniger Mächtigen bzw. Machtlosen versuchen irgendwie am Machtkuchen mitnaschen zu können, ordnen sich unter oder versuchen irgendwie die Macht an sich zu reißen.

Das Spiel um Macht scheint reizvoll, regt an, motiviert. Macht macht produktiv und kreativ, indem man verführerisch Ziele durchzusetzen sucht.[1] Mit einem Ansteigen von Macht nimmt strategisches und abstraktes Denken zu.[2]

Ian Robertson, Neurowissenschaftler und Klinischer Psychologe am Trinity College in Dublin hat erforscht, wie Macht die Hirnbiologie verändert. Beispielsweise erhöht Macht den Testosteronspiegel, was zu einer vermehrten Aufnahme des Neurotransmitters Dopamin führt, was u.a. das Belohnungszentrum aktiviert. Als Folge steigt die Laune, die Innovationskraft, der Mut, aber zur gleichen Zeit auch die Selbstbezogenheit und andere nicht immer nur vorteilhafte Persönlichkeitsaspekte.[3]

An diesem Punkt kann vermutlich jeder und jede zugeben, dass die mit der Macht einhergehenden positiven Aspekte und die steigende Motivation willkommen sind. Gleichzeitig, mit dem Anstieg der Lust und Laune, greifen jedoch schleichend und kaum wahrnehmbar die negativen Aspekte der Macht, Missbrauch, Manipulation und die Sucht nach immer mehr Macht.[4]

Macht im positiven Sinn als innovative Umsetzungskraft und Machtmissbrauch auf der anderen Seite als rücksichtslose Energie fließen ineinander.[5]

So gut wie niemand kann sich dem Machtthema und der Gradwanderung zwischen produktiv und destruktiv entziehen, und ebenso nicht dem Einwurf, dass mit der Digitalisierung es möglicherweise zu einer Machtverschiebung kommt. Beim Festival of Change in Köln, 25.&26.6.2019, vom Handelsblatt initiiert, ist das Thema Macht jedenfalls auf reges Interesse gestoßen. Meine ins Plenum geworfene Frage in Bezug auf „Macht und Machtverlust“ hat sehr schnell an Resonanz gewonnen, wodurch dieses Thema im Rahmen eines Barcamp dort bearbeitet wurde.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

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Die Ergebnisse zum Thema Macht vom Barcamp waren äußerst umfassend, kritisch, selbstkritisch, verunsichernd was die Zukunft betrifft, bis hin zu konstruktiven neuen Lösungsvorschlägen im Umgang mit Macht.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

Es war deutlich festzustellen, dass vielen bewusst ist, dass es in der Wirtschaft in Bezug auf das Thema Macht mehr Auseinandersetzung bedarf. Ebenso zeigte sich deutlich Einsicht, anzuerkennen, dass mit der Digitalisierung in der Wirtschaft tatsächlich eine Machtverschiebung von statten gehen könnte, die Prof. Dr. Sabina Jeschke, eine der führenden deutschen ExpertInnen für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), eindeutig prognostiziert.[6] Die Digitalisierung kann das bestehende Machtgefüge, den Einfluss und die Entscheidungskraft der Führungskräfte zum Wanken bringen, so dass deren Wirkungskraft darunter leidet, mit Folgen, die man sich nicht vorstellen kann. Darüber hinaus haben die neuen Generationen, Y und Z, ein anderes Verständnis von Macht, eine andere Vorstellung darüber, was Führung und die damit verbundene Machtausübung sein soll.[7]

 

Wilfried Porth, Personalvorstand der Daimler AG, sagt, dass die Jungen zu ihnen nur dann kämen, wenn sie im Unternehmen etwas gestalten und die Welt verbessern könnten. Auch bei McKinsey zeigt sich, dass sie die Jungen mit anderen Angeboten motivieren müssen als bloß mit einem sechsstelligen Einstiegsgehalt. Die Jungen wünschen sich Auszeiten im Job statt einem Dienstwagen, ein Firmenfahrrad, Bahnfahren statt Fliegen, …[8]

Jörg Leuninger, Personalscout bei dem Chemiekonzern BASF musste selbst erleben, wie die Jungen die Unternehmensstrategie von BASF vor anwesenden Vorständen und Bereichsleitern offen und kritisch in Frage stellten. Die Jungen wollten konkret wissen, wie nachhaltig die Chemie-Industrie wirklich ist.[9]

Diese neue Generation Y, die Millennials, die nun vermehrt auf den Arbeitsmarkt strömen verlangen Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache, ständiges Feedback.[10] Sie zweifeln Autoritäten erst einmal an – außer der Chef kann sie durch entsprechendes Auftreten ihnen gegenüber beeindrucken. Sie wollen als Chef eine/n MentorIn und keine/n AnsagerIn oder AufpasserIn.[11] Die Millennials hinterfragen so gut wie alles:[12]

  • Ist das was der Chef sagt, tatsächlich richtig und gut für alle?

  • Warum will ich in diesem Unternehmen überhaupt tätig sein als junge MitarbeiterIn, und wie will ich die Arbeit mit dem Privaten verbinden?

  • Muss das Unternehmen der Umwelt schaden?

  • Warum können die Unternehmen nicht besser miteinander kooperieren? Es geht nicht um Konkurrenz. Es geht um Selbstverwirklichung, bei der man sich gegenseitig unterstützt.

Die Haltung des „Ich achte darauf, dass ich bekomme, was guttut“ zeigt sich jedoch nicht nur in der Elite der neuen Generation. Auch die Jungen ohne Abitur stellen andere Erwartungen. Sie haben erkannt, dass das Bildungssystem durchlässiger ist, dass es möglich ist auch ohne Abitur später noch zu promovieren und Karriere zu machen.[13] Damit wird das Klassen- und Elitedenken auch durchlässiger und weniger relevant. So schreibt Monika Jiang, Millenial Acitivistin und Strategieberaterin:

New Work ist ein Mindset und eine Haltung, mit der die individuelle Gestaltung von Leben und Arbeit sich neu formiert.[14] Mit New Work verändert sich dadurch nicht nur die Gestaltung der Lebens- und Arbeitsprozesse, sondern eben auch das Machtgefüge.

Das finden die einen überaus reizvoll, können nicht schnell genug eine Veränderung hin zu New Work in Bewegung bringen, andere, insbesondere die älteren Generationen irritiert das. Wie kann es sein, dass die über lange Zeit hinweg wirksame Führung und die damit verbundene Macht jetzt einfach so, nicht mehr wirken soll?! Das kann, darf doch gar nicht sein. Ja, und nein.

Wenn man an dem Alten festhält, New Work blockiert, dann wird ein neues Verständnis von Macht, eine Neuaufteilung von Macht, nicht wirken – u.a. vielleicht ein Grund, warum New Work so schwer erfolgsversprechend in Unternehmen umzusetzen ist bzw. in 75% der Umstrukturierungsmaßnahmen scheitert [15]. Aber gleichzeitig untergräbt man mit der Macht, die man noch innehat, Veränderungsprozesse der Machtgefüge, genau das, was aber in Zukunft die Macht sicherzustellen vorgibt – ein Dilemma.

Michael Schmitz, langjähriger politischer Journalist und heute Managementberater, belegt mit vielen anderen ForscherInnen, u.a. auch Robertson, dass je länger Mächtige Macht ausüben, umso selbstverständlicher erscheint sie ihnen und umso gedankenloser nutzen sie die Vorteile und Privilegien, die ihnen Macht gewährt.[16] So gesehen ist es eigentlich fast unmöglich, New Work und die damit verbundenen Machtstrukturveränderungen umzusetzen.

Auch wenn man es nicht gerne hören bzw. lesen möchte, Macht haben verändert einen persönlich – oft nicht unbedingt zum Besseren.[17] Zahlreiche Studien können belegen, dass Macht die ausbalancierte Zusammenarbeit untergräbt – genau das, was aber aktuell explizit gefordert wird, um die Digitalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen erfolgsversprechend zu meistern, sprich kollaborativ, empathisch, interdisziplinär mit Meta-Skills, Muster durchbrechend im Verständnis von Jeschke [18], zusammenzuarbeiten. Selbst Menschen mit äußerst normalen Persönlichkeitsmerkmalen neigen bei Anstieg ihrer Machtkompetenz zu negativen Veränderungen in ihrem Verhalten.[19] Clemens Sedmak, Theologe und Philosoph, hat in Interviews für sein Buch „Mensch bleiben in der Politik“ analysiert:[20]

Befragte Mächtige gaben zu, dass Macht einen verändert. Doch sie sahen die Gefahr der Korruption durch Macht immer nur bei den anderen, nicht bei ihnen selbst als Mächtige.

Das ist die Gefahr, weil die verzerrte Wahrnehmung von Macht mit den damit verbundenen egozentrierten Entscheidungen zu Fehlern führen. Die Menschheitsgeschichte kann viele Beispiele nennen, wo Macht ausartet und den Rahmen der produktiven Kraft sprengt und zu einer destruktiven Größe wird. Wenn man sich der Verführung von Macht nicht bewusst ist, dann kann Macht zu einem missbräuchlichen Instrument verkommen. Heuchelei, Manipulation, losgelöst von der eigentlichen Sache, beeinflussen dann das Entscheidungsverhalten.[21] Macht mutiert dann zu einem Spiel von Illusionen und größenwahnsinnigen Vorstellungen, ohne das selbst so zu sehen. Das ist aber sehr menschlich, passiert im Machtspiel äußerst schnell.

Dacher Keltner, Psychologe an der University of California in Berkley, sagt: Wir alle sind Opfer des Macht-Paradoxes.[22] Niemand ist davon verschont. Es kann selbst jene treffen, die ursprünglich mit bestem Wissen und Gewissen ihre Machtposition nutzen wollten. Macht und Machtmissbrauch liegen eng beieinander.[23]

Friedrich Nietzsche, Philologe, posthum als Philosoph weltberühmt geworden, spricht sogar davon, dass selbst die Moral ein Machtinstrument sei. Er meint, Moral ist eine Erfindung der Schwächeren, um nicht unterdrückt zu werden. Saar erweitert den Pool, und sieht in Gerechtigkeitsaktivitäten, beispielsweise in der MeToo-Bewegung, in Umweltschutzbewegungen, … ähnliche Beweggründe. Saar möchte damit jedoch die Werte und notwendigen Maßnahmensetzungen, die hinter solchen Bewegungen stehen nicht kleinreden, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass man das wofür man sich einsetzt, tiefgreifender hinterfragen sollte, damit man nicht in Gefahr läuft, Werte bloß als Vorwand, als Mittel zum Zweck, zum egozentrierten Machtgewinn, zu missbrauchen.[24]

Unbewusst verfällt man scheinbar leicht einem vereinnahmenden Machtmissbrauch, und die positive Absicht Macht wirken zu lassen, verliert sich irgendwo entlang des Machtstrebens. Doch die Folgen zeigen sich irgendwann – es rächt sich, vielleicht erst viel später wie beispielsweise in der MeToo-Bewegung. Mag sein, dass Sie diese Bewegung vollkommen unberührt lässt.

Aber die MeToo-Bewegung zeigt auf, was passieren kann, wenn man sich der Macht zu sicher wird und ungeniert Macht missbraucht. Auf Dauer bleibt kein Machtmissbrauch unaufgedeckt, und irgendwann folgt der Vergeltungsschlag. Die Digitalisierung mit den sozialen Medien und Netzwerken kann Machtmissbrauchsfälle schneller publik machen und einer großen Öffentlichkeit präsentieren, als es früher der Fall war. Die Betroffenen können sich deutlich schneller in einer größeren Gemeinschaft gemeinsam stärken und sich gegen den Machtmissbrauch formieren. Das sollte einem heute bewusst sein, dass Handlungen, Entscheidungen, Macht, durch die Sozialen Medien einsichtiger werden und damit angreifbarer. Rezo, der Blogger, hat die Wahl in Deutschland beeinflusst, Machtverhältnisse verschoben. Greta Thunberg übt Macht aus, in einer scheinbar harmlosen Weise, aber es hat Wirkung, die Bewegung gewinnt an Macht.

Die Mächtigen schauen jedoch noch zu oft belächelnd auf solche Bewegungen und die sich darin formierenden Gruppierungen, sehen diese als unbedeutend an, als Sprücheklopfer, die ihnen nichts anhaben können. Aber die sozialen Medien und deren Macht unterschätzen, ist unklug. Das hat auch schon der leider verstorbene Prof.Dr. Peter Kruse prognostiziert, angelehnt an die Aussage des Imperators in Star Wars: Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht.[25] Aber, das muss man auch sagen: Die Sozialen Medien stärken auch ihre eigene Macht, und genau damit erliegen sie selbst dem Sog, Macht für sich selbst unter Umständen zu missbrauchen – ein Drahtseilakt.

Macht haben, Macht gewinnen, ist, ob man will oder nicht verführerisch, und der Verführung erliegt man schnell – jeder und jede. Das kann man nicht einfach so zur Verurteilung stellen. Kritisch anmerken muss man hingegen, dass man sich in Wirtschaft als auch in Politik und anderen Institutionen zu wenig bewusst mit den Mechanismen von Macht auseinandersetzt. Die guten Ziele, die manche so rühmlich vor sich herschieben, könnten bei unbewusster Machtausübung relativ bald in einen Missbrauch rutschen.

Der Wille zur Macht ist stark, die Vernunft muss hingegen deutlich an Unterstützung gewinnen, damit Macht nicht zu einem negativen Instrument mutiert, sondern als produktives Mittel das Welt- und Wirtschaftsgeschehen formt, Herausforderungen zum Wohl der Menschen zu lösen fähig ist.

Leicht ist es nicht, sich bewusst mit Macht auseinanderzusetzen. Das würde fürs erste meist heißen, man wird mit den vielen negativen Seiten der Macht konfrontiert, und genau das will man vermeiden. Aber je mehr man das Negative zu vermeiden versucht, umso stärker wirkt es unbewusst vom Schatten heraus. Deshalb braucht es in Bezug auf das Verständnis und Wirken der Macht, sehr viel Menschenverständnis wie auch Selbsterkenntnis. Das fordert die Übernahme von Verantwortung, für sich selbst und für andere. Das heißt mit den Worten von Elisabeth Bronfen, Kulturwissenschaftlerin, sich selbst beschneiden können und das eigene Begehren zügeln. Das braucht jedoch viel Selbstdisziplin und Überwindung von Verführungen, u.a. Anerkennung, Prestige, Boni widerstehen. Es braucht darüber hinaus Mut und Demut, den persönlichen Einfluss durch Macht neu zu verhandeln und die persönliche Macht damit zu beschränken.[26]

Wer Macht hat bzw. wer mit Macht verantwortungsbewusst umgehen möchte, der braucht mit den Worten von Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, eine Art Wächter.[27]

Reuter will die positiven Seiten der Mächtigen in der Wirtschaft wachrufen. Er spricht von glaubhaften Vorbildern, die eine menschenwürdige Gemeinschaft zu führen im Stande sind. Diese Fähigkeit bedarf einer kompetenten Wachheit und persönlichen Reife. Noch zeigt sich jedoch seiner Meinung nach in den Führungsetagen, mit einigen Ausnahmen, ein Bild von Heuchelei und billiger Gaukelei [28], ausgelöst durch:

  • Narzissmus bzw. überbordender Egoismus

  • Ja-Sager-Mentalität bzw. ängstliche Angepasstheit

Alberto Alemanno, Autor, politischer Aktivist, 2015 vom Weltwirtschaftsforum zum Young Global Leader ernannt, Global Clinical Professor of Law an der New York University School of Law, hält dem jedoch entgegen, dass verantwortungsvolle Führung möglich ist. Die aktuelle Situation gibt zwar sehr zu denken, doch die Gegenkräfte gewinnen an Bewusstsein und Courage, unter Umständen durch die neuen Generationen. Seiner Auffassung und Beobachtung nach sind die Führungskräfte der Zukunft Führungspersönlichkeiten, die 10 Persönlichkeitsmerkmale in ihren Beruf einzubringen verstehen [29] – u.a. auch relevante Kompetenzen in New Work:

  • Mitgefühl und emotionale Intelligenz

  • Integrität und Offenheit

  • Fairness und Einbeziehung

  • Kompetenz und Berücksichtigung von (fachübergreifenden) Daten

  • Beständigkeit und Bescheidenheit.

Aber ohne das dritte Auge, ohne Wächter, oder mit den Worten von Reuter, ohne kompetente Wachheit, wird es äußerst schwer Macht, Machtmissbrauch, anstehende Veränderungen im gesunden Maß zu halten.

Die kompetente Wachheit ist nach Alemanno eine Instanz, in sich selbst und gleichzeitig außerhalb seiner selbst, die die Gesellschaft und sich selbst vor gesellschaftlichen wie auch vor den eigenen Extremen zu schützen vermag. Erst wenn eine solche Instanz das Tun, die Tollheiten und Ausschweifungen im Auge behält, kann global etwas entstehen, was tatsächlich auch einmal dem Allgemeinwohl dient und nicht bloß einzelnen Menschen.[30]

  • Doch wer von den Mächtigen ist wirklich bereit, Machtansprüche, anreizende Ausschweifungen, Boni, das persönliche Machtstreben ehrlich zu hinterfragen und darüber hinaus dem Einhalt zu gebieten?

Dieser Frage sollte man sich zu allererst klar sein. An dem Punkt beginnt Mindfulness, ein produktives, reflektiertes Wirken von Macht. Der Weg der Erkenntnis sollte nicht mehr länger nur ein Weg der künstlerisch-philosophischen und spirituellen Eliten sein, sondern ein Weg aller Menschen – insbesondere jener, die andere Menschen führen möchten, und damit Macht bewerkstelligen. Das ist meine persönliche Antwort, um die Herausforderungen positiv zu managen – die vermutlich aber nicht jedem gefällt.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[2] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[3] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[4] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[5] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[6] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[7] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[9] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[10] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[11] https://www.hrweb.at/2017/04/kommunikation-digital-natives/. Am 2017-05-02 gelesen.
[12] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[13] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[14] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[15] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[16] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[17] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[18] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[19] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[20] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[21] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[22] Keltner, Dacher: Das Machtpardox. Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main: 2016.
[23] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[24] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[25] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be.
[26] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[27] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[28] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[29] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.
[30] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.

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New Work muss man sich stellen – aber anders

New Work muss man sich stellen – aber anders

Im letzten Artikel, Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, habe ich versucht, ökologische Veränderungen und die daraus resultierenden möglichen Einflüsse auf die Wirtschaft zu durchleuchten. Umweltbewusstsein mag relevant sein. Wachstum aber ebenfalls, um das, wovon viele heute profitieren, so auch erhalten zu können. Doch beide Seiten sehen oft nur ihren Aspekt und nicht den anderen – die Folgen:

Missverständnisse, Missinterpretationen, vorschnelle Urteile, Ignoranz entzünden sich schnell

Das Öko-Thema ist nur eines in einer Reihe von anstehenden Veränderungs-Themen, die Unternehmen triggern und vorschnell Meinungen generieren – von super positiv bis hin zu völliger Ablehnung. New Work kann sich neben Öko ebenfalls in den polarisierenden und damit auch anfechtbaren Reigen abgenötigter Veränderungen einfügen.

Die einen sehen in New Work bloß einen Hype, einen Modetrend, der wieder verschwinden wird. Die anderen sind davon überzeugt, dass New Work die Arbeitsweise der Zukunft werden wird. Beide Seiten haben Recht:

  • Zum einen zeigt sich, New Work scheitert in etwa zu 75% [1], bloß 15-30%, je nach Quelle, dümpeln mit agilen Methoden vor sich hin, ohne das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen [2].

  •  Aber New Work eröffnet tatsächlich auch neue Chancen für NewcomerInnen, für Randgruppen, für kreative ÜberfliegerInnen und mutige InvestorInnen – Tendenz steigend, mit Folgen für den Rest des Marktes, die man jedoch noch nicht als relevant genug ansieht.

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New Work ist nicht besser, sondern anders

An New Work und den mit New Work einhergehenden neuen Arbeitsweisen geht kein Weg mehr vorbei. Im alten Stil können wir nicht weitermachen, weil die Digitalisierung Arbeitsprozesse verändern wird, ob wir wollen oder nicht. New Work wird ein Teil der Zukunft werden, vielleicht anders als aktuell gehypt, aber es wird ein Teil werden.

Der Öko-Aspekt zählt dazu, weil durch die Digitalisierung ganz neu aufgesetzte und ausgerichtete Produktionen und Dienstleistungen möglich werden, die den Markt aufmischen können, in einer Weise, die man sich jetzt im Moment noch nicht vorstellen kann bzw. mag.

  • So könnte beispielsweise China durch die Kehrwendung vom „klassischen“ Elektroauto hin zum Wasserstoffantrieb weltweit die Automobilbranche auf den Kopf stellen. Wir wissen es nicht, aber es könnte sein.

  • Dauerhafte Verhältnisse, auch Eigentum, wandeln sich ebenfalls und werden zu Bedürfnissen, die von KundInnen immer mehr nur noch auf Zeit „On Demand“ zu befriedigen gesucht werden – Tendenz stark steigend.[3] Das könnte ebenfalls Folgen für die Wirtschaft mit ihrer gegenwärtigen der Steigerungslogik mit sich bringen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, spricht davon, dass wir ökonomisch wachsen müssen, uns beschleunigen müssen, Effizienz steigern müssen, um das zu erhalten, was wir haben. Diese Dynamik hat sich jedoch zu einem leer laufenden Steigerungszwang entwickelt, und formt entsprechend unsere Weltbeziehung auf eine sehr spezifische Weise.[4]

Die Steigerungsleistung, die systematisch erzwungen wird, führt dazu, dass wir in einer Daueranspannung der Welt gegenübertreten – und das lässt uns resonanzunfähig werden.[5] Resonanzgeschädigt sehen wir die Probleme und Herausforderungen jedoch nur noch verzerrt. Damit erhöht sich die Zahl an Fehlentscheidungen – auf Unternehmensseite, politisch, aber auch privat und damit gesellschaftlich.

Das was Rosa über die postmoderne Welt und deren Beziehungsgefüge analysiert, steht jedoch im Widerspruch zu dem, was New Work fordert, mehr Empathie, mehr Resonanz, mehr WeQ statt IQ, um die Herausforderungen adäquat meistern zu können. Resonanz heißt, in Beziehung zu treten mit der Welt, sich von der Welt und dem was die Welt beschäftigt, anrufen und verwandeln, sich berühren zu lassen. Damit ist man aber auch verwundbar und verletzbar. Und genau das kann und will man sich nicht erlauben, ist nach Rosa unter dem Vorzeichen des Steigerungszwangs auch schier irrational.[6]

  • Zum einen fordert man von den Führungspersönlichkeiten mehr Empathie, will das intentional herstellen,

  • aber die Kontrolle muss dabei behalten werden – das widerspricht sich. Es ist schwer in emphatischen Kontakt zu treten, aber das bloß in sehr kontrollierter Weise passieren zu lassen: Der Tiger soll bitte pünktlich um drei Uhr zum Fototermin bereitstehen, und das mit ausreichendem Abstand, zu viel Nähe könnte gefährlich werden. Wer weiß, was dann passiert …

So beschreibt es Rosa, wie Menschen miteinander heute agieren. Mit dieser Art in Beziehung zu treten, angeheizt von der kontrollierbaren Steigerungslogik, zieht sich die Resonanz immer mehr zurück und erkaltet.[7] Gleichzeitig aber fordert New Work in Verbindung mit anderen Aspekten, mehr Empathie, mehr Intuition, mehr Offenheit, mehr freien Fluss statt Kontrolle. Das ist fast schon schizophren, kontrollierbar der Steigerungslogik folgen, und gleichzeitig resonant empathisch die Prozesse freier fließen lassen.

Der amerikanische Zukunftsforscher Alvon Toffler schreibt in seinem Buch „Future Schock“ von der Not des zu schnellen Wandels: Die Beschleunigung der letzten 70 Lebensspannen von zuvor 650 Lebensspannen, die Menschen über all diese hinweg nur in Höhlen lebend verbracht haben, lösen eine Art (unbewussten, weltumspannenden) Schock aus. Das Tempo der Umweltveränderungen und das Tempo, mit dem der Mensch darauf reagieren kann, ist aus der gesunden Bewältigung gefallen.[8] Es bleibt keine Zeit mehr für Resonanz. Im Gegenteil, Resonanz könnte das überforderte menschliche Fass zum Überlaufen bringen. Man tritt die emotionale Notbremse, ignoriert und klammert alles Unbequeme aus, um das Rad am Laufen zu halten, auch wenn das sogar gefährlich ist.

Die rasanten Veränderungen machen auch nicht vor der Lebensdauer von Unternehmen halt. Mittlerweile ist die Lebenserwartung von Unternehmen auf weniger als 20 Jahre gesunken, und sinkt noch weiter. Das ist u.a. ein Grund, warum Stephan Jansen, Präsident und Professor an der Zeppelin University in Friedrichshafen, an GründerInnen appelliert: Bitte denkt am Anfang auch schon an das Ende, weil es immer wichtiger wird, ein gutes Ende zu managen. Aber genau das lässt viele kalt, und ein Ende wird ins Abseits geschoben.[9]

Ob man will oder nicht, New Work heißt auch, sich immer wieder einem Ende stellen zu müssen – nicht unbedingt gleich dem Ende des Unternehmens, aber einem Ende der gewohnten Arbeitsstrukturen und den damit verbundenen Arbeitsweisen, lieb gewonnen Produkten und möglichen Annehmlichkeiten. Das fordert heraus, Bestehendes wirklich ziehen zu lassen, neue Strukturen offen und flexibel zu entwickeln, um rasch auf weitere Veränderungen reagieren zu können, sich auf eine permanente Transformationsfähigkeit einlassen zu können, so wie es VORSPRUNGatwork diagnostiziert.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Der Übergang von Alt zu neu fordert Engagement, Betroffenheit und mehr Kenntnisse als geplant. Das widerstrebt der Gewohnheit, das widerstrebt den Zeitvorgaben im Management, das widerstrebt oft auch den Menschen, den MitarbeiterInnen wie auch Führungskräften, die es gerne schnell erledigt haben wollen bzw. keine Verunsicherungen, Ängste und Verluste von alt gewohnten Routinen und Vorteilen spüren möchten. Diesen Prozess kann man in drei Phasen unterteilen, die jedoch nicht getrennt und schon gar nicht seriell ablaufend betrachtet werden sollten.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Diese drei Phasen fließen parallel zueinander. Der Einfluss einer bestimmten Phase ist mal stärker, mal weniger stark im Vergleich zu den beiden anderen. Es zeigt sich zwar eine gewisse Tendenz, welche Phase wann im Veränderungsprozess intensiver und einnehmender wirkt, aber das kann nicht dogmatisch auf jeden sich im Veränderungsprozess Befindlichen angewendet werden.

  1. Die Phase 1 ist eine Erkenntnisphase, darüber, was man an Gewohnheiten in der Arbeit liebgewonnen hat, worauf man sich verlässt, in welchen Komfortzonen man sich bewegt und was man eigentlich nicht ändern will, weil es unter Umständen unbequem ist, und darüber hinaus Unsicherheiten und Ängste auslöst. Bequemlichkeit, Unsicherheit und Angst blockieren jedoch jede Veränderung. Mit Angst im Nacken ist sofort Widerstand aktiviert, und die angestrebte Veränderung, auch wenn diese tatsächlich Vorteile verschaffen könnte, erstickt im Keim.

  2. Die Phase 2 ist unglaublich wichtig, wird aber oft nicht im Prozess mit einbezogen. In dieser Phase wird man mit Dilemmata und Paradoxien konfrontiert. In dieser Phase erprobt man die neuen Möglichkeiten, obgleich man gleichzeitig auch noch an den gewohnten alten Verhaltensweisen festhält – als Sicherheit. Man pendelt hin und her zwischen alt und neu. Man sitzt zwischen zwei Stühlen. Das Alte hält man noch fest, das Neue setzt man als Ziel auf Prozess-Papiere. Ein Ja, aber … schleicht sich subtil ein, und versucht die angestrebten Veränderungen so gut es geht von sich fern zu halten bzw. so hinzudrehen, dass man selbst davon nicht betroffen ist.

  3. In der 3. Phase geht es dann konkret um die Entscheidung, darum sich wirklich auf das Neue einzulassen und das Alte definitiv loszulassen. Oft tut man jedoch nur so, als ob man das Alte loslässt und sich voll auf das Neue einlässt – aber das ist leider häufig ein Trugschluss. Doch das ist ganz normal. Das ist u.a. auch die Strategie der Gewohnheit, um Ängsten und Unsicherheiten auszuweichen.

New Work ist weit mehr als nur die Auseinandersetzung mit dem Neuen, sondern ebenso die intensive Beschäftigung mit dem Alten. Das verlangt Einsicht, Resonanz zu sich selbst und zu dem, was andere erleben. New Work verlangt Willenskraft, um der Kraft der Gewohnheiten widerstehen zu können. Denn selbst dann, wenn die Entscheidung zur Änderung wirklich konkret getroffen ist, werden die alten Gewohnheiten immer wieder aufs Neue versuchen, das Alte ins Neue hinüber zu schummeln. Immer dann, wenn das Neue Unsicherheit auslöst, ist sofort das Alte zur Stelle und versucht unter dem Deckmantel des Neuen die alten Verhaltensweisen geschickt ins Neue einzufädeln.

Man will Erfolge generieren, aber ohne die umfassenden Herausforderungen auch anzunehmen, die bei Veränderungen nun einmal auch zu managen sind. Man schaut viel zu oft nur auf das, was man ohne größeren Aufwand scheinbar gut zu managen bekommt, rasch Erfolge sichtbar werden lässt. Man konzentriert sich auf oberflächliche Anhaltspunkte, aber nicht auf die systemisch tiefgreifenden Aspekte – verständlicherweise. Doch genauso scheitern agile Arbeitsmethoden.

New Work verkommt zu einem Buzzword, mit wenig Substanz. Gleichzeitig braucht es aber die neuen, veränderten Arbeitsstrukturen, um die mit der Digitalisierung einhergehenden neuen Möglichkeiten erfolgsversprechend im Verständnis der Steigerungslogik in Spur zu bringen.

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

Unternehmen bzw. die MitarbeiterInnen und Führungskräfte geben zu, dass sich viele unsicher sind was die Zukunft betrifft, dass Angst da ist, Misstrauen, Frustration, Zerrissenheit, auch Gleichgültigkeit, Resignation, Hilflosigkeit, Aggression, Bedrohung, ein Spiel mit dem Feuer, zum einen anregend zum anderen abschreckend, … aber auch Lichtblicke, Neugierde, Euphorie, Hoffnung, etc. gibt ihnen der Blick in die Zukunft. Ja, sie wirkt sogar vitalisierend.

  • New Work wird vorwiegend an 2 Polen besiedelt. Auf dem einen Pol sammeln sich alle jene, die New Work als echte Innovation mit unglaublich vielen neuen Möglichkeiten und Chancen sehen.

  • Auf dem anderen Pol findet sich Skepsis, Angst, Überforderung und Bedrohung.

New Work polarisiert und verliert damit an Kraft und Wirkungsweise. New Work braucht deutlich mehr Auseinandersetzung zwischen den Polen, mehr Verständnis für die unterschiedlichen Aspekte auf dem gesamten Kontinuum innerhalb der beiden Pole.

Resümee

Es genügt für die erfolgsversprechende Implementierung von New Work nicht, bloß einzelne Wände neu zu setzen oder einige Räume neu einzurichten. Ein VORSPRUNG at work kann erst dann erfolgsversprechend wirksam werden, wenn man es wagt, die alles tragende Unternehmenskultur, das Fundament des Unternehmens einem entsprechenden Umbau zu unterziehen. So analysiert es Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork.

New Work ist ein umfassender Kultur-Change, eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Mindset eines Unternehmens, bezieht neben neuen Arbeitsweisen wie agile Methoden, flexible Strukturen, flache Hierarchien, Kollaboration, Sinnökonomie, offene Wissenskultur, … einen wichtigen weiteren Aspekt ein:

  • in Resonanz gehen, nach innen wie nach außen mit der Welt – heute und morgen, sprich mit der Zukunft der Welt. Das ist ein äußerst relevanter Schritt, ein Schritt voraus, ein Vorsprung. Das klingt einfach, weil alle meinen, sie tun das. Aber dem ist nicht wirklich so, dafür braucht es Resonanz, und genau an der mangelt es nach Analyse von Rosa jedoch immer mehr.

  • Ohne echte Resonanz und einer damit verbundenen Vision wird man scheitern, vielleicht weniger, weil man die neuen Arbeitsstrukturen nicht stimmig genug aufgesetzt hat, sondern weil man die Gefahren der neuen Welt nicht rechtzeitig zu erkennen beherrscht.

Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [10] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://alinbu.net/blog/die-agile-bewegung-ist-gescheitert/. Am 2019-02-25 gelesen.
[3] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[4] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[5] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[6] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[7] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[8] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[9] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[10] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[11] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Ein Weltbankbericht geht davon aus, dass bis 2050 140 Millionen Klimaflüchtlinge zu zählen sein werden.[1]

Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten unserer Geschichte.[2]

Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründungsdirektor des Potsdamer-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht davon, dass die Folgen sich veränderter Umwelten durch ein Übermaß an Nutzung fossiler Brennstoffe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft heruntergespielt werden [3] – das kann bald fatale Folgen mit sich ziehen.

  • Die größte Gefahr stellt nach Richard David Precht die Migration dar – die Migration aufgrund eines Öko-Kollaps. Die Digitalisierung ist darin gut eingebettet, in einer jedoch anderen Art von Gefahr, die vielmehr von Seiten des Energie-Verbrauches und weniger von Seiten der Jobverluste zu analysieren ist. Der Energie-Verbrauch der Digitalisierung ist immens, und wenn das weiterhin mit klassischen Energieträgern zu bewerkstelligen versucht wird, dann erleben wir alle den Öko-Kollaps mit Folgen, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigen. So skizzieren ForscherInnen in einem neuen Report, dass Mitte des Jahrhunderts die Zivilisation wie wir sie kennen voraussichtlich enden wird. Die Menschheit wird zwar irgendwie überleben, aber fast alles, was sie in den letzten 2000 Jahren aufgebaut hat, wäre verloren.[4]

  • Meine Botschaft an alle Zweifler, die mit Täuschung arbeiten ist einfach, sagt Arnold Schwarzenegger beim Austrian World Summit 2019: Irgendwann wird die Wahrheit auch Euch einholen. Die Lügen müssen aufhören, jetzt! All jene, die den Umweltschutz zurückhalten, wird nichts anderes mehr überbleiben, als das Schlamassel bald in den eigenen Händen zu halten. Es braucht endlich echte Lösungen und keinen Bullshit […]

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Mag sein, dass nach diesen ersten Aussagen bereits einige aussteigen, und den Artikel nicht mehr weiterlesen wollen. Manche werden diese Schwarzmalerei als Übertrieben erachten und verurteilen, dass mit plakativen negativen Aussagen über die Zukunft viel schlecht geredet wird. Das mag stimmen, doch ich fürchte, dass das was aktuell getan wird, politisch, unternehmerisch, gesellschaftlich vielleicht wirklich nicht ausreicht. Ich weiß, dass werden viele gar nicht gerne hören bzw. sogar als heuchlerisch bezeichnen.

Mit einer zu radikalen Umweltschutzaufforderung vergrault man die Unternehmen, deren Führungskräfte, die Politik, …, all jene, die scheinbar hoffen, dass die Umwelt es schon irgendwie schaffen wird – 1 oder 2 Grad mehr auf der Erde ist doch gar nichts. Leider stimmt das nicht. 2 Grad mehr ist vielmehr als wir uns gedanklich mit den damit zusammenhängenden Folgen ausmalen können bzw. wollen. Sie wissen das so wie ich. Doch wir verlieren alle gemeinsam die möglichen Folgen einer Klimakatastrophe schnell aus dem Bewusstsein, sobald es darum geht, das Business am Laufen zu halten, Gewinne zu generieren, die persönlichen Ziele erreichen zu wollen.

Ich selbst kann die Klima- und Umweltrelevanz, wenn ich ehrlich bin, auch nicht in der Dimension erfassen und glauben, dass beispielsweise eine Erderwärmung aufgrund der Art und Weise wie wir Energie verheizen, Ressourcen verschwenden, … wirklich so heftige Folgen haben kann, wie ExpertInnen sagen. Aber auf der eigenen Meinung zu beharren, die Umweltbelastungen scheinen noch vertretbar zu sein, ist auch nicht mehr mit 100% Überzeugung zu vertreten. Es ist fast beschämend, die mit unserer Lebensweise verbundenen Folgen und Gefahren noch immer auszublenden bzw. zu verharmlosen. Das kann an dem Punkt wo wir alle gemeinsam jetzt stehen, vielleicht tatsächlich Folgen mit sich bringen, die man, hätte man es früher in der Heftigkeit eingesehen, vermutlich nicht zugelassen hätte.

Lassen Sie mich 3 Fakten anführen, die, insbesondere im Punkt 3, deutlich zeigen, dass die Auseinandersetzung mit Klima- bzw. Umweltschutz für Sie als Unternehmen wichtig sein könnte – nicht bloß, um einen guten Ruf in der Öffentlichkeit zu verteidigen, sondern um die Zukunft Ihres Unternehmens, Ihre persönliche Zukunft und die Ihrer Kinder und Enkelkinder sicherzustellen.

Fakt 1

90 Prozent aller Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt, und rund 7 Millionen Menschen sterben jährlich daran. Es gibt bereits mehr Tote durch Luftverschmutzung als durch Aids, Tuberkulose und Kriege.[5]

Das mag auf den ersten Blick für die Wirtschaft nicht relevant sein. Aber auf den zweiten und dritten Blick hat das auch für Unternehmen gravierende Folgen. Die Kosten müssen u.a. durch die Sozialsysteme getragen werden. Die bisher stark subventionierten fossilen Energieträger könnten diese Unterstützung dann verlieren, weil das Sozial- und Gesundheitssystem mehr Geld benötigt. Das hat wiederum Folgen für Unternehmen – was uns gleich zum nächsten Punkt führt.

Fakt 2

Fossile Energieträger werden weltweit mit 5,3 Billionen Dollar subventioniert. Das ist mehr als für den Gesundheitssektor ausgegeben wird. Der Weltwährungsfond (IWF) hat aufgerufen, endlich den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas nicht mehr weiter zu fördern.[6]

Mag sein, dass Sie als Manager davon ausgehen, dass es nie dazu kommt, dass die Subventionen fossiler Energieträger wirklich radikal gekürzt werden. Doch können Sie wirklich sicher gehen, dass Ihre Annahme stimmt?!

Die Wirtschaft, aber auch die Politik stehen vor einem Dilemma:

  • Wenn weiterhin fossile Energie im umfassenden Maß genutzt wird, dann bewirken wir vielleicht wirklich bald einen Öko-Kollaps?! Dann trifft es alle in einer Weise, die man sich nur schwer vorstellen kann.

  • Wenn man jetzt politisch die Reißleine zieht, sprich die Subventionen fossiler Energie radikal kürzt, dann könnte das die Unternehmen unangenehm treffen, weil sich diese vielleicht noch immer nicht entsprechend auf ein solches Ereignis eingestellt haben, weil man die Nutzung fossiler Energien als weiterhin selbstverständlich erachtet?

Mag sein, dass Ihr Unternehmen davon nicht betroffen ist. Für andere, selbst für mögliche Betroffene mag dieses Szenario, die deutliche Kürzung der Subventionierungen von fossilen Energieträgern, an den Haaren herbeigezogen sein. Doch man sollte dieses Szenario auch nicht ganz aus dem Blick streichen – insbesondere jetzt, wo von immer mehr Seiten zu hören ist, dass wir einem Öko-Kollaps entgegensteuern.

China macht in Bezug auf Umweltschutz einen deutlichen Schwenk. Das ist zwar für viele eine Augenauswischerei. Aber es zeigt, dass selbst beim Wachstumstreiber China der Umweltaspekt mehr in den Fokus rückt – nicht, weil China so umweltfreundlich ist, sondern mehr aus Angst, durch Umweltprobleme das angestrebte Wachstum nicht erreichen zu können.

Das führt uns weiter zu Punkt 3, der für die Wirtschaft vielleicht am ehesten dazu führt, radikaler und vor allem schneller umzudenken.

Fakt 3

Klimawandel kostet Wachstum – genau das, was jedoch die Wirtschaft braucht, um weiterhin Erfolge generieren zu können.[7]

Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) hat ausgerechnet, dass durch den Klimawandel das Wirtschaftswachstum auf jeden Fall gebremst wird.[8] Das hat wiederum zur Folge, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Unternehmen schließen und die Staatseinnahmen sinken mit den Konsequenzen: der Sozialstaat, das Gesundheits- und das Bildungswesen lassen sich nicht mehr finanzieren.[9] Das hat wiederum Nachwehen auf die Wirtschaft und Folgen auf Ihre Verantwortlichkeit, weitere Erfolge im Unternehmen zu generieren.

Nach Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, steuern wir nach allen Ecken auf eine Krise zu:[10]

  • 35% der globalen Landfläche und 55 Prozent der Weltbevölkerung sind an mehr als 20 Tagen im Jahr tödlicher Hitze ausgesetzt, Teile der betroffenen Gebiete werden unbewohnbar.[11]

  • Auf mehr als 30% der Erdoberfläche entstehen Wüsten, 2 Milliarden Menschen sind von Wasserknappheit bedroht.[12]

  • In den meisten Regionen sinkt die Lebensmittelproduktion aufgrund der Erderwärmung, gleichzeitig wächst aber weltweit die Bevölkerung noch weiter an, auf 11,2 oder sogar 20 Milliarden.[13]

Die Prognosen sind nicht mehr an den Haaren herbeigezogen – es sind Fakten, und die Fakten werden Einfluss nehmen auf das Weltgeschehen und auf die Wirtschaft.

Das Problem ist nach Armin Nassehi, Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker, dass wir nur noch Ziele haben. Ziele formulieren kann jeder. Aber dabei vergisst man, dass wenn man ein Ziel formuliert, das noch nicht die Lösung ist.[14] Die Lösung kann nach Nassehi nur darauf aufgebaut werden, die unterschiedlichen Logiken der unterschiedlichen Systeme ineinander zu übersetzen, sprich die Wirtschaft muss weiterhin Geld verdienen können, die PolitikerInnen müssen wiedergewählt werden können, rechtliche Normen müssen gelten dürfen, UmweltaktivistInnen und KlimaexpertInnen dürfen für den Schutz der Umwelt kämpfen. Medien brauchen jeden Tag etwas zu melden, usw …[15]

Das ist nach Nassehi die Kompetenz der Zukunft, die unterschiedlichen Logiken aufeinander zu beziehen. Mit klassisch getrennt für sich agierenden Logiken ist es nicht möglich, die Umwelt-Probleme zu lösen. Das CO2 Problem lässt sich weder als Gerechtigkeitsproblem noch mit der eher bürgerlichen Idee des freiwilligen Verzichts und schon gar nicht mit Staatslenkung und Verboten lösen. Die Herausforderungen sind so groß, da bleibt uns nichts anderes übrig, als das große Gespräch zu führen.[16]

Das Problem ist jedoch, dass diese Logiken oft gegeneinander arbeiten und auch nicht von einer Stelle aus kausal zu steuern sind. Deshalb braucht es dringlich neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können – ein äußerst wichtiger Punkt, sich gegenseitig verunsichern, um der Realität ins Auge sehen zu können. Man muss sich dabei den Konflikten offen stellen und Verantwortung übernehmen.[17]

  • Wenn Sie bis zu diesem Punkt noch nicht in Anklage zu dem Artikel gehen, sondern vielleicht ernsthaft nachdenklich gestimmt sind, was konkret bewegt Sie nachzudenken? Was geht Ihnen jetzt im Moment durch den Kopf?

  • Glauben Sie, dass die Menschheit den Klimawandel noch aufhalten kann, insbesondere dann, wenn Wirtschaft, Politik oder Umwelt-AktivistInnen Ziele getrennt voneinander formulieren und getrennt voneinander zu lösen versuchen?

  • Oder meinen Sie, dass die möglichen Folgen vom Klimawandel ohnehin nur plakativ zur Aufheizung und Meinungsmache manipuliert dargestellt werden, so wie es u.a. Trump sieht?

Wie dem auch sei, einer Tatsache müssen sich Unternehmen, die Automobilbranche aber auch andere stellen – nämlich der Kehrwendung der ChinesInnen, die E-Mobilität nicht mehr länger fördern zu wollen, sondern stattdessen auf Wasserstoffautos zu setzen – ganz nach japanischem und kalifornischem Vorbild.[18]

China galt bisher als entscheidender Markt für den Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge – das wird sich ändern, schneller als vielen lieb sein wird. Bei den chinesischen Behörden wächst das Bewusstsein für die zahlreichen Nachteile batterieelektrischer Autos gegenüber Wasserstoffautos und auch dem klassischen Verbrenner. Besonders schwer wiegen die Umweltprobleme – sowohl beim Gewinnen der erforderlichen Schwermetalle als auch beim Entsorgen der giftigen Abfälle. Staatliche Subventionen werden von nun anstatt in Elektroautos in die Entwicklung der Wasserstoff-Brennstoffzelle gesteckt. Die EV-Industrie wird schon bald die grausame Realität finanzieller Einbußen erleben.[19]

Frank Böttcher, Meteorologe, Wetterforscher, sieht den Umstieg auf Elektromobilität ebenfalls kritisch. Elektromobilität ist bloß eine Übergangstechnologie. Wasserstoff wird die Zukunft werden, und hat in fachkundigen Kreisen ohnehin schon die Nase vorn.[20] Forscher des Wuppertal Instituts für Klimaforschung sagen: Der ökologische Rucksack, also die Summe der Umweltbelastung durch alle bei der Herstellung verwendeten Materialien, ist bei der E-Mobilität im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so hoch.[21] Deutschland möchte jedoch weiterhin auf die Elektromobilität setzen, und die wasserstoffgetriebene Brennstoffzelle als Antriebsoption vernachlässigen.[22]

Rosa spricht aktuell davon, dass sich der Rationalitätsstandard senkt, was umgangssprachlich heißt: Die Zahl der Fehlentscheidungen steigt. EntscheiderInnen wissen offenbar nicht mehr, was sie tun können bzw. sollen.[23]

Prof. Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker, Prof. an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA), kritisiert schon lange, dass man immer wieder auf das falsche Pferd setzt. Man versteht nicht oder will nicht verstehen, das richtige zu tun im Verständnis der ganzheitlichen Betrachtung. Stattdessen lässt man sich vom Effizienz- und Gewinnstreben blenden, übersieht damit jedoch, dass man sich selbst für die Zukunft ein Bein stellt und fallen wird.

Es braucht nach Braungart, Nassehi, u.a. weit mehr Lösungen dafür, was nicht mehr gemacht werden soll, in der Mobilität, in der Industrie und Landwirtschaftsproduktion, beim Fleischessen, … Wenn man Menschen jedoch etwas wegnimmt, muss man ihnen etwas anderes geben. Man muss Unternehmen helfen, mit den richtigen Sachen Gewinne zu machen.

  • Es braucht neue Modelle zwischen Staat und Wirtschaft,

  • ein neues Verhältnis zu Gewerkschaften, die sich auch auf Transformation einstellen.

  • Es braucht intelligente Steuerungen durch technische, rechtliche und ökonomische Anreizformen, wo die unterschiedlichen Logiken ineinander übersetzt wirken und sich nicht in einer zentralen Idee aufheben.[24]

  • Rosa sieht es ähnlich und unterstreicht das, indem die alten Hierarchien, oft im Silodenken gefangen, aufgelöst werden sollten, um die verschränkten Logiken miteinander in einer neuen Unternehmenskultur zum Agieren kommen lassen zu können.[25]

Schellnhuber reflektiert, auch selbstkritisch, dass sich alle zusammen viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen haben. Gleichzeitig muss er gemeinsam mit seinen KollegInnen erdulden, dass die Mails von GegnerInnen gehackt werden, und eine regelrechte Treibjagd auf KlimaforscherInnen abgehalten wird. Schellnhuber erklärt sich diese Reaktion durch eine kognitive Dissonanz. Er meint, der Klimawandel stellt für die Menschen ein derart großes Problem dar, bei dem eigentlich niemand weiß, wie man es in den Griff bekommen kann, sodass dieses Problem verdrängt wird.[26]

Der Klimawandel löst eine Art Ohnmacht aus, macht Angst, die man verdrängt, wodurch innovative, neue Ideen in der Produktions- und Wirtschaftsweise bereits im Keim ersticken. Lt. einer Studie wird Angst als Innovationsverhinderer Nummer Eins genannt. Knapp jede zweite Führungskraft befürchtet einen Machtverlust, wenn echte Innovationen gesetzt werden.[27] Die Überspielung der Angst ist dabei gar nicht der schlimmste Aspekt, sondern vielmehr die Tatsache, dass durch Angst zielführendes, verantwortungsbewusstes Denken und Handeln verhindert wird.[28]

Die gute Meldung, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius ist noch machbar – aber wirklich dringend notwendig. Das geht aus einem Sonderbericht hervor, den der Weltklimarat (IPCC) im Oktober 2018 in Südkorea vorstellte. Nötig seien dafür jedoch schnelle, weit reichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Die globalen Treibhausgas-Emissionen müssten bis 2030 um 45% unter das Niveau von 2010 fallen. Die Veränderungen dürfen nicht nur die Form der Stromerzeugung oder der Fortbewegung umfassen, sondern auch die Art der Landwirtschaft, Industrieprozesse und die städtische Infrastruktur.[29] Der Wechsel einer Linearwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist ein Lösungsansatz.

Resümee

Wir müssen alle Federn lassen, damit neue wachsen können. Man müsste mit denen arbeiten, die eher maximal unterschiedlich als maximal ähnlich sind.[30]

Im Verständnis von Nassehi sollten wir Konkurrenzdenken in einer anderen Art nutzen, miteinander verschränkt die Konkurrenz zum Miteinander werden lassen, sich gegenseitig mit den unterschiedlichen Logiken und Perspektiven klar aufzeigen, was die Herausforderungen sind und gemeinsam Lösungen umsetzen. Dafür braucht es dringend neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können. Und so frage ich Sie und mich selbst:

  • Sind wir bereit, uns verunsichern zu lassen und gemeinsam, statt in Konkurrenz zu anderen Systemlogiken die Herausforderungen zu managen?

  • Welche nächsten Schritte müssten wir konkret dafür setzen?

  • Wieviel Zeit widmen wir den neuen Bündnissen bzw. welche Bündnisse, die außerhalb unserer Systemlogik agieren, würden wir als erstes kontaktieren und uns mit denen auseinandersetzen?

  • Oder enthalten wir uns weiterhin einer Auseinandersetzung, so wie es ein Finanzvorstand eines großen Dax-Konzerns in kleiner Runde zugibt: Wir warten, wir verschieben Entscheidungen.[31]

Weder die verbrauchten Rohstoffe noch das Artensterben kann sich im Rahmen einer Wirtschaftsperiode so erholen, dass es wie zu Beginn dieser Periode war – es wird deutlich länger dauern, nicht 50 Jahre, nicht 100 Jahre, nicht 1000 Jahre, sondern Millionen Jahre. Es braucht lt. Forschung etwa zehn Millionen Jahre, bis die aktuelle Formenvielfalt, und sogar 20 Millionen Jahre, bis die volle Zahl an Spezies wieder erreicht sein könnte.[32]

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[2] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlkc. Am 2019-06-19 gelesen.
[3] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[4] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. Am 2019-06-18 gelesen.
[5] https://diepresse.com/home/ausland/Energiewende_Schwarzenegger-beim-AustrianWorld-Summit-optimistisch. Am 2018-05-22 gelesen.
[6] https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article141084514/Die-Welt-steckt-mehr-Geld-in-Oel-als-inGesundheit.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[7] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[9] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[10] http://www.fr.de/wissen/gesellschaft-die-welt-ist-von-einer-angst-epidemie-befallen-a-1413026. Am 201805-22 gelesen.
[11] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[12] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[13] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[14] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[15] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[16] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[17] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[18] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-18 gelesen.
[19] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-19 gelesen.
[20] https://www.abendblatt.de/meinung/article216489581/Wasserstoff-wird-Antrieb-der-Zukunft.html?fbclid=IwAR00IANreabBT_YDse3e81ACdT9CL-9Vs7il63Kvu_OgpgEX8kEVu2h3OzQ. Am 2019-06-19 gelesen.
[21] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/kann-das-elektro-auto-die-umwelt-retten-100.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[22] https://www.welt.de/wirtschaft/article190734171/Japan-Regierung-und-Toyota-setzen-auf-Wasserstoffautos.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[23] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[24] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[25] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[26] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[27] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessteninnovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[28] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[29] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlk. Am 2019-06-19 gelesen.
[30] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[31] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[32] https://www.msn.com/de-at/nachrichten/wissenundtechnik/die-natur-erholt-sich-vom-menschen-in-millionen-jahren/ar-BBVJRqH?ocid=spartandhp. Am 2019-04-09 gelesen.

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Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff

Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff

Alle schwärmen von Effizienz.[1] Energieeffizienz, sparsamerer Umgang mit Ressourcen, effizienter Arbeitsfluss, effizientes Management, … scheinen Erfolge sicherzustellen. Lean gilt als Top-Instrumentarium, mit dem man Unternehmen und deren Management bestmöglich strukturiert, wettbewerbsstark, zukunftsorientiert, eben effizient auszurichten vermag.

Effizienz als Erfolgsgarant

Am Anfang der Effizienzmaschine stand der Wunsch, mehr Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können, um den Mangel, den es durchaus einmal gab, beseitigen zu können. Ein so gesehen verständlicher Ansatz:[2]

  • Mit einer effizienteren Bewirtschaftung von Agrarflächen konnte man eine sichere Ernährungsgrundlage schaffen,

  • mit einem effizienten Staatswesen die Wirtschaft und den Frieden sicherstellen,

  • mit der Industrialisierung und einer effizienten Gesundheitsversorgung ein Wohlstandsniveau erreichen, dass es zuvor noch nie gab.

Unternehmensberatungen wie McKinsey, u.a. haben dabei die Aufgabe, die Unternehmen in der Effizienz-, und damit Erfolgs- und Gewinnsteigerung zu unterstützen.[3]

  • Mit Hilfe der neuen Technologien gibt es einen weiteren Sprung, die Effizienz noch weiter zu steigern. Es lassen sich intelligente Produktionen, intelligente Produkte, noch hochwertigere Produkte noch preiswerter und noch schneller herstellen als jemals zuvor. Mit der halben Belegschaft macht man heute das Dreifache von dem, was vor zehn Jahren der Fall war.[4]

Und selbst der Mensch mit seinen Schwächen, ein Geschöpf des Schicksals, wird sich mit Hilfe der Gentechnik zu helfen wissen, und damit effizienter wirken können als jemals zuvor. McKinsey spricht von der Zufallsvernichtung. Offene Fragen, Ungewissheit, Angst gehören immer mehr der Vergangenheit an.[5] Effizienz ist scheinbar der Garant für Erfolg und Wohlstand auf allen Ebenen. Mit einem minimalen Einsatz von Zeit und Ressourcen kann man scheinbar alles erreichen und alles verbessern.

Aber …

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Unternehmen machen nach Gunter Dueck mit dem Effizienzstreben einen großen Fehler. Sie gucken nicht auf das Optimum, sondern denken, das Maximale was sie rausholen können, ist immer das Beste. Das ist ein Irrtum.[6]

Effizienz war in Zeiten der Industrialisierung vielleicht wirklich eine Art Heilmittel, um die damals bestehenden Mängel beseitigen zu können. Heute hat man ganz andere Herausforderungen zu bewältigen als damals. Würde man nach Dueck neben dem Maximum auch auf die Optimierung achten, müsste man sehen, dass man heute mit dem Effizienzstreben an Grenzen stößt [7], die, wenn man sie nicht achtet, irgendwann einmal die Effizienz in sich zusammenbrechen lassen – mit Folgen, die man sich nicht vorzustellen vermag.

Wir fürchten uns vor den falschen Gefahren

An zwei, meiner Meinung nach sehr anschaulichen Beispielen, zeigt sich die Perversion des Effizienzstrebens. Anhand der Beispiele Autoreifen und Bremsbeläge weist Prof. Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker, Prof. an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA), auf, wie tiefgreifend und umfassend Produktentwicklung heute in Verbindung mit dem Effizienzgedanken geht, und welche Folgen das hat. Man bemüht sich einerseits um die Produktion von effizienteren Produkten, aber übersieht (un)bewusst die Begleiterscheinungen.[8]

  • Heute halten Autoreifen doppelt so lange wie vor 30ig Jahren. Das hört sich zunächst einmal gut an, aber es hat einen Haken: Die Produktverlängerung der Autoreifen wurde erkauft durch Zutaten, die gesundheitsgefährdend sind. Gefährlich daran ist vor allem der Feinstaub in der Luft, der sich durch den Reifenabrieb bildet. Reifen enthalten bis zu 470 teils hochgiftige und krebserzeugende Chemikalien. Die abgeriebenen Teilchen sind teilweise so klein, dass sie nicht einmal mehr vom Regen aus der Luft ausgewaschen werden können. Die Partikel werden dann einfach so von uns allen eingeatmet.

  • Das gleiche gilt für die Bremsbeläge. Man rühmt sich, diese seien frei von Asbest. Aber das heißt gar nichts, weil damit überspielt wird, dass der Abrieb von Bremsbelägen bei Kraftfahrzeugen hochgiftig ist. 20 Prozent des Feinstaubes – mehr als 7000 Tonnen – stammen heute von Bremsen, Tendenz steigend. Besonders problematisch ist das verwendete Antimon, wodurch der krebserregende Stoff Antimon-Trioxid freigesetzt wird, der sogar krebserregender ist als Asbest.

An den Beispielen zeigt sich, dass das Effizienzstreben von einer ganz bestimmten Position aus vielleicht erfolgreich sein mag, aber von einer anderen Perspektive aus betrachtet Folgen mit sich bringt, die langfristig betrachtet alles andere als effizient sind. Das mag sogar bewusst so akzeptiert werden, um die Komplexität besser in den Griff zu bekommen, um weiterhin der Maxime Effizienz und damit verbunden der Gewinnmaximierung folgen zu können.

Aber genau dieser Denkansatz verhindert das, was nach Dueck u.a. dringlich ansteht – innovatives Denken. Nach Dueck, aber auch anderen wie Elon Musk, … ist innovatives Denken dringlichst gefordert, was jedoch aus einer effizienten Arbeitsauffassung und Managementausrichtung heraus schwer bzw. gar nicht umzusetzen ist. Kreativität, eine Grundvoraussetzung von Innovation, arbeitet nicht effizient, sondern wirkt aus einem ineffizient strukturierten Bewusstsein heraus.[9]

Dueck kann aus langjähriger Erfahrung in seiner Führungsposition bei IBM sagen:[10]

  • Ein auf Effizienz hin gedrilltes Betriebsklima gibt innovativem Denken keine Chance. Man veranstaltet zwar Meetings, um das Thema Innovation anzuregen, macht Brainstormings, nutzt Design Thinking, jedoch in einer Art und Weise, effizient, womit man weder die Herausforderungen, die es zu meistern gilt im Auge hat, noch die damit verbundenen Lösungsansätze anzudenken fähig ist.

Selbst in der Forschung muss man effizient werden. Nach Meinung von Prof.Dr. Thomas Speck, Leiter der Plant Biomechanics Group und Direktor des Botanischen Gartens an der Universität Freiburg, ist das kontraproduktiv, sei sogar der Tod jeder Innovation.[11] Die Effizienz ist aber nicht fähig, die mannigfachen, komplex ineinander verschränkten Herausforderungen zu meistern. Im Gegenteil, mit dem Streben nach noch mehr Effizienz produzieren wir ernsthafte, miteinander verflochtene neue Makel:

  • Beispielsweise, indem die Lebensmittel nicht billiger, sondern teurer werden, womit die Welternährung in keiner Weise mehr sichergestellt werden kann, weil die Böden ausgelaugt, die Meere überfischt sind, der Klimawandel landwirtschaftliche Produktionen negativ beeinflusst, die Wasserressourcen sich verändern, … [12]

  • Darüber hinaus gehen durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren, lt. Schätzung 800 Millionen Jobs. Eine neue Art von Arbeitslosigkeit wird sich gestalten, nicht nur auf den unteren Bildungsebenen, sondern auf allen Ebenen. Die Idee, dass entsprechend viele neue Jobs kreiert werden mag positiv stimmen, aber ist auf keinen Fall mit einem effizienten Denken möglich, denn für neue Jobs braucht es Kreativität und Innovation, die jedoch außerhalb vom effizienten Denken erst zu wirken beginnen.

  • Und das umfassendste Risiko im Effizienzstreben, das jedoch zu oft nur am Rand erwähnt wird, sind die komplexen umfassenden Verschränkungen. Immer mehr autonome Prozesse werden aufgrund des Effizienzstrebens miteinander verbunden, [13] Umweltprobleme auf andere geschoben. Man übersieht, dass aber die Verschränkungen deutlich tiefgreifender sind, und einen deutlich größeren Folgeradius mit sich bringen und Unternehmen treffen könnten, die eigentlich weit weg vom eigentlichen Problemherd sitzen. Doch diese miteinander verwobenen Risiken übersieht man (un)bewusst.

Effizienz = Risiko [14]

Braungart warnt vor der Effizienz-Ideologie schon seit längerem. Er ist felsenfest davon überzeugt, Effizienz ist die falsche Strategie. Er sagt ganz klar, dass er sich als Wissenschaftler nicht mit Effizienz auseinandersetzt. Effizienz ist seiner Meinung nach sogar eine der Ursachen für die globale Zerstörung.[15] Effizienz führt dazu, dass man glauben will, man agiere verantwortungsbewusst. Aber das ist Augenauswischerei, eine Täuschung und Illusion mit ungeahnten Folgen. Speck drückt es noch härter aus:

Wir haben zum ersten Mal in der Evolution die Chance, dass wir Menschen willentlich den Planeten zerstören können. Man kann jetzt sagen, das gehört zur Evolution. Das ist die Evolution der Erde, diese bis zum Exitus auszubeuten und die damit verbundene evolutionäre Herausforderung, wie wir Menschen das überleben werden.[16]

Speck aber hofft, dass dem noch genug Einsicht gegenübersteht, um die Erde und die Menschen nicht der evolutionären Herausforderung des Exitus auszusetzen.[17] Braungart will deshalb keine Zeit in Effizienz stecken, sondern sich viel lieber mit Effektivität und Qualität auseinandersetzen. Effektivität heißt für ihn, von Anfang an die richtigen Dinge zu machen [18], beispielsweise Produkte kreieren, die nicht weniger schädlich sind als vorher, sondern nützlich sind im umfassenden Sinn, u.a. Gebäude errichten, die wie Bäume wirken, die gesunde Lebensräume für Menschen und Tiere bieten. Aktuell zeigt sich nämlich, dass die Luftqualität in Gebäuden 3-8 mal schlechter ist als die Außenluft.[19]

Resilienzbewusstsein ist ein Lösungsansatz

Um vom effizienten Denken zu einem effektiven Denkansatz wechseln zu können, ist es wichtig, zuerst einmal zu definieren, was wir haben bzw. haben wollen und weniger, was beispielsweise in den Produkten drinnen ist. Das klingt eigentlich unglaublich einfach und ist technisch auch machbar. Aber kommt in der Weise nicht zur Anwendung, weil sich nach Braungart niemand um das, was aktuell gemacht wird, richtig kümmert, die weitreichenden, in sich verschränkten Folgen verantwortungsbewusst berücksichtigt.[20] In einer umweltbelasteten, digital hochgradig vernetzt verschränkt agierenden, an Komplexität wachsenden Welt braucht es ein hohes Maß an Resilienz, die auf 3 Ebenen wirken sollte:[21]

  1. Ebene der Technik

  2. Ebene der Organisation in Form von redundanten Organisationsstrukturen

  3. Menschlichen Ebene, indem Menschen in Arbeitsprozessen nicht mehr nur zu optimieren gedrängt, sondern die kreativen Potentiale abseits von Selbstoptimierung und Effizienz zu fördern gesucht werden.

Aber genau diese geforderten Maßnahmen können aus einer effizienten Unternehmensstruktur heraus nicht greifen – im Gegenteil. Die Herausforderungen unserer Zeit, Komplexität, verschränkte Strukturen, Umweltbelastung, …, effizient lösen zu wollen, gleicht einem Himmelfahrtskommando. Aber alle glauben, man ist erfolgreich und weiß, wie man die Zukunft bestmöglich zu gestalten vermag. Das Effizienzstreben ist jedoch nicht fähig, die Komplexität und die umfassenden Verschränkungen adäquat zu lösen. Die Gefahr in ein Himmelfahrtskommando zu schlittern, ist realistischer Weise gegeben. Die Eskalation hat jedoch noch nicht voll zugeschlagen. In einem solchen Stadium zeigt sich meist, dass man …

  • Krisen- bzw. Herausforderungssignale ignoriert oder verharmlost,

  • so tut, als ob man alles im Griff hat,

  • zur Selbstüberschätzung neigt,

  • sich dem Herdentrieb anschließt, um nicht aufzufallen.

Mag sein, dass einige meinen, wir hätten keine Krise und werden auch keine in den nächsten Jahren haben. Die Effizienz in Frage zu stellen, löst bei vielen statt Nachdenken, eine reflexartige Rechtfertigung und sogar eine Lobhudelei für die Effizienz aus. Das ist alles ist zutiefst menschlich. So gesehen macht es keinen Sinn mit Schuldzuweisungen, um sich zu schlagen. Es macht jedoch Sinn, alle MitarbeiterInnen, Führungskräfte, LieferantInnen, KundInnen, PolitikerInnen, … auf die wunden bzw. riskanten Punkte hinzuweisen.

Braungart sieht es ebenfalls kritisch, wenn sich die Menschen im Zuge der Bewusstwerdung ihrer geblendeten Weltansichten selbst zu Schädlingen erklären. Diese Schuldaufladung hilft niemanden – weder den Menschen noch der Umwelt. Es geht nicht um Grün oder Öko, sondern um Qualität, um qualitatives statt quantitativen Wachstumes, um Effektivität statt Effizienz. Dafür ist Innovation gefordert, die jedoch aus dem effizienten Denken heraus nicht umfassend genug, nicht effektiv und resilient greifen kann, wie schon Dueck oder Speck explizit erwähnen. Vielleicht mag an der Stelle ein Blick auf High Reliability Organizations (HROs) helfen, neue, resilientere Denk- und Handlungsmöglichkeiten gedanklich kurz durchzuspielen.

Effektiv und resilient die Komplexität beherrschen

  • HROs, hochzuverlässige Systeme, in denen Verluste nicht in USD oder EUR sondern in Menschenleben gemessen werden, haben die Beziehung zwischen Komplexität der Organisations- und Geschäftsform und den Risiken scheinbar besser verstanden. Ob Luftfahrunternehmen, medizinische Notfallteams, Feuerwehreinheiten oder die Besatzung von Flugzeugträgern, sie konzentrieren sich auf Fehler aller Art und deren möglichen Folgen. Sie stellen sich darauf ein, ständig „überrascht“ zu werden und bereiten sich entsprechend darauf vor. Das heißt in der Praxis:[22]
  • HROs sind besessen von Fehlern. Sie betrachten jeden Lapsus als ein Symptom dafür, dass mit dem System etwas nicht in Ordnung ist, und dass es ernsthaft weitreichendere Konsequenzen haben könnte, falls mehrere kleinere Fehlereinheiten in einem unglückseligen Moment zusammentreffen. Dafür braucht es Fantasie und Offenheit, das Unmögliche gedanklich möglich werden zu lassen, Fehler und Fehlentscheidungen vorweg zu nehmen, das eigene momentane Wissen und die damit verbundene Selbstsicherheit ständig zu hinterfragen.

  • HROs sorgen dafür, umfassendere und komplexere Vorstellungen entstehen zu lassen, statt gezielt zu vereinfachen.

  • HROs ist es ein hohes Anliegen, die MitarbeiterInnen zu verstehen und wie die MitarbeiterInnen miteinander agieren. Manager betrachten weniger, was vor sich geht, als vielmehr was die Menschen bewegt, das zu tun, was und wie sie es tun.

  • HROs pflegen die Vielfalt, nicht nur weil unterschiedliche Perspektiven die Wahrnehmungsfähigkeit in komplexen Situationen erhöhen, sondern auch, weil man die wahrgenommene Komplexität auf diese Weise konstruktiver, couragierter nutzen kann. Die Entscheidungsgewalt liegt bei den MitarbeiterInnen, unabhängig von ihrem Rang.

Effizienz mag einmal wichtig und vermutlich auch bis zu einem gewissen Grad richtig gewesen sein, doch die Zeiten haben sich geändert. Damals gab es andere Herausforderungen zu meistern als heute. Die Effizienzstrategie mag einiges verbessert haben. Aber aktuell wendet sich mit dem Effizienzeifer das Blatt. Statt Mängel zu beseitigen, schafft die Effizienz neue Mängel, neue Herausforderungen, in einer Art und Weise, die man wie es scheint, noch nicht im Auge hat bzw. haben will. Wir sollten in eine neue Art der Beherrschung von Komplexität investieren, und das Effizienzstreben als überholt ansehen. Das heißt mit den Worten von Günther Koch, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Austrian Institute of Technology (AIT), heute Präsident des internationalen Thinktanks Humboldt Cosmos Multiversity:[23]

Es muss erwartet werden, dass man sich in der Bewältigung von Komplexität und zur Kommunikation komplexer Sachverhalte neu positioniert und qualifiziert – andersherum ausgedrückt: VereinfacherInnen und AnbieterInnen von Patentlösungen muss das Handwerk gelegt werden. Vielleicht gelingt es unseren führenden Köpfen, diese Kompetenz endlich zu vermitteln.

Menschen neigen dazu, die Karte fälschlich für das Territorium zu halten. Man konzentriert sich auf die Karte, man gibt der Karte sogar den Vorzug, diese als Realität anzuerkennen. Die geordneten Strukturen werden der ungeordneten Lebensnatur vorgezogen. Wenn dann aufgrund dieser begrenzten Sichtweise ein Fehler, ein Denkirrtum entsteht, dann erkennen wir diesen leider erst im Rückblick. Dabei sehen wir wiederum nur die augenfälligen und sichtbaren Konsequenzen. Die unsichtbaren, nicht ins Auge stechenden Konsequenzen nehmen wir weiterhin nicht wahr.[24]

Die Welt ist eben nicht so linear und rational erfassbar, wie man es zu wünschen hofft, und wie WissenschaftlerInnen so gerne annehmen möchten.[25] Die lineare Welt gibt es nur in den Klassenzimmern und Lehrbüchern. In der Wirklichkeit ist die Linearität eine Ausnahme, Effizienz ein Erfolgstraum, der bis zum gewissen Grad wirksam ist, aber irgendwann gibt es ein Erwachen. Und doch kann man sich von der Sichtweise der Linearität nicht trennen. Menschen wollen das als real ansehen, um das Leben erklär- und besser kontrollierbar machen zu können.

Ein erheblicher Teil der so genannten Management-Literatur besteht aus dubiosen Methoden und Lehren, die in Form leicht konsumierbarer Listen, Regeln und To-Do-Listen verkauft werden. Diese ersetzen Nachdenken und ersparen die mühsame persönliche Auseinandersetzung mit Mensch und Welt – die harte Arbeit mit Komplexität und Risiken, so die kritische Aussage von Wolf Lotter, Journalist und Autor, Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins band eins.[26]

Die Risiken, die weitschichtigen Verschränkungen mit den schwer zu erfassenden Folgen, die Schwarzen Schwäne sind dann das, was man bei all den Vereinfachungen weglässt.[27] Irgendwann, scheinbar aus dem Nichts, taucht jedoch ein Schwarzer Schwan auf. Dann sind wir erstaunt, und meist auch bedenklich unvorbereitet.

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[2] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[3] https://www.deutschlandfunk.de/dirk-kurbjuweit-unser-effizientes-leben-die-diktatur-der.730.de.html?dram:article_id=102041. Am 2019-06-12 gelesen.
[4] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[5] https://www.deutschlandfunk.de/dirk-kurbjuweit-unser-effizientes-leben-die-diktatur-der.730.de.html?dram:article_id=102041. Am 2019-06-12 gelesen.
[6] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[7] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[8] Braungart, Michael: Impulsvortrag zu New Business Models 2018. Auf der Suche nach einer neuen Art des Wirtschaftens. 2018-10-18. FH Salzburg. Puch/Urstein.
[9] https://konitzer.wordpress.com/2017/03/14/das-post-effizienz-zeitalter/. Am 2019-06-13 gelesen.
[10] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[11] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[12] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[13] https://stefanfritz.de/warum-unser-effizienzwahn-uns-in-den-untergang-fuehren-wird/. Am 2019-06-13 gelesen.
[14] https://stefanfritz.de/warum-unser-effizienzwahn-uns-in-den-untergang-fuehren-wird/. Am 2019-06-13 gelesen.
[15] Braungart, Michael: Impulsvortrag zu New Business Models 2018. Auf der Suche nach einer neuen Art des Wirtschaftens. 2018-10-18. FH Salzburg. Puch/Urstein.
[16] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[17] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[18] Vortrag von Prof. Michael Braungart. https://www.youtube.com/watch?v=RHEgI_TQfTY. Am 2018-11-05 gesehen.
[19] https://www.ife.uni-freiburg.de/wachstumswende/interview-michael-braungart.pdf. Am 2018-11-06 gelesen.
[20] Vortrag von Prof. Michael Braungart. https://www.youtube.com/watch?v=RHEgI_TQfTY. Am 2018-11-05 gesehen.
[21] Kommentar von Günther Wagner an Dr. Winfried Felser vom 2019-06-11.
[22] Weik, Karl E./ Sutcliffe, Kathleen M.: Das Unerwartete managen; Stuttgart 2010, S.VIIff.
[23] https://derstandard.at/2000051808280/Das-ist-alles-sehr-kompliziert. Am 2019-06-13 gelesen.
[24] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.
[25] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.
[26] Lotter, Wolf in brand eins 1/2006.
[27] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.

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Manager wollen die Welt retten – oder sich selbst?!

Manager wollen die Welt retten – oder sich selbst?!

Die Kompetenzen der Zukunft seien sogenannte Soft Skills, soziale Kompetenzen und kreatives Denken, sagen Zukunftsforscher und Personalfachleute. 

Im März 2019 schrieb Dr. Ferri Abolhassan, Member of the Board of Directors bei der Telekom Deutschland GmbH, über das Erfordernis von Empathie für ein erfolgsversprechendes Business in digitalen Zeiten.[1] Doch eine Analyse der Führungskräfteberatung DDI ergab, dass nur 40% der Führungskräfte empathisch stark zu sein scheinen [2] – 60% der Manager sind in Sachen Empathie anscheinend anderweitig unterwegs, bzw. verstehen unter Empathie etwas anderes.

  • Woran kann es liegen, dass es scheinbar in den Managementebenen an Empathie, an sozialer Kompetenz mangelt?

  • Welche Folgen hat eine fehlende soziale Kompetenz, insbesondere für einen erfolgsversprechenden Digitalisierungsprozess?

Diese beiden Fragen bedingen einander, gehen ineinander über. Mit dem Thema Empathie habe ich mich schon einmal intensiver auseinandergesetzt. Nichtsdestotrotz werde ich mich diese Woche erneut dem Thema widmen, u.a. auch deshalb, weil man mich darum gebeten hat, weil es ein persönliches Bedürfnis zu sein scheint, sich mit Empathie und einem möglichen Gegenspieler von Empathie, dem Narzissmus und der damit verbundenen fehlenden Empathie auseinanderzusetzen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass man zunehmend erkennt, dass ein Mangel an Empathie im digitalen Zeitalter die Unternehmen in eine Sackgasse führt.

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In Verbindung von Empathie bzw. fehlender Empathie Narzissmus zu nennen, mag jedoch für manche ein großer Sprung sein. Ja, das ist es vielleicht auf den ersten Blick. Über Narzissmus im Management zu schreiben ist sicher eine Gradwanderung, das ist mir bewusst. Zum einen, weil die Annahme, im Management würden unter Umständen vermehrt NarzisstInnen sitzen, niemand gerne hören mag – berechtigterweise. Zum anderen, weil es gar nicht so leicht ist, Narzissmus und die mit dem Narzissmus fehlende Empathie klar, verständlich und nicht nur anklagend, als eine unternehmerische notwendige Auseinandersetzung zu verbalisieren.

Die Sonnen- und Schattenseiten von narzisstischen Verhaltenstendenzen

Narzissmus ist keineswegs nur eine negative Verhaltensweise, wie oft angenommen. Ein gewisses Maß an Narzissmus soll jedem und jeder gegeben sein. Nach Sigmund Freud, Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker und Religionskritiker, zählt Narzissmus – neben dem Sexualtrieb und dem Überlebenstrieb – sogar zu den drei archaischen Urtrieben. So gesehen ist Narzissmus eine menschliche Grundeigenschaft, die befriedigt werden will.[3]

Bis zu einem bestimmten Alter soll man nach Rat mancher PsychologInnen sogar die Selbstermächtigung fördern, Großes wähnen. Man sollte hie und da das Unmögliche wagen, sich vom (Hoch)Mut, von einem großen Selbstbewusstsein treiben lassen, die genussreichen Eigeninteressen zu befriedigen suchen. Damit mobilisiert man Energie. Das stärkt Visionen, treibt Visionen voran. Das mobilisiert Entdeckungs- und Eroberungslust, ermöglicht es Träume wahrwerden zu lassen. Diese Kraft schafft es, sich über den Konformitätsdruck hinweg zu imaginieren.

Narzisstischer Größenwahn befördert Möglichkeiten: innovative technische Entwicklungen, Synthesizer, Computer, uvm., die vermutlich viele Menschen nicht mehr im Leben missen möchten.[4] Wenn man dabei die Grenzen nicht aus den Augen verliert, leichter gesagt als jedoch getan, dann kann narzisstischer Tatendrang erfolgsversprechend und gesellschaftlich bereichernd sein. Doch die Gradwanderung zwischen verantwortungsbewusster Selbstermächtigung mit entsprechender Ausrichtung und maximal egomanisch ausgerichtetem Selbstzweck, ist schwer zu meistern.

  • Es stellt sich die Frage, wie ein narzisstischer Trieb sinnvoll und verantwortungsbewusst wirken kann bzw. nicht abrutscht in ein überbordendes Egoverhalten ohne Rücksicht auf Menschen und Umwelt, nur noch getrieben von dem Bedürfnis, sich selbst als der Hero zu sehen und entsprechend hofiert zu werden.

Das Problem ist, dass man die narzisstischen Züge selbst kaum so wahrnimmt. Man meint, man sei empathisch, fair, von Werten getragen, kann gut im Team agieren, ist offen und weitsichtig. Das Selbstbild widerspricht dabei jedoch häufig dem, was man tatsächlich tut und nach außen hin verkörpert. Das Selbstbild ist verzerrt, und damit auch die Wahrnehmung von dem, was man selbst zu leisten fähig ist. Genau das kann man im narzisstischen Verhaltensmodus nicht erkennen.

Genau an dem Punkt wird es kritisch: Selbstüberschätzung, Risikoneigung, die Meinung von anderen aburteilen, nur selbst Recht haben, kein echter Team-Player sein, sondern nur so tun als ob, mit Charme und Wortgewandtheit andere überzeugen, jedoch nicht im Interesse der Gesamtheit, sondern nur auf die Eigeninteressen ausgerichtet, … kann ein Unternehmen zu Fall bringen. Gleichzeitig kann man auch nicht von der Hand weisen, dass eine narzisstische Persönlichkeit genau der Typ von Erfolgsmenschen ist, den man in der Wirtschaft sehen möchte. Die Art und Weise, wie man junge Führungskräfte rekrutiert, fördert sogar noch die mit Narzissmus verbundenen Kompetenzen.[5]

Das analysiert Professor Hans-JürgenWirth, u.a. auch in seinem Buch Narzissmus und Macht:[6]

  • Narzisstisch geprägte Persönlichkeiten haben einen starken Durchsetzungswillen, einen ermunternden Hunger nach Erfolg und Anerkennungseifer. Solche Persönlichkeiten sind charismatisch und schaffen es, JasagerInnen, BewunderInnen und gewitzte ManipulatorInnen um sich zu scharren.

  • Damit bestätigen sie ihr Selbstbild und untergraben zugleich eine ehrliche Auseinandersetzung der Situation und Sachlage. Geblendet von den eigenen Größen- und Allmachtsfantasien und von der Bewunderung verlieren NarzisstInnen den Kontakt zu dem, was tatsächlich ansteht zu tun.

Die Geschichte der Menschheit ist voll mit Beispielen narzisstisch rücksichtslos angestrebter Ziele mit entsprechenden Folgen. Aber wie gesagt, Narzissmus ist nicht nur negativ, sondern auch ein produktiver Antreiber für Veränderungen – abhängig vom Maß.

Narzissmus ist bei Führungskräften eine erfolgsausgerichtete Strategie

Die aktuelle Narzissmus-Epidemie ist kein Zufall, kein Argwohn, sondern sogar offiziell anerkannt und gefördert. Narzissmus-Preisung und illusionierende Mythenpflege wird explizit unterstützt. Man spricht bewundernd von produktiven NarzisstInnen, zu denen u.a. Steve Jobs, Elon Musk, Larry Ellison, Mark Zuckerberg, u.v.a. zählen.

Es scheint, als ob man mit einer narzisstisch geprägten Persönlichkeitsstruktur den Trend der Zeit, den gehypten Managertyp trifft. Mit Eloquenz, energiegeladen, mit Enthusiasmus, Witz, Charme und einer unbeirrbaren Überzeugtheit von dem was man tut, mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein scheint man die Kompetenzen eines agilen Unternehmers, Managers zu erfüllen. Darüber hinaus ist man fähig, ein Team, von Bewunderern und WeggefährtInnen um sich zu scharen, die einem scheinbar bindungslos folgen und die Ideen unbeirrbar mittragen.[7]

Im Umkehrschluss heißt das jedoch nicht, dass man, wenn man so scheinbar narzisstisch talentiert ausgerüstet und nach Anerkennung und Bewunderung strebend ist, gleich ein Narzisst im negativen Verständnis ist. Wie schon eingangs von diesem Artikel erwähnt, Narzissmus zählt nach Freud zu einem der Urtriebe. Narzissmus reicht von positiven, der Wirtschaft und Führung förderlichen Formen, bis hin zu destruktivem Verhalten. Man sollte nach Meinung einiger PsychologInnen den produktiven von einem destruktiven Narzissmus unterscheiden können:[8]

Man sollte nach Meinung einiger PsychologInnen den produktiven von einem destruktiven Narzissmus unterscheiden können.

Die destruktiven narzisstischen Züge von den produktiven zu unterscheiden und entsprechend zu zügeln, klingt irgendwie einleuchtend, ist aber in der Praxis äußerst schwer umzusetzen – insbesondere in der Wirtschaft, die kaum psychologische Betrachtungsweisen und ein entsprechendes Instrumentarium zu nutzen versteht.

Es ist darüber hinaus auch noch schwierig, weil wir alle in einer immer stärker ausgerichteten narzisstischen Kultur leben. So betrachtet kann man das mit Narzissmus verbundene Verhalten schwer kritisch hinterfragen, weil es bereits normal und damit als richtig angesehen wird. Eine narzisstisch geprägte Kultur, digital bestärkt, schafft ein Klima, dass narzisstisch veranlagten Persönlichkeiten noch mehr Möglichkeiten der Entfaltung und Wertschätzung einräumen.[9] Damit steigt das narzisstische Verhalten sukzessive an, verstärkt sich noch weiter. Die möglichen positiven Aspekte von Narzissmus werden so schleichend, unbemerkt immer weiter ausgehöhlt, und ungewollt die negativen Eigenschaften des Narzissmus bekräftigt. Um dem verantwortungsbewusst entgegenwirken zu können, braucht es viel Selbstreflexion, eine ehrliche Auseinandersetzung mit narzisstischem Verhalten und möglichen Folgen. Aber genau das ist ab einem gewissen Grad an Narzissmus nicht mehr gut möglich bzw. geht in eine falsche Richtung. Mit stärker werdendem Narzissmus überhöht man sich selbst immer mehr, anstatt sich selbstkritisch auf einem gesunden Maß von Narzissmus halten zu können.

Der amerikanische Wirtschaftspsychologe Paul Babiak belegt, dass unter Managern der Anteil an Personen mit dissozialer Persönlichkeitsstörung, worunter auch der destruktive Narzissmus fällt, überproportional hoch sei – äußerlich scheinbar charismatische Führungspersönlichkeiten treiben diese Unternehmen in den Abgrund.[10] Schon 2001 haben die Soziologen Erwin und Ute Scheuch die Gefahr von Manager im Größenwahn thematisiert, die viel gefährlicher für Volkswirtschaften seien als landläufig angenommen. Die Superbluffs haben seit den 1990er Jahren massiv zugenommen. Manager bewegen sich in Gruppen, in denen sich der Größenwahn gegenseitig aufschaukelt.[11]

Mag sein, dass manche sogar meinen, es gäbe kein gesundes Maß von Narzissmus. Vielleicht ist es so. Aber mir geht es in diesem Artikel nicht darum, nur abzuurteilen, sondern sensibel zu machen für Themen, die in Unternehmen selten explizit angesprochen werden – worunter die narzisstischen Aspekte und die damit verbundenen Folgen definitiv zählen. Zu selten ist Unternehmern meiner Meinung nach bewusst, dass narzisstisches Verhalten das Business negativ belastet, sogar zerstören kann, wenn falsche Entscheidungen aus einem übersteigernden Ego heraus getroffen werden.

Wo liegen die Ursachen für narzisstisch destruktives Verhalten

Von Seiten der Psychologie wird Narzissmus, insbesondere die destruktive Form, in den ersten 3 Lebensjahren entsprechend geprägt. In dieser frühkindlichen Zeit ist es von großer Relevanz, inwieweit ein Mensch Liebe und ehrliche Anerkennung erfährt. Kommt es in dieser ersten Lebensphase zu negativen Erfahrungen, sowohl an zu viel als auch an zu wenig, wird das eigene Selbstbild und in Folge das Verhalten entsprechend beeinflusst – positiv, oder eben auch negativ.[12] Hans-Joachim Maaz, Psychiater, Psychoanalytiker und Autor, spricht von einer narzisstischen Wut, die dann in Folge in die Gesellschaft getragen wird. Jede narzisstische Störung trage in sich den Schmerz eines erlittenen Liebesmangels. Jeder Mensch ist mit dem Bedürfnis geboren, sich anderen Menschen gegenüber wertvoll zu spüren, ein Leben lang.[13] Das heißt konkret: Kinder, Menschen sollten für das geliebt werden, was sie sind, und nicht nur für das, was sie tun.[14]

Narzissmus scheint aber nicht bloß ein familiäres Thema zu sein, sondern ist auch ein gesellschaftliches Problem, so die Auffassung von Maaz. Es ist u.a. darauf zurückzuführen, wie die Gesellschaft wirtschaftlich gestaltet ist. Ein Wirtschaftssystem, mit dem Mantra vom ständigen Wachstum, stärkt die narzisstische Dynamik, schwächt das Beziehungswachstum und höhlt damit das aus, was Menschen dazu bewegt, empathisch, mitfühlend, liebend mit sich selbst und der Umwelt zu agieren.

Das Problem liegt an einem Mangel an Selbstliebe [15] – einem gestörten Verhältnis zu sich selbst, indem man sich nicht mehr so annehmen kann wie man ist, mit den Stärken und den Schwächen. Wenn man von der Gesellschaft ständig zu spüren bekommt, was zu tun ist, um anerkannt zu sein, die Schwächen ausmerzen muss, dann stärkt dies das Minderwertigkeitsgefühl, die narzisstischen Züge und lässt die Selbstliebe entarten. Die Schwächen will man negieren, nur noch die Sonnenseite, Erfolg, Gewinn, das ideale Bild von sich selbst sehen und nach außen darstellen.[16] Mit diesem idealisierten Bild versucht man die Welt so zu gestalten, so dass man dabei als erfolgreicher Hero hervorgeht.

Narzissmus kann als eine Art Schutz gegen Minderwertigkeitskomplexe verstanden werden. Wenn man das Gefühl hat, man ist nicht gut genug, dann versucht man, sich größer zu wähnen, als man ist, um sich besser zu fühlen. Man versucht das tiefsitzende Gefühl von Minderwertigkeit durch Gesten der Überlegenheit zu kompensieren.[17] So entsteht im Laufe der Zeit ein falsches Selbstbild, eine falsche Selbstbeurteilung, ein narzisstisches Verhalten mit einer gestörten Selbstliebe. Das Bedürfnis nach Anerkennung, Bewunderung bzw. der Kompensation von narzisstischen Wunden wird dann zur Triebfeder späterer Erfolge.[18]

Resümee

  • Zum einen rühmt man sich, dass die Wirtschaft von Heros in die beste Zukunft geführt wird, Gewinne in schwindelerregenden Höhen generiert – angeblich zum Wohl aller – andere damit in den Bann zieht, MitarbeiterInnen motiviert und KundInnen mit Strahlkraft einzufangen sucht.

  • Aber gleichzeitig kann narzisstisches Verhalten ein Unternehmen, und damit auch einer Gesellschaft, das Genick brechen. Es werden u.U. Entscheidungen getroffen, die die Sachlage verkennen, die das gesunde Maß an Erfolg und Gewinnstreben aushöhlen bzw. falsche Kompetenzen zum Zug kommen lassen, und nicht im Stande sind, auf anstehende Veränderungen angemessen zu reagieren.

Aktuell verschärft sich die Sachlage, weil die Digitalisierung zwar weiterhin Erfolge generieren möchte, aber diese Erfolge andere Strategien verlangen, um fruchten zu können. Die Digitalisierung verlangt mehr Teamgeist, Einfühlungsvermögen, einen integrativen Führungsstil und sogar ein neues Bewusstsein für ethische Standards.[19] Alles Kompetenzen, die narzisstischen Führungspersönlichkeiten eher schwerfallen und daher eine agile, kollaborative, flachhierarchische Arbeitskultur im Unternehmen nicht zu implementieren möglich ist.

Darüber hinaus sind destruktiv narzisstische Manager oft ein Grund, dass MitarbeiterInnen das Unternehmen verlassen bzw. kündigen. Das verursacht enorme Folgekosten. Selbst Berater und Coaches kommen unter Kritik, weil sich diese angeblich vermehrt dafür eingesetzt haben, die Manager in der Befriedigung narzisstischer Züge unterstützt und weniger das Gesamtwohl vom Unternehmen, eingebettet in eine bestimmte Umwelt im Blick behalten haben. Gegenseitig haben sich narzisstische Manager mit narzisstischen Beratern bestärkt, und vielversprechende Erfolge mit möglichst viel Eigenprofit gesichert.[20]

Was kann man tun, um narzisstisch ausuferndes Verhalten zu zügeln

  • Nach Maaz müsste man eine andere Wertigkeit installieren, um aus dem narzisstisch destruktiven Streben aussteigen zu können. Seiner Meinung nach bräuchte es eine neue Beziehungskultur, die nicht auf Wettkampf ausgerichtet ist, sondern auf Augenhöhe, auf Wertschätzung mit entsprechender Würdigung aller fußt.

  • Die Psychologin und Pädagogin Helle Jenssen sieht einen Schlüssel darin, narzisstisch destruktive Verhaltensweisen zu mildern, indem man bereits in Schulen ganz gezielt Empathie in Verbindung mit einer gesunden Selbstliebe zu fördern sucht. Menschen, Kinder dafür achtet, was sie sind, und nicht für das belohnt, was sie tun und leisten.[21]

  • Die Wirtschaft bzw. Unternehmen können narzisstisch destruktiven Entscheidungen und Verhaltensweisen gegenwirken, indem sie sich nicht in einen narzisstischen Machtkampf verstricken lassen. Das heißt, man sollte achtsam, sensitiv, aber couragiert narzisstischen Anwandlungen entgegentreten.[22]

  • Man sollte sachliche Probleme ernster nehmen, und nicht bloß schnellen Lösungen für den nächsten Erfolg auf den Leim gehen.[23]

  • Eine zu starke Konzentration von Macht, mit den damit verbundenen Privilegien sollte in Bezug auf das Geschehen und die Entscheidungen gut im Auge behalten werden. Macht verändert das Verhalten, und Macht fördert narzisstisches Verhalten.

  • Als Berater und Coach bedarf es Mut, unterlegt mit sehr viel ehrlicher Selbstreflexion, sich narzisstischen Anwandlungen von Führungskräften und ebenso den eigenen Anteilen davon gegenzustellen.

  • Der Psychoanalytiker Walter Hoffmann spricht in Verbindung mit Narzissmus davon, dass Narzissmus nur noch durch einen regulierten Markt mit regulierten Gehältern in den Toppositionen gesund in den Griff zu bekommen sei. Eine freiwillige Selbstbeschränkung ist einfach nicht möglich.[24]

Nach Hoffmann fehlt die nötige ehrlich Reflexion, aber gerade diese ist aus einer narzisstischen Sichtweise heraus nicht möglich.

  • Es braucht nach Meinung von Hoffmann einer fundierten Persönlichkeitsbildung bei der Ausbildung von Führungskräften, das sollte vielmehr in den Fokus gerückt werden.[25]

Zu einer fundierten Persönlichkeitsbildung zählt meiner Meinung nach auch die Achtsamkeitspraxis, ein Tool, das meiner persönlichen Erfahrung nach im Stande ist, sich selbst in Verbindung mit der Welt besser wahrzunehmen, zu achten und zu würdigen. Die Praxis von Mitgefühl ist dabei ein wesentliches Element, um einzusehen, wie relevant Empathie ist. Selbstliebe ist ein Teil davon. Diese verwechselt man jedoch zu leicht mit egoistischer Bedürfnisbefriedigung – verständlicherweise. Es ist schwer zu begreifen, insbesondere rational, Selbstliebe und Mitgefühl über das Ichbewusstsein hinaus zu verstehen. Selbstliebe stützt sich meiner Meinung nach neben einem ehrlichen Egobewusstsein auf ein spirituelles Bewusstsein – doch davon zu reden, insbesondere in der Wirtschaft, ist vermutlich vergleichbar mit der Überquerung von einem Minenfeld.

Sobald das Leben nicht unserem Bild entspricht, haben wir gewöhnlich das Gefühl, dass etwas schief läuft. Aber nicht das ist das Problem, sondern, dass wir das Leben aus der engen, ängstlichen Perspektive des „Ich will …“ betrachten.[26]

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit dem, was alle Menschen vermutlich verbindet, egal in welchem Bereich sie tätig sind und welchen Rang sie besetzen: Die Sehnsucht nach Zufriedenheit, die Sehnsucht sich anerkannt und geliebt zu fühlen.

Ihr Günther Wagner 

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/pulse/der-chief-empathy-officer-warum-sich-im-job-dr-ferri-abolhassan/. Am 2019-03-26 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/der-chief-empathy-officer-warum-sich-im-job-dr-ferri-abolhassan/. Am 2019-03-26 gelesen.
[3] https://www.trend.at/service/karriere/narzissmus-fuehrungskraeften-epidemie-362046. Am 2019-06-04 gelesen.
[4] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38856-der-uebliche-groessenwahn.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[5] https://www.haufe.de/personal/hr-management/narzissmus-bei-fuehrungskraeften_80_400572.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[6] https://www.haufe.de/personal/hr-management/narzissmus-bei-fuehrungskraeften_80_400572.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[7] https://www.trend.at/service/karriere/narzissmus-fuehrungskraeften-epidemie-362046. Am 2019-06-04 gelesen.
[8] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[9] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[10] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[11] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38856-der-uebliche-groessenwahn.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[12] https://www.deutschlandfunkkultur.de/kollektiv-gestoert-sind-wir-alle-narzissten.976.de.html?dram:article_id=432961. Am 2019-06-05 gelesen.
[13] https://www.deutschlandfunkkultur.de/kollektiv-gestoert-sind-wir-alle-narzissten.976.de.html?dram:article_id=432961. Am 2019-06-05 gelesen.
[14] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38856-der-uebliche-groessenwahn.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[15] https://www.deutschlandfunkkultur.de/kollektiv-gestoert-sind-wir-alle-narzissten.976.de.html?dram:article_id=432961. Am 2019-06-05 gelesen.
[16] https://de.wikipedia.org/wiki/Selbstliebe. Am 2019-06-05 gelesen.
[17] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[18] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[19] https://www.haufe.de/personal/hr-management/narzissmus-bei-fuehrungskraeften_80_400572.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[20] https://www.researchgate.net/publication/226628167_Narzissmus_und_Fuhrung. Am 2019-06-05 gelesen.
[21] https://www.deutschlandfunkkultur.de/kollektiv-gestoert-sind-wir-alle-narzissten.976.de.html?dram:article_id=432961. Am 2019-06-05 gelesen.
[22] https://www.haufe.de/personal/hr-management/narzissmus-bei-fuehrungskraeften_80_400572.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[23] https://www.haufe.de/personal/hr-management/narzissmus-bei-fuehrungskraeften_80_400572.html. Am 2019-06-04 gelesen.
[24] https://derstandard.at/1322531595343/Schraeglage-im-Beruf-Je-hoeher-die-Position-desto-mehr-Narzissten. Am 2019-06-06 gelesen.
[25] https://derstandard.at/1322531595343/Schraeglage-im-Beruf-Je-hoeher-die-Position-desto-mehr-Narzissten. Am 2019-06-06 gelesen.
[26] Bayda, Ezra: Zen sein – Zen leben. Wilhelm Goldmann Verlag. München: 2003.

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