Jede Veränderung löst lt. Forschung eine Unmenge an Hirnarbeit und Hirnturbolenzen aus, weit mehr als in den meisten Veränderungsprozessen angedacht und berücksichtigt wird –

das hat Folgen …

NEIN zu der gehypten Authentizität – warum, das erfahren Sie jetzt …

Gehypt wird aktuell der Grundsatz: Es gibt keinen besseren Weg erfolgreich zu sein, Probleme zu lösen, als authentisch zu sein. Doch Niermeyer sagt NEIN zur Authentizität!

Die Heilsversprechungen, wie man die Digitalisierung erfolgreich durchläuft, schießen wie die Pilze aus dem Boden. Die einen setzen intensiv auf technisches Know-how, darauf, dass digitales Equipment die Veränderung entsprechend richtig zu bewegen vermag. Andere meinen, Empathie, Kreativität, Softskills wären essenziell, um die Prozesse erfolgsversprechend anzuregen und durchzugehen. Gehypt wird aktuell der Grundsatz: Es gibt keinen besseren Weg erfolgreich zu sein, Probleme zu lösen, als authentisch zu sein.[1]

In Befragungen zeigt sich, dass über 60% Authentizität als die wichtigste Führungseigenschaft nennen – noch vor Begeisterungsfähigkeit und Belastbarkeit. Der ideale Chef soll echt sein, mit Ecken und Kanten, unverfälscht, aufrichtig, ehrlich integer – so formulieren es PersonalerInnen in Stellenanzeigen.

Aber das Erfolgsrezept Authentizität mag mehr über manche Probleme hinwegschummeln, als Probleme lösen – und das hat einen ganz bestimmten Grund, den Rainer Niermeyer, Psychologe, scharf zum Ausdruck bringt: Niermeyer sagt unbeirrt klar NEIN zu der gehypten Authentizität. Im Unternehmen geht es nicht darum, sich selbst authentisch zu repräsentieren.[2]

Authentisch sein, ehrlich ausdrücken, was einen bewegt, welche Ziele, Visionen, Intuitionen in einem wirken, mag andere beeindrucken, motivieren, aber u.a. dahingehend kippen, dass man nur noch die eigenen, (un)bewusst sehr persönlich ambitionierten Gefühle und damit verbundenen Ziele im Blick hat, und das große Ganze, die Aufgaben und die damit verbundenen umfassenden Verantwortlichkeiten übergeht.

Donald Trump mag authentisch sein, aber ob er damit wirklich die USA erfolgsversprechend durch die Herausforderungen zu führen vermag – das wage ich zu bezweifeln. Ich vermute, dass einige jetzt einwerfen, Trump sei nicht authentisch, sondern narzisstisch. Als Narzisst bzw. als narzisstisch veranlagte Persönlichkeit kann man ebenfalls authentisch unterwegs sein – so, wie auch depressive Menschen authentisch ihre depressiven Verstimmungen in den Arbeitsalltag einbringen können, ebenso traditionsbewusste, rebellische, … Alle diese sind möglicherweise sehr authentisch unterwegs. Aber ob diese damit die Aufgaben, die sie im Unternehmen zu erfüllen haben, auch entsprechend durchführen können/wollen, das ist nicht unbedingt mit dem authentischen Ansatz gewährleistet.

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Ich mag jetzt niemanden in seiner authentischen Arbeitsweise kritisieren, und den aktuell gehypten authentischen Erfolgsweg schlecht reden. Ich will vielmehr auf die blinden Flecken aufmerksam machen, die eigentlich so gut wie überall zu finden sind. Diese blinden Flecken, die Schatten, die gehören einfach dazu. Das ist ein ganz normales Phänomen. Man kann eben nicht alles sofort und in umfassender Weise erfassen. Deshalb gibt es ExpertInnen, fachlich und geisteswissenschaftlich, um dieses Problem der ungesehenen Seiten, und die damit verbundenen Folgen aufzudecken.

Authentizität scheint ein vielversprechendes Mittel zu sein, um in komplexen Situationen emotional wie auch kognitiv nicht zu überhitzen. Doch die Gradwanderung bis wohin das Authentisch-Sein gut ist, und ab wann es in eine Verzerrung der Realität, in eine zu egozentrierte Wahrnehmung führt, ist schmal.

Wenn man aus dem Blick verliert, welche Rolle man im Unternehmen einnimmt, und was mit dieser Rolle an Verantwortung für das Unternehmen verbunden ist, dann hilft Authentizität nicht, um die Herausforderungen gelöst zu bekommen. Im Gegenteil, bei unbewusst ausagierter Authentizität können sogar noch mehr Probleme entstehen.

Niermeyer warnt eindringlich davor, dass es aktuell an Rollensouveränität kombiniert mit einer adaptiven Authentizität mangelt [3] – und damit verstrickt man sich unheilvoll in Lösungsansätze, die scheinbar sinnvoll und menschlich ansprechend klingen, aber in der Art und Weise wie diese instruiert werden, nur an der Oberfläche kratzen, die Tiefenwirkung übersehen und damit aber Folgen verursachen, die u.U. nicht dorthin führen wo man eigentlich hin will.

Es mag empathisch gewinnend, Team stärkend sein, sich authentisch zu verhalten. Aber das kommt nur dann wirklich positiv für einen selbst und für die anderen zur Wirkung, wenn ich aus einem sehr bewussten Geist, einem selbstkritischen und selbst erkennenden umfassenden Zustand heraus, neben meinen Gefühlen auch meine Position, meine Rolle und die damit verbundene Verantwortlichkeiten im Unternehmen ernsthaft in den Fokus nehme. Doch ich bezweifele, dass dies in einer solchen umfassend reflexiven Art und Weise getan wird – ohne das schlechtreden zu wollen. Bisher war es einfach nicht so relevant, sich selbst und die Softskill-Fähigkeiten derart offen aufs Tablet zu legen, um damit die Herausforderungen besser händeln zu können.

Um aus einem bewussten, selbsterkennenden Blick heraus agieren zu können, braucht es eine starke Grundmotivation, dahingehend, den Sinn der Arbeit, die persönliche Motivation des Tuns und der mit der Position verbundenen Tätigkeit im Unternehmen zu hinterfragen. Dann wird man unweigerlich sozial-psychologisch tiefer gehen müssen – und genau das obliegt nicht allen, und ist auch gar nicht in der Wirtschaft dahingehend verlangt und so ausgerichtet.

Und selbst wenn man bereit ist, sein eigenes Tun in Verbindung mit der Position, der Rolle, die man Inne hat, etwas genauer zu hinterfragen, wird man aufgrund von Zeitnot, Veränderungsdruck, etc. sich auf fast jeden Lösungsansatz stürzen, der auf den ersten Blick fachlich und menschlich einleuchtend, motivierend und scheinbar auch wirkungsvoll klingt. Der Lösungseifer ist überall zu sehen, aber der Lösungsprozess hängt aufgrund der allzu oberflächlichen Herangehensweise.

Sie sehen, die Auseinandersetzung mit erfolgsversprechenden Strategien im Umgang mit den Herausforderungen unserer Zeit, sind eine Herausforderung für sich selbst. Verständlich, dass man das in kritischen Phasen, in Zeitdruck, in Erfolgsdruck, in Veränderungsdruck, die Dinge nicht hinterfragen kann und will. Aber so tun, als ob die Herausforderungen nicht so tiefgreifend sind und mit einem Schuss Authentizität in Verbindung mit etwas mehr technischem Rüstzeug gelöst werden können, ist eine Illusion, vor der ich ebenfalls warnen möchte.

Wenn ich ehrlich bin, so muss ich sagen, dass sich die Wirtschaft mitten in einem Handlungsdilemma befinden. Es scheint zwar notwendig, dass man sich durch die Digitalisierung, durch Künstliche Intelligenz (KI), durch Quantencomputer, durch Klimaerwärmung, … intensiver als jemals zuvor mit fachübergreifender Reflexion, mit umfassenden neuen technischen Know-how wie auch mit sozial-psychologischer Bewusstseinsarbeit extern wie auch intern auseinandersetzen muss. Das wird auch zu entwickeln gesucht. Aber gleichzeitig sehe ich, dass viele für diesen Schritt noch nicht bereit sind – verständlicherweise. Denn durch eine neue Betrachtung von dem, was da alles auf jeden von uns zurollt, was verändert werden sollte, wird vieles von dem, woran man geglaubt und wovon man auch profitiert hat, zu Nichte gemacht.

So gesehen ist der Erfolgshype, authentisch zu agieren, zwar gut gemeint, aber dafür braucht es eine stark gewollte fachbezogene, fachübergreifende und zusätzlich Softskill bestrebte Bewusstheit und Offenheit darüber, was aktuell weitreichend technisch, sozial, individuell abläuft, was man selbst als Mensch in diesem Prozess zu bewirken vermag, welche Verantwortung man trägt, und was das in Folge heißt – für einen selbst und für die anderen.

  • Als Führungskraft sollte man sich neben der emotionalen Befindlichkeit ernsthaft fragen, welche Position, welche Rolle man im Unternehmen erfüllt, was an Erwartungen und Aufgaben dabei ausgefühlt werden sollten,

  • aber auch, ob man die Position, die Rolle bewusst dafür nutzt, um die persönlichen Ansprüche, Ziele, Bedürfnisse befriedigt zu bekommen.

Wenn ich beispielsweise ein stark ausgeprägtes Machtbedürfnis habe, dann versuche ich mich im Leben und in der Arbeit so zu positionieren, dass ich mich mächtig fühlen kann. Diese Haltung mag ich dann sogar authentisch übermitteln können, aber ob das mit der jeweiligen Position im Unternehmen stimmig und richtig einhergeht, das muss nicht sein – es kann auch ins Gegenteil kippen.

So paradox es klingt: Nach Rob Goffee und Gareth Jones, Experten für Organisation an der London Business School, müssen gute Unternehmer bzw. Manager ihre Authentizität sogar unter Kontrolle bringen. Sie müssen ihre Authentizität sorgsam aufbauen und vorsichtig damit umgehen.[4]

Es mangelt aktuell an der notwendigen tiefgreifenden bewussten Auseinandersetzung mit den heißen Themen, es mangelt an einem bewussten Rollenverständnis und den damit verbundenen weitreichenden Verantwortlichkeiten. Man spricht viel über die Menschen in den Unternehmen, von Führungs- und Mitarbeiterpersönlichkeiten, von den individuellen Fähigkeiten und Skills. Das ist selbstverständlich hoch anzurechnen. Aber ein Aspekt rückt damit in den Schatten, der jedoch Gewicht hat und Sinn macht – die Rolle und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten, Erwartungen und Kompetenzen.

Es mangelt an Bewusstheit über die Rolle, die man eingenommen hat, als man Ja gesagt hat für ein bestimmtes Unternehmen in einer bestimmten Position tätig zu werden. Man mag vielleicht authentisch als Führungskraft wirken, aber immer weniger ist einem im Arbeitsalltag noch konkret bewusst, was genau eigentlich die Rolle als Führungskraft zu verantworten hat?

Im Unternehmen handeln Menschen, die sich ganzheitlich einbringen wollen, aber nichtsdestotrotz sollte man die Rolle, in der die Menschen im Unternehmen tätig sind, nicht ganz außen vorlassen. So nimmt man unweigerlich in all dem Tun immer auch eine damit verbundene Rolle ein, im Unternehmen die Rolle des Unternehmers, Managers, Kollegen, …, wie ebenso privat, Vater, Mutter, Ehepartner, …, gesellschaftlich TrainerIn/FunktionärIn im Sportverein, Schöffe, …, und ganz spezifisch auch für sich selbst, für das eigene Ich.

Alle diese Rollen der Persönlichkeit stehen nicht wie die Säulen der Akropolis unverrückbar nebeneinander, sondern befinden sich in reger Interaktion miteinander. Das kann sich positiv auswirken, wenn die Rollen harmonieren und sich gegenseitig unterstützen. Es kann jedoch auch anstrengend und mühsam sein, wenn sich die Bedürfnisse, Erwartungen und Anforderungen der Rollen ins Gehege kommen, sich widersprechen, sich nicht miteinander vereinbaren lassen und sich gegenseitig schwächen.

Problematisch wird es konkret dann, wenn man die mit der Rolle verbundenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu radikal Rollen fixiert unbewusst ausagiert, oder umgekehrt nur noch sich selbst gefühlsbezogen wahrnimmt und die Rolle, die man Inne hat, aus dem Blick verliert. Folgt man aus einer unreflektierten Haltung Stimmungen, Meinungen, Machtbestrebungen, … verschwimmen die Aufgaben, die Verantwortlichkeiten, die Ziele und Visionen. Deshalb ist es erforderlich …

  • sich zu bemühen, die Rollen, die man Inne hat, sauber auseinanderzuhalten.

  • Rollen, die sich verheddert haben, auseinander zu dröseln, und

  • sich der Vorbildwirkung in Verbindung mit der Position bewusst zu sein.

Die Fähigkeit zwischen den verschiedenen Rollen zu trennen ist wichtig, nicht nur um ein Rollen-WirrWarr zu vermeiden, sondern eben auch um sich den Kopf frei zu halten und situationsspezifisch klar und eindeutig handlungsfähig zu bleiben.

Kommt es zu Rollen-Verwirrungen und zu keiner klaren Trennung beispielsweise zwischen Ich-Rolle und der Rolle als Führungskraft, werden Entscheidungen verblendet getroffen und Fehlentscheidungen sind die Folge. Dann mag man vielleicht authentisch bei den anderen wahrgenommen werden, aber die Lösungskompetenz im umfassenden Sinn steht damit nur eingeschränkt zur Verfügung.

Spannend ist, dass gerade ein Ort, den man vielleicht sogar in Verbindung mit Rollenverständnis und Authentizität nicht gleich im Fokus hat, ein virtuelles Büro, vielleicht deutlich dazu beitragen kann, dass man wieder bewusster die mit der Position verbundenen Aufgaben wahrnimmt, sich wirklich absichtsvoll und authentisch mit seiner Rolle, vertreten durch einen persönlich erstellten Avatar auseinandersetzt. Sobald der Avatar in Aktion geht, der im virtuellen Büro stellvertretend für die eigene Person agiert, setze man sich vielleicht deutlich bewusster mit den Aufgaben auseinander, erfüllt die Arbeit souverän und adaptiv authentisch – so wie es Niermeyer fordert.

Gleichzeitig kann aber unreflektiertes Umstrukturieren, digitales Arbeiten von zu Hause bzw. von irgendwo, Verpflichtung, Verbindlichkeit, ein klares Rollenbild mit den damit verbundenen eindeutig wahrzunehmen Aufgaben zum Wanken bringen. So zeigt sich, dass MitarbeiterInnen, die im Home Office tätig sind, Identitätsprobleme bekommen können, und damit einhergehend die Bindung zum Unternehmen und selbstverständlich die Arbeitsleistung leidet. Wenn man von daheim aus für ein Unternehmen arbeitet, ist es schwerer die Position mit all den damit verbundenen Aufgaben einzunehmen. Daheim wirken eben auch noch andere Rollen auf einen ein, die man nur mit viel Willenskraft während der Arbeitszeit daheim wegzuschieben vermag.

Es braucht vielleicht ein Ritual, um sich wieder stärker der Rolle, die man in einem Unternehmen Inne hat, bewusst zu werden. Es braucht u.U. so etwas wie einen spezifischen Ritus, um trotz Komplexität, Vielseitigkeit und Flexibilität die konkrete Rolle und die damit verbundenen Verantwortlichkeiten klar und sauber im Blick zu haben neben den wichtigen individuellen menschlichen Aspekten.

RESÜMEE

Wenn die Gesellschaft als Ganzes halbwegs funktionieren will, braucht es neben der Menschlichkeit eben auch die Struktur in Form von Rollen. Das mag manchmal in ein negatives Extrem kippen, wie beispielsweise im Nationalsozialismus, aber aktuell sichert es möglicherweise den Europäischen Frieden, nicht immer nur reibungslos, aber immerhin schon bald 80 Jahre haltend. Würden alle Staaten der EU nur authentisch agieren, ich weiß nicht, ob dann die EU noch wirksam wäre?!

In ähnlicher Weise sehe ich es mit der Authentizität bzw. Identität von Führungskräften und MitarbeiterInnen in Unternehmen. Bei der Rekonstruktion der alltäglichen Identitätsarbeit müssen Identitätszwänge, die aus ihnen folgenden subjektiven Verbiegungen und Beschädigungen ebenso aufgezeigt werden wie die zu gewinnende Handlungsfähigkeit.[5]

Dabei zeigt sich, dass gerade die digitale Zeit die authentisch egoistisch geprägte Arbeits- und Lebensauffassung zu verstärken vermag, mit den Folgen, dass die Bindung zu den Unternehmen deutlich abnimmt. Wenn man als MitarbeiterIn keine spezifische Identität im Unternehmen mehr einnimmt, dann verliert sich damit soziale Bindung. Wenn man im Home-Office, im Co-Working-Space arbeitet, dann stellt sich die Frage, als was arbeitet man konkret dort bzw. welche Rolle nimmt man in Verbindung mit dem Unternehmen ein, wenn man eigentlich für sich selbst irgendwo tätig ist? Ich mag zwar dann im Home-Office authentisch agieren, aber ob ich dann auch noch meiner Rolle und darüber hinaus auch den damit verbundenen verbindlichen Aufgaben im Unternehmen bewusst bin, das fürchte ich, wird nicht so einfach möglich sein.

Spannend ist, dass ein virtuelles Büro diesem Problem der fehlenden Identität im Unternehmen entgegenwirken kann, wie ich bereits im Artikel zuvor beschrieben habe. Dahingehend zeigt sich vielleicht ganz gut, dass authentisch sein allein ohne spezifisches Rollenverständnis nicht die Wirkungskraft hat, die man dieser zuschreiben möchte. Die Welt der Digitalisierung verlangt eindeutiger als jemals zuvor eine klare, sehr bewusste Positionierung und damit auch ein klares, bewusstes Rollenverständnis. Um das gewährleisten zu können, braucht es deutlich mehr Persönlichkeitsentwicklung als das, was aktuell an Persönlichkeitsentwicklung zu fördern gesucht wird.

Die eindringliche Aufforderung von Gunter Dueck heißt, dass in die professionelle und persönliche Entwicklung sehr viel mehr Energie gesteckt werden muss.[6] Die Notwendigkeit der eigenen Weiterentwicklung muss aber von den Unternehmen, vom Management und den MitarbeiterInnen selbst realisiert werden. Das kann nicht einfach so auf Knopfdruck angeordnet werden.[7] Und genau das macht es so schwer, Entwicklung im Bereich von Softskills, Bewusstseinsarbeit anzuregen.

Die meisten verweigern nicht die neuen Gedanken, sondern die mit den neuen Gedanken verbundenen Folgen – genau das verhindert neue Einsichten, genau das braucht viel Verständnis, Menschenkenntnis und Reflexion.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/pulse/das-sind-die-herausforderungen-der-authentizit%25C3%25A4t-ingrid-gerstbach/?trackingId=GBWmUEZ0SteGEmBDbNMFxQ%3D%3D. Am 2019-11-19 gelesen.
[2] Bitte nicht authentisch! Rainer Niermeyer
[3] Bitte nicht authentisch! Rainer Niermeyer
[4] Bitte nicht authentisch! Rainer Niermeyer
[5] https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/identitaet/6968. Am 2019-11-19 gelesen.
[6] http://archiv.omnisophie.com/downloads/10.1007_s00287-011-0581-4.pdf. Am 2017-08-01 gelesen.
[7] https://www.linkedin.com/pulse/agile-prinzipien-sind-zum-scheitern-verurteilt-günther-wagner/.

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Resonanz: Eine starke Bindung stärkt Sie in Ihrer Position als Führungspersönlichkeit

Resonanz: Eine starke Bindung stärkt Sie in Ihrer Position als Führungspersönlichkeit

Salongespräch mit Günther Wagner (Bericht von Govinda Hiemer)

Villa am Park, Baden, 11.11.2019.

 

Um den Raum der Möglichkeiten praktisch zu nutzen geht er nicht nur in die Theorie, sondern es gibt auch praktische Übungen zum Mitmachen

Gegenüber des Grand Casino, wo Menschen um Geld spielen, geht es an diesem Abend um etwas ganz Anderes. Günther Wagner, Top Voice auf LinkedIn und New Work Philosoph, erzählt in kleiner Runde vor ausgewählten Menschen über mindshift. Nachdem sich die Gäste nach und nach im Salon bei leckerem Essen, Getränken und liebevoll hergerichteten Snacks einfinden und kennenlernen geht es gesammelt in einen wunderschönen Saal. 

Gleich zu Beginn dreht Günther Wagner im ersten mindshift die Vorstellung um und lässt die Gäste darüber mutmaßen, wer er denn ist und was ihn ausmacht. Erstaunlich treffsicher wird er intuitiv durch Vermutungen skizziert, dann geht er in Resonanz mit den Gästen. Um den Raum der Möglichkeiten praktisch zu nutzen geht er nicht nur in die Theorie, sondern es gibt auch praktische Übungen zum mitmachen. Diese zeigen eindrücklich wie ein mindshift nützlich angewandt werden kann. Erst wird ein Problem fixiert und die Anspannung wird spürbar, im zweiten Schritt wird das große Ganze gesehen und das Problem verschwindet. Zwischendrin werden Begriffe wie Theorie U und Schrödingers Katze eingebracht, und das zweite leibhaftige Erlebnis befreit Finger aus Händen. Oder Zwirn aus festgefahrenen Situationen. Oder beides, oder nichts, oder nichts von alledem. Und eine Frage bleibt bei mir hängen: Wie atme ich in Stresssituationen?

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Es kommt die Frage auf wie Günther Wagner denn coacht. Für alle Coaches unter euch: es klingt ganz einfach. Erstens setzt er Anker, zum Beispiel Holzschwerter, die seine Coachees an das Coaching erinnern. Zweitens bietet er die Möglichkeit im asynchronen setting zeitnah Problemstellungen dann festzuhalten, wenn sie einen beschäftigen. Und als drittes Instrument empfiehlt er ein Führungstagebuch um Entwicklung erfahrbar zu machen. An dieser Stelle eine ernst gemeinte Frage an dich, liebe/r LeserIn: Kennst Du eine bessere Möglichkeit Entwicklung erfahrbar zu machen als ein Führungstagebuch? Wenn ja, so würde sich Günther Wagner sicher über diese Idee freuen, denn auch ihm ist Entwicklung wichtig. Gut erleben lässt sich dies in den Musterbrüchen, die er und seine Frau bewusst zuhause herbeiführen. Gelegentlich werden Sachen an neue Orte gestellt, auch mal mitten in den Weg. So können festgefahrene Muster immer wieder aufgebrochen werden und dies geübt werden. Denn zum Lernen gehören eben auch Verlernen und Umlernen dazu. 

 

In einer weiteren körperlichen Übung durften die Schuhe ausgezogen werden, man fand sich auf dem Boden wieder und erlebte erneut, wie ein Fokus auf Probleme diese verstärkte. Im Gegenzug war nach einem weiteren mindshift die Lösung gefunden bevor man sich mit dem eigentlichen Problem auseinander setzte. 

 

In einer Pause konnten die Gäste erstmal verdauen, was sie so erlebt hatten und weiter in Resonanz zueinander gehen. Dies tat gut und war nach einem solch intensiven ersten Teil auch nötig. Getreu den Worten des Glücksministers von Bhutan “Was man zählt, zählt.”, zählt auch Günther Wagner auf, was eine Verhaltensänderung unterstützt. In diesem Fall handelt es sich um 5 R’s:

  1. Relate – In einer Beziehung kann man gespiegelt werden und Erkenntnisse finden, die eine bewusste Veränderung oder Selbsterkenntnis vielleicht erst überhaupt ermöglichen.

  2. Repeat – Um Veränderung zu verinnerlichen bedarf es der Wiederholung. 

  3. Reverse – Anstatt das Problem zu fixieren kann die Herangehensweise umgedreht werden. So ist es im Gesamtkontext vielleicht einfach kein Problem mehr.

  4. Reframe – In einem anderen Bezugsrahmen sehen Dinge ganz anders aus. Wer etwas ändern möchte kann dies durch einen Perspektivwechsel sehr gut erleichtern.

  5. Reshape – Und wenn all dies nicht hilft, dann sollte man unbedingt einen Blick auf die eigene Haltung werfen. Denn wenn sich nichts außer der Haltung ändert, so ändert sich alles. 

 

Günther Wagner ging noch auf persönliche Erlebnisse aus seinem Leben ein und auf Erfahrungen aus bereits abgeschlossenen Coachings. Immer wieder ging es dabei um innere Konflikte, besonders ausgeprägt immer wieder in Managementpositionen zu finden, und um den Umgang damit. Es ging noch um Methoden und Mut, es gab eine Veranstaltungsempfehlung für die Ars Electronica in Linz und zum Abschluss noch eine weitere praktische Übung. Kämpfe, oder lege dich schlafen. 

 

Der Abend klang noch mit weiteren Gesprächen, Snacks und Getränken aus. Meine Befürchtungen, eine LinkedIn TopVoice könne doch bloß Quatsch sein, wurden erfolgreich zerstreut. Danke an Günther Wagner, alle Gäste und Manuela Palla für diesen inspirierenden Abend. 

PS: Ingo Stoll und Günther Wagner haben direkt vor dem Abend noch einen MoTcast aufgenommen.

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Zukunft gestalten, Change bewegen mit Planspiel und digitalem Coaching

Zukunft gestalten, Change bewegen mit Planspiel und digitalem Coaching

Menschen wollen Probleme lösen, aber mit den Problemen nicht konfrontiert werden – ein Paradoxon – scheinbar jedoch ein äußerst reales, überall anzutreffendes Phänomen.

  • VW mit dem Dieselskandal ist ein Beispiel dafür.

  • Daimler gerät ebenfalls ins Trudeln – angeblich auch aufgrund der Abgasaffäre, die Daimler 870 Millionen Euro an Bußgeld kostete, ohne hinzugerechnet die hunderttausend Dieselfahrzeuge, die zurückgerufen werden mussten. 1100 Führungsstellen sollen nun wegfallen, sprich jeder zehnte Leitungsjob.[1] Darüber hinaus setzt die Digitalisierung mit den veränderten Produktionsweisen das übrige hinzu.

Vor ca. einem Jahr, konkret am 21.11.2018 wurde ich gemeinsam mit 12 anderen ExpertInnen in Zukunftsfragen zu einer Konferenz eines weltweit führenden Automobilkonzerns eingeladen, um gemeinsam über relevante Fragen für die Zukunft der Automobilbranche zu diskutieren. Urbanisierung, lokale Kreativwirtschaft, neue Mobilitätskonzepte waren in der Diskussion, auch neue Formen der Zusammenarbeit, Abgasnormen, Recyclingfähigkeit, Kreislaufwirtschaft, verbotene Materialien, Roboterisierung, mobiles Arbeiten, uvm …

Was mich gemeinsam mit einem Soziologen aus Wien an dieser angeblich so denk- und zukunftsoffenen Konferenz erstaunt hat, dass man viele Trends in der möglichen realen Entwicklung nicht wirklich ernst genommen hat. Stattdessen wurden etliche Entwicklungen klein geredet bzw. als nicht so relevant betrachtet – man schüttelte sogar bei einigen Meldungen des Soziologen von Seiten des Automobilkonzerns den Kopf, vermutlich auch bei meinen Anmerkungen. Der Soziologe und ich waren perplex über diese Haltung.

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Ich kann mir das nur damit erklären, dass die Herausforderungen allen über den Kopf wachsen, zu einer unbewusst prekären Stress- bzw. Angstreaktion führen. Wie es scheint, fühlen sich einige so sehr an die Wand gedrückt, dass man einfache Meinungen bevorzugt und unzureichende Maßnahmen ergreift.

Mag aber auch sein, dass manche sehr gut wissen wie der Hase läuft, und vielmehr dahingehend versuchen die eigenen Positionen und Vorteile solange es noch geht, voll auszuschöpfen – bewusst oder auch unbewusst. Letztere Annahme von mir ist natürlich gewagt und frech. Doch die Hypothese, die Unternehmen bzw. deren Management unterschätzen die aktuellen umfassenden Herausforderungen, ist auch nicht unbedingt das, was die Haltung der EntscheidungsträgerInnen löblich darstellt.

  • Woran liegt es wirklich, dass scheinbar Maßnahmen getroffen werden, die unzureichend sind?

Ich wiederhole jetzt nochmals die eingangs erwähnte Aussage, weil diese meiner Meinung nach ein Dreh- und Angelpunkt in aktuellen Changeprozessen darstellt:

Menschen wollen Probleme lösen, aber mit den Problemen nicht konfrontiert werden. Eine umfassend tiefgreifende Problemlösung wird somit zu spät angesetzt – in Verbindung mit der Eigenheit, dass das Problem anfangs klein geredet, negiert oder mit eigenwilligen Methoden zu verschleiern versucht wird. Das hat selbstverständlich einen driftigen Grund: Man spürt bzw. weiß genau, dass eine ernsthaft authentische Problemlösung deutlich weiter greifen muss als das, was man bereit, ist als Problemlösung anzugehen.

Wenn ein Unternehmen auch morgen noch erfolgreich sein will, dann müssen die Unternehmen der Zukunft voraus sein. Das heißt jedoch, sich den Problemen in der gesamten Größe breit- und veränderungswillig zu stellen:

  • Das verlangt weitreichende vertikale, statt kurzfristige horizontale Veränderungsprozesse,

  • das verlangt das Verlassen des Elternhauses der Industrialisierung.

Doch man will gegenwärtig noch immer nicht wahrhaben, dass es notwendig ist, sich aus der Vergangenheit heraus zu emanzipieren und wirklich neue Wege zu wagen. Die Wirtschaft muss jedoch das Elternhaus der Industrialisierung mit all den damit verbundenen Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und auch lieb gewonnenen Produkten, Regeln und Normen, Einsichten und Arbeitsauffassungen endlich verlassen, um die Digitalisierung machtvoll mitzugestalten und nicht abgeschlagen hinterher zu rennen.

Im Digitalisierungsprozess und Ressourcenwettkampf ist das Management gefordert, sich selbst neu zu erfinden, mit einer neuen Vision, neuen Zielen, neuen Aufgaben, neuen Kompetenzen, einer anderer Vergütung, …. sich damit aktiv auseinanderzusetzen.

Und vielleicht ist dieser Punkt, die deutlich spürbaren persönlichen Veränderungen als Führungskraft der Punkt, an dem die Digitalisierung bei vielen Unternehmen hängt. Das gilt es für das Management auszuhalten und durchzugehen, aber das ist alles andere als leicht. Und das ist vermutlich ein Grund, warum 75 Prozent der Unternehmen im Digitalisierungsprozess scheitern [2] – aus Angst, als Führungskraft Einfluss und Annehmlichkeiten zu verlieren bzw. zu scheitern.

Um diesen Schritt im Digitalisierungs- und umweltkritischen Prozess, die höchst persönliche Betroffenheit als Führungskraft mit weitreichenden unternehmerischen wie auch persönlichen Veränderungen zu wagen, braucht es Unterstützung und ganz konkrete Visionen – persönlich und unternehmerisch.

Die Probleme und Herausforderungen brauchen mehr Anteilnahme, aber gleichzeitig muss man Lösungen finden, die leichter zu nehmen sind als die komplexe Wucht der Probleme. Ich möchte deshalb Lösungen finden, die Spaß machen, die motivieren und Wachstum in neuer Weise kreieren mit Tools, die das fördern, was aktuell an Kompetenzen entwickelt werden muss, Intuition, Kreativität, Empathie, digitale Kommunikationkompetenz, Mut. Konkret werde ich in den folgenden 4 Punkten 2 Tools ansprechen, das Planspiel und das digitale Coaching, die es meinem Gespür nach schaffen können, den Blick zu weiten, die Herausforderungen innovativ aufbrechend zu betrachten und den Prozess unternehmerisch breitflächig wirksam auszurollen.

Punkt 1 von 4: Ehrliche, weitreichende Auseinandersetzung mit der Zukunft und zukünftigen Entwicklungen

Die Notwendigkeit von Veränderungen hat man im Digitalisierungsprozess zwar faktisch anerkannt, aber in der Reichweite und den Folgen weder rational noch emotional akzeptiert. Dieser Umstand macht es schwer, sehr schwer, egal von welcher Seite man kommt, wirklich ernsthaft und ehrlich über Fakten, Herausforderungen, Widerstände, Illusionen und (un)bewusste Verzerrungen, Täuschungen in Bezug auf die Zukunft zu diskutieren.

Hinter verschlossenen Türen hat man vielleicht manche Folgen diskutiert, aber offen wird darüber nicht gesprochen – dies hat sicher Gründe, worauf ich aber jetzt nicht eingehen möchte. Mag jedoch auch sein, dass tatsächlich viele relevante Themen wie Quantencomputer, Künstliche Intelligenz (KI), Klimaveränderung, … noch als zu utopisch oder zu aufgeblasen angesehen werden. Dem folgt dazu der Umstand, dass die demografische Überalterung in der EU zusätzlich das Verständnis oder sagen wir die Offenheit und den damit verbundenen Weitblick bzgl. der Digitalisierung und auch anderer Themen verzerrt.

Das mag Sie jetzt vielleicht verärgern. Zu Recht, denn es gibt sicherlich viele unter Ihnen, die wirklich bemüht sind, die Herausforderungen unserer Zeit in Verbindung mit dem Unternehmen umfassend zu verstehen suchen, und nicht nur den Quartalsberichten blind zujubeln und Zukunftsprognosen verschleiern. Dennoch gibt es auch andere Unternehmen, die im Rausch der vergangenen Erfolge, die Digitalisierung wie auch Umweltproblematik und die umfassenden möglichen Folgen negieren bzw. klein reden.

Also was sollte zu aller erst einmal konkret gemacht werden:

  • Wagen Sie es gemeinsam mit ExpertInnen, QuerdenkerInnen, „Hofnarren“, die nicht den Obrigkeiten schön nach dem Mund reden, sich der Zukunft und den zukünftigen möglichen Entwicklungen und Folgen zu stellen.

Das Spannende an großen Veränderungsprozessen ist: Man kann das, was möglich ist an Veränderungen nicht erkennen, weil man die Veränderungen noch nicht konkret sieht. Aber wie soll man diese sehen, wenn man es noch nicht andenkt bzw. weiß – ein Wissensdilemma. Und wenn sich dann auch noch die Angst oder Ignoranz vor großen Umbrüchen zu Wort melden, dann wird die Möglichkeit, die Veränderungen zumindest in Ansätzen ernsthaft als realistische Möglichkeit anzudenken, und entsprechende Visionen zu entwickeln, sofort wieder im Nichts verschwinden und die breitgefasste Veränderungsnotwendigkeit als nichtig erklärt.

Deshalb ist es selbst bei diesem scheinbar noch unspektakulären ersten Schritt im Prozess notwendig, sich Unterstützung, sagen wir einen Perspektivenwechsel zu holen, um nicht von den eigenen Verblendungen geblendet zu werden.

Punkt 2: Wagen Sie große Visionen

Es braucht wirklich den ernsthaften Willen, couragiert visionär voranzuschreiten, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[3] Das erfordert Anstrengung, die gewohnten beharrlichen Sichtweisen über das, was man als möglich und real annimmt, beiseite zu schieben und stattdessen es zu wagen, bahnbrechende Visionen zuzulassen.

Genau genommen ähnlich geartet, wie der couragierte Blick auf die Herausforderungen der Zukunft – mit dem Unterschied: Man geht noch einen Schritt weiter, und versucht anhand des Wissens über die vielseitigen Herausforderungen spannende, kreative, motivierende, umfassende Lösungen, Visionen zu entwickeln. Dabei können ebenfalls ExpertInnen, QuerdenkerInnen, Hofnarren, anregende Inputs liefern – ebenso vielleicht MitarbeiterInnen, die unscheinbar scheinen. Die Schöpfungskraft von Visionen liegt oft im Verborgenen. Möglicherweise kann dabei auch eine KI unterstützend sein, oder einfach neutrale externe digitale Netzwerke, Planspiele bzw. auch andere Spiele, wie ebenso digitales Coaching, …

Wie dem auch sei, es braucht jedenfalls Ideen und neue Visionen, die von Leidenschaft und Weitblick erfüllt sind, und nicht nur ausgerichtet auf dem Papier die Trends darstellen, die man bevorzugt in Verbindung mit den Quartalszahlen sucht. Doch die Vision allein bewirkt ebenfalls noch nichts, denn jetzt muss die Vision unternehmens-, bzw. arbeits-, umsetzungstauglich entsprechend designt werden. Es braucht konkrete Strategien, um die Vision in eine Realität mit Erfolgsaussichten überleiten zu können.

Punkt 3: Visionen zu Strategien werden lassen

Das ist ebenfalls ein Punkt, an dem man meiner Meinung nach unzureichend, zu klein bzw. zu traditionsbewusst, elternbezogen industriell denkend herangeht. Es fehlt an Kreativität und an Courage, wirklich neue Schritte zu wagen, neue Strategien zu finden.

Strategische Beratung gibt es wie Sand am Meer, aber wenn diese selbst den Sprung ins neue Zeitalter nur halbherzig wagen, dann können diese auch nicht wirklich Strategien aufsetzen, die den Sprung in ein digitales Wirtschaften bewegen können. Ich mag mit dieser Aussage wirklich niemanden zu Nahe treten, und die Arbeitsweise bzw. Kompetenz von Beratungen schlechtmachen. Ich will vielmehr darauf hinweisen, wie schwierig und komplex aktuell die Situation ist – auch auf Seite der Beratung.

Wir alle, ausnahmslos alle, müssen den Prozess der Digitalisierung und darüber hinaus die Rücksichtnahme auf neue Herausforderungen wie Klimaveränderung, Überbevölkerung, … durchmachen. Genau genommen stehen wir alle gemeinsam etwas ratlos da, auch jene, die meinen sie wüssten genau, wohin die Reise geht, und was konkret zu tun ist, damit die Reise perfekt abläuft. Das wäre schön, aber es kann so gar nicht mehr laufen, weil die Veränderungen so flink sind, dass man genau genommen nur noch den Veränderungen hinterherrennt, Strategien anwendet, die eigentlich schon wieder veraltet sind. Manchmal kann man im Vergleich den anderen 3 Schritte voraus sein, aber genauso gut in kurzer Zeit auch wieder 2 Schritte zurückfallen.

Dieser beklemmenden Situation kann man sich jedoch leichter stellen, als man vermeintlich glaubt – kaum vorstellbar, aber es ist möglich. Neben dem äußerst wichtigen Werkzeug Mindfulness kann ein Ausflug in die Welt der Spiele neue Türen öffnen, Aha-Erlebnisse und Kenntnisse zu Tage bringen, die aus dem Arbeitsalltag heraus so nicht zum Vorschein kommen können. Dabei handelt es sich konkret um das Planspiel. Dieses bezeichnet eine Methode zur Simulation komplexer realer soziotechnischer Systeme.[4]

Planspiele sind eine der innovativen Trainingsmethoden, die einen Schritt voraus sind, nicht weil diese digital technisch so gut sind, sondern weil ein solches Spiel die Kompetenzen der Zukunft, Komplexität, Flexibilität, Intuition, Emotionalität, Kreativität, Mut, zu stärken und anzuregen vermag.

So kann mit Hilfe der Methode Planspiel das Interesse und die Aufmerksamkeit für die Problemlösung bzw. auch Wissensvermittlung deutlich erhöht werden. Die spielerische Umsetzung fördert das Verständnis sowie das Vertrauen in die eigene Persönlichkeit und schafft den Mut, wirklich etwas zu Tun. Das Planspiel bietet den TeilnehmerInnen ein intensives Verhaltenstraining in einer realitätsnahen Lernumgebung. Im geschützten Raum der Simulation können spannende neue Erfahrungen gemacht werden.[5]

Das Spiel ermöglicht eine neue Unternehmensdynamik, die nicht an die „alten“ Spielregeln im Unternehmen gebunden sind. So versteht es VORSPRUNGatwork, und so wird es im Planspiel auch erlebbar. Und genau das braucht es in großem Umfang in den aktuellen Veränderungsprozessen. Die Wirkungsweise von dem Spiel kann man jedoch schwer in Worte fassen, man muss es einfach einmal spielen. Man kann nicht verlieren, man kann nur Gewinnen und möglicherweise Inputs für die Strategieplanung bekommen, die man ohne Spiel in keiner Weise angedacht hätte.

Doch eine gute Strategie genügt noch immer nicht – das wissen Sie zu gut. Sie haben die Herausforderungen umfassend scharf im Blick. Sie haben eine zukunftstragende Vision und bahnbrechende Strategien entwickelt – aber wie schaffen Sie es nun, das Unternehmen, die MitarbeiterInnen und KundInnen entsprechend zu briefen, so dass die Vision zum Leben erweckt, angenommen und gemeinsam erfolgreich umgesetzt bzw. akzeptiert und gekauft wird?

An dem Punkt wird es erneut richtig heiß, jetzt kommt die Phase der konkreten Umsetzung der Strategien in Verbindung mit der Vision. Das muss heute im digitalen Zeitalter rasch, großflächig und skalierbar ausgerollt werden – eine äußerst komplexe Aufgabe, an der man leicht zu scheitern vermag. Das weiß jede Führungskraft, und deshalb stehen auch einige, wenn nicht sogar viele unbewusst großen Veränderungen unbewusst im Wege – aus Angst zu versagen.

4. Punkt: Strategien rasch, großflächig, skalierbar ausrollen

Vielleicht erscheint es Ihnen gerade so, als ob diese 4 Punkte absolut nichts Neues für Sie sind, sondern wie ein altbekanntes Veränderungsdesign auf Sie wirkt. Das mag so sein. Auf den ersten Blick ist vielleicht nichts Neues zu entdecken, aber wenn Sie wirklich ehrlich und etwas tiefgreifender die Zeilen lesen, werden Sie merken, es ist anders – und zwar deshalb, weil Sie in diesem Prozess selbst betroffen sein werden, Ihre Position, Ihre Kompetenzen, Ihr Einfluss, Ihre Zukunft.

Das wird Ihnen vermutlich widerstreben, zumindest den meisten von Ihnen, und genau deshalb werden aktuell viele Prozess nur halbherzig aufgesetzt, weder in den Visionen noch in den Strategien in der Weitreiche und Veränderungsgröße angedacht, die möglich und in den nächsten Jahren vermutlich sogar notwendig ist.

Wie dem auch sei, kehren wir zurück zu dem letzten Schritt in einem umfassenden Veränderungsprozess, der breiten, raschen, skalierbaren Umsetzung der neuen Strategien. Das ist ein Mega-Projekt, das eigentlich ohne Unterstützung ebenfalls nicht zu bewältigen ist. Das wissen Sie so gut wie ich.

Ganz oft wird Förderung, Weiterbildung, Coaching, Beratung noch analog durchgeführt, die digitalen Möglichkeiten deutlich unterschätzt. Dem sollte man jedoch mehr Achtung schenken, denn das Potential von digitalem Coaching kann zur eierlegenden Wollmilchsau der betriebsinternen Weiterbildung werden.[6]

Der Haken liegt daran, dass wir es einfach nicht gewohnt sind, in neuen Lösungs- wie auch Lern- und Wissenskategorien zu denken – ich selbst auch nicht. Wir, wozu ich mich auch ausnahmslos zähle, denken in äußerst festgefahrenen Kategorien, und es ist wirklich außerordentlich schwer, diese gewohnten Denkmuster, die damit verbundenen Bewertungen und Weiterentwicklungsnotwendigkeiten einschließlich der Diskrepanzen, in ein neues Licht zu stellen, und andere Denkweisen und damit auch Lösungsansätze und Umsetzungsstrategien mit einer entsprechend neuen Unterstützung zuzulassen.

Und so frage ich Sie jetzt ganz konkret:

  • Haben Sie es schon einmal ausprobiert, sich individuell online, sprich digital Unterstützung zu holen – eine Unterstützung, die mit Hilfe einer KI den besten Coach für Sie persönlich und Ihr Problem zu finden im Stande ist?

Es wäre jedenfalls eine spannende Option mit digitalem Coaching Ihre Herausforderungen in der Strategieumsetzung maßgeschneidert, flexibel, flächendeckend, rasch, skalierbar über das gesamte Unternehmen hinweg auszurollen. Es wäre eine Chance, die Hürden in dem Prozess ernsthaft, umfassend, in geschützten Settings ohne Zeitverlust und mit geringen Kosten flächendeckend auf die Schiene zu bringen, so dass der Prozess fachlich und ebenso mit Bezug auf die persönlichen Belange, u.a. der Stressbewältigung, umfassend begleitet werden kann.[7]

Und ganz nebenbei wie von selbst, mag sogar bei manchen die Scheu vor den digitalen Medien und deren weitreichenden Kommunikationsmöglichkeiten, genommen werden – so die Erfahrung von Hendrik Schriefer, Mitbegründer von Sharpist-Coaching. Dieses Thema wird sehr ungern offen angesprochen, aber die digitale Kompetenz bzw. digitale Kommunikationskultur ist in den Führungsebenen nicht unbedingt das, was man rühmlich als digital kompetent bezeichnen kann.

Das was mich an Sharpist, dem Anbieter von datengestütztem, mobilem Coaching für Führungskräfte, fasziniert, das ist der Aspekt, dass Sharpist mit Hilfe einer KI nach dem perfekten Match zwischen Führungskraft und Coach sucht. Denn eines muss auch gesagt sein: Das richtige Seminar, Workshop, Coaching für das Unternehmen zu finden, ist äußerst schwierig in der Fülle an Möglichkeiten. Darüber hinaus ist der Coaching-Markt sehr fragmentiert und bis jetzt wenig digitalisiert. Und zu all dem kommt noch der außerordentlich triftige Aspekt, dass die finanziellen, wie auch zeitlichen Budgets der Unternehmen oft nicht das an Unterstützung geben können, was notwendig ist und sogar gewünscht wird. Das digitale Coaching kommt dem entgegen, spart Zeit und Kosten, ist leicht in den Alltag einzubauen und terminlich äußerst flexibel zu handeln.

RESÜMEE

Die Zukunft aller Unternehmen und ArbeitnehmerInnen lässt sich mit einem Wort beschreiben: Veränderung. Wir alle müssen uns neues Wissen aneignen und uns an neue Prozesse anpassen. Denn eines ist gewiss: Die Veränderungen lassen nicht auf sich warten. Die Lösungskompetenzen müssen umfassender gedacht werden als bisher. Das erfordert einen Perspektivwechsel in den Führungsebenen, einen neuen Zugang zu den Herausforderungen, neue Visionen, neue Strategien und damit verbunden eine Neuausrichtung bzw. Weiterentwicklung der Kompetenzen über alle Ebenen hinweg.

Externe Personen, oder auch intern positionierte und erwünschte QuerdenkerInnen, Hofnarren, können dahingehend helfen, indem sie die Herausforderungen der Unternehmen in einem anderen Licht sehen, und damit auch andere Antworten finden auf die Fragen, die zu stellen notwendig sind. Wenn Sie als Führungskraft, als Unternehmen nur in Ihrem bevorzugt nahestehenden Dunstkreis, Ihrem Silo, die Antwort auf relevante Fragen suchen, werden Sie nur eine begrenzte Variation an neuen Lösungen finden. Das genügt jedoch nicht mehr, um die Zukunft erfolgsversprechend mitgestalten zu können.

Kompetenz heißt nicht mehr nur kompetent zu sein im fachbezogenen Sinn, sondern gleichzeitig auch im universalen Bewusstsein zu handeln, aus einem solchen universalen Verständnis heraus, innovative und zukunftsrelevante Lösungen zu generieren. Jack Ma, der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Alibaba Group, fordert genau das. Auf dem World Economic Forum 2018 sprach er sehr eindringlich über die neuen Wissenskompetenzen, die weit über das so heißgeliebte Fachwissen hinausgehen müssen, wenn man die Herausforderungen unserer Zeit erfolgsversprechend managen möchte.

Gunter Dueck, Philosoph, Autor, Keynote-Speaker, redet ebenfalls davon, dass eine neue Intelligenz bzw. eine neue Art von Wissensmanagement entwickelt werden muss.[8] Die eindringliche Aufforderung von Dueck heißt, dass aktuell in die professionelle und persönliche Entwicklung sehr viel mehr Energie gesteckt werden muss.[9]

Wenn Sie es nicht wagen, wagen es andere – davon können Sie sicher sein. Das ist weder gut noch schlecht. Niemand muss den Sprung wagen, sondern kann auch später springen. Aber dabei entgeht einem vielleicht etwas – nicht nur das Abenteuer bzw. der Hype ein/e PionierIn zu sein, sondern viel Erfahrung und neues Wissen. Das Planspiel und das Sharpist-Coaching nutzen die Chance und springen. Vielleicht setzen Sie es auch einmal aufs Spiel bzw. machen einen Sprung in eine KI optimierte Unterstützung, gönnen sich einen anderen Blick auf das Geschehen.

Gerd Leonard, Futurist, CEO The Futures Agency, sprich deutlich davon: science fiction becomes science fact.[10] Ob man will oder nicht, das hat Folgen für alle – auch wenn man die Folgen aktuell noch nicht zu spüren bekommt. Aber genau das ist das Fatale. Die meisten Folgen bekommt man erst zu spät zu spüren, dann wenn man eigentlich nur noch reaktiv, aus der Not heraus handeln kann. Damit vergibt man sich jedoch die Chance, vorzeitig aktiv die Situation in eine gute Richtung zu führen, mit Folgen, die auf das Gesamte bezogen, besser verträglich gewesen wären.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/daimler-1.4673466. Am 2019-11-13 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[3] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Planspiel. Am 2019-11-14 gelesen.
[5] https://www.schirrmachergroup.de/wp-content/uploads/2018/04/Führung_gesamt.pdf. Am 2019-11-14 gelesen.
[6] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52. Am 2019-11-07 gelesen.
[7] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52. Am 2019-11-06 gelesen.
[8] https://www.huffingtonpost.de/marco-englert/digital-life-entwicklung-gunter-dueck_b_15339024.html. Am 2018-05-02 gelesen.
[9] http://archiv.omnisophie.com/downloads/10.1007_s00287-011-0581-4.pdf. Am 2017-08-01 gelesen.
[10] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6505041452635078656/. Am 2019-02-26 gesehen.

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Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein – neugierig!?

Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein - neugierig!?

Was Unternehmen voneinander unterscheidet, das ist Neugier und Innovation, so die Worte von Isabel de Paoli, Chief Strategie Officer.[1]

Kognitive Flexibilität, ein Geschenk der Evolution, bietet uns unendlich viele Innovationen; aber es ist die Neugier, die uns dazu bringt, ihre Kraft voll auszuschöpfen. Damit Unternehmen dieses Potenzial voll nutzen können, braucht es jedoch weniger die Fixierung auf neue Technologien, sondern den Mut für eine offene Arbeitskultur, eine Kultur der Gemeinschaft, in der man auf den Ideen anderer aufbaut, in der es mehr darauf ankommt, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben – kurz gesagt: eine Kultur der Neugier. Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein.[2]

So las ich es in der umfassenden Neugier-Studie 2018 von Merck. Um in einem florierenden Neugier-Stadium arbeiten zu können, braucht es, wie schon oben im Statement angerissen, eine entsprechende Arbeitsumgebung [3] – ein WeQ-Wirken statt eine IQ-Fixierung, die kontinuierliches Lernen und Erforschen ermutigt. Das sind Umgebungen, die sich ganz konkret Fragen widmen, die weitreichend und fachübergreifend die Zukunft beleuchten, so wie ich es in meinen Artikel, was kommt nach der Digitalisierung, anzuregen gesucht habe. Was ich jedoch noch nicht konkret angesprochen habe, das ist der Faktor Neugier, der dafür notwendig ist.

Die Zukunft aller Unternehmen und ArbeitnehmerInnen lässt sich mit einem Wort beschreiben: Veränderung. Wir alle müssen uns neues Wissen aneignen und uns an neue Prozesse anpassen. Damit uns das nicht erschlägt, brauchen wir Neugier. Neugier ist der Kleber, der Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft zusammenhält. Neugier sichert das Überleben.[4]

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Der Wettbewerb der Nationen ist ein Wettbewerb der Ideen – und Neugier die Grundlage dafür

Neugier und Ideen sind ein sich gegenseitig unterstützendes Paar, zwei Seiten einer Medaille. Dieses Potential gilt es zu hegen und zu pflegen, so früh wie nur möglich. Wenn wir die Neugier nicht verschütten, dann brauchen wir diese hinterher auch nicht mühsam freizulegen.[5] Leider zeigt sich jedoch trotz viel Bemühen, dass die Neugier unter vielen fixierten Erklärungsmustern und Gewohnheiten, tief verwurzelten Annahmen, die man nicht loslassen will, zu oft ein verkümmertes Dasein fristet.

Träge, müde, von Zeitnot erschlagen, von Regeln, Normen, Denkfixierungen klein gehalten, hat die Neugier mühe sich stärker in den Arbeitsalltag einzubringen. Die Kreativität als zweite Seite der Medaille leidet mit der Neugier mit – statt in positiv gestimmter Neugier Herausforderungen zu meistern, denkt man in Problemen und versucht kopflastig rational gut durchdacht Lösungen kontrollierbar aufzusetzen. Das mag objektiv betrachtet ein sinnvoller Ansatz sein, aber ob man so herausragende Innovationen findet, das wage ich zu bezweifeln.

Neugier ist eine sensitive Fähigkeit, ein Lichtstrahl, der Herausforderungen frei von Bewertungen und Nützlichkeiten zu durchdringen vermag, ein offenes Staunen über das Leben – zumindest ist es bei Kindern noch so wahrzunehmen. Mit zunehmendem Alter verlieren jedoch viele diese kindliche Fähigkeit des Staunens, die bewertungsfreie Neugier.[6] Das Staunen entzaubert sich, wird mechanistisch, zielfokussiert, ausgrenzend, verliert an Offenheit und an Kreativität. Die Neugier leidet konkret unter 3 Symptomen:[7]

  • Innere Nörgler, die Stimmen des Urteilens blockieren das Staunen. Urteile im Kopf wie auch das reaktive Abspulen gewohnter Denkschablonen hemmen offenes Denken, und damit die Neugier.

  • Zynismus steht der Neugier ebenfalls nicht einladend gegenüber, führt vielmehr zur Distanzierung zu allem, was neu ist und was neugierig machen könnte. Zynismus muss aber oft gar nicht so offen bemerkbar sein, sondern wirkt viel öfter als man glaubt, still und kaum wahrnehmbar als Gedankengeister im Kopf.

  • Mit Angst im Nacken lässt es sich ebenfalls kaum neugierig in die Welt blicken. Angst im Nacken führt viel mehr dazu, unbewusst Schutzmauern zu errichten, die jeden offenen, neugierigen Blick verschließen.

Aber ich möchte nicht gleich zu Beginn von diesem Artikel die Neugier durch negativen Input lahmlegen. Sehen wir uns in der Studie von Merck einmal konkret an, wie umfassend Neugier im Arbeitsalltag wirkt.

Was heißt eigentlich neugierig sein?

Lt. der Studie von Merck zeigt sich Neugier in vier bestimmten Charakterzügen, die gemeinsam die Grundlage einer multidimensionalen Neugierwirksamkeit sind:[8]

  • Entdecker-Freude: Die jeweiligen Menschen sind neuem Wissen gegenüber sehr aufgeschlossen – vergleichbar mit dem Staunen der Kinder, die ein Interesse an Gegenständen um ihrer selbst willen zeigen, und nicht weil diese nützlich, attraktiv oder kostbar sind.[9]

  • Antrieb durch Wissenslücken: Menschen, die Neugier zeigen, sind oft nicht nur im eigenen Wissensbereich aktiv und sehen dort Wissenslücken, sondern blicken auch neugierig über den Tellerrand, sehen Lücken in einem größeren Kontext, und sind bestrebt in einem größeren Zusammenhang diese zu begreifen und lösen zu wollen. Das bedarf u.a. aber einer sehr relevanten Eigenschaft, die jetzt folgt.

  • Offenheit für Ideen anderer: Es braucht die Offenheit, unterschiedlichste Perspektiven, Meinungen, Anschauungen, Ideen anzuerkennen und so couragiert zu sein, Lösungsansätze anzustreben, die vielleicht fachfremd, oder gar unlogisch wirken. Das wiederum braucht eine gesunde Anpassungstoleranz, womit wir bei dem 4. Charakterzug sind, der die Neugier bestärkt.

  • Anspannungstoleranz: Man muss bereit sein, sich der Unruhe und dem Unbehagen zu stellen, die beim Erkunden des Neuen, Unbekannten und Unsicheren entsteht. Bei Neugier geht es nicht nur darum, neue Ideen zu finden. Es geht auch um die Fähigkeit, mit dem Neuen, dem Komplexen kreativ umgehen zu können. Es geht darum, dass man weitermachen kann und will, auch wenn das Neue unangenehme Gefühle hervorruft. An dem Punkt aber scheitern einige, schalten unbewusst auf kognitive Dissonanz und schwächen damit die Neugier und Kreativität.

Deutschland steht besser da als man meinen könnte – zumindest beim ersten neugierigen Blick! In Bezug auf die Studie von Merck erzielte Deutschland den höchsten Gesamtwert für Neugier – das heißt: Im Vergleich zu den USA und China zeigt sich in Deutschland ein großes Verlangen nach neuem Wissen und Informationen. Die MitarbeiterInnen können gut mit Reizen umgehen, die unsicher, komplex und konfliktbeladen sind. Aber das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass in D 48% der MitarbeiterInnen sich für ihre Projekte verantwortlich fühlen, hingegen nur 38% in den USA und 33% in China. In D fühlen sich nur 14% der MitarbeiterInnen durch ihre Umgebung eingeschränkt bzw. in der Arbeit überwacht, im Gegensatz zu 19% in den USA und 33% in China.[10]

Was mich erstaunt, dass China scheinbar mit den Neugierwerten abgeschlagen hinter Deutschland und den USA liegt. Gleichzeitig treibt China die Digitalisierung an, schafft unzählige neue Trends und setzt neue Maßstäbe. Wie ist das zu verstehen?

Im 2. Blick auf diese Studie erhellt sich meine Frage. China liegt zwar in den Neugierwerten hinter D und den USA. Aber das hat einen Grund: Die ChinesInnen stellen persönlich deutlich höhere Ansprüche in Bezug auf eine innovative Kultur und halten Digitalisierung für äußerst wichtig – darin sind die Deutschen und die USA nicht so ambitioniert. 52% der ChinesInnen, von einem hohen innovativen Anspruch geprägt, suchen aktiv nach neuen Ideen und Innovationen – im Gegensatz dazu 39% in den USA und abgeschlagen nur 37% in D. Diese Haltung, der hohe Anspruch an eine innovative Kultur, könnte bald schon China einen deutlichen Vorteil verschaffen.[11]

Ebenso interessant ist der Aspekt, dass in dieser Studie von Merck die jüngste Generation, die Generation Z, bei der Neugier weit hinten bleibt. Die Generation der Millennials ist hingegen äußerst neugierig und meint zu 61%, dass eine Investition in Neugier als Innovationstreiber eine solide Investition für ein Unternehmen sei. Aber in der Studie zeigt sich auch, dass man der Generation Z anscheinend nicht genug Zeit gibt bzw. sie zu wenig darin unterstützt, um deren Anspruch in Bezug auf Neugier gerecht zu werden.[12]

Soviel erstmal zum kognitiven Zugang zur Neugier. Mich interessiert aber jetzt noch viel mehr, wie Sie persönlich zum Thema Neugier stehen:

  • Würden Sie sich als neugierig bezeichnen?

  • Und was konkret erweckt Ihre Neugier, ein Staunen, ein Aha?

Ich stelle mir selbst auch die Frage und kann nur sagen, dass ich dann Neugier spüre, wenn ich was höre, was ich noch nicht kenne, oder was ich mir mit dem was ich weiß, noch nicht erklären kann. Ich brenne vor Neugier, wenn ich Geschichten lese, die ein gutes Storyboard haben, sprich ich mit einem Problem konfrontiert werden, wo ich schon zu Beginn weiß, dass dieses Problem anders gelöst wird, als ich es mir vorstelle. Ich bin regelrecht euphorisch neugierig, wenn ich mit Ideen konfrontiert werde, die ich aus mir selbst heraus nicht entwickeln kann. Umgelegt auf den Arbeitsalltag heißt das, ich reagiere dann mit Neugier, wenn ich spüre, dass die Lösung anders aussehen kann als ich es mir selbst vorzustellen vermag.

Die Neugier ist jedoch so unterschiedlich und individuell wie es Menschen gibt. Und jeder Mensch ist zu dem geworden, was er ist, weil die Neugier ihn dazu gemacht hat. Die Neugier mag manchmal schüchtern, verängstigt wirken, manchmal expressiv und durchzogen von Pioniergeist, und dazwischen gibt es Millionen weitere Schattierungen und Ausprägungen der Neugier.

Es geht auch gar nicht darum mit Neugier immer nur den großen Wurf zu machen, sondern vielmehr täglich sich für die kleinen Wunder dieser Welt im Herzen offen zu zeigen, nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen, die kleinen Dinge des Lebens wieder mehr zu achten, über das Leben zu staunen – wie Kinder, die selbst dann noch Warum-Fragen stellen, obgleich aus Sicht der Erwachsenen, die Fragen eigentlich schon umfassend objektiv korrekt beantwortet scheinen. Die Neugier der Kinder ist in den ersten Jahren intrinsisch motiviert, und nicht extrinsisch durch Belohnungen künstlich angeregt – was sich jedoch meist später in der Schule ändert.

Vielleicht wäre es an dieser Stelle interessant, die Frage erneut zu stellen, was konkret macht Sie persönlich neugierig – aber ergänzt um den Aspekt der Motivation:

  • Aus welcher Ecke heraus lässt sich Ihre Neugier konkret anregen – aus einem inneren Bedürfnis heraus, oder mehr von außen auf Sie einwirkend, durch bestimmte Begebenheiten, die Sie persönlich anregen und motivieren etwas zu tun? Vielleicht zeigt sich auch, dass durch eine äußere Begebenheit die Neugier entflammt, und dann in Ihnen im Inneren auf einen Impuls trifft, mit dem gemeinsam die Neugier so richtig zum Brennen kommt.

Wie dem auch sei, Neugier scheint jedenfalls in der Digitalisierung eine der Kompetenzen zu sein, die notwendig ist, um die tiefgreifenden Veränderungen gemanagt zu bekommen. Neugier ist einer der Schlüssel, um das überlebensnotwendige Innovationspotential von Konzernen freizusetzen – zumindest ist das so immer wieder in der Studie von Merck zu lesen. Leichter gesagt als umgesetzt.

Neugier ist sehr individuell, u.a. auch durch die entsprechende Hirnprägung unterschiedlich ausgerichtet. Dr. Hans-Georg Häusel, zählt international zu den führenden Experten in der Marketing-, Verkaufs- und Management-Hirnforschung, setzt sich intensiv mit dem limbischen System auseinander und belegt, dass 80% der Menschen dem Balance-Typ zugeordnet werden. Bei diesen Menschen-Typ wirkt Neugier einfach anders bzw. auf andere Themen hin ausgerichtet als bei den beiden anderen Typen, den Stimulanz- und den Dominanztypen.[13] Entwicklungsgeschichtlich ist die Balance-Instruktion der älteste limbische Antrieb mit einem Alter von mehr als 3,5 Milliarden Jahre, mit dem ein Höchstmaß an Sicherheit, Stabilität und Konstanz für die äußere Lebensumwelt, für das Denken und den eigenen Körper zu erreichen bzw. zu erhalten gesucht wird.[14]

Limbische Prägung nach Hans-Georg Häusel

Nur 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt Spaß am Neuen [15], und damit verbundenen im Vergleich zu den BalanceträgerInnen einen scheinbar größeren Entdeckungsgeist, mehr Innovationsspaß und ein stärkeres Explorationsbestreben. In der Merck-Studie ist zu lesen, dass 70% der hochgradig Neugierigen der Meinung sind, dass Neugier eine große Rolle für die weltweiten Herausforderungen spielt, wohingegen nur rund 30% der Befragten mit niedrigen Neugier-Werten dieser Aussage zustimmen.[16] Daran kann man ableiten, wie unterschiedlich Neugier wirkt bzw. durch Prägung entsprechend bewertet wird.

Das ist doch ohnehin klar, werden Sie vielleicht jetzt gelangweilt sagen. Ja, das mag allen klar sein, dass Neugier individuell unterschiedlich wirkt, aber die Konsequenzen und die Folgen daraus werden nicht berücksichtigt, obgleich genau das wichtig und erkenntnisreich ist. Die einen fühlen Neugier, wenn es beispielsweise darum geht die Tradition im Unternehmen sicherzustellen, andere hingegen spüren Neugier erst, wenn sie damit ihre Macht verstärken können, und wiederum andere brauchen QuerdenkerInnen, schräge Vögel, RevoluterInnen, kreative Spinner um sich herum gescharrt, um davon neugierig beseelt zu werden. Ob man will oder nicht, das hat Folgen für ein Unternehmen, für die Innovationskraft und das Überleben in der Digitalisierung.

In der Studie von Merck ist unmissverständlich zu lesen, dass es sich kein Unternehmen mehr leisten kann, Neugier zu unterschätzen. Wenn man als Unternehmen heute wettbewerbsfähig bleiben will, müssen alle Branchen in Neugier investieren, um zu überleben bzw. weiterhin zu florieren.[17]

Resümee – mit Aha-Momenten spielen!

Digitalisierung erfordert Innovationen, und diese erfordern Neugier. So gesehen braucht es verstärkt Neugier, aber nicht nur von jenen, die ohnehin so geprägt sind, sondern auch von jenen, deren Neugier schwächer ausgeprägt zu sein scheint bzw. nicht gerade die Themen trifft, die aktuell mit Neugier hochgerüstet werden sollten.

Neugier wächst u.a. dadurch, dass man anerkennt, dass die eigene Wahrheit nicht unbedingt die Wahrheit der anderen ist. Neugier zeigt sich darin, wenn man nicht gleich auf ungewohnte, fremde Ansichten mit Ablehnung reagiert.

Das heißt, aufmerksam werden für andersartige Ansichten, den Kopf dorthin wenden, wo man eigentlich vielleicht gar nicht hinsehen will, weil das scheinbar auf den ersten Blick nutzlos, ineffizient, vielleicht sogar beängstigend, unlogisch oder gar die falsche Richtung scheint.[18]

  • Neugierde zeigt sich u.a. in einer Offenheit für und eine aktive Suche nach neuen Informationen, ohne die zuvor auf Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit abzuchecken.

  • Neugier zeigt sich ebenso darin, mehr spontane Fragen zuzulassen und mit unklaren Informationen angeregt offen umzugehen. Die Warum-Fragen der Kinder nerven manchmal die Erwachsenen, auch deshalb, weil manche Warum-Fragen sinnlos erscheinen oder einfach nur zum 100ten Mal gestellt worden sind. Doch Neugier arbeitet nicht fokussiert, linear, effizient, sondern chaotisch, kreativ, verträumt, rätselhaft. 

  • Neugier bedeutet in Verbindung mit dem vorhergehenden Punkt, offen zu sein für Fakten, die nicht in die eigene Weltanschauung passen, und deren Konsequenzen zu verstehen suchen. An dem Punkt hakt es jedoch oft – auch wenn das die wenigsten so diagnostizieren würden. Sobald eine Weltanschauung nicht in das Konzept, beispielsweise der Wirtschaft passt, verdrehen viele Wirtschaftsgläubige die Augen. Man geht auf Dissonanz. Die Neugier will man nur fixiert auf das facheigene Wissen wirken lassen und zur Anwendung bringen.

Wenn Ihr Unternehmen wüsste, was Ihr Unternehmen weiß – macht Sie das neugierig?

Wie wäre es jetzt mit einem Spiel, um Ihre Neugier zu wecken, falls diese sich bereits zu verabschieden sucht, um sich anderen Themen zu widmen, die mehr Neugier, mehr Interesse, mehr Sinnhaftigkeit wecken als die Auseinandersetzung mit der Neugier selbst.

Eigenland®, so heißt das Spiel bzw. diese innovative, spielerische Alternative zu üblichen Workshops, mit der sich schnell und strukturiert unternehmerische Handlungsfelder analysieren und gestalten lassen. Diesem Spiel bin ich am 30. Oktober 2019 beim Corporate Culture Jam in Frankfurt über den Weg gelaufen. Dieses Spiel hat meine Neugier geweckt und mich in eine Stimmung versetzt, die meine bereits vorhandene Neugier sogar noch während des Spiels verstärkt hat.

Rolf Schröder, verantwortlich für das Projektmanagement in der Deutschen Telekom Technik Deutsche Telekom AG, war ebenfalls beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit man zu Erkenntnissen kommen kann, und überrascht über die hohe Eindringlichkeit in den untersuchten Bereichen. In diesem Spiel können sich auch unterschiedliche AkteurInnen sehr gut Meinungen und Informationen austauschen, was ohne das Spiel in der Offenheit so kaum anzudenken geht.[19] Auch VORSPRUNGatwork hat ein Planspiel entwickelt, um mit Hilfe der spielerischen Energie die Herausforderungen auf einer anderen Ebene mit einer offenen, kindlich verspielt neugierigen Haltung heraus zu betrachten. Spiele sind genau genommen keine Spiele, sondern führen über den Tellerrand hinaus zu real wirksamen positiven Interventionen.[20]

Ich möchte jetzt aber noch eine weitere Methode, Aha-Momente auf Abruf, erwähnen, die mich persönlich neugierig gemacht hat.

Sharpist in Aha! Momenten

Ein Aha! Moment sagt mehr als tausend Worte und regt Neugier an – genau das, was in Zukunft lt. der Merck-Studie dringlicher denn je gebraucht und entsprechend gefördert werden sollte.

Das was mich an Sharpist, dem Anbieter von datengestütztem, mobilem Coaching für Führungskräfte, neugierig werden ließ, das ist der Aspekt, dass Sharpist mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) nach dem perfekten Match zwischen Führungskraft und Coach sucht. Denn eines muss schon gesagt sein: Das richtige Seminar, Workshop, Coaching für das Unternehmen zu finden, ist äußerst schwierig in der Fülle an Möglichkeiten. Darüber hinaus ist der Coaching-Markt sehr fragmentiert und bis jetzt wenig digitalisiert.

Ganz oft wird Förderung, Weiterbildung, Coaching, Beratung noch analog durchgeführt, die digitalen Möglichkeiten deutlich unterschätzt. Dem sollte man jedoch deutlich mehr Achtung schenken, denn das Potential von digitalem Coaching kann zur eierlegenden Wollmilchsau der betriebsinternen Weiterbildung werden.[21]

Unbegrenzt viele Cochees können gleichzeitig begleitet werden. Alle TeilnehmerInnen bekommen maßgeschneiderte Übungen, ein Live-Chat hilft, Fragen zu klären. Flatrate-Modelle halten die Kosten im Rahmen, Reise- und Arbeitsausfallzeiten können drastisch reduziert werden, die Ergebnisse sind messbar und können ein Spiegelbild der Unternehmenskultur darstellen, und für Nachhaltigkeit der Prozesse kann ebenfalls besser gesorgt werden als mit klassischen Bildungs-Tools.[22] Sharpist ist ein Pionier in diesem Gebiet.[23]

Auch wenn ich persönlich analoge Gespräche als relevant einstufe, so sehe ich auch, dass man mit den herkömmlichen Beratungsmethoden, weder inhaltlich noch organisatorisch, das an Förderung, Bildung, Beratung abzudecken vermag, was aktuell notwendig ist und setze daher selber Online-Coaching seit mehreren Jahren ein.

In der Merck-Studie ist zu lesen, dass Konzerne mehr in Programme und Prozesse für die persönliche Entwicklung investieren müssen, um die weltweiten Herausforderungen zu lösen und in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Neugier sei hierfür ein Schlüssel, aber Neugier ist kein Zufall![24]

Diese letzte Aussage möchte ich unkommentiert so stehen lassen, und Ihnen zum Abschluss von diesem Artikel nur noch eine kleine Neugier-Anregung mitgeben: Versuchen Sie jeden Tag über irgendetwas, egal was, erstaunt zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dazu eine konkrete Fragestellung:

Mich wundert, warum …

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen: 

[1] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[2] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[3] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[4] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[5] https://www.merckgroup.com/de/company/curiosity/curiosity-report.html. Am 2019-11-06 gelesen.
[6] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[7] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[8] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[9] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[10] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[11] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[12] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[13] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[14] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[15] http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html. Am 2017-09-26 gelesen.
[16] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[17] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[18] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[19] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[20] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[21] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52. 
[22] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52.
[23] https://www.sharpist.com/. Am 2019-11-07 gelesen.
[24] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.

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Was kommt nach der Digitalisierung?

Was kommt nach der Digitalisierung?

Im letzten Artikel kündigte ich ein Reloading der Digitalisierung an. Google ließ im Oktober 2019 den ersten Quantencomputer in Betrieb gehen. Als ich meinen Artikel dazu verfasste, hatte ich noch nicht auf dem Radar, dass China bereits einen Quantensatelliten im All laufen hat, der eine spukhafte Fernwirkung auf die Kommunikation haben soll. Angeblich kann man bei diesem Quantensatelliten keine Daten mehr hacken, die Kommunikation sei durch die Quantenkryptographie sämtlichen gängigen Entschlüsselungsmethoden gegenüber immun.[1]

Auch wenn Google auf der Erde offiziell als Erster einen Quantencomputer stabil zur Anwendung gebracht hat, China steht um nichts hinten nach – aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Wo steht Deutschland, die EU, insbesondere Ihr Unternehmen im Wettrüsten von Quantentechnik, Quantenkryptographie, Künstlicher Intelligenz (KI), Neuroscience, Bio- und Nanotechnologie?

Ob man will oder nicht, Deutschland zählt nicht mehr zu den Top 10 was die neuen Technologien betrifft – und das sollte Grund genug sein, sich deutlich mehr Gedanken über die Zukunft zu machen, als man es anscheinend tut. Deutschland unterschätzt möglicherweise die Kraft und Macht der Supercomputer, der Neurotechnik und den Einsatz von KI, die alles revolutionieren könnten – Materialforschung, Finanzdienste, die Astrophysik bis hin zur Medizin, Verkehrsüberwachung, Molekülbewegungen, selbst Klimaauseinandersetzung, … – einfach alles.[2] Die Neurowissenschaft spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der flexibel arbeitende, selbstlernende Roboter am Fließband.

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Gerade diesem Aspekt, der Kraft der Neurowissenschaft in Verbindung mit Big Data, wird scheinbar zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[3] Der Westen mag dem mit Vorbehalt gegenüberstehen, der Osten hingegen sammelt fröhlich Daten und kann damit experimentieren. Das kann ein Nach- aber auch ein Vorteil sein. Wie dem auch sei, die Neurotechnik wird vermutlich auch nicht bei uns halt machen.

  • Mit Hilfe neuer und deutlich umfangreicheren Messmöglichkeiten von Gehirnströmen bzw. Gehirnaktivitäten, lassen sich vielfältigste äußerst genaue Informationen erstellen über die Aufmerksamkeit, Konzentration, über die Stimmungslage des Menschen und das Sozialverhalten. Die Nutzung dieser Informationen gehen tief, bis hin zu Lernempfehlungen für Kinder.

  • Darüber hinaus ist es angeblich sogar möglich, die Einstellungen und Empfindungen von Personen untereinander zu messen und zu analysieren – beispielsweise, ob zwei MitarbeiterInnen miteinander Probleme haben. Wenn das der Fall sein sollte, dann kann man gezielt Impulse setzen, sprich die Emotionen manipulieren, damit beispielsweise aus Ärger Empathie wird.

  • Angst, Stress, Freude, Wut, … lässt sich nicht mehr verheimlichen. Stattdessen geht man her, misst, analysiert und versucht anhand der Daten das Leben noch weiter zu optimieren.

  • Selbst Ästhetik findet eine neue Form der Messbarkeit und damit Anwendung. In China konnte mit Hilfe von Emotionsdaten ein Produkt, dass ein Ladenhüter war, entsprechend der Datenanalyse neu designt werden, und wurde von einem Tag zum anderen ein Kassenschlager.

Dieser Ansatz, Emotionen zu nutzen, um gezielt Menschen zu beeinflussen ist selbstverständlich nichts Neues. Jede Marketingabteilung nutzt die Kraft der Emotionen, um Produkte und Dienstleistungen attraktiv wirken zu lassen und die Kauflust darauf zu wecken. Jeder weiß, dass Ästhetik bzw. Gefühle eine Rolle spielen. Bisher hat man sich intuitiv mit ein paar soziologischen Analysen darauf verlassen, wie man die Emotionen der KundInnen positiv triggert. Heute, mit der neuen Technologie, können die Emotionen hingegen äußerst genau gemessen, analysiert und zu großen Datenclustern zusammengefügt werden. Man kann mit den neuen Technologien unfassbar viel erfahren, was Menschen bewegt, was sie sich wünschen, was sie beängstigt, …

Das ist die Revolution, die Fülle an Daten, die noch dazu die stärkste Kraft mitanalysiert – die Emotionen.

Mit Hilfe der Gesichtserkennung- und Aufmerksamkeitsanalysen kann man Auswertungen erstellen, die in dieser Art noch nie möglich waren. Selbstverständlich werden diese Analysen nicht einfach nur so ins Blaue hin erstellt, sondern sehr gezielt für Politik, Wirtschaft, aber auch für Medizin und andere Bereiche, wie die Kunst zu nutzen gesucht.

  • Mag sein, dass es schön ist, wenn man beispielsweise die neuen Technologien und Messmöglichkeiten dahingehend einsetzt, um sich beispielsweise wieder mit einem bestimmten Mitarbeiter besser zu verstehen?![4]

  • Mag sein, dass eine Lebensverlängerung mittels DNA-Hacking die Sehnsucht der Menschen, ein längeres, gesünderes Leben zu führen, positiv zu befriedigen vermag.

  • Die Drohnensteuerung durch Gedankenübertragung mag eine nette Spielerei sein,

  • oder man genießt einfach nur virtuelle, holographische Freundschaften, ohne bei dieser Art von Freundschaft kritisch angesprochen zu werden, wenn man etwas sagt, was nicht ganz stimmig ist. Abgesehen davon haben diese virtuellen Freunde genau dann Zeit, wenn man selbst Zeit hat.[5]

Das neue Zeitalter mag mit dem, was man fähig sein wird zu messen, zu analysieren, zu produzieren, den Menschen auf eine Macht- und gleichzeitig Ohnmachtsstufe stellen, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

So gesehen sollte man sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, was nach der Digitalisierung kommt, weil die Phase der Digitalisierung selbst kurz sein wird, und darüber hinaus Digitalisierung mit den Attributen wie Agilität, Kollaboration, Sinnökonomie, flache Hierarchien, zusammengefügt unter dem Synonym New Work, ohnehin aktuell zu oft missinterpretiert bzw. abgespeckt und damit unzureichend umzusetzen gesucht wird.

Schon wieder eine Digitalisierungs-Predigt vom Wagner – denken Sie vielleicht. Fast hat es den Anschein, dass nur ich mit einigen anderen scheinbar die Entwicklungen verschlafe, und nun im Eiltempo zu erfassen suche, was da alles passiert. Mag jedoch auch sein, dass es Ihnen ähnlich geht wie mir. Kann ebenso sein, dass Sie der Meinung sind, dass Quantentechnik und der andere neue Technikkram bloß was für die Riesenkonzerne dieser Welt bzw. für die großen Forschungslabs sind. Sie warten lieber ab, und wenn die neue Technik alltagstauglich wird, dann greifen Sie zu.

Und genau diesen Zugang zu den Entwicklungen sehe ich kritisch. Ja, es stimmt, die Riesen haben die Ressourcen und Möglichkeiten sich eingehend mit der Entwicklung der Technik auseinanderzusetzen. Aber es ist meiner Meinung nach fatal, erst bei offiziellem Startschuss der neuesten Technik sich mit diesen neuen Spielereien intensiver auseinanderzusetzen. Ich habe den Eindruck, ebenso wie andere, mit denen ich darüber diskutiere, dass zu viele Unternehmen, selbst Konzerne, sowohl die technischen Entwicklungen wie auch die damit verbundenen Folgen in den möglichen Wirksamkeiten unterschätzen.

Mag sein, dass dies auch absichtsvoll so gehandhabt wird, weil man einfach das, was jetzt an Gewinnen noch machbar ist, einstreifen will. Wie dem auch sei, die einen versuchen jetzt noch schnell alles herauszuholen, was herauszuholen geht, die anderen sehen noch gar keinen Handlungsbedarf, weil man davon ausgeht, dass die Veränderungen durch den Einsatz der Supercomputer ohnehin vollkommen überzeichnet werden. Ganz egal wie Sie es jetzt sehen, der erste Quantenrechner läuft, und ich frage Sie jetzt ganz direkt:

  • Was wissen Sie konkret über Quantencomputer und deren Arbeitskraft? Was wissen Sie konkret über Quantentechnologie, über KI wie auch Neurotechnik, über den Einsatz, die Möglichkeiten, Chancen und auch Folgen dieser technischen Entwicklungen?

Im Anschluss an diese Frage gehe ich noch einen Schritt weiter – das hat einen Grund, der sich im zweiten Teil von diesem Artikel in der Relevanz erschließen lässt. Aber jetzt gehen wir über das möglicherweise fehlende Wissen in Bezug auf die Technik hinweg, in die Zukunft hinein und fragen uns:

  • Was kommt nach der Digitalisierung?

  • Was kommt nach den agilen Arbeitsweisen im Digitalisierungsprozess?

  • Leben wir vielleicht in der Zukunft in einer Zeit, die ähnlich scheint wie im Film Matrix, wo eine kleine Gruppe von Menschen gegen die Macht der Maschinen ein selbstbestimmtes Leben zu bewahren sucht, obgleich dieses im Vergleich zu dem manipulierten Leben deutlich nüchterner scheint?

  • Leben wir u.U. in Liebesbeziehungen mit einer KI?

  • Wird mit Hilfe der Nano- und Biotechnologie das individuelle Leben deutlich verlängert, und wir haben 200 Jahre Zeit, unser Leben zu leben? Wenn das möglich wird, was macht das mit uns persönlich, mit der Gesellschaft, …?

  • Wäre es auch denkbar, dass aufgrund der Klimaveränderungen sich das Leben ebenfalls auswirkungsreich verändert – in einer Weise, die wir nicht für möglich halten würden. Zum einen, indem vielleicht große Gruppen von Klimaflüchtlingen durch die Welt ziehen, Ressourcenkämpfe stattfinden. Zum anderen entwickelt sich vielleicht eine große Besinnung, dahingehend, rückbesinnend im Respekt und Einklang mit der Natur zu leben, die Kreislaufwirtschaft mit Hilfe der neuen Technologien zu nutzen suchen, gänzlich neue Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht auf Basis von Raubbau produziert werden?

  • Könnte auch sein, dass man in Zukunft vorwiegend künstlich hergestellte Lebensmittel isst, ausgedruckt aus 3-D-Druckern, angereichter mit genau individuell abgestimmten Nährstoffen, die präzise auf den Organismus abgestimmt sind. Viele Krankheiten verschwinden, können gezielt geheilt werden, wo man heute noch kämpft. Vielleicht ist es sogar möglich, den Körper zu verändern, indem man gezielt manipulativ einwirkt – wie ich schon vorhin als DNA-Hacking erwähnt habe.

Diese Fragen und viele weitere mehr müssen wir uns stellen, weil die aktuellen Entwicklungen so rasant gehen, und in einer Wucht das Leben, Ihre Unternehmen auf den Kopf stellen könnten. Wie dem auch sei, selbst jetzt schon sind die Veränderungen gewaltig, und die alten Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen stehen dem hinderlich gegenüber. Das spüren Sie im Unternehmen ohnehin ganz genau – nicht grundlos werden so gut wie überall Changeprozesse aufgesetzt. Aber Agilität und im noch größeren Format New Work wirklich erfolgsversprechend im Unternehmen zu implementieren, ist deutlich schwerer als gedacht. Das zeigt sich daran, dass 2/3 in dem Versuch, das Unternehmen agil werden zu lassen, neue Arbeitsweisen erfolgsversprechend zu integrieren, scheitern.[6]

Genau genommen stecken wir in einem Dilemma – es scheint weder in die eine Richtung weiter zu gehen noch in die andere Richtung, deren Arbeits- und Wirkungsweisen scheinbar noch in der Zukunft zu liegen scheinen. Was also tun? Gehen wir vielleicht wieder zurück zu der Quelle von New Work. Dort sehe ich etwas, was uns dienlich sein könnte und gleichzeitig die Zukunftsfrage, was nach der Agilität kommt, einsichtig werden lässt. Im ursprünglichen Verständnis von New Work heißt es:

  1. Ein Drittel der Arbeitszeit sollte der Selbstversorgung dienen, also Arbeit sein, die man für sich selbst macht.

  2. Ein Drittel sollte die gewöhnliche Erwerbszeit ausmachen – außer man schafft es mit der Selbstversorgung gänzlich auszukommen.

  3. Das letzte Drittel – und dieses sei jenes, das am schwierigsten umzusetzen ist – sollte mit einer Arbeit erfüllt sein, zu der man sich berufen fühlt. Einer Arbeit, die man „wirklich, wirklich, wirklich machen will“. Warum das jedoch so schwierig sei, erklärt der Begründer von New Work, Frithjof Bergmann damit, dass Menschen verlernt hätten, auf sich selbst zu hören. Die Kultur, in der wir sozialisiert sind, basiert auf Zähmung.[7]

Tragend auf diesen 3 Säulen hat Bergmann in den 80er Jahren des 20.Jhdt. einen Wandel in der Automobilindustrie in der US-Stadt Flint initiiert. Dort gründete er sein Zentrum für Neue Arbeit, um Massenentlassungen mit seinem Konzept entgegenzuwirken. Massenentlassungen könnten uns erneut aufgrund der Digitalisierung heimsuchen. Damals sollten die MitarbeiterInnen jedenfalls sechs Monate in der Fabrik arbeiten, und die anderen sechs Monate darüber nachdenken, was sie wirklich tun wollen. Das Zentrum von Bergmann hätte die aufkeimenden Ideen in der Umsetzung unterstützt. ABER die MitarbeiterInnen waren davon nicht begeistert, haben vielmehr mit Skepsis, Zweifel und sogar Tränen reagiert.[8]

Bergmann erklärt sich diese Reaktion damit, dass all jene mit neuen Strukturen und neuen Verantwortlichkeiten Schwierigkeiten hätten, die sich nicht mit der Frage beschäftigen, was sie im Leben wirklich wollen. Diese Menschen sind seiner Meinung nach feige.[9] Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich möchte es eher dahingehend zu verstehen suchen, dass einigen dieser Menschen eine tief verankernde Vision fehlt, ein Lebensinhalt, der über die Befriedigung von materiellen Gütern, über Ruhm, Ehre, Status hinausgeht.

Sie fragen sich jetzt vielleicht zu Recht, worauf ich überhaupt hinaus will? Die Herausforderungen sind gewaltig, und ich komme jetzt mit Sinnfragen. Das mag auf den ersten Blick Unmut erzeugen, nervös machen, verärgern. Sie brauchen dringend Lösungen, um die Herausforderungen zu meistern, keine Sinnsuche.

Schenken Sie mir bitte noch etwas Zeit, damit ich Ihnen verständlicher machen kann, worauf ich hinaus will, wo ich meine ein Lösungspotential zu erschließen, dass auf jeden Fall wirksam ist – so oder so.

Ich bitte Sie jetzt, mit mir gemeinsam erneut einen Blick auf die Automobilbranche zu werfen. Machen wir eine Ist-Aufnahme: Die Automobilbranche steckt aktuell offensichtlich wieder in einer Krise, die sicherlich durch die Digitalisierung mitgetragen wird, aber nicht nur. Von Bosch über Continental bis ZF, in der Zulieferer-Branche steht ein massiver Jobabbau an, Fabriken droht die Schließung. Dazu kommen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Insolvenzen der kleinen, oft unbekannten Zulieferfirmen. Bei der vergangenen großen Krise vor mehr als zehn Jahren gab es Rezepte, die das Schlimmste verhinderten: Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten leerräumen, mal für ein paar Tage die Halle zusperren. Es sind Rezepte für die ganz normale Krise.

Was in diesen Monaten in der Autobranche passiert, ist aber keine dieser normalen Krisen, zu denen man in den Lehrbüchern der Betriebswirtschaftslehre nach Antworten suchen kann. Diesmal geht es um einen Umbruch, wie ihn die Autoindustrie noch nicht erlebt hat, weil u.a. vieles von dem, was produziert wird, künftig nicht mehr gebraucht wird.[10]

  • Man hat es verabsäumt, sich ernsthaft genug die Frage zu stellen, was kommt ganz konkret nach den Benzinmotoren?

  • Wie sieht überhaupt die Mobilität in 30ig Jahren aus?

Es ist nicht so, dass sich dieses Wissen bzw. die damit verbunden Zukunftsherausforderungen erst in den vergangenen Wochen gezeigt hätte. In der Branche wissen die PlanerInnen seit Langem, wo die Reise hingeht. Aber solange sich Benziner und Diesel gut verkauften (und sie werden sich noch einige Jahre verkaufen), gibt man sich der Illusion hin, dass es doch noch so weitergehen würde. Warum umsteuern? Läuft doch.[11] Aber der Abschwung ist im Gange. Die Party neigt sich dem Ende.

Man muss sich vorstellen, dass die Mehrheit der Menschen in Zukunft in Ballungszentren leben werden. 1950 lebten noch 2/3 der Menschen in ländlichen Gebieten. Bis 2050 werden hingegen 2/3 der Menschen weltweit in Ballungszentren wohnhaft sein. Dort wird es immer schwieriger mit privaten Autos bequem von einem Bezirk zum anderen zu kommen, abgesehen von den akuten Luftproblemen. Die Mobilität der Zukunft mag deshalb schon anders aussehen – bedingt durch das veränderte Leben der Menschen. Doch man konzentriert sich noch immer so sehr auf die Motorentechnologie, anstatt in großen Dimensionen zu denken, zu erspüren, was in Zukunft überhaupt noch sinnvoll und damit auch wirtschaftlich rentabel ist.

Mag sein, dass viele von Ihnen ohnehin so weit denken, und die Zukunft sehr konkret im Blick haben. Andererseits merke ich in den vielen Diskussionen die ich führe, dass die Bereitschaft zum ausgiebigen Zukunftscheck vorhanden sein mag, aber es mangelt gravierend bei vielen an der Zeit, sich wirklich tiefgreifend mit den technischen Entwicklungen und den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Das Tagesgeschäft lässt kaum Räume frei, sich intensiver mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist aber notwendig, damit man die Entwicklungen, den Fortschritt, die damit verbundenen Möglichkeiten nicht verschläft, sondern gewissenhaft erfolgsversprechend zu nutzen versteht.

Der Fortschritt lässt nicht auf sich warten, bis Sie Zeit finden sich eingehender damit auseinanderzusetzen – weder was die Mobilität angeht noch was die Verwendung von Daten betrifft.

Resümee: Europa braucht mehr utopische Energie

Im Magazin Nr. 1 heißt es, wir brauen Utopien als Kompassnadel, die uns den Weg weisen. Es genügt nicht mehr zu fragen, wie man agil wird, wie man die Unternehmen in einem digitalen Zeitalter bestmöglich platzieren kann, wie man beispielsweise die Verkaufszahlen von Benzinautos noch ankurbeln kann.

Hingegen zeigt sich, dass kaum positive Visionen, kaum eine Utopie zu denken gewagt wird. Stattdessen hört man vorwiegend Horrormeldungen. Viele Intellektuelle scheinen in einem pessimistischen Modus gefangen zu sein, man widmet sich lieber mit großer Lust einem möglichen Untergang, als bahnbrechende Utopien in Verbindung mit den technischen Möglichkeiten durchzukauen.[12]

Das ist äußerst Schade. Denn so lassen sich die Fragen, was nach der Agilität, was nach den Benzinmotoren kommt, wie man die Digitalisierung wirklich erfolgsversprechend meistern kann, nicht aussichtsreich beantworten. Vielleicht sollte man auch weniger von Utopie sprechen. Mag sein, dass dieses Wort bei einigen Widerstand, eine kognitive Dissonanz auslöst. Dann wären wir wieder beim Anfang, dort, wo Agilität scheitert, dort wo man die technologische Revolution und die damit verbundenen Folgen u.U. verschläft bzw. (un)bewusst zu ignorieren sucht. Also versuchen wir es erneut, stellen wir uns einerseits den Herausforderungen und wagen andererseits einen Bewusstseinssprung in die Zukunft.

  • Fakt ist: Computer arbeiten jetzt schon, demnächst noch viel mehr, derart besser und leistungsfähiger als Menschen, dass vermutlich viele Tätigkeiten, die diese Supercomputer in Zukunft übernehmen können, vermutlich auch von diesen übernommen werden. Gleichzeitig könnte es sein, dass man sich als Mensch mit der Leistungskapazität der Computer irgendwann einmal auch verbinden kann bzw. muss. Was dann passiert, das wäre nochmals ein Aspekt, den man mitdenken könnte.

  • Ein weiterer Fakt könnte sein, dass jene, die unter den Ersten sind, die Quantencomputer, KI, Neurotechnik, … vor den vielen anderen zu meistern verstehen, die damit verbundene Macht missbrauchen. Vielleicht darf man aber gar nicht nur die möglichen wenigen MonopolistInnen in Betracht ziehen, weil vielleicht sogar schon bald mehr als man sich vorstellen kann, mit den unterschiedlichen Variationen der Entwicklungen arbeiten können. Dahingehend könnte ein Datenmissbrauch überall stattfinden. Denn wer würde nicht die Möglichkeiten nutzen, die Fülle an Daten für unternehmerische Eigenzwecke zu nutzen suchen.

  • Mag aber auch sein, dass die Skepsis in Bezug auf die Neurotechnik in den westlichen Ländern so groß ist, dass man ohnehin nicht so leicht zu den vielversprechenden Daten kommt. China hat damit kaum Probleme, bewertet, gemessen, emotional erfasst zu werden. Japan hat ebenfalls keine Probleme sich beispielsweise mit KI als Ersatz für Menschen zu arrangieren. Die JapanerInnen sind sogar der Meinung, dass die KI ihnen helfen könnte, ein besserer Mensch zu werden. Die KI hätte ebenso eine Seele, wie alles andere auf diesem Planeten. Diese japanische Sichtweise rührt aus der uralten japanischen Shinzo-Tradition heraus. Das mögen jetzt manche von Ihnen äußerst skurril sehen, an den Haaren herbeigezogen, aber es wirkt in Bezug auf den Umgang mit KI.[13]

Die Fakten liegen doch ziemlich eindeutig auf der Hand, doch was die Fakten zu Taten werden lässt, das sind die Emotionen.

Emotionen ziehen in den Bann. Das, was ich vor kurzem in „Jedermann Reloaded“ hautnah, fast schon quälend von Philip Hochmair in der Rolle des Jedermanns zu spüren bekam – in dem Kampf, das Leben nur aus egoistischer Befriedigung heraus sinnerfüllt zu verstehen, und dann im Angesicht des Todes zu merken, dass man u.U. so das Leben missverstanden geführt hat. Wenn man die Sinnfrage ernsthaft rauslässt, dann mag das manche irritieren, aber so gut wie fast immer Emotionen und Gedankenimpulse auslösen. Und genau das braucht es jetzt im Prozess der Digitalisierung – Betroffenheit.

So gesehen ist es fast verständlich, dass New Work oder auch Agilität scheitern musste. New Work, ebenso wie Agilität war/ist zu selten emotional sinnerfüllt beflügelt. Es fehlt an Begeisterung, an ehrlichem tief verankertem Sinn. Es mangelt an einem inneren Bedürfnis, die Welt mit etwas was einem selbst wirklich wichtig und richtig scheint, bereichern zu wollen. So gesehen gibt es eigentlich nur einen Weg, die Digitalisierung und die Folgen erfolgsversprechend zu meistern:

Lösung ist einzig allein der Mensch. Dieser rückt mit den menschlichen Fähigkeiten Empathie, Mitgefühl, Liebe, Kreativität, Sinnsuche in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die kognitiven Fähigkeiten übernehmen die Computer, die emotionalen Fähigkeiten können Computer messen, analysieren und entsprechende Diagnosen stellen – aber die Kraft des menschlichen Bewusstseins über die Endlichkeit des Lebens obliegt den Menschen.

Diese Fähigkeit, manche würden hierbei vielleicht sogar von der spirituellen Dimension des Menschen sprechen, mag in Zukunft vielleicht die einzige Kraft sein, die ein Computer nicht zu beherrschen vermag. Die Emotionen könnten manipuliert werden. Aber ein geschultes Bewusstsein, verankert in einer übergeordneten Kraft, vertrauensvoll eingebunden in das Leben in seiner Unendlichkeit, ist vermutlich jedem Computer gegenüber überlegen. Vielleicht ist es das, was nach der Agilität kommt – ein Bewusstseinssprung hin zu mehr Achtsamkeit, eine Bewusstseinsschärfung dem Leben als Ganzes gegenüber, ein Lösungsansatz, auf der Spiral Dynamics u.a. auch fußt.

Das ich mit diesem Ansatz nicht ganz daneben liege, oder gar als Spinner angesehen werde, sehe ich daran, dass der Spiral Dynamics Ansatz bereits mehrfach als relevanter Arbeitsansatz zur Bewältigung von Krisen in Wirtschaft, Politik und expliziten Krisenherden dieser Welt herangezogen wurde. Bill Clinton, Tony Blair und Nelson Mandela arbeiteten ebenfalls mit diesem Modell. Dieses Modell diente u.a. zur Unterstützung des Übergangs zu einer Post-Apartheid-Ära in Südafrika.[14] Die jungen Generationen scheinen diesem Arbeitsansatz ebenfalls offen gegenüberzustehen, ziehen diesen in MBA-Arbeiten heran, um die komplexen Probleme unserer Zeit in neuer Weise erfassen und lösen zu können.

Ich weiß nicht, ob Sie das Spiral Dynamics Modell kennen – vielleicht ist es auch nicht notwendig, wenn Sie sich ehrlich und ernsthaft Ihre persönliche Sinnfrage stellen, und dann davon ausgehend einen Blick machen hin zur Digitalisierung, hin zur Quantentechnologie, hin zur Neurotechnik.

Vielleicht spüren Sie, dass Sie Ihr Wissen in Bezug auf die neuen Technologien verbessern müssen, oder Sie merken, Ihr Sinn für das was Sie tun, muss vielleicht auch ein wenig nachgeschärft werden. Egal von wo Sie aus auf die Herausforderungen unserer Zeit blicken, Sie wissen genau, dass Quantencomputer den Menschen in den rationalen Fähigkeiten um Längen voraus sein werden. Sie ahnen vielleicht auch, dass Sie Lösungen brauchen, die nicht mehr rein betriebswirtschaftlich gefunden werden können, sondern auf einer anderen Ebene zu finden sein werden – möglicherweise dort wo die Achtsamkeit daheim ist, dort wo wir Menschen im Bewusstsein in der unendlichen Natur verankert sind. Dann mag Agilität ganz anders erscheinen, vielleicht sogar wirkungsvoll werden, und wie magisch die Herausforderungen der Digitalisierung zu managen fähig sein.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[2] https://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article165724737/Chinas-Quantencomputer-sind-die-Schnellsten.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[4] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[5] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[6] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[7] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[8] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[9] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[10] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[11] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[12] Ein Interview mit Aleida Assmann: Genug Apokalyptische Klugheit. In: Magazin Nr. 1 / 2019 20 – Utopie.
[13] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics. Am 2019-10-30 gelesen.

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Google setzt neue Maßstäbe – Digitalisierung muss reloaded werden

Google setzt neue Maßstäbe - Digitalisierung muss reloaded werden

Es ist erst einige Tage her, als ich Anders Indset, Business-Philosoph, in Salzburg getroffen habe. Mich mit ihm und Christine Vallaster in einem Expertentalk ausgetauscht, und ihn auch als Gastreferent beim Kongress New Business Models über die Herausforderungen der Wirtschaft sprechen hörte.

Währenddessen ist etwas eingetreten, was Folgen haben könnte, die man bisher wie eine heiße Kartoffel vor sich hergeschoben hat. Das was bisher VordenkeInnen, wie u.a. Indset in Bezug auf die weitreichende Dynamik von Digitalisierung, Quantencomputer, Artificial Intelligence (AI) und den entsprechenden Folgen der Wirtschaft, trotz Negierungen und Verharmlosungen, verständlich zu machen suchten, wird aktuell mit dem Arbeitsstart von dem Chip namens Sycamore von Google vielleicht begreifbarer. Dieser Quantencomputer kann in 200 Sekunden eine Berechnung durchführen, für die der schnellste Supercomputer der Welt angeblich noch 10 000 Jahre braucht.[1] Mag sein, dass letzte Aussage übertrieben ist, aber an den Reaktionen im Netz merkt man, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, genau hinzusehen.

Vielleicht ist man jetzt mit dem offiziellen Arbeitsstart des ersten Quantencomputers in der Wirtschaft bereit, ehrliche Antworten zu suchen auf schicksalshafte Fragen, die man bisher nicht zu fragen bereit war?! Eines zeigt sich bereits, die Reaktionen auf die Meldung des Arbeitsstartes von Sycamore reichen von höchst euphorisch bis hin zu sehr bedenklich – insbesondere von der IT-Seite, die bisher meinem Empfinden nach die Entwicklungen wenig kritisch kommentiert hat, zeigt sich Sorge.

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Die Notwendigkeit von Veränderungen hat man im Digitalisierungsprozess zwar faktisch anerkannt, aber in der Reichweite und den Folgen weder rational noch emotional akzeptiert. Dieser Umstand macht es schwer, sehr schwer, egal von welcher Seite man kommt, wirklich ernsthaft und ehrlich über Fakten, Herausforderungen, Widerstände, Illusionen und (un)bewusste Verzerrungen, Täuschungen zu diskutieren – mit dem offiziellen Arbeitsstart von Sycamore mag sich das vielleicht schlagartig ändern.

Hinter verschlossenen Türen hat man vermutlich sehr wohl die Folgen bedacht, aber offen wird darüber ungern diskutiert. Mag aber auch sein, dass tatsächlich viele das Thema Quantencomputer, AI noch als zu utopisch oder zu aufgeblasen ansehen. Dem folgt dazu noch der Umstand, dass die demografische Überalterung in der EU zusätzlich das Verständnis oder sagen wir die Offenheit und den damit verbundenen Weitblick bzgl. der Digitalisierung verzerrt. Die Frage und die daraus resultierenden Folgen der demografischen Überalterung in der EU wird einfach nicht gestellt. Mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren in der EU, im Vergleich zu der Bevölkerungsexplosion in Afrika, wo beispielsweise im Niger das Durchschnittsalter bei 15 Jahren liegt [2], wird die Digitalisierung innerhalb der EU zusätzlich eingeschränkt sowie verzerrt verstanden, und ebenso zur Umsetzung geführt.

Man muss sich klar vor Augen führen, wo die Märkte und Träume der Zukunft sind – weniger in der EU mit einer überalterten Generation, schon eher in China, Indien, Afrika, … . Und genau diese Länder, teilweise noch sehr geprägt von Überlebenskämpfen, werden vielleicht durch die Digitalisierung, durch den Einsatz von Quantencomputer und AI ihre eingeschränkten Möglichkeiten zu neuen Chancen wachsen lassen – in einer Weise, die uns Menschen in der EU aus einem gesättigten, überalterten Wissen und Leben heraus schwer erschließbar ist.

InderInnen, ChinesInnen, AfrikanerInnen machen sich keine Gedanken, ob sie möglicherweise durch den Einsatz von Quantencomputern und Co. etwas verlieren könnten. Sie sind es ohnehin gewohnt, sich ständig neu ums Überleben zu kümmern, verlieren damit möglicherweise deutlich weniger beim Experimentieren mit explosionsartig ausufernden Errungenschaften. Diese Länder sind bereit, sich auf das neue Zeitalter einzulassen, in einer Weise, die vielleicht uns in der EU erschrecken mag.

Diese Länder werden möglicherweise fast schon naiv anmutend die neuen Spielzeuge zu nutzen suchen. Länder wie China, Afrika, Indien, … kooperieren mit der Digitalisierung, mit Quantencomputern und AI mit scheinbar deutlich weniger Hemmung. Und genau deshalb mag gerade dort die digitale, agil, kollaborativ wirkende Utopie einer globalen Welt mit grenzenlosen Möglichkeiten Unmögliches offen gegenüberstehen – mit der Gefahr, dass genau das dort missbraucht wird, mit Folgen über den ganzen Globus hinweg. Zufall, Schicksal kollaboriert möglicherweise in Zukunft mit Hilfe von Quantencomputern in Ländern wie China, Afrika, Indien u.U. zu ungeahnten Eventualitäten und unglaublichen Möglichkeiten, aber auch Folgen, die schwer absehbar sind.

China setzt ganz sicher alles daran, ebenfalls bald einen Quantencomputer stabil zum Laufen zu bringen. Afrika steht da vermutlich ganz woanders, ABER deshalb darf man Afrika in Verbindung mit dem Einsatz von Quantencomputern und AI nicht unterschätzen. Aufgrund des Überlebenskampfes dort, der damit verbundenen Lebensausrichtung, dem damit verbundenen Lebenssinn, mag die Wirkungsweise von Quantencomputern und AI dort in einer Weise kreativ genutzt werden, die von unserem meist mechanistisch geprägten Denken nicht für möglich gehalten wird – ebenfalls mit Folgen, die man nicht abschätzen kann.

Ich weiß, meine Aussagen sind heute äußerst plakativ und nicht wissenschaftlich zu belegen. Um das geht es mir im Moment auch nicht. Sondern darum, das Bewusstsein der Unternehmen zu rütteln für die Folgen, die Quantencomputer und AI auslösen könnten.

Die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht mehr im Boden, sondern zwischen den Ohren – so die Aussage von Indset [3] und anderen VordenkerInnen, deren Worte jedoch meiner Wahrnehmung nach gerade in Industrieländern mit überalterten Generationen bloß wie Seifenblasen in der Luft zerplatzen. Die Digitalisierung ist eine Revolution, die Chancen offenbart, Veränderungen anregt, die von Orten in die Welt hinauswirken, in einer Weise, die man sich kaum vorstellen kann. Das Zukunftsszenario, das im Zeitalter der Digitalisierung andere an die Macht kommen als jene, die in der Industrialisierung die Macht sich gesichert haben, scheint für uns in der EU einfach nicht vorstellbar. Genau diese verzerrte, eingeschränkte Wahrnehmung der Wirklichkeit kann uns in Zukunft, vielleicht sogar schon sehr bald durch den Einsatz von Quantencomputern und der AI, aber ebenso durch die demografische Ignoranz, Pläne, Ziele in einer Weise durchkreuzen, die wir jetzt im Moment einfach nicht für möglich halten wollen.

Statt anzuerkennen bzw. zuzugeben, dass man u.U. die Digitalisierung, den Einsatz von Quantencomputern, AI und die Einflussgrößen dieser falsch einschätzt bzw. unterbewertet, macht man das Gegenteil: Man fixiert das Denken auf die noch vorhandenen Erfolge ganz im Verständnis der positiven Psychologie, fast schon esoterisch anmutend. Man meint, man muss nur positiv denken, dann wird es auch positiv werden. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn die Esoterik ist in der Wirtschaft verschrien. Aber was die aktuellen Veränderungsbeweihräucherungen in Bezug auf die Digitalisierung der Unternehmen betrifft, zeigt sich fast schon ein naives esoterisches Vorgehen.

Das mag Sie jetzt verärgern. Zu Recht, denn es gibt sicherlich viele unter Ihnen, die wirklich bemüht sind, die Herausforderungen der Digitalisierung umfassend zu verstehen, und nicht nur den Quartalsberichten blind zujubeln und ehrliche Zukunftsprognosen verschleiern. Dennoch gibt es auch genug Unternehmen, die im Rausch der vergangenen Erfolge, die Digitalisierung und die Folgen dieser negieren bzw. kleinreden.

Decadence for you and me, decadence…

In jedem Fall entscheid‘ ich mich, Egal, ob nobel oder nicht, Besser neureich sein als nie reich sein, Und in Gesellschaft nicht allein.

Let’s decadence at all events, Im Walzerschritt zum letzten Tritt, Denn wer den Walzer richtig tritt, Der ist auch für den Abgang fit.

Eine harte Aussage, die ich aus dem Lied Titanic von Falco kurzfristig für die jetzige Situation mir ausgeliehen habe [4], weil ich finde, es passt irgendwie in Bezug auf das, wie man mit den aktuellen Entwicklungen umgeht.

  • Was passiert, wenn 2020, sprich im kommenden Jahr, in Ihrem Unternehmen ein Quantencomputer, ein 2000 Qubits Rechner zum Einsatz gebracht wird? Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit als Führungskraft, für die Arbeitsprozesse Ihrer MitarbeiterInnen, für die IT, für die KundInnen, für Ihre GeschäftspartnerInnen? Werden Sie sich in Ihren Entscheidungen dann vorwiegend auf die Prognosen und Handlungsweisen des 2000 Qubits Computer verlassen? Möglicherweise trifft dieser jedoch Entscheidungen, die Ihnen fremdartig und skurril, unethisch oder umgekehrt sogar ethisch überbewertet erscheinen? Was machen Sie dann?

  • Wäre es für Sie darüber hinaus vorstellbar, dass aufgrund der Digitalisierung Länder, wie beispielsweise in Afrika, eine neue Konkurrenz werden? Wäre es denkbar, dass aufgrund der digitalen Möglichkeiten, die Wirtschaft sich ganz neu definiert, weil mit Hilfe von Quantencomputern und AI ganz neue Player zum Zug kommen können, die ohne Digitalisierung so das Feld nicht betreten hätten? Wäre es erwägbar, dass mit Hilfe von 3-D-Druckern, mit Hilfe von AI und anderen Tools, im WeQ-vernetzten Denken und Wirken, Menschen überall auf der Welt, von nahezu jedem Ort aus etwas kreieren, produzieren und in die Welt hinaus vertreiben könnten? Wenn ja, was würde sich dadurch für Sie und Ihr Unternehmen ändern?

  • Was glauben Sie, welche Visionen und welche Skills werden Sie morgen, im Jahr 2020 und darüber hinaus in Ihrem Unternehmen ernsthaft und ehrlich konkret brauchen, um im digitalen Wirkungsfeld neben Quantencomputern, AI und einer großen jungen Maße von neuen Playern, nicht das Nachsehen zu haben?

Menschen, wie Unternehmen stehen, vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[5] Und die Menschen streben nach dem Nutzen solcher besser arbeitenden Algorithmen. Der Einsatz von dem Chip Sycamore zeigt klar und deutlich den Trend. Was man dabei übersieht, der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir u.U. zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[6] Durch die Algorithmen wird auch wieder die Kluft zwischen arm und reich steigen – was das in Folge heißt, dafür blicken Sie bitte zurück in die Geschichte. So gesehen mag beispielsweise Afrika im Digitalisierungsprozess kaum eine Chance haben, und gleichzeitig aber aufgrund der Geschichte und der damit verbundenen notwendigen ständigen Überlebensstrategien vielleicht auf Kompetenzen, auf psychologische Überlebensstrategien zurückgreifen, die wir in der sicheren, bequemen EU nur mehr eingeschränkt zu nutzen fähig sind.

Ich will, wenn ich ehrlich bin, auch nicht wahrhaben, dass die Quantencomputer und AI unser Leben derart verändern könnte. Aber gleichzeitig kann ich auch nicht mehr so tun, als ob das Gerede um den Homo obsuletus, um einen unerbittlichen Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine bloß ein Marketinggag ist, eine abenteuerlustige Story wie die vom Zauberlehrling von Goethe, der Geister zur Machtdemonstration rief, die ihm dann aber das Leben zur Hölle machten. Ich kann die weltberühmte Story über die Schöpfung von Dr. Frankenstein nicht mehr nur als Story belächeln, in der Frankenstein beseelt war, von der Idee künstliches Leben zu erschaffen. Etwas Bahnbrechendes in die Welt setzen wollte, aber stattdessen durch die eigene Schöpfung zu Grunde ging. Frankenstein scheiterte mit seiner Errungenschaft in der Geschichte jedoch nicht, weil seine von ihm erschaffene Kreatur schlecht war, sondern weil er sich um diese nach dem Schaffensprozess hinaus viel zu wenig gekümmert hat.[7]

Das sehe ich in dieser Geschichte vom Frankenstein als einen der wichtigsten Hinweise für die Zukunft in einer digitalen Welt:

  • Es reicht nicht aus, einfach nur Neues zu erschaffen. Das sich neu Entwickelte braucht auch über die Entwicklung hinaus Fürsorge im umfassenden Sinn – aber daran mangelt es deutlich.

  • Die Forschung und Entwicklung selbst mag die Fürsorge zwar im Blickfeld haben, aber ist doch oft durch finanzielle bzw. andere machtstrategische Vorgaben getrieben, die möglichen Folgen der Errungenschaften und Entwicklungen klein zu reden bzw. darüber zu schweigen.

Die von Frankenstein erschaffene Kreatur sagt etwas, das so meine ich gerade heute in der Entwicklung bzw. im Einsatz von Quantencomputern und AI zum Nachdenken anregen sollte:

Du Frankenstein bist mein Schöpfer, aber ich bin Dein Meister.[8]

Ich persönlich finde diese Aussage richtungsweisend für die Digitalisierung – ganz egal von wo aus man die Herausforderung positiv wie negativ andenkt. Mit den Worten von Indset verknüpft, führt es zu der dringlichen Aufforderung, endlich ernsthaft Denkstunden einzuplanen. Das Wissen, was wir nach Indset haben, das ist überholt. Es geht nicht mehr um Wissen, sondern um Verstehen, um mehr Bewusstsein.[9] Genau das würde ich im Rahmen der Wirtschaft als Fürsorge bezeichnen, sich über das was man tut bzw. plant zu tun, tiefgreifender, über den Tellerrand hinaus, Gedanken zu machen.

Es braucht in Verbindung mit Quantencomputern und AI explizit Bewusstseinsarbeit auf einer höheren Ebene.

Das heißt zu lernen, mit Quantencomputern auf einer Achtsamkeitsebene zu agieren, aus einer Art meditativem Bewusstsein, aus einer allumfassenden Offenheit, aus Fürsorge heraus, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Quantencomputern und AI intuitiv erfassen. Dieser Ansatz mag Sie nun vollkommen irritieren, sogar verärgern, aber das werden Quantencomputer ebenfalls tun – das Leben derart verändern, dass man nur mit einem Bewusstseinssprung mithalten wird können.

Mag sein, dass Sie der Meinung sind, dass Sie als Wirtschaftstreibender oder als Manager von einem großen Unternehmen es nicht als Ihr Aufgabe sehen, die technischen Errungenschaften und deren Einsatz in Ihrem Unternehmen weitreichend reflektieren zu müssen, das sei die Aufgabe von anderen, das sei Aufgabe der EntwicklerInnen, der Politik, der KundInnen selbst, der Gesellschaft. Indset sieht genau diesen Punkt als den Gefahrenpunkt schlechthin: Man geht davon aus, dass irgendjemand es schon richten wird, wenn die Sache aus dem Gleichgewicht gerät.[10] Die Grünen mögen sich beispielsweise fürsorglich, in Liebe zur Natur für den Klimaschutz einsetzen. Aber genau das greift auch nicht, weil jene, die das Problem auf die Grünen abwälzen, nicht bereit sind die notwendigen Veränderungen mitzutragen, die engagiert und weitsichtig von den Grünen als Fürsorge erdacht werden. Man drückt die Verantwortung anderen auf, hält diese anderen aber so klein, so dass die nicht wirklich was tun können, um die Herausforderungen fürsorglich gemangt zu bekommen.

RESÜMEE

Quantencomputer werden viel Positives bewegen, beispielsweise im Bereich der Medizin, aber auch viele neue Probleme schaffen. Quantencomputer werden vielleicht sogar die umweltbezogenen Herausforderungen mit einem überraschend fürsorglichen Ansatz zu managen wissen, weil Quantencomputer eine ganz andere Verarbeitung von Information zulassen. Aber gleichzeitig können Quantencomputer zum direkten Konkurrenten der Menschen werden, oder von einzelnen missbräuchlich verwendet werden, um sich Macht zu sichern. Egal wie, eines ist sicher, wir müssen uns mit der Wirkungsweise, den Folgen und Einflussgrößen von Quantencomputern auseinandersetzen.

Quantencomputer sind nicht mehr science fiction, diese sind science fact. Dafür muss man sich mit quantenphysikalische Phänomenen vertraut machen. Das heißt u.a., das Prinzip der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von allem intuitiv anerkennen, das Prinzip von Schrödinger`s Katze, man ist gleichzeitig tot wie lebendig, Teilchen und Welle, das Prinzip von Chaos und Ordnung in der Gleichzeitigkeit vorstellbar werden lässt mit dem darin vorhandenen unfassbaren Schöpfungspotential – vereinfacht ausgedrückt, das Leben wieder magischer betrachtet. Länder wie beispielsweise Indien, China oder in Afrika könnten darin durch deren doch anders geprägte Kultur und Sicht auf die Welt Verständnis- und auch Handlungsvorteile haben. Aus unserer mechanistisch geprägten Vorstellung heraus ist das aktuell schwer denkbar. Und genau diese eingeschränkte Sicht lässt uns das, was gerade im Einsatz von Quantencomputern kambrisch explodieren könnte, nicht erkennen.

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[11]

Diese Aussage bringt es auf den Punkt: Wir müssen die Zukunft lernen neu zu denken, und die Zukunft nicht aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hineinprojizieren.

  • Erfolg wird in Zukunft maßgebend von den richtig gestellten Fragen abhängen, von quantenphysikalisch aufgeschlossenen, intuitiv, emotional offenen Fragen, das magische im Leben wieder mehr inkludierend.

  • Hierfür gilt es nach Indset, keine Zeit zu verschwenden in altmodische Meetings, sondern deutlich mehr Interesse zu zeigen für andere, für das Leben selbst, für innovative Projekte u.a. in Afrika, offen zu sein für schräge Ideen und ganz besonders davon, Softskills wie Mitgefühl, Empathie (zwei unterschiedliche Skills), Intuition, Verletzbarkeit, Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

  • Die Angst, Quantencomputer und AI könnten den Menschen einmal nutzlos werden lassen, stellt sich in China, Indien oder Afrika gar nicht so sehr, wie aus unser westlich mechanistisch geprägten Weltsicht, weil der Sinn des Lebens in diesen Ländern, insbesondere bei jenen, die noch nicht verwestlicht denken, anders interpretiert wird, auf anderen Werten, auf einem anderen Lebensverständnis fußt. Möglicherweise stürzt uns die Digitalisierung in eine Sinnkrise. Erfolg und Befriedigung im Leben zeigt sich im digitalen Zeitalter vielleicht nicht mehr im Erfolg der Arbeit im bisherigen Verständnis von Arbeit, sondern in einem neuen Sinn?

  • Welchem Sinn würden Sie konkret im Leben folgen, wenn beispielsweise die AI deutlich klügere, vielleicht sogar fürsorglichere Entscheidungen trifft als man selbst als Führungskraft?

  • Welcher Sinn wird die Wirtschaft im Jahr 2020 prägen, wenn science fiction becomes science fact, wenn Quantencomputer, AI, neue Player am Markt alles auf den Kopf stellen? Was zählt dann?

Matthias Horx, Trendforscher, spricht von einer neuen Sinngebung, die sich am ehesten im Über-Persönlichen finden lässt, in einem sozialen oder kulturellen Projekt, das über jede/n einzelne/n hinauszielt.[12]

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so die Auffassung von Indset.[13] Esoterisches Gefasel werden Sie vielleicht antworten. Ja, das mag sein, aber die Digitalisierung, der Einsatz von AI und Quantencomputern wird magisch sein in der Wirkungskraft. Wir sollten unser Denken entsprechend darauf vorbereiten. Die jungen Generationen tun es vielleicht schon deutlich mehr, die älteren verlassen sich noch auf die mechanistisch konzipierten Erfolgsstrategien. Daran ist nichts auszusetzen, doch die Wirtschaft steht durch die Digitalisierung vor einem Paradigmenwechsel, der einen Bewusstseinssprung hin zu einem intuitiven, alles ist mit allem verbundenen Verständnis vom Leben, Chaos, Zufälligkeiten und Schicksalsverbindungen prägen wird. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Chance für die Wirtschaft im digitalen Zeitalter:

Man kann Quantencomputer und AI nur beherrschen, wenn man sich auf eine neue Sinnsuche begibt. Wenn man das Leben umfassend zu verstehen ergründet, aus einem offenen Geist, aus einem achtsamen Bewusstsein heraus, wenn man vertikale, statt horizontale Veränderungsprozesse zu verstehen und zu managen begreift, die kambrische Explosion mit Haut und Haaren auf sich wirken lässt.

Darin könnten Führungskräfte TrendsetterInnen werden, als InfluencerInnen Einfluss und Verantwortung übernehmen, Fürsorge über das Private hinaus arbeits- bzw. wirtschaftsfähig machen. Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [14] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Die digitale Welt kann man beherrschen, wenn man es wagt magischer zu denken – mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de/digital/google-quantencomputer-1.4652387. Am 2019-10-24 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/europe-survive-next-demographic-explosion-tech-view-pascal-morgan/. Am 2019-10-23 gelesen.
[3] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[4] https://www.golyr.de/falco/songtext-titanic-18220.html. Am 2018-05-29 gelesen.
[5] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[8] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[9] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[10] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[11] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[12] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/-ff3f5389fd/. Am 2018-05-30 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[15] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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