Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Es lässt mir keine Ruhe zu wissen bzw. mehr als mir lieb ist vor Ort festzustellen, dass in etwa 75% New Work Prozesse scheitern.[1] Bloß 15-30%, je nach Quelle, können mit agilen Methoden ein bisschen vor sich hindümpeln, ohne jedoch das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen.[2]

Gründe des Scheiterns von New Work

Die Gründe für das umfassende Scheitern von New Work sind nach Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, daran festzuhalten, dass die Mehrheit der Unternehmen in Bezug auf New Work bloß Oberflächenphänomene ändern. Nach ihr finden sich in der Praxis sieben Fehler im Einsatz von New Work:[3]

  • Aktionismus

  • Fragmentiertes Vorgehen

  • Schablonenhaftes Denken

  • Technologieüberhöhung

  • Führungsschwäche an der Spitze

  • Instrumenteneuphorie

  • Kurzsichtigkeit

Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork, sieht in Bezug auf die Praxisfehler von Bruch zwei übergeordnete Aspekte, die auf alle anderen nachfolgenden Aspekte, von denen Bruch spricht, entsprechend hemmend Einfluss nehmen:[4]

  1. Es besteht oft eine (unbewusst) vorhandene Abneigung / Scheu vor New Work.
    Nach außen hin mag man vielleicht hochmotiviert von New Work sprechen, aber im Hintergrund, ungesehen, unbemerkt, unbewusst, lassen kritische Stimmen kein gutes Wort daran. So gesehen ist weniger New Work falsch, sondern das Mindset hat Probleme, sich auf eine neue Arbeitsweise, agil mit flexiblen Strukturen, flachen Hierarchien, kollaborativ, sinnökonomisch, als offene Wissenskultur, einzulassen.

  2. Die Rahmenbedingungen und die damit zusammenhängende Unternehmenskultur müssen für New Work neu aufgestellt werden. Der von Führungskräften notwendige Mindjump, um New Work erfolgsversprechend anzuleiten und zu führen, kann nur dann entsprechend unterstützt werden, wenn die Unternehmen einen passenden Rahmen dafür schaffen. Es gilt umfassend zu verstehen, dass die bisher wirksamen Unternehmenskulturen New Work nicht zu tragen fähig sind, und entsprechend neu erarbeitet werden sollten.

Kann eine Galionsfigur helfen, New Work endlich richtig zum Laufen zu bringen?

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Die vorhin genannten Gründe für das Scheitern von New Work, sind eine grobe Analyse. Ich möchte mich heute mit einem ganz spezifischen Grund für ein mögliches Scheitern auseinandersetzen, der vielleicht seltener diskutiert wird, aber unter Umständen reizvoll wie auch reizbar sein kann – nämlich, dass New Work möglicherweise Galionsfiguren fehlen, oder neudeutsch ausgedrückt Opinion Leader.

Wie komme ich zu der Annahme, dass eine Galionsfigur eventuell New Work auf die Sprünge helfen könnte, und solche fähig wären, New Work aus dem Sumpf des 75%igen Scheiterns zu ziehen – sofern das überhaupt gewünscht ist?! Steve Jobs, Elon Musk, Mark Zuckerberg, …, Pop-Ikonen, BloggerInnen und AktivistInnen, wie die Kapitänin Carola Rackete oder Greta Thunberg, …, kann man als Galionsfiguren bezeichnen. Diese verzeichnen, trotz viel Kritik, Erfolge, von denen andere nur träumen können bzw. wollen. Die Occupy-Bewegung ist dabei ein Sonderfall, sicherlich Feindbild der Wirtschaft, aber meiner Meinung nach spannend in der Analyse, warum diese anfangs so erfolgsversprechend gestartete Bewegung schlussendlich gescheitert ist.

Analyse der Occupy-Bewegung, und was New Work daraus lernen kann

Dieses Phänomen der anfangs gehypten und sogar erfolgsversprechenden Occupy-Bewegung hat mich zum Nachdenken bewegt, und die Vorgehensweise und das Scheitern von der Occupy-Bewegung angeregt, dieses mit der New Work Bewegung zu vergleichen. Das heißt nicht, dass New Work überall scheitert und es keine spannenden und kompetenten Menschen gibt, die New Work erfolgsversprechend verkörpern. Es heißt auch nicht, dass New Work gegen die Wirtschaft arbeitet. Was mich dazu bewegt die beiden Bewegungen zu vergleichen, ist ein Aspekt, der selten in seiner Wirkungsweise umfassend reflektiert wie auch kritisch hinterfragt wird – die Macht der Galionsfiguren, die in so gut wie allen Bereichen, in Wirtschaft, wie auch Kunst, Gesellschaft, Politik, wirken.

Die Occupy-Bewegung als bankenkritischer Protest erreichte eine beachtliche Ausdehnung und eine enorme Aufmerksamkeit. Für viele war die Bewegung ein Wunder. Dabei waren BauarbeiterInnen, ProfessorInnen, StudentInnen, RentnerInnen, Menschen verschiedener Religionen, Gesinnungen und Nationalitäten, auch bekannte Persönlichkeiten.[5] In weniger als 4 Wochen gelang es der Occupy-Bewegung auf Anhieb, eine globale Dimension zu erreichen. In nicht weniger als 911 Städten in 82 Ländern wurde demonstriert. Hunderttausende sind auf die Straße gegangen.[6] Ich war selbst in Frankfurt dabei, im Jahr 2011. Es war unglaublich. Diese Bewegung hat eine Kraft versprüht, die mich persönlich berührt hat. Ich selbst habe nicht mit gestreikt, das muss ich auch sagen. Aber ich war von dem Engagement fasziniert.[7]

Und doch ist die Occupy-Bewegung gescheitert, u.a. an klar benennbaren Forderungen, an einem eindeutigen Adressaten, an einem Konzept, wie man mit dem eigenen Anliegen in die unübersehbaren Legitimationslücken der politisch Verantwortlichen in den Regierungen und Parlamenten vorstoßen kann.[8] Aber darüber hinaus ist diese Bewegung gescheitert, weil es keine Galionsfigur ab – eine solche Widersprach der Bewegung, hat aber damit möglicherweise der Bewegung die Zugkraft genommen.

Es hätte eine Galionsfigur geben können, möglicherweise in Deutschland mit Wolfram Siener. Er konnte gut reden, wurde interviewt, er diskutierte mit PolitikerInnen in Talkshows, JournalistInnen porträtierten ihn als Hoffnungsträger der Generation Occupy. Doch genau das war von der Bewegung selbst nicht gewünscht – diese wollten keine Galionsfigur, keine Führungsfigur, sondern alles basisdemokratisch abstimmen und entsprechend darstellen. Da passt eine Galionsfigur als Träger nicht dazu.

Was danach blieb, ist bloß das bekannte Label „Occupy“, was zu einer Protestmarke geworden ist, deren Name und Form immer wieder von neuen Bewegungen aufgegriffen wird, etwa 2013 „Occupy-Gezi“ in Instanbul oder 2014 „Occupy Cenral with Love and Peace“ in Hongkong. Die Occupier hätten aus ihrer Sicht heute noch Grund genug, erneut zu demonstrieren.[9] Siener meint, er würde bei einem Neuanfang von Occupy nur noch anonym wirken wollen, in einem Kernteam von maximal 50 Personen, die sich vorher ganz genau überlegen, was sie erreichen wollen. Es braucht für einen Neustart unbedingt ein Manifest, Ansprüche müssten zurückgeschraubt und mit kleinen, klaren Forderungen und Lösungsvorschlägen angefangen werden.[10]

Was eine fehlende Galionsfigur betrifft, äußerst sich Siener nicht mehr – er hat sich dabei zu sehr verbrannt. Doch gerade damit vergibt sich vielleicht die Occupy-Bewegung, wie auch andere, einer Kraft, die beispielsweise bei Jobs, Musk, Zuckerberg oder auch wie Thunberg oder der Blogger Rezo, Menschen derart begeistert, dass diese dafür bereit sind, einiges zu tun, Komfortzonen verlassen, für ein neues Ziel, Fleiß, Kreativität, Motivation, Offenheit, Courage an den Tag legen.

Ich verstehe die Diskrepanz, die diese Bewegung hat, die auf Augenhöhe gegen Eliten für faire Lebensentwürfe steht, dass sich diese keine Ikone, die dann möglicherweise die Kraft zu missbrauchen droht, aufbauen wollen. Aber gleichzeitig muss man auch sehen, dass es anscheinend Ikonen braucht, damit manches richtig in Fahrt kommt – selbstverständlich mit der Gefahr, dass die Galionsfiguren irgendwann aufgrund der Macht, die Macht zu missbrauchen beginnen. Doch …

  • Was wäre Apple ohne der Galionsfigur Steve Jobs?

  • Was wäre Tesla ohne Elon Musk, Facebook ohne Mark Zuckerberg?

  • Was wäre Fridays for Future ohne Greta Thunberg?

  • Selbst eine bisher unbekannte Kapitänin namens Carola Rackete der Sea-Watch 3, wird zu einer Galionsfigur für die Rettungschiffe im Mittelmeer, und Menschen sammeln Geld für sie, in Höhen, die mich staunen lassen.

  • Welche Galionsfiguren vertreten New Work?

Sicherlich gibt es welche, aber spontan fallen mir keine ein – ähnlich wie bei Occupy. New Work, dort wo dieses tatsächlich erfolgsversprechend gelebt wird, besteht scheinbar aus vielen kleinen Zellen, die im Verständnis von WeQ wirken. Es gibt kein einzelnes Gesicht, dass eine ganze Gruppe nach außen hin vertritt, damit vielleicht sogar Macht und damit Schubkraft hat. Andererseits zeigt sich gerade am Phänomen Greta, dass sie als Galionsfigur den WeQ-Aspekt in keiner Weise schmälert, sondern sogar als Galionsfigur stärkt. Psychologisch gesehen kann man das damit erklären, dass Greta bewundert wird – sicher nicht von allen, aber zumindest von so vielen, dass damit ein Stein zum Rollen kommt.

Zwei Komponenten wirken: Galionsfiguren und die Bewunderung dieser

Bewunderung ist eine Kraft, die einen anspornt, motiviert, sich selbst zu expandieren, dazu zu lernen, das eigene Selbst erweitern zu wollen. Bewunderung eröffnet neue Perspektiven und Ressourcen. Dabei ist es nicht nötig eine enge Bindung zu dem Bewunderten aufzubauen, die kann oberflächlich sein. Im Fall der Bewunderung kann man das, was diese Menschen erreicht haben, theoretisch auch erreichen, die Leistung der Bewundernden sogar überholen. Die Verehrung hingegen, was man u.a. bei Popgrößen im Verehrungskult, aber vielleicht auch bei Apple-Fans findet, ist als Schwester der Bewunderung mehr ein prekäres und zwiespältiges Gefühl. Die, die man verehrt, wird man so gut wie nie in Bezug auf die Leistungen zu erreichen im Stande sein.[11]

In der rechten Dosis kann jedoch die Verehrung wie auch die Bewunderung Sinn in einer Gemeinschaft stiften – ein wichtiger Aspekt in Veränderungsprozessen, aber im Fall der Verehrung auch zu einer Sucht entgleisen. Verehrende wollen sich ihrer Gruppe unbedingt zugehörig fühlen. Ihre Emotionen empfinden sie als unglaublich und unbeschreiblich. Im Gegensatz zur Bewunderung bleibt die Verehrung jedoch ein heikles und widersprüchliches Gefühl. Menschen, die verehren, sind meist nicht autonom, sagt die Forscherin Ines Schindler, und verlieren leicht den Blick auf die Dinge.[12]

Selbst wenn Verehrung kritisch ist, die Kraft, die Verehrung und Bewunderung zu mobilisieren im Stande sind, sollte zu denken geben. Doch selbst in der Wissenschaft und vermutlich noch seltener in Prozessstrategien im Business, möglicherweise mit Ausnahme in den Marketingabteilungen, wird Bewunderung und Verehrung bewusst thematisiert. Damit vergibt man sich aber vielleicht einer Kraft, die dafür sorgt, dass notwendige Veränderungen erfolgreicher und mit mehr Bejahung durchgezogen werden können. Jobs hat vermutlich die Kraft der Bewunderung und Verehrung instinktiv zu nutzen gewusst, wie unter Umständen auch Musk und Zuckerberg. Das Motto von Jobs lautete: Folge Deinem Instinkt. Es gibt keinen Grund, dass man nicht seinem Herzen folgen soll.[13]

Das heißt, Jobs agierte höchst emotional und intuitiv. Genau damit hat er die Menschen in seinen Bann gezogen – was andererseits auch nicht unumstritten ist. Mit seinen Ideen und der Fähigkeit, vorherzusehen, welche Wünsche die zunehmend digitale Gesellschaft haben wird, ist er zur Galionsfigur einer ganzen Generation geworden. Immer wieder hat er ganze Branchen gezwungen, sich der digitalen Zukunft zu stellen – erst die Musikindustrie mit dem iPod, dann die Telekommunikationsunternehmen mit dem iPhone und schließlich die Verlage mit dem iPad. Damit hat er nahezu alle Bereiche revolutioniert, die das digitale Leben bestimmen. So analysieren es Matthias Hohensee und Michael Kroker in der WirtschaftsWoche. Jobs gelingt wie nur wenigen die totale Verführung der KundInnen. Jobs meistert das wie kein anderer, indem er die Emotionen seiner KundInnen schürt, sagt Trendforscher Saffo.[14]

Ähnlich Musk, der ebenfalls höchst emotional seine Visionen voranbringt, und ebenso Zuckerberg, Greta, Rackete, u.a. Was deren Kraft ausmacht, das sind neben Pioniergeist, Courage, große Visionen, emotional bewegte Visionen, womit sie andere bewegen und berühren, bei anderen Bewunderung auslösen, unter Umständen Verehrung. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Jürgen Schmiederer: Musk gilt als verrückter Visionär, der derart abgehoben daherkommt, u.a. twitterte: Das Gerücht, dass ich nur deshalb ein Raumschiff baue, um zu meinem Heimatplaneten zurückzukehren, ist nicht wahr. Musk ist ein Politikflüsterer.[15]

Musk ist nicht nur verrückt genug zu denken, dass er die Welt retten oder bei Misserfolg zumindest auf einen anderen Planeten übersiedeln kann, er ist auch Meister in der Kunst, Menschen für seine Ideen zu begeistern.[16] Das löst, auch wenn man es ungern zugeben will, irgendwie Bewunderung aus. Musk berührt Menschen mit seinen Träumen, mit seinen Visionen.

Greta hingegen wirkt still und ruhig, löst aber nicht weniger Emotionen aus wie Jobs oder Musk, vielleicht andere. Sie wird für Ihre Visionen, sich für den Klimaschutz einzusetzen, bejubelt, bewundert, verehrt, aber auch sehr kritisiert. Klimaschutz ist bei ihr ein höchst emotionales Thema, das kann man nicht täuschend anderen um die Ohren wickeln – auch wenn das einige so behaupten. Vielleicht ist Greta aufgrund ihres Handicaps Asperger-Syndrom und Zwangsstörungen so vehement, um ihre Störungen zu überwinden – zumindest schien es Greta dahingehend zu helfen, ihre Einschränkungen in den Griff zu bekommen, so erklären es ihre Eltern.[17]

Aber vielleicht ist es genau das, das menschlich Zerbrechliche in Verbindung mit einem sensiblen, emotional umstrittenen Thema, warum Greta so einen Zulauf an Fans und MitstreiterInnen zu aktivieren im Stande ist. Die Bewegung wird weltweit beachtet – auch in den höchsten Etagen der Macht. Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, mit der Bewegung steigt der Druck auf die PolitikerInnen.[18]

Am 20. September 2019 soll eine weltweite Protestbewegung, ein Generalstreik, stattfinden.[19] Ob man will oder nicht, die Fridays for Future Bewegung mobilisiert Menschen, Jugendliche in einer Weise, die ich mit dem Eifer bei New Work Prozessen weniger bemerke.

  • Genau an dem Punkt frage ich mich, wo ist die motivierende Kraft, die New Work antreibt?

  • Was könnte Menschen an New Work emotional so berühren, dass diese bereit sind, sich dafür couragiert zu engagieren?

  • Wen kann man für New Work als Galionsfigur bewundern, und damit vielleicht auch wie bei Jobs, Musk, Greta, … einen Wirkungspush initiieren? Von den rund 25%, die an New Work zumindest nicht scheitern, kann man sicher auch Bewunderung und emotional positive Betroffenheit als Kraft nutzen. Doch wo sind diese treibenden Kräfte zu orten?

Aber vielleicht ist es von „höherer Macht“ nicht gewünscht, dass New Work einen Bewunderungshype und damit wie andere emotional angeregte Bewegungen Erfolg verspricht?! Vielleicht fehlt eine entsprechend ausgerichtete Kommunikation, ähnlich der Sache, dass beispielsweise die alten Energieversorger etwa acht bis zehnmal mehr Termine bei der Kanzlerin Merkel und beim Wirtschaftsminister hatten als die Vertreter der erneuerbaren Energien.[20]

Wie dem auch sei, ich finde, es fehlen der New Work Bewegung anregende Vorbilder, Galionsfiguren, die New Work wie Musk oder Jobs oder Greta als etwas erstrebenswertes, emotional berührendes vermitteln können. Galionsfiguren sind Projektionsflächen, das sollte einem auch bewusst sein, aber haben genau damit Wirkung.[21] Viele Prozesse, nicht nur New Work, wirken jedoch seelenlos wie ein Maschinenaufrüstungsprogramm, technisch gut, rational bestens durchdacht, effizient, aber kaum emotional berührend. Die Ziele sind nicht greifbar, nicht spürbar, sind irgendwelche abstrakten Dinge, mit denen man sich schwer identifizieren kann. Jobs, Musk, Zuckerberg, Greta, … haben hingegen Prozesse in Gang gebracht, die auf greifbare, emotional berührende Bilder zurückgreifen können.

New Work fehlen vielleicht die greifbaren Bilder. Man sprich von technischen Prozessen und den damit verbundenen Veränderungen. Man spricht selten von leiblich spürbaren Dingen, die New Work ebenfalls ausmachen können. Vernetzt arbeiten, sinnökonomisch und kollaborativ wirken, agil sein, mögen Attribute von New Work sein, aber in welcher Weise kann ich davon emotional berührt werden, Zukunftsbilder und mögliche Arbeitsveränderungen emotional spüren, so dass ich mich motiviert sehe, New Work tatkräftig zu unterstützen?

Galionsfiguren mögen umstritten sein, auch aufgrund der Möglichkeit, dass die ansteigende Macht der Ikonen, diese verändern und unter Umständen dazu führt, dass genau jene, die andere inspirieren, sinnvoll Neues zu wagen, dann die Kraft der Inspiration nur noch zu eigenen Gunsten missbrauchen. Aber gleichzeitig muss man zugestehen, dass Galionsfiguren viel bewegen, die Komfortzonen vieler zu überwinden im Stande sind, den Abenteuergeist positiv stimmen, es schaffen eine Gruppe von Menschen dahin zu bewegen, einen großen Schritt zu wagen.

Was können wir von Galionsfiguren für den New Work Prozess lernen?

Galionsfiguren sind Pioniere, zeigen Abenteuergeist

Das liegt jedoch nicht jeder Persönlichkeit, das muss man auch sagen. Kann leicht sein, dass viele Führungskräfte nicht mit einer solchen Persönlichkeitsstruktur ausgerüstet sind – was man aber auch nicht schlecht machen soll. Es gibt lt. Forschung gar nicht so viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.[22]

Nur etwa 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt tatsächlich Spaß am Neuen. 80 Prozent, sprich die Mehrheit der Menschen brauchen hingegen Routinen, Verlässlichkeit, Gewohnheit, um sich wohl zu fühlen – selbst dann, wenn ihnen das Gewohnte nicht guttut. Häusel spricht bei den 80 Prozent von den Balance-Typen, die durch entsprechende im Körper wirkende Antriebssysteme durch das Leben bewegt werden. Pionier- bzw. Abenteuergeist zeigt sich hingegen bloß bei 6 Prozent.[23]

Es gibt lt. Forschung nicht viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.

Das ist jetzt keine Kritik an die Führungsebenen, sondern einfach eine wie es scheint menschliche Tatsache. Vielmehr geht es darum, sich eingestehen zu können, ob man selbst weniger mit Pioniergeist ausgerüstet ist, und in welcher Weise man diese fehlende Kompetenz überwinden bzw. anderweitig lösen kann.

In Verbindung mit dem Pioniergeist wirken Mut und ein entsprechendes Risikomanagement

Mut zählt neben Weisheit, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz zu einer der sechs Grundtugenden.[24]

Mut heißt, ein Risiko, eine angemessene Handlung und ein Ziel verantwortungsbewusst durchgehen. Im Verständnis der Tugend heißt das: Mutig ist, wer sich den richtigen Dingen aus den richtigen Gründen auf die richtige Art zur richtigen Zeit stellt, und dessen Gewissen rein ist.[25]

Manchmal muss man dafür Courage aufbringen, gegen den Strom schwimmen, die Komfortzonen und die damit verbundenen Annehmlichkeiten überwinden, unter Umständen mit neuen Ideen durch einen Hagel von Kritik hinweg tauchen. Courage haben heißt, benevolent und universal agieren. Das bedeutet, dass jemand auch am Wohlergehen anderer Menschen interessiert ist, und das fördern will.[26] Aber das ist leichter gesagt, als getan. Darüber hinaus zeigt sich, dass das Sicherheitsdenken und die Mutlosigkeit in der Gesellschaft zunehmen.[27]

Doch Mut ist entwicklungsfähig. Mut hat viele Facetten und ist äußerst individuell. Zudem ist Mut domänenspezifisch, wie Risikoforscher Thorsten Pachur vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung es nennt. Nur weil man in einem Bereich mutig ist, muss das in anderen noch lange nicht so sein. Um couragiert domänenübergreifend voranschreiten zu können, braucht es die mentale Bereitschaft, echtes Selbstvertrauen, emotionale Stabilität, Stressresistenz und auch eine gute Portion Empathie.[28] Pioniergeist und Mut können jedoch ohne große Visionen wenig bewirken.

Es braucht große Visionen

Es braucht also zusätzlich echte Visionen und keine Scheinziele, die in den Bann ziehen. Musk, Zuckerberg, Greta, … haben solche Visionen. Rackete, die Kapitänin der Sea-Watch 3, hat diese auch, Menschen in Not retten. Sie sagt von sich, sie hätte das Privileg und die Fähigkeit, helfen zu können. Sie ist bereit, dafür sich vor Gericht zu verteidigen und ins Gefängnis zu gehen, weil sie überzeugt ist, dass das was sie tut, richtig ist. Rackete wird damit das neue Gesicht der Flüchtlingskrise.[29] Sie bekam für ihren Einsatz, ihre Vision und die Herausforderungen, die sie zu meistern hat, eine Million Euro als Spende, um ihre Prozesskosten und möglichen Strafzahlungen finanzieren zu können. Der Fall Rackete betrifft jetzt ganz Europa. Ihre Vision, Menschen zu retten, wirkt.[30]

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.[31] Entscheidend ist: Eine Vision soll man nicht hören, sondern spüren.[32]

Visionen brauchen Ideen, aber eben auch die richtige Einstellung. Visionäre Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren.[33] Das Durchhalten gehört dabei genauso dazu, wie der Beginn, Phantasiereisen zuzulassen. Doch die mögliche Aussicht auf schnelles Geld, die mangelnde Fokussierung auf das große Anliegen, auf eine würdevolle Vision, lassen viele Visionen im Keim ersticken. Im Extremfall zeigt sich diese Problematik darin, dass Unternehmen am Kapitalmarkt mehr Geld verdienen als in ihrem eigentlichen Business. Ein Versicherungsunternehmen, das lieber zockt, als die Solidargemeinschaft der Versicherten weiterzuentwickeln, ist visionär auf dem Holzweg.[34]

Resümee

Visionen soll man nicht hören, sondern spüren. Das könnte umgelegt auf New Work heißen, dass es bei New Work an echten Visionen, am Pioniergeist und der damit verbundenen Courage fehlt.

Aber wie ich in diesem Artikel auch schon erwähnt habe, vielleicht ist der Aufruf nach New Work gar nicht so ernst gemeint, bzw. nur in der Weise, dass man selbst davon nicht betroffen sein mag. Mit dieser Herangehensweise kann aber New Work nicht wirken, dann scheitert New Work zu 75 Prozent.[35]

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://www.dgfp.de/aktuell/new-work-transformation-aktive-gestaltung-der-arbeitswelt-40/. Am 2018-11-21 gelesen.
[3] https://www.arbeitenviernull.de/experimentierraeume/kachelinhalt/dialog/heike-bruch.html. Am 2018-11-21 gelesen.
[4] Gespräch mit Andreas Loroch im Rahmen der New Work Safari in Weinheim am 20.11.2018.
[5] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[6] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[7] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[8] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[9] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[10] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[11] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[12] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[13] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[14] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[15] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[16] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[17] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[18] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[19] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[20] http://www.sonnenseite.com/de/franz-alt/kommentare-interviews/weltweiter-streik-fuers-klima-am-20.-september-2019.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[21] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[22] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[23] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[24] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[25] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[26] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[27] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[28] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[29] https://www.derstandard.de/story/2000105559880/das-neue-gesicht-der-fluechtlingskrise-im-mittelmeer. Am 2019-07-09 gelesen.
[30] https://www.derstandard.at/story/2000105689963/sea-watch-3-das-schiff-das-die-asylkrise-wieder-sichtbar. Am 2019-07-09 gelesen.
[31] Keller, Matthias: Wie entwickeln Sie eine Vision? Konkrete Tipps von acht Top Führungskräften renommierter Firmen. In: OrganisationsEntwicklung. Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management. Heft 4/2012. Schwerpunkt: Die Kraft des Träumens in Organisationen.
[32] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[33] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[34] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[35] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.

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