Die Frage nach dem WARUM kann entscheidend sein

 

Die Frage nach dem WARUM kann entscheidend sein

Der Businessalltag ist voll mit Informationen, darüber was man tut, was einem ärgert, wo es hakt. Man spricht über das, was an Fähigkeiten im Business notwendig ist – verstärkt jetzt im digitalen Prozess. Doch wie oft sprechen Sie über das jeweilige Warum?

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  • Warum tun Sie das, was Sie tun?

  • Warum setzen Sie bestimmte Schritte und wollen Veränderungen durchführen?

Vielleicht meinen Sie, Sie agieren ohnehin unentwegt mit Warum-Fragen. Mag sein, dass Sie das Warum im Hintergrund im Kopf haben. Sie versuchen Antworten auf Probleme zu finden, die scheinbar aus einer Warum-Frage heraus entstanden sind.

Doch meiner Erfahrung nach stammen die Antworten weniger aus echten Warum-Fragen, sondern streifen nur am Rande das Warum. Meist sind es Reaktionen auf ein Was, Wie und Erklärungen auf andere Antworten, ohne das Warum konkret in die Antwortfindung einbezogen zu haben. Die Warum-Frage steckt unbeantwortet im Hinterkopf.

Was-Fragen dominieren – Warum?

Es ist ganz normal, dass die Fragen nach dem Was dominieren. Das ist so normal, dass man es kaum in Frage stellt. Warum ist das jedoch so:

Hier wirkt wie so oft die Macht der Gewohnheit. Wir sind es gewohnt, immer zuerst und automatisch nach dem Was und Wie zu fragen. Beobachten Sie sich einmal selbst. Oft kommt als Erstes die Frage: Was ist zu tun, gefolgt von, mit welchen Prozessen kann das umgesetzt werden? Was sind die nächsten Schritte, Meilensteine, Teilziele?[1] Das Was kann schnell delegiert werden, mit dem Was kann man anstehende Aufgaben verständlich und klar verteilen.

Neben der Gewohnheit ist der Zeitmangel bzw. Zeitdruck ebenfalls ein starker Trigger, die Warum-Fragen zur Seite zu schieben. Aber auch Angst und Zweifel wehren sich gerne gegen Warum-Fragen, meist weil man befürchtet, mit einer Warum-Frage im Lösungsfindungsprozess zu langsam zu werden, oder gar neue Probleme zu kreieren – was zum Teil auch so ist. Doch diese, aus einer Warum-Frage heraus quirlenden, scheinbaren neuen Probleme kommen ohnehin irgendwann ans Tageslicht. Meist dann, wenn die Folgen wirklich unangenehm sind und Schaden anrichten.

Mit Warum-Fragen verlassen wir auf jeden Fall die Komfortzone. Das Warum lässt sich nicht so leicht delegieren. Das Warum fordert mehr Zeit. Das Warum verlangt Reflexion, verlangt den Blick in den Spiegel, verlangt Verantwortungsbewusstsein über das Ego hinaus. Das Warum fordert Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung in Verbindung mit Mitgefühl. Das Warum fordert und fördert erfolgsversprechend das Mindful Leadership.

Warum-Fragen initiieren Erfolge

Genau deshalb ist das Warum sehr spannend. Gerade durch die bewusste Begleitung von einem Warum können ungeahnte Erfolge initiiert werden, die man ohne Warum gar nicht andenken, planen und umsetzen würde. Genau dieser Aspekt ist für Simon Sinek, US-amerikanischer Journalist, Autor, Redner, so interessant und erfolgsbegleitend. Deshalb hat er sich bestimmte Fragen gestellt, u.a.:[2]

  • Warum hat Martin Luther King so erfolgreich gegen Diskriminierung wirken können? Die Diskriminierung war doch Millionen von Menschen über einen langen Zeitraum hinweg schon bewusst, und doch war er es, der es schaffte, deutliche Verbesserungen zu initiieren.

  • Warum ist gerade Apple Jahr für Jahr aufs Neue so innovativ? – mit der Anmerkung, dass seit dem Tod von Steve Jobs die Innovationskraft nachlässt.

  • Warum will ein Unternehmen genau das produzieren, was es produziert?

  • Warum arbeitet man in dem bestimmten Unternehmen, in einer bestimmten Position und nicht woanders mit einem ganz anderen beruflichen Background?

Um darauf eine Antwort zu finden, und den Weg zum Erfolg besser zu verstehen, braucht es das Warum.

Das Warum geht jedoch deutlich tiefer, als bloß den Grund anzuführen, Geld zu verdienen. Der finanzielle Erfolg ist wichtig und richtig, aber nur ein Aspekt. Geld zählt zum Außen, zu den Hardfacts, zu den Zahlen und Daten. Das Warum liegt im Verständnis von Sinek in der Tiefe, im inneren Kern der Sache.[3] Dazwischen liegt das Wie, ein Aspekt über den ich in meinen Beiträgen ebenfalls immer wieder schreibe, weil auch das Wie in unserer schnelllebigen Zeit meist zu wenig Beachtung erfährt, aber für Veränderungsprozesse ein äußerst wichtiger Punkt ist. Die meisten Veränderungsprozesse beziehen sich bloß auf den äußeren Bereich, auf das Was. Das Was ist richtig und wichtig, aber um Veränderungen und Erfolge wirklich tiefgreifend und nachhaltig angehen zu können, braucht es auch das Wie und Warum.[4] Simon Sinek hat das mit seinem goldenen Kreis sehr anschaulich widergegeben.[5]

Goldene Kreis der Wirkungsweisen 

Goldener Kreis nach Sinek

Die in diesem Kreis angesprochenen Punkte, decken sich nahezu identisch mit all meinen Erfahrungen und Beobachtungen in Bezug auf das Verhalten von Menschen – auch im Businessalltag. In meinen Verschriftlichungen bzw. in meiner Auffassung verschwimmt jedoch das Wie mit dem Warum. Das hat einen Grund, weil ich in meiner täglichen Arbeit feststelle, dass das Wie und Warum kaum voneinander getrennt behandelt werden kann. Das eine wirkt auf das andere und umgekehrt – zumindest ist das meine Auffassung. Das Wie kann meinem Empfinden nach nicht bloß mit dem Aufsetzen von Prozessen gleichgesetzt werden, sondern das Wie erfordert Einsicht darüber, welche geistige und emotionale Haltung dem Wie zugrunde liegt, denn diese Haltung wirkt auf die Ausführung, auf die Umsetzung, auf die Motivation.[6] Diese Differenz zu Sinek sehe ich jedoch nicht unbedingt relevant, vielmehr sehe ich die Gemeinsamkeit zwischen seiner und meiner Auffassung zu Wirkungsprozessen.

Sinek geht von der Annahme aus, dass jeder erwachsene, gesunde Mensch auf dieser Welt weiß, was er tut. Einige wissen auch, wie sie es tun. Aber nur wenige wissen, warum sie tun, was sie tun. Umgelegt auf Unternehmen stellt Sinek die Fragen:[7]

  • Warum existiert das Unternehmen?

  • Warum macht man genau diesen Job und nicht einen anderen? Welcher Sinn, welches Bedürfnis, welcher Glaube steckt dahinter?

Manche werden darauf vielleicht antworten, um Geld zu verdienen. Ja, das ist ein Grund, aber das kann man auf abertausend Arten machen. Was genau ist es darüber hinaus, warum man den Job macht, den man macht? Sinek meint, zu aller erst kommt das Warum, und daraus ergibt sich erst das Wie und das Was – das gilt auch für CEOs, Manager und Unternehmen.[8] Das Warum kommt aus dem Bauch[9], und der Bauch hat unglaublich viel Wirkungs- und Anziehungskraft.

Versuchen wir nun anhand eines Beispiels den goldenen Kreis zu verstehen.[10] Mag sein, dass Sie meinen, dass sei nicht notwendig, Sie wissen genau, was mit Was, Wie und Warum gemeint ist. Das mag ich Ihnen nicht absprechen, Sie wissen es sicher genau. Manchmal ist es jedoch gut, vorhandenes Wissen zu vertiefen bzw. zu hinterfragen – wie es beispielsweise Bernd Geropp in Bezug auf den goldenen Kreis macht:[11]

  • Fragen wir einmal einen/eine MitarbeiterIn eines IT-Unternehmens danach, was das Unternehmen tut. Als Antwort kann kommen: Wir stellen Computer her. Das entspricht dem äußeren Kreis von Sinek – dem Was.

  • Fragen wir nun weiter nach dem Wie. Der/die MitarbeiterIn wird vielleicht antworten, dass sie schnellere Prozessoren herstellen und das Service besser ist als bei den MitbewerberInnen. Das Wie kann man erkennen, aber nicht aus welcher Haltung heraus das Wie wirkt.

  • Und jetzt fragen wir nach dem Warum – dem Kern. Warum gibt es das Unternehmen, indem der/die MitarbeiterIn tätig ist. Oft ist in Bezug auf so eine oder eine ähnliche Frage ein Schweigen wahrzunehmen, oder die Antwort zu hören: Der Sinn und Zweck ist es Profit zu machen, Geld zu verdienen. Das ist jedoch nicht der Zweck eines Unternehmens, sondern ein Ergebnis.

Hat das Unternehmen eine echte Vision?

Das ist ein relevanter Aspekt, den einige vergessen, der aber Unternehmen zu Fall bringen kann, wie beispielsweise Kodak oder auch Brockhaus. Vor 20ig Jahren hätte ein/e Brockhaus-MitarbeiterIn vielleicht noch stolz gesagt, sie verkaufen großartige Bücher, Enzyklopädien. Warum sie das konkret tun, war vom Bewusstsein her nicht so relevant. Aber dieses nur im Hintergrund, kaum wahrnehmbare Warum hat Brockhaus für die Entwicklungen blind gemacht, und damit den Anschluss an die Online-Welt verpasst.

Das Warum von Brockhaus hätte lauten können: Wir ermöglichen Zugriff auf Wissen.[12] Mit dieser Vision, mit der Beantwortung vom Warum hätte Brockhaus den blinden Fleck erkannt, und damit vielleicht den Sprung ins digitale Zeitalter geschafft. Wikipedia hat sich die Warum-Frage gestellt und die Vision aufgebaut: Stell Dir eine Welt vor, in der jeder einzelne Mensch freien Anteil an der Gesamtheit des Wissens hat.[13] Von diesem Verständnis ausgehend, war Wikipedia deutlich offener und flexibler als Brockhaus. Das Was ist zwar leicht zu argumentieren und in Anweisung zu bringen, aber deutlich weniger offen in Bezug auf Veränderungen.[14] Prof. Dr. Bernd Ankenbrand, Experte für Risiko- und Vertrauenswahrnehmung, Geschäftsmodellinnovation und Sinnökonomie, sieht es ähnlich: Wer sich der Warum-Frage stellt, muss sich auf den Weg machen, eine (Selbst-)Entwicklung und auch Offenheit zulassen.[15]

Die Vision ist jedoch nur ein Aspekt

Es geht vielmehr darum, dass man konkret weiß, warum man tut, was man tut – insbesondere dann, wenn es dem Unternehmen tatsächlich Wert ist, kooperative, mitdenkende MitarbeiterInnen haben zu wollen.[16] Mag sein, dass Sie diese Herangehensweise nervt – es kostet Zeit, ist unter Umständen nicht effizient, oft auch unklar und verschwommen. Das mag sicher für einige unangenehm aufstoßen oder manche gar verärgern. Doch uns sollte bewusst sein, wir sind Menschen – auch im Business und auch dort läuft nicht alles rein mechanistisch ab. Deshalb setzte ich auf das Embodiment-Management, weil es neben fachlich-rationalen Aspekten auch noch systemische und menschliche Wirkungsweisen, u.a. das Warum im Arbeitsalltag zu analysieren vermag und verantwortungsbewusst miteinander zum Wirken bringt.

  • Gehen wir jetzt der Fragen nach, wie Sie vorgehen können, um das Warum näher zu ergründen, entwickeln oder finden zu können?

Beginnen Sie bei sich selbst, mit Ihrer eigenen Person.

  • Was war beispielsweise Ihre Motivation, das Unternehmen zu gründen bzw. für das Unternehmen tätig zu werden?

  • Welche Absichten stehen dahinter?

  • Welchen Zweck hat Ihr Tun? / Was wollen Sie konkret bewirken?

Mit der nächsten Frage können Sie in Bezug auf die vorgehenden Fragen möglicherweise noch ganz andere Aspekte entdecken.

  • Welche Gefühle kommen in Ihnen hoch, wenn Sie sich mit dem Warum Ihres Tuns auseinandersetzen?

  • Gehen Sie Ihren Gefühlen nach, was wollen Ihnen die Gefühle sagen?

Gefühle können der Schlüssel zum Warum sein und eröffnen Aspekte, die ohne Gefühle nur auf der rationalen Ebene einfach nicht zu fassen und zu begreifen sind. Ich weiß, dass die Auseinandersetzung mit Gefühlen im Businesskontext für viele unangenehm ist, einige genervt den Kopf schütteln und andere diesen Bereich im Business verneinen, mit der Begründung: Gefühle haben im Business nichts verloren Business. Das mag von einem Standpunkt aus richtig sein, und deshalb möchte ich diese Sichtweise niemanden nehmen.

Vielleicht hilft es, diesen Standpunkt kurz einmal zu verlassen, wenn ich Ihnen sage, dass die Relevanz vom Warum und die damit verbundenen Gefühle nicht bloß aus einer Laune von Sinek hervorgegangen sind, sondern wissenschaftlich fundiert sind. Eine Studie der Harvard-Wissenschaftler Ryan W. Buell und Ami Kim sowie Chia-Jung Tsay vom University College London bestätigen, dass die Beantwortung der Frage nach dem Warum signifikante Auswirkungen auf die Motivation, das Engagement und die Qualität des Arbeitsergebnisses hat.[17]

Ihr Günther Wagner

 

PS.: Vielen Dank für Ihr Interesse. Wenn Sie persönlich über zukünftige Beiträge informiert werden wollen, dann melden Sie sich einfach über diesen Link an.

 

Literaturquellen:

[1] https://foerster-kreuz.com/warum-sie-wissen-sollten-was-ihre-arbeit-bewirkt/. Am 2018-04-24 gelesen.
[2] https://www.newworkstories.com/simon-sinek-fragt-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[3] https://www.newworkstories.com/simon-sinek-fragt-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[4] https://blog-wagner-consulting.eu/erfolgsgarantie-sinnoekonomie/
[5] https://www.newworkstories.com/simon-sinek-fragt-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[6] https://blog-wagner-consulting.eu/foerderliches-management-statt-frust/.
[7] https://www.newworkstories.com/simon-sinek-fragt-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[8] https://www.newworkstories.com/simon-sinek-fragt-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[9] https://www.schlosser.info/frag-erst-warum-start-with-why/. Am 2018-04-24 gelesen.
[10] https://www.mehr-fuehren.de/die-frage-nach-dem-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[11] https://www.mehr-fuehren.de/die-frage-nach-dem-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[12] https://www.mehr-fuehren.de/die-frage-nach-dem-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[13] https://www.mehr-fuehren.de/die-frage-nach-dem-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[14] https://blog-wagner-consulting.eu/erfolgsgarantie-sinnoekonomie/.
[15] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2018-04-25 gelesen.
[16] https://www.mehr-fuehren.de/die-frage-nach-dem-warum/. Am 2018-04-24 gelesen.
[17] https://foerster-kreuz.com/warum-sie-wissen-sollten-was-ihre-arbeit-bewirkt/. Am 2018-04-24 gelesen.

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