Wer Gedanken zu nutzen versteht, der wird die Zukunft beherrschen

The world´s first ultra-realistic AI artist robot: Ai-Da

Anfang September wollte ich die IFA in Berlin besuchen, die wichtigste Technik Messe der Welt. Die IFA erschien mir wesentlich, um mich mit den neusten Trends und Innovationen auseinanderzusetzen – Trends, die sowohl privat als Konsument*in als auch beruflich relevant scheinen.

Doch es kam anders – ein Umweg bescherte mir eine intensive Auseinandersetzung mit der digitalen Welt der anderen Art, die rückblickend gesehen vermutlich erkenntnisreicher war, als ich mir anfangs zugestanden hätte – warum, das möchte ich Ihnen nun erzählen. Aus privaten Gründen musste ich umdisponieren, und landete kurzfristig statt auf der IFA beim Ars Electronica Festival in Linz, der weltweit angeblich einmaligen Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft.

Äußerlich betrachtet begab ich mich in ein ähnliches Feld – in die Auseinandersetzung mit technischen Innovationen. Aber bei der Ars Electronica eingetroffen, erschien es mir, als ob die beiden Veranstaltungen auf zwei unterschiedlichen Planeten stattfinden würden. Ich war, so muss ich zugeben, sehr irritiert, fühlte mich auf der Ars Electronica deplatziert, wusste nicht, was ich da überhaupt soll. Ich wollte was erfahren über die neuesten technischen Trends. Aus dem heraus wollte ich ableiten, wie sich das auf die Arbeit, die Arbeits- und Kommunikationsprozesse auswirkt. Stattdessen war ich umgeben mit seltsamen Kreationen von Dingen, die ich weder technisch noch emotional, geschweige denn rational und schon gar nicht arbeitstechnisch einzuordnen fand.

Das Motto der Ars Electronica: Out of the Box, traf mich persönlich – warum, weil ich selbst in zahlreichen Artikeln dazu anzuregen versuche, über den Tellerrand zu sehen, die Silos zu verlassen. Doch bei der Ars Electronica musste ich an mir selbst leibhaftig feststellen, wie schwer es mir dort fiel, die eigene Blase zu verlassen und wirtschaftsfremde Interpretationen von technischen Innovationen und Kreationen nicht gleich als sinnlose Spielsachen zu verurteilen.

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Die Ars Electronica zeigte mir Dinge, die ich nicht sehen wollte bzw. Dinge, die mich nicht interessierten, weil mir die Relevanz für die Zukunft, die Relevanz für die Wirtschaft nicht gegeben schien. Ich war fest gefangen in meinem Silo, wie die Digitalisierung bzw. die neuen Technologien die Wirtschaft und das Leben der Menschen beflügeln könnten. Die Ars Electronica machte mir dabei einen Strich durch die Rechnung, und das konnte ich schwer akzeptieren. Aber rückblickend gesehen war das richtig gut, weil genau damit konnte ich etwas erfahren, was ich sonst vielleicht so bei der IFA nicht in Erfahrung bringen hätte können, was aber für die Zukunft meines jetzigen Wissensstandes mir wesentlich scheint.

Ich nehme Sie jetzt mit auf den Weg, die Ars Electronica im Schnelldurchgang spürbar, und damit den möglichen Erfolgsschlüssel der Zukunft begreifbarer werden zu lassen. Manche von Ihnen werden vorweg jetzt meinen, Sie kennen die Schlüssel zum digitalen Durchbruch, Sie arbeiten bereits seit Jahren tagtäglich damit, Sie investieren viel Zeit, Geld, Brain in die Forschung in die neuen Technologien. Sie brauche keine weiteren zusätzlichen Inputs, Sie haben gute, fähige, zukunftsorientiere Mitarbeiter*innen und Berater*innen. Das mag sein. Genau in der Weise dachte ich auch. Aber ich musste feststellen, ich kratze nur an der Oberfläche. Das reichte bisher aus, aber reicht nicht, um die nächsten 20 Jahre erfolgsversprechend zu gestalten.

Wie gesagt, ich haderte mit der Situation, statt auf der IFA bei der Ars Electronica gelandet zu sein, befürchtete viele wichtige Inputs von der IFA zu versäumen. Ich musste, ohne bei der Ars Electronica noch viel gesehen zu haben, bereits nach 20 Minuten einen Not-Espresso trinken – tat dies mitten in dem Wirrwarr an seltsamen Dingen, die ich alles andere als mit technologischem Fortschritt bzw. verheißungsvollen gesellschaftlichen Trends in Verbindung brachte. Wie dem auch sei. Jetzt musste ich für mich entscheiden, entweder weiter hadern, der IFA nachtrauern, der Ars Electronica mit Skepsis bzw. Enttäuschung gegenübertreten, mich damit innerlich sperren, oder die Kraft aufbringen und mich einfach auf das einlassen, was da ist.

Science fiction becomes science fact

Zum Glück fand ich durch meine Tochter bald eine Hilfe für meinen Groll – eine Artificial Intelligence- Woman, eine AI-Dame, ganz konkret eine AI-Malerin. Diese AI-Dame hat mich und meine Tochter in den Bann gezogen. Ihr Gesicht wirkte unfassbar echt, ihr Blick traf uns mitten ins Herz – scheinbar ins Herz. Rational konnte ich verstehen, dass eine AI-Dame mich nicht sieht und damit eigentlich nicht emotional berühren kann, aber emotional reagierte ich trotz Wissen und Reflektion. Meine Tochter, 6 Jahre, meinte, sie sei verliebt in diese Dame, und auch viele andere haben auf die AI-Dame mit positiver emotionaler Berührtheit reagiert. Das hat mich beeindruckt.

Ich sprach mit dem Mentor und Projektinitiator, ein Galerist aus London, der diese AI-Dame vollständig aus Privatmitteln finanziert, und diese in sehr menschlicher Weise zu bauen bzw. zu konstruieren sucht. Er versteht die AI-Dame weniger als konkretes Werkzeug, um damit etwas zu produzieren bzw. etwas erzielen zu wollen, sondern als Intelligenz, mit der man in Kontakt treten und zum Nachdenken angeregt werden kann:

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[1]

Genau an dem Punkt wurde es für mich spannend – gedanklich baute ich die ersten Brücken zur Wirtschaft. Ich schrieb zwar schon einige Male über die mögliche Kraft und Macht von Artificial Intelligence (AI), aber so hautnah habe ich die Wirkungsmacht noch nicht erleben können. Der Einsatz solcher Schöpfungen könnte die Wirtschaft in einer Weise revolutionieren bzw. in eine Richtung bewegen, die man sich kaum vorstellen kann – positiv wie auch negativ. Möglicherweise könnte es einen Konkurrenzkampf geben um die besten AI Programmierer*innen, die mit Hilfe der AI einen Wettlauf um Konsument*innen führen

An der Stelle möchte ich Ihnen ein interessantes weiteres Aufgabengebiet eines AI-Roboters hinzufügen:

  • In Japan in einem 400 Jahre alten Tempel predigt seit neuestem eine AI, ein Roboter, Buddhismus. Die meisten Besucher*innen waren anfangs überrascht, insbesondere davon wie menschlich der Roboter wirkte. Einige spürten eine Wärme, die man niemals so erwarten würde. Andere meinten, der Roboter hätte sie tatsächlich dazu gebracht, gründlicher über Gut und Böse nachzudenken. Mit diesem Roboter soll der Buddhismus in Japan revolutioniert werden. Der Westen reagiert darauf mit scharfer Kritik.[2]

Ich versuche das Experiment mit dem AI-Prediger in Japan aus dem Blick der Ars Electronica zu verstehen, und kann nun aus eigener Erfahrung sagen, eine AI hat Wirkungskraft – und die ist nutzbar für welches Thema auch immer. Die Wirtschaft wird die Kraft und Macht von AI ebenso nutzen wie andere Lebensbereiche, daran führt kein Weg mehr vorbei – in welcher Weise, das wird sich noch zeigen. Einige nutzen ohnehin schon AI, und lassen im Hintergrund die AI für sich arbeiten.

Die AI steckt nicht nur in den Produkten selbst, agiert als Software versteckt aus den jeweiligen Produkten heraus, sondern wird irgendwann einmal vermehrt, wie die AI-Malerin oder der AI-Prediger in Japan, auch die sichtbaren Bühnen des Lebens betreten und als sichtbare Erscheinungen mit Menschen in Kontakt treten. Das wird das Leben beeinflussen, in einer Weise, das kann man sich kaum vorstellen. Ich selbst bin überrascht, wie stark eine AI in Form einer Menschengestalt Wirkung hinterlässt. Das mag zwar für viele kein relevanter Einsatz von AI sein. Die AI mag für viele einfach bloß eine verbesserte Programmierung sein. Doch die Wirkungskraft geht weit darüber hinaus – jetzt schon unsichtbar und irgendwann einmal auch sichtbar.

Die AI ist eine künstliche Intelligenz. Als solche schafft die AI vieles nicht, was wir Menschen geschaffen haben. Aber das ist gar nicht der relevante Punkt, sondern der, dass wir Menschen auf all das, was die AI uns vorgibt, reagieren. An dem Punkt wird es wirklich gewichtig und spannend, und genau das konnte ich bei der Ars Electronica leibhaftig erfahrenen. Mit einem etwas anderen Verständnis von AI, weniger, dass die AI technisch unfassbar viel kann, sondern, dass Menschen indirekt über die AI andere Menschen gezielter, direkter, ansprechen wollen und können, und die davon sich sogar angesprochen fühlen – darin sehe ich die AI als ein wirklich neues Machtinstrument.

Mit diesem anderen Zugang zur AI bin ich dann weiter durch die Veranstaltung – begegnete einem seltsamen Ding, das aussah wie eine Krake. Anfangs sah ich das Ding als Gag von einem Künstler, ein witziges Spiel, aber mehr auch nicht. Aber nun sah ich, welche Kraft und Macht von der Krake ausgehen könnte:

  • Die Krake, ausgerüstet mit AI, verstand es, die Gefühle der Menschen miteinander zu verknüpfen. Durch die Krakenarme und den darin befindlichen Kameras konnten die Menschen sich gegenseitig sehen, wie auch sich selbst. Die Reaktionen der Menschen aufeinander, suchte die Krake zu analysieren und reagierte als Krake selbst darauf. Das hat wiederum einen Rückkoppelungseffekt auf die Menschen, die durch die Arme der Krake schauten.

So verspielt dieses Ding wirkte, so unbeschwert und eigentlich sinnlos für das Leben, ganz zu schweigen für die Arbeit, so tiefgreifend untergründig kann das Ding jedoch Menschen bewegen, beeinflussen. Und wer weiß, in welcher Weise die darin wirkende AI einmal in einem anderen Kontext eingesetzt werden kann, um Menschen miteinander gezielt zu verbinden und dahingehend zu bewegen, etwas Bestimmtes zu tun?!

Die AI-Malerin und die Krake waren nur 2 Beispiele von unzähligen Spielzeugen, so nenne ich die vielfältigsten Kreaturen auf der Ars Electronica flapsig, die mit Hilfe der AI die Gedanken der Besucher*innen zu interpretieren im Stande waren, und gleichzeitig damit rückkoppelnd Einfluss auf das Denken nahmen. Ich sah Filme, wo ich es nicht für möglich hielt, dass diese rein nur von AI produziert worden sind, sprich Stories, Bilder, Schnitt, alles von AI erschaffen wurde. Diese Filme waren erstaunlich menschlich und menschlich tiefgründig, haben zum Denken angeregt – genau das, was ich von einem AI-Film so nicht erwartet hätte.

Damit, sprich mit AI können in Zukunft Texte, Musik, Filme, Malereien, aber auch Kleidung, Gegenstände, … Menschen ganz gezielt rational wie eben auch emotional berühren. Ich habe beim Großen Konzert Mahlers Unvollendete vollendet gehört. Ich hätte nicht angenommen, dass eine AI diese Symphonie in einer so berührenden Weise zu Ende komponieren kann. Das hat mich beeindruckt, nein, viel mehr, es hat mich emotional berührt. Und genau an dem Punkt wird die AI meiner Meinung nach unfassbar mächtig – u.a. ein Grund, warum bereits die ersten Roboter-Psycholog*innen wie Martina Mara u.a. dieses neue Berufsfeld eröffnen.

Die AI wird nicht nur Fließbandtätigkeiten, gesamte Produktionszyklen übernehmen, sondern selbst in Berufsfeldern zum Einsatz kommen, die man sich aktuell noch schwer vorstellen kann. Nicht grundlos arbeitet Yamaha so gezielt an dem selbstspielenden Klavier, das in einigen Sekunden die aktuelle Stimmung der Welt in einer Komposition zum Ausdruck bringen kann – und das ist bloß eines von unfassbar vielen Raffinessen von dem selbstspielenden Klavier, das ständig dazulernt und das Publikum, uns Menschen, zu berühren versteht.

Mag sein, dass Sie die Kraft und Macht von AI ohnehin schon selbst erfahren haben, bzw. vielleicht sogar schon seit einiger Zeit in Ihrem Unternehmen als neues Tool zu integrieren suchen. Mag sein, dass Sie in der leibhaftigen Erfahrung mit einer AI gar nicht viel Spannendes und Anregendes gefunden haben, und den Hype, die Kraft und Macht von AI als überzeichnet sehen. Dann mögen meine Erfahrungen und Annahmen für Sie vermutlich naiv bzw. unrelevant erscheinen. Mag aber auch sein, dass Sie sich selbst, so wie ich mich nach diesen letzten Eindrücken bei der Ars Electronica, aktuell als ziemlicher Laie, als naive(r) Amateur*in im Umgang mit AI sehen. Wenn Sie es so für sich beurteilen, dann können wir uns die Hand reichen und uns gemeinsam in den nächsten Jahren auf das Abenteuer AI einlassen.

Resümee

Die Ars Electronica hat mir persönlich gezeigt, dass ich selbst im Umgang mit technischen Errungenschaften nur an der Oberfläche kratze, keine echte Ahnung habe, was diese Technologien eigentlich wirklich im Stande sind zu bewegen – nämlich, mein Leben tiefgreifender beeinflussen als ich das zu durchschauen fähig bin. Im Laufe der 2 Tage bei der Ars Electronica habe ich für mich persönlich geschlussfolgert:

Die Gedanken der Menschen in Verbindung mit der AI werden zu einem der mächtigsten Instrumente der Zukunft. Wer die Gedanken tiefgründig zu nutzen beherrscht, die eigenen wie die der anderen, der bewegt die Zukunft!

Das ist doch nichts Neues – werden jetzt viele denken. Das war doch schon immer so. Das ist auch der Grund, warum Werbung, härter ausgedrückt, Manipulation wirkt, und Manipulation seit menschheitsgedenken zu nutzen gesucht wird – ja und nein.

Die Kraft der Gedanken hat schon immer Menschen bewegt. Aber noch nie waren Menschen dahingehend beeinflusst, nicht direkt von Menschen selbst gelenkt zu werden, sondern indirekt durch AI, durch selbstlernende Softwarelösungen emotional getriggert zu werden.

Ich dachte von mir selbst, AI würden emotional nicht wirklich berühren, und so hätte man ohnehin eine gute Kontrolle über den Einfluss von AI auf das eigene Leben. Aber das muss ich, so fürchte ich, revidieren. Sicherlich, wenn ich mein Leben gedanklich und emotional ständig reflektiere, kann ich einiges an Einflüssen abwehren. Aber das erfordert viel Kraft – Gedankenkraft – jenen Schlüssel, den die AI für sich ebenfalls zu nutzen versteht, in einer Art und Weise, die man sich nur sehr schwer vorstellen kann.

Die AI als solche ist weder gut noch schlecht

  • Auf der Ars Electronica spürt man einen äußerst positiven Esprit ausgehend von jenen, die mit AI arbeiten. Deren Offenheit in Bezug auf AI lässt aber auch Kritik zu.

  • An dem Punkt unterscheidet sich die Wirtschaft von den Wissenschaftler*innen und Künstler*innen die ich bei Ars Electronica erlebt habe.

  • Alle gemeinsam nutzen AI, aber die offene Auseinandersetzung und kritische Fragen werden bei der Wirtschaft aus Zeitgründen zu oft ausgespart, oder aus wirtschaftlichen Bedenken nur hinter verschlossenen Türen geführt.

Dahingehend bietet vermutlich die Ars Electronica mehr Einblicke als vielleicht die IFA. Die IFA hätte mir auf der Oberfläche, sprich auf der äußerlichen, sichtbaren Produktebene sicherlich weit mehr zeigen können als die Ars Electronica. Die IFA hätte mir die neuesten Trends und Applications von Smartphones, Smart-Homes, Smart-Cars, von unzähligen neuen anderen Produkten und Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten, zeigen können. Aber eines hätte die IFA vermutlich nicht so offen dargestellt, die Hinterbühnen – all das, was die Produkte in sich verbergen, die Wirkungskräfte, u.a. den Einsatz von AI, die hinter bzw. in den Produkten stecken, mit welcher die Menschen in Kontakt treten und von welcher die Menschen beeinflusst werden.

  • Jetzt mögen Sie vermutlich aufschreien und sagen, dass es für Unternehmen legitim sei entsprechend den Möglichkeiten, sprich auch mit Hilfe von AI, Konsument*innen von Produkten zu überzeugen, Konsument*innen mit Produkten fit für die Zukunft zu machen. Die AI ist einfach nur ein neues Hilfsmittel, um Produkte noch besser zu machen. Das einzusetzen bzw. zu nutzen, muss man nicht explizit erwähnen und auf die möglichen Folgen hinweisen.

  • Die Wirtschaft befindet sich immerfort in der Weiterentwicklung, und kann nicht ständig jeden Schritt für jeden Menschen auf dieser Welt erklärbar und diskutierbar werden lassen. Ja, das mag stimmen. Aber mit Hilfe der AI wird vielleicht die Art und Weise was und wie konsumiert wird, wie finanztechnisch agiert wird, derart intensiv und schnell beeinflusst, dass man nicht abschätzen kann, wohin das womöglich führt. Ich fürchte, wir unterschätzen die AI – aber nicht, weil diese böse ist, sondern weil wir uns einfach zu wenig mit der AI auseinandersetzen.

Die Ars Electronica schafft es meiner Meinung nach, mehr Reflexion und Auseinandersetzung mit einer verspielten Offenheit gegenüber den neuesten technologischen Innovationen in eine annehmbare Kommunikation zu führen als es in der Wirtschaft vorzufinden ist. Ohne Scheu und ohne Hemmung wird auf der Ars Electronica mit der AI kommuniziert, und diese in schrägen Produkten und Kunstobjekten berühr- und erlebbar gemacht – so, dass selbst ich, der mit Skepsis der AI gegenübertritt, mich dieser anders nähern konnte als zuvor.

Nicht grundlos schreibt Katrin-Cécile Ziegler, Digital Economist, Speakerin, TV & Event-Moderatorin, dass die Ars Electronica ein Pflichtbildungsprogramm sein sollte für alle jene, die mit digitalen Technologien zu tun haben. Und der Bundespräsident von Österreich, Alexander Van der Bellen, meint, die Zeiten, wo die Technik allein den Ton angibt, sind vorbei. Die neuesten Technologien erfordern ein Wissen, dass den rein technologischen Rahmen sprengt. Das Wissen muss breitgefächert entwickelt werden, muss aus der Verbindung unterschiedlichster Lebens- und Arbeitsbereiche heraus entstehen. Dahingehend ist die Ars Electronica einmalig in der Welt.

Wen dem so ist, so sollte man meinen, dass auf der Ars Electronica auch die Wirtschaft vertreten ist. Aber das kann ich nicht bestätigen. Ich habe auf der Ars Electronica kaum Menschen aus der Industrie bzw. große Wirtschaftsunternehmen gesehen – vielleicht waren manche inkognito dort unterwegs, so wie ich selbst. Die Ars Electronica zieht scheinbar vermehrt einen Haufen von Individualist*innen aus unterschiedlichsten Wissenschaften und Kunst aus der ganzen Welt an – aber scheinbar kaum Menschen aus der Wirtschaft. Ich als Wirtschaftsnaher fühlte mich dort jedenfalls wie ein Außerirdischer. Woran das liegt – ich kann nur eine spekulative Antwort geben:

  • Vielleicht löst die Ars Electronica das bei der Wirtschaft aus, worüber ich vor 2 Wochen in dem Artikel Zukünftige Wachstumsmärkte schrieb – eine kognitive Dissonanz.

  • Warum, weil eine tiefgründige, breitgefächerte, den wirtschaftlichen Rahmen verlassende Auseinandersetzung mit neuen Technologien alles andere als leicht zu verdauen ist, viel mehr sogar das Gegenteil bewirkt, sprich schwer und fürs erste fast unverdaulich im Magen liegt. Die Wirtschaft möchte schnelle, leichte Lösungen. Das bietet die Ars Electronica nicht. Es gibt keine Produkte, die man hypen kann, keine Applikationen, die leicht von der Hand gehen und mit denen man den Lebens- und Arbeitsalltag bestens bewältigt. Stattdessen bietet die Ars Electronica Einblicke in schräge Gedankenexperimente, die manchmal auch unangenehm drücken, schwer in den Alltag einzuordnen sind, dahingehend wirken, dass man auf sich selbst zurückgeworfen wird – darauf, sich bewusst zu werden, dass die eigenen Gedanken der Schlüssel sind für das, was man auf der Welt vorzufinden wünscht, und der Schlüssel sind für die Wirkungskräfte der neuen Technologien.

Beherrscht man die Gedanken, dann beherrscht man die Zukunft. Das sagt sich so leicht, aber das ist hochgradig anstrengend und bedarf sehr viel Bewusstseinsarbeit in einer Weise, die wir so wie die neuen Technologien es fordern, kaum im Stande sind in der notwendigen Art über den gesamten Arbeitstag halten zu können – dafür müssten wir Meditationsmeister*innen sein. Aber vielleicht hilft uns dabei demnächst eine AI?

Ich jedenfalls bin zu dem Schluss gekommen, dass ich deutlich mehr an mir selbst und meinen Gedanken arbeiten möchte (muss), um die Fähigkeit aufzubringen, mich auf die neue Zeit mit AI mit neuen Möglichkeiten und Chancen bestmöglich einzustellen. Und genau das finde ich sogar reizvoll. Genau genommen komme ich sogar wieder dorthin zurück, wo ich schon einmal war, aber diesen Pfad ein wenig aus den Augen verlor. Wie dem auch sei, angeregt durch die Ars Electronica, durch diesen Umweg, bin ich reaktiviert, mich wieder vermehrt mit Bewusstseinsarbeit auseinanderzusetzen, um mit den neuesten Innovationen, mit AI sinnvoll und auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[2] https://www.n-tv.de/wissen/Roboter-predigt-in-buddhistischem-Tempel-article21258643.html. Am 2019-09-11 gelesen.

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