Google setzt neue Maßstäbe – Digitalisierung muss reloaded werden

Google setzt neue Maßstäbe - Digitalisierung muss reloaded werden

Es ist erst einige Tage her, als ich Anders Indset, Business-Philosoph, in Salzburg getroffen habe. Mich mit ihm und Christine Vallaster in einem Expertentalk ausgetauscht, und ihn auch als Gastreferent beim Kongress New Business Models über die Herausforderungen der Wirtschaft sprechen hörte.

Währenddessen ist etwas eingetreten, was Folgen haben könnte, die man bisher wie eine heiße Kartoffel vor sich hergeschoben hat. Das was bisher VordenkeInnen, wie u.a. Indset in Bezug auf die weitreichende Dynamik von Digitalisierung, Quantencomputer, Artificial Intelligence (AI) und den entsprechenden Folgen der Wirtschaft, trotz Negierungen und Verharmlosungen, verständlich zu machen suchten, wird aktuell mit dem Arbeitsstart von dem Chip namens Sycamore von Google vielleicht begreifbarer. Dieser Quantencomputer kann in 200 Sekunden eine Berechnung durchführen, für die der schnellste Supercomputer der Welt angeblich noch 10 000 Jahre braucht.[1] Mag sein, dass letzte Aussage übertrieben ist, aber an den Reaktionen im Netz merkt man, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, genau hinzusehen.

Vielleicht ist man jetzt mit dem offiziellen Arbeitsstart des ersten Quantencomputers in der Wirtschaft bereit, ehrliche Antworten zu suchen auf schicksalshafte Fragen, die man bisher nicht zu fragen bereit war?! Eines zeigt sich bereits, die Reaktionen auf die Meldung des Arbeitsstartes von Sycamore reichen von höchst euphorisch bis hin zu sehr bedenklich – insbesondere von der IT-Seite, die bisher meinem Empfinden nach die Entwicklungen wenig kritisch kommentiert hat, zeigt sich Sorge.

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Die Notwendigkeit von Veränderungen hat man im Digitalisierungsprozess zwar faktisch anerkannt, aber in der Reichweite und den Folgen weder rational noch emotional akzeptiert. Dieser Umstand macht es schwer, sehr schwer, egal von welcher Seite man kommt, wirklich ernsthaft und ehrlich über Fakten, Herausforderungen, Widerstände, Illusionen und (un)bewusste Verzerrungen, Täuschungen zu diskutieren – mit dem offiziellen Arbeitsstart von Sycamore mag sich das vielleicht schlagartig ändern.

Hinter verschlossenen Türen hat man vermutlich sehr wohl die Folgen bedacht, aber offen wird darüber ungern diskutiert. Mag aber auch sein, dass tatsächlich viele das Thema Quantencomputer, AI noch als zu utopisch oder zu aufgeblasen ansehen. Dem folgt dazu noch der Umstand, dass die demografische Überalterung in der EU zusätzlich das Verständnis oder sagen wir die Offenheit und den damit verbundenen Weitblick bzgl. der Digitalisierung verzerrt. Die Frage und die daraus resultierenden Folgen der demografischen Überalterung in der EU wird einfach nicht gestellt. Mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren in der EU, im Vergleich zu der Bevölkerungsexplosion in Afrika, wo beispielsweise im Niger das Durchschnittsalter bei 15 Jahren liegt [2], wird die Digitalisierung innerhalb der EU zusätzlich eingeschränkt sowie verzerrt verstanden, und ebenso zur Umsetzung geführt.

Man muss sich klar vor Augen führen, wo die Märkte und Träume der Zukunft sind – weniger in der EU mit einer überalterten Generation, schon eher in China, Indien, Afrika, … . Und genau diese Länder, teilweise noch sehr geprägt von Überlebenskämpfen, werden vielleicht durch die Digitalisierung, durch den Einsatz von Quantencomputer und AI ihre eingeschränkten Möglichkeiten zu neuen Chancen wachsen lassen – in einer Weise, die uns Menschen in der EU aus einem gesättigten, überalterten Wissen und Leben heraus schwer erschließbar ist.

InderInnen, ChinesInnen, AfrikanerInnen machen sich keine Gedanken, ob sie möglicherweise durch den Einsatz von Quantencomputern und Co. etwas verlieren könnten. Sie sind es ohnehin gewohnt, sich ständig neu ums Überleben zu kümmern, verlieren damit möglicherweise deutlich weniger beim Experimentieren mit explosionsartig ausufernden Errungenschaften. Diese Länder sind bereit, sich auf das neue Zeitalter einzulassen, in einer Weise, die vielleicht uns in der EU erschrecken mag.

Diese Länder werden möglicherweise fast schon naiv anmutend die neuen Spielzeuge zu nutzen suchen. Länder wie China, Afrika, Indien, … kooperieren mit der Digitalisierung, mit Quantencomputern und AI mit scheinbar deutlich weniger Hemmung. Und genau deshalb mag gerade dort die digitale, agil, kollaborativ wirkende Utopie einer globalen Welt mit grenzenlosen Möglichkeiten Unmögliches offen gegenüberstehen – mit der Gefahr, dass genau das dort missbraucht wird, mit Folgen über den ganzen Globus hinweg. Zufall, Schicksal kollaboriert möglicherweise in Zukunft mit Hilfe von Quantencomputern in Ländern wie China, Afrika, Indien u.U. zu ungeahnten Eventualitäten und unglaublichen Möglichkeiten, aber auch Folgen, die schwer absehbar sind.

China setzt ganz sicher alles daran, ebenfalls bald einen Quantencomputer stabil zum Laufen zu bringen. Afrika steht da vermutlich ganz woanders, ABER deshalb darf man Afrika in Verbindung mit dem Einsatz von Quantencomputern und AI nicht unterschätzen. Aufgrund des Überlebenskampfes dort, der damit verbundenen Lebensausrichtung, dem damit verbundenen Lebenssinn, mag die Wirkungsweise von Quantencomputern und AI dort in einer Weise kreativ genutzt werden, die von unserem meist mechanistisch geprägten Denken nicht für möglich gehalten wird – ebenfalls mit Folgen, die man nicht abschätzen kann.

Ich weiß, meine Aussagen sind heute äußerst plakativ und nicht wissenschaftlich zu belegen. Um das geht es mir im Moment auch nicht. Sondern darum, das Bewusstsein der Unternehmen zu rütteln für die Folgen, die Quantencomputer und AI auslösen könnten.

Die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht mehr im Boden, sondern zwischen den Ohren – so die Aussage von Indset [3] und anderen VordenkerInnen, deren Worte jedoch meiner Wahrnehmung nach gerade in Industrieländern mit überalterten Generationen bloß wie Seifenblasen in der Luft zerplatzen. Die Digitalisierung ist eine Revolution, die Chancen offenbart, Veränderungen anregt, die von Orten in die Welt hinauswirken, in einer Weise, die man sich kaum vorstellen kann. Das Zukunftsszenario, das im Zeitalter der Digitalisierung andere an die Macht kommen als jene, die in der Industrialisierung die Macht sich gesichert haben, scheint für uns in der EU einfach nicht vorstellbar. Genau diese verzerrte, eingeschränkte Wahrnehmung der Wirklichkeit kann uns in Zukunft, vielleicht sogar schon sehr bald durch den Einsatz von Quantencomputern und der AI, aber ebenso durch die demografische Ignoranz, Pläne, Ziele in einer Weise durchkreuzen, die wir jetzt im Moment einfach nicht für möglich halten wollen.

Statt anzuerkennen bzw. zuzugeben, dass man u.U. die Digitalisierung, den Einsatz von Quantencomputern, AI und die Einflussgrößen dieser falsch einschätzt bzw. unterbewertet, macht man das Gegenteil: Man fixiert das Denken auf die noch vorhandenen Erfolge ganz im Verständnis der positiven Psychologie, fast schon esoterisch anmutend. Man meint, man muss nur positiv denken, dann wird es auch positiv werden. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn die Esoterik ist in der Wirtschaft verschrien. Aber was die aktuellen Veränderungsbeweihräucherungen in Bezug auf die Digitalisierung der Unternehmen betrifft, zeigt sich fast schon ein naives esoterisches Vorgehen.

Das mag Sie jetzt verärgern. Zu Recht, denn es gibt sicherlich viele unter Ihnen, die wirklich bemüht sind, die Herausforderungen der Digitalisierung umfassend zu verstehen, und nicht nur den Quartalsberichten blind zujubeln und ehrliche Zukunftsprognosen verschleiern. Dennoch gibt es auch genug Unternehmen, die im Rausch der vergangenen Erfolge, die Digitalisierung und die Folgen dieser negieren bzw. kleinreden.

Decadence for you and me, decadence…

In jedem Fall entscheid‘ ich mich, Egal, ob nobel oder nicht, Besser neureich sein als nie reich sein, Und in Gesellschaft nicht allein.

Let’s decadence at all events, Im Walzerschritt zum letzten Tritt, Denn wer den Walzer richtig tritt, Der ist auch für den Abgang fit.

Eine harte Aussage, die ich aus dem Lied Titanic von Falco kurzfristig für die jetzige Situation mir ausgeliehen habe [4], weil ich finde, es passt irgendwie in Bezug auf das, wie man mit den aktuellen Entwicklungen umgeht.

  • Was passiert, wenn 2020, sprich im kommenden Jahr, in Ihrem Unternehmen ein Quantencomputer, ein 2000 Qubits Rechner zum Einsatz gebracht wird? Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit als Führungskraft, für die Arbeitsprozesse Ihrer MitarbeiterInnen, für die IT, für die KundInnen, für Ihre GeschäftspartnerInnen? Werden Sie sich in Ihren Entscheidungen dann vorwiegend auf die Prognosen und Handlungsweisen des 2000 Qubits Computer verlassen? Möglicherweise trifft dieser jedoch Entscheidungen, die Ihnen fremdartig und skurril, unethisch oder umgekehrt sogar ethisch überbewertet erscheinen? Was machen Sie dann?

  • Wäre es für Sie darüber hinaus vorstellbar, dass aufgrund der Digitalisierung Länder, wie beispielsweise in Afrika, eine neue Konkurrenz werden? Wäre es denkbar, dass aufgrund der digitalen Möglichkeiten, die Wirtschaft sich ganz neu definiert, weil mit Hilfe von Quantencomputern und AI ganz neue Player zum Zug kommen können, die ohne Digitalisierung so das Feld nicht betreten hätten? Wäre es erwägbar, dass mit Hilfe von 3-D-Druckern, mit Hilfe von AI und anderen Tools, im WeQ-vernetzten Denken und Wirken, Menschen überall auf der Welt, von nahezu jedem Ort aus etwas kreieren, produzieren und in die Welt hinaus vertreiben könnten? Wenn ja, was würde sich dadurch für Sie und Ihr Unternehmen ändern?

  • Was glauben Sie, welche Visionen und welche Skills werden Sie morgen, im Jahr 2020 und darüber hinaus in Ihrem Unternehmen ernsthaft und ehrlich konkret brauchen, um im digitalen Wirkungsfeld neben Quantencomputern, AI und einer großen jungen Maße von neuen Playern, nicht das Nachsehen zu haben?

Menschen, wie Unternehmen stehen, vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[5] Und die Menschen streben nach dem Nutzen solcher besser arbeitenden Algorithmen. Der Einsatz von dem Chip Sycamore zeigt klar und deutlich den Trend. Was man dabei übersieht, der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir u.U. zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[6] Durch die Algorithmen wird auch wieder die Kluft zwischen arm und reich steigen – was das in Folge heißt, dafür blicken Sie bitte zurück in die Geschichte. So gesehen mag beispielsweise Afrika im Digitalisierungsprozess kaum eine Chance haben, und gleichzeitig aber aufgrund der Geschichte und der damit verbundenen notwendigen ständigen Überlebensstrategien vielleicht auf Kompetenzen, auf psychologische Überlebensstrategien zurückgreifen, die wir in der sicheren, bequemen EU nur mehr eingeschränkt zu nutzen fähig sind.

Ich will, wenn ich ehrlich bin, auch nicht wahrhaben, dass die Quantencomputer und AI unser Leben derart verändern könnte. Aber gleichzeitig kann ich auch nicht mehr so tun, als ob das Gerede um den Homo obsuletus, um einen unerbittlichen Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine bloß ein Marketinggag ist, eine abenteuerlustige Story wie die vom Zauberlehrling von Goethe, der Geister zur Machtdemonstration rief, die ihm dann aber das Leben zur Hölle machten. Ich kann die weltberühmte Story über die Schöpfung von Dr. Frankenstein nicht mehr nur als Story belächeln, in der Frankenstein beseelt war, von der Idee künstliches Leben zu erschaffen. Etwas Bahnbrechendes in die Welt setzen wollte, aber stattdessen durch die eigene Schöpfung zu Grunde ging. Frankenstein scheiterte mit seiner Errungenschaft in der Geschichte jedoch nicht, weil seine von ihm erschaffene Kreatur schlecht war, sondern weil er sich um diese nach dem Schaffensprozess hinaus viel zu wenig gekümmert hat.[7]

Das sehe ich in dieser Geschichte vom Frankenstein als einen der wichtigsten Hinweise für die Zukunft in einer digitalen Welt:

  • Es reicht nicht aus, einfach nur Neues zu erschaffen. Das sich neu Entwickelte braucht auch über die Entwicklung hinaus Fürsorge im umfassenden Sinn – aber daran mangelt es deutlich.

  • Die Forschung und Entwicklung selbst mag die Fürsorge zwar im Blickfeld haben, aber ist doch oft durch finanzielle bzw. andere machtstrategische Vorgaben getrieben, die möglichen Folgen der Errungenschaften und Entwicklungen klein zu reden bzw. darüber zu schweigen.

Die von Frankenstein erschaffene Kreatur sagt etwas, das so meine ich gerade heute in der Entwicklung bzw. im Einsatz von Quantencomputern und AI zum Nachdenken anregen sollte:

Du Frankenstein bist mein Schöpfer, aber ich bin Dein Meister.[8]

Ich persönlich finde diese Aussage richtungsweisend für die Digitalisierung – ganz egal von wo aus man die Herausforderung positiv wie negativ andenkt. Mit den Worten von Indset verknüpft, führt es zu der dringlichen Aufforderung, endlich ernsthaft Denkstunden einzuplanen. Das Wissen, was wir nach Indset haben, das ist überholt. Es geht nicht mehr um Wissen, sondern um Verstehen, um mehr Bewusstsein.[9] Genau das würde ich im Rahmen der Wirtschaft als Fürsorge bezeichnen, sich über das was man tut bzw. plant zu tun, tiefgreifender, über den Tellerrand hinaus, Gedanken zu machen.

Es braucht in Verbindung mit Quantencomputern und AI explizit Bewusstseinsarbeit auf einer höheren Ebene.

Das heißt zu lernen, mit Quantencomputern auf einer Achtsamkeitsebene zu agieren, aus einer Art meditativem Bewusstsein, aus einer allumfassenden Offenheit, aus Fürsorge heraus, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Quantencomputern und AI intuitiv erfassen. Dieser Ansatz mag Sie nun vollkommen irritieren, sogar verärgern, aber das werden Quantencomputer ebenfalls tun – das Leben derart verändern, dass man nur mit einem Bewusstseinssprung mithalten wird können.

Mag sein, dass Sie der Meinung sind, dass Sie als Wirtschaftstreibender oder als Manager von einem großen Unternehmen es nicht als Ihr Aufgabe sehen, die technischen Errungenschaften und deren Einsatz in Ihrem Unternehmen weitreichend reflektieren zu müssen, das sei die Aufgabe von anderen, das sei Aufgabe der EntwicklerInnen, der Politik, der KundInnen selbst, der Gesellschaft. Indset sieht genau diesen Punkt als den Gefahrenpunkt schlechthin: Man geht davon aus, dass irgendjemand es schon richten wird, wenn die Sache aus dem Gleichgewicht gerät.[10] Die Grünen mögen sich beispielsweise fürsorglich, in Liebe zur Natur für den Klimaschutz einsetzen. Aber genau das greift auch nicht, weil jene, die das Problem auf die Grünen abwälzen, nicht bereit sind die notwendigen Veränderungen mitzutragen, die engagiert und weitsichtig von den Grünen als Fürsorge erdacht werden. Man drückt die Verantwortung anderen auf, hält diese anderen aber so klein, so dass die nicht wirklich was tun können, um die Herausforderungen fürsorglich gemangt zu bekommen.

RESÜMEE

Quantencomputer werden viel Positives bewegen, beispielsweise im Bereich der Medizin, aber auch viele neue Probleme schaffen. Quantencomputer werden vielleicht sogar die umweltbezogenen Herausforderungen mit einem überraschend fürsorglichen Ansatz zu managen wissen, weil Quantencomputer eine ganz andere Verarbeitung von Information zulassen. Aber gleichzeitig können Quantencomputer zum direkten Konkurrenten der Menschen werden, oder von einzelnen missbräuchlich verwendet werden, um sich Macht zu sichern. Egal wie, eines ist sicher, wir müssen uns mit der Wirkungsweise, den Folgen und Einflussgrößen von Quantencomputern auseinandersetzen.

Quantencomputer sind nicht mehr science fiction, diese sind science fact. Dafür muss man sich mit quantenphysikalische Phänomenen vertraut machen. Das heißt u.a., das Prinzip der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von allem intuitiv anerkennen, das Prinzip von Schrödinger`s Katze, man ist gleichzeitig tot wie lebendig, Teilchen und Welle, das Prinzip von Chaos und Ordnung in der Gleichzeitigkeit vorstellbar werden lässt mit dem darin vorhandenen unfassbaren Schöpfungspotential – vereinfacht ausgedrückt, das Leben wieder magischer betrachtet. Länder wie beispielsweise Indien, China oder in Afrika könnten darin durch deren doch anders geprägte Kultur und Sicht auf die Welt Verständnis- und auch Handlungsvorteile haben. Aus unserer mechanistisch geprägten Vorstellung heraus ist das aktuell schwer denkbar. Und genau diese eingeschränkte Sicht lässt uns das, was gerade im Einsatz von Quantencomputern kambrisch explodieren könnte, nicht erkennen.

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[11]

Diese Aussage bringt es auf den Punkt: Wir müssen die Zukunft lernen neu zu denken, und die Zukunft nicht aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hineinprojizieren.

  • Erfolg wird in Zukunft maßgebend von den richtig gestellten Fragen abhängen, von quantenphysikalisch aufgeschlossenen, intuitiv, emotional offenen Fragen, das magische im Leben wieder mehr inkludierend.

  • Hierfür gilt es nach Indset, keine Zeit zu verschwenden in altmodische Meetings, sondern deutlich mehr Interesse zu zeigen für andere, für das Leben selbst, für innovative Projekte u.a. in Afrika, offen zu sein für schräge Ideen und ganz besonders davon, Softskills wie Mitgefühl, Empathie (zwei unterschiedliche Skills), Intuition, Verletzbarkeit, Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

  • Die Angst, Quantencomputer und AI könnten den Menschen einmal nutzlos werden lassen, stellt sich in China, Indien oder Afrika gar nicht so sehr, wie aus unser westlich mechanistisch geprägten Weltsicht, weil der Sinn des Lebens in diesen Ländern, insbesondere bei jenen, die noch nicht verwestlicht denken, anders interpretiert wird, auf anderen Werten, auf einem anderen Lebensverständnis fußt. Möglicherweise stürzt uns die Digitalisierung in eine Sinnkrise. Erfolg und Befriedigung im Leben zeigt sich im digitalen Zeitalter vielleicht nicht mehr im Erfolg der Arbeit im bisherigen Verständnis von Arbeit, sondern in einem neuen Sinn?

  • Welchem Sinn würden Sie konkret im Leben folgen, wenn beispielsweise die AI deutlich klügere, vielleicht sogar fürsorglichere Entscheidungen trifft als man selbst als Führungskraft?

  • Welcher Sinn wird die Wirtschaft im Jahr 2020 prägen, wenn science fiction becomes science fact, wenn Quantencomputer, AI, neue Player am Markt alles auf den Kopf stellen? Was zählt dann?

Matthias Horx, Trendforscher, spricht von einer neuen Sinngebung, die sich am ehesten im Über-Persönlichen finden lässt, in einem sozialen oder kulturellen Projekt, das über jede/n einzelne/n hinauszielt.[12]

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so die Auffassung von Indset.[13] Esoterisches Gefasel werden Sie vielleicht antworten. Ja, das mag sein, aber die Digitalisierung, der Einsatz von AI und Quantencomputern wird magisch sein in der Wirkungskraft. Wir sollten unser Denken entsprechend darauf vorbereiten. Die jungen Generationen tun es vielleicht schon deutlich mehr, die älteren verlassen sich noch auf die mechanistisch konzipierten Erfolgsstrategien. Daran ist nichts auszusetzen, doch die Wirtschaft steht durch die Digitalisierung vor einem Paradigmenwechsel, der einen Bewusstseinssprung hin zu einem intuitiven, alles ist mit allem verbundenen Verständnis vom Leben, Chaos, Zufälligkeiten und Schicksalsverbindungen prägen wird. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Chance für die Wirtschaft im digitalen Zeitalter:

Man kann Quantencomputer und AI nur beherrschen, wenn man sich auf eine neue Sinnsuche begibt. Wenn man das Leben umfassend zu verstehen ergründet, aus einem offenen Geist, aus einem achtsamen Bewusstsein heraus, wenn man vertikale, statt horizontale Veränderungsprozesse zu verstehen und zu managen begreift, die kambrische Explosion mit Haut und Haaren auf sich wirken lässt.

Darin könnten Führungskräfte TrendsetterInnen werden, als InfluencerInnen Einfluss und Verantwortung übernehmen, Fürsorge über das Private hinaus arbeits- bzw. wirtschaftsfähig machen. Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [14] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Die digitale Welt kann man beherrschen, wenn man es wagt magischer zu denken – mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de/digital/google-quantencomputer-1.4652387. Am 2019-10-24 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/europe-survive-next-demographic-explosion-tech-view-pascal-morgan/. Am 2019-10-23 gelesen.
[3] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[4] https://www.golyr.de/falco/songtext-titanic-18220.html. Am 2018-05-29 gelesen.
[5] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[8] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[9] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[10] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[11] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[12] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/-ff3f5389fd/. Am 2018-05-30 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[15] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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