Ich komme dorthin, wohin ich will

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Der Traum vom Erfolg

Vermutlich möchte jeder mit seinem Tun Teil eines repräsentativen Erfolges sein, den man gerne nach außen hin zeigt, sowohl Führungskräfte als auch MitarbeiterInnen. Dabei stellen Sie sicher hohe Ansprüche an sich selbst und das Ergebnis Ihrer Arbeit.

Ihr Engagement und Ihre Absicht ist auch mein Antrieb und meine Absicht. Deshalb versuche ich immer wieder aufs Neue zu reflektieren, was man tun kann, um erfolgreich die Zukunft zu gestalten. Viele haben große Ziele für die Zukunft:

  • Manche wollen neue Umsatzrekorde,

  • andere wollen die Marktführerschaft,

Mit unseren Erfolgszielen sind wir jedoch einer/eine von vielen in der Businesswelt.

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Was können wir nun konkret tun, um in Konkurrenz zu all den anderen nach Erfolg strebenden, unsere Ziele chancenreich zu meistern?

Dafür braucht es meiner Erfahrung nach einen Schritt zur Seite – eine andere Perspektive. All jene, die schon mehrere Artikel von mir gelesen haben, wissen, dass ich gerne meinen Blick über den Tellerrand richte, um Herausforderungen, Hindernisse und Zielvorgaben auf eine andere Art als gewohnt, zu meistern.

Heute wollen wir gemeinsam ein wirklich großes Ziel, die Erstbesteigung von einem 9000er angehen. Wir wollen die ersten auf dem 9000er sein.

Planung und Vorbereitung

Wir werden vermutlich viel trainieren. Wir werden ein verlässliches Team zusammenstellen. Wir nutzen das beste Equipment.

Der konkrete Start der Expedition

Der Tag der Abreise ist gekommen. Das gesamte Team ist hochmotiviert. Unserem Ziel, den 9000er zu besteigen steht nichts mehr im Weg. Morgen soll der erste Teil der Besteigung gemeistert werden.

Das Basis-Camp

Die Nacht ist etwas unrund, klar die Aufregung ist groß, der Adrenalinspiegel ebenso. Doch das trübt die Motivation nicht. Am Morgen wird mit dem ganzen Team alles sehr genau noch einmal durchgegangen. Einige bleiben im Basis-Camp, eine absolute Notwendigkeit, ein Anker für die anderen. Der Erfolg der Expedition beruht auf dem Rücken aller, auch jener, die scheinbar nur von der Basis aus agieren.

Mobilisierung der Kräfte

Das Aufstiegsteam, bestehend aus 4 Mitgliedern, kann den weiteren Teil der Besteigung auf den 9000er sehr gut meistern. Das nächste Camp wird aufgebaut. Jeder vom Aufstiegsteam fühlt sich schon so, als ob er/sie am Ziel oben bereits angekommen wäre.

Der Erfolg der Expedition ist zum Greifen Nahe

Die Anerkennung ist zum Greifen nahe

Das Aufstiegsteam bereitet sich nun auf die letzte Einheit der Expedition vor. Plötzlich meint einer der 4, dass er glaubt, es heute nicht schaffen zu können. Er weiß genau, wenn er nur mit 2/3 Energie den Aufstieg wagen würde, könnte er die anderen damit in Gefahr bringen. Gleichzeitig gefährdet er aber auch das Ziel der Expedition. Was jetzt tun?

  • Er könnte alleine im Camp bleiben. Aber das geht nicht, weil in dieser Höhe niemand alleine in einem Camp bleiben darf – insbesondere dann nicht, wenn es demjenigen nicht so gut geht.

  • Es könnte noch ein 2ter vom Team im Camp bleiben, und nur 2 den letzten Teil vom Aufstieg machen. Der Zurückbleibende wird jedoch enttäuscht sein, den letzten Teil vom Weg nicht mehr mitgehen zu können.

  • Eine weitere Möglichkeit ist, einen Tag lang zu warten, um den Aufstieg aller 4 am nächsten Tag zu schaffen. Es ist zwar in dieser Höhe gar nicht gut einen Tag zu verlängern, aber es wäre möglich – sofern das Wetter mitspielt.

  • Sie könnten aber auch alle 4 zurück zum Basis-Camp gehen, und dort auf die nächste gute Möglichkeit warten.

  • Oder …

Jeder, der an dieser Expedition teilnimmt, möchte das Unternehmen erfolgreich zum Ziel begleiten. Der Erfolg und die Anerkennung motiviert auf dem Weg. Die Erfolgsaussichten und die damit erhofften Lorbeeren sind so stark, dass man sogar bereit ist, Risiken einzugehen – verständlich. Es hängt viel an dem Erfolg – finanziell und persönlich.

Das Ende der Erfolgsgeschichte überlasse ich jetzt Ihnen.

  • Was würden Sie tun? … 

Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt fragen, was diese Geschichte mit Ihrem Erfolgsstreben, mit Ihren Zielen und der erfolgreichen Zielumsetzung zu tun hat?

Vermutlich werden Sie einige Punkte aus dem Storyboard herausfinden, die für Sie als Führungskraft in Ihrem Berufsalltag auch relevant sein könnten, wie beispielsweise ein gutes Team zusammenstellen, bestens vorbereitet die Zielumsetzungen starten, Sicherheitsvorkehrungen treffen, bestes Equipment bzw. Instrumentarium nutzen, uvm…

Doch was bringt wirklich den Erfolg?

Beruht dieser tatsächlich zum großen Teil auf perfekter Fachkenntnis und bestem Equipment?

Nicht unterdrückte und respektvoll behandelte Emotionen setzen Energien frei.

Aus meiner Erfahrung heraus heißt das, dass ich, ob ich will oder nicht, mein Tun und damit meinen Erfolg durch meine Haltung, durch Emotionen beflügle – oder eben nicht beflügle. Sobald beispielsweise Angst hochkommt, und das passiert im Unternehmenskontext weit öfter als man meinen könnte, wird das Ziel und der Weg zum Ziel blockiert bzw. in verzerrter Weise geplant bzw. umgesetzt. In einem meiner Beiträge habe ich konkret über das Problem Angst geschrieben. Angst zeigt sich jedoch nicht nur in Angst, sondern kippt in Führungsetagen gerne auch ins Gegenteil – hin in den Übermut. Und Übermut ist, wie sich vermutlich jeder von Ihnen vorstellen kann, ein riskanter Ratgeber und Entscheider. Das kann absolut niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Übermut ist eine Angstbewältigungsstrategie, sehr menschlich und emotional verständlich.

Was aber tatsächlich daran kritisch betrachtet werden sollte, das ist der Aspekt, dass eben die Emotionen und deren Strategiespiele zu wenig Achtung bekommen. BergsteigerInnen müssen Ihre Emotionen und Befindlichkeiten gut, sehr gut kennen, denn Übermut ist in den Bergen lebensgefährlich, und selbst diese erliegen immer wieder dem Erfolgsdruck, der Gier nach Anerkennung. Die Businesswelt ist nicht weniger davon betroffen und der Erfolgszwang und Übermut kann unangenehme Folgen mit sich bringen.

Erfolg ist nicht nützlicher als das Scheitern. Er löst nur andere Empfindungen aus, und wirft uns auf ein menschliches Maß zurück.[1]

Erfolg und Anerkennung ist ein ganz normales menschliches Verlangen. Bei manchen ist dieses Verlangen stärker ausgeprägt, andere begnügen sich vielleicht mit kleineren Erfolgsboni. Manche fühlen sich wirklich dazu berufen, große Ziele zu erreichen, beispielsweise einen 9000er zu besteigen. Ich gehe davon aus, dass Führungskräfte eine große Portion an Erfolgswillen mit sich bringen. Den Erfolg ihrer Unternehmen zu vergrößern versuchen, dafür auch eine etwas schwierigere Besteigung in Kauf nehmen und dabei vermutlich nicht gefühllos bleiben. Also gehe ich auch davon aus, dass Sie als Führungskraft bei einem Erfolgsprojekt auch berührbar und emotional sind.

  • In welcher Weise zeigt sich das in Ihrem Streben nach Erfolg?

  • Versuchen Sie Ihre Gefühle im Team und beim Vorstand hintenanzustellen, und eher rational bestens vorbereitet den Erfolgsweg zu bezwingen?

Meine Beobachtung ist, dass der emotionale Anteil an Erfolgsgeschichten in der Businesswelt eher seltener beachtet wird. Vielleicht ist es an der Zeit, die Emotionen, die uns ohnehin alle täglich anspornen und bewegen, explizit und offen in den Beruf und die beruflichen Aktivitäten miteinzubeziehen?!

Instinkte, körperliche Geschicklichkeit, Kraft verlieren in den Industriegesellschaften seit zwei Jahrhunderten an Bedeutung. Unterbewusst löst dieser Verlust beim Einzelnen Ängste aus.[2]

Es wird so unglaublich viel über die Kompetenzen von Führungskräften geschrieben. Die Aus- und Weiterbildungen sind voll mit Fachkenntnissen und Aufstockungen der Fachkompetenzen. Doch die Fachkompetenz als Kraft erblasst neben der Kraft der Emotionen. Immer wieder habe ich versucht, in meinen Artikeln in kleinen Ansätzen das Themenfeld Emotionen im Unternehmenskontext anzusprechen.

Vielleicht haben Sie bei der Geschichte über die Bezwingung des 9000er kurz wahrnehmen können, dass Sie diese unter Umständen nicht nur rein rational gelesen haben, sondern auch emotional berührt waren. Vielleicht haben Sie fühlen können, dass Euphorie und Freude da ist beim Gedanken, den Gipfel erklimmen zu können. Vielleicht haben Sie auch Enttäuschung, Wut, Angst und Trauer gespürt, als einer der 4 vom Aufstiegsteam sagte, dass er den letzten Teil zum Gipfel nicht mehr mitgehen kann, und damit der Erfolgsweg zu kippen drohte.

Erfolg ist nicht nützlicher als das Scheitern. Er löst nur andere Empfindungen aus, und wirft uns auf ein menschliches Maß zurück.[3]

Mag sein, dass manche von Ihnen jetzt meinen, dass ein Unternehmen keine Kaffeehausrunde ist, in welcher man seine Befindlichkeiten miteinander teilt, und das Emotionale privat ausgetauscht werden sollte. Ja und Nein. Es geht mir jedoch weniger darum, Unternehmen als Kaffeestammtisch zu sehen, sondern überhaupt einmal so offen zu sein, um zu akzeptieren, dass Emotionen jede Handlung mit beeinflussen – auch die von Führungskräften. Das wird zu oft vergessen – natürlich nicht absichtlich. Die Struktur der Unternehmen ist so aufgebaut, als ob alles rein mechanisch und rational abzulaufen scheint. Aber das ist ein Schein, der trügt.

Die Berge, die es zu versetzen gilt, sind in unserem Bewusstsein.[4]

Reinhold Messner, Bergsteiger und Grenzgänger, weiß bestens wovon er dabei spricht. Beim Schreiben von diesem Artikel habe ich mich von Messner begleiten lassen. Sein Weg zeigt meinem Empfinden nach sehr klar und deutlich, wie wichtig und bedeutsam seine Emotionen für seine Erfolge und auch Misserfolge waren. Ohne seine Emotionen wäre er nicht der Mann mit diesen herausragenden Leistungen, der er jetzt ist. Ich denke, dass einige seine Erfolge bewundern und ihre eigenen Erfolge ähnlich als Erfolgsstory erzählen möchten. Doch für Messner ist Erfolg noch weit mehr als die Umsetzung seiner Ziele. Erfolg heißt für ihn:

Nur diejenigen, die in ihrem Leben tun, was sie gerne tun, was sie mit Begeisterung tun, was sie aus vollem Herzen tun, werden Erfolg haben.[5]

Mit dieser Aussage von Messner möchte ich diesen Artikel beenden, und Ihnen abschließend 3 Fragen stellen:

  • Haben Sie das Gefühl, dass Sie als Führungskraft Ihre Arbeit aus Ihrem Herzen heraus, mit Gefühl und Verstand ausrichten?

  • Meinen Sie, dass Sie Ihre MitarbeiterInnen emotional motivieren bzw. Ihre MitarbeiterInnen Sie emotional spüren können?

  • Ist es Ihnen schon passiert, dass Sie unter Umständen durch Missachtung Ihrer Gefühle im Unternehmen riskante Entscheidungen getroffen haben?

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. S.40 u.50.
[2] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. S.28.

[3] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. S.40 u.50.
[4] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. Buchbeginn.
[5] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. S.8.

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