Die Schlüsselressource im Digitalisierungsprozess – Kreativität

Nach Prof.Dr. Peter Kruse gibt es nichts Spannenderes, als die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen. Aber das Ausmaß der Digitalisierung wird unterschätzt, was ich in den letzten Wochen in zahlreichen Artikeln zu veranschaulichen versuchte. Dabei geht es mir in keiner Weise darum, dass ich Ihre Anpassungsbestrebungen im Digitalisierungsprozess schlecht oder falsch finde.

Es geht mir viel mehr um eine Bewusstseinsschärfung – dahingehend, dass die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen eine kaum zu durchblickende Dimension aufweisen, und deshalb Lösungen und Anpassungsprozesse ständig hinterherhinken. Abgesehen davon stehen viele Führungskräfte derart unter Druck, werden von Effizienzgedanken getrieben, so dass man sich von schnellen, einfachen Lösungen, die leicht skalierbar sein sollen, gerne verführen lässt. Doch genau dies kann bei der Digitalisierung zu fehlerhaften Prozessen führen, die den Effizienzbestrebungen diametral entgegenwirken.

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Kruse dämmerte, dass die mit der Digitalisierung verbundenen hochkomplexen Herausforderungen nicht auf der gleichen Ebene gelöst werden können, auf der die Probleme auftauchen – sprich auf fachspezifischer Ebene. [1] Die wirtschaftliche Revolution ist nicht mit Funktionsoptimierung zu bewerkstelligen, sondern braucht einen Prozessmusterwechsel. Es braucht den ernsthaften Willen, endlich wirklich etwas Neues zu machen, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[2]

Und genau daran scheitern die meisten, was u.a. auch Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, zu bestätigen weiß. Ebenso Jack Ma mit seinem dringlichen Aufruf, die Digitalisierung anders anzugehen. Die Digitalisierung ist nach Ma nur mit freiem Denken, mit über die Fachkompetenzen hinausgehenden Skills, wie Musik, Malen, … zu lösen.[3] Auch ich versuche einen Weg zu finden, der unabhängig von den vielen angeblich wirksamen, schnell und einfach einsetzbaren Tools zur erfolgsversprechenden Bewältigung der Digitalisierung, zu greifen vermag. Und dieser Weg führt mich in das Feld der Kreativität.

In meinem vorletzten Artikel In Netzwerken überleben – aber wie? habe ich den Lösungsansatz Kreativität bereits erwähnt. Bald nach Veröffentlichung bekam ich dankenswerter Weise auf LinkedIn die Rückmeldung: „…wertvoller Artikel, aber es fehlt, wie man die Kreativität erlangen kann“. Mir war sehr bewusst, dass ich Ihnen eine Lösungskomponente ohne tiefgreifende Hintergründe angeführt habe. Und deshalb möchte ich Ihnen heute mein Verständnis von Kreativität, und meine Idee der Wirksamkeit und auch Umsetzbarkeit der Kreativität für Führungskräfte näher erläutern. So beginne ich mit 2 Fragen – Fragen sind eigentlich schon ein erster Schritt hin zur Anregung der Kreativität:

  • Woran kann man Kreativität eigentlich festmachen?

  • Wie kann man die kreative Kompetenz reaktivieren bzw. weiterentwickeln?

101 Wege, neue Ideen zu entwickeln

Einige mögen berechtigterweise anmerken, dass in Sachen „Förderung der Kreativität“ von Seiten des Managements ohnehin schon viel gemacht wird, beispielsweise mit Design Thinking, Brainwriting, Brainstorming, ….. Doch hier hängt der Prozess meiner Beobachtung nach in ähnlicher Weise wie bei der Digitalisierung. Es wird viel von Kreativität gesprochen, man will schnelle, leichte Lösungen haben – verständlicherweise. Aber das führt zur Oberflächlichkeit. Und somit wird die Kreativität, wie eben auch die Digitalisierung, unzureichend angegangen.

Man verfängt sich in der Vorstellung: man plane einen 1-Tages-Kreativitäts-Workshop, oder macht einige Anpassungen im Arbeitsprozess bzw. Veränderungen in den Räumlichkeiten, und schon beginnt die Kreativität zu laufen. Das wäre schön. Und bei manchen gibt es nach einem netten Design-Thinking-Tag oder neu gestrichenen farbigen Wände auch aufgefrischte Gedanken und einzelne neue Ideen, was die Verantwortlichen von der Wirksamkeit der Methoden bestätigt. Aber ist das wirklich die Kreativität, die es nach Ma, Kruse, u.a. schafft, die mit der Digitalisierung verbundenen, kaum zu erfassenden Veränderungen, erfolgsversprechend zu meistern?

An dem Punkt möchte ich erneut anmerken, dass ich all die Bemühungen des Managements nicht schlecht reden will. Im Gegenteil, ich sehe was von den Führungskräften alles versucht wird, um die Kreativität zu fördern.

Doch der Prozess hängt, weil wir meiner persönlichen Erfahrung und Selbstbeobachtung nach gar nicht mehr wirklich wissen, was Kreativsein beinhaltet. Ich weiß, das ist eine harte Aussage von mir. Das erlaube ich mir jedoch zu sagen, weil ich mir selbst in Bezug auf meine Kreativität oft ins Hemd lüge. Ich meine, ich sei kreativ, aber das muss ich wiederholt revidieren. Ich möchte gerne kreativ sein, aber ich hänge wie viele andere auch in einem Wunschtraum, einer Illusion von Kreativität.

An dem Punkt der Einsicht – unabhängig davon, ob richtig oder falsch – wird es spannend. Denn genau an dem Punkt springt meiner Erfahrung nach der Prozess der Kreativität an. Das ist auch der Grund, warum ich Ihnen nicht gleich Kreativitäts-Aktivierungs-Tools anbiete, sondern zuerst einmal Ihr Bewusstsein für Kreativität im Allgemeinen etwas schärfen möchte. Das ist meiner Erfahrung nach der erste Schritt zur Förderung der Kreativität, auf dem in Folge dann aufbauend Tools gesetzt werden können.

Was ist Kreativität?

Der Begriff Kreativität wird heute äußerst inflationär verwendet. Selbst die Lexika sind sich nicht einig, was Kreativität eigentlich wirklich ist.[4] Ein bisschen einfacher wird es vielleicht, wenn man sich nicht mit der Kreativität als solcher befasst, sondern stattdessen das Wirken von kreativen Persönlichkeiten und deren kreative Denkprozesse eingehender studiert – was u.a. Guilford (1897-1988) getan hat.

Seinem eingehenden Studium nach, zeichnen sich kreative Persönlichkeiten durch eine erhöhte Sensitivität gegenüber Problemen aus. Deren Denken ist sehr flüssig, was bedeutet, dass sie beispielsweise in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit äußerst viele Verwendungsmöglichkeiten, beispielsweise für einen Ziegelstein, zu finden.[5] – ich würde sagen, äußerst weitreichend, über das Fachwissen hinaus, assoziativ denkend agieren.

Zusammengefasst kann man sagen, dass kreative Menschen die Fähigkeit zum so genannten divergenten, entgegengesetzten, auseinanderstrebenden, abweichenden Denken in größerem Umfang besitzen als weniger kreative Menschen. Dabei ist die Phase der Präparation, bei dem man umfassend Wissen sammelt und sich intensiv mit dem Problem auseinandersetzt, grundvoraussetzend.[6]

Ähnlich ausgerichtet wird der Kreativitätsprozess bei Wikipedia formuliert. Aus Sicht der modernen Neurobiologie kann man Kreativität als „Neuformation von Informationen“ definieren. Kreativität ist die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren. Das gelingt neurobiologisch jedoch nur, wenn man entsprechend viele Informationen neuronal in sich abgespeichert hat, weil der kreative Funke sich nur aus dem Wissen heraus entzünden kann, welches man schon hat.[7]

Ableitend würde ich jetzt meinen, dass jene Menschen besonders kreativ sind, die auf unterschiedlichsten Fachgebieten Wissen besitzen. So gesehen sind SpezialistInnen eingeschränkter im kreativen Wirkungsradius als GeneralistInnen – ohne das jedoch bewerten zu wollen.

Interessanterweise findet man in letzter Zeit vermehrt Meldungen, dass das Spezialistentum an Grenzen stößt, dass GeneralistInnen mehr Erfolge verzeichnen können [8] – man spricht von Neo-GeneralistInnen [9]. Die leider bereits verstorbene Vera F. Birkenbihl, eine meiner Meinung nach unfassbar breitgebildete sensitive Managementtrainerin, befasste sich auch intensiv mit der Kreativität. Sie sprach davon, wie wichtig umfassendes, über das Fachwissen hinausgehendes assoziatives Denken ist, um kreative Ideen gebären zu können. An dem Punkt stellt sich die Frage:

  • Wie stark konzentrieren Sie sich als Führungskraft auf Ihr Fachwissen? Wenn Sie merken, Sie brauchen vielleicht etwas Unterstützung, holen Sie sich diese vorwiegend von FachexpertInnen Ihrer Zunft, oder wagen Sie bei Problemlösungen auch einen Blick über den fachspezifischen Tellerrand?

Wie dem auch sei. Eines mag man dabei vielleicht schon erkennen.

Kreativität steigt, wenn man sich nicht nur im fachgebundenen Feld bewegt, sondern fachübergreifend in anderen Lebenswelten offen und betroffen unterwegs ist.

Es genügt dafür jedoch nicht, sich einfach nur einen Nachmittag lang unter Skateboard-FahrerInnen zu mischen, oder einen Tag lang als Rote-Nasen-Clown im Spital unterwegs zu sein. Das andersgelagerte Wissen kann erst dann richtig greifen, wenn man wiederholte Male sich in einem fremden Feld bewegt hat. Sport mag für einige zu einem solchen fremden bzw. wirtschaftsfernen Feld zählen. Doch wenn der Sport im Sinne von Leistung, Leistungsoptimierung und Wettkampf betrieben wird, zählt das nicht zum wirtschaftsfernen Feld. Dann wird dem Sport die Handlungsweise der Wirtschaft übergestülpt, und Sport wird dann ein Teil des wirtschaftlich geprägten Lebensstils.

Ich weiß, diese Ansicht mag einigen unangenehm aufstoßen. Vielleicht war das auch schon ein (unbewusster) Grund dafür, warum sich früher manche Könige Hofnarren hielten. Diese Hofnarren konnten frei aus einer anderen Position heraus das Geschehen beurteilen, die Sachlage aus anderen Perspektiven, mit einem anderem Hintergrundwissen, mit anderer Berührtheit betrachten. Der König musste sich nicht selbst in die anderen Lebenswelt hinein bewegen, sondern ließ es durch den Narren für sich geschehen.

Kreativ sein bedeutet, Ideen zu haben, aber eben auch, die richtige Einstellung mitzubringen. Der wichtigste Bestandteil dafür ist Aufgeschlossenheit. Kreative Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren.[10]

Kehren wir an dieser Stelle wieder zurück zu Ihnen persönlich, zu Ihrem vielleicht ohnehin schon prosperierenden kreativen Potential. Vielleicht haben Sie privat ein Hobby, dass nichts mit Wirtschaft, Management oder einem wirtschaftsangepassten Hobby zu tun hat. Wenn Sie beispielsweise leidenschaftlicher Bienenzüchter sind, neue Rosensorten zu züchten versuchen, bei der freiwilligen Feuerwehr sind, einen Chor leiten, Rettungswagen fahren, Jazzklavier spielen ohne Leistungsgedanken, …, und es dann wagen, das mit Ihrem Hobby verbundene umfassende Wissen in Ihren Arbeitsalltag einfließen zu lassen, dann agieren Sie bereits sehr kreativ.

Wenn Sie bisher die Verknüpfung von wirtschaftsfremden, privatem Wissen mit fachspezifischem Wissen im Beruf noch nicht wagen, dann wäre das ein erster spannender Schritt, Ihre Kreativität durch die Verknüpfung unterschiedlicher Lebensthemen bzw. Lebenswelten zu erhöhen.

Und falls Sie jetzt etwas leer dastehen und finden, Sie sind eigentlich nahezu zu 100 Prozent ein Fachspezialist und setzen sich auch privat vorwiegend mit Fachwissen oder fachnahen Hobbys auseinander, dann könnten Sie an dieser Stelle als ersten Schritt bewusst ein Thema heranholen, dass nichts mit Management oder einem fachübergestülpten Hobby zu tun hat – sofern Sie Interesse haben, Ihre Kreativität zu stärken. Sie können auch bewusst Gespräche mit Menschen suchen, bei denen das Thema Management und Ihr Wirken im Unternehmen vermieden wird.

An der Stelle werden Sie zu Recht anmerken, dafür haben Sie keine Zeit, Sie haben auch kein Interesse, Sie sind eben nicht kreativ, abgesehen davon können Sie sich keine Fehler leisten, was unter Umständen mit mehr Kreativität jedoch passieren könnte. All diese Argumente stimmen. Doch sich aktuell im Digitalisierungsprozess nicht ausreichend Zeit zu nehmen, zu wenig Interesse aufkommen zu lassen, sich vor Fehlern fürchten, sprich eine negative Fehlerkultur zu fahren, ist fast fahrlässig. Die Digitalisierung braucht Sie als Führungskraft, Ihre fachlichen Kompetenzen, wie auch Ihr persönliches Engagement, Ihre Kreativität, um die weitreichenden Veränderungen in Bezug auf die Digitalisierung angemessen abschätzen zu können. Die Gefahr, dass Maschinen kreativer werden als Menschen, steht genauso im Raum, wie kreative Startups und andere Unternehmenskonkurrenten – das sollte doch wirklich zu denken geben.

So kann beispielsweise die künstliche Intelligenz ohne Probleme unterschiedlichste Fachgebiete, die auf den ersten Blick nichts Gemeinsames haben, miteinander in Beziehung bringen – das tun, was Kreativität u.a. bedeutet. Schräg ist, dass gerade die IT diese fachübergreifenden, kreativitätsfördernden Aspekte in der künstlichen Intelligenz forciert, aber selbst, zumindest meiner Beobachtung nach, im fachspezifischen Handeln hängen bleibt. Noch sind viele der trainierten Künstlichen Intelligenzen nur Fachidioten, aber manche, wie u.a. Google wetten, dass beispielsweise die Meisterwerke der Zukunft mithilfe fortschrittlicher künstlicher intelligenzbasierter Software kreiert werden.[11]

Jene vernetzt agierenden, fluiden Arbeitsverbindungen, die die Kraft der Digitalisierung inkl. der Künstlichen Intelligenz kreativ zu nutzen verstehen, können Ihnen und Ihrem Unternehmen wirklich gefährlich werden.

Wie kann man die persönliche Kreativität verbessern?

Wie ich schon in einer Überschrift anmerkte, es gibt 101 Wege, die scheinbar die Kreativität fördern. Ich möchte 2 Aspekte anführen – Ein bisschen weniger ExpertIn sein und Mindfulnesspraxis.

Nach meiner Erfahrung setzen Sie dann wirklich dort an, wo Kreativität nachhaltig wirksam und äußerst individuell abgestimmt gefördert werden kann. Im Anschluss daran möchte ich Ihnen aber auch ein paar relativ leicht umzusetzende Tipps geben, die jedoch meiner Meinung nach ohne die zwei von mir erwähnten Aspekte, nicht ganz so tief wirken.

Ein bisschen weniger ExpertIn sein

Wagen Sie es Ihre fachspezifischen und mit Ihrer beruflichen Position verbundenen Komfortzonen zu verlassen. Versuchen Sie sich offen und ehrlich auf ein fachfernes Gebiet rational und besonders emotional einzulassen – nicht nur für einen Nachmittag, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Das mag insbesondere zu Beginn alles andere als einfach und motivierend sein.

An der Stelle höre ich oft ein „Ja, aber …“. Versuchen Sie dieses „Ja, aber …“ respektvoll in die Schranken zu weisen. Machen Sie sich auf den Weg, Ihr Wissen, Ihre Handlungen, Ihr Leben und Wirken als Führungskraft in neuer Art mit neuen fachfernen Einsichten zu erweitern – sprich, Ihre Position als ExpertIn zu verlassen. Doch seien Sie vorsichtig. Wählen Sie nicht ein Gebiet, dass zwar anders wirkt, aber bei genauer Betrachtung die gleichen Spielregeln verfolgt wie die Wirtschaft – beispielsweise das selbstopimierungsgetriebene Joggen. An der Stelle möchte ich Ihnen ein vielleicht zynisch anmutendes Zitat anführen:

Ein Experte ist jemand, der alle Gründe kennt, warum eine neue Idee nicht funktionieren wird.[12]

Vielleicht ist es gut, sich als ExpertIn bewusst mit QuerdenkerInnen zu umgeben, mit Menschen, die anders denken als Sie. Echte Diversity und keine Schein-Diversity kann in diesem Fall auch als eine kreativitätsfördernde Maßnahme angesehen werden. Aber vermeiden Sie bei Andersdenkenden bzw. bei QuerdenkerInnen vorschnelle Schlüsse. Achten Sie auf Ihre Reaktionen. Vielleicht spüren Sie im Gespräch mit QuerdenkerInnen, dass Sie gedanklich, wie auch verbal schnell mit der Antwort kommen: Das kann man doch nicht tun. Das mag nett sein, aber für eine Lösung absolut nicht brauchbar, usw… Solche möglichen Antworten sind verständlich, können jedoch den kreativen Prozess gleich wieder im Keim ersticken.

Deshalb ist die Praxis der Achtsamkeit wichtig, um nicht im Prozess der Kreativität zu schnell in kreativitätshemmende Verurteilungen zu fallen, die so gut wie jeder in sich trägt – auch ich. Insbesondere im Zusammenhang mit meiner 5jährigen Tochter muss ich mir eingestehen, dass ich dazu neige, ihre Ideen und die damit verbundenen Handlungsweisen zu schnell abzuwerten: aufgrund Zeitnot, aufgrund Desinteresses, aufgrund vieler anderer, eigentlich unrelevanter Gründe. Mindfulness hilft an dieser Stelle, mehr Interesse, Geduld, mehr Anerkennung, sprich mehr Aufmerksamkeit aufzubringen.

Mindfulnesspraxis

Setzen Sie sich mit Mindfulness auseinander.

Kreativität entsteht meiner Erfahrung nach nicht nur durch Vermehrung von Wissen, von der Verbindung von noch nicht verbundenen gegensätzlichen Einsichten, sondern durch einen Break im Denken, durch ein sich persönliches zurücknehmen aus all den Denkprozessen im Kopf.

Manche schaffen den Break, die Achtsamkeitslücke, indem sie scheinbar stupide Tätigkeiten verrichten, beispielsweise Akten ordnen. Andere setzen gezielt auf Aufmerksamkeitstrainings, und wiederum andere versuchen durch ausgedehnte Spaziergänge die Gedanken wie am Himmel ziehende Wolken frei bewegen zu lassen – ohne sich dabei auf einen der aufkommenden Gedanken gleich wieder gedanklich zu stürzen und daran herum zu kauen. Genau in dieser Lücke des Denkens kann das vorhandene Wissen ganz frei arbeiten, und gegensätzliche Gedanken spontan frei ohne Steuerung miteinander verschmelzen.

Darüber hinaus ist es mit Mindfulness möglich sich von kritischen Stimmen im Inneren wie auch im Außen nicht so sehr verunsichern zu lassen – im Gegenteil: Mindfulness stärkt das Selbstbewusstsein, gibt Kraft, den eigenen inneren kritischen Stimmen zu widerstehen, wie ebenso den äußeren Kritiken couragiert entgegenzutreten.

Mindfulness hilft, Kritik, innerlich wie äußerlich, zu zähmen und daraus sogar kreative neue Ideen entstehen zu lassen. Statt Kritik und damit Widerstand aufkommen zu lassen, kann man ein Einvernehmen fördern, indem durch Achtsamkeit die Art und Weise der Kommunikation geprüft wird. Was meine ich damit: Sobald im verbalen wie auch gedanklichen inneren Austausch von Ideen ein „Soll“ vorkommt, wäre es ratsam, die „Soll-Aussage“ in eine Vorschlags-Aussage zu überführen. Das heißt: Soll-Aussagen wie, Ich finde, Sie sollten …; Am besten wäre es, wenn …; An Ihrer Stelle würde ich, …; usw., genau diese befehlenden Aussagen in Vorschlags-Aussagen wie, Was wäre, wenn …; Hat schon mal jemand daran gedacht, …; Ich frage mich, ob es möglich wäre …; usw…, zu überführen.

Denn eines sollte man sich auch bewusst sein, Kreativität fördert nicht nur Ideen, sondern auch Ängste – insbesondere bei jenen, von denen die Idee nicht kommt. Vielleicht sollten Sie auch diesen Aspekt prüfen, der mir erst jetzt im Schreibprozess so richtig bewusst geworden ist, mich ebenfalls betrifft – persönliche, unbewusst angsterregende Angegriffenheit in Bezug auf die Ideen anderer Menschen. Um an dieser Stelle nicht in der negativen Spirale, in Bezug zu den Hemmschuhen von Kreativität hängen zu bleiben, möchte ich Ihnen zum Abschluss einige, leicht verdauliche, für manche auch amüsante Kreativitätsspiele auf den Weg geben.

Kreativitätsanregende Spiele

Das Was-Wäre-Wenn-Spiel

Fragen, wie ich bereits eingangs von diesem Artikel erwähnte, sind Kreativitätsöffner – insbesondere Frageformulierungen wie „Warum nicht?“ oder „Was wäre, wenn …?“.

Ein „Was wäre, wenn …?-Spiel“ beginnen Sie mit etwas, das in der Welt bzw. in Ihrer Tätigkeit als Führungskraft, nicht passieren würde. Das mag anfangs lächerlich erscheinen, doch nur solange, bis man die Gedanken dazu zu Ende gedacht hat. Ihre Aufgabe ist es, sich mindestens drei mögliche Konsequenzen auszudenken, wie haarsträubend diese auch sein mögen – beispielsweise zu den Fragen:[13]

  • Was wäre, wenn man Computer essen könnte?

  • Was wäre, wenn Plastiktüten so viel kosten wie Kinokarten?

  • Was wäre, wenn Ihr Gehalt stündlich in kleinen Beträgen, statt jeden Monat in einer einmaligen Summe auf Ihr Konto überwiesen würde?

Verknüpfungsspiel

Unser Gehirn ist bestens gerüstet, Zusammenhänge herzustellen. Bei diesem Spiel müssen Sie sich nicht gleich zur Erweiterung Ihrer Kreativität ein fachfernes Gebiet heranholen, sondern es genügt, sich zwei Begriffe aus dem Lexikon zufällig gewählt herauszunehmen. Zufällig, weil damit die Chance höher ist, dass die Begriffe in keinem Zusammenhang stehen. Wenn Sie 2 Begriffe zufällig mit Finderzeig herausgesucht haben, beginnen Sie Gemeinsamkeiten zu den Begriffen zu finden. Zum Beispiel für die Begriffe:[14]

  • Vitamine  –  Fotografie

Auf den ersten Blick haben die beiden Begriffe nichts gemein. Aber wenn man darüber nachdenkt, dann zeigt sich, beides kann man „aufnehmen“. Beide werden in Drogeriemärkten angeboten. Beide Wörter haben 4 Silben, usw…

Erweitern können Sie dieses Spiel, indem Sie die Wörter mit Ideen kombinieren. Sie stellen sich eine Frage und versuchen dann mit Hilfe der gewählten Begriffe auf die Frage eine Antwort zu finden. Das kann zu schrägen Antworten führen. Das mag Ihnen vielleicht anfangs blöd und sinnlos erscheinen, doch mit etwas Übung werden Sie merken, dass Sie damit Ihre Kreativität ankurbeln können. In Bezug auf das Beispiel Vitamine und Fotografie könnte der Prozess so aussehen:

  • Sie stellen sich beispielsweise die Frage, wo Sie Ihren nächsten Geburtstag feiern könnten.

Schreiben Sie jetzt auf, was Sie zu den zuvor zufällig gewählten beiden Begriffen assoziieren, beispielsweise Gesundheit, Wellness, Chemie, Magen, Blut, Bausteine, … zu Vitaminen / Auge, Ausschnitt, Linse, digital, Bildpunkte, Technik, … zu Fotografie.

Im nächsten Schritt formulieren Sie die Frage in Bezug auf die Assoziationen zu den Begriffen um, beispielsweise: Ich suche einen Ort für meinen Geburtstag, wo ich von allen gut gesehen werde, ein Ort mit gesunden Bausteinen? So oder ganz anders könnte Ihre neu formulierte Frage sein, und dann finden Sie Antworten.

Inspirierende Vorbilder

In wessen Fußstapfen träten Sie gerne? Wählen Sie eine Persönlichkeit, die Sie bewundern – bitte jedoch keine aus dem Wirtschaftskontext. Fragen Sie sich, warum Sie gerade diese Persönlichkeit bewundern? Hängen Sie ein Bild Ihres Idols an einem für Sie gut sichtbaren Ort als Gedächtnisstütze. Wenn Sie gerade vor einem Problem stehen und keine Lösung finden, dann fragen Sie:[15]

  • Wie würde (mein Vorbild) in dieser Situation handeln, und zu welchen Entscheidungen kommen?

Statt sich das Hirn mit einer Problemlösung zu zermartern, versetzen Sie sich doch in eine andere Rolle, in eine andere Persönlichkeit, die Sie bewundern und achten. So können Sie gedanklich beispielsweise auch QuerdenkerInnen zu Hilfe holen. Das regt auf jeden Fall Ihre Kreativität an – probieren Sie es aus. Falls Sie innerlich blockieren, dann versuchen Sie respektvoll Ihre Zweifel wie Wolken am Himmel ziehen zu lassen, solange, bis die kritischen Stimmen in Ihnen etwas stiller werden – hilfreich ist hier schon eine gewisse Übung in Mindfulness. Dann versuchen Sie es erneut, wagen es, sich beispielsweise einen Magier heranzuholen, der Ihnen vermutlich spannende Lösungsvorschläge unterbreiten kann.

Resümee

Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Artikel zur Kreativität sicherlich bei einigen nicht den Nagel auf den Knopf treffe. Viele haben vermutlich eine ganz andere Vorstellung und Herangehensweise zur Kreativität. Das mag ich niemanden absprechen. Ich kann Ihnen auch keine schnellen Kreativitätsankurbler nennen. Aber eines kann ich mit Gewissheit sagen, ich setze mich ehrlich und ernsthaft, auf Lösungen hinarbeitend, mit jedem Thema auseinander. In Bezug auf Kreativität kann ich abschließend nur noch sagen:

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte [Laotse] – eine kreative Persönlichkeit, die jeder Mensch ausnahmslos ist.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://blog-wagner-consulting.eu/intuition-meistert-komplexitaet/.
[2] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[3] https://blog-wagner-consulting.eu/in-netzwerken-ueberleben/.
[4] http://www.coundlumbus.de/board-blog/36-kreativitaet/104-definition-kreativitaet-ein-begriff-lexika-kennen-viele-definitionen.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[5] https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/denken-problemloesen106.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[6] https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/denken-problemloesen106.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[7] www.coundlumbus.de/board-blog/36-kreativitaet/104-definition-kreativitaet-ein-begriff-lexika-kennen-viele-definitionen.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[8] https://blog-wagner-consulting.eu/vom-spezialisten-zum-generalisten/.
[9] Mikkelsen, Kenneth; Martin, Richard: The Neo-Generalist. Where you go ist who you are. LID Publishing Ltd. London: 2016.
[10] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[11] Volland, Holger: Die kreative Macht der Maschinen. Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken. Verlagsgruppe Beltz. Weinheim-Basel: 2018.
[12] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[13] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[14] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[15] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.

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