Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Macht ist Wirkung. Mit Macht passieren Dinge, die ohne Macht nicht zur Umsetzung kommen. So ähnlich beschreibt es Martin Saar, Philosoph, Machtexperte, im 60 minütigen Interview zum Thema: Was die Macht mit uns macht.

Nichts Neues, werden Sie jetzt denken. Die, die an den Machthebeln sitzen, bestimmen, die anderen (müssen) reagieren. Die Mächtigen formieren sich so, dass sie ihre Macht zu sichern bzw. zu erweitern suchen. Die anderen, die weniger Mächtigen bzw. Machtlosen versuchen irgendwie am Machtkuchen mitnaschen zu können, ordnen sich unter oder versuchen irgendwie die Macht an sich zu reißen.

Das Spiel um Macht scheint reizvoll, regt an, motiviert. Macht macht produktiv und kreativ, indem man verführerisch Ziele durchzusetzen sucht.[1] Mit einem Ansteigen von Macht nimmt strategisches und abstraktes Denken zu.[2]

Ian Robertson, Neurowissenschaftler und Klinischer Psychologe am Trinity College in Dublin hat erforscht, wie Macht die Hirnbiologie verändert. Beispielsweise erhöht Macht den Testosteronspiegel, was zu einer vermehrten Aufnahme des Neurotransmitters Dopamin führt, was u.a. das Belohnungszentrum aktiviert. Als Folge steigt die Laune, die Innovationskraft, der Mut, aber zur gleichen Zeit auch die Selbstbezogenheit und andere nicht immer nur vorteilhafte Persönlichkeitsaspekte.[3]

An diesem Punkt kann vermutlich jeder und jede zugeben, dass die mit der Macht einhergehenden positiven Aspekte und die steigende Motivation willkommen sind. Gleichzeitig, mit dem Anstieg der Lust und Laune, greifen jedoch schleichend und kaum wahrnehmbar die negativen Aspekte der Macht, Missbrauch, Manipulation und die Sucht nach immer mehr Macht.[4]

Macht im positiven Sinn als innovative Umsetzungskraft und Machtmissbrauch auf der anderen Seite als rücksichtslose Energie fließen ineinander.[5]

So gut wie niemand kann sich dem Machtthema und der Gradwanderung zwischen produktiv und destruktiv entziehen, und ebenso nicht dem Einwurf, dass mit der Digitalisierung es möglicherweise zu einer Machtverschiebung kommt. Beim Festival of Change in Köln, 25.&26.6.2019, vom Handelsblatt initiiert, ist das Thema Macht jedenfalls auf reges Interesse gestoßen. Meine ins Plenum geworfene Frage in Bezug auf „Macht und Machtverlust“ hat sehr schnell an Resonanz gewonnen, wodurch dieses Thema im Rahmen eines Barcamp dort bearbeitet wurde.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

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Die Ergebnisse zum Thema Macht vom Barcamp waren äußerst umfassend, kritisch, selbstkritisch, verunsichernd was die Zukunft betrifft, bis hin zu konstruktiven neuen Lösungsvorschlägen im Umgang mit Macht.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

Es war deutlich festzustellen, dass vielen bewusst ist, dass es in der Wirtschaft in Bezug auf das Thema Macht mehr Auseinandersetzung bedarf. Ebenso zeigte sich deutlich Einsicht, anzuerkennen, dass mit der Digitalisierung in der Wirtschaft tatsächlich eine Machtverschiebung von statten gehen könnte, die Prof. Dr. Sabina Jeschke, eine der führenden deutschen ExpertInnen für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), eindeutig prognostiziert.[6] Die Digitalisierung kann das bestehende Machtgefüge, den Einfluss und die Entscheidungskraft der Führungskräfte zum Wanken bringen, so dass deren Wirkungskraft darunter leidet, mit Folgen, die man sich nicht vorstellen kann. Darüber hinaus haben die neuen Generationen, Y und Z, ein anderes Verständnis von Macht, eine andere Vorstellung darüber, was Führung und die damit verbundene Machtausübung sein soll.[7]

 

Wilfried Porth, Personalvorstand der Daimler AG, sagt, dass die Jungen zu ihnen nur dann kämen, wenn sie im Unternehmen etwas gestalten und die Welt verbessern könnten. Auch bei McKinsey zeigt sich, dass sie die Jungen mit anderen Angeboten motivieren müssen als bloß mit einem sechsstelligen Einstiegsgehalt. Die Jungen wünschen sich Auszeiten im Job statt einem Dienstwagen, ein Firmenfahrrad, Bahnfahren statt Fliegen, …[8]

Jörg Leuninger, Personalscout bei dem Chemiekonzern BASF musste selbst erleben, wie die Jungen die Unternehmensstrategie von BASF vor anwesenden Vorständen und Bereichsleitern offen und kritisch in Frage stellten. Die Jungen wollten konkret wissen, wie nachhaltig die Chemie-Industrie wirklich ist.[9]

Diese neue Generation Y, die Millennials, die nun vermehrt auf den Arbeitsmarkt strömen verlangen Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache, ständiges Feedback.[10] Sie zweifeln Autoritäten erst einmal an – außer der Chef kann sie durch entsprechendes Auftreten ihnen gegenüber beeindrucken. Sie wollen als Chef eine/n MentorIn und keine/n AnsagerIn oder AufpasserIn.[11] Die Millennials hinterfragen so gut wie alles:[12]

  • Ist das was der Chef sagt, tatsächlich richtig und gut für alle?

  • Warum will ich in diesem Unternehmen überhaupt tätig sein als junge MitarbeiterIn, und wie will ich die Arbeit mit dem Privaten verbinden?

  • Muss das Unternehmen der Umwelt schaden?

  • Warum können die Unternehmen nicht besser miteinander kooperieren? Es geht nicht um Konkurrenz. Es geht um Selbstverwirklichung, bei der man sich gegenseitig unterstützt.

Die Haltung des „Ich achte darauf, dass ich bekomme, was guttut“ zeigt sich jedoch nicht nur in der Elite der neuen Generation. Auch die Jungen ohne Abitur stellen andere Erwartungen. Sie haben erkannt, dass das Bildungssystem durchlässiger ist, dass es möglich ist auch ohne Abitur später noch zu promovieren und Karriere zu machen.[13] Damit wird das Klassen- und Elitedenken auch durchlässiger und weniger relevant. So schreibt Monika Jiang, Millenial Acitivistin und Strategieberaterin:

New Work ist ein Mindset und eine Haltung, mit der die individuelle Gestaltung von Leben und Arbeit sich neu formiert.[14] Mit New Work verändert sich dadurch nicht nur die Gestaltung der Lebens- und Arbeitsprozesse, sondern eben auch das Machtgefüge.

Das finden die einen überaus reizvoll, können nicht schnell genug eine Veränderung hin zu New Work in Bewegung bringen, andere, insbesondere die älteren Generationen irritiert das. Wie kann es sein, dass die über lange Zeit hinweg wirksame Führung und die damit verbundene Macht jetzt einfach so, nicht mehr wirken soll?! Das kann, darf doch gar nicht sein. Ja, und nein.

Wenn man an dem Alten festhält, New Work blockiert, dann wird ein neues Verständnis von Macht, eine Neuaufteilung von Macht, nicht wirken – u.a. vielleicht ein Grund, warum New Work so schwer erfolgsversprechend in Unternehmen umzusetzen ist bzw. in 75% der Umstrukturierungsmaßnahmen scheitert [15]. Aber gleichzeitig untergräbt man mit der Macht, die man noch innehat, Veränderungsprozesse der Machtgefüge, genau das, was aber in Zukunft die Macht sicherzustellen vorgibt – ein Dilemma.

Michael Schmitz, langjähriger politischer Journalist und heute Managementberater, belegt mit vielen anderen ForscherInnen, u.a. auch Robertson, dass je länger Mächtige Macht ausüben, umso selbstverständlicher erscheint sie ihnen und umso gedankenloser nutzen sie die Vorteile und Privilegien, die ihnen Macht gewährt.[16] So gesehen ist es eigentlich fast unmöglich, New Work und die damit verbundenen Machtstrukturveränderungen umzusetzen.

Auch wenn man es nicht gerne hören bzw. lesen möchte, Macht haben verändert einen persönlich – oft nicht unbedingt zum Besseren.[17] Zahlreiche Studien können belegen, dass Macht die ausbalancierte Zusammenarbeit untergräbt – genau das, was aber aktuell explizit gefordert wird, um die Digitalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen erfolgsversprechend zu meistern, sprich kollaborativ, empathisch, interdisziplinär mit Meta-Skills, Muster durchbrechend im Verständnis von Jeschke [18], zusammenzuarbeiten. Selbst Menschen mit äußerst normalen Persönlichkeitsmerkmalen neigen bei Anstieg ihrer Machtkompetenz zu negativen Veränderungen in ihrem Verhalten.[19] Clemens Sedmak, Theologe und Philosoph, hat in Interviews für sein Buch „Mensch bleiben in der Politik“ analysiert:[20]

Befragte Mächtige gaben zu, dass Macht einen verändert. Doch sie sahen die Gefahr der Korruption durch Macht immer nur bei den anderen, nicht bei ihnen selbst als Mächtige.

Das ist die Gefahr, weil die verzerrte Wahrnehmung von Macht mit den damit verbundenen egozentrierten Entscheidungen zu Fehlern führen. Die Menschheitsgeschichte kann viele Beispiele nennen, wo Macht ausartet und den Rahmen der produktiven Kraft sprengt und zu einer destruktiven Größe wird. Wenn man sich der Verführung von Macht nicht bewusst ist, dann kann Macht zu einem missbräuchlichen Instrument verkommen. Heuchelei, Manipulation, losgelöst von der eigentlichen Sache, beeinflussen dann das Entscheidungsverhalten.[21] Macht mutiert dann zu einem Spiel von Illusionen und größenwahnsinnigen Vorstellungen, ohne das selbst so zu sehen. Das ist aber sehr menschlich, passiert im Machtspiel äußerst schnell.

Dacher Keltner, Psychologe an der University of California in Berkley, sagt: Wir alle sind Opfer des Macht-Paradoxes.[22] Niemand ist davon verschont. Es kann selbst jene treffen, die ursprünglich mit bestem Wissen und Gewissen ihre Machtposition nutzen wollten. Macht und Machtmissbrauch liegen eng beieinander.[23]

Friedrich Nietzsche, Philologe, posthum als Philosoph weltberühmt geworden, spricht sogar davon, dass selbst die Moral ein Machtinstrument sei. Er meint, Moral ist eine Erfindung der Schwächeren, um nicht unterdrückt zu werden. Saar erweitert den Pool, und sieht in Gerechtigkeitsaktivitäten, beispielsweise in der MeToo-Bewegung, in Umweltschutzbewegungen, … ähnliche Beweggründe. Saar möchte damit jedoch die Werte und notwendigen Maßnahmensetzungen, die hinter solchen Bewegungen stehen nicht kleinreden, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass man das wofür man sich einsetzt, tiefgreifender hinterfragen sollte, damit man nicht in Gefahr läuft, Werte bloß als Vorwand, als Mittel zum Zweck, zum egozentrierten Machtgewinn, zu missbrauchen.[24]

Unbewusst verfällt man scheinbar leicht einem vereinnahmenden Machtmissbrauch, und die positive Absicht Macht wirken zu lassen, verliert sich irgendwo entlang des Machtstrebens. Doch die Folgen zeigen sich irgendwann – es rächt sich, vielleicht erst viel später wie beispielsweise in der MeToo-Bewegung. Mag sein, dass Sie diese Bewegung vollkommen unberührt lässt.

Aber die MeToo-Bewegung zeigt auf, was passieren kann, wenn man sich der Macht zu sicher wird und ungeniert Macht missbraucht. Auf Dauer bleibt kein Machtmissbrauch unaufgedeckt, und irgendwann folgt der Vergeltungsschlag. Die Digitalisierung mit den sozialen Medien und Netzwerken kann Machtmissbrauchsfälle schneller publik machen und einer großen Öffentlichkeit präsentieren, als es früher der Fall war. Die Betroffenen können sich deutlich schneller in einer größeren Gemeinschaft gemeinsam stärken und sich gegen den Machtmissbrauch formieren. Das sollte einem heute bewusst sein, dass Handlungen, Entscheidungen, Macht, durch die Sozialen Medien einsichtiger werden und damit angreifbarer. Rezo, der Blogger, hat die Wahl in Deutschland beeinflusst, Machtverhältnisse verschoben. Greta Thunberg übt Macht aus, in einer scheinbar harmlosen Weise, aber es hat Wirkung, die Bewegung gewinnt an Macht.

Die Mächtigen schauen jedoch noch zu oft belächelnd auf solche Bewegungen und die sich darin formierenden Gruppierungen, sehen diese als unbedeutend an, als Sprücheklopfer, die ihnen nichts anhaben können. Aber die sozialen Medien und deren Macht unterschätzen, ist unklug. Das hat auch schon der leider verstorbene Prof.Dr. Peter Kruse prognostiziert, angelehnt an die Aussage des Imperators in Star Wars: Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht.[25] Aber, das muss man auch sagen: Die Sozialen Medien stärken auch ihre eigene Macht, und genau damit erliegen sie selbst dem Sog, Macht für sich selbst unter Umständen zu missbrauchen – ein Drahtseilakt.

Macht haben, Macht gewinnen, ist, ob man will oder nicht verführerisch, und der Verführung erliegt man schnell – jeder und jede. Das kann man nicht einfach so zur Verurteilung stellen. Kritisch anmerken muss man hingegen, dass man sich in Wirtschaft als auch in Politik und anderen Institutionen zu wenig bewusst mit den Mechanismen von Macht auseinandersetzt. Die guten Ziele, die manche so rühmlich vor sich herschieben, könnten bei unbewusster Machtausübung relativ bald in einen Missbrauch rutschen.

Der Wille zur Macht ist stark, die Vernunft muss hingegen deutlich an Unterstützung gewinnen, damit Macht nicht zu einem negativen Instrument mutiert, sondern als produktives Mittel das Welt- und Wirtschaftsgeschehen formt, Herausforderungen zum Wohl der Menschen zu lösen fähig ist.

Leicht ist es nicht, sich bewusst mit Macht auseinanderzusetzen. Das würde fürs erste meist heißen, man wird mit den vielen negativen Seiten der Macht konfrontiert, und genau das will man vermeiden. Aber je mehr man das Negative zu vermeiden versucht, umso stärker wirkt es unbewusst vom Schatten heraus. Deshalb braucht es in Bezug auf das Verständnis und Wirken der Macht, sehr viel Menschenverständnis wie auch Selbsterkenntnis. Das fordert die Übernahme von Verantwortung, für sich selbst und für andere. Das heißt mit den Worten von Elisabeth Bronfen, Kulturwissenschaftlerin, sich selbst beschneiden können und das eigene Begehren zügeln. Das braucht jedoch viel Selbstdisziplin und Überwindung von Verführungen, u.a. Anerkennung, Prestige, Boni widerstehen. Es braucht darüber hinaus Mut und Demut, den persönlichen Einfluss durch Macht neu zu verhandeln und die persönliche Macht damit zu beschränken.[26]

Wer Macht hat bzw. wer mit Macht verantwortungsbewusst umgehen möchte, der braucht mit den Worten von Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, eine Art Wächter.[27]

Reuter will die positiven Seiten der Mächtigen in der Wirtschaft wachrufen. Er spricht von glaubhaften Vorbildern, die eine menschenwürdige Gemeinschaft zu führen im Stande sind. Diese Fähigkeit bedarf einer kompetenten Wachheit und persönlichen Reife. Noch zeigt sich jedoch seiner Meinung nach in den Führungsetagen, mit einigen Ausnahmen, ein Bild von Heuchelei und billiger Gaukelei [28], ausgelöst durch:

  • Narzissmus bzw. überbordender Egoismus

  • Ja-Sager-Mentalität bzw. ängstliche Angepasstheit

Alberto Alemanno, Autor, politischer Aktivist, 2015 vom Weltwirtschaftsforum zum Young Global Leader ernannt, Global Clinical Professor of Law an der New York University School of Law, hält dem jedoch entgegen, dass verantwortungsvolle Führung möglich ist. Die aktuelle Situation gibt zwar sehr zu denken, doch die Gegenkräfte gewinnen an Bewusstsein und Courage, unter Umständen durch die neuen Generationen. Seiner Auffassung und Beobachtung nach sind die Führungskräfte der Zukunft Führungspersönlichkeiten, die 10 Persönlichkeitsmerkmale in ihren Beruf einzubringen verstehen [29] – u.a. auch relevante Kompetenzen in New Work:

  • Mitgefühl und emotionale Intelligenz

  • Integrität und Offenheit

  • Fairness und Einbeziehung

  • Kompetenz und Berücksichtigung von (fachübergreifenden) Daten

  • Beständigkeit und Bescheidenheit.

Aber ohne das dritte Auge, ohne Wächter, oder mit den Worten von Reuter, ohne kompetente Wachheit, wird es äußerst schwer Macht, Machtmissbrauch, anstehende Veränderungen im gesunden Maß zu halten.

Die kompetente Wachheit ist nach Alemanno eine Instanz, in sich selbst und gleichzeitig außerhalb seiner selbst, die die Gesellschaft und sich selbst vor gesellschaftlichen wie auch vor den eigenen Extremen zu schützen vermag. Erst wenn eine solche Instanz das Tun, die Tollheiten und Ausschweifungen im Auge behält, kann global etwas entstehen, was tatsächlich auch einmal dem Allgemeinwohl dient und nicht bloß einzelnen Menschen.[30]

  • Doch wer von den Mächtigen ist wirklich bereit, Machtansprüche, anreizende Ausschweifungen, Boni, das persönliche Machtstreben ehrlich zu hinterfragen und darüber hinaus dem Einhalt zu gebieten?

Dieser Frage sollte man sich zu allererst klar sein. An dem Punkt beginnt Mindfulness, ein produktives, reflektiertes Wirken von Macht. Der Weg der Erkenntnis sollte nicht mehr länger nur ein Weg der künstlerisch-philosophischen und spirituellen Eliten sein, sondern ein Weg aller Menschen – insbesondere jener, die andere Menschen führen möchten, und damit Macht bewerkstelligen. Das ist meine persönliche Antwort, um die Herausforderungen positiv zu managen – die vermutlich aber nicht jedem gefällt.

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[2] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[3] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[4] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[5] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[6] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[7] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[9] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[10] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[11] https://www.hrweb.at/2017/04/kommunikation-digital-natives/. Am 2017-05-02 gelesen.
[12] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[13] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[14] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[15] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[16] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[17] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[18] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[19] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[20] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[21] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[22] Keltner, Dacher: Das Machtpardox. Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main: 2016.
[23] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[24] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[25] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be.
[26] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[27] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[28] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[29] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.
[30] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.

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New Work muss man sich stellen – aber anders

New Work muss man sich stellen – aber anders

Im letzten Artikel, Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, habe ich versucht, ökologische Veränderungen und die daraus resultierenden möglichen Einflüsse auf die Wirtschaft zu durchleuchten. Umweltbewusstsein mag relevant sein. Wachstum aber ebenfalls, um das, wovon viele heute profitieren, so auch erhalten zu können. Doch beide Seiten sehen oft nur ihren Aspekt und nicht den anderen – die Folgen:

Missverständnisse, Missinterpretationen, vorschnelle Urteile, Ignoranz entzünden sich schnell

Das Öko-Thema ist nur eines in einer Reihe von anstehenden Veränderungs-Themen, die Unternehmen triggern und vorschnell Meinungen generieren – von super positiv bis hin zu völliger Ablehnung. New Work kann sich neben Öko ebenfalls in den polarisierenden und damit auch anfechtbaren Reigen abgenötigter Veränderungen einfügen.

Die einen sehen in New Work bloß einen Hype, einen Modetrend, der wieder verschwinden wird. Die anderen sind davon überzeugt, dass New Work die Arbeitsweise der Zukunft werden wird. Beide Seiten haben Recht:

  • Zum einen zeigt sich, New Work scheitert in etwa zu 75% [1], bloß 15-30%, je nach Quelle, dümpeln mit agilen Methoden vor sich hin, ohne das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen [2].

  •  Aber New Work eröffnet tatsächlich auch neue Chancen für NewcomerInnen, für Randgruppen, für kreative ÜberfliegerInnen und mutige InvestorInnen – Tendenz steigend, mit Folgen für den Rest des Marktes, die man jedoch noch nicht als relevant genug ansieht.

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New Work ist nicht besser, sondern anders

An New Work und den mit New Work einhergehenden neuen Arbeitsweisen geht kein Weg mehr vorbei. Im alten Stil können wir nicht weitermachen, weil die Digitalisierung Arbeitsprozesse verändern wird, ob wir wollen oder nicht. New Work wird ein Teil der Zukunft werden, vielleicht anders als aktuell gehypt, aber es wird ein Teil werden.

Der Öko-Aspekt zählt dazu, weil durch die Digitalisierung ganz neu aufgesetzte und ausgerichtete Produktionen und Dienstleistungen möglich werden, die den Markt aufmischen können, in einer Weise, die man sich jetzt im Moment noch nicht vorstellen kann bzw. mag.

  • So könnte beispielsweise China durch die Kehrwendung vom „klassischen“ Elektroauto hin zum Wasserstoffantrieb weltweit die Automobilbranche auf den Kopf stellen. Wir wissen es nicht, aber es könnte sein.

  • Dauerhafte Verhältnisse, auch Eigentum, wandeln sich ebenfalls und werden zu Bedürfnissen, die von KundInnen immer mehr nur noch auf Zeit „On Demand“ zu befriedigen gesucht werden – Tendenz stark steigend.[3] Das könnte ebenfalls Folgen für die Wirtschaft mit ihrer gegenwärtigen der Steigerungslogik mit sich bringen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, spricht davon, dass wir ökonomisch wachsen müssen, uns beschleunigen müssen, Effizienz steigern müssen, um das zu erhalten, was wir haben. Diese Dynamik hat sich jedoch zu einem leer laufenden Steigerungszwang entwickelt, und formt entsprechend unsere Weltbeziehung auf eine sehr spezifische Weise.[4]

Die Steigerungsleistung, die systematisch erzwungen wird, führt dazu, dass wir in einer Daueranspannung der Welt gegenübertreten – und das lässt uns resonanzunfähig werden.[5] Resonanzgeschädigt sehen wir die Probleme und Herausforderungen jedoch nur noch verzerrt. Damit erhöht sich die Zahl an Fehlentscheidungen – auf Unternehmensseite, politisch, aber auch privat und damit gesellschaftlich.

Das was Rosa über die postmoderne Welt und deren Beziehungsgefüge analysiert, steht jedoch im Widerspruch zu dem, was New Work fordert, mehr Empathie, mehr Resonanz, mehr WeQ statt IQ, um die Herausforderungen adäquat meistern zu können. Resonanz heißt, in Beziehung zu treten mit der Welt, sich von der Welt und dem was die Welt beschäftigt, anrufen und verwandeln, sich berühren zu lassen. Damit ist man aber auch verwundbar und verletzbar. Und genau das kann und will man sich nicht erlauben, ist nach Rosa unter dem Vorzeichen des Steigerungszwangs auch schier irrational.[6]

  • Zum einen fordert man von den Führungspersönlichkeiten mehr Empathie, will das intentional herstellen,

  • aber die Kontrolle muss dabei behalten werden – das widerspricht sich. Es ist schwer in emphatischen Kontakt zu treten, aber das bloß in sehr kontrollierter Weise passieren zu lassen: Der Tiger soll bitte pünktlich um drei Uhr zum Fototermin bereitstehen, und das mit ausreichendem Abstand, zu viel Nähe könnte gefährlich werden. Wer weiß, was dann passiert …

So beschreibt es Rosa, wie Menschen miteinander heute agieren. Mit dieser Art in Beziehung zu treten, angeheizt von der kontrollierbaren Steigerungslogik, zieht sich die Resonanz immer mehr zurück und erkaltet.[7] Gleichzeitig aber fordert New Work in Verbindung mit anderen Aspekten, mehr Empathie, mehr Intuition, mehr Offenheit, mehr freien Fluss statt Kontrolle. Das ist fast schon schizophren, kontrollierbar der Steigerungslogik folgen, und gleichzeitig resonant empathisch die Prozesse freier fließen lassen.

Der amerikanische Zukunftsforscher Alvon Toffler schreibt in seinem Buch „Future Schock“ von der Not des zu schnellen Wandels: Die Beschleunigung der letzten 70 Lebensspannen von zuvor 650 Lebensspannen, die Menschen über all diese hinweg nur in Höhlen lebend verbracht haben, lösen eine Art (unbewussten, weltumspannenden) Schock aus. Das Tempo der Umweltveränderungen und das Tempo, mit dem der Mensch darauf reagieren kann, ist aus der gesunden Bewältigung gefallen.[8] Es bleibt keine Zeit mehr für Resonanz. Im Gegenteil, Resonanz könnte das überforderte menschliche Fass zum Überlaufen bringen. Man tritt die emotionale Notbremse, ignoriert und klammert alles Unbequeme aus, um das Rad am Laufen zu halten, auch wenn das sogar gefährlich ist.

Die rasanten Veränderungen machen auch nicht vor der Lebensdauer von Unternehmen halt. Mittlerweile ist die Lebenserwartung von Unternehmen auf weniger als 20 Jahre gesunken, und sinkt noch weiter. Das ist u.a. ein Grund, warum Stephan Jansen, Präsident und Professor an der Zeppelin University in Friedrichshafen, an GründerInnen appelliert: Bitte denkt am Anfang auch schon an das Ende, weil es immer wichtiger wird, ein gutes Ende zu managen. Aber genau das lässt viele kalt, und ein Ende wird ins Abseits geschoben.[9]

Ob man will oder nicht, New Work heißt auch, sich immer wieder einem Ende stellen zu müssen – nicht unbedingt gleich dem Ende des Unternehmens, aber einem Ende der gewohnten Arbeitsstrukturen und den damit verbundenen Arbeitsweisen, lieb gewonnen Produkten und möglichen Annehmlichkeiten. Das fordert heraus, Bestehendes wirklich ziehen zu lassen, neue Strukturen offen und flexibel zu entwickeln, um rasch auf weitere Veränderungen reagieren zu können, sich auf eine permanente Transformationsfähigkeit einlassen zu können, so wie es VORSPRUNGatwork diagnostiziert.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Der Übergang von Alt zu neu fordert Engagement, Betroffenheit und mehr Kenntnisse als geplant. Das widerstrebt der Gewohnheit, das widerstrebt den Zeitvorgaben im Management, das widerstrebt oft auch den Menschen, den MitarbeiterInnen wie auch Führungskräften, die es gerne schnell erledigt haben wollen bzw. keine Verunsicherungen, Ängste und Verluste von alt gewohnten Routinen und Vorteilen spüren möchten. Diesen Prozess kann man in drei Phasen unterteilen, die jedoch nicht getrennt und schon gar nicht seriell ablaufend betrachtet werden sollten.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Diese drei Phasen fließen parallel zueinander. Der Einfluss einer bestimmten Phase ist mal stärker, mal weniger stark im Vergleich zu den beiden anderen. Es zeigt sich zwar eine gewisse Tendenz, welche Phase wann im Veränderungsprozess intensiver und einnehmender wirkt, aber das kann nicht dogmatisch auf jeden sich im Veränderungsprozess Befindlichen angewendet werden.

  1. Die Phase 1 ist eine Erkenntnisphase, darüber, was man an Gewohnheiten in der Arbeit liebgewonnen hat, worauf man sich verlässt, in welchen Komfortzonen man sich bewegt und was man eigentlich nicht ändern will, weil es unter Umständen unbequem ist, und darüber hinaus Unsicherheiten und Ängste auslöst. Bequemlichkeit, Unsicherheit und Angst blockieren jedoch jede Veränderung. Mit Angst im Nacken ist sofort Widerstand aktiviert, und die angestrebte Veränderung, auch wenn diese tatsächlich Vorteile verschaffen könnte, erstickt im Keim.

  2. Die Phase 2 ist unglaublich wichtig, wird aber oft nicht im Prozess mit einbezogen. In dieser Phase wird man mit Dilemmata und Paradoxien konfrontiert. In dieser Phase erprobt man die neuen Möglichkeiten, obgleich man gleichzeitig auch noch an den gewohnten alten Verhaltensweisen festhält – als Sicherheit. Man pendelt hin und her zwischen alt und neu. Man sitzt zwischen zwei Stühlen. Das Alte hält man noch fest, das Neue setzt man als Ziel auf Prozess-Papiere. Ein Ja, aber … schleicht sich subtil ein, und versucht die angestrebten Veränderungen so gut es geht von sich fern zu halten bzw. so hinzudrehen, dass man selbst davon nicht betroffen ist.

  3. In der 3. Phase geht es dann konkret um die Entscheidung, darum sich wirklich auf das Neue einzulassen und das Alte definitiv loszulassen. Oft tut man jedoch nur so, als ob man das Alte loslässt und sich voll auf das Neue einlässt – aber das ist leider häufig ein Trugschluss. Doch das ist ganz normal. Das ist u.a. auch die Strategie der Gewohnheit, um Ängsten und Unsicherheiten auszuweichen.

New Work ist weit mehr als nur die Auseinandersetzung mit dem Neuen, sondern ebenso die intensive Beschäftigung mit dem Alten. Das verlangt Einsicht, Resonanz zu sich selbst und zu dem, was andere erleben. New Work verlangt Willenskraft, um der Kraft der Gewohnheiten widerstehen zu können. Denn selbst dann, wenn die Entscheidung zur Änderung wirklich konkret getroffen ist, werden die alten Gewohnheiten immer wieder aufs Neue versuchen, das Alte ins Neue hinüber zu schummeln. Immer dann, wenn das Neue Unsicherheit auslöst, ist sofort das Alte zur Stelle und versucht unter dem Deckmantel des Neuen die alten Verhaltensweisen geschickt ins Neue einzufädeln.

Man will Erfolge generieren, aber ohne die umfassenden Herausforderungen auch anzunehmen, die bei Veränderungen nun einmal auch zu managen sind. Man schaut viel zu oft nur auf das, was man ohne größeren Aufwand scheinbar gut zu managen bekommt, rasch Erfolge sichtbar werden lässt. Man konzentriert sich auf oberflächliche Anhaltspunkte, aber nicht auf die systemisch tiefgreifenden Aspekte – verständlicherweise. Doch genauso scheitern agile Arbeitsmethoden.

New Work verkommt zu einem Buzzword, mit wenig Substanz. Gleichzeitig braucht es aber die neuen, veränderten Arbeitsstrukturen, um die mit der Digitalisierung einhergehenden neuen Möglichkeiten erfolgsversprechend im Verständnis der Steigerungslogik in Spur zu bringen.

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

Unternehmen bzw. die MitarbeiterInnen und Führungskräfte geben zu, dass sich viele unsicher sind was die Zukunft betrifft, dass Angst da ist, Misstrauen, Frustration, Zerrissenheit, auch Gleichgültigkeit, Resignation, Hilflosigkeit, Aggression, Bedrohung, ein Spiel mit dem Feuer, zum einen anregend zum anderen abschreckend, … aber auch Lichtblicke, Neugierde, Euphorie, Hoffnung, etc. gibt ihnen der Blick in die Zukunft. Ja, sie wirkt sogar vitalisierend.

  • New Work wird vorwiegend an 2 Polen besiedelt. Auf dem einen Pol sammeln sich alle jene, die New Work als echte Innovation mit unglaublich vielen neuen Möglichkeiten und Chancen sehen.

  • Auf dem anderen Pol findet sich Skepsis, Angst, Überforderung und Bedrohung.

New Work polarisiert und verliert damit an Kraft und Wirkungsweise. New Work braucht deutlich mehr Auseinandersetzung zwischen den Polen, mehr Verständnis für die unterschiedlichen Aspekte auf dem gesamten Kontinuum innerhalb der beiden Pole.

Resümee

Es genügt für die erfolgsversprechende Implementierung von New Work nicht, bloß einzelne Wände neu zu setzen oder einige Räume neu einzurichten. Ein VORSPRUNG at work kann erst dann erfolgsversprechend wirksam werden, wenn man es wagt, die alles tragende Unternehmenskultur, das Fundament des Unternehmens einem entsprechenden Umbau zu unterziehen. So analysiert es Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork.

New Work ist ein umfassender Kultur-Change, eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Mindset eines Unternehmens, bezieht neben neuen Arbeitsweisen wie agile Methoden, flexible Strukturen, flache Hierarchien, Kollaboration, Sinnökonomie, offene Wissenskultur, … einen wichtigen weiteren Aspekt ein:

  • in Resonanz gehen, nach innen wie nach außen mit der Welt – heute und morgen, sprich mit der Zukunft der Welt. Das ist ein äußerst relevanter Schritt, ein Schritt voraus, ein Vorsprung. Das klingt einfach, weil alle meinen, sie tun das. Aber dem ist nicht wirklich so, dafür braucht es Resonanz, und genau an der mangelt es nach Analyse von Rosa jedoch immer mehr.

  • Ohne echte Resonanz und einer damit verbundenen Vision wird man scheitern, vielleicht weniger, weil man die neuen Arbeitsstrukturen nicht stimmig genug aufgesetzt hat, sondern weil man die Gefahren der neuen Welt nicht rechtzeitig zu erkennen beherrscht.

Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [10] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://alinbu.net/blog/die-agile-bewegung-ist-gescheitert/. Am 2019-02-25 gelesen.
[3] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[4] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[5] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[6] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[7] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[8] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[9] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[10] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[11] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Ein Weltbankbericht geht davon aus, dass bis 2050 140 Millionen Klimaflüchtlinge zu zählen sein werden.[1]

Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten unserer Geschichte.[2]

Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründungsdirektor des Potsdamer-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht davon, dass die Folgen sich veränderter Umwelten durch ein Übermaß an Nutzung fossiler Brennstoffe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft heruntergespielt werden [3] – das kann bald fatale Folgen mit sich ziehen.

  • Die größte Gefahr stellt nach Richard David Precht die Migration dar – die Migration aufgrund eines Öko-Kollaps. Die Digitalisierung ist darin gut eingebettet, in einer jedoch anderen Art von Gefahr, die vielmehr von Seiten des Energie-Verbrauches und weniger von Seiten der Jobverluste zu analysieren ist. Der Energie-Verbrauch der Digitalisierung ist immens, und wenn das weiterhin mit klassischen Energieträgern zu bewerkstelligen versucht wird, dann erleben wir alle den Öko-Kollaps mit Folgen, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigen. So skizzieren ForscherInnen in einem neuen Report, dass Mitte des Jahrhunderts die Zivilisation wie wir sie kennen voraussichtlich enden wird. Die Menschheit wird zwar irgendwie überleben, aber fast alles, was sie in den letzten 2000 Jahren aufgebaut hat, wäre verloren.[4]

  • Meine Botschaft an alle Zweifler, die mit Täuschung arbeiten ist einfach, sagt Arnold Schwarzenegger beim Austrian World Summit 2019: Irgendwann wird die Wahrheit auch Euch einholen. Die Lügen müssen aufhören, jetzt! All jene, die den Umweltschutz zurückhalten, wird nichts anderes mehr überbleiben, als das Schlamassel bald in den eigenen Händen zu halten. Es braucht endlich echte Lösungen und keinen Bullshit […]

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Mag sein, dass nach diesen ersten Aussagen bereits einige aussteigen, und den Artikel nicht mehr weiterlesen wollen. Manche werden diese Schwarzmalerei als Übertrieben erachten und verurteilen, dass mit plakativen negativen Aussagen über die Zukunft viel schlecht geredet wird. Das mag stimmen, doch ich fürchte, dass das was aktuell getan wird, politisch, unternehmerisch, gesellschaftlich vielleicht wirklich nicht ausreicht. Ich weiß, dass werden viele gar nicht gerne hören bzw. sogar als heuchlerisch bezeichnen.

Mit einer zu radikalen Umweltschutzaufforderung vergrault man die Unternehmen, deren Führungskräfte, die Politik, …, all jene, die scheinbar hoffen, dass die Umwelt es schon irgendwie schaffen wird – 1 oder 2 Grad mehr auf der Erde ist doch gar nichts. Leider stimmt das nicht. 2 Grad mehr ist vielmehr als wir uns gedanklich mit den damit zusammenhängenden Folgen ausmalen können bzw. wollen. Sie wissen das so wie ich. Doch wir verlieren alle gemeinsam die möglichen Folgen einer Klimakatastrophe schnell aus dem Bewusstsein, sobald es darum geht, das Business am Laufen zu halten, Gewinne zu generieren, die persönlichen Ziele erreichen zu wollen.

Ich selbst kann die Klima- und Umweltrelevanz, wenn ich ehrlich bin, auch nicht in der Dimension erfassen und glauben, dass beispielsweise eine Erderwärmung aufgrund der Art und Weise wie wir Energie verheizen, Ressourcen verschwenden, … wirklich so heftige Folgen haben kann, wie ExpertInnen sagen. Aber auf der eigenen Meinung zu beharren, die Umweltbelastungen scheinen noch vertretbar zu sein, ist auch nicht mehr mit 100% Überzeugung zu vertreten. Es ist fast beschämend, die mit unserer Lebensweise verbundenen Folgen und Gefahren noch immer auszublenden bzw. zu verharmlosen. Das kann an dem Punkt wo wir alle gemeinsam jetzt stehen, vielleicht tatsächlich Folgen mit sich bringen, die man, hätte man es früher in der Heftigkeit eingesehen, vermutlich nicht zugelassen hätte.

Lassen Sie mich 3 Fakten anführen, die, insbesondere im Punkt 3, deutlich zeigen, dass die Auseinandersetzung mit Klima- bzw. Umweltschutz für Sie als Unternehmen wichtig sein könnte – nicht bloß, um einen guten Ruf in der Öffentlichkeit zu verteidigen, sondern um die Zukunft Ihres Unternehmens, Ihre persönliche Zukunft und die Ihrer Kinder und Enkelkinder sicherzustellen.

Fakt 1

90 Prozent aller Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt, und rund 7 Millionen Menschen sterben jährlich daran. Es gibt bereits mehr Tote durch Luftverschmutzung als durch Aids, Tuberkulose und Kriege.[5]

Das mag auf den ersten Blick für die Wirtschaft nicht relevant sein. Aber auf den zweiten und dritten Blick hat das auch für Unternehmen gravierende Folgen. Die Kosten müssen u.a. durch die Sozialsysteme getragen werden. Die bisher stark subventionierten fossilen Energieträger könnten diese Unterstützung dann verlieren, weil das Sozial- und Gesundheitssystem mehr Geld benötigt. Das hat wiederum Folgen für Unternehmen – was uns gleich zum nächsten Punkt führt.

Fakt 2

Fossile Energieträger werden weltweit mit 5,3 Billionen Dollar subventioniert. Das ist mehr als für den Gesundheitssektor ausgegeben wird. Der Weltwährungsfond (IWF) hat aufgerufen, endlich den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas nicht mehr weiter zu fördern.[6]

Mag sein, dass Sie als Manager davon ausgehen, dass es nie dazu kommt, dass die Subventionen fossiler Energieträger wirklich radikal gekürzt werden. Doch können Sie wirklich sicher gehen, dass Ihre Annahme stimmt?!

Die Wirtschaft, aber auch die Politik stehen vor einem Dilemma:

  • Wenn weiterhin fossile Energie im umfassenden Maß genutzt wird, dann bewirken wir vielleicht wirklich bald einen Öko-Kollaps?! Dann trifft es alle in einer Weise, die man sich nur schwer vorstellen kann.

  • Wenn man jetzt politisch die Reißleine zieht, sprich die Subventionen fossiler Energie radikal kürzt, dann könnte das die Unternehmen unangenehm treffen, weil sich diese vielleicht noch immer nicht entsprechend auf ein solches Ereignis eingestellt haben, weil man die Nutzung fossiler Energien als weiterhin selbstverständlich erachtet?

Mag sein, dass Ihr Unternehmen davon nicht betroffen ist. Für andere, selbst für mögliche Betroffene mag dieses Szenario, die deutliche Kürzung der Subventionierungen von fossilen Energieträgern, an den Haaren herbeigezogen sein. Doch man sollte dieses Szenario auch nicht ganz aus dem Blick streichen – insbesondere jetzt, wo von immer mehr Seiten zu hören ist, dass wir einem Öko-Kollaps entgegensteuern.

China macht in Bezug auf Umweltschutz einen deutlichen Schwenk. Das ist zwar für viele eine Augenauswischerei. Aber es zeigt, dass selbst beim Wachstumstreiber China der Umweltaspekt mehr in den Fokus rückt – nicht, weil China so umweltfreundlich ist, sondern mehr aus Angst, durch Umweltprobleme das angestrebte Wachstum nicht erreichen zu können.

Das führt uns weiter zu Punkt 3, der für die Wirtschaft vielleicht am ehesten dazu führt, radikaler und vor allem schneller umzudenken.

Fakt 3

Klimawandel kostet Wachstum – genau das, was jedoch die Wirtschaft braucht, um weiterhin Erfolge generieren zu können.[7]

Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) hat ausgerechnet, dass durch den Klimawandel das Wirtschaftswachstum auf jeden Fall gebremst wird.[8] Das hat wiederum zur Folge, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Unternehmen schließen und die Staatseinnahmen sinken mit den Konsequenzen: der Sozialstaat, das Gesundheits- und das Bildungswesen lassen sich nicht mehr finanzieren.[9] Das hat wiederum Nachwehen auf die Wirtschaft und Folgen auf Ihre Verantwortlichkeit, weitere Erfolge im Unternehmen zu generieren.

Nach Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, steuern wir nach allen Ecken auf eine Krise zu:[10]

  • 35% der globalen Landfläche und 55 Prozent der Weltbevölkerung sind an mehr als 20 Tagen im Jahr tödlicher Hitze ausgesetzt, Teile der betroffenen Gebiete werden unbewohnbar.[11]

  • Auf mehr als 30% der Erdoberfläche entstehen Wüsten, 2 Milliarden Menschen sind von Wasserknappheit bedroht.[12]

  • In den meisten Regionen sinkt die Lebensmittelproduktion aufgrund der Erderwärmung, gleichzeitig wächst aber weltweit die Bevölkerung noch weiter an, auf 11,2 oder sogar 20 Milliarden.[13]

Die Prognosen sind nicht mehr an den Haaren herbeigezogen – es sind Fakten, und die Fakten werden Einfluss nehmen auf das Weltgeschehen und auf die Wirtschaft.

Das Problem ist nach Armin Nassehi, Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker, dass wir nur noch Ziele haben. Ziele formulieren kann jeder. Aber dabei vergisst man, dass wenn man ein Ziel formuliert, das noch nicht die Lösung ist.[14] Die Lösung kann nach Nassehi nur darauf aufgebaut werden, die unterschiedlichen Logiken der unterschiedlichen Systeme ineinander zu übersetzen, sprich die Wirtschaft muss weiterhin Geld verdienen können, die PolitikerInnen müssen wiedergewählt werden können, rechtliche Normen müssen gelten dürfen, UmweltaktivistInnen und KlimaexpertInnen dürfen für den Schutz der Umwelt kämpfen. Medien brauchen jeden Tag etwas zu melden, usw …[15]

Das ist nach Nassehi die Kompetenz der Zukunft, die unterschiedlichen Logiken aufeinander zu beziehen. Mit klassisch getrennt für sich agierenden Logiken ist es nicht möglich, die Umwelt-Probleme zu lösen. Das CO2 Problem lässt sich weder als Gerechtigkeitsproblem noch mit der eher bürgerlichen Idee des freiwilligen Verzichts und schon gar nicht mit Staatslenkung und Verboten lösen. Die Herausforderungen sind so groß, da bleibt uns nichts anderes übrig, als das große Gespräch zu führen.[16]

Das Problem ist jedoch, dass diese Logiken oft gegeneinander arbeiten und auch nicht von einer Stelle aus kausal zu steuern sind. Deshalb braucht es dringlich neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können – ein äußerst wichtiger Punkt, sich gegenseitig verunsichern, um der Realität ins Auge sehen zu können. Man muss sich dabei den Konflikten offen stellen und Verantwortung übernehmen.[17]

  • Wenn Sie bis zu diesem Punkt noch nicht in Anklage zu dem Artikel gehen, sondern vielleicht ernsthaft nachdenklich gestimmt sind, was konkret bewegt Sie nachzudenken? Was geht Ihnen jetzt im Moment durch den Kopf?

  • Glauben Sie, dass die Menschheit den Klimawandel noch aufhalten kann, insbesondere dann, wenn Wirtschaft, Politik oder Umwelt-AktivistInnen Ziele getrennt voneinander formulieren und getrennt voneinander zu lösen versuchen?

  • Oder meinen Sie, dass die möglichen Folgen vom Klimawandel ohnehin nur plakativ zur Aufheizung und Meinungsmache manipuliert dargestellt werden, so wie es u.a. Trump sieht?

Wie dem auch sei, einer Tatsache müssen sich Unternehmen, die Automobilbranche aber auch andere stellen – nämlich der Kehrwendung der ChinesInnen, die E-Mobilität nicht mehr länger fördern zu wollen, sondern stattdessen auf Wasserstoffautos zu setzen – ganz nach japanischem und kalifornischem Vorbild.[18]

China galt bisher als entscheidender Markt für den Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge – das wird sich ändern, schneller als vielen lieb sein wird. Bei den chinesischen Behörden wächst das Bewusstsein für die zahlreichen Nachteile batterieelektrischer Autos gegenüber Wasserstoffautos und auch dem klassischen Verbrenner. Besonders schwer wiegen die Umweltprobleme – sowohl beim Gewinnen der erforderlichen Schwermetalle als auch beim Entsorgen der giftigen Abfälle. Staatliche Subventionen werden von nun anstatt in Elektroautos in die Entwicklung der Wasserstoff-Brennstoffzelle gesteckt. Die EV-Industrie wird schon bald die grausame Realität finanzieller Einbußen erleben.[19]

Frank Böttcher, Meteorologe, Wetterforscher, sieht den Umstieg auf Elektromobilität ebenfalls kritisch. Elektromobilität ist bloß eine Übergangstechnologie. Wasserstoff wird die Zukunft werden, und hat in fachkundigen Kreisen ohnehin schon die Nase vorn.[20] Forscher des Wuppertal Instituts für Klimaforschung sagen: Der ökologische Rucksack, also die Summe der Umweltbelastung durch alle bei der Herstellung verwendeten Materialien, ist bei der E-Mobilität im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so hoch.[21] Deutschland möchte jedoch weiterhin auf die Elektromobilität setzen, und die wasserstoffgetriebene Brennstoffzelle als Antriebsoption vernachlässigen.[22]

Rosa spricht aktuell davon, dass sich der Rationalitätsstandard senkt, was umgangssprachlich heißt: Die Zahl der Fehlentscheidungen steigt. EntscheiderInnen wissen offenbar nicht mehr, was sie tun können bzw. sollen.[23]

Prof. Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker, Prof. an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA), kritisiert schon lange, dass man immer wieder auf das falsche Pferd setzt. Man versteht nicht oder will nicht verstehen, das richtige zu tun im Verständnis der ganzheitlichen Betrachtung. Stattdessen lässt man sich vom Effizienz- und Gewinnstreben blenden, übersieht damit jedoch, dass man sich selbst für die Zukunft ein Bein stellt und fallen wird.

Es braucht nach Braungart, Nassehi, u.a. weit mehr Lösungen dafür, was nicht mehr gemacht werden soll, in der Mobilität, in der Industrie und Landwirtschaftsproduktion, beim Fleischessen, … Wenn man Menschen jedoch etwas wegnimmt, muss man ihnen etwas anderes geben. Man muss Unternehmen helfen, mit den richtigen Sachen Gewinne zu machen.

  • Es braucht neue Modelle zwischen Staat und Wirtschaft,

  • ein neues Verhältnis zu Gewerkschaften, die sich auch auf Transformation einstellen.

  • Es braucht intelligente Steuerungen durch technische, rechtliche und ökonomische Anreizformen, wo die unterschiedlichen Logiken ineinander übersetzt wirken und sich nicht in einer zentralen Idee aufheben.[24]

  • Rosa sieht es ähnlich und unterstreicht das, indem die alten Hierarchien, oft im Silodenken gefangen, aufgelöst werden sollten, um die verschränkten Logiken miteinander in einer neuen Unternehmenskultur zum Agieren kommen lassen zu können.[25]

Schellnhuber reflektiert, auch selbstkritisch, dass sich alle zusammen viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen haben. Gleichzeitig muss er gemeinsam mit seinen KollegInnen erdulden, dass die Mails von GegnerInnen gehackt werden, und eine regelrechte Treibjagd auf KlimaforscherInnen abgehalten wird. Schellnhuber erklärt sich diese Reaktion durch eine kognitive Dissonanz. Er meint, der Klimawandel stellt für die Menschen ein derart großes Problem dar, bei dem eigentlich niemand weiß, wie man es in den Griff bekommen kann, sodass dieses Problem verdrängt wird.[26]

Der Klimawandel löst eine Art Ohnmacht aus, macht Angst, die man verdrängt, wodurch innovative, neue Ideen in der Produktions- und Wirtschaftsweise bereits im Keim ersticken. Lt. einer Studie wird Angst als Innovationsverhinderer Nummer Eins genannt. Knapp jede zweite Führungskraft befürchtet einen Machtverlust, wenn echte Innovationen gesetzt werden.[27] Die Überspielung der Angst ist dabei gar nicht der schlimmste Aspekt, sondern vielmehr die Tatsache, dass durch Angst zielführendes, verantwortungsbewusstes Denken und Handeln verhindert wird.[28]

Die gute Meldung, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius ist noch machbar – aber wirklich dringend notwendig. Das geht aus einem Sonderbericht hervor, den der Weltklimarat (IPCC) im Oktober 2018 in Südkorea vorstellte. Nötig seien dafür jedoch schnelle, weit reichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Die globalen Treibhausgas-Emissionen müssten bis 2030 um 45% unter das Niveau von 2010 fallen. Die Veränderungen dürfen nicht nur die Form der Stromerzeugung oder der Fortbewegung umfassen, sondern auch die Art der Landwirtschaft, Industrieprozesse und die städtische Infrastruktur.[29] Der Wechsel einer Linearwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist ein Lösungsansatz.

Resümee

Wir müssen alle Federn lassen, damit neue wachsen können. Man müsste mit denen arbeiten, die eher maximal unterschiedlich als maximal ähnlich sind.[30]

Im Verständnis von Nassehi sollten wir Konkurrenzdenken in einer anderen Art nutzen, miteinander verschränkt die Konkurrenz zum Miteinander werden lassen, sich gegenseitig mit den unterschiedlichen Logiken und Perspektiven klar aufzeigen, was die Herausforderungen sind und gemeinsam Lösungen umsetzen. Dafür braucht es dringend neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können. Und so frage ich Sie und mich selbst:

  • Sind wir bereit, uns verunsichern zu lassen und gemeinsam, statt in Konkurrenz zu anderen Systemlogiken die Herausforderungen zu managen?

  • Welche nächsten Schritte müssten wir konkret dafür setzen?

  • Wieviel Zeit widmen wir den neuen Bündnissen bzw. welche Bündnisse, die außerhalb unserer Systemlogik agieren, würden wir als erstes kontaktieren und uns mit denen auseinandersetzen?

  • Oder enthalten wir uns weiterhin einer Auseinandersetzung, so wie es ein Finanzvorstand eines großen Dax-Konzerns in kleiner Runde zugibt: Wir warten, wir verschieben Entscheidungen.[31]

Weder die verbrauchten Rohstoffe noch das Artensterben kann sich im Rahmen einer Wirtschaftsperiode so erholen, dass es wie zu Beginn dieser Periode war – es wird deutlich länger dauern, nicht 50 Jahre, nicht 100 Jahre, nicht 1000 Jahre, sondern Millionen Jahre. Es braucht lt. Forschung etwa zehn Millionen Jahre, bis die aktuelle Formenvielfalt, und sogar 20 Millionen Jahre, bis die volle Zahl an Spezies wieder erreicht sein könnte.[32]

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[2] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlkc. Am 2019-06-19 gelesen.
[3] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[4] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. Am 2019-06-18 gelesen.
[5] https://diepresse.com/home/ausland/Energiewende_Schwarzenegger-beim-AustrianWorld-Summit-optimistisch. Am 2018-05-22 gelesen.
[6] https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article141084514/Die-Welt-steckt-mehr-Geld-in-Oel-als-inGesundheit.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[7] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[9] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[10] http://www.fr.de/wissen/gesellschaft-die-welt-ist-von-einer-angst-epidemie-befallen-a-1413026. Am 201805-22 gelesen.
[11] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[12] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[13] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[14] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[15] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[16] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[17] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[18] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-18 gelesen.
[19] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-19 gelesen.
[20] https://www.abendblatt.de/meinung/article216489581/Wasserstoff-wird-Antrieb-der-Zukunft.html?fbclid=IwAR00IANreabBT_YDse3e81ACdT9CL-9Vs7il63Kvu_OgpgEX8kEVu2h3OzQ. Am 2019-06-19 gelesen.
[21] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/kann-das-elektro-auto-die-umwelt-retten-100.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[22] https://www.welt.de/wirtschaft/article190734171/Japan-Regierung-und-Toyota-setzen-auf-Wasserstoffautos.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[23] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[24] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[25] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[26] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[27] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessteninnovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[28] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[29] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlk. Am 2019-06-19 gelesen.
[30] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[31] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[32] https://www.msn.com/de-at/nachrichten/wissenundtechnik/die-natur-erholt-sich-vom-menschen-in-millionen-jahren/ar-BBVJRqH?ocid=spartandhp. Am 2019-04-09 gelesen.

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