future of work

Der Leadership Blog mit Wirkung

Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Jede Epoche hat ein Symbol. Der Eiffelturm, errichtet für die Pariser Weltausstellung 1889, war das Aushängeschild für die mit allen Traditionen brechenden, revolutionären Möglichkeiten industrieller Technologie. Die damit verbundene neue Ordnung stellte sich mit dem Eiffelturm selbst zur Schau. Oberste Maxime war: Vertrauen gewinnen in das Zeitalter des Kapitals und den damit verbundenen möglichen Erfolgen.[1]

Vorsprung einst – Vorsprung heute – Vorsprung morgen

Die Pariser Weltausstellung war ein Muss für jeden, der die Industrialisierung mitgestalten, beeinflussen und daran gewinnen wollte. Man wetteiferte, man konkurrierte, spornte sich gegenseitig an, noch schneller, noch weiter, noch mehr zu leisten, noch mehr zu produzieren, noch mehr zu kapitalisieren, … Jeder wollte dabei der Erste sein.

Machen wir jetzt einen großen Sprung, vorwärts in das Jahr 2030. Der Ansporn besser zu sein als die Konkurrenz, treibt vermutlich im Jahr 2030 die Wirtschaft noch immer an. Der Wetteifer beflügelt weitere Errungenschaften und Fortschritte. Etwas hat sich jedoch zu damals um 1900 geändert: Die Geschwindigkeit und damit auch die Schnelligkeit der Auswirkungen sowie der entsprechenden Rückkoppelungen.

Das ist absolut nichts Neues, das ist ohnehin allen klar – werden Sie vermutlich denken. Alle Unternehmen verfolgen das Ziel, die Unternehmen fit für den Markt, fit für die Zukunft zu machen. Das heißt aktuell im Digitalisierungsprozess, schneller, agiler, flexibler zu sein als man es früher war. Strategien gibt es viele, doch die entscheidende Frage und Lösung zeigt sich weniger in bestens durchdachten Digitalisierungsprozessen, sondern in der Courage, bahnbrechende Visionen umzusetzen – wie beispielsweise das erste virtuelle Büro dieser Welt ins Leben zu rufen.

Das virtuelle Büro, , das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty

read more

Dieses virtuelle Büro ist kein Videospiel. Es ist das reale Bürogebäude, das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty. Dort arbeiten alle 1500 MitarbeiterInnen remote auf einer virtuellen Insel. Dort kann man, wenn es gerade notwendig scheint, die Arbeit mit einer Bootstour kombinieren, aber genauso gut Besprechungen in eigens dafür festgelegten Besprechungsräumen durchführen, oder diese ganz individuell gemeinsam auf der Terrasse im 30. Stock abhalten, uvm… Dieses virtuelle Büro kann hunderte von BesucherInnen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.[2]

Das virtuelle Büro von eXp Realty kann hunderte von Besucher*innen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.

Und jetzt frage ich Sie:

  • Gehören Sie auch zu jenen, die die Zukunft mit bahnbrechenden Visionen mitgestalten,

  • oder zählen Sie zu denjenigen, die aktuell zu wenig Zeit, zu wenig Rückendeckung, aber auch zu wenig Courage aufbringen, spannende Visionen zuzulassen?

Ein solch weiter Griff, hin zu virtuellen Büros mag Ihnen als Führungskraft und für Ihr Unternehmen aktuell noch zu früh erscheinen. Doch die Zukunft klopft auch an Ihre Türen, schneller als es vorstellbar ist. Das virtuelle Büro, um das jetzt als Beispiel zu nennen, ist vermutlich erst ein spannender Versuch einer aktuell bahnbrechenden Arbeits- und Gesellschaftsrevolution – zumindest prophezeien das einige WissenschaftlerInnen.

Digitalisierung stellt die Weltordnung des Industriekapitalismus auf den Kopf

Die Industrialisierung hat im angehenden 20. Jahrhundert die Welt verändert, eine neue Ordnung der Welt hervorgebracht. Das hat einiges an Turbolenzen ausgelöst, aber ist auch über viele Jahre hinweg aufstrebend und stabil gelaufen. Die Industrialisierung hat einen Wohlstand auf dieser Welt mit sich gebracht, der in keiner Weise zuvor so genannt werden kann – eine wirklich außergewöhnliche Leistung. Doch jetzt steht die Entwicklung und die Errungenschaften der Industrialisierung vor einem Wendepunkt. Die Digitalisierung läutet diese ein, und könnte die Weltordnung nach 100 Jahren wieder einmal auf den Kopf stellen, so wie es damals die Industrialisierung auch getan hat. Die Digitalisierung wird deutlich mehr verändern, als das, was man aktuell im Kopf hat.

Ich weiß, das sehen Sie ohnehin auch so. Aber wie offen gehen Sie wirklich an die Sache heran? Sie gehen vermutlich wie ich davon aus, dass Sie für die bahnbrechenden Veränderungen der Zukunft ganz offen sind, Unterstützung suchen bei hochkarätige BeraterInnen, die scheinbar wissen, wie, was, wo, wann passieren wird und strategisch Ihr Unternehmen bestens auszurichten versucht. Doch der Rückblick auf die Industrialisierung zeigt, dass der Weitblick aus dem Moment heraus, selbst bei Fachkundigen, meist deutlich eingeschränkter aussieht als man meinen möchte. Was will ich damit verständlich machen?

Ich gebe Ihnen einen kleinen Anhaltspunkt anhand eines konkreten Beispiels:

  • Denken Sie an ein Auto. Wenn Sie an ein konkretes Auto denken, gehen Ihnen vielleicht Gedanken durch den Kopf, wie man die Autos der Zukunft verbessern könnte, um weniger Schadstoffe zu produzieren. Sie denken vielleicht an E-Autos oder an Wasserstoff betriebene Autos, an Autos mit Solarantrieb, ebenso an selbstfahrende Autos, wodurch weniger Unfälle passieren, uvm …

  • Was geht Ihnen aber noch durch den Kopf, wenn Sie an Autos der Zukunft denken? Gehen Ihnen auch noch andere Aspekte durch den Kopf?

  • Vielleicht gibt es 2030 das Auto, wie wir es uns heute vorstellen in der Art und Weise nicht mehr – u.a., weil China weltweit aufgrund Klimakatastrophen strikte Vorkehrungen trifft und Autos abschafft, oder auch die EU die Zahl der Autos stark reduziert, oder …?

Vielleicht muss man, um die Digitalisierung und die damit verbundenen weitreichenden Veränderungen zu verstehen, weniger die Frage nach den Autos beantworten, was ich jetzt nur als Platzhalter für viele andere Themen der Digitalisierung nehme, und stattdessen sich beispielsweise über die Zukunft der Mobilität Gedanken macht. Es geht nicht mehr um die Autos als solche, es geht um einen übergeordneten Aspekt. Weniger wie das Autofahren mit Autos wird, sondern wie man sich in unterschiedlichen Möglichkeiten fortbewegen könnte.

Ein Wal-Bus

Machen wir dafür wieder einen Sprung zurück ins 19. Jahrhundert. Es kann manchmal hilfreich sein, aus der Vergangenheit heraus die Zukunft zu betrachten, um das begrenzte Denken im Jetzt zu öffnen. Damals um 1900 träumte eine Gruppe französischer Künstler unter dem Titel „Im Jahr 2000“ von künftigen technischen Errungenschaften. Die daraus entstandene Bilderserie bietet meiner Meinung nach einen anregenden „Rückblick in die Zukunft“. So abenteuerlich-absurd manche der abgebildeten Ideen aus heutiger Sicht erscheinen, so visionär sind diese zugleich – beispielsweise Ideen von Landwirtschaftsmaschinen, Maschinen, die den Haushalt bzw. den Boden selbstständig reinigen, Dienstleistungen wie Frisör und Zahnarzt, die von Robotern durchgeführt werden, Mobilität in Form von einem Wal-Bus, oder Schulen, wo nicht mehr das Lehrpersonal vorträgt, sondern Wissensvermittlung über Kopfhörer stattfindet, … – sehen Sie selbst.[3]

Schön und gut, werden Sie vielleicht denken, das ist unterhaltsam, aber …

  • was möchte ich Ihnen nun konkret mit diesem kleinen Ausflug in die Vorstellungswelt von 1900 auf Ihren Weg in die Zukunft als Führungskraft mitgeben?

Es gibt etwas: Think big!

Ich meine aber nicht das „Think big“, was Sie ohnehin tagtäglich als Führungskraft tun.

Ich meine das „Think big“, was beispielsweise diese Künstler*innen von 1900 getan haben, indem sie sich gewagt utopisch über die Zukunft Gedanken gemacht haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, dass die Ideen aus dem Think big heraus umsetzungstauglich sein müssen, sondern darum, überhaupt einmal den meist doch ziemlich eingeschränkt agierenden Denkrahmen zu verlassen. Wie oft meinen wir, wir tun dies ohnehin. Aber das ist meist ein Selbstbetrug, dem auch ich selbst häufig erliege. Doch genau diese eingeschränkte Sicht auf die Zukunft und das Potential der Zukunft kann Unternehmen im Digitalisierungsprozess in deutliche Schwierigkeiten bringen.

Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, werden nur im Modus „Think big“ möglich werden – und nicht im selbsttrügerischen gemäßigten, industriell verhafteten Think big-Erfolgsdenken. Die Kraft und Macht der Digitalisierung, einschließlich der AI, sind bahnbrechend. Mit Hilfe der neuesten technischen Möglichkeiten könnten schneller als man sich vorzustellen gedenkt, schräge Ideen umsetzungstauglich gemacht werden. Mit Hilfe der Technik könnten wahnwitzige Ideen weitergesponnen und darauf aufbauend durchführbare, noch nicht gedachte Ideen, generiert werden …

Die Kreativität ist jedoch nur ein Aspekt, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – ein wesentlicher, aber nur ein Aspekt. Es gibt noch einen weiteren, der jedoch mit der Kreativität in Verbindung steht, mit dieser verschränkt wirkt – nämlich die Fragestellung, ob das demokratische Denken, so wie wir im Westen das aktuell verstehen und zu nutzen üben, der Umsetzung schräger Ideen, großer Visionen im Weg stehen könnte, im Vergleich zu China, das gigantische Visionen einfach anordnet und umsetzt. Eine heiße Hypothese, ich weiß, aber ich fürchte eine, der man sich besser jetzt als morgen stellen muss.

China, das möglicherweise die Vorreiterrolle im Zeitalter der Digitalisierung übernimmt, malt große Visionen, gigantische Visionen. Der Flugplatz in Peking, ein Superlativ in nur 4 Jahren aus der Erde gestampft, ist nur ein winziger Aspekt von dem, was China aktuell an Umsetzungen von Visionen vorantreibt – meist jedoch von oben herab brutal angeordnet und nicht demokratisch abgestimmt. Ich mag mit dieser Aussage in keiner Weise die Art und Weise der Umsetzung gigantischer Visionsprojekte der ChinesInnen gutheißen oder auch kritisieren, sondern vielmehr dazu aufrufen, uns mit China und wie China den Fortschritt anheizt, offen auseinanderzusetzen.

Wenn China im Digitalisierungsprozess so weiter macht wie bisher, dann könnte China im Digitalisierungswettlauf und der Nutzung von AI den Westen abhängen – u.U. dann sogar über den Westen bestimmen. Die EU wird zur neuen Kolonie, oder zum Retro-Land, das die ChinesInnen zwecks Erholung gerne bereisen. Ich weiß, dem werden viele von Ihnen nicht zustimmen und es nur als Schwarzmalerei abtun. Ich will diese, meine Meinung auch nicht als zukünftige Realität hinstellen, sondern vielmehr als Diskussionspunkt nutzen.

Wenn man davon ausgeht, dass u.U. die ChinesInnen in der Digitalisierung den Westen abhängen, dann sollten wir uns jetzt die Frage stellen, wie wir darauf rechtzeitig reagieren können, damit das nicht passiert. Uns stehen dafür u.a. 2 Wege offen:

  1. Entweder wir organisieren die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen ebenfalls weniger demokratisch und diskutieren nicht so viel, setzen große Entscheidungen einfach um. Bis zum gewissen Grad wird es ohnehin so gemacht, jedoch subtil, von hinten herum. Aber mit dieser Taktik läuft man Gefahr, dass durch die Geheimoffensiven relevante Lernaspekte untergraben werden – was rückblickend gesehen großen Schaden verursachen kann. Dann lieber direkt und offen mit undemokratischen Mitteln arbeiten, als subtil aus dem Off heraus die Fäden ziehen.

  2. Als 2. Chance sehe ich die Option, dass wir die ChinesInnen mit noch größeren Visionen übertrumpfen. Dafür braucht es aber wirklich offene Leute mit Mut, schräge Ideen und Visionen zuzulassen, und das entsprechende technische Know-how. Dafür brauchen wir einen starken WeQ, ein äußerst agiles, kollaboratives, sinnökonomisches Vorgehen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach wirklich wichtig, aktuell sich ehrlich und ernsthaft die Frage zu stellen:

  • Was könnten die neuen Impuls- und Veränderungsgrößen im Digitalisierungsprozess sein? Wird die neue Ordnung möglicherweise nur von einzelnen Staaten, vielleicht sogar nur noch von einzelnen Unternehmenssupergiganten entsprechend geformt werden, u.a. von China, Tesla im neuen Gewand, …?

Oder anders gefragt:

  • Welche Vision haben Sie konkret von der Zukunft?

  • Wie arbeiten Sie persönlich im Jahr 2030, sofern Sie dann noch arbeiten dürfen bzw. müssen?

  • Hat sich die Arbeitsweise und möglicherweise auch die Ziele und entsprechenden Produkte und Dienstleistungen geändert?

  • Oder meinen Sie, Ihr Unternehmen läuft 2030 in ähnlicher Weise wie heute – nur mit einigen technischen Adaptionen und weniger MitarbeiterInnen, die darüber hinaus ein anderes Know-how mitbringen müssen?

  • Meinen Sie, dass Ihr persönliches Know-how und Verständnis von heute ausreicht, um das Leben und Arbeiten von 2030 entsprechend visionieren und in Folge auch managen zu können?

Ich selbst glaube nein, mein jetziger Wissensstand wird in keiner Weise dafür ausreichen, die Veränderungen umfassend genug zu begreifen. Und genau deshalb, weil das Verständnis und das Wissen fehlen, sehe ich aktuell die Veränderungspotentiale und Veränderungsdringlichkeiten nicht klar genug.

Das ist das Spannende an großen Veränderungsprozessen: Man kann das, was möglich ist an Veränderungen nicht erkennen, weil man die Veränderungen noch nicht konkret sieht. Aber wie soll man es sehen, wenn man es noch nicht andenkt bzw. weiß – ein Wissensdilemma. Und wenn dann auch noch die Angst oder Ignoranz vor großen Umbrüchen sich zu Wort melden, dann wird die Möglichkeit, die Veränderungen zumindest in Ansätzen ernsthaft als realistische Möglichkeit anzudenken, sofort wieder im Nichts verschwinden und die Veränderungsnotwendigkeit als nichtig erklärt.

Aber vielleicht haben Sie obige Fragen zur Zukunft schon ausgiebig und umfassend durchgekaut, bemühen sich um Antworten und arbeiten eifrig an Lösungen bzw. an entsprechenden Strategien. Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO von VORSPRUNGatwork, meint, Veränderungen werden durch zwei große Parameter vorangetrieben, durch Visionen oder durch Dringlichkeit.[4] Dem werden vermutlich viele zustimmen, und auch wissen, dass Visionen erfolgsversprechender sind als notgedrungene Maßnahmen. Doch an dem Punkt gibt es noch einen Haken: Viele Unternehmen gehen davon aus, sie hätten eine starke Vision. In vielen Führungsetagen mag man überzeugt meinen, man arbeitet kreativ und innovativ an der Zukunft des Unternehmens. Man holt sich ExpertInnen, analysiert, visualisiert und plant entsprechende Maßnahmen.

ABER: Viele Visionen sind keine echten Visionen, sondern kopierte Schablonen, derer man sich bedient. Doch adaptierte Schablonen genügen gegenwärtig nicht mehr, um die Zukunft zu gestalten und die Digitalisierung erfolgsversprechend zu durchlaufen. Es braucht den ernsthaften Willen, couragiert visionär voranzuschreiten, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[5] Das erfordert jedoch Anstrengung, die gewohnten beharrlichen Sichtweisen über das, was man als möglich und real annimmt, beiseite zu schieben und stattdessen es zu wagen, bahnbrechende Visionen zuzulassen.

Sie werden jetzt ziemlich sicher denken, dass Sie das wissen und entsprechend diesem Wissen handeln. Ja, das tun Sie, davon bin ich überzeugt. Doch in der Hitze des Gefechts übersieht man, ob man will oder nicht, manche Erkenntnis und vielleicht sogar die Zukunft selbst – auch ich – eine Zukunft, die vielleicht schon bald von den ChinesInnen geprägt sein mag, vielleicht auch eine Mobilität, in der nur noch wenige Autos auf den Straßen zu finden sein, und stattdessen die Parkplätze in den Städten als zusätzliche agrarwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um sowohl das Stadtklima als auch die Versorgung sicherzustellen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[6]

Doch genau das, Think big, lass bahnbrechende Visionen zu und die damit verbundenen Veränderungen zu, tut weh. Das motiviert nicht jeden und jede, lässt oft sogar eine abwehrende Haltung aufkommen. Groß Denken lässt einen vielleicht sogar seltsam ermatten als euphorisch anregen, man mag u.U. sogar eine unangenehme Schwere spüren. Mit solchen oder ähnlichen Gefühlen will man sich als Führungskraft nicht auseinandersetzen – äußerst verständlich. Eine Führungskraft will entscheidungsstark und selbstsicher wirken. Die mit bahnbrechenden Visionen verbundenen Veränderungen, von denen man selbst unweigerlich betroffen sein wird, stehen dem hinderlich im Weg. Aber diese mit Einsichten verbundenen Widerstände und unangenehmen Begleiterscheinungen sind nur eine Phase von einem wirklich spannenden Prozess.

An diesem Punkt könnte es helfen, eine Übung zu machen:[7]

  • Wählen Sie zu Beginn dieser Übung eine Überzeugung, an der Sie wirklich hochgradig überzeugt festhalten. Dann machen Sie gedanklich einen Sprung und denken in den nächsten Minuten das genaue Gegenteil dazu. Versuchen Sie dem Gegenteil zu Ihrer Überzeugung etwas Raum zu geben. Versuchen Sie dieses Gegenteil nicht sofort niederzuschlagen mit Ihrer Überzeugung.

  • Probieren Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht?

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als eine neue Möglichkeit hinzuzunehmen, spannend.

In dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen. Die unvollständigen und oft auch unzureichenden Vorstellungen des Realen und die Beharrlichkeit auf der als Realität angenommenen Weltanschauung beeinträchtigen leider viel zu oft unsere Vorstellung – ohne dass wir das mitbekommen. Dadurch sind auch unsere Zukunftsvisionen beeinträchtigt, und unterscheiden sich meist nicht sehr von dem, was man im Augenblick für wahr hält.[8]

Resümee

Die Industrialisierung und die damit verbundenen Arbeits- und Produktionsweisen waren nie als Allheilmittel und Rezept für alles gedacht, sondern es hat einfach so unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Zeiten gut funktioniert – aber heute in der Digitalisierung greifen andere Rezepte, die jedoch für manche noch mehr wie eine Utopie, eine überzeichnete Idee als möglich werdende Realitäten sind.

Die ChinesInnen, aber ebenso das Unternehmen eXp Realty realisieren bereits Visionen, die für manche noch in den Sternen stehen. Diese machen damit Erfahrungen, geben damit vielleicht auch die weiteren Schritte und Entwicklungen vor, prägen u.U. in Folge ganze Wirtschaftszweige und Arbeitsformen.

Ja, ich weiß, viele werden jetzt meinen, so weit kommt es nicht. Doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dass virtuelle Büros nur von einzelnen Unternehmen eingerichtet werden – das könnte im Jahr 2030 ganz anders aussehen. Ich denke, die Wirtschaft der EU, darunter auch die deutsche Wirtschaft steht vor dem Punkt, den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Welten, mit neuen Denk-, Arbeits- und Produktionsräume endlich einmal ernsthafter anzudenken, und nicht als Hirngespinste abzuwerten. Wenn Sie konkret es nicht wagen, andere werden es wagen, davon können Sie sicher sein – allen voran die ChinesInnen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem entspannten Flirt zwischen Vergangenheit und Zukunft bzw. Vergangenheit und aktueller Zeit. Zwei VORSPRINGERInnen machen sich auf ins neue Zeitalter …

Was ich Ihnen mitgeben möchte:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] http://www.steiner-verlag.de/uploads/tx_crondavtitel/datei-datei/9783515084826_p.pdf. Am 2019-10-03 gelesen.
[2] https://bigthink.com/technology-innovation/virtual-island-remote-workers-exp. Am 2019-10-02 gelesen.
[3] https://www.derstandard.at/story/2000028483147/zurueck-in-die-zukunft-wie-man-sich-um-1900-das. Am 2019-10-01 gelesen.
[4] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[5] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[6] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[7] Mindful. Balanced. Happy. – ProjectBemore.
[8] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.

reduce text

Ein heißes Thema: Die Pleite von Thomas Cook

Das heiße Thema dieser Woche: Die Pleite von Thomas Cook

Die Pleite des Touristikkonzerns Thomas Cook war/ist in aller Munde – so sehr, dass ich mich kurzfristig dazu entschlossen haben, mein ursprüngliches Thema für den Artikel dieser Woche fallen zu lassen. Stattdessen stürze ich mich agil, mit unzähligen anderen, auf das aktuell heiße Thema: Die Pleite von Cook.

  • Das möchte ich deshalb tun, um auf jene Seiten in diesem historischen Zusammenbruch eines Unternehmensriesen aufmerksam zu machen, die vermutlich bei der Analyse auch in diesem Fall gerne unter den Tisch gekehrt werden.

  • Ich spreche von den Faktoren, die meiner Meinung nach immer wieder dafür ausschlaggebend sind, das Unternehmen oder Aktivitäten von Menschen zusammenbrechen bzw. ein schlimmes Ende finden. Dazu zählt: Ignoranz bzw. kognitive Dissonanz, Sie kennen diesen Begriff bereits aus meinen letzten Artikeln, das falsche Maß, sprich zu viel Selbstüberschätzung, es ist doch alles noch machbar, man weiß genau was zu tun ist, Manager retten das Unternehmen bzw. …

Harte Aussagen, leicht dahingesagt – ich weiß. Ein Konzern in der Größe von Thomas Cook trägt viel Verantwortung, hat umfassende Kooperationen, muss wachsen, um das Unternehmen und damit die Kooperationen erfolgsversprechend am Leben zu halten, muss einsparen bzw. effizient sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Pleite von Cook sei lt. Medien für die Wirtschaft in Griechenland der stärkste Schlag seit der Finanzkrise. Auch die spanische Touristikbranche ist stark betroffen und muss mit einem Verlust von mindestens 200 Millionen Euro rechnen.

Der Konkurrenzdruck ist gewaltig, und der ungelöste Brexit haben lt. Medien Cook ins Chaos gestürzt.[1] Ich würde es jedoch von einer anderen Seite kommend diagnostizieren – nämlich, die veraltete Vorstellung von Wachstum und Effizienzsteigerung, die damit verbundene Ignoranz für bahnbrechende Veränderungen haben Cook zu Fall gebracht.

read more

Ein mehr oder weniger durchgesättigter Markt kann Wachstum nicht mehr in der alten Vorstellung generieren, verliert an Kraft und auch an Interesse. Ebenso ist die Art und Weise, wie das Management die eigene Leistung würdigt, u.a. Boni von insgesamt 30 Millionen Pfund über die letzten Jahre hinweg [2], fragwürdig. Trotz dem Wissen der Chef-Etagen, dass das Unternehmen Cook alles andere als erfolgsversprechend unterwegs ist, hat man die Boni steigen lassen – ein seltsames Verständnis von Wachstum und Effizienz in Verbindung mit Leistung und Erfolg?! Cook ist hierbei keine Ausnahme, auch andere Unternehmen zahlen Boni in schwindelerregenden Höhen, obgleich die Erfolge manchmal fragwürdig sind.

Wachstum und die damit verbundenen Maßstäbe sind in Ordnung und zweckdienlich, wenn damit wirklich Verbesserungen, sinnvolle Entwicklungen, faire Bedürfnisbefriedigung, an Resilienz gewinnend ein neues Abenteuer auf dem Planet Erde angeheizt werden kann – zumindest sehe ich das als Konsument so.

  • Durch die neuen Medien und die technologischen Innovationen wird es vermutlich irgendwann möglich, Produkte ganz anders zu produzieren, vielleicht sogar einfach nebenan in einer Cafébar, die einen 3-D-Drucker bereitstellt. Vielleicht wird es reizvoll, durch die Errungenschaften der Digitalisierung von daheim aus einmal Schuhe zu produzieren oder Taschen, individuelle Zahnbürsten, austauschbare Brillengestelle, auffallende Handy-Taschen, uvm … All das sogar unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz.

  • Interessant kann es auch werden, wenn man sich einen persönlichen Roboter, eine Artificial Intelligence (AI) zulegt, die dann beispielsweise die Buchhaltung vollständig übernimmt, oder den Verkauf von ungenutzten Dingen im Haushalt forciert – sprich, alles was über 1 Jahr lang nicht verwendet wurde, einfach in die Sozialen Netze zum Verkauf ankündigt und Dinge organisiert, die man wirklich benötigt, wofür ein Kauf jedoch vielleicht auch nicht notwendig ist, sondern die AI untereinander sich so organisieren und Dinge gegenseitig leihen, uvm …

Damit könnte man vielleicht wieder ein Wachstum und Erfolg generieren, aber ein Wachstum der ganz anderen Art. Diese Art zu wirtschaften regt vielleicht neues Interesse bei KundInnen, stillt den Bedarf nach Individualität, Erleichterungen, aber auch Bedürfnisbefriedigungen und ebenso Gleichheit für alle.

Die alte Art der Wirtschaft bietet kein positives Spannungspotential mehr. Doch genau das braucht es, um KundInnen zu halten bzw. neue KundInnen zu gewinnen – insbesondere heute in einer offenen und vernetzten Welt, wo man sich Produkte beispielsweise direkt aus China bestellen kann, oft zu einen Bruchteil des Preises von einem hiesigen Anbieter. Noch sind dabei vermutlich zu viele KonsumentInnen wegen der Sprachen abgeschreckt. Aber Dank AI ist beispielsweise die Sprache bei der Bestellung kein Problem mehr. Die AI kann alle Sprachen, die man dieser programmiert. Die AI kann weltweit Bestellungen entgegennehmen und die Hemmschwelle gegen Null reduzieren.

In vielen Bereichen können Menschen in Zukunft sogar durch AI ersetzt werden – u.a. ein Grund, warum Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und PolitikerInnen, auch von der Quantenökonomie und neuen Kapitalisierungsformen spricht [3]. Mit der Pleite von Cook wird mir selbst noch viel klarer, dass die alte Art zu wirtschaften immer öfter Schiffe gegen die Wand fahren lassen wird. Cook ist einer davon, woran zu sehen ist, dass die Wirtschaft die Produkte, Produktionsweisen und Dienstleistungen umfassender revolutionieren wird müssen.

Die Wirtschaft konzentriert sich als Erfolgsfaktor jedoch immer noch auf das, was man in der Industrialisierung als Wachstum verstanden hat. Sie zwingt sich selbst Strategien auf, die der alten Vorstellung von Erfolg und Wachstum dienen, und übersieht, wie dringlich es wäre, Wachstum, Erfolg, Konkurrenz, Digitalisierung, Ziele, Strategien, Produkte und Dienstleistungen ganz neu zu denken – u.a. deutlich agiler zu denken.

Mir gab es zu denken, ich will den Namen jetzt nicht nennen, als eine hochrangige Führungskraft von einem deutschen Automobilriesen kürzlich bei einem Meeting als Antwort zu einer Frage gab: Wer weiß, ob es uns dann (2025) noch gibt?! Diese Aussage habe ich nicht erwartet. Und gleichzeitig hat es mich irgendwie gefreut, weil ich den Eindruck habe, dass doch einige anfangen wahrzunehmen, dass es im alten Verständnis von Erfolg und Wachstumsstreben nicht mehr weitergehen kann. Einigen ist bewusst, dass wir vor einer wirklich bahnbrechenden Wirtschaftsrevolution stehen – positiv wie auch negativ. Es wird viele neue GewinnerInnen geben, und viele VerliererInnen.

Die Angebote werden explodieren, die Konkurrenz verstärkt sich in ungeahnter Weise verteilt über den gesamten Globus, wo jeder und jede dank technischen Innovationen als AnbieterIn von Produkten mitmischen kann. AI mit Empathie programmiert wird dabei Sympathien gewinnen – auch wenn man sich das aktuell so nicht vorstellen kann. Ich habe es am eigenen Leib beim Ars Electronica Festival erlebt. Ich kann nur sagen, die Möglichkeiten Produkte und Dienstleistungen zu bewerben, aber auch die Möglichkeit Produkte zu produzieren, Produkte und Dienstleistungen vielfältiger zu nutzen, kann die Wirtschaft auf den Kopf stellen.

Die Welt verändert sich radikaler als man meinen möchte – die Wirtschaft kann sich davon nicht ausschließen. Das wollen jedoch noch immer viele in der Wirtschaft so nicht wahrhaben, weil die kognitive Dissonanz vor den damit verbundenen, u.a. auch persönlichen Unannehmlichkeiten schützen will – aktuell vor den 3 größten Bedrohungen oder sagen wir besser Herausforderungen, die auch noch verschränkt ineinander wirken, und sich damit aufschaukeln:[4]

1. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Bevölkerungswachstum in Verbindung mit Klimaerwärmung und dem Streben nach Gleichheit für alle ohne Grenzen – das hat umfassende Folgen, auch für die Wirtschaft. Die nächsten Jahre sind dahingehend turbulenter als man zu planen gedenkt. Erst vorgestern, am 25.09.2019, wurde ein weiterer Klimabericht herausgebracht, der ernsthaft zu denken geben sollte.[5]

2. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Automatisierung und Kompensation von Arbeiten, die von Algorithmen übernommen werden. Die Macht verschiebt sich von der zwischenmenschlichen Macht hin zur Macht in Algorithmen. Die AI wird bis zum Jahr 2050/2060 imstande sein, alle spezifizierbaren Tätigkeiten und auch viele kreative Arbeiten besser zu bewerkstelligen, als Menschen es tun, und damit Menschen ersetzen – die Folgen: Arbeitslosigkeit zwischen milde ausgedrückt 50% bis realistisch gedacht etwa 80%. Das maschinelle Lernen wird ein echter „Game Changer“ werden. Nicht ohne Grund habe ich in einem meiner zahlreichen Artikel in Bezug auf die Digitalisierung die Frage gestellt: Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

3. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Exponentielle Fortschritte in Nano- und Biotechnologie, werden die Wirtschaft ebenfalls verändern. Diese Bereiche finden jedoch neben der Digitalisierung selten explizit Erwähnung, besitzen jedoch eine enorme Durchschlagskraft, und könnten die Wirtschaft und deren Strukturen in kaum erfasster Weise verändern.

Viele werden jetzt aufschreien und meinen, das sind alles Themen, die Ihr Unternehmen im Blick hat und entsprechend daran arbeitet. Aber wie wir wissen, die Erfolge der Digitalisierungsprozesse mit der damit verbundenen nötigen Agilität sind aktuell bescheiden. Es scheitern mehr als 2/3 der Unternehmen daran, agile Prozesse erfolgsversprechend zum Laufen zu bringen [6] – nachzulesen in meinem Artikel, agile Prinzipien sind zum Scheitern verurteilt.

Manche werden nun einhaken, Cook ist an ganz anderen Problemen gescheitert als an der Agilität. Ja und Nein, sage ich. Cook hat sich nicht früh genug mit neuen Geschäftsmodellen auseinandergesetzt – ebenfalls ein Aspekt von Agilität, der jedoch kaum so erwähnt wird. Sich mit New Business Models im Rahmen der Digitalisierung auseinanderzusetzen, scheint ein Randthema zu sein – insbesondere von großen Unternehmen.

Viele von den großen Unternehmen scheinen sich mit den eigenen Geschäftsmodellen nach wie vor sicher und zukunftsstark zu fühlen, und widersprechen vehement der Annahme, dass in den nächsten 20ig Jahren zahlreiche Unternehmen Schiffbruch erleiden könnten, wenn diese sich nicht umfassend neu orientieren und neu ausrichten.[7] Es mag zwar sein, dass man die Digitalisierung in der ersten Phase im althergebrachten Wachstums- und produktionsmechanistischen Denken gut über die Runden bringt, aber wie sieht es mit den nächsten digital-technischen Entwicklungsschüben aus – und die werden kommen, schneller als man zu glauben gedenkt.

Die Digitalisierung trägt das Potential in sich, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen – angefangen von der Produktion bis hin zum Verkauf, und alles dazwischen … Cook negierte jedoch über längere Zeit die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden. Stattdessen verharmloste er über Jahre hinweg die Probleme. Bereist 2012 retteten mehrere Banken den Konzern vor dem Untergang. Nichtsdestotrotz haben sich die Chef-Etagen von Cook über die letzten Jahre hinweg große Boni auszahlen lassen.

Und jetzt – jetzt ist Cook bankrott, reißt Hotels, Kooperationspartner, TouristInnen in eine Krise. Weltweit müssen nun zigtausend UrlauberInnen nach Hause zurückgeholt werden. Manche der UrlauberInnen sitzen fest, andere werden sogar bedroht. Man spricht davon, dass Hoteliers auf der Dominikanischen Republik Kopfgeld auf deutsche UrlauberInnen setzen …[8] Man startet die größte zivile Rückholaktion unter dem Namen Matterhorn.[9] Warum die Rückholaktion durch die Pleite von Cook unter dem Codenamen Matterhorn läuft, das weiß ich nicht – das finde ich jedoch irgendwie makaber, witzig und sogar lehrreich.

Die Rückholaktion durch die Pleite von Cook hört sich an wie ein bahnbrechendes Abenteuer, ein agil, kollaborativ, vernetzt, flexibel, wendiges agieren, auf das man stolz ist. In größter Not hypt man das, was man seit Jahren mühsam predigt – Agilität. Vielleicht hängt es daran, dass man sich jetzt in der Not nicht mehr auf Wachstum und Effizienz konzentriert, sondern das tut, was zu tun im Moment ansteht – retten was zu retten geht. So gesehen müssten Unternehmen Agilität als Abenteuer sehen, versehen mit einem Codenamen, vielleicht nicht Matterhorn, sondern Mount Everest oder AI-Run, oder …

Der Pleite-Fall Cook zeigt, zumindest mir, dass es für jeden und jede an der Zeit wäre, die Wirtschaft neu zu denken. Auch wenn viele meinen, das trifft nur einzelne, wie beispielsweise Cook, das eigene Unternehmen kann es niemals so treffen. Ich persönlich würde es jedoch nicht mehr wagen, in hochdigitalen, vernetzten, in bald autonom arbeitenden Fabriken, Beispiel Post in China, die 2022 die Postabwicklung ganz ohne Menschen nur mit Robotern abzuwickeln plant, mich so wie manche Unternehmen sicher zu fühlen, nur weil man aktuell vielleicht ein Riese ist, und die Wachstumsprognosen angeblich gut sind.

Resümee

Viele Innovationen, strategisch wie auch technisch, die man scheinbar bemüht tätigt, sind leider mehr Show als reales Business. Noch mag es reichen, so zu agieren, aber wer weiß wie lange noch. Die Entwicklungen sind rasant, die Konkurrenz ebenfalls – insbesondere die von China und wer weiß, vielleicht sogar auch schon bald jene von den ansässigen Nachbarn.

Die Apokalypse ist damit noch nicht auserzählt – mein Gegenargument zu dem Artikel in ZeitOnline, der meint, dass Menschen nicht mehr gewillt sind, sich den Problemen aufrichtig zu stellen [10], sondern sich in Easy-Going-Lösungen gegenseitig beweihräuchern, anstatt der Realität ernsthaft ins Auge blicken. Mit dem Pleite-Fall von Cook spüre ich jedoch ein Aufflackern an ernsthafterer Reflexion. Die Ankündigungen, dass 2020 das Jahr der nächsten großen Wirtschaftskrise werden könnte, wird vielleicht im Angesicht der Pleite von Cook nun nicht mehr ganz so abwertend belächelt.

Der Haken an der Sache ist, dass Menschen Probleme lösen wollen, aber mit den Problemen nicht wirklich konfrontiert werden möchten – ein Paradoxon, aber ein äußerst reales, überall anzutreffendes Phänomen, das Cook schlussendlich das Genick brach. Cook hat es verabsäumt, sich wirklich tiefgreifend und umfassend auf die Probleme einzulassen, und das Unternehmen resilient werden zu lassen – eine Notwendigkeit, um die Zukunft meistern zu können.

In einer digital hochgradig vernetzt verschränkt agierenden, an Komplexität, aber auch an Umweltbelastungen und Ressourcenknappheit wachsenden Welt braucht es ein hohes Maß an Resilienz, die auf 3 Ebenen wirken sollte:[11]

  1. Ebene der Technik

  2. Ebene der Organisation in Form von redundanten Organisationsstrukturen

  3. Menschlichen Ebene, indem Menschen in Arbeitsprozessen nicht mehr nur zu optimieren gedrängt, sondern die kreativen Potentiale abseits von Selbstoptimierung und Effizienz zu fördern gesucht werden.

Das heißt, wir brauche eine Transformation in den Unternehmen auf allen drei Ebenen, wo technologische und soziale Transformation Hand in Hand gehen. Aber genau diese geforderten Maßnahmen können aus einer effizienten, nach Wachstum orientierten Unternehmensstruktur heraus nicht greifen – eingehender nachzulesen in meinem Artikel, Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff.

Die Herausforderungen unserer Zeit, Komplexität, verschränkte Strukturen, Umweltbelastung, …, effizient und gleichzeitig wachstumssteigernd lösen zu wollen, gleicht einem Himmelfahrtskommando. Und für dieses vermeintliche Himmelfahrtskommando braucht es eine andere Begleitung, als sie klassische Unternehmensberatungen bieten. Hier braucht es Unternehmen mit einem Portfolio wie VORSPRUNGatwork bzw. den Arbeits- und Lösungsansatz, WeQ statt IQ, Change am System statt an Symptomen.

Die Risiken, die weitschichtigen Verschränkungen mit den schwer zu erfassenden Folgen, die Schwarzen Schwäne sind das relevante Rüstzeug um tiefgreifende Lösungen generieren zu können. Doch genau dieses lässt man als scheinbar beiläufigen Ballast bei all den Vereinfachungen weg.[12] Die Folgen davon bekommt Cook jetzt leibhaftig zu spüren. Die Gefahren sind mit dem Sturz von Cook für die anderen nicht aufgelöst – sprich wenn einer von den Riesen fällt, dann überleben die anderen und die Gefahr ist gebannt. Diesem Irrtum verfällt man ebenfalls leicht, fühlt sich scheinbar wieder sicher und …

  • ignoriert oder verharmlost die Krisen- bzw. Herausforderungssignale erneut,

  • tut so, als ob man selbst alles im Griff hat,

  • neigt weiterhin zur Selbstüberschätzung, sieht sich besser und klüger als der Gefallene,

  • oder schließt sich einfach nur dem Herdentrieb an, sagt weiterhin Ja, so geht es, statt Nein, um nicht aufzufallen.

Es ist nicht nur die kognitive Dissonanz, sondern auch die Gewohnheit, sich so von den Herausforderungen zu distanzieren und sich damit zu belügen. Neu ist nur: Man betrügt jetzt nicht nur die anderen, die irgendwo da draußen in der Welt sind, sondern inzwischen auch die eigenen Leute – die eigenen Kinder, Nichten, Neffen, Enkel und all jene, die nach uns kommen. Die Menschen und die Unternehmen wollen die Probleme lösen, ja, unbedingt, aber nur, wenn man selbst davon nicht betroffen ist – ein schönes Trugbild, dass schlussendlich Cook das Leben kostete.

  • Unternehmen und deren Führungskräfte wollen Neues fördern, aber nur, wenn das Management selbst so weitermachen kann wie bisher, mit den bisher gültigen Annehmlichkeiten.

  • Unternehmen und deren Führungskräfte wollen Prozesse verändern, aber nur, wenn die Unternehmensstrukturen und das Management selbst von den Folgen der Veränderungen, von Neuausrichtungen und Neubewertungen der Aufgaben und Vergütungen verschont bleiben.

Aus dieser Sicherstellung bzw. Schutzhaltung heraus ist es jedoch nicht möglich, die Herausforderungen unserer Zeit erfolgsversprechend, ohne Chaos anzuleiten. Eine agile Transformation kann in Unternehmen, die klassisch organisiert sind, nicht funktionieren. Es benötigt ausnahmslos auf allen Ebenen einen Prinzipienwechsel, wenn man es ehrlich vor hat, die Wirtschaft auf einen erfolgsversprechenden, verantwortungsbewussten Weg in die Zukunft zu führen.

Jump in a new fishbawl, use technology to make new things and not to make things efficient.[13]

Es geht nicht darum, alle bisher gültigen Regeln abrupt zu ändern. Es geht vielmehr um ein neues Bewusstsein und weitreichende Einsicht für die Prozesse, die gerade ablaufen. Man kann nicht von heute auf morgen eine große Organisation von Hierarchie auf fluide Hierarchie umbauen. Dafür braucht es auch die richtigen Leute. Es gibt Unternehmen mit flachen Hierarchien, die ziehen aber vielleicht auch schon Mitarbeitende an, die anders arbeiten können und wollen.[14] Es geht aktuell konkret viel mehr darum, umfassend weitreichend über den eigenen Tellerrand hinaus einzusehen, was weitreichend passiert, vor welchen Herausforderungen die Unternehmen wirklich stehen ohne diese gleich wieder herunterzuspielen.

It is about knowing the difference between what you have a right (or the power) to do and what is the right thing to do.[15]

Im Verständnis von Armin Nassehi, Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker, sollten wir Wachstums-, Erfolgs- und damit verbunden Konkurrenzdenken in einer anderen Art nutzen. Nassehi meint, man sollte die Konkurrenz zum Miteinander werden lassen, sich gegenseitig mit den unterschiedlichen Logiken und Perspektiven ehrlich und offen aufzeigen, was die Herausforderungen sind, und gemeinsam echte Lösungen umsetzen. Dafür braucht es jedoch neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können – genau das, was man eigentlich zu vermeiden sucht, Verunsicherung. Und so stelle ich abschließend zu diesem Artikel 4 Fragenkomplexe in den Raum:

  1. Sind wir bereit, die Wachstumslogik, das Effizienzstreben, die gewohnte Art und Weise Wirtschaft zu denken, in Frage zu stellen und gemeinsam, statt in Konkurrenz zu anderen Systemlogiken, die Herausforderungen lösen zu wollen?

  2. Welche nächsten Schritte müssten wir konkret dafür setzen?

  3. Wieviel Zeit widmen wir den neuen Bündnissen bzw. welche Bündnisse, die außerhalb unserer Systemlogik agieren, würden wir als erstes kontaktieren, und uns mit denen auf Augenhöhe ehrlich und weitreichend lösungsgewillt auseinandersetzen?

  4. Oder enthalten wir uns weiterhin einer tiefgreifenden Auseinandersetzung – so wie es ein Finanzvorstand eines großen Dax-Konzerns in kleiner Runde zugibt: Wir warten, wir verschieben Entscheidungen.[16] Doch genau diese Strategie könnte in agilen, hoch verschränkten Zeiten von einem Tag zum anderen das Aus bedeuten – wie im Fall Cook.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.merkur.de/wirtschaft/thomas-cook-pleite-schwerwiegende-folgen-fuer-griechenland-und-spanien-touristen-verzweifelt-zr-13027498.html. Am 2019-09-26 gelesen.
[2] https://www.merkur.de/wirtschaft/thomas-cook-pleite-schwerwiegende-folgen-fuer-griechenland-und-spanien-touristen-verzweifelt-zr-13027498.html. Am 2019-09-26 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[4] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.

reduce text

Die Zukunft sucht neue Führungspersönlichkeiten

Die Zukunft sucht neue Führungspersönlichkeiten

Das, was ich auf dem Ars Electronica Festival an technischen Innovationen geistig und emotional aufzufassen im Stande war, hat Nachwehen. Nachwehen in einer Weise, die erwähnenswert sind, weil es auch genauso gut hätte sein können – wie so oft der Fall – dass die neuen beeindruckenden Dinge und Erfahrungen einige Tage später wieder verblasen bzw. sich in Luft auflösen.

Das Ars Electronica Festival hat es jedoch geschafft, das Neue nicht nur als flüchtiges Abenteuer im Kopf durchziehen zu lassen, sondern einen bleibenden Abdruck zu hinterlassen. Das ist jedoch genau das, was gar nicht angenehm ist – den normalen, vertrauten Denk- und Arbeitsrhythmus sogar stört. Das gewohnte Denken will es bequem, einfach und schnell haben, Lösungen, die ad hoc greifen und umgesetzt werden können, ohne tiefgreifende persönliche Umwälzungen auf sich nehmen zu müssen. Mit neuen Denkansätzen ist man hingegen gehemmt und nicht mehr so leichtfüßig und selbstsicher.

  • Es ist mit neuen Denkgewohnheiten so, als ob man ein, seinem Stil ausbrechendes Kleidungsstück anprobiert, ein ungewohntes Kleidungsstück, das aufgrund der Andersartigkeit dann irgendwie an allen möglichen Stellen zwickt, drückt, reibt, …

  • Dann könnte man meinen, das neue Stück passt nicht. Man zieht es aus, und legt es weg.

  • Aber vielleicht liegt es weniger am neuen Stück, das nicht passt, sondern viel mehr an dem ungewohnten Stoff und der neuen Art und Weise das Kleidungsstück zu tragen, oder am Widerwillen, …?!

read more

In ähnlicher Weise verhält es sich auch mit anderen Dingen, u.a. auch mit neuen Ideen, mit Gedanken, die das gewohnte Denken irritieren. Und in ähnlicher Weise sehe ich auch die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung, wie ebenso den Umgang mit der Umweltproblematik.

Wir alle sehen die Herausforderungen. Wir sind bemüht, die Herausforderungen zu meistern. Wir diskutieren, planen, strukturieren um, adaptieren, … Aber von welcher Position aus werden all die Maßnahmen geplant und entsprechend angeleitet? Befinden wir uns vor einem Schaufenster, sehen das neue, andersartige Kleidungsstück, überlegen uns, wie es sein könnte, dieses exotisch wirkende Kleidungsstück selbst zu tragen, bzw. andere tragen zu lassen? Gehen wir dann in den Laden hinein, probieren das ungewohnte Kleidungsstück an, wagen es sogar dieses zu kaufen, um sich damit in einem neuen Licht zu sehen? Oder bleiben wir lieber am Schaufenster hängen und denken nur daran, wie es sein könnte, das exotische Stück zu tragen, überlassen aber dieses Stück doch anderen …

Wie dem auch sei, ich bitte Sie jetzt, weil der Moment gerade so gut passt, den Raum zu wechseln. Ja, genau, Sie lesen richtig, bitte stehen Sie auf, nehmen Sie Ihr Handy, Ihr Tablet, … und wechseln Sie den Raum – nicht nur gedanklich, sondern real. Suchen Sie sich einen neuen Platz, den Sie sonst im Alltag nicht einnehmen würden und setzen Sie sich dorthin. Vielleicht merken Sie nun, dass der Wechsel des Raumes bzw. Sitzplatzes Sie irgendwie erregt – positiv, vielleicht auch negativ.

Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Dafür können Sie aber auf dem neuen Platz sitzen bleiben, und es sich bequem machen:

  • Stellen Sie sich nun vor, auf dem neuen Platz liegt eine VR-Brille. Nehmen Sie diese Brille und setzen Sie sich diese auf. Bitte auch die dazugehörigen Kopfhörer aufsetzen.

  • Sie werden gleich Anweisungen bzw. eine kurze Instruktion hören, wie Sie mit dieser Brille auf Erkundung gehen können. Sie werden rasch feststellen, dass Sie mit Hilfe der VR-Brille einen Raum in ganz neuer Weise für sich erfahrbar werden lassen können – in einer Weise, die Ihnen bisher nicht möglich war. Sie können in den Räumen die Wände hochgehen, über Schreibtische schweben, sogar durch Wände, selbst durch Menschen durchgehen … Der Raum wird auf einmal in einer gänzlich neuen Art und Weise erfassbar gemacht. Das spürt sich derart echt an, das einem dabei wirklich schwindelig werden kann.

  • Stellen Sie sich nun vor, Sie erleben einen Ausschnitt aus der Oper Freischütz mit Hilfe der VR-Brille. Sie hören die Musik, Sie gehen durch die Oper, Sie gehen auf der Bühne herum, Sie verlassen die Bühne durch eine Hintertüre, Sie verlassen das Opernhaus, gehen durch Spiralen im Himmel hindurch, instrumental begleitet. Sie wissen nicht, was Sie demnächst erwartet. Sie hören jetzt die Arie eines Sängers und plötzlich steht der Mann direkt vor Ihnen – überdimensional groß. Dann merken Sie, puhh, Sie können durch den Opernsänger hindurchgehen. Sie können aber auch durch den Boden, auf dem der Mann steht, hindurch. Der Boden ist bloß eine Wolkendecke. Und dann, dann befinden Sie sich im unendlichen Universum. Sie haben keinen Boden mehr unter den Füßen. Sie suchen vielleicht den Weg zurück zum Mann, fühlen sich dort sicherer als im grenzenlosen Universum. Oder Sie wagen es doch, noch weiter in die Unendlichkeit des Universums zu gehen …

  • Dann erscheint plötzlich das Bild: „Fin“. Sie setzen die Brille und die Kopfhörer ab. Sie spüren vielleicht, dass es gar nicht so leicht ist, gleich in den realen Raum zurückzufinden. Vielleicht wolle Sie jetzt aufstehen, vielleicht auf Ihren ursprünglichen Platz zurückgehen, oder bleiben wo Sie sind. 

  • Vermutlich stellen Sie sich nun die Frage:

Was hat der Ausflug mit der VR-Brille mit einer erfolgsversprechenden Digitalisierung zu tun?

Was bringt diese Erfahrung für Sie als Führungskraft, für Ihr Team, für die Strategieplanung und Organisationsentwicklung?

Sie werden annehmen, dass es einen Grund hat, sonst hätte ich Sie nicht auf diese kurze Reise geschickt. Ich persönlich sehe diese Situation bzw. dieses Erlebnis als einen Dreh- und Angelpunkt für die Organisationsentwicklung in der Wirtschaft. Ich stelle mir die Frage: Hätten wir eine Art VR-Brille zur Verfügung, zum Kennenlernen der Digitalisierung, wie aber auch zur umfassenden Erfassung der Umweltproblematik, wer weiß, wie wir aus anderen Perspektiven heraus die Digitalisierung und die Ressourcenproblematik beurteilen und auch zu managen versuchen würden?

Jetzt werden sich vermutlich kritische Stimmen melden und sagen, dass das, was man mit Hilfe von VR-Brillen sieht, zuvor von Menschen künstlich konstruiert worden ist. Damit sei doch das vermittelte Wissen vorgegeben, eigentlich manipuliert. Ja, das stimmt, jedoch nicht ganz. Denn niemand von den Programmierer*innen kann voraussagen, in welcher Weise man mit Hilfe der VR-Brille die digitalen Räume, mit die darin befindlichen Ressourcen und Wissenszugängen, zu nutzen sucht. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die man dabei sammelt, kann kein/e Programmierer*in für uns machen, die muss jeder und jede für sich selbst erschließen – und das in einem deutlich größeren Wissensraum als sonst in vielen Bürotürmen angedacht wird.

Manche werden sehr schnell in immateriellen Räumen Grenzen überschreiten, die man sonst nicht überschreiten kann und würde. Andere wagen das vielleicht erst spät bzw. gar nicht, bleiben selbst in immateriellen Räumen brav am Weg, wie sonst vielleicht auch. Aber niemand wird vermutlich abstreiten, dass die Erfahrungen, die man in materiellen Räumen im Vergleich zu den Erfahrungen in immateriellen Räumen macht, unterschiedlich sein werden. Und genau um diese unterschiedliche Art und Weise der Erfahrungen, und den damit verbundenen Kenntnissen, geht es auch bei der Digitalisierung und ebenso der Umweltproblematik. Wenn man die jeweiligen Situationen nur aus der taylorischen Brille zu definieren und zu verstehen sucht, dann wird man die Digitalisierung und Umweltproblematik anders beurteilen als jene, die aus einer anderen Perspektive heraus diese Themenkomplexe sich zu erschließen üben.

Gleichzeitig ist die Wirtschaft gefordert, neue Wachstumsmärkte zu erschließen – dabei wird der immaterielle Raum vielleicht schon bald an realer Relevanz gewinnen. Man kann sich das kaum vorstellen, aber möglich ist es – u.a. auch deshalb, weil die urbanen Zentren aus allen Nähten platzen, Unternehmen sich dort nur schwer ansiedeln können, obgleich es gerade dort wichtig wäre, präsent zu sein. Gleichzeitig ist der Bau ein echter Umweltzerstörer, das vergessen wir auch. Und die Beschaffung von Sand, ein Grundbaustoff, wird immer schwieriger, weil der Sand für den Bau zu einer raren, schwer und teuer zu beschaffenden Ressource werden wird.[1]

Mit Hilfe der neuen Technologien könnten jedoch Räume ganz anders genutzt werden, ressourcensparend und technologisch innovativ. Neben dem Car-Sharing könnte auch ein Building-Sharing stattfinden. Opernhäuser könnten unter tags für Meetings, real wie auch virtuell, die Türen öffnen. Das sind nur grobe, einfache Lösungen, da gibt es noch weit mehr anzudenken, was u.a. Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, intensiv tut – aber ebenso das YARD:Forum, vielleicht noch nicht so extravagant und mutig wie Indset, aber zumindest motiviert und offen für neue Wege. In diesem Forum treffen anregende Expert*innen auf anerkannte Umsetzer*innen. Der Unternehmenserfolg wird in den Mittelpunkt der Diskussionen gestellt und gefragt, welche weiteren Interventionen notwendig sind, um auch in Zukunft noch erfolgreich sein zu können.

Herbert Zitter, Managing Partner bei M.O.O.CON, und ich wollten eines dieses Treffen u.a. auch dafür nutzen, konkrete gemeinsame, gegenseitig förderliche Austauschmöglichkeiten durchzugehen. Zuvor digital kommuniziert, vereinbarten wir, dass ich eine Art Studienreise durch die realisierten Projekte von M.O.O.CON machen könnte, um das was sie tun besser einsehen, verstehen und damit entsprechend für die Zukunft in Relation zu stellen vermag. Doch diesen Gedanken hatte Zitter von einer Minute zur anderen fallen lassen und meinte spontan:

Nein, eine Studienreise zu erfolgreich umgesetzten Projekten macht keinen Sinn mehr. Das ist eine Reise in die Vergangenheit. Wir müssen die Zukunft ganz anders denken, viel freier denken – wie, wenn wir eine VR-Brille aufhätten, und uns durch gänzlich neue Welten bewegen.

Die Auffassung von Zitter, die Vergangenheit stehen zu lassen und sich frei wie mit einer VR-Brille Gedanken über die Zukunft zu machen, ist jedoch nicht dahingehend zu verstehen, einfach Grenzen zu überwinden. Das wäre eine falsche Annahme der Situation. Sondern es geht vielmehr darum einzusehen, dass es die Grenzen in der Weise, wie man das oft meint, gar nicht gibt. Die Grenzen sind bloß gedankliche Konstruktionen, gedanklich fixierte Hilfsbrücken, die Menschen sich ausgedacht und aufgebaut haben, um den jeweiligen zeitgeistig passenden Arbeits- und Lebensabschnitt bestmöglich von einer großen Gruppe von Menschen gemanagt zu bekommen. Dem hat sich sowohl der Lebens- und Arbeitsalltag als auch der räumliche Aspekt, die Architektur, die Städteplanung, der Konsum, die Wirtschaft, die Freizeit, selbst die Wissenschaften, … einfach alles im Leben angepasst. Gedanken haben sich in Dingen und Taten manifestiert.

Das ist nichts Neues, werden Sie jetzt anmerken. Ja das stimmt. So hat sich die Industrialisierung und auch schon viel früher, beim Übergang der Menschheit vom Jäger und Sammler hin zum sesshaften Menschen, das ganze Leben und die damit verbundenen Denk- und Handlungsmuster inkl. den Wohn- und Arbeitsflächen entsprechend formiert. In ähnlicher Weise sieht man vermutlich auch den aktuellen Change in Bezug auf die Digitalisierung. Möglichkeiten haben die Menschen genug kreiert, um mit den technischen Innovationen und den Ressourcen sinnvoll umzugehen. Dafür braucht es jedoch meiner Meinung nach noch mehr Unternehmen, die es wirklich konkret tun – sprich ihre gewohnten Arbeits-, Denk- und Gestaltungsräume ganz konkret verlassen und wirklich neue Denk- und Gestaltungsräumen in neuen Produkten real werden lassen.

Das Wissen halten wir als Rohdiamant in unseren Händen. Es wird jedoch erst ein Bruchteil von dem genutzt, was an Potential in der Digitalisierung, in den technischen Innovationen steckt – worauf ich u.a. in meinem letzten Artikel, wer Gedanken zu nutzen versteht, der wird die Zukunft beherrschen, zumindest in Ansätzen einzugehen versuchte. In gleicher Weise sehe ich den Klimaschutz. Die Wirtschaft hätte das Potential, den Klimaschutz bzw. die Ressourcenproblematik deutlich besser zu managen, doch sie nutzt davon ebenfalls nur einen Bruchteil. So frage ich mich:

Wer ist mutig genug, die noch ungenutzten Schätze der Digitalisierung und des Umweltschutzes im umfassenden Sinn in Anwendung und Umsetzung zu bringen?

Die Digitalisierung und auch der Umweltschutz sind weit mehr als nur eine Weiterentwicklung und Adaptierung von Prozessen. Beide Aspekte stellen einen Quantensprung in der Entwicklung dar – auf allen Ebenen, in allen Bereichen der Menschheit. Es gilt nur, das darin befindliche Potential endlich wirklich zu nutzen, und nicht vor dem Quantensprung zurückschrecken, weil dieser möglicherweise anfangs nicht wie ein geregelter Fluss in einem vor vielen Jahren künstlich angelegten Flussbett planmäßig durch die Landschaft fließt.

Andererseits meinen viele den Fluss der Digitalisierung und der Umweltproblematik bestens zu kennen – aber von welcher Perspektive aus betrachtet? Vom (noch) sicheren Hafen vertrauter Arbeits-, Lebens- und Denkgewohnheiten? Oder befinden Sie sich bereits in wirklich neuen Räumen und neuen Umwelten – wagen Sie einen Quantensprung im Denken und damit in Folge auch im Handeln? Können Sie sich vorstellen, mit Hilfe der VR-Brille die Herausforderungen unserer Zeit in neuer Weise auf sich wirken zu lassen? Wagen Sie dann noch einen weiteren Schritt zu gehen, und die vielleicht neuen Kenntnisse und Einsichten aus der immateriellen Welt in die Realität zu überführen?

Sich auf solche Abenteuer einzulassen oblag bisher den Pionier*innen. Davon gab es eine Handvoll, aber immer genug, um die Entwicklung der Menschheit am Laufen zu halten bzw. eine positive Entwicklung irgendwie hinzubekommen. Die Wirtschaft hat von diesen Pionier*innen profitiert. Und genau an dem Punkt wird es aktuell spannend, denn die Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, im sicheren Hafen abzuwarten, bis einige wenige Pionier*innen mit ihrem Erfahrungsschatz in die scheinbar sicheren Häfen zurückkehren. Mit dieser Strategie werden vielleicht einige den Anschluss verlieren.

Ich denke, die Wirtschaft steht genau vor dem Punkt, sich endlich auf die Reise auf einen noch unbekannten Fluss einzulassen – den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Räume zu wagen. Gleichzeitig mag die Wirtschaft ohnehin als einer der großen Triebfedern für Entwicklungssprünge ganz vorne dabei sein – den Sprung quasi gestalten und entsprechend für sich als Erfolgsweg zu nutzen suchen. So gesehen kann man die Wirtschaft sogar als die Plattform sehen, die den Quantensprung in ein neues Zeitalter forciert.

Das ist u.a. das Thema von Anders Indset, der Quantensprung der Wirtschaftdie Quantenökonomie. Indset ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Menschheit nur mit einem umfassenden flächendeckenden Pioniergeist zu meistern sein wird – u.a. der Erforschung neuer Wege mit neuen Kapitalisierungsideen, die nicht nur auf dem Materialismus und nicht nur auf dem reossourcenfressenden System beruhen, sondern beispielsweise Werte, Verstand, Liebe, … ebenfalls kapitalisiert. Nach Indset ist die Wirtschaft aktuell sogar die einzige systemische Kraft, die ökologisch, technisch und gesellschaftlich die Probleme lösen könnte.[2] Für seine Denkansätze wurde Indset gegenwärtig sogar für den Breakthrough Idea Award nominiert, der dem Erbe des CK Prahalad für die Q Economy gewidmet ist.[3]

Resümee

An Entwicklungsmaßnahmen mangelt es der Wirtschaft in keiner Weise. Man schraubt an unzähligen organisatorischen Rädchen, um das Unternehmen zukunftssicher zu machen, die Digitalisierung wie auch die Umweltproblematik in den Griff zu bekommen. Die Organisationsentwicklung steht hoch im Kurs, aber zu oft eben noch beruhend auf dem Verständnis der Arbeits-, und Lebenskonstruktionen des vorvorherigen Jahrhunderts, auf den Prinzipien von Taylor. Die Hilfskonstruktionen von Taylor haben lange Zeit der Wirtschaft gute Dienste erwiesen, aber jetzt braucht es neue geistige Konstruktionen bzw. Brücken, um die Digitalisierung und auch die Umweltproblematik, die Taylor gar nicht bedacht hat bzw. noch gar nicht bedenken hätte können, erfolgsversprechend zu führen.

Wer bei den Erfolgreichen in Zukunft dabei sein will, der bzw. die kann den Digitalisierungsprozess optimieren, indem man das für möglich hält, was man eigentlich auf den ersten Anstoß hin verurteilen und verneinen bzw. als unreal, als VR-Gag abtun würde. Dort, an dem Punkt des Widerstandes, dort passiert der Quantensprung im Denken. An dem Punkt wird es möglich, das Denken neu auszurichten und für innovative Ideen zu öffnen – eigentlich ohnehin eine Notwendigkeit, um in Zukunft noch zu den Global Playern dazuzugehören. Das wissen Sie ganz genau.

Wenn Sie es nicht wagen, wagen es andere – davon können Sie sicher sein. Das ist weder gut noch schlecht. Niemand muss den Sprung wagen, sondern kann auch später springen. Aber dabei entgeht einem vielleicht etwas – nicht nur das Abenteuer bzw. der Hype ein/e Pionier*in zu sein, sondern viel Erfahrung und möglicherweise die damit verbunden Organisationsentwicklungsmaßnahmen, die sich erst konkret am Weg zeigen. Abgesehen laufen die Entwicklungen so schnell, so dass man nicht mehr darauf warten kann, was andere aus ihren Feldexpeditionen an Wissen mitbringen, um dann erst den Sprung zu wagen. Dafür hat man heute nicht mehr die Zeit als Unternehmen. Die Digitalisierung verlangt eigentlich von jedem und jeder Pionier*in zu werden, wenn man die Digitalisierung beherrschen möchte.

Darauf sind die Unternehmen wie auch die Organisationsentwickler*innen aber nicht ausreichend vorbereitet. Das könnte uns in Turbolenzen führen, die wir in Bezug auf die Analyse bisheriger Veränderungen in der Menschheitsgeschichte nicht für möglich gehalten hätten. Genau das macht es aktuell problematisch. Aber ich will nicht gleich alles wieder schwarzmalen. Damit schaffe ich, wie Sie bereits wissen, bloß eine kognitive Dissonanz bei Ihnen, mit der Sie dann reflexartig behaupten, so schlimm wird es nicht. Die Menschheit hat so viele Veränderungen schon bewältigt, auch diese wird die Menschheit erfolgreich überstehen.

Das möchte gerne auch so sehen. Aber das gelingt mir nicht mehr so einfach. Ich will jedoch auch keine depressive Stimmung haben, sondern motiviert in die Zukunft sehen, das was man tut respektieren, jedoch mit Wissen „out of the box“ verstärken, u.a. durch Spaziergänge in VR-Welten, durch Gespräche mit Quantenphysiker*innen, durch das Kennenlernen schräger Projekte, wie denen beim Ars Electronica Festival, u.v.a… Denn das, außerhalb der gewohnten Denkansätze denken, verlangt die Zukunft.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, so sind sie nirgendwo …

Ein Ausschnitt von einem Lied von André Heller, das mir jetzt gerade durch den Kopf schießt, und womit ich diesen Artikel von mir offenhaltend beenden möchte.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in euren Köpfen, und sind sie nicht in euren Köpfen, dann suchet sie. Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit trägt wirklich ein Forellenkleid und dreht sich stumm, und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um […][4]

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bauen-schadet-Klima-wie-Autos-und-Fleisch-article21280049.html. Am 2019-09-19 gelesen.
[2] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[3] https://www.linkedin.com/posts/g%C3%BCnther-wagner-consulting_thinkers50-leadership-management-activity-6578682518399213568-UZO7.
[4] https://www.songtexte.com/songtext/andre-heller/die-wahren-abenteuer-sind-im-kopf-53c22391.html. Am 2019-09-18 gelesen.

reduce text

Wer Gedanken zu nutzen versteht, der wird die Zukunft beherrschen

The world´s first ultra-realistic AI artist robot: Ai-Da

Anfang September wollte ich die IFA in Berlin besuchen, die wichtigste Technik Messe der Welt. Die IFA erschien mir wesentlich, um mich mit den neusten Trends und Innovationen auseinanderzusetzen – Trends, die sowohl privat als Konsument*in als auch beruflich relevant scheinen.

Doch es kam anders – ein Umweg bescherte mir eine intensive Auseinandersetzung mit der digitalen Welt der anderen Art, die rückblickend gesehen vermutlich erkenntnisreicher war, als ich mir anfangs zugestanden hätte – warum, das möchte ich Ihnen nun erzählen. Aus privaten Gründen musste ich umdisponieren, und landete kurzfristig statt auf der IFA beim Ars Electronica Festival in Linz, der weltweit angeblich einmaligen Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft.

Äußerlich betrachtet begab ich mich in ein ähnliches Feld – in die Auseinandersetzung mit technischen Innovationen. Aber bei der Ars Electronica eingetroffen, erschien es mir, als ob die beiden Veranstaltungen auf zwei unterschiedlichen Planeten stattfinden würden. Ich war, so muss ich zugeben, sehr irritiert, fühlte mich auf der Ars Electronica deplatziert, wusste nicht, was ich da überhaupt soll. Ich wollte was erfahren über die neuesten technischen Trends. Aus dem heraus wollte ich ableiten, wie sich das auf die Arbeit, die Arbeits- und Kommunikationsprozesse auswirkt. Stattdessen war ich umgeben mit seltsamen Kreationen von Dingen, die ich weder technisch noch emotional, geschweige denn rational und schon gar nicht arbeitstechnisch einzuordnen fand.

Das Motto der Ars Electronica: Out of the Box, traf mich persönlich – warum, weil ich selbst in zahlreichen Artikeln dazu anzuregen versuche, über den Tellerrand zu sehen, die Silos zu verlassen. Doch bei der Ars Electronica musste ich an mir selbst leibhaftig feststellen, wie schwer es mir dort fiel, die eigene Blase zu verlassen und wirtschaftsfremde Interpretationen von technischen Innovationen und Kreationen nicht gleich als sinnlose Spielsachen zu verurteilen.

read more

Die Ars Electronica zeigte mir Dinge, die ich nicht sehen wollte bzw. Dinge, die mich nicht interessierten, weil mir die Relevanz für die Zukunft, die Relevanz für die Wirtschaft nicht gegeben schien. Ich war fest gefangen in meinem Silo, wie die Digitalisierung bzw. die neuen Technologien die Wirtschaft und das Leben der Menschen beflügeln könnten. Die Ars Electronica machte mir dabei einen Strich durch die Rechnung, und das konnte ich schwer akzeptieren. Aber rückblickend gesehen war das richtig gut, weil genau damit konnte ich etwas erfahren, was ich sonst vielleicht so bei der IFA nicht in Erfahrung bringen hätte können, was aber für die Zukunft meines jetzigen Wissensstandes mir wesentlich scheint.

Ich nehme Sie jetzt mit auf den Weg, die Ars Electronica im Schnelldurchgang spürbar, und damit den möglichen Erfolgsschlüssel der Zukunft begreifbarer werden zu lassen. Manche von Ihnen werden vorweg jetzt meinen, Sie kennen die Schlüssel zum digitalen Durchbruch, Sie arbeiten bereits seit Jahren tagtäglich damit, Sie investieren viel Zeit, Geld, Brain in die Forschung in die neuen Technologien. Sie brauche keine weiteren zusätzlichen Inputs, Sie haben gute, fähige, zukunftsorientiere Mitarbeiter*innen und Berater*innen. Das mag sein. Genau in der Weise dachte ich auch. Aber ich musste feststellen, ich kratze nur an der Oberfläche. Das reichte bisher aus, aber reicht nicht, um die nächsten 20 Jahre erfolgsversprechend zu gestalten.

Wie gesagt, ich haderte mit der Situation, statt auf der IFA bei der Ars Electronica gelandet zu sein, befürchtete viele wichtige Inputs von der IFA zu versäumen. Ich musste, ohne bei der Ars Electronica noch viel gesehen zu haben, bereits nach 20 Minuten einen Not-Espresso trinken – tat dies mitten in dem Wirrwarr an seltsamen Dingen, die ich alles andere als mit technologischem Fortschritt bzw. verheißungsvollen gesellschaftlichen Trends in Verbindung brachte. Wie dem auch sei. Jetzt musste ich für mich entscheiden, entweder weiter hadern, der IFA nachtrauern, der Ars Electronica mit Skepsis bzw. Enttäuschung gegenübertreten, mich damit innerlich sperren, oder die Kraft aufbringen und mich einfach auf das einlassen, was da ist.

Science fiction becomes science fact

Zum Glück fand ich durch meine Tochter bald eine Hilfe für meinen Groll – eine Artificial Intelligence- Woman, eine AI-Dame, ganz konkret eine AI-Malerin. Diese AI-Dame hat mich und meine Tochter in den Bann gezogen. Ihr Gesicht wirkte unfassbar echt, ihr Blick traf uns mitten ins Herz – scheinbar ins Herz. Rational konnte ich verstehen, dass eine AI-Dame mich nicht sieht und damit eigentlich nicht emotional berühren kann, aber emotional reagierte ich trotz Wissen und Reflektion. Meine Tochter, 6 Jahre, meinte, sie sei verliebt in diese Dame, und auch viele andere haben auf die AI-Dame mit positiver emotionaler Berührtheit reagiert. Das hat mich beeindruckt.

Ich sprach mit dem Mentor und Projektinitiator, ein Galerist aus London, der diese AI-Dame vollständig aus Privatmitteln finanziert, und diese in sehr menschlicher Weise zu bauen bzw. zu konstruieren sucht. Er versteht die AI-Dame weniger als konkretes Werkzeug, um damit etwas zu produzieren bzw. etwas erzielen zu wollen, sondern als Intelligenz, mit der man in Kontakt treten und zum Nachdenken angeregt werden kann:

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[1]

Genau an dem Punkt wurde es für mich spannend – gedanklich baute ich die ersten Brücken zur Wirtschaft. Ich schrieb zwar schon einige Male über die mögliche Kraft und Macht von Artificial Intelligence (AI), aber so hautnah habe ich die Wirkungsmacht noch nicht erleben können. Der Einsatz solcher Schöpfungen könnte die Wirtschaft in einer Weise revolutionieren bzw. in eine Richtung bewegen, die man sich kaum vorstellen kann – positiv wie auch negativ. Möglicherweise könnte es einen Konkurrenzkampf geben um die besten AI Programmierer*innen, die mit Hilfe der AI einen Wettlauf um Konsument*innen führen

An der Stelle möchte ich Ihnen ein interessantes weiteres Aufgabengebiet eines AI-Roboters hinzufügen:

  • In Japan in einem 400 Jahre alten Tempel predigt seit neuestem eine AI, ein Roboter, Buddhismus. Die meisten Besucher*innen waren anfangs überrascht, insbesondere davon wie menschlich der Roboter wirkte. Einige spürten eine Wärme, die man niemals so erwarten würde. Andere meinten, der Roboter hätte sie tatsächlich dazu gebracht, gründlicher über Gut und Böse nachzudenken. Mit diesem Roboter soll der Buddhismus in Japan revolutioniert werden. Der Westen reagiert darauf mit scharfer Kritik.[2]

Ich versuche das Experiment mit dem AI-Prediger in Japan aus dem Blick der Ars Electronica zu verstehen, und kann nun aus eigener Erfahrung sagen, eine AI hat Wirkungskraft – und die ist nutzbar für welches Thema auch immer. Die Wirtschaft wird die Kraft und Macht von AI ebenso nutzen wie andere Lebensbereiche, daran führt kein Weg mehr vorbei – in welcher Weise, das wird sich noch zeigen. Einige nutzen ohnehin schon AI, und lassen im Hintergrund die AI für sich arbeiten.

Die AI steckt nicht nur in den Produkten selbst, agiert als Software versteckt aus den jeweiligen Produkten heraus, sondern wird irgendwann einmal vermehrt, wie die AI-Malerin oder der AI-Prediger in Japan, auch die sichtbaren Bühnen des Lebens betreten und als sichtbare Erscheinungen mit Menschen in Kontakt treten. Das wird das Leben beeinflussen, in einer Weise, das kann man sich kaum vorstellen. Ich selbst bin überrascht, wie stark eine AI in Form einer Menschengestalt Wirkung hinterlässt. Das mag zwar für viele kein relevanter Einsatz von AI sein. Die AI mag für viele einfach bloß eine verbesserte Programmierung sein. Doch die Wirkungskraft geht weit darüber hinaus – jetzt schon unsichtbar und irgendwann einmal auch sichtbar.

Die AI ist eine künstliche Intelligenz. Als solche schafft die AI vieles nicht, was wir Menschen geschaffen haben. Aber das ist gar nicht der relevante Punkt, sondern der, dass wir Menschen auf all das, was die AI uns vorgibt, reagieren. An dem Punkt wird es wirklich gewichtig und spannend, und genau das konnte ich bei der Ars Electronica leibhaftig erfahrenen. Mit einem etwas anderen Verständnis von AI, weniger, dass die AI technisch unfassbar viel kann, sondern, dass Menschen indirekt über die AI andere Menschen gezielter, direkter, ansprechen wollen und können, und die davon sich sogar angesprochen fühlen – darin sehe ich die AI als ein wirklich neues Machtinstrument.

Mit diesem anderen Zugang zur AI bin ich dann weiter durch die Veranstaltung – begegnete einem seltsamen Ding, das aussah wie eine Krake. Anfangs sah ich das Ding als Gag von einem Künstler, ein witziges Spiel, aber mehr auch nicht. Aber nun sah ich, welche Kraft und Macht von der Krake ausgehen könnte:

  • Die Krake, ausgerüstet mit AI, verstand es, die Gefühle der Menschen miteinander zu verknüpfen. Durch die Krakenarme und den darin befindlichen Kameras konnten die Menschen sich gegenseitig sehen, wie auch sich selbst. Die Reaktionen der Menschen aufeinander, suchte die Krake zu analysieren und reagierte als Krake selbst darauf. Das hat wiederum einen Rückkoppelungseffekt auf die Menschen, die durch die Arme der Krake schauten.

So verspielt dieses Ding wirkte, so unbeschwert und eigentlich sinnlos für das Leben, ganz zu schweigen für die Arbeit, so tiefgreifend untergründig kann das Ding jedoch Menschen bewegen, beeinflussen. Und wer weiß, in welcher Weise die darin wirkende AI einmal in einem anderen Kontext eingesetzt werden kann, um Menschen miteinander gezielt zu verbinden und dahingehend zu bewegen, etwas Bestimmtes zu tun?!

Die AI-Malerin und die Krake waren nur 2 Beispiele von unzähligen Spielzeugen, so nenne ich die vielfältigsten Kreaturen auf der Ars Electronica flapsig, die mit Hilfe der AI die Gedanken der Besucher*innen zu interpretieren im Stande waren, und gleichzeitig damit rückkoppelnd Einfluss auf das Denken nahmen. Ich sah Filme, wo ich es nicht für möglich hielt, dass diese rein nur von AI produziert worden sind, sprich Stories, Bilder, Schnitt, alles von AI erschaffen wurde. Diese Filme waren erstaunlich menschlich und menschlich tiefgründig, haben zum Denken angeregt – genau das, was ich von einem AI-Film so nicht erwartet hätte.

Damit, sprich mit AI können in Zukunft Texte, Musik, Filme, Malereien, aber auch Kleidung, Gegenstände, … Menschen ganz gezielt rational wie eben auch emotional berühren. Ich habe beim Großen Konzert Mahlers Unvollendete vollendet gehört. Ich hätte nicht angenommen, dass eine AI diese Symphonie in einer so berührenden Weise zu Ende komponieren kann. Das hat mich beeindruckt, nein, viel mehr, es hat mich emotional berührt. Und genau an dem Punkt wird die AI meiner Meinung nach unfassbar mächtig – u.a. ein Grund, warum bereits die ersten Roboter-Psycholog*innen wie Martina Mara u.a. dieses neue Berufsfeld eröffnen.

Die AI wird nicht nur Fließbandtätigkeiten, gesamte Produktionszyklen übernehmen, sondern selbst in Berufsfeldern zum Einsatz kommen, die man sich aktuell noch schwer vorstellen kann. Nicht grundlos arbeitet Yamaha so gezielt an dem selbstspielenden Klavier, das in einigen Sekunden die aktuelle Stimmung der Welt in einer Komposition zum Ausdruck bringen kann – und das ist bloß eines von unfassbar vielen Raffinessen von dem selbstspielenden Klavier, das ständig dazulernt und das Publikum, uns Menschen, zu berühren versteht.

Mag sein, dass Sie die Kraft und Macht von AI ohnehin schon selbst erfahren haben, bzw. vielleicht sogar schon seit einiger Zeit in Ihrem Unternehmen als neues Tool zu integrieren suchen. Mag sein, dass Sie in der leibhaftigen Erfahrung mit einer AI gar nicht viel Spannendes und Anregendes gefunden haben, und den Hype, die Kraft und Macht von AI als überzeichnet sehen. Dann mögen meine Erfahrungen und Annahmen für Sie vermutlich naiv bzw. unrelevant erscheinen. Mag aber auch sein, dass Sie sich selbst, so wie ich mich nach diesen letzten Eindrücken bei der Ars Electronica, aktuell als ziemlicher Laie, als naive(r) Amateur*in im Umgang mit AI sehen. Wenn Sie es so für sich beurteilen, dann können wir uns die Hand reichen und uns gemeinsam in den nächsten Jahren auf das Abenteuer AI einlassen.

Resümee

Die Ars Electronica hat mir persönlich gezeigt, dass ich selbst im Umgang mit technischen Errungenschaften nur an der Oberfläche kratze, keine echte Ahnung habe, was diese Technologien eigentlich wirklich im Stande sind zu bewegen – nämlich, mein Leben tiefgreifender beeinflussen als ich das zu durchschauen fähig bin. Im Laufe der 2 Tage bei der Ars Electronica habe ich für mich persönlich geschlussfolgert:

Die Gedanken der Menschen in Verbindung mit der AI werden zu einem der mächtigsten Instrumente der Zukunft. Wer die Gedanken tiefgründig zu nutzen beherrscht, die eigenen wie die der anderen, der bewegt die Zukunft!

Das ist doch nichts Neues – werden jetzt viele denken. Das war doch schon immer so. Das ist auch der Grund, warum Werbung, härter ausgedrückt, Manipulation wirkt, und Manipulation seit menschheitsgedenken zu nutzen gesucht wird – ja und nein.

Die Kraft der Gedanken hat schon immer Menschen bewegt. Aber noch nie waren Menschen dahingehend beeinflusst, nicht direkt von Menschen selbst gelenkt zu werden, sondern indirekt durch AI, durch selbstlernende Softwarelösungen emotional getriggert zu werden.

Ich dachte von mir selbst, AI würden emotional nicht wirklich berühren, und so hätte man ohnehin eine gute Kontrolle über den Einfluss von AI auf das eigene Leben. Aber das muss ich, so fürchte ich, revidieren. Sicherlich, wenn ich mein Leben gedanklich und emotional ständig reflektiere, kann ich einiges an Einflüssen abwehren. Aber das erfordert viel Kraft – Gedankenkraft – jenen Schlüssel, den die AI für sich ebenfalls zu nutzen versteht, in einer Art und Weise, die man sich nur sehr schwer vorstellen kann.

Die AI als solche ist weder gut noch schlecht

  • Auf der Ars Electronica spürt man einen äußerst positiven Esprit ausgehend von jenen, die mit AI arbeiten. Deren Offenheit in Bezug auf AI lässt aber auch Kritik zu.

  • An dem Punkt unterscheidet sich die Wirtschaft von den Wissenschaftler*innen und Künstler*innen die ich bei Ars Electronica erlebt habe.

  • Alle gemeinsam nutzen AI, aber die offene Auseinandersetzung und kritische Fragen werden bei der Wirtschaft aus Zeitgründen zu oft ausgespart, oder aus wirtschaftlichen Bedenken nur hinter verschlossenen Türen geführt.

Dahingehend bietet vermutlich die Ars Electronica mehr Einblicke als vielleicht die IFA. Die IFA hätte mir auf der Oberfläche, sprich auf der äußerlichen, sichtbaren Produktebene sicherlich weit mehr zeigen können als die Ars Electronica. Die IFA hätte mir die neuesten Trends und Applications von Smartphones, Smart-Homes, Smart-Cars, von unzähligen neuen anderen Produkten und Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten, zeigen können. Aber eines hätte die IFA vermutlich nicht so offen dargestellt, die Hinterbühnen – all das, was die Produkte in sich verbergen, die Wirkungskräfte, u.a. den Einsatz von AI, die hinter bzw. in den Produkten stecken, mit welcher die Menschen in Kontakt treten und von welcher die Menschen beeinflusst werden.

  • Jetzt mögen Sie vermutlich aufschreien und sagen, dass es für Unternehmen legitim sei entsprechend den Möglichkeiten, sprich auch mit Hilfe von AI, Konsument*innen von Produkten zu überzeugen, Konsument*innen mit Produkten fit für die Zukunft zu machen. Die AI ist einfach nur ein neues Hilfsmittel, um Produkte noch besser zu machen. Das einzusetzen bzw. zu nutzen, muss man nicht explizit erwähnen und auf die möglichen Folgen hinweisen.

  • Die Wirtschaft befindet sich immerfort in der Weiterentwicklung, und kann nicht ständig jeden Schritt für jeden Menschen auf dieser Welt erklärbar und diskutierbar werden lassen. Ja, das mag stimmen. Aber mit Hilfe der AI wird vielleicht die Art und Weise was und wie konsumiert wird, wie finanztechnisch agiert wird, derart intensiv und schnell beeinflusst, dass man nicht abschätzen kann, wohin das womöglich führt. Ich fürchte, wir unterschätzen die AI – aber nicht, weil diese böse ist, sondern weil wir uns einfach zu wenig mit der AI auseinandersetzen.

Die Ars Electronica schafft es meiner Meinung nach, mehr Reflexion und Auseinandersetzung mit einer verspielten Offenheit gegenüber den neuesten technologischen Innovationen in eine annehmbare Kommunikation zu führen als es in der Wirtschaft vorzufinden ist. Ohne Scheu und ohne Hemmung wird auf der Ars Electronica mit der AI kommuniziert, und diese in schrägen Produkten und Kunstobjekten berühr- und erlebbar gemacht – so, dass selbst ich, der mit Skepsis der AI gegenübertritt, mich dieser anders nähern konnte als zuvor.

Nicht grundlos schreibt Katrin-Cécile Ziegler, Digital Economist, Speakerin, TV & Event-Moderatorin, dass die Ars Electronica ein Pflichtbildungsprogramm sein sollte für alle jene, die mit digitalen Technologien zu tun haben. Und der Bundespräsident von Österreich, Alexander Van der Bellen, meint, die Zeiten, wo die Technik allein den Ton angibt, sind vorbei. Die neuesten Technologien erfordern ein Wissen, dass den rein technologischen Rahmen sprengt. Das Wissen muss breitgefächert entwickelt werden, muss aus der Verbindung unterschiedlichster Lebens- und Arbeitsbereiche heraus entstehen. Dahingehend ist die Ars Electronica einmalig in der Welt.

Wen dem so ist, so sollte man meinen, dass auf der Ars Electronica auch die Wirtschaft vertreten ist. Aber das kann ich nicht bestätigen. Ich habe auf der Ars Electronica kaum Menschen aus der Industrie bzw. große Wirtschaftsunternehmen gesehen – vielleicht waren manche inkognito dort unterwegs, so wie ich selbst. Die Ars Electronica zieht scheinbar vermehrt einen Haufen von Individualist*innen aus unterschiedlichsten Wissenschaften und Kunst aus der ganzen Welt an – aber scheinbar kaum Menschen aus der Wirtschaft. Ich als Wirtschaftsnaher fühlte mich dort jedenfalls wie ein Außerirdischer. Woran das liegt – ich kann nur eine spekulative Antwort geben:

  • Vielleicht löst die Ars Electronica das bei der Wirtschaft aus, worüber ich vor 2 Wochen in dem Artikel Zukünftige Wachstumsmärkte schrieb – eine kognitive Dissonanz.

  • Warum, weil eine tiefgründige, breitgefächerte, den wirtschaftlichen Rahmen verlassende Auseinandersetzung mit neuen Technologien alles andere als leicht zu verdauen ist, viel mehr sogar das Gegenteil bewirkt, sprich schwer und fürs erste fast unverdaulich im Magen liegt. Die Wirtschaft möchte schnelle, leichte Lösungen. Das bietet die Ars Electronica nicht. Es gibt keine Produkte, die man hypen kann, keine Applikationen, die leicht von der Hand gehen und mit denen man den Lebens- und Arbeitsalltag bestens bewältigt. Stattdessen bietet die Ars Electronica Einblicke in schräge Gedankenexperimente, die manchmal auch unangenehm drücken, schwer in den Alltag einzuordnen sind, dahingehend wirken, dass man auf sich selbst zurückgeworfen wird – darauf, sich bewusst zu werden, dass die eigenen Gedanken der Schlüssel sind für das, was man auf der Welt vorzufinden wünscht, und der Schlüssel sind für die Wirkungskräfte der neuen Technologien.

Beherrscht man die Gedanken, dann beherrscht man die Zukunft. Das sagt sich so leicht, aber das ist hochgradig anstrengend und bedarf sehr viel Bewusstseinsarbeit in einer Weise, die wir so wie die neuen Technologien es fordern, kaum im Stande sind in der notwendigen Art über den gesamten Arbeitstag halten zu können – dafür müssten wir Meditationsmeister*innen sein. Aber vielleicht hilft uns dabei demnächst eine AI?

Ich jedenfalls bin zu dem Schluss gekommen, dass ich deutlich mehr an mir selbst und meinen Gedanken arbeiten möchte (muss), um die Fähigkeit aufzubringen, mich auf die neue Zeit mit AI mit neuen Möglichkeiten und Chancen bestmöglich einzustellen. Und genau das finde ich sogar reizvoll. Genau genommen komme ich sogar wieder dorthin zurück, wo ich schon einmal war, aber diesen Pfad ein wenig aus den Augen verlor. Wie dem auch sei, angeregt durch die Ars Electronica, durch diesen Umweg, bin ich reaktiviert, mich wieder vermehrt mit Bewusstseinsarbeit auseinanderzusetzen, um mit den neuesten Innovationen, mit AI sinnvoll und auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[2] https://www.n-tv.de/wissen/Roboter-predigt-in-buddhistischem-Tempel-article21258643.html. Am 2019-09-11 gelesen.

reduce text


Zukünftige Wachstumsmärkte – New Business Models

Zukünftige Wachstumsmärkte - New Business Models

4 Wochen Arbeitspause – davon die meiste Zeit in den großen Fjorden von Norwegen verbracht und einige Tage in einem kleinen Ort bei Wien mit der größten europäischen Fotoausstellung genossen. Ich habe viel nachgedacht, viel gelesen, reflektiert, Zeitgeistströmungen intensiv zu erfassen gesucht – mit einer großen, mich doch sehr berührenden Erkenntnis, die nahezu ident in einem Artikel in ZeitOnline vom 31. Juli 2019 zu lesen war.

Dieser Artikel, die Apokalypse ist leider auserzählt, ist für mich ein Sprungbrett. Wohin, darauf komme ich später. Zuvor 2 Gedanken in Bezug auf die auserzählten Herausforderungen, die mich in Verbindung mit einer medial deutlich wahrnehmbaren Tatsache zum Springen bringen:[1]

  1. Die Handlungsweise der Menschen verursacht Probleme, doch die Probleme werden negiert. In entscheidenden Momenten glaubt man nicht den Wissenschaften, sondern frisst die Dinge heiß in sich hinein und meint, es wird doch nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

  2. Die Digitalisierungs- und Klimakatastrophen sind auserzählt und jede Prognose, die dem ähnelt, wird genau durch diese Ähnlichkeit unglaubwürdig. Je dringlicher Wissenschaftler*innen vor baldigen gravierenden Konsequenzen warnen, sei es in der Digitalisierung, wie auch im Klimaschutz, desto umstrittener wird deren Position. Wissenschaftlicher*innen unterstellt man in Folge Persönlichkeitsstörungen oder eine geheime Agenda.

  3. Easy-Going-Lösungen, 5-Punkte-Erfolgsstrategien, die gleich wirken bzw. leicht umzusetzen sind, werden hingegen gehypt, in hoher Zahl angeklickt und mit vielen Likes beflügelt. Das ist in Ordnung, und ich will in keiner Weise Easy-Going-Patentrezepte schlecht reden. Mich bringt es vielmehr dazu, meine Arbeitsweise bzw. meine Sicht der Dinge, mein Verständnis und meine Erkenntnisse über die Digitalisierung, Wirtschaft und die damit zusammenhängenden sozialgesellschaftlichen Phänomene anders zu betrachten. Das heißt, dem gefragten Wunsch nach einfachen Lösungen nachzukommen, ohne jedoch die Situation und die Herausforderungen zu verharmlosen.

read more

Menschen wollen Probleme lösen, aber mit den Problemen nicht konfrontiert werden – ein Paradoxon, aber scheinbar ein äußerst reales, überall anzutreffendes Phänomen. Dem möchte ich mich gemeinsam mit Gleichgesinnten stellen. Ich möchte die Probleme nicht verharmlosen, aber gleichzeitig versuchen, Lösungen zu finden, die leichter zu nehmen sind. Ich möchte Lösungen finden, die Spaß machen, die motivieren und Wachstum in neuer Weise kreieren. Das mag für manche naiv klingen. Aber vielleicht sind wir alle naiv – jene, die weiterhin an das Wirtschaftswachstum glauben, obgleich dieses sichtbar kränkelt bzw. irgendwann zwangsläufig an die Grenzen stößt, aber genauso gut diejenigen, die die gesamte Wirtschaft auf den Kopf stellen wollen, um die Erde vor Klimakatastrophen zu retten oder die Menschheit vor einer digitalen Weltmacht zu schützen suchen.

  • 2020 könnte das Jahr der nächsten großen Wirtschaftskrise werden. Alle wissen bereits seit Monaten, dass es aller Voraussicht nach so kommen wird, doch kaum jemand hat sich darauf entsprechend vorbereitet. Vielleicht Sie schon, ich weiß es nicht, aber die meisten agieren im Modus, es wird schon nicht so heiß werden.[2]

  • Ebenso hat keiner in Indien gedacht, dass bei einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 5,8% und einer konsumfreudigen Mittelklasse ein massiver Absatzrückgang von 31% bei den indischen Autobauern möglich sein kann. Der Zulieferer Bosch ließ verlauten, im August werde in zwei Fabriken an 13 Tagen nicht gearbeitet. Fertigungsstraßen der Automobilbauer ruhen für 8 bis 14 Tage in diesem Quartal.[3] Das kann auch in Deutschland passieren, doch das würde man so niemals für möglich halten. Solche Szenarien sind doch bloß an den Haaren herbeigezogen, Aufsehenshascherei. Leon Festinger nennt dieses Bewertungsmuster, das so gut wie jeder und jede in sich trägt, kognitive Dissonanz.

Wenn Menschen eine Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen und der Realität erleben, die sich nicht beseitigen lässt, erzeugt das ein tiefes Unbehagen und damit das dringende Bedürfnis, das Unbehagen zum Verschwinden zu bringen, indem man das Problem beispielsweise als nicht so schlimm zu sehen versucht, oder gar ignoriert. So kommt es, dass beispielsweise Raucher*innen Lungenkrebsstatistiken für überbewertet halten und Anlieger von Kernkraftwerken das Strahlungsrisiko- und Unfallrisiko regelmäßig niedriger einschätzen als Menschen, die weit entfernt von Atommeilern leben. In ähnlicher Weise verhält es sich mit dem Klimawandel, den man deutlich unterschätzt.[4]

Ein tadelnder bzw. angstschürender Informationsstil führt scheinbar unweigerlich dazu, die angesprochenen Herausforderungen zu ignorieren bzw. zu verharmlosen – beruhend auf der menschlichen Triebkraft der kognitiven Dissonanz. Die Apokalypsen schlittern an einem vorbei, scheinen auserzählt zu sein. Diese Einstellung mag einen beruhigen, aber mit welchen Folgen? Die Probleme werden irgendwann einmal jeden und jede treffen, auch wenn man meint, es wird nicht so heiß werden. Der Zusammenbruch des Ostblocks hätte einen darüber lehren können, dass Systeme lange über ihr eigentliches Verfallsdatum hinaus weiterexistieren können, um dann wie ein von Termiten ausgehöhltes Haus geräuschlos zusammenzubrechen.[5]

Bitte nicht schon wieder eine Hiobsbotschaft. Ja, ich weiß, es ist tatsächlich alles andere als einfach, realistische Herausforderungen so zu verbalisieren, dass man bereit ist über die existierenden Herausforderungen ehrlich nachzudenken, nicht in eine Dissonanz zu gehen bzw. sich schnell auf leicht verdauliche Scheinlösungen zu stürzen. Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe, Publizist, geht hart ins Gericht mit den Menschen in Bezug auf die Negierung ihrer Probleme. Er sagt unverblümt, die Menschheit steht aktuell vor der größten Herausforderung, der Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage. Er spricht deshalb nicht mehr von der Gestaltung der Zukunft, sondern nur noch von den Möglichkeiten der Restauration.

Das ist aber genau das, was niemand hören will. Also frage ich mich:

  • Wie ist es möglich, die Herausforderungen nicht mehr zu negieren, das Unbehagen der Diskrepanz zwischen der Realität und den Wunschvorstellungen, sprich die kognitive Dissonanz aufzulösen, und mit Vertrauen statt Angst andere, neue Möglichkeiten aufzugreifen und umzusetzen?

  • Welche neuen Lösungen könnte man aktuell, beispielsweise in Ihrem Unternehmen andenken, die leichter verdaulich, nicht esoterisch bzw. als nicht durchführbar oder als zu voreilig betrachtet werden?

Die Beantwortung dieser Fragen sind meiner Meinung nach ein Schlüsselpunkt. Leider scheint sich jedoch dieser Dreh- und Angelpunkt für eine vielversprechende Lösungsstrategie selbst auch gleich wieder im Weg zu stehen – ganz im Sinne einer Schutzhaltung gegenüber unangenehmen Herausforderungen, die man nicht hören mag. Tut mir leid, so gesehen habe ich gerade schon wieder keine schnelle Easy-Going-Lösung im Ärmel, die ich einfach so ausschüttle, und Ihnen dann in 5 Punkten als vielversprechendes Erfolgsrezept weitergeben kann.

Der Haken liegt daran, dass wir es einfach nicht gewohnt sind, in neuen Lösungskategorien zu denken – ich selbst auch nicht. Wir, wozu ich mich auch ausnahmslos zähle, denken in äußerst festgefahrenen Kategorien, und es ist wirklich außerordentlich schwer, diese gewohnten Denkmuster, die damit verbundenen Bewertungen einschließlich der Diskrepanzen, in ein neues Licht zu stellen, und andere Denkweisen und damit auch Lösungsansätze zuzulassen.

Aber genau das, das Paradoxon, neue Lösungen zu finden, ohne die tiefgreifenden Probleme zu verharmlosen, motiviert mich gerade sehr, mich selbst mit New Business Models auseinanderzusetzen. Ich möchte mich einer neuen Lösungsstrategie anvertrauen, die weniger darauf beruht, aus Angst vor der Zukunft Probleme zu verharmlosen, oder in eine verzweifelte Anklage zu gehen, sondern aus Freude, Spaß, aus Inspiration heraus und der damit verbundenen spielerischen Leichtigkeit, neue Wege zu finden. Das kann auch Wachstum erzielen, aber vermutlich auf andere Art und Weise.

All jene, die sich vielleicht schon einmal mit Permakultur auseinandergesetzt haben wissen vielleicht, dass man mit dieser sehr gemischten Anbauweise einen deutlich größeren Obst- und Gemüseertrag bei gleicher Flächengröße erwirtschaften kann, als mit industrieller Mono-Landwirtschaft – und das noch dazu ohne künstliche Schädlingsbekämpfung. Die Art und Weise, wie die Pflanzen in Kooperationen zueinander wirken, stärkt das gegenseitige Wachstum und bekämpft Schädlinge. Das ist doch bemerkenswert – zumindest für mich.

Nichts Neues werden Sie jetzt denken, Permakultur gibt es schon lange. Ja, aber warum unterstützt man dann in großem Stil die Monokultur der Agrarriesen, die ohnehin nur 30% der weltweiten Bevölkerung zu ernähren im Stande sind und deren Arbeitsweise das größte Kapital der Landwirtschaft, den Boden, auch noch beschädigt? Diese Frage ist wieder eine Anklage, die Unbehagen auslöst und damit negiert oder gar mit Gegenargumenten rückverurteilt wird. Also wenden wir den Blick zurück zu jenem Aspekt, der positiv stimmt und betrachten jene Aspekte der Permakultur, die Erfolge zeigen, versuchen eine gedankliche Brücke aufzubauen – von der Kooperationskraft unterschiedlichster Pflanzen, die sich gegenseitig stärken, hin zu Ihrem Unternehmen und der fachübergreifenden Kooperationskraft dort.

Eine erfolgsversprechende Digitalisierung fordert ohnehin das über die Fachbereiche hinaus wirksame Denken und Handeln – sprich Diversity. Silodenken ist hingegen ein schwerer Hemmschuh für die Digitalisierung, doch in den meisten Unternehmen so derart normal und gewohnt, dass man die Monokulturen gar nicht als solche wahrnimmt, manchmal sogar meint, man agiert ohnehin schon sehr vielseitig, durchmischt, mit Querdenker*innen gestärkt – leider eine hartnäckige Illusion. Die meisten Unternehmen agieren im Modus von Monokulturen.

Dieses Aufspüren von neuen Lösungen verlangt viel Offenheit, um das fokussierte, fixierte, gewohnte Denk- und Beurteilungsmuster auszuhebeln. Dafür ist es notwendig, den persönlichen Denkradius deutlich zu vergrößern, in Austausch zu gehen mit unterschiedlichsten Menschen und ebenso Naturräumen – in Berührung zu gehen, mit Handlungsweisen, die schräg klingen, z.B. mit einem Baum kommunizieren. Ja, ich weiß, das mag jetzt für manche total daneben klingen. Lassen Sie mich ergänzen, dass die Wissenschaft herausgefunden hat und sogar belegen kann, dass wir Menschen tatsächlich mit Bäumen in kommunikativen Austausch gehen können. Das mag für viele erst einmal ein Gedankenexperiment sein.

Aber das Schöne daran ist, man kommt in Unterhaltungen, die einem persönlich viel bringen können – in jeder Weise. Das ist das, was uns Menschen ohnehin am meisten bewegt, andere Menschen und die Natur. Manchmal scheint es zwar nicht so, aber bei genauer Betrachtung sind es immer die Menschen im Austausch mit der Natur, die sich gegenseitig inspirieren oder zerstören. Aus dem heraus hat sich viel entwickelt, und könnte sich noch viel mehr entwickeln, wenn man neue Wege zu gehen sucht. Diese neuen Wege, New Business Models, müssen jedoch nicht dem Wirtschaftswachstum widerstreben, wie so oft angenommen. Vielleicht gibt es ein sowohl als auch – wie beispielsweise die Suchmaschine Ecosia, im Web suchen und Bäume pflanzen.

New Business Models

Ecosia gegründet 2010 in Wittenberg von Christian Kroll, hat im Juni fast 1,5 Millionen EURO eingenommen und veröffentlicht jeden Monat seine Finanzen. Ecosia ist die erste ökologische Suchmaschine und spendet 80% der Einnahmen an weltweite Baumpflanz-Projekte. Mittlerweile hat Ecosia 65 Millionen Bäume gepflanzt in mehr als 17 Ländern, und beschäftigt fast 50 Menschen. Ein Tree Planting Officer überprüft vor Ort, ob die Bäume wirklich angepflanzt werden, und dass sie stehen bleiben. Aber auch andere Aspekte spielen eine Rolle, u.a. faire Gehälter zahlen, keine Kinder arbeiten lassen und keine Monokulturen pflanzen. Der Strom für die Server kommt aus erneuerbaren Energien. Ecosia hat selbst Solaranlagen gebaut, und in den nächsten 3 Jahren sollen 8 Millionen EURO in neue Solaranlagen investiert werden. Beim Programmieren achtet Ecosia auf schlanke Codes, denn schlechte Codes verursachen mehr Rechenleistung, damit steigen die Serverkosten bzw. der Energieverbrauch der Server.[6]

Das Ecosia-Geschäftsmodell funktioniert wie bei jeder anderen Suchmaschine: Firmen buchen Suchbegriffe, die von der Microsoft Suchmaschine Bing geliefert wird, um die Firmenseite als Werbung oben auf der Ergebnisseite angezeigen. Für jeden Klick zahlen die Unternehmen. Ein Riesenmarkt, wenn allein Ecosia – mit einem verschwindend kleinen weltweiten Marktanteil – fast 1,5 Millionen EURO monatlich einnimmt.[7]

Auch das Unternehmen Raubein in Hard, Vorarlberg, mit dem Motto „Möbel ohne Ende“ wollen Wachstum erzielen, jedoch anders – Wachstum im Verständnis von Wertschätzung und Respekt. Raubein dient aktuell als Ausgleich für die beruflichen, meist kopflastigen Tätigkeiten, wo sich die Partner*innen von Raubein manuell austoben und gleichzeitig Sinn suchen und stiften. Raubein schaut über die Grenzen, schaut hinter die Fassaden von alten, lehrstehenden Häusern, Hotels, Brauereien und Handwerksbetrieben, von Verwaltungs- und Fabriksgebäuden.[8]

Raubein ist ein Herzensprojekt, nicht nachhaltig in dem Sinn, wie man Nachhaltigkeit meisthin versteht, sondern beruhend auf Liebe und Respekt für gute Verarbeitung und durchhaltefähigem Material, nachhaltig aus Verbundenheit zu den Menschen, die mit den Dingen jahrelang gearbeitet und gelebt haben. Raubein sieht sich privilegiert, so arbeiten zu dürfen und gibt aus Dank einen Teil der Erlöse für soziale und gemeinnützige Initiativen der Region zurück. Zudem geht in einzelnen Fällen ein Teilbetrag des Erlöses auch an den/die Möbelspender*in zurück.[9]

Als 3. und letztes Beispiel für heute, möchte ich ein Unternehmen nennen, Sono-Motors, dass 2020 das erste serienmäßige Elektroauto Sion herausbringt, das seine Batterie zusätzlich durch die Energie der Sonne lädt. Das Dach, die Motorhaube und die gesamte Karosserie des Autos sind vollflächig mit monokristallinen Siliziumzellen verkleidet. Der gespeicherte Strom kann auch wieder abgegeben und damit beispielsweise elektrische Geräte, oder sogar ein zweites Elektroauto geladen werden. Im Innenraum reguliert ein organischer Filter aus Moos – breSono – die Luftfeuchtigkeit und filtert Feinstaub.[10]

Der Sion ist ein familienfreundlicher Allrounder: 5 Türen, 5 Sitzplätze, Isofix-Vorrichtungen, ein großzügiger Kofferraum, ein Elektromotor mit einer Maximalgeschwindigkeit von 140 km/h, eine Reichweite von 255 km nach WLTP-Standard, eine Anhängerkupplung mit einer Zuglast von maximal 750 Kilogramm, ein Schnellladesystem, …. Daran ist nichts außergewöhnlich im Vergleich zu anderen E-Autos. Doch die Möglichkeit, die Batterie durch die Sonne aufzuladen ist doch bemerkenswert, und ebenso die Art und Weise wie man versucht, ressourcenschonend zu produzieren.[11] Die verwendeten Bauteile müssen folgenden Anforderungen erfüllen: Lebensdauer von mindestens 8 Jahren, Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse, Bruchfestigkeit und ein geringes Gewicht, das alleine macht viel aus. Darauf nimmt beispielsweise Audi mit seinem E-Tron scheinbar noch nicht viel Rücksicht. Der Audi e-tron wiegt knapp 2,5 Tonnen.

Die Batterien es Sion bestehen aus einer Zellchemie mit reduziertem Kobaltanteil. Sono-Motors hat darüber hinaus 2017 beschlossen, alle Emissionen, die bei der Produktion des Sion entlang der Lieferkette anfallen, zu kompensieren. Dies beinhaltet neben der Produktion und Zusammensetzung der Bauteile und der Logistik, auch die Emissionen der Büros sowie die Geschäftsreisen. Die Produktionsstätten im ehemaligen Werk der Kultmarke SAAB verwenden Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energien.[12]

Auch wenn Sion sicher noch nicht die beste Lösung ist, was die Mobilität betrifft – es ist ein weiterer Schritt. An der Stelle möchte ich ein interessantes Gedankenspiel von Welzer anführen, der den Öko-Wahn und die Umstellung des Energieverbrauchs auf rein Öko für bedenklich hält. Er schreibt: Der Glaube mit der Umstellung des Energiesystems die gefährliche Klimaerwärmung zu stoppen, ist eine Illusion. Tatsächlich würde sogar das Gegenteil der Fall sein: Würde man nämlich die Nutzung fossiler Energien vollständig durch die Nutzung erneuerbarer Energien ersetzen, gäbe es hinsichtlich der Expansion von rohstoffintensiven Ernährungs-, Wohn- und Mobilitätsstilen kein Halten mehr, denn schließlich wäre die zu deren Erzeugung benötigte Energie dann ja unbegrenzt verfügbar. Eine gelingende Energiewende in der falschen Kultur kann in der Konsequenz damit sogar zu einer Erhöhung der Zerstörungskraft der bestehenden Praxis führen – das Gegenteil einer gelungenen Transformation.[13]

Nun ja, diese Aussage mag stimmen, berührt jedoch wieder sehr unangenehm, aktiviert die kognitive Dissonanz und negiert damit die Aussage bzw. redet die Aussage schlecht und findet rasch Gegenargumente. An dem Punkt heißt es, Durchhaltevermögen zeigen, sprich die Herausforderungen bejahend im Blick haben, aber mit einer verspielten Leichtigkeit an die Sache herangehen, Abenteuerlust zulassen, um ganz neue Wege zu finden – ein Wachstum der anderen Art kreieren.

Resümee

Ich selbst stehe was New Business Models betrifft, wenn ich ehrlich bin, ziemlich am Anfang. Aber ich freue mich wie ein 8jähriger Junge, der neue Abenteuer zu bestreiten sucht, wirklich neue Geschäftsmodelle ausfindig zu machen bzw. gemeinsam mit Interessierten neue Geschäftsmodelle anzudenken, neue Wachstumsmärkte zu erschließen – Wachstumsmärkte der neuen Generation. Das sehe ich als Freiheit und Teilhabe. Genau das produziert scheinbar auch die kapitalistische Gesellschaft, die Erfahrung von Freiheit und Teilhabe. Aber nach Welzer existiert Freiheit und Teilhabe im Kapitalismus nur auf dem Rücken der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, auf der Steigerung des individuellen Glücks und der Zerstörung und Ausbeutung der Welt.

Es geht nicht mehr um die Frage, was es zu vermeiden, sondern was es zu erhalten gilt. Unausweichlich stehen wir vor den Problemen der Ressourcenknappheit, Schuldenstress, Migrationsströme, Klimakatastrophen.[14] Diese Sichtweise führt jedoch wiederum nicht dazu, neue Lösungen zu finden, sondern vielmehr dahingehend, sich zu distanzieren und die Herausforderungen zu negieren. Merken Sie es? Es ist wirklich beachtlich, wie schnell kritische Aussagen, mögen diese noch so relevant und wichtig sein, Unmut auslösen, und damit die Auseinandersetzung mit den Problemen äußerst subtil so zu verdrehen sucht, dahingehend dass die Probleme eigentlich gar nicht wirklich bestehen bzw. viel harmloser scheinen.

Scheinbar gelassen geht man mit moralisch zutiefst verstörenden Sachverhalten um – und genau das sind wir auch gewohnt. Es ist nicht nur die kognitive Dissonanz, sondern auch die Gewohnheit, sich so von Herausforderungen zu distanzieren und sich damit irgendwie zu belügen. Neu ist nur: Man betrügt jetzt nicht nur die anderen, die irgendwo da draußen in der Welt sind, sondern inzwischen auch die eigenen Leute – die eigenen Kinder, Nichten, Neffen, Enkel und all jene, die nach uns kommen. Welzer diagnostiziert: Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn die Welt zukunftsfähig bleiben soll.[15]

Merken Sie es vielleicht jetzt wieder? Diese letzte Aussage löst vermutlich erneut Unbehagen aus, vielleicht fühlen Sie schon die Abwehr in sich aufsteigen. Und genau jetzt an dem Punkt kann es spannend werden. Vielleicht schafft man es, jetzt an diesem Punkt, die Herausforderung nicht sofort zu negieren, sondern mit Respekt stehen zu lassen, aber gleichzeitig mit dem Drang nach positiven Gefühlen, mit einer Brise der Easy-Going-Strategie zu verbinden – ein Sowohl-als-auch zulassen.

Ich möchte jedenfalls die nächsten Wochen dafür nutzen, in leichterer Weise schwere Themen und Herausforderungen anzugehen. Ich freue mich darauf. Ich möchte die Probleme und Herausforderungen nicht negieren, aber ich möchte niemanden mit apokalyptischen Aussagen bedrängen, sondern versuchen, die Lust an wirklich neuen Geschäftsideen zu wecken, die Lust für wirtschaftliches Abenteuer anzuregen, in neue Wachstumsmärkte zu investieren, Grenzen in hochgestimmter Weise zu überschreiten.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.zeit.de/kultur/2019-07/klimakatastrophe-apokalypse-weltuntergang-hysterie-erderwaermung. Am 2019-08-27 gelesen.
[2] https://www.msn.com/de-at/finanzen/top-stories/es-droht-die-nächste-große-wirtschaftskrise-und-alle-schauen-nur-zu/ar-AAGoda1?ocid=spartandhp. Am 2019-08-27 gelesen.
[3] https://www.nzz.ch/wirtschaft/abrupter-stopp-fuer-indiens-autoindustrie-ld.1502004. Am 2019-08-27 gelesen.
[4] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[5] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[6] https://www.ecosia.org/. Am 2019-08-27 gelesen.
[7] https://www.ecosia.org/. Am 2019-08-27 gelesen.
[8] https://www.raubein.at/. Am 2019-08-27 gelesen.
[9] https://www.raubein.at/. Am 2019-08-27 gelesen.
[10] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[11] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[12] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[13] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[14] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[15] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.

reduce text

Science fiction becomes science fact – das zu managen ist ein bahnbrechendes Abenteuer

Science fiction becomes science fact – das zu managen ist ein bahnbrechendes Abenteuer

Bevor ich, wie viele andere auch, in den Urlaub gehe, möchte ich ein Resümee über mein Wirken und die Resonanz auf mein Wirken als Berater und Influencer für das 1. Halbjahr 2019 geben, und einen lockeren Vorausblick machen, womit ich mich ab Herbst konkreter beschäftigen möchte.

Die 3 herausstechenden Themenkomplexe bzw. die damit verbundenen Erregungen aus dem 1. Halbjahr 2019

1. Der bestlaufende Artikel mit über 78.000 Leser*innen war: Sind agile Prinzipien zum Scheitern verurteilt

Die in diesem Artikel angesprochenen Aussagen und Annahmen sind kritisch, haben aber überraschenderweise nicht abgeschreckt, entsprechend gelesen zu werden. Das erstaunt mich deshalb, weil ich immer deutlicher die Erfahrung mache, dass negative Aussagen verständlicherweise eher abstoßen, unattraktiv sind für eine Zeit, die sich selbst als vielversprechend, alles ist möglich, man muss nur die Chancen sehen und nutzen, … gehypt wird.

Dennoch versuche ich trotz Kritik und Angriffe immer wieder aufs Neue, nicht nur die euphorischen Chancen, sondern auch die möglichen Stürze bzw. ungeliebten Risiken ansprechen. Das tue ich, weil ich persönlich in einer komplexen Zeit auch die komplexen Risiken durchschauen will, um im Falle des Falles entsprechend vorbereitet zu sein – das sehe ich als meine Verantwortung als Berater und Influencer. Das ist eigentlich ein Selbstverständnis, werden Sie jetzt denken. So agieren doch alle, die Verantwortung tragen. Das mag von der Intension her so stimmen, aber die Praxis sieht zu oft anders aus – was sehr deutlich und mit großer Sorge bei einem Meeting in München mit einem der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens, dessen Name ich jedoch anonym zu halten versprochen habe, als großes Bedenken im Raum stand.

read more

Gerd Leonard, Futurist, CEO The Futures Agency, sprich deutlich davon: science fiction becomes science fact.[1] Ob man will oder nicht, das hat Folgen für alle – auch wenn man die Folgen aktuell noch nicht zu spüren bekommt. Aber genau das ist das Fatale. Die meisten Folgen bekommt man erst zu spät zu spüren, dann wenn man eigentlich nur noch reaktiv, aus der Not heraus handeln kann. Damit vergibt man sich jedoch die Chance, vorzeitig aktiv die Situation in eine gute Richtung zu führen, mit Folgen, die auf das Gesamte bezogen, besser verträglich gewesen wären.

Der umfassende Einbezug der Risiken verstört jedoch die Euphorie und die mit der Digitalisierung verbundenen kurzfristigen Erfolge. Mag sein, dass auf bestimmten Ebenen sogar bewusst das Wissen über die Risiken ferngehalten wird? Sei es so, oder auch nicht. Fakt ist, dass man Risiken gerne aus dem Weg geht. So tut, als ob es die Risiken nicht geben würde bzw. die Risiken nur überzeichnet werden. Mir persönlich geht es nicht anders. Ich möchte auch viel lieber nur auf der Welle des Hypes der Digitalisierung dahingleiten und die vielfältigen Möglichkeiten nutzen – u.a. auch, damit ich im Wettbewerb mit den anderen mithalten kann.

Wenn ich hingegen die enthusiastische Welle mit düsteren Bildern verdunkle, dann ist das aufs Erste gar nicht das, was antreibt und wettbewerbsfähig hält. Verständlicherweise übergeht man dann die Risiken, oder beruhigt sich dahingehend, dass man die Problempunkte bei passender Gelegenheit in Angriff nimmt. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Am Beginn der Prozesse meist nicht, an der Stelle ist man zu motiviert und zu sehr überzeugt, dass alles machbar ist. Während des Prozesses, auch kein so guter Zeitpunkt, da ist man so sehr damit beschäftigt, den Prozess bestmöglich zu implementieren und aufkommende Hindernisse so schnell wie möglich glatt zu bügeln. Zum Ende hin, das ist reichlich spät. Abgesehen davon zeigt sich in vielen Fällen, dass die Prozesse in der Anfangsphase relativ gut anlaufen, warum sollte man sich dann überhaupt über Risiken Gedanken machen, die möglicherweise nie eintreffen, vielleicht sogar den Prozess negativ belasten.

Diese Sichtweise und entsprechende Prozessoptimierung kann ich gut nachvollziehen, denn gerade im Fall der Digitalisierung und auch der Umweltproblematik sind die möglichen Risiken noch nicht wirklich greifbar, nicht wirklich real. Aber genau das ist der Haken der Digitalisierung und auch der Umweltproblematik. Keiner kann wirklich sagen, wie die Digitalisierung tatsächlich das Leben und Arbeiten, die Zukunft der Unternehmen umfassend beeinflusst. Keiner weiß, ob die Klimaerwärmung wirklich so heftig ist, und was das für die Unternehmen bedeuten könnte. Aber eines ist gewiss: Quantencomputer, Künstliche Intelligenz (KI) und Klimaveränderungen, durch wen auch immer ausgelöst, werden das Leben und damit auch das Wirken der Unternehmen in vielfältigster Weise herausfordern.

Möglicherweise sind sich sogar mehr Führungskräfte dessen bewusst als darüber offen diskutiert wird, darunter eben hochkarätige Spitzenleute, wie u.a. einer der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens in einem Gespräch München.

Risikoprävention wäre eigentlich eine Maßnahme, die in einem umfassenden Digitalisierungsprozess von Beginn an ernsthaft begleitend mitlaufen sollte. Aber das versucht man zu umgehen. Das sieht man vermehrt als noch nicht wirklich nötig an. Im Gegenteil, es scheint eher kontraproduktiv, ressourcenfressend, Komplexität erhöhend und wird damit fürs Erste gestrichen – womit einige auch Recht haben. Prävention mag Zusatzarbeit machen und kostet Geld. Damit wirkt sie dem schnellen Fortschritt der Digitalisierung diametral entgegen, löst sogar die Sorge aus, mit zu viel Sicherheits- und Reflexionsschleifen den Anschluss zu verpassen. Und wer weiß, vielleicht sind die Sorgen und Befürchtungen ohnehin nur aufgebläht, und bloß von Digitalisierungsgegner*innen als Aufmerksamkeitshascherei medial inszeniert.

Nichtsdestotrotz muss man mehr Aufmerksamkeit in die Digitalisierungsprozesse stecken, weil der Druck stetig ansteigt und die gehypten Strategien doch nicht wie geplant wirken, agile Methoden scheitern. In diesem Zusammenhang findet sich für mich ein spannender roter Faden zu einem anderen Artikel, der in Bezug auf die Anzahl der Leser*innen eher durchschnittlich war, aber im Verhältnis dazu außerordentlich viele Reaktion ausgelöst hat – nämlich der Artikel:

2. Was wäre, wenn Manager streiken

Dieser Artikel war sicher eine gedankliche Gradwanderung, führte zu Missverständnissen, aber auch zu spannenden Reflexionen.

Streik scheint eigentlich nur dann angesagt zu sein, wenn die Situation prekär oder gefährlich ist. Dahingehend ist es provokant bzw. scheint die Fragestellung fehlgeleitet zu sein, vom Streik der Manager zu sprechen, deren Situation weder prekär noch gefährlich scheint. Aber stimmt diese Mutmaßung wirklich?

Wenn man den global vernetzten, höchstkomplexen, unfassbar schnellen Verdrängungswettbewerb betrachtet, die Digitalisierung mit den damit verbundenen Herausforderungen und unglaublichen Veränderungen, kann man die Situation der Manager meiner Auffassung nach sehr wohl als gefährlich einstufen. Der Druck ist immens, die damit verbundenen Anforderungen überschreiten das, was die Führungskräfte eigentlich zu managen fähig sind, das kann man nicht schönreden. In dem Meeting in München zeigt sich diese Problematik unausweichlich deutlich: Jasagen, obwohl es eigentlich nötig wäre Nein zu sagen, und sich nicht im Rausch der Digitalisierung zu verlieren. Doch was hindert daran?

  • Was bzw. warum verhalten sich Manger so linientreu, tragen Entscheidungen mit, die möglicherweise alles andere als sinnvoll und verantwortungsvoll sind, versuchen es trotz besseren Wissens sowohl nach unten wie nach ganz oben allen Recht zu machen?

Im Umkehrschluss eine relevante Anschlussfrage:

  • Was müssten Manager wagen, wenn sie streiken, wenn sie Nein sagen zu bestimmten Prozessen und Strategien, und sich gemeinsam mit anderen Managern, beispielsweise wie Schüler*innen weltweit für den Klimaschutz formieren, für die Entwicklung einer neuen Wirtschaftskultur einsetzen?

Ich weiß, diese 2. Frage ist für manche ein Affront, eine Anmaßung, naiv und vollkommen daneben. Mag sein, aber dennoch wage ich eine solche Frage. Es geht mir nicht darum, das Wirtschaftssystem aufzulösen, weil alles schlecht ist. Nein, das ist es nicht. Ich möchte jedoch anregen, auch neue Formen des Zusammenwirkens anzudenken, auch auf den oberen Ebenen. Die Agilität fordert es ohnehin. Doch genau das fällt unglaublich schwer – den gewohnten Rahmen verlassen und sich neu positionieren. Dahingehend passt eine weitere Beobachtung zu Reaktionen auf Artikeln von mir aus dem 1. Halbjahr 2019.

3. Der Artikel, Schockprognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, hat im Vergleich zu den vielen anderen Artikeln herausstechend emotionsgeladene Kommentare ausgelöst

Das Klimaproblem und die damit verbundenen möglichen Folgen, die auch die Unternehmen treffen könnten, vergraulen – verständlicherweise. Mit Umweltthemen steht man als Unternehmen vor einem wirklich großen Dilemma:

  • Zum einen will man vielleicht wirklich was tun, anders agieren,

  • sieht aber die Konkurrenz, die noch nicht daran denkt, Umweltmaßnahmen als Unternehmenswerte zu integrieren, damit jedoch kostengünstiger, schneller produzieren kann als jene, die wirklich ernsthaft bemüht Umweltaspekte in die Unternehmensleitziele einzubeziehen suchen.

Würden alle Unternehmen der Welt gemeinsam die Umweltverträglichkeit als relevanten Unternehmensleitsatz integrieren, dann wäre vielleicht genug Motivation vorhanden, so dass sich mehr Unternehmen neu ausrichten bzw. die Risiken einer zu wenig betrachteten Umweltwirksamkeit anders bewerten. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der Digitalisierung.

Solange nur einzelne den Sprung wagen, es wirklich anders zu machen, die Risiken bewusst und verantwortungsvoll im umfassenden Sinn und nicht bloß als Schein für ein gutes Image in die Welt tragen, wird das zwar als vorbildhaft gelobt, aber eine große Trendwende nicht umgesetzt. Solange sich die Masse weiterhin umwelt- und ressourcenfressend, oberflächlich vom Digitalisierungshype berauscht verhält, gesellschaftlich wie unternehmerisch, werden es nur einzelne wagen, den Mainstream zu verlassen und das Vorgehen kritisch hinterfragen.

Aus dem vertrauten Mainstream, aus dem, wie die Masse in ähnlicher Weise versucht ein Problem zu lösen bzw. auch ignoriert, auszusteigen, ist jedoch ein außerordentlich mutiger Schritt.

Der Erfolg mag nicht gleich zu sehen sein, aber langfristig vielleicht dazu führen, ein geachteter Leader zu werden. Doch das weiß man am Anfang vom Sprung in neue Sphären nicht. Man muss in unbekanntes Wasser springen, den vertrauten Mainstream verlassen, in eine Vision vertrauen, die den Rahmen der bisher vorstellbaren Visionen überschreitet. Man verliert u.U. Rückendeckung von jenen, die dem Mainstream vertrauen. Man muss die Kraft aufbauen, sich gegenüber dem Mainstream mental, emotional und rational behaupten, ein ebensolches couragiertes Team für sich gewinnen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten und widersprüchliche Ansichten, Befürchtungen, Kritiken als Sprungbrett für bahnbrechende Innovation nutzen – darin war u.a. Steve Jobs ein Meister.

Bei einem Workshop beim VDI in Stuttgart setzte ich ganz bewusst in Bezug auf das Scheitern agiler Prinzipien eine widersprüchliche Frage in den Raum:

  • Welche persönlichen Gewinne können Führungskräfte in einem agil geführten Unternehmen erzielen,

  • wenn gleichzeitig die eigene Position damit in Frage gestellt wird?

Bei einem Workshop beim VDI in Stuttgart setzte ich ganz bewusst in Bezug auf das Scheitern agiler Prinzipien eine widersprüchliche Frage in den Raum:

Diese in sich widersprüchliche Frage löst vor allem eines aus: Konkreter als bisher hinzusehen. Elon Musk kann mit Widersprüchlichkeiten umgehen, gibt beispielsweise seine Lizenzen frei und möchte E-Autos nur noch solange verkaufen bis es bessere Mobilitätskonzepte gibt. Musk ist überzeugt, in Zukunft fährt das Roboter-Taxi.[2] Er fordert damit viel von seinen Mitarbeiter*innen und auch Zulieferern, die so gesehen eigentlich einer unsicheren Zukunft entgegenblicken. Gleichzeitig gibt er den Blick rechtzeitig frei für neue Wege.

Vielleicht ist es genau diese Ehrlichkeit in Bezug auf die Herausforderungen und Widersprüchlichkeiten von Musk und seinen Gedanken über die Zukunft, so dass sich die Mitarbeiter*innen und Zulieferer nicht abschrecken lassen, sondern sich vielleicht selbst auch kritischer, bewusster, flexibler, wendiger mit der Arbeit und der Zukunft auseinandersetzen. Musk ist sicher keine einfache Persönlichkeit und verlangt viel von seinen Teams. Aber er hat eine große Vision und den Mut, Herausforderungen und Risiken offen anzusprechen. Er spielt vielleicht auch ein bisschen den Helden, den Retter, was manche gleich nutzen, um seine Gedanken und Visionen schlechtzureden.

Wie dem auch sei. Wir kommen immer wieder an den Punkt, so oder so, dass die Digitalisierung, aber auch die Umweltproblematik die Arbeits- und Lebensweise triggert. Und keiner kann wirklich konkret voraussagen, was uns alles tatsächlich noch bevorsteht – es ist vermutlich mehr als viele bewusst andenken möchten. Genau das wurde auch im Meeting in München kritisiert, der kurzsichtige Blick von Seiten der Wirtschaft, aber auch von Seiten der Politik und Gesellschaft. In zahlreichen Artikeln von mir weise ich immer wieder aufs Neue auf die Risiken hin. Dem gegenüber fallen Anmerkungen, man möge doch endlich weniger Kritik üben, sprich über die Risiken schreiben, stattdessen Lösungen aufweisen.

Diese Aussage kann ich nur bejahen. Aber bevor entsprechende Lösungen gefunden werden können, bedarf es einer echten, tiefgreifenden bewussten Entscheidung, die Risiken der Digitalisierung wie auch der Umweltproblematik nicht mehr länger zu verharmlosen und kleinzureden, sondern wirklich als ernsthafte mögliche Bedrohung anzuerkennen. Solange die Risiken nicht umfassend geachtet werden, ist es sinnlos von Lösungen zu sprechen, weil die Lösungsansätze mehr verlangen als nur ein halbherziges Ja. Die Lösungen verlangen ein couragiertes Nein zu dem, wie man es bisher als wirksam und richtig gesehen hat. Das heißt nicht, dass nun alles falsch ist, was man tut, auf keinen Fall. Einiges war und ist noch immer sinnvoll und wichtig, aber es gibt genug Punkte, die dem Prozess der Transformation, digital und umwelttechnisch, hemmend im Weg stehen.

Solange nicht genug Manager den Mut aufbringen können, zu bestimmten Strategien und Vorgehensweisen Nein zu sagen, gemeinsam in einen Streik zu gehen, werden die Lösungen im Raum verpuffen. Ich weiß, diese Aussage von mir mag einige verärgern. Einige werden mich dafür kritisieren oder als naiven Utopisten aburteilen. Mir ist das bewusst. Im Gespräch in München wurde jedoch deutlich auf den Tisch gelegt, dass es, ob man will oder nicht, mehr braucht als kleine Insellösungen. Das bestärkt mich, weil dieses Gespräch mit unzählig anderen vertraulichen Gesprächen mir doch zeigt, dass das Bewusstsein für die Risiken steigt, man fast ohnmächtig dem gegenübersteht und eigentlich nicht weiß, wie geht man das an. Auf den ersten Blick scheinen die notwendigen Veränderungen derart groß und eigentlich undurchführbar. Aber deshalb weiterhin so tun, als ob man es mit dem adaptierten Instrumentarium hinbekommt, ist mir zu wenig.

Es gibt Lösungen, wenn durch ein gestärktes Nein, so geht es nicht mehr weiter, Freiräume für wirklich neue Wege und Gedanken geschaffen worden sind. Das heißt nicht, dass es jetzt noch keine Lösungen gäbe. Aber diese Lösungen können nur mit einem Nein zu dem, wie es aktuell läuft, ohne sofortige Abwehr offen diskutiert werden. Solange aber der Mut zum Nein fehlt, werden die Lösungen falsch verstanden werden.

Wirklich spannend könnte es werden, wenn in einem Dax-Unternehmen geschlossen mehrere Managementebenen Nein sagen, so geht es nicht mehr weiter, wir versuchen jetzt wirklich einen Prozessmusterwechsel. Das wäre wahrlich ein Sprung – ein Quantensprung. Die Quantencomputer werden bald zum Einsatz kommen, mit Herausforderungen, die ebenfalls mehr verlangen als bloß ein paar technische Anpassungen – auch wenn von bestimmten Seiten es deutlich einfacher dargestellt werden mag. Warum nicht auch einen Quantensprung im Management wagen?

Worauf ich hinaus will, die Lösungen gibt es, aber dafür braucht es Courage, Vertrauen, ernsthafte Auseinandersetzung mit den Risiken, Quer- und Vorausdenker*innen, vielmehr Verbundenheit auf allen Ebenen, auch mit der Konkurrenz, und erneut Mut, viel Mut, es zu wagen, sich wirklich neu zu positionieren. Dafür muss man an bestimmten Stellen Nein sagen, am besten vereint mit anderen, u.U. muss man ein Nein zu jenen richten, die ganz oben stehen.

Das wirklich so zuzulassen, ist aber tatsächlich ein äußerst herber Brocken. Das würde bedeuten, wenn man als Führungskraft beispielsweise agile Prozesse ernsthaft aufsetzt, dann entzieht man sich selbst im Laufe dieses Prozesses Macht, Einfluss, Anerkennung. So gesehen ist es als Führungskraft eigentlich auf den ersten Blick schwer möglich, ehrlich agiles Arbeiten im Unternehmen zu implementieren. Das ist fast so, als ob man das Nein zu sich selbst richtet.

Das ist die große Herausforderung der Digitalisierung wie auch der Umweltproblematik, man muss sich selbst als Führungskraft ganz neu positionieren, erleidet damit fürs Erste sogar Verluste, muss verzichten, loslassen, eine neue Identität mit neuen Anerkennungssymbolen aufbauen. An dem Punkt ist es heiß, sehr heiß. Hält man die Unsicherheit aus, sagt tatsächlich Nein, so nicht mehr, oder fühlt man sich für das Nein zu schwach, und bleibt lieber bei dem, was man bisher als erfolgsversprechend gehalten hat.

Das Nein löst Ängste aus, dem wird man sich stellen müssen. Das ist ein Quantensprung, und deshalb so schwer. Also bleibt man doch besser beim Ja, ich versuche so weiter zu machen wie bisher, irgendwie wird es schon gehen, es wird vielleicht ohnehin nicht so schlimm werden, wie manche schreiben … Doch genau diese Strategie kann das Fass zum Kippen bringen. Die Digitalisierung, wie auch die Umweltproblematik, machen Druck. Druck, der noch mehr steigen wird, man muss nur einen kurzen Blick auf die Nachrichten und News werfen. Die technischen Veränderungen steigen exorbitant an. Damit steigen die Anforderungen, insbesondere widersprüchliche Anforderungen prasseln täglich in steigender Komplexität auf die Managements herab, die Ja sagen, wir schaffen es, und mit unzureichendem Managementwerkzeug die Digitalisierung in den Griff zu bekommen versuchen. Ein Nein-Sagen aber verunsichert aktuell noch mehr.

Ich weiß, ich fordere Sie heute außerordentlich heraus. Ich tue es nicht, weil ich Ihre Arbeit nicht gut finde, oder Ihre Einstellung verurteile. Ich möchte ehrlich sein, ich sage es, weil ich wirklich Zweifel habe, dass die Art und Weise, wie die Wirtschaft, aber auch die Politik und Gesellschaft, ebenso die Wissenschaft agiert, so in nächsten Jahren weitermachen kann ohne tiefgreifend Probleme zu bekommen. Das ist auch der Grund, warum das Meeting in München stattgefunden hat – die große Sorge und der Zweifel an der eigenen Zunft.

Es geht mir in keiner Weise darum, das Managementwissen bzw. das Verhalten der Führungskräfte schlechtzureden. Es geht mir vielmehr darum, die Situation, in der viele Führungskräfte stecken realistisch einzuschätzen, die Risiken nicht zu verharmlosen bzw. zu ignorieren, sondern als Sprungbrett zu nutzen, für couragierte innovative Ideen und verantwortungsvolle Zukunftsvisionen –ein kollektives Nein auf Managementebene, so geht es nicht mehr weiter, zu wagen.

Nach Dr. Berthold Schröder, Abteilungsdirektor, Arbeits- und Versicherungsmediziner bei der Allianz, ist es sogar dringlich notwendig, endlich ein Nein zu wagen, damit Führungskräfte nicht im Überlebenskampf ausbrennen – aus dem manche nur noch eine Lösung sehen: Suizid. Manger-Suizid ist kein Einzelfall mehr.[3] Darüber in einem Wirtschaftsblog zu schreiben, ist für manche jedoch eine Grenzüberschreitung. Das mag sein, doch ich will damit vielmehr aufzeigen, dass der Druck der Führungskräfte ebenfalls Grenzen überschreitet. Man mag sich vielleicht noch zu den Gewinner*innen zählen, aber wie lange noch, und wie hoch ist der Preis, den man dafür zahlt? Nicht ohne Grund hat mir Dr. Schröder entsprechende Literaturquellen geliefert. Er sieht die Lage besorgniserregend.

Dabei kann agiles Arbeiten genau das Gegenteil fördern, ein gesundheitsförderliches Zusammenarbeiten ermöglichen, den Druck in gesunder Weise managen, wenn die Führungskräfte es wagen, sich neu zu positionieren. Mag aber auch sein, dass genau dieser Schritt, sich selbst in der Rolle der Führungskraft neu zu positionieren, für manche so heftig ist, dass gerade das dazu führt, vollkommen überfordert zu sein. Das ist meine Vermutung, warum agile Prinzipien u.a. scheitern bzw. von den Führungskräften nur halbherzig umgesetzt werden. Dabei übersehen diese, dass in einer halbherzigen agilen Arbeitsweise der Druck auf sie selbst das Maß des Erträglichen erst recht übersteigen wird.

Mag sein, dass manche von Ihnen jetzt das Handtuch werfen und sagen, das geht mir alles zu weit. Ich möchte das nicht mehr lesen. Ich sehe es nicht so schlimm, die Risiken werden von Günther Wagner überzeichnet. Das mag von einem bestimmten Standpunkt aus durchaus stimmen. Ich reflektiere sicherlich auf einer Meta-Ebene, die für viele zu weit reicht. Doch ich bin nicht der einzige, der warnt. Im Gegenteil, immer mehr Warnungen ploppen auf. Aber der ausdrücklichste Grund, sich zumindest gedanklich ein Nein, so nicht mehr, vorzustellen, ist die Tatsache, dass die technischen Veränderungen derart schnell laufen, und man, ob man will oder nicht, die Herausforderungen in anderer Weise managen muss, um nicht von der Digitalisierung überrannt zu werden.

Doch wie könnte diese andere, neue Führungsweise aussehen?

Wie schafft man es, ein Nein, so wie bisher nicht mehr, zu wagen?

All jene, die meine Artikel kennen, werden den einen oder anderen Ansatzpunkt hin zu einem neuen Verständnis als Lösungsansatz vielleicht schon verstehen. Aber ich möchte mich in meiner Sommerpause in neuer Weise dieser Frage weitaus intensiver und konkreter widmen. Das Nein steht dabei für mich nicht für ein Muss, sprich, es geht nur mit einem Nein, sondern ich sehe das Nein mehr als Türöffner, um einmal gedanklich es durchzuspielen, was sein könnte, wenn man ein Nein wagt, wenn Führungskräfte branchenübergreifend geeint und weniger als Konkurrenz versuchen, große Visionen in einer ganz neuen Dimension anzudenken.

Ich weiß, das ist eigentlich kein neuer Gedanke, interdisziplinär arbeiten und forschen ist eine gängige Praxis. Gleichzeitig aber zeigt sich, dass der siloübergreifende Arbeitsansatz nicht gut funktioniert – im Gegenteil, ganz zu schweigen davon, Unternehmen zueinander nicht als Konkurrenz zu sehen, die nach Profitmaximierung streben, sondern gemeinsam große Visionen umzusetzen statt Energie dafür aufzubrauchen, wer ist schneller, effizienter, überrollt den Markt, versucht Kund*innen mit allen Mitteln an sich zu binden, und streift die Gewinne ein. Das heißt in Folge jedoch auch, den Gewinn anders aufzuteilen – und das ist sicher noch ein weiterer äußerst heißer Punkt. Das weiß ich.

Das mag für manche jetzt unglaublich anmaßend klingen. Ich unterstelle Führungskräften ein Nein, damit diese Veränderungen in einer Weise bewegt bekommen, die scheinbar für das Gemeinwohl erträglicher werden. Damit treffe ich ziemlich sicher den Nerv mancher Unternehmen wie auch Führungskräfte, die gar nicht daran denken wollen, ihre Wirtschaftspolitik und entsprechende Vorgehensweise zu ändern. Wenn Profitmaximierung und „The winner takes it all“ höchste Priorität hat, dann mag mein Gedankenspiel sicherlich anmaßend sein. Dem kann ich gar nicht widersprechen.

Aber ich glaube zutiefst daran, dass Unternehmen und Führungskräfte ernsthaft neue Lösungen suchen, aber nicht wissen, wie man es schafft, ein Riesencontainerschiff auf ganz neuen Kurs zu bringen, das gesamte Schiff mit Mannschaft inkl. Waren während der Fahrt in etwas Neues zu verwandeln, so dass am Zielhafen, der sich möglicherweise auch ändert, kein Schiff mehr anlegt mit bestimmten Waren, sondern …

Anmaßend daran wäre, wenn ich mir allein Gedanken mache. Aber das möchte ich ohnehin nicht – im Gegenteil, ich giere danach mich intensiv mit anderen Menschen über die Herausforderungen zu diskutieren, u.a. mit Anders Indset im Oktober 2019 in Salzburg, wie auch mit anderen großen Denker*innen, und ebenso den stillen, oft nur im Hintergrund wirkenden Größen, die jedoch vom Wissen und den Lösungsansätzen den medial Versierten um nichts hintenanstehen. Ich möchte sehr bewusst Zeit investieren, um mich breitgefächert auszutauschen, mich verbindlich zu vernetzen, gemeinsam in vielen Gesprächen Lösungen durchzudenken, die groß sein dürfen, aber in kleinen verträglichen Schritten ansetzen müssen und sogar messbar fähig sein sollten – ein utopischer Ansatz, aber ein Schritt mehr hin zu einem Quantensprung in der Wirtschaft.

Quantencomputer konstruieren Menschen, also warum nicht auch eine Quantenwirtschaft andenken – nach Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, ohnehin der Weg der Zukunft.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6505041452635078656/. Am 2019-02-26 gesehen.
[2] https://futurezone.at/digital-life/musk-tesla-wird-in-naher-zukunft-keine-e-autos-mehr-verkaufen/400545326. Am 2019-07-25 gelesen.
[2] https://www.20min.ch/finance/news/story/Manager-Suizid-ist-kein-Einzelfall-22333196. Am 2019-07-25 gelesen.

reduce text

Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

In zahlreichen Artikeln habe ich versucht, auf die mit der digitalen Transformation verbundenen Chancen, wie auch Risiken aufmerksam zu machen. Dafür habe ich u.a. die Kritik geerntet, ich würde immer mehr ins Blabla abdriften. Auf meinen Post mit der Frage, was für Themen bzw. Aussagen relevant oder eben Blabla sind, habe ich nicht wirklich viel Resonanz bekommen.

Wie dem auch sei, vielleicht habe ich einige mit meinen Ansichten persönlich getroffen, das Weltbild mancher irritiert. Ein Meeting, vielmehr ein offenes, wertschätzendes Beisammensein in München mit einem der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens, dessen Name ich jedoch anonym zu halten versprochen habe, mit Prof. Christine Vallaster, Leiterin Fachbereich Marketing & Relationship Management an der FH Salzburg, mit Alexandra Woditschka-Wagner, Soziologin und mir, bestätigte jedoch erneut, dass es in Bezug auf die Zukunft der Unternehmen, speziell was die Digitalisierung betrifft, deutlich mehr Auseinandersetzung bedarf – insbesondere den Blick über den Tellerrand, der jedoch oftmals als Blabla interpretiert wird.

Im Gespräch in München wurde offen und ehrlich auf den Tisch gelegt, dass die wirtschaftliche Sichtweise alleine nicht mehr ausreicht, um die Probleme zu lösen. Im Meeting haben wir versucht, von unterschiedlichen Positionen und beruflichen Hintergründen heraus, die aktuelle Situation zu erfassen. Wir sprachen über Krisenmanagement, über die Sensibilität hochgradig verschränkter Systeme, über Ignoranz, fehlende Courage, falsches Vertrauen bzw. zu wenig Lebensvertrauen, von Machtbesessenheit, Luftschlösser in Form finanztechnisch höchst ausgefeilter, jedoch fragwürdiger Produkte, …, sogar darüber, dass Businessschools heutiger Prägung ausgedient hätten. Das Wissen, und die damit verbundene geistige und emotionale Haltung, kann die umfassenden Herausforderungen nicht mehr adäquat erfassen und in der Folge lösen. Wir sprachen über Bewusstseinsarbeit, wie dringlich das wäre, aber auf Skepsis und Abwehr stößt, uvm …

read more

Für wirtschaftliche Hardliner*innen wäre dieses Gespräch vermutlich als Blabla und verlorene Zeit abgeurteilt worden. Für andere wäre die Diskussion vielleicht eine willkommene Abwechslung gewesen, ungezwungen, ehrlich, frei von der Leber heraus, das was einen gerade drückt, egal was es sein mag, auf den Tisch zu packen, ohne dafür gleich schief angesehen zu werden. Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, verkörpert selbstbewusst und zu 100% das, was wir im Meeting mehr als 2 Stunden lang als scheinbares Blabla durch die Luft wirbeln ließen: Es kann so nicht mehr weitergehen. Profitmaximierung ist eine Fehlentwicklung und Digitalisierung muss tiefgreifender und umfassender durchdacht werden.

Mit Indset habe ich, neben den oben genannten Personen aus dem Meeting in München, den Mitarbeiter*innen von VORSRUNGatwork, Peter Kruse, Gunter Dueck, David Richard Precht, Yuval Noah Harari, Michael Braungart, Hartmut Rosa, u.a.., einen weiteren bemerkenswerten, insbesondere auffälligen, expressiven Mitdenker gefunden. Indset und mich verbinden viele Gemeinsamkeiten in unseren Reflexionen – großer Unterschied: Indset ist deutlich radikaler, direkter, pointierter, deutlich aufsehenerregender, ich hingegen unauffälliger, stiller, mehr aus dem Hintergrund heraus wirkend, was nicht heißt, dass ich nur schreibe – im Gegenteil, die Anfragen an mich für Key-Notes steigen. Das versuche ich mir dahingehend zu erklären, dass doch mehr über den Tellerrand zu blicken suchen, zu zweifeln beginnen, ob die verheißungsvollen angereizten Strategien tatsächlich reichen, um für eine höchst komplexe Zukunft entsprechend gewappnet zu sein.

Vielleicht kennen auch Sie Indset, seine Sichtweisen und Analysen über die Digitalisierung, sehen in ihm eine charismatische, weitblickende Persönlichkeit – vielleicht sogar eine Galionsfigur im Digitalisierungsprozess – worüber ich letzte Woche im Artikel, Braucht New Work eine Galionsfigur, mir ernsthaft Gedanken gemacht habe. Andere hingegen mögen Indset für egozentrisch, dramatisch halten, der einfach nur Aufsehen erregen will. Wie dem auch sei. Er erreicht jedenfalls viele Menschen, vielleicht mehr die Jüngeren unter uns. Aber, ob man will oder nicht, dieser Mann wird gehypt, und damit zirkulieren seine Gedanken in den Köpfen weltweit, bei TV-Talks, Vorträgen, Kongressen, in den Sozialen Medien. Indset drückt auf extravagante Weise aus, was andere mehr im Stillen, ungesehen, ungehört, beispielsweise auch wir im Meeting in München, denken – nämlich: der Hut brennt.

Die Risiken der Wirtschaft

Die 3 größten Bedrohungen für die Wirtschaft, die auch noch verschränkt ineinanderwirken und sich damit aufschaukeln, sind nach Indset [1] und auch nach meinem Verständnis:

  1. Bevölkerungswachstum in Verbindung mit Klimaerwärmung und dem Streben nach Gleichheit für alle ohne Grenzen – das hat Folgen, auch für die Wirtschaft, wie ich u.a. in meinem Artikel Schockprognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, zu veranschaulichen suchte.

  2. Automatisierung und Kompensation von Arbeiten, die von Algorithmen übernommen werden. Die Macht verschiebt sich von der zwischenmenschlichen Macht hin zur Macht in Algorithmen. Die Künstliche Intelligenz (KI) wird bis zum Jahr 2050/2060 imstande sein, alle spezifizierbaren Tätigkeiten und auch viele kreative Arbeiten besser zu bewerkstelligen, als Menschen es tun, und damit Menschen ersetzen – die Folgen: Arbeitslosigkeit zwischen milde ausgedrückt 50% bis realistisch gedacht etwa 80%. Das maschinelle Lernen wird ein echter „Game Changer“ werden. Nicht ohne Grund habe ich in einem meiner zahlreichen kritischen Artikel in Bezug auf die Digitalisierung die Frage gestellt: Wie sicher ist Ihre Position als Manager im Digitalisierungsprozess?

  3. Exponentielle Fortschritte in Nano- und Biotechnologie, werden die Wirtschaft ebenfalls verändern. Diese Bereiche finden jedoch neben der Digitalisierung selten explizit Erwähnung, besitzen jedoch Durchschlagskraft, und könnten die Wirtschaft und deren Strukturen in kaum erfasster Weise verändern.

Um mit den beispiellosen technologischen und ökologischen Verwerfungen des 21. Jh. fertig zu werden, müssen so bald wie möglich neue gesellschaftliche und damit verknüpft wirtschaftliche Modelle entworfen werden, um die wirtschaftliche Entwurzelung einer Maße von Menschen abzufedern und gleichzeitig die Eliten vor dem Volkszorn zu schützen.[2]

So formuliert es Yuval Noah Harari, israelischer Historiker, 2017 mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Indset, wie auch ich und andere, stehen in ihren Analysen dem nichts hinterher und sehen es aktuell als essenziell an, sich die Frage zu stellen, was nach der Digitalisierung kommt? Es ist nach Indset eine existenzielle philosophische Frage, die vergleichbar ist mit der Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt [3] – entsprechend drängt Indset, sich ernsthaft mit folgenden Fragen, u.a. von mir ergänzt, auseinanderzusetzen:[4]

  • Wohin transformieren sich die Unternehmen?

  • Wie soll die Zukunft der Unternehmen aussehen, welche Rolle spielen dabei noch der Mensch, die Führungskräfte, die Mitarbeiter*innen – u.a. unter der Berücksichtigung, dass möglicherweise bereits in 10 Jahren 50% der Arbeitsplätze auf allen Ebenen durch Roboter und KI ersetzt werden können?

  • Welcher Lebensweise, Arbeit gehen die Menschen nach, wie hoch wird die Kaufkraft sein, welche Produkte werden nachgefragt, oder vielleicht wunschgemäß, unter Umständen aber notwendigerweise mehr gemietet und geshart, …?

Auch ich stelle mir diese Fragen, von unterschiedlichen Seiten betrachtet – von der unternehmerischen in Verbindung mit meinem Job als Berater, Coach, von der persönlichen, u.a. aus meiner Rolle als Vater heraus, der für seine Kinder eine Zukunft sehen möchte, die nicht von Umweltdramen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen überschüttet wird. Das führt mich zu der Einsicht, dass die Beantwortung dieser Fragen eigentlich nur dann wirklich ehrlich und tiefgreifend sein kann, wenn man sich den Gefühlen stellt, die diese Fragen bei tieferer Betrachtung aufwerfen, beispielsweise …:

  • Zweifel an der Relevanz solcher Fragen für die Problembewältigung in der Wirtschaft, damit Ärger, Abwehr, Ignoranz, Abwertung mit den Folgen, dass bestimmte Auseinandersetzungen als BlaBla betrachtet werden, …

  • gleichzeitig unbewusst Ängste, vielleicht sogar Ohnmacht, das will man nicht, dann schiebt man das schnell weg, sollen sich doch andere, die Politik, NGOs, … Gedanken machen und Lösungen finden, die wirken, aber für die man selbst nichts tun oder verändern muss …

  • unangenehme Unruhe zeigt sich dennoch, weil man hie und da doch einen Blick über den Tellerrand hinaus in die Welt macht und sieht, es könnte unter Umständen heikler sein als gedacht. Aber das löst auch wieder Angst aus – und das noch dazu in zwei verschiedene Richtungen, diametral laufend: Einerseits Angst vor Umweltproblemen und gesellschaftlichen Umwälzungen, andererseits Angst, wenn man die Unternehmen und Ziele kritisch hinterfragt, dann könnte man den Job, Macht, Geld verlieren, … Was tun. Man wählt das, was im Moment für einen selbst leichter zu handeln scheint, sprich man bleibt fixiert auf die Wachstumsideologie und fördert wenig reflektiert die Digitalisierung, und hofft, es wird schon nicht so schlimm werden mit den möglichen Folgen, …

Einigen ist bewusst, u.a. auch im Meeting in München, dass an dem Punkt, wo wir bzw. die Wirtschaft stehen, es äußerst schwer ist, eine ehrliche tiefgreifende Reflexion zuzulassen. Nicht grundlos habe ich in einem Artikel Frankenstein zu Wort kommen lassen – mit der Erkenntnis: Frankenstein hat seine Schöpfung im Stich gelassen.

Ob wir wollen oder nicht, die Veränderungen der Digitalisierung sind exponentiell. Wenn man die Digitalisierung nicht über die Digitalisierung hinaus im Blick hat, wie das konkrete Ergebnis der digitalen Transformation aussehen soll, welche Folgen das mit sich zieht, könnten Unternehmen, Politik und Gesellschaft eine böse Überraschung erleben.[5] Indset spricht sogar von der dringlichen Evolution des Menschen, ich von der kambrischen Explosion, um nicht von der technischen Revolution überrannt zu werden, und zum Homo obsuletus zu werden.[6]

Menschen wie Unternehmen stehen vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[7] Sobald die Algorithmen besser sind als die Menschen, wird man sie nutzen und einsetzen – und der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[8]

Ist ein Quantencomputer erst einmal einsetzbar – Google will noch in 2019 einen solchen präsentieren – dann wird es noch viel mehr als jemals zuvor in der Geschichte um „The winner takes it all“ gehen. Die Folgen können Sie sich ausmalen. All jene, die keine Quantencomputer entwickelt haben, werden das nachsehen finden. Das führt zu einer Algorithmokratie mit Digital-Dikatoren.[9] KI nutzen heißt Macht aufbauen, schrieb ich in meinem Artikel Texterstellung übernehmen immer öfter Maschinen – wie weit nutzen Sie bzw. Ihr Unternehmen diese Möglichkeit?!. Diese Auseinandersetzung mit KI-Texten mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, unbedeutend, eine Randerscheinung, aber bei tieferer Reflexion zeigt sich, dass die Folgen weitreichender sind als angenommen.

Nach Indset ist die Wirtschaft aktuell sogar die einzige systemische Kraft, die ökologisch, technisch und gesellschaftlich die Probleme lösen könnte. Warum, weil er meint, dass die Politik nicht mehr fähig ist die weitreichenden globalen Herausforderungen, seien es die ökologischen wie auch technologischen erfolgsversprechend zu lösen. Eine Stabilität in der Gesellschaft kann, seiner Meinung nach, nur über wirtschaftliche Parameter erfolgen.[10]

Dafür müssten aber die Unternehmen bzw. Führungskräfte deutlich mehr Reflexion, umfassenden Weitblick und Bewusstseinsarbeit einbringen. An dem Punkt hängt es jedoch, und zwar gewaltig: Unternehmen machen einen Financial Audit, aber keinen Self Audit, so analysiert es Indset [11] – was ich nur bejahen kann, mit einigen mich berührenden Ausnahmen, beispielsweise beim Meeting in München. Leider zeigt sich jedoch vermehrt, je höher Menschen in der Hierarchie aufsteigen, desto schlechter wird die Selbstwahrnehmung und damit verbunden die notwendige Bewusstseins- und Denkarbeit [12] – was ich insbesondere in der immer wiederkehrenden Auseinandersetzung mit Macht, Machtverschiebungen, Manger wollen die Welt retten, oder sich selbst, … zu analysieren suchte. Ich will mit meinen Reflexionen jedoch keine Urteile fällen, Schuldenböcke suchen, sondern Einsichten gewinnen und damit mehr Courage, mehr Handlungs- und Entscheidungsspielräume aufbauen, um sich den Problemen umfassender stellen zu können, und über den Tellerrand hinausgehende Lösungen zu finden.

Der neue Weg heißt: Quantenwirtschaft

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so Indset. Die glorreichen Versprechen der 90er, alle profitieren vom Wirtschaftswachstum, kann und wird es nicht geben. Das verstehen zwar alle, aber niemand möchte sich limitieren.[13] Das wird auf einem endlichen Planeten so nicht funktionieren können. Es braucht einen neuen Weg. Auch mit dieser Aussage werden all jene, die bereits einige meiner Artikel gelesen haben, immer wieder in Kontakt gekommen sein. Indset wagt jedoch jetzt einen großen Schritt, den ich in dieser Art so noch nicht angedacht habe:

Vielen werden zustimmen, dass es kaum möglich sein wird, den Konsum einzuschränken. Vielmehr müsste man lernen neue Aspekte zu kapitalisieren: Werte, Verstand, Liebe, … Indset ist davon überzeugt, dass mit neuen Kapitalisierungsideen ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt werden könnten, die nicht nur auf dem Materialismus und nicht auf dem reossourcenfressenden System beruhen.[14]

Das mag sich fürs erste heftig anhören, Werte, Liebe, … kapitalisieren. Aber das soll meinem Verständnis nach viel mehr dazu anregen, über den Tellerrand hinaus zu denken. Das was in der Wirtschaft noch viel zu wenig gemacht wird, und wenn, von einigen als BlaBla abgeurteilt wird. Ähnlich kopfschüttelnd mag es sich vielleicht verhalten mit der Aussage von Indset, dass demnächst Philosoph*innen auf den Gehaltslisten der Unternehmen stehen werden [15] – warum?

  • Philosoph*innen könnten bei Prozessen der Entscheidungsfindung, Handlungsempfehlungen unter Berücksichtigung der Folgen deutlich besser fällen, wozu rein wirtschaftlich ausgerichtetes Denken und Handeln nicht fähig ist, zumindest nicht aktuell. Das ist u.a. auch ein Grund, warum in unserem Meeting in München die These gefallen ist, Businessschools haben ausgedient.

  • Kritisches Denken, das Hinterfragen des Status Quo, Offenheit für Dialog und Verständnis dafür, dass man in Zeiten lebt, in denen man eine Kultur der Teilnahme kreieren und alle zusammenarbeiten müssen, sind alles Bereiche, in denen philosophisches Denken helfen kann – wie ich u.a. in meinem Artikel Silodenken verhindert relevante unternehmerische Innovationen zu veranschaulichen suchte.

  • Darüber hinaus unterstützt die Philosophie menschlich sinnvoll den Notfall, wenn Menschen in hoher Zahl im eigenen System durch die Digitalisierung obsolet werden. Dann kann Philosophie lindern, helfen etwas ganz Neues zu entwickeln, und an den Herausforderungen zu wachsen.[16]

Doch dafür braucht es die Einsicht der Wirtschaft, Wissensbrücken zwischen Wirtschaft und Bewusstseinsarbeit, zwischen Wirtschaft und Philosophie, zwischen Wirtschaft und Soziologie, Psychologie, zu NGOs, zu Quantenphysik, … aufzubauen.[17] Ich versuche selbst diese Wissensbrücken zu entwickeln, was aber in der Realität nicht so leicht umzusetzen ist, weil doch viele in ihren eigenen Wissensgebieten verharren, und Andersdenkende mit deren Thesen und Lebensansichten aburteilen. Selbst zwischen einzelnen Abteilungen in einem einzigen Unternehmen sind silohafte, enge, eingegrenzte Denkweise zu beobachten.

Man neigt dazu, Informationen selektiv herauszupicken, nämlich jene, die die eigenen Überzeugungen bzw. die Überzeugungen der Gruppe stützen. Widersprechende Informationen nimmt man dagegen nicht wahr, oder redet sie klein.[18]

Resümee

Auseinandersetzung ist das Stichwort – von Indset und ebenso meines. Indset möchte, dass sich die Menschen mit sich selbst und den bevorstehenden existentiellen Herausforderungen eingehend beschäftigen. Dabei geht es ihm nicht um das Format per se, sondern was die Menschen fühlen. Sein Ziel ist es, dass jeder Einzelne nach einem Vortrag von ihm, die außergewöhnlich, schräg, Adrenalin puschend scheinen, zutiefst betroffen rausgehen und die Welt verändern wollen.[19]

Meine Art der Auseinandersetzung mit ungern angesprochenen Herausforderungen ist hingegen eine stillere Art – mit Ausnahme meiner Key-Notes. Für einige sind schwierige Themen leichter zu nehmen, wenn man zurückgezogen mit Texten, die man ungesehen von anderen, zeitlich dann, wenn es passt, auf sich wirken lassen kann, … Was nicht heißt, dass in Folge ein Gespräch mit anderen nicht notwendig ist – das ist es auf jeden Fall. Aber das folgt zuweilen erst dann, wenn man manche Denkschleifen für sich alleine, rational wie auch emotional, durchgespielt hat.

Dahingehend finde ich es auch sehr unterstützend im kleinen Kreis, in gemütlicher Atmosphäre, thematisch offen für alles, was gerade drückt und angesprochen werden will, frei aus der Leber heraus, … Gespräche zu führen – beispielsweise wie das Meeting in München. In Gruppen wie auch Workshops versuche ich dahingehend zu moderieren, losgelöst von dem was die einzelnen für eine Rolle im Unternehmen innehaben, das persönliche Wirken über den Tellerrand hinaus zu betrachten. Das fördert auf Augenhöhe weitreichendere, insbesondere empathische Einsichten, kreativere Lösungsansätze und ebenso die Courage wie auch das notwendige Vertrauen, sich mehr einzusetzen wie auch einzubringen.

Wir müssen in die Persönlichkeitsentwicklung der Führungskräfte stark investieren. Die Notwendigkeit der eigenen Weiterentwicklung muss aber von den Betroffenen selbst realisiert werden. Sie kann nicht verordnet werden.[20]

Dieser Aussage von Martin Sassenroth als Kommentar zu meinem Artikel, Agile Prinzipien sind zum Scheitern verurteilt, stimme ich voll und ganz zu. Und genau deshalb ist es so schwer, Veränderungen dort zu bewegen, dort überhaupt einmal als notwendig zu erachten, wo Veränderungen weh tun – weil genau an dem Punkt, mit der Betroffenheit man Veränderungen kritisch und in Folge negierend gegenübersteht. Und genau deshalb wäre es notwendig, mehr Bewusstseinsbildung, mehr Reflexionsräume, mehr fachübergreifende Inspiration als Vertrauensaufbau und Stärkung für anstehende Veränderungen anzubieten – vertraulich, auf Augenhöhe, couragiert sensibel, verspielt geistreich – wie beispielsweise mit dem anregenden und gleichzeitig erkenntnisreichen mind-set-play. In einem Spiel kann man losgelöst von seiner Rolle und Position und dem Druck, der damit verbunden ist, frei experimentieren, ohne das dabei bereits real etwas passiert. Das kann ungemein hilfreich sein in der Analyse für Probleme und mögliche Lösungswege.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[2] Harari, Yuval Noah: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. Verlag C.H.Beck oHG, München: 2018.
[3] https://themavorarlberg.at/gesellschaft/ein-leben-zwei-worte-tu-etwas. Am 2019-07-16 gelesen.
[4] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[5] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[8] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[9] https://www.derbrutkasten.com/anders-indset-quantencomputer/. Am 2019-07-16 gelesen.
[10] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[11] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[12] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[15] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[16] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[17] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[18] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39375-mythen-der-kuechenpsychologie.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[19] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[20] https://www.linkedin.com/pulse/agile-prinzipien-sind-zum-scheitern-verurteilt-günther-wagner/.

reduce text

Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Braucht New Work eine Galionsfigur, um endlich richtig in die Puschen zu kommen?

Es lässt mir keine Ruhe zu wissen bzw. mehr als mir lieb ist vor Ort festzustellen, dass in etwa 75% New Work Prozesse scheitern.[1] Bloß 15-30%, je nach Quelle, können mit agilen Methoden ein bisschen vor sich hindümpeln, ohne jedoch das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen.[2]

Gründe des Scheiterns von New Work

Die Gründe für das umfassende Scheitern von New Work sind nach Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, daran festzuhalten, dass die Mehrheit der Unternehmen in Bezug auf New Work bloß Oberflächenphänomene ändern. Nach ihr finden sich in der Praxis sieben Fehler im Einsatz von New Work:[3]

  • Aktionismus

  • Fragmentiertes Vorgehen

  • Schablonenhaftes Denken

  • Technologieüberhöhung

  • Führungsschwäche an der Spitze

  • Instrumenteneuphorie

  • Kurzsichtigkeit

Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork, sieht in Bezug auf die Praxisfehler von Bruch zwei übergeordnete Aspekte, die auf alle anderen nachfolgenden Aspekte, von denen Bruch spricht, entsprechend hemmend Einfluss nehmen:[4]

  1. Es besteht oft eine (unbewusst) vorhandene Abneigung / Scheu vor New Work.
    Nach außen hin mag man vielleicht hochmotiviert von New Work sprechen, aber im Hintergrund, ungesehen, unbemerkt, unbewusst, lassen kritische Stimmen kein gutes Wort daran. So gesehen ist weniger New Work falsch, sondern das Mindset hat Probleme, sich auf eine neue Arbeitsweise, agil mit flexiblen Strukturen, flachen Hierarchien, kollaborativ, sinnökonomisch, als offene Wissenskultur, einzulassen.

  2. Die Rahmenbedingungen und die damit zusammenhängende Unternehmenskultur müssen für New Work neu aufgestellt werden. Der von Führungskräften notwendige Mindjump, um New Work erfolgsversprechend anzuleiten und zu führen, kann nur dann entsprechend unterstützt werden, wenn die Unternehmen einen passenden Rahmen dafür schaffen. Es gilt umfassend zu verstehen, dass die bisher wirksamen Unternehmenskulturen New Work nicht zu tragen fähig sind, und entsprechend neu erarbeitet werden sollten.

Kann eine Galionsfigur helfen, New Work endlich richtig zum Laufen zu bringen?

read more

Die vorhin genannten Gründe für das Scheitern von New Work, sind eine grobe Analyse. Ich möchte mich heute mit einem ganz spezifischen Grund für ein mögliches Scheitern auseinandersetzen, der vielleicht seltener diskutiert wird, aber unter Umständen reizvoll wie auch reizbar sein kann – nämlich, dass New Work möglicherweise Galionsfiguren fehlen, oder neudeutsch ausgedrückt Opinion Leader.

Wie komme ich zu der Annahme, dass eine Galionsfigur eventuell New Work auf die Sprünge helfen könnte, und solche fähig wären, New Work aus dem Sumpf des 75%igen Scheiterns zu ziehen – sofern das überhaupt gewünscht ist?! Steve Jobs, Elon Musk, Mark Zuckerberg, …, Pop-Ikonen, BloggerInnen und AktivistInnen, wie die Kapitänin Carola Rackete oder Greta Thunberg, …, kann man als Galionsfiguren bezeichnen. Diese verzeichnen, trotz viel Kritik, Erfolge, von denen andere nur träumen können bzw. wollen. Die Occupy-Bewegung ist dabei ein Sonderfall, sicherlich Feindbild der Wirtschaft, aber meiner Meinung nach spannend in der Analyse, warum diese anfangs so erfolgsversprechend gestartete Bewegung schlussendlich gescheitert ist.

Analyse der Occupy-Bewegung, und was New Work daraus lernen kann

Dieses Phänomen der anfangs gehypten und sogar erfolgsversprechenden Occupy-Bewegung hat mich zum Nachdenken bewegt, und die Vorgehensweise und das Scheitern von der Occupy-Bewegung angeregt, dieses mit der New Work Bewegung zu vergleichen. Das heißt nicht, dass New Work überall scheitert und es keine spannenden und kompetenten Menschen gibt, die New Work erfolgsversprechend verkörpern. Es heißt auch nicht, dass New Work gegen die Wirtschaft arbeitet. Was mich dazu bewegt die beiden Bewegungen zu vergleichen, ist ein Aspekt, der selten in seiner Wirkungsweise umfassend reflektiert wie auch kritisch hinterfragt wird – die Macht der Galionsfiguren, die in so gut wie allen Bereichen, in Wirtschaft, wie auch Kunst, Gesellschaft, Politik, wirken.

Die Occupy-Bewegung als bankenkritischer Protest erreichte eine beachtliche Ausdehnung und eine enorme Aufmerksamkeit. Für viele war die Bewegung ein Wunder. Dabei waren BauarbeiterInnen, ProfessorInnen, StudentInnen, RentnerInnen, Menschen verschiedener Religionen, Gesinnungen und Nationalitäten, auch bekannte Persönlichkeiten.[5] In weniger als 4 Wochen gelang es der Occupy-Bewegung auf Anhieb, eine globale Dimension zu erreichen. In nicht weniger als 911 Städten in 82 Ländern wurde demonstriert. Hunderttausende sind auf die Straße gegangen.[6] Ich war selbst in Frankfurt dabei, im Jahr 2011. Es war unglaublich. Diese Bewegung hat eine Kraft versprüht, die mich persönlich berührt hat. Ich selbst habe nicht mit gestreikt, das muss ich auch sagen. Aber ich war von dem Engagement fasziniert.[7]

Und doch ist die Occupy-Bewegung gescheitert, u.a. an klar benennbaren Forderungen, an einem eindeutigen Adressaten, an einem Konzept, wie man mit dem eigenen Anliegen in die unübersehbaren Legitimationslücken der politisch Verantwortlichen in den Regierungen und Parlamenten vorstoßen kann.[8] Aber darüber hinaus ist diese Bewegung gescheitert, weil es keine Galionsfigur ab – eine solche Widersprach der Bewegung, hat aber damit möglicherweise der Bewegung die Zugkraft genommen.

Es hätte eine Galionsfigur geben können, möglicherweise in Deutschland mit Wolfram Siener. Er konnte gut reden, wurde interviewt, er diskutierte mit PolitikerInnen in Talkshows, JournalistInnen porträtierten ihn als Hoffnungsträger der Generation Occupy. Doch genau das war von der Bewegung selbst nicht gewünscht – diese wollten keine Galionsfigur, keine Führungsfigur, sondern alles basisdemokratisch abstimmen und entsprechend darstellen. Da passt eine Galionsfigur als Träger nicht dazu.

Was danach blieb, ist bloß das bekannte Label „Occupy“, was zu einer Protestmarke geworden ist, deren Name und Form immer wieder von neuen Bewegungen aufgegriffen wird, etwa 2013 „Occupy-Gezi“ in Instanbul oder 2014 „Occupy Cenral with Love and Peace“ in Hongkong. Die Occupier hätten aus ihrer Sicht heute noch Grund genug, erneut zu demonstrieren.[9] Siener meint, er würde bei einem Neuanfang von Occupy nur noch anonym wirken wollen, in einem Kernteam von maximal 50 Personen, die sich vorher ganz genau überlegen, was sie erreichen wollen. Es braucht für einen Neustart unbedingt ein Manifest, Ansprüche müssten zurückgeschraubt und mit kleinen, klaren Forderungen und Lösungsvorschlägen angefangen werden.[10]

Was eine fehlende Galionsfigur betrifft, äußerst sich Siener nicht mehr – er hat sich dabei zu sehr verbrannt. Doch gerade damit vergibt sich vielleicht die Occupy-Bewegung, wie auch andere, einer Kraft, die beispielsweise bei Jobs, Musk, Zuckerberg oder auch wie Thunberg oder der Blogger Rezo, Menschen derart begeistert, dass diese dafür bereit sind, einiges zu tun, Komfortzonen verlassen, für ein neues Ziel, Fleiß, Kreativität, Motivation, Offenheit, Courage an den Tag legen.

Ich verstehe die Diskrepanz, die diese Bewegung hat, die auf Augenhöhe gegen Eliten für faire Lebensentwürfe steht, dass sich diese keine Ikone, die dann möglicherweise die Kraft zu missbrauchen droht, aufbauen wollen. Aber gleichzeitig muss man auch sehen, dass es anscheinend Ikonen braucht, damit manches richtig in Fahrt kommt – selbstverständlich mit der Gefahr, dass die Galionsfiguren irgendwann aufgrund der Macht, die Macht zu missbrauchen beginnen. Doch …

  • Was wäre Apple ohne der Galionsfigur Steve Jobs?

  • Was wäre Tesla ohne Elon Musk, Facebook ohne Mark Zuckerberg?

  • Was wäre Fridays for Future ohne Greta Thunberg?

  • Selbst eine bisher unbekannte Kapitänin namens Carola Rackete der Sea-Watch 3, wird zu einer Galionsfigur für die Rettungschiffe im Mittelmeer, und Menschen sammeln Geld für sie, in Höhen, die mich staunen lassen.

  • Welche Galionsfiguren vertreten New Work?

Sicherlich gibt es welche, aber spontan fallen mir keine ein – ähnlich wie bei Occupy. New Work, dort wo dieses tatsächlich erfolgsversprechend gelebt wird, besteht scheinbar aus vielen kleinen Zellen, die im Verständnis von WeQ wirken. Es gibt kein einzelnes Gesicht, dass eine ganze Gruppe nach außen hin vertritt, damit vielleicht sogar Macht und damit Schubkraft hat. Andererseits zeigt sich gerade am Phänomen Greta, dass sie als Galionsfigur den WeQ-Aspekt in keiner Weise schmälert, sondern sogar als Galionsfigur stärkt. Psychologisch gesehen kann man das damit erklären, dass Greta bewundert wird – sicher nicht von allen, aber zumindest von so vielen, dass damit ein Stein zum Rollen kommt.

Zwei Komponenten wirken: Galionsfiguren und die Bewunderung dieser

Bewunderung ist eine Kraft, die einen anspornt, motiviert, sich selbst zu expandieren, dazu zu lernen, das eigene Selbst erweitern zu wollen. Bewunderung eröffnet neue Perspektiven und Ressourcen. Dabei ist es nicht nötig eine enge Bindung zu dem Bewunderten aufzubauen, die kann oberflächlich sein. Im Fall der Bewunderung kann man das, was diese Menschen erreicht haben, theoretisch auch erreichen, die Leistung der Bewundernden sogar überholen. Die Verehrung hingegen, was man u.a. bei Popgrößen im Verehrungskult, aber vielleicht auch bei Apple-Fans findet, ist als Schwester der Bewunderung mehr ein prekäres und zwiespältiges Gefühl. Die, die man verehrt, wird man so gut wie nie in Bezug auf die Leistungen zu erreichen im Stande sein.[11]

In der rechten Dosis kann jedoch die Verehrung wie auch die Bewunderung Sinn in einer Gemeinschaft stiften – ein wichtiger Aspekt in Veränderungsprozessen, aber im Fall der Verehrung auch zu einer Sucht entgleisen. Verehrende wollen sich ihrer Gruppe unbedingt zugehörig fühlen. Ihre Emotionen empfinden sie als unglaublich und unbeschreiblich. Im Gegensatz zur Bewunderung bleibt die Verehrung jedoch ein heikles und widersprüchliches Gefühl. Menschen, die verehren, sind meist nicht autonom, sagt die Forscherin Ines Schindler, und verlieren leicht den Blick auf die Dinge.[12]

Selbst wenn Verehrung kritisch ist, die Kraft, die Verehrung und Bewunderung zu mobilisieren im Stande sind, sollte zu denken geben. Doch selbst in der Wissenschaft und vermutlich noch seltener in Prozessstrategien im Business, möglicherweise mit Ausnahme in den Marketingabteilungen, wird Bewunderung und Verehrung bewusst thematisiert. Damit vergibt man sich aber vielleicht einer Kraft, die dafür sorgt, dass notwendige Veränderungen erfolgreicher und mit mehr Bejahung durchgezogen werden können. Jobs hat vermutlich die Kraft der Bewunderung und Verehrung instinktiv zu nutzen gewusst, wie unter Umständen auch Musk und Zuckerberg. Das Motto von Jobs lautete: Folge Deinem Instinkt. Es gibt keinen Grund, dass man nicht seinem Herzen folgen soll.[13]

Das heißt, Jobs agierte höchst emotional und intuitiv. Genau damit hat er die Menschen in seinen Bann gezogen – was andererseits auch nicht unumstritten ist. Mit seinen Ideen und der Fähigkeit, vorherzusehen, welche Wünsche die zunehmend digitale Gesellschaft haben wird, ist er zur Galionsfigur einer ganzen Generation geworden. Immer wieder hat er ganze Branchen gezwungen, sich der digitalen Zukunft zu stellen – erst die Musikindustrie mit dem iPod, dann die Telekommunikationsunternehmen mit dem iPhone und schließlich die Verlage mit dem iPad. Damit hat er nahezu alle Bereiche revolutioniert, die das digitale Leben bestimmen. So analysieren es Matthias Hohensee und Michael Kroker in der WirtschaftsWoche. Jobs gelingt wie nur wenigen die totale Verführung der KundInnen. Jobs meistert das wie kein anderer, indem er die Emotionen seiner KundInnen schürt, sagt Trendforscher Saffo.[14]

Ähnlich Musk, der ebenfalls höchst emotional seine Visionen voranbringt, und ebenso Zuckerberg, Greta, Rackete, u.a. Was deren Kraft ausmacht, das sind neben Pioniergeist, Courage, große Visionen, emotional bewegte Visionen, womit sie andere bewegen und berühren, bei anderen Bewunderung auslösen, unter Umständen Verehrung. In der Süddeutschen Zeitung schreibt Jürgen Schmiederer: Musk gilt als verrückter Visionär, der derart abgehoben daherkommt, u.a. twitterte: Das Gerücht, dass ich nur deshalb ein Raumschiff baue, um zu meinem Heimatplaneten zurückzukehren, ist nicht wahr. Musk ist ein Politikflüsterer.[15]

Musk ist nicht nur verrückt genug zu denken, dass er die Welt retten oder bei Misserfolg zumindest auf einen anderen Planeten übersiedeln kann, er ist auch Meister in der Kunst, Menschen für seine Ideen zu begeistern.[16] Das löst, auch wenn man es ungern zugeben will, irgendwie Bewunderung aus. Musk berührt Menschen mit seinen Träumen, mit seinen Visionen.

Greta hingegen wirkt still und ruhig, löst aber nicht weniger Emotionen aus wie Jobs oder Musk, vielleicht andere. Sie wird für Ihre Visionen, sich für den Klimaschutz einzusetzen, bejubelt, bewundert, verehrt, aber auch sehr kritisiert. Klimaschutz ist bei ihr ein höchst emotionales Thema, das kann man nicht täuschend anderen um die Ohren wickeln – auch wenn das einige so behaupten. Vielleicht ist Greta aufgrund ihres Handicaps Asperger-Syndrom und Zwangsstörungen so vehement, um ihre Störungen zu überwinden – zumindest schien es Greta dahingehend zu helfen, ihre Einschränkungen in den Griff zu bekommen, so erklären es ihre Eltern.[17]

Aber vielleicht ist es genau das, das menschlich Zerbrechliche in Verbindung mit einem sensiblen, emotional umstrittenen Thema, warum Greta so einen Zulauf an Fans und MitstreiterInnen zu aktivieren im Stande ist. Die Bewegung wird weltweit beachtet – auch in den höchsten Etagen der Macht. Bundeskanzlerin Angela Merkel meint, mit der Bewegung steigt der Druck auf die PolitikerInnen.[18]

Am 20. September 2019 soll eine weltweite Protestbewegung, ein Generalstreik, stattfinden.[19] Ob man will oder nicht, die Fridays for Future Bewegung mobilisiert Menschen, Jugendliche in einer Weise, die ich mit dem Eifer bei New Work Prozessen weniger bemerke.

  • Genau an dem Punkt frage ich mich, wo ist die motivierende Kraft, die New Work antreibt?

  • Was könnte Menschen an New Work emotional so berühren, dass diese bereit sind, sich dafür couragiert zu engagieren?

  • Wen kann man für New Work als Galionsfigur bewundern, und damit vielleicht auch wie bei Jobs, Musk, Greta, … einen Wirkungspush initiieren? Von den rund 25%, die an New Work zumindest nicht scheitern, kann man sicher auch Bewunderung und emotional positive Betroffenheit als Kraft nutzen. Doch wo sind diese treibenden Kräfte zu orten?

Aber vielleicht ist es von „höherer Macht“ nicht gewünscht, dass New Work einen Bewunderungshype und damit wie andere emotional angeregte Bewegungen Erfolg verspricht?! Vielleicht fehlt eine entsprechend ausgerichtete Kommunikation, ähnlich der Sache, dass beispielsweise die alten Energieversorger etwa acht bis zehnmal mehr Termine bei der Kanzlerin Merkel und beim Wirtschaftsminister hatten als die Vertreter der erneuerbaren Energien.[20]

Wie dem auch sei, ich finde, es fehlen der New Work Bewegung anregende Vorbilder, Galionsfiguren, die New Work wie Musk oder Jobs oder Greta als etwas erstrebenswertes, emotional berührendes vermitteln können. Galionsfiguren sind Projektionsflächen, das sollte einem auch bewusst sein, aber haben genau damit Wirkung.[21] Viele Prozesse, nicht nur New Work, wirken jedoch seelenlos wie ein Maschinenaufrüstungsprogramm, technisch gut, rational bestens durchdacht, effizient, aber kaum emotional berührend. Die Ziele sind nicht greifbar, nicht spürbar, sind irgendwelche abstrakten Dinge, mit denen man sich schwer identifizieren kann. Jobs, Musk, Zuckerberg, Greta, … haben hingegen Prozesse in Gang gebracht, die auf greifbare, emotional berührende Bilder zurückgreifen können.

New Work fehlen vielleicht die greifbaren Bilder. Man sprich von technischen Prozessen und den damit verbundenen Veränderungen. Man spricht selten von leiblich spürbaren Dingen, die New Work ebenfalls ausmachen können. Vernetzt arbeiten, sinnökonomisch und kollaborativ wirken, agil sein, mögen Attribute von New Work sein, aber in welcher Weise kann ich davon emotional berührt werden, Zukunftsbilder und mögliche Arbeitsveränderungen emotional spüren, so dass ich mich motiviert sehe, New Work tatkräftig zu unterstützen?

Galionsfiguren mögen umstritten sein, auch aufgrund der Möglichkeit, dass die ansteigende Macht der Ikonen, diese verändern und unter Umständen dazu führt, dass genau jene, die andere inspirieren, sinnvoll Neues zu wagen, dann die Kraft der Inspiration nur noch zu eigenen Gunsten missbrauchen. Aber gleichzeitig muss man zugestehen, dass Galionsfiguren viel bewegen, die Komfortzonen vieler zu überwinden im Stande sind, den Abenteuergeist positiv stimmen, es schaffen eine Gruppe von Menschen dahin zu bewegen, einen großen Schritt zu wagen.

Was können wir von Galionsfiguren für den New Work Prozess lernen?

Galionsfiguren sind Pioniere, zeigen Abenteuergeist

Das liegt jedoch nicht jeder Persönlichkeit, das muss man auch sagen. Kann leicht sein, dass viele Führungskräfte nicht mit einer solchen Persönlichkeitsstruktur ausgerüstet sind – was man aber auch nicht schlecht machen soll. Es gibt lt. Forschung gar nicht so viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.[22]

Nur etwa 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt tatsächlich Spaß am Neuen. 80 Prozent, sprich die Mehrheit der Menschen brauchen hingegen Routinen, Verlässlichkeit, Gewohnheit, um sich wohl zu fühlen – selbst dann, wenn ihnen das Gewohnte nicht guttut. Häusel spricht bei den 80 Prozent von den Balance-Typen, die durch entsprechende im Körper wirkende Antriebssysteme durch das Leben bewegt werden. Pionier- bzw. Abenteuergeist zeigt sich hingegen bloß bei 6 Prozent.[23]

Es gibt lt. Forschung nicht viele Menschen mit echtem Pioniergeist, das belegt u.a. Dr. Hans-Georg Häusel, Vordenker im Neuromarketing, international zu den führenden Hirnforschungs-Experten zählend.

Das ist jetzt keine Kritik an die Führungsebenen, sondern einfach eine wie es scheint menschliche Tatsache. Vielmehr geht es darum, sich eingestehen zu können, ob man selbst weniger mit Pioniergeist ausgerüstet ist, und in welcher Weise man diese fehlende Kompetenz überwinden bzw. anderweitig lösen kann.

In Verbindung mit dem Pioniergeist wirken Mut und ein entsprechendes Risikomanagement

Mut zählt neben Weisheit, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz zu einer der sechs Grundtugenden.[24]

Mut heißt, ein Risiko, eine angemessene Handlung und ein Ziel verantwortungsbewusst durchgehen. Im Verständnis der Tugend heißt das: Mutig ist, wer sich den richtigen Dingen aus den richtigen Gründen auf die richtige Art zur richtigen Zeit stellt, und dessen Gewissen rein ist.[25]

Manchmal muss man dafür Courage aufbringen, gegen den Strom schwimmen, die Komfortzonen und die damit verbundenen Annehmlichkeiten überwinden, unter Umständen mit neuen Ideen durch einen Hagel von Kritik hinweg tauchen. Courage haben heißt, benevolent und universal agieren. Das bedeutet, dass jemand auch am Wohlergehen anderer Menschen interessiert ist, und das fördern will.[26] Aber das ist leichter gesagt, als getan. Darüber hinaus zeigt sich, dass das Sicherheitsdenken und die Mutlosigkeit in der Gesellschaft zunehmen.[27]

Doch Mut ist entwicklungsfähig. Mut hat viele Facetten und ist äußerst individuell. Zudem ist Mut domänenspezifisch, wie Risikoforscher Thorsten Pachur vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung es nennt. Nur weil man in einem Bereich mutig ist, muss das in anderen noch lange nicht so sein. Um couragiert domänenübergreifend voranschreiten zu können, braucht es die mentale Bereitschaft, echtes Selbstvertrauen, emotionale Stabilität, Stressresistenz und auch eine gute Portion Empathie.[28] Pioniergeist und Mut können jedoch ohne große Visionen wenig bewirken.

Es braucht große Visionen

Es braucht also zusätzlich echte Visionen und keine Scheinziele, die in den Bann ziehen. Musk, Zuckerberg, Greta, … haben solche Visionen. Rackete, die Kapitänin der Sea-Watch 3, hat diese auch, Menschen in Not retten. Sie sagt von sich, sie hätte das Privileg und die Fähigkeit, helfen zu können. Sie ist bereit, dafür sich vor Gericht zu verteidigen und ins Gefängnis zu gehen, weil sie überzeugt ist, dass das was sie tut, richtig ist. Rackete wird damit das neue Gesicht der Flüchtlingskrise.[29] Sie bekam für ihren Einsatz, ihre Vision und die Herausforderungen, die sie zu meistern hat, eine Million Euro als Spende, um ihre Prozesskosten und möglichen Strafzahlungen finanzieren zu können. Der Fall Rackete betrifft jetzt ganz Europa. Ihre Vision, Menschen zu retten, wirkt.[30]

Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht Männer zusammen, die Holz beschaffen, Werkzeuge vorbereiten, Holz bearbeiten und zusammenfügen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, unendlichen Meer.[31] Entscheidend ist: Eine Vision soll man nicht hören, sondern spüren.[32]

Visionen brauchen Ideen, aber eben auch die richtige Einstellung. Visionäre Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren.[33] Das Durchhalten gehört dabei genauso dazu, wie der Beginn, Phantasiereisen zuzulassen. Doch die mögliche Aussicht auf schnelles Geld, die mangelnde Fokussierung auf das große Anliegen, auf eine würdevolle Vision, lassen viele Visionen im Keim ersticken. Im Extremfall zeigt sich diese Problematik darin, dass Unternehmen am Kapitalmarkt mehr Geld verdienen als in ihrem eigentlichen Business. Ein Versicherungsunternehmen, das lieber zockt, als die Solidargemeinschaft der Versicherten weiterzuentwickeln, ist visionär auf dem Holzweg.[34]

Resümee

Visionen soll man nicht hören, sondern spüren. Das könnte umgelegt auf New Work heißen, dass es bei New Work an echten Visionen, am Pioniergeist und der damit verbundenen Courage fehlt.

Aber wie ich in diesem Artikel auch schon erwähnt habe, vielleicht ist der Aufruf nach New Work gar nicht so ernst gemeint, bzw. nur in der Weise, dass man selbst davon nicht betroffen sein mag. Mit dieser Herangehensweise kann aber New Work nicht wirken, dann scheitert New Work zu 75 Prozent.[35]

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://www.dgfp.de/aktuell/new-work-transformation-aktive-gestaltung-der-arbeitswelt-40/. Am 2018-11-21 gelesen.
[3] https://www.arbeitenviernull.de/experimentierraeume/kachelinhalt/dialog/heike-bruch.html. Am 2018-11-21 gelesen.
[4] Gespräch mit Andreas Loroch im Rahmen der New Work Safari in Weinheim am 20.11.2018.
[5] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[6] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[7] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[8] http://www.bpb.de/politik/wirtschaft/finanzmaerkte/135540/occupy-bewegung. Am 2019-07-09 gelesen.
[9] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[10] https://www.fluter.de/was-ist-aus-occupy-geworden. Am 2019-07-09 gelesen.
[11] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[12] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39276-echt-toll-warum-wir-menschen-auf-den-sockel-stellen.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[13] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[14] https://www.wiwo.de/unternehmen/apple-das-vermaechtnis-von-steve-jobs/5332950.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[15] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[16] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/elon-musk-der-milliardenmann-1.2528815. Am 2019-07-09 gelesen.
[17] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[18] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[19] https://rp-online.de/panorama/ausland/fridays-for-future-greta-thunberg-ruft-zum-globalen-generalstreik-fuer-klimaschutz-auf_aid-38992259. Am 2019-07-09 gelesen.
[20] http://www.sonnenseite.com/de/franz-alt/kommentare-interviews/weltweiter-streik-fuers-klima-am-20.-september-2019.html. Am 2019-07-09 gelesen.
[21] https://meedia.de/2019/01/29/pr-marionette-oder-klima-galionsfigur-ist-die-greta-thunberg-story-zu-schoen-um-wahr-zu-sein/. Am 2019-07-09 gelesen.
[22] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[23] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[24] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[25] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[26] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[27] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[28] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38821-ueber-mut.html. Am 2019-07-10 gelesen.
[29] https://www.derstandard.de/story/2000105559880/das-neue-gesicht-der-fluechtlingskrise-im-mittelmeer. Am 2019-07-09 gelesen.
[30] https://www.derstandard.at/story/2000105689963/sea-watch-3-das-schiff-das-die-asylkrise-wieder-sichtbar. Am 2019-07-09 gelesen.
[31] Keller, Matthias: Wie entwickeln Sie eine Vision? Konkrete Tipps von acht Top Führungskräften renommierter Firmen. In: OrganisationsEntwicklung. Zeitschrift für Unternehmensentwicklung und Change Management. Heft 4/2012. Schwerpunkt: Die Kraft des Träumens in Organisationen.
[32] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[33] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[34] Plötzeneder, Thomas; Gehrer, Christian: Das große Anliegen. Große Anliegen zielen auf großen Nutzen ab, auf grundlegende Veränderungen. Steinverlag. 2. Auflage: 2018.
[35] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.

reduce text

Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Machtverschiebungen zeigen sich – wie reagieren Sie darauf?

Macht ist Wirkung. Mit Macht passieren Dinge, die ohne Macht nicht zur Umsetzung kommen. So ähnlich beschreibt es Martin Saar, Philosoph, Machtexperte, im 60 minütigen Interview zum Thema: Was die Macht mit uns macht.

Nichts Neues, werden Sie jetzt denken. Die, die an den Machthebeln sitzen, bestimmen, die anderen (müssen) reagieren. Die Mächtigen formieren sich so, dass sie ihre Macht zu sichern bzw. zu erweitern suchen. Die anderen, die weniger Mächtigen bzw. Machtlosen versuchen irgendwie am Machtkuchen mitnaschen zu können, ordnen sich unter oder versuchen irgendwie die Macht an sich zu reißen.

Das Spiel um Macht scheint reizvoll, regt an, motiviert. Macht macht produktiv und kreativ, indem man verführerisch Ziele durchzusetzen sucht.[1] Mit einem Ansteigen von Macht nimmt strategisches und abstraktes Denken zu.[2]

Ian Robertson, Neurowissenschaftler und Klinischer Psychologe am Trinity College in Dublin hat erforscht, wie Macht die Hirnbiologie verändert. Beispielsweise erhöht Macht den Testosteronspiegel, was zu einer vermehrten Aufnahme des Neurotransmitters Dopamin führt, was u.a. das Belohnungszentrum aktiviert. Als Folge steigt die Laune, die Innovationskraft, der Mut, aber zur gleichen Zeit auch die Selbstbezogenheit und andere nicht immer nur vorteilhafte Persönlichkeitsaspekte.[3]

An diesem Punkt kann vermutlich jeder und jede zugeben, dass die mit der Macht einhergehenden positiven Aspekte und die steigende Motivation willkommen sind. Gleichzeitig, mit dem Anstieg der Lust und Laune, greifen jedoch schleichend und kaum wahrnehmbar die negativen Aspekte der Macht, Missbrauch, Manipulation und die Sucht nach immer mehr Macht.[4]

Macht im positiven Sinn als innovative Umsetzungskraft und Machtmissbrauch auf der anderen Seite als rücksichtslose Energie fließen ineinander.[5]

So gut wie niemand kann sich dem Machtthema und der Gradwanderung zwischen produktiv und destruktiv entziehen, und ebenso nicht dem Einwurf, dass mit der Digitalisierung es möglicherweise zu einer Machtverschiebung kommt. Beim Festival of Change in Köln, 25.&26.6.2019, vom Handelsblatt initiiert, ist das Thema Macht jedenfalls auf reges Interesse gestoßen. Meine ins Plenum geworfene Frage in Bezug auf „Macht und Machtverlust“ hat sehr schnell an Resonanz gewonnen, wodurch dieses Thema im Rahmen eines Barcamp dort bearbeitet wurde.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

read more

Die Ergebnisse zum Thema Macht vom Barcamp waren äußerst umfassend, kritisch, selbstkritisch, verunsichernd was die Zukunft betrifft, bis hin zu konstruktiven neuen Lösungsvorschlägen im Umgang mit Macht.

Macht-Reflexionen aus dem Barcamp beim Festival of Change

Es war deutlich festzustellen, dass vielen bewusst ist, dass es in der Wirtschaft in Bezug auf das Thema Macht mehr Auseinandersetzung bedarf. Ebenso zeigte sich deutlich Einsicht, anzuerkennen, dass mit der Digitalisierung in der Wirtschaft tatsächlich eine Machtverschiebung von statten gehen könnte, die Prof. Dr. Sabina Jeschke, eine der führenden deutschen ExpertInnen für Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI), eindeutig prognostiziert.[6] Die Digitalisierung kann das bestehende Machtgefüge, den Einfluss und die Entscheidungskraft der Führungskräfte zum Wanken bringen, so dass deren Wirkungskraft darunter leidet, mit Folgen, die man sich nicht vorstellen kann. Darüber hinaus haben die neuen Generationen, Y und Z, ein anderes Verständnis von Macht, eine andere Vorstellung darüber, was Führung und die damit verbundene Machtausübung sein soll.[7]

 

Wilfried Porth, Personalvorstand der Daimler AG, sagt, dass die Jungen zu ihnen nur dann kämen, wenn sie im Unternehmen etwas gestalten und die Welt verbessern könnten. Auch bei McKinsey zeigt sich, dass sie die Jungen mit anderen Angeboten motivieren müssen als bloß mit einem sechsstelligen Einstiegsgehalt. Die Jungen wünschen sich Auszeiten im Job statt einem Dienstwagen, ein Firmenfahrrad, Bahnfahren statt Fliegen, …[8]

Jörg Leuninger, Personalscout bei dem Chemiekonzern BASF musste selbst erleben, wie die Jungen die Unternehmensstrategie von BASF vor anwesenden Vorständen und Bereichsleitern offen und kritisch in Frage stellten. Die Jungen wollten konkret wissen, wie nachhaltig die Chemie-Industrie wirklich ist.[9]

Diese neue Generation Y, die Millennials, die nun vermehrt auf den Arbeitsmarkt strömen verlangen Aufmerksamkeit, Fürsorge, Mitsprache, ständiges Feedback.[10] Sie zweifeln Autoritäten erst einmal an – außer der Chef kann sie durch entsprechendes Auftreten ihnen gegenüber beeindrucken. Sie wollen als Chef eine/n MentorIn und keine/n AnsagerIn oder AufpasserIn.[11] Die Millennials hinterfragen so gut wie alles:[12]

  • Ist das was der Chef sagt, tatsächlich richtig und gut für alle?

  • Warum will ich in diesem Unternehmen überhaupt tätig sein als junge MitarbeiterIn, und wie will ich die Arbeit mit dem Privaten verbinden?

  • Muss das Unternehmen der Umwelt schaden?

  • Warum können die Unternehmen nicht besser miteinander kooperieren? Es geht nicht um Konkurrenz. Es geht um Selbstverwirklichung, bei der man sich gegenseitig unterstützt.

Die Haltung des „Ich achte darauf, dass ich bekomme, was guttut“ zeigt sich jedoch nicht nur in der Elite der neuen Generation. Auch die Jungen ohne Abitur stellen andere Erwartungen. Sie haben erkannt, dass das Bildungssystem durchlässiger ist, dass es möglich ist auch ohne Abitur später noch zu promovieren und Karriere zu machen.[13] Damit wird das Klassen- und Elitedenken auch durchlässiger und weniger relevant. So schreibt Monika Jiang, Millenial Acitivistin und Strategieberaterin:

New Work ist ein Mindset und eine Haltung, mit der die individuelle Gestaltung von Leben und Arbeit sich neu formiert.[14] Mit New Work verändert sich dadurch nicht nur die Gestaltung der Lebens- und Arbeitsprozesse, sondern eben auch das Machtgefüge.

Das finden die einen überaus reizvoll, können nicht schnell genug eine Veränderung hin zu New Work in Bewegung bringen, andere, insbesondere die älteren Generationen irritiert das. Wie kann es sein, dass die über lange Zeit hinweg wirksame Führung und die damit verbundene Macht jetzt einfach so, nicht mehr wirken soll?! Das kann, darf doch gar nicht sein. Ja, und nein.

Wenn man an dem Alten festhält, New Work blockiert, dann wird ein neues Verständnis von Macht, eine Neuaufteilung von Macht, nicht wirken – u.a. vielleicht ein Grund, warum New Work so schwer erfolgsversprechend in Unternehmen umzusetzen ist bzw. in 75% der Umstrukturierungsmaßnahmen scheitert [15]. Aber gleichzeitig untergräbt man mit der Macht, die man noch innehat, Veränderungsprozesse der Machtgefüge, genau das, was aber in Zukunft die Macht sicherzustellen vorgibt – ein Dilemma.

Michael Schmitz, langjähriger politischer Journalist und heute Managementberater, belegt mit vielen anderen ForscherInnen, u.a. auch Robertson, dass je länger Mächtige Macht ausüben, umso selbstverständlicher erscheint sie ihnen und umso gedankenloser nutzen sie die Vorteile und Privilegien, die ihnen Macht gewährt.[16] So gesehen ist es eigentlich fast unmöglich, New Work und die damit verbundenen Machtstrukturveränderungen umzusetzen.

Auch wenn man es nicht gerne hören bzw. lesen möchte, Macht haben verändert einen persönlich – oft nicht unbedingt zum Besseren.[17] Zahlreiche Studien können belegen, dass Macht die ausbalancierte Zusammenarbeit untergräbt – genau das, was aber aktuell explizit gefordert wird, um die Digitalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen erfolgsversprechend zu meistern, sprich kollaborativ, empathisch, interdisziplinär mit Meta-Skills, Muster durchbrechend im Verständnis von Jeschke [18], zusammenzuarbeiten. Selbst Menschen mit äußerst normalen Persönlichkeitsmerkmalen neigen bei Anstieg ihrer Machtkompetenz zu negativen Veränderungen in ihrem Verhalten.[19] Clemens Sedmak, Theologe und Philosoph, hat in Interviews für sein Buch „Mensch bleiben in der Politik“ analysiert:[20]

Befragte Mächtige gaben zu, dass Macht einen verändert. Doch sie sahen die Gefahr der Korruption durch Macht immer nur bei den anderen, nicht bei ihnen selbst als Mächtige.

Das ist die Gefahr, weil die verzerrte Wahrnehmung von Macht mit den damit verbundenen egozentrierten Entscheidungen zu Fehlern führen. Die Menschheitsgeschichte kann viele Beispiele nennen, wo Macht ausartet und den Rahmen der produktiven Kraft sprengt und zu einer destruktiven Größe wird. Wenn man sich der Verführung von Macht nicht bewusst ist, dann kann Macht zu einem missbräuchlichen Instrument verkommen. Heuchelei, Manipulation, losgelöst von der eigentlichen Sache, beeinflussen dann das Entscheidungsverhalten.[21] Macht mutiert dann zu einem Spiel von Illusionen und größenwahnsinnigen Vorstellungen, ohne das selbst so zu sehen. Das ist aber sehr menschlich, passiert im Machtspiel äußerst schnell.

Dacher Keltner, Psychologe an der University of California in Berkley, sagt: Wir alle sind Opfer des Macht-Paradoxes.[22] Niemand ist davon verschont. Es kann selbst jene treffen, die ursprünglich mit bestem Wissen und Gewissen ihre Machtposition nutzen wollten. Macht und Machtmissbrauch liegen eng beieinander.[23]

Friedrich Nietzsche, Philologe, posthum als Philosoph weltberühmt geworden, spricht sogar davon, dass selbst die Moral ein Machtinstrument sei. Er meint, Moral ist eine Erfindung der Schwächeren, um nicht unterdrückt zu werden. Saar erweitert den Pool, und sieht in Gerechtigkeitsaktivitäten, beispielsweise in der MeToo-Bewegung, in Umweltschutzbewegungen, … ähnliche Beweggründe. Saar möchte damit jedoch die Werte und notwendigen Maßnahmensetzungen, die hinter solchen Bewegungen stehen nicht kleinreden, sondern vielmehr darauf aufmerksam machen, dass man das wofür man sich einsetzt, tiefgreifender hinterfragen sollte, damit man nicht in Gefahr läuft, Werte bloß als Vorwand, als Mittel zum Zweck, zum egozentrierten Machtgewinn, zu missbrauchen.[24]

Unbewusst verfällt man scheinbar leicht einem vereinnahmenden Machtmissbrauch, und die positive Absicht Macht wirken zu lassen, verliert sich irgendwo entlang des Machtstrebens. Doch die Folgen zeigen sich irgendwann – es rächt sich, vielleicht erst viel später wie beispielsweise in der MeToo-Bewegung. Mag sein, dass Sie diese Bewegung vollkommen unberührt lässt.

Aber die MeToo-Bewegung zeigt auf, was passieren kann, wenn man sich der Macht zu sicher wird und ungeniert Macht missbraucht. Auf Dauer bleibt kein Machtmissbrauch unaufgedeckt, und irgendwann folgt der Vergeltungsschlag. Die Digitalisierung mit den sozialen Medien und Netzwerken kann Machtmissbrauchsfälle schneller publik machen und einer großen Öffentlichkeit präsentieren, als es früher der Fall war. Die Betroffenen können sich deutlich schneller in einer größeren Gemeinschaft gemeinsam stärken und sich gegen den Machtmissbrauch formieren. Das sollte einem heute bewusst sein, dass Handlungen, Entscheidungen, Macht, durch die Sozialen Medien einsichtiger werden und damit angreifbarer. Rezo, der Blogger, hat die Wahl in Deutschland beeinflusst, Machtverhältnisse verschoben. Greta Thunberg übt Macht aus, in einer scheinbar harmlosen Weise, aber es hat Wirkung, die Bewegung gewinnt an Macht.

Die Mächtigen schauen jedoch noch zu oft belächelnd auf solche Bewegungen und die sich darin formierenden Gruppierungen, sehen diese als unbedeutend an, als Sprücheklopfer, die ihnen nichts anhaben können. Aber die sozialen Medien und deren Macht unterschätzen, ist unklug. Das hat auch schon der leider verstorbene Prof.Dr. Peter Kruse prognostiziert, angelehnt an die Aussage des Imperators in Star Wars: Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht.[25] Aber, das muss man auch sagen: Die Sozialen Medien stärken auch ihre eigene Macht, und genau damit erliegen sie selbst dem Sog, Macht für sich selbst unter Umständen zu missbrauchen – ein Drahtseilakt.

Macht haben, Macht gewinnen, ist, ob man will oder nicht verführerisch, und der Verführung erliegt man schnell – jeder und jede. Das kann man nicht einfach so zur Verurteilung stellen. Kritisch anmerken muss man hingegen, dass man sich in Wirtschaft als auch in Politik und anderen Institutionen zu wenig bewusst mit den Mechanismen von Macht auseinandersetzt. Die guten Ziele, die manche so rühmlich vor sich herschieben, könnten bei unbewusster Machtausübung relativ bald in einen Missbrauch rutschen.

Der Wille zur Macht ist stark, die Vernunft muss hingegen deutlich an Unterstützung gewinnen, damit Macht nicht zu einem negativen Instrument mutiert, sondern als produktives Mittel das Welt- und Wirtschaftsgeschehen formt, Herausforderungen zum Wohl der Menschen zu lösen fähig ist.

Leicht ist es nicht, sich bewusst mit Macht auseinanderzusetzen. Das würde fürs erste meist heißen, man wird mit den vielen negativen Seiten der Macht konfrontiert, und genau das will man vermeiden. Aber je mehr man das Negative zu vermeiden versucht, umso stärker wirkt es unbewusst vom Schatten heraus. Deshalb braucht es in Bezug auf das Verständnis und Wirken der Macht, sehr viel Menschenverständnis wie auch Selbsterkenntnis. Das fordert die Übernahme von Verantwortung, für sich selbst und für andere. Das heißt mit den Worten von Elisabeth Bronfen, Kulturwissenschaftlerin, sich selbst beschneiden können und das eigene Begehren zügeln. Das braucht jedoch viel Selbstdisziplin und Überwindung von Verführungen, u.a. Anerkennung, Prestige, Boni widerstehen. Es braucht darüber hinaus Mut und Demut, den persönlichen Einfluss durch Macht neu zu verhandeln und die persönliche Macht damit zu beschränken.[26]

Wer Macht hat bzw. wer mit Macht verantwortungsbewusst umgehen möchte, der braucht mit den Worten von Edzard Reuter, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Daimler-Benz AG, eine Art Wächter.[27]

Reuter will die positiven Seiten der Mächtigen in der Wirtschaft wachrufen. Er spricht von glaubhaften Vorbildern, die eine menschenwürdige Gemeinschaft zu führen im Stande sind. Diese Fähigkeit bedarf einer kompetenten Wachheit und persönlichen Reife. Noch zeigt sich jedoch seiner Meinung nach in den Führungsetagen, mit einigen Ausnahmen, ein Bild von Heuchelei und billiger Gaukelei [28], ausgelöst durch:

  • Narzissmus bzw. überbordender Egoismus

  • Ja-Sager-Mentalität bzw. ängstliche Angepasstheit

Alberto Alemanno, Autor, politischer Aktivist, 2015 vom Weltwirtschaftsforum zum Young Global Leader ernannt, Global Clinical Professor of Law an der New York University School of Law, hält dem jedoch entgegen, dass verantwortungsvolle Führung möglich ist. Die aktuelle Situation gibt zwar sehr zu denken, doch die Gegenkräfte gewinnen an Bewusstsein und Courage, unter Umständen durch die neuen Generationen. Seiner Auffassung und Beobachtung nach sind die Führungskräfte der Zukunft Führungspersönlichkeiten, die 10 Persönlichkeitsmerkmale in ihren Beruf einzubringen verstehen [29] – u.a. auch relevante Kompetenzen in New Work:

  • Mitgefühl und emotionale Intelligenz

  • Integrität und Offenheit

  • Fairness und Einbeziehung

  • Kompetenz und Berücksichtigung von (fachübergreifenden) Daten

  • Beständigkeit und Bescheidenheit.

Aber ohne das dritte Auge, ohne Wächter, oder mit den Worten von Reuter, ohne kompetente Wachheit, wird es äußerst schwer Macht, Machtmissbrauch, anstehende Veränderungen im gesunden Maß zu halten.

Die kompetente Wachheit ist nach Alemanno eine Instanz, in sich selbst und gleichzeitig außerhalb seiner selbst, die die Gesellschaft und sich selbst vor gesellschaftlichen wie auch vor den eigenen Extremen zu schützen vermag. Erst wenn eine solche Instanz das Tun, die Tollheiten und Ausschweifungen im Auge behält, kann global etwas entstehen, was tatsächlich auch einmal dem Allgemeinwohl dient und nicht bloß einzelnen Menschen.[30]

  • Doch wer von den Mächtigen ist wirklich bereit, Machtansprüche, anreizende Ausschweifungen, Boni, das persönliche Machtstreben ehrlich zu hinterfragen und darüber hinaus dem Einhalt zu gebieten?

Dieser Frage sollte man sich zu allererst klar sein. An dem Punkt beginnt Mindfulness, ein produktives, reflektiertes Wirken von Macht. Der Weg der Erkenntnis sollte nicht mehr länger nur ein Weg der künstlerisch-philosophischen und spirituellen Eliten sein, sondern ein Weg aller Menschen – insbesondere jener, die andere Menschen führen möchten, und damit Macht bewerkstelligen. Das ist meine persönliche Antwort, um die Herausforderungen positiv zu managen – die vermutlich aber nicht jedem gefällt.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[2] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[3] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[4] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[5] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[6] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[7] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[9] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[10] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[11] https://www.hrweb.at/2017/04/kommunikation-digital-natives/. Am 2017-05-02 gelesen.
[12] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[13] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/management/generation-y-wollen-die-auch-arbeiten/v_detail_tab_print/7929006.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[14] http://www.capital.de/meinungen/new-work-braucht-individualitaet.html. Am 2017-05-02 gelesen.
[15] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[16] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[17] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[18] https://www.handelskammer.se/de/nyheter/sabina-jeschke-eine-machtverschiebung-ist-bereits-sichtbar. Am 2019-07-03 gelesen.
[19] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[20] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[21] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[22] Keltner, Dacher: Das Machtpardox. Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main: 2016.
[23] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[24] https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/martin-saar-was-die-macht-mit-uns-macht?id=f82f5531-e11b-421a-936e-9acc245527b0. Am 2019-07-02 gesehen.
[25] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be.
[26] Kulturmontag Spezial, 2017-07-31: http://tv.orf.at/program/orf2/20170731/799912801/story.
[27] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[28] Reuter, Edzard: Stunde der Heuchler. Wie Manager und Politiker uns zum Narren halten. Eine Polemik. Econ Verlag. Berlin: 2010.
[29] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.
[30] Alemanno, Alberto: https://www.bilanz.de/management/verantwortungsvolle-fuehrung-in-zeiten-des-populismus. Am 2017-02-15 gelesen.

reduce text

New Work muss man sich stellen – aber anders

New Work muss man sich stellen – aber anders

Im letzten Artikel, Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, habe ich versucht, ökologische Veränderungen und die daraus resultierenden möglichen Einflüsse auf die Wirtschaft zu durchleuchten. Umweltbewusstsein mag relevant sein. Wachstum aber ebenfalls, um das, wovon viele heute profitieren, so auch erhalten zu können. Doch beide Seiten sehen oft nur ihren Aspekt und nicht den anderen – die Folgen:

Missverständnisse, Missinterpretationen, vorschnelle Urteile, Ignoranz entzünden sich schnell

Das Öko-Thema ist nur eines in einer Reihe von anstehenden Veränderungs-Themen, die Unternehmen triggern und vorschnell Meinungen generieren – von super positiv bis hin zu völliger Ablehnung. New Work kann sich neben Öko ebenfalls in den polarisierenden und damit auch anfechtbaren Reigen abgenötigter Veränderungen einfügen.

Die einen sehen in New Work bloß einen Hype, einen Modetrend, der wieder verschwinden wird. Die anderen sind davon überzeugt, dass New Work die Arbeitsweise der Zukunft werden wird. Beide Seiten haben Recht:

  • Zum einen zeigt sich, New Work scheitert in etwa zu 75% [1], bloß 15-30%, je nach Quelle, dümpeln mit agilen Methoden vor sich hin, ohne das mögliche Potential wirklich auszuschöpfen [2].

  •  Aber New Work eröffnet tatsächlich auch neue Chancen für NewcomerInnen, für Randgruppen, für kreative ÜberfliegerInnen und mutige InvestorInnen – Tendenz steigend, mit Folgen für den Rest des Marktes, die man jedoch noch nicht als relevant genug ansieht.

read more

New Work ist nicht besser, sondern anders

An New Work und den mit New Work einhergehenden neuen Arbeitsweisen geht kein Weg mehr vorbei. Im alten Stil können wir nicht weitermachen, weil die Digitalisierung Arbeitsprozesse verändern wird, ob wir wollen oder nicht. New Work wird ein Teil der Zukunft werden, vielleicht anders als aktuell gehypt, aber es wird ein Teil werden.

Der Öko-Aspekt zählt dazu, weil durch die Digitalisierung ganz neu aufgesetzte und ausgerichtete Produktionen und Dienstleistungen möglich werden, die den Markt aufmischen können, in einer Weise, die man sich jetzt im Moment noch nicht vorstellen kann bzw. mag.

  • So könnte beispielsweise China durch die Kehrwendung vom „klassischen“ Elektroauto hin zum Wasserstoffantrieb weltweit die Automobilbranche auf den Kopf stellen. Wir wissen es nicht, aber es könnte sein.

  • Dauerhafte Verhältnisse, auch Eigentum, wandeln sich ebenfalls und werden zu Bedürfnissen, die von KundInnen immer mehr nur noch auf Zeit „On Demand“ zu befriedigen gesucht werden – Tendenz stark steigend.[3] Das könnte ebenfalls Folgen für die Wirtschaft mit ihrer gegenwärtigen der Steigerungslogik mit sich bringen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, spricht davon, dass wir ökonomisch wachsen müssen, uns beschleunigen müssen, Effizienz steigern müssen, um das zu erhalten, was wir haben. Diese Dynamik hat sich jedoch zu einem leer laufenden Steigerungszwang entwickelt, und formt entsprechend unsere Weltbeziehung auf eine sehr spezifische Weise.[4]

Die Steigerungsleistung, die systematisch erzwungen wird, führt dazu, dass wir in einer Daueranspannung der Welt gegenübertreten – und das lässt uns resonanzunfähig werden.[5] Resonanzgeschädigt sehen wir die Probleme und Herausforderungen jedoch nur noch verzerrt. Damit erhöht sich die Zahl an Fehlentscheidungen – auf Unternehmensseite, politisch, aber auch privat und damit gesellschaftlich.

Das was Rosa über die postmoderne Welt und deren Beziehungsgefüge analysiert, steht jedoch im Widerspruch zu dem, was New Work fordert, mehr Empathie, mehr Resonanz, mehr WeQ statt IQ, um die Herausforderungen adäquat meistern zu können. Resonanz heißt, in Beziehung zu treten mit der Welt, sich von der Welt und dem was die Welt beschäftigt, anrufen und verwandeln, sich berühren zu lassen. Damit ist man aber auch verwundbar und verletzbar. Und genau das kann und will man sich nicht erlauben, ist nach Rosa unter dem Vorzeichen des Steigerungszwangs auch schier irrational.[6]

  • Zum einen fordert man von den Führungspersönlichkeiten mehr Empathie, will das intentional herstellen,

  • aber die Kontrolle muss dabei behalten werden – das widerspricht sich. Es ist schwer in emphatischen Kontakt zu treten, aber das bloß in sehr kontrollierter Weise passieren zu lassen: Der Tiger soll bitte pünktlich um drei Uhr zum Fototermin bereitstehen, und das mit ausreichendem Abstand, zu viel Nähe könnte gefährlich werden. Wer weiß, was dann passiert …

So beschreibt es Rosa, wie Menschen miteinander heute agieren. Mit dieser Art in Beziehung zu treten, angeheizt von der kontrollierbaren Steigerungslogik, zieht sich die Resonanz immer mehr zurück und erkaltet.[7] Gleichzeitig aber fordert New Work in Verbindung mit anderen Aspekten, mehr Empathie, mehr Intuition, mehr Offenheit, mehr freien Fluss statt Kontrolle. Das ist fast schon schizophren, kontrollierbar der Steigerungslogik folgen, und gleichzeitig resonant empathisch die Prozesse freier fließen lassen.

Der amerikanische Zukunftsforscher Alvon Toffler schreibt in seinem Buch „Future Schock“ von der Not des zu schnellen Wandels: Die Beschleunigung der letzten 70 Lebensspannen von zuvor 650 Lebensspannen, die Menschen über all diese hinweg nur in Höhlen lebend verbracht haben, lösen eine Art (unbewussten, weltumspannenden) Schock aus. Das Tempo der Umweltveränderungen und das Tempo, mit dem der Mensch darauf reagieren kann, ist aus der gesunden Bewältigung gefallen.[8] Es bleibt keine Zeit mehr für Resonanz. Im Gegenteil, Resonanz könnte das überforderte menschliche Fass zum Überlaufen bringen. Man tritt die emotionale Notbremse, ignoriert und klammert alles Unbequeme aus, um das Rad am Laufen zu halten, auch wenn das sogar gefährlich ist.

Die rasanten Veränderungen machen auch nicht vor der Lebensdauer von Unternehmen halt. Mittlerweile ist die Lebenserwartung von Unternehmen auf weniger als 20 Jahre gesunken, und sinkt noch weiter. Das ist u.a. ein Grund, warum Stephan Jansen, Präsident und Professor an der Zeppelin University in Friedrichshafen, an GründerInnen appelliert: Bitte denkt am Anfang auch schon an das Ende, weil es immer wichtiger wird, ein gutes Ende zu managen. Aber genau das lässt viele kalt, und ein Ende wird ins Abseits geschoben.[9]

Ob man will oder nicht, New Work heißt auch, sich immer wieder einem Ende stellen zu müssen – nicht unbedingt gleich dem Ende des Unternehmens, aber einem Ende der gewohnten Arbeitsstrukturen und den damit verbundenen Arbeitsweisen, lieb gewonnen Produkten und möglichen Annehmlichkeiten. Das fordert heraus, Bestehendes wirklich ziehen zu lassen, neue Strukturen offen und flexibel zu entwickeln, um rasch auf weitere Veränderungen reagieren zu können, sich auf eine permanente Transformationsfähigkeit einlassen zu können, so wie es VORSPRUNGatwork diagnostiziert.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Der Übergang von Alt zu neu fordert Engagement, Betroffenheit und mehr Kenntnisse als geplant. Das widerstrebt der Gewohnheit, das widerstrebt den Zeitvorgaben im Management, das widerstrebt oft auch den Menschen, den MitarbeiterInnen wie auch Führungskräften, die es gerne schnell erledigt haben wollen bzw. keine Verunsicherungen, Ängste und Verluste von alt gewohnten Routinen und Vorteilen spüren möchten. Diesen Prozess kann man in drei Phasen unterteilen, die jedoch nicht getrennt und schon gar nicht seriell ablaufend betrachtet werden sollten.

Die meisten verweigern nicht die Veränderung, sondern den Übergang

Diese drei Phasen fließen parallel zueinander. Der Einfluss einer bestimmten Phase ist mal stärker, mal weniger stark im Vergleich zu den beiden anderen. Es zeigt sich zwar eine gewisse Tendenz, welche Phase wann im Veränderungsprozess intensiver und einnehmender wirkt, aber das kann nicht dogmatisch auf jeden sich im Veränderungsprozess Befindlichen angewendet werden.

  1. Die Phase 1 ist eine Erkenntnisphase, darüber, was man an Gewohnheiten in der Arbeit liebgewonnen hat, worauf man sich verlässt, in welchen Komfortzonen man sich bewegt und was man eigentlich nicht ändern will, weil es unter Umständen unbequem ist, und darüber hinaus Unsicherheiten und Ängste auslöst. Bequemlichkeit, Unsicherheit und Angst blockieren jedoch jede Veränderung. Mit Angst im Nacken ist sofort Widerstand aktiviert, und die angestrebte Veränderung, auch wenn diese tatsächlich Vorteile verschaffen könnte, erstickt im Keim.

  2. Die Phase 2 ist unglaublich wichtig, wird aber oft nicht im Prozess mit einbezogen. In dieser Phase wird man mit Dilemmata und Paradoxien konfrontiert. In dieser Phase erprobt man die neuen Möglichkeiten, obgleich man gleichzeitig auch noch an den gewohnten alten Verhaltensweisen festhält – als Sicherheit. Man pendelt hin und her zwischen alt und neu. Man sitzt zwischen zwei Stühlen. Das Alte hält man noch fest, das Neue setzt man als Ziel auf Prozess-Papiere. Ein Ja, aber … schleicht sich subtil ein, und versucht die angestrebten Veränderungen so gut es geht von sich fern zu halten bzw. so hinzudrehen, dass man selbst davon nicht betroffen ist.

  3. In der 3. Phase geht es dann konkret um die Entscheidung, darum sich wirklich auf das Neue einzulassen und das Alte definitiv loszulassen. Oft tut man jedoch nur so, als ob man das Alte loslässt und sich voll auf das Neue einlässt – aber das ist leider häufig ein Trugschluss. Doch das ist ganz normal. Das ist u.a. auch die Strategie der Gewohnheit, um Ängsten und Unsicherheiten auszuweichen.

New Work ist weit mehr als nur die Auseinandersetzung mit dem Neuen, sondern ebenso die intensive Beschäftigung mit dem Alten. Das verlangt Einsicht, Resonanz zu sich selbst und zu dem, was andere erleben. New Work verlangt Willenskraft, um der Kraft der Gewohnheiten widerstehen zu können. Denn selbst dann, wenn die Entscheidung zur Änderung wirklich konkret getroffen ist, werden die alten Gewohnheiten immer wieder aufs Neue versuchen, das Alte ins Neue hinüber zu schummeln. Immer dann, wenn das Neue Unsicherheit auslöst, ist sofort das Alte zur Stelle und versucht unter dem Deckmantel des Neuen die alten Verhaltensweisen geschickt ins Neue einzufädeln.

Man will Erfolge generieren, aber ohne die umfassenden Herausforderungen auch anzunehmen, die bei Veränderungen nun einmal auch zu managen sind. Man schaut viel zu oft nur auf das, was man ohne größeren Aufwand scheinbar gut zu managen bekommt, rasch Erfolge sichtbar werden lässt. Man konzentriert sich auf oberflächliche Anhaltspunkte, aber nicht auf die systemisch tiefgreifenden Aspekte – verständlicherweise. Doch genauso scheitern agile Arbeitsmethoden.

New Work verkommt zu einem Buzzword, mit wenig Substanz. Gleichzeitig braucht es aber die neuen, veränderten Arbeitsstrukturen, um die mit der Digitalisierung einhergehenden neuen Möglichkeiten erfolgsversprechend im Verständnis der Steigerungslogik in Spur zu bringen.

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

VORSPRUNGatwork hat nachgefragt, wie sich die Zukunft für deren KundInnen zeigt

Unternehmen bzw. die MitarbeiterInnen und Führungskräfte geben zu, dass sich viele unsicher sind was die Zukunft betrifft, dass Angst da ist, Misstrauen, Frustration, Zerrissenheit, auch Gleichgültigkeit, Resignation, Hilflosigkeit, Aggression, Bedrohung, ein Spiel mit dem Feuer, zum einen anregend zum anderen abschreckend, … aber auch Lichtblicke, Neugierde, Euphorie, Hoffnung, etc. gibt ihnen der Blick in die Zukunft. Ja, sie wirkt sogar vitalisierend.

  • New Work wird vorwiegend an 2 Polen besiedelt. Auf dem einen Pol sammeln sich alle jene, die New Work als echte Innovation mit unglaublich vielen neuen Möglichkeiten und Chancen sehen.

  • Auf dem anderen Pol findet sich Skepsis, Angst, Überforderung und Bedrohung.

New Work polarisiert und verliert damit an Kraft und Wirkungsweise. New Work braucht deutlich mehr Auseinandersetzung zwischen den Polen, mehr Verständnis für die unterschiedlichen Aspekte auf dem gesamten Kontinuum innerhalb der beiden Pole.

Resümee

Es genügt für die erfolgsversprechende Implementierung von New Work nicht, bloß einzelne Wände neu zu setzen oder einige Räume neu einzurichten. Ein VORSPRUNG at work kann erst dann erfolgsversprechend wirksam werden, wenn man es wagt, die alles tragende Unternehmenskultur, das Fundament des Unternehmens einem entsprechenden Umbau zu unterziehen. So analysiert es Andreas Loroch, Co-CEO bei VORSPRUNGatwork.

New Work ist ein umfassender Kultur-Change, eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Mindset eines Unternehmens, bezieht neben neuen Arbeitsweisen wie agile Methoden, flexible Strukturen, flache Hierarchien, Kollaboration, Sinnökonomie, offene Wissenskultur, … einen wichtigen weiteren Aspekt ein:

  • in Resonanz gehen, nach innen wie nach außen mit der Welt – heute und morgen, sprich mit der Zukunft der Welt. Das ist ein äußerst relevanter Schritt, ein Schritt voraus, ein Vorsprung. Das klingt einfach, weil alle meinen, sie tun das. Aber dem ist nicht wirklich so, dafür braucht es Resonanz, und genau an der mangelt es nach Analyse von Rosa jedoch immer mehr.

  • Ohne echte Resonanz und einer damit verbundenen Vision wird man scheitern, vielleicht weniger, weil man die neuen Arbeitsstrukturen nicht stimmig genug aufgesetzt hat, sondern weil man die Gefahren der neuen Welt nicht rechtzeitig zu erkennen beherrscht.

Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [10] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] https://alinbu.net/blog/die-agile-bewegung-ist-gescheitert/. Am 2019-02-25 gelesen.
[3] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[4] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[5] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[6] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[7] Flaßpöhler, Svenja im Gespräch mit Rosa, Hartmut: Philosophie Magazin Nr. 04/2019. Ich will den Modus unseres In -der-Welt-Seins-ändern.
[8] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[9] https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2006/ende/der-end-effekt. Am 2019-06-25 gelesen.
[10] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[11] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

reduce text


Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Schock-Prognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus

Ein Weltbankbericht geht davon aus, dass bis 2050 140 Millionen Klimaflüchtlinge zu zählen sein werden.[1]

Die nächsten Jahre sind wahrscheinlich die wichtigsten unserer Geschichte.[2]

Hans Joachim Schellnhuber, Klimaforscher und Gründungsdirektor des Potsdamer-Instituts für Klimafolgenforschung, spricht davon, dass die Folgen sich veränderter Umwelten durch ein Übermaß an Nutzung fossiler Brennstoffe von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft heruntergespielt werden [3] – das kann bald fatale Folgen mit sich ziehen.

  • Die größte Gefahr stellt nach Richard David Precht die Migration dar – die Migration aufgrund eines Öko-Kollaps. Die Digitalisierung ist darin gut eingebettet, in einer jedoch anderen Art von Gefahr, die vielmehr von Seiten des Energie-Verbrauches und weniger von Seiten der Jobverluste zu analysieren ist. Der Energie-Verbrauch der Digitalisierung ist immens, und wenn das weiterhin mit klassischen Energieträgern zu bewerkstelligen versucht wird, dann erleben wir alle den Öko-Kollaps mit Folgen, die unser Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigen. So skizzieren ForscherInnen in einem neuen Report, dass Mitte des Jahrhunderts die Zivilisation wie wir sie kennen voraussichtlich enden wird. Die Menschheit wird zwar irgendwie überleben, aber fast alles, was sie in den letzten 2000 Jahren aufgebaut hat, wäre verloren.[4]

  • Meine Botschaft an alle Zweifler, die mit Täuschung arbeiten ist einfach, sagt Arnold Schwarzenegger beim Austrian World Summit 2019: Irgendwann wird die Wahrheit auch Euch einholen. Die Lügen müssen aufhören, jetzt! All jene, die den Umweltschutz zurückhalten, wird nichts anderes mehr überbleiben, als das Schlamassel bald in den eigenen Händen zu halten. Es braucht endlich echte Lösungen und keinen Bullshit […]

read more

Mag sein, dass nach diesen ersten Aussagen bereits einige aussteigen, und den Artikel nicht mehr weiterlesen wollen. Manche werden diese Schwarzmalerei als Übertrieben erachten und verurteilen, dass mit plakativen negativen Aussagen über die Zukunft viel schlecht geredet wird. Das mag stimmen, doch ich fürchte, dass das was aktuell getan wird, politisch, unternehmerisch, gesellschaftlich vielleicht wirklich nicht ausreicht. Ich weiß, dass werden viele gar nicht gerne hören bzw. sogar als heuchlerisch bezeichnen.

Mit einer zu radikalen Umweltschutzaufforderung vergrault man die Unternehmen, deren Führungskräfte, die Politik, …, all jene, die scheinbar hoffen, dass die Umwelt es schon irgendwie schaffen wird – 1 oder 2 Grad mehr auf der Erde ist doch gar nichts. Leider stimmt das nicht. 2 Grad mehr ist vielmehr als wir uns gedanklich mit den damit zusammenhängenden Folgen ausmalen können bzw. wollen. Sie wissen das so wie ich. Doch wir verlieren alle gemeinsam die möglichen Folgen einer Klimakatastrophe schnell aus dem Bewusstsein, sobald es darum geht, das Business am Laufen zu halten, Gewinne zu generieren, die persönlichen Ziele erreichen zu wollen.

Ich selbst kann die Klima- und Umweltrelevanz, wenn ich ehrlich bin, auch nicht in der Dimension erfassen und glauben, dass beispielsweise eine Erderwärmung aufgrund der Art und Weise wie wir Energie verheizen, Ressourcen verschwenden, … wirklich so heftige Folgen haben kann, wie ExpertInnen sagen. Aber auf der eigenen Meinung zu beharren, die Umweltbelastungen scheinen noch vertretbar zu sein, ist auch nicht mehr mit 100% Überzeugung zu vertreten. Es ist fast beschämend, die mit unserer Lebensweise verbundenen Folgen und Gefahren noch immer auszublenden bzw. zu verharmlosen. Das kann an dem Punkt wo wir alle gemeinsam jetzt stehen, vielleicht tatsächlich Folgen mit sich bringen, die man, hätte man es früher in der Heftigkeit eingesehen, vermutlich nicht zugelassen hätte.

Lassen Sie mich 3 Fakten anführen, die, insbesondere im Punkt 3, deutlich zeigen, dass die Auseinandersetzung mit Klima- bzw. Umweltschutz für Sie als Unternehmen wichtig sein könnte – nicht bloß, um einen guten Ruf in der Öffentlichkeit zu verteidigen, sondern um die Zukunft Ihres Unternehmens, Ihre persönliche Zukunft und die Ihrer Kinder und Enkelkinder sicherzustellen.

Fakt 1

90 Prozent aller Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt, und rund 7 Millionen Menschen sterben jährlich daran. Es gibt bereits mehr Tote durch Luftverschmutzung als durch Aids, Tuberkulose und Kriege.[5]

Das mag auf den ersten Blick für die Wirtschaft nicht relevant sein. Aber auf den zweiten und dritten Blick hat das auch für Unternehmen gravierende Folgen. Die Kosten müssen u.a. durch die Sozialsysteme getragen werden. Die bisher stark subventionierten fossilen Energieträger könnten diese Unterstützung dann verlieren, weil das Sozial- und Gesundheitssystem mehr Geld benötigt. Das hat wiederum Folgen für Unternehmen – was uns gleich zum nächsten Punkt führt.

Fakt 2

Fossile Energieträger werden weltweit mit 5,3 Billionen Dollar subventioniert. Das ist mehr als für den Gesundheitssektor ausgegeben wird. Der Weltwährungsfond (IWF) hat aufgerufen, endlich den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas nicht mehr weiter zu fördern.[6]

Mag sein, dass Sie als Manager davon ausgehen, dass es nie dazu kommt, dass die Subventionen fossiler Energieträger wirklich radikal gekürzt werden. Doch können Sie wirklich sicher gehen, dass Ihre Annahme stimmt?!

Die Wirtschaft, aber auch die Politik stehen vor einem Dilemma:

  • Wenn weiterhin fossile Energie im umfassenden Maß genutzt wird, dann bewirken wir vielleicht wirklich bald einen Öko-Kollaps?! Dann trifft es alle in einer Weise, die man sich nur schwer vorstellen kann.

  • Wenn man jetzt politisch die Reißleine zieht, sprich die Subventionen fossiler Energie radikal kürzt, dann könnte das die Unternehmen unangenehm treffen, weil sich diese vielleicht noch immer nicht entsprechend auf ein solches Ereignis eingestellt haben, weil man die Nutzung fossiler Energien als weiterhin selbstverständlich erachtet?

Mag sein, dass Ihr Unternehmen davon nicht betroffen ist. Für andere, selbst für mögliche Betroffene mag dieses Szenario, die deutliche Kürzung der Subventionierungen von fossilen Energieträgern, an den Haaren herbeigezogen sein. Doch man sollte dieses Szenario auch nicht ganz aus dem Blick streichen – insbesondere jetzt, wo von immer mehr Seiten zu hören ist, dass wir einem Öko-Kollaps entgegensteuern.

China macht in Bezug auf Umweltschutz einen deutlichen Schwenk. Das ist zwar für viele eine Augenauswischerei. Aber es zeigt, dass selbst beim Wachstumstreiber China der Umweltaspekt mehr in den Fokus rückt – nicht, weil China so umweltfreundlich ist, sondern mehr aus Angst, durch Umweltprobleme das angestrebte Wachstum nicht erreichen zu können.

Das führt uns weiter zu Punkt 3, der für die Wirtschaft vielleicht am ehesten dazu führt, radikaler und vor allem schneller umzudenken.

Fakt 3

Klimawandel kostet Wachstum – genau das, was jedoch die Wirtschaft braucht, um weiterhin Erfolge generieren zu können.[7]

Das Kieler Institut für Wirtschaftsforschung (IfW) hat ausgerechnet, dass durch den Klimawandel das Wirtschaftswachstum auf jeden Fall gebremst wird.[8] Das hat wiederum zur Folge, dass Arbeitsplätze verloren gehen. Unternehmen schließen und die Staatseinnahmen sinken mit den Konsequenzen: der Sozialstaat, das Gesundheits- und das Bildungswesen lassen sich nicht mehr finanzieren.[9] Das hat wiederum Nachwehen auf die Wirtschaft und Folgen auf Ihre Verantwortlichkeit, weitere Erfolge im Unternehmen zu generieren.

Nach Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, steuern wir nach allen Ecken auf eine Krise zu:[10]

  • 35% der globalen Landfläche und 55 Prozent der Weltbevölkerung sind an mehr als 20 Tagen im Jahr tödlicher Hitze ausgesetzt, Teile der betroffenen Gebiete werden unbewohnbar.[11]

  • Auf mehr als 30% der Erdoberfläche entstehen Wüsten, 2 Milliarden Menschen sind von Wasserknappheit bedroht.[12]

  • In den meisten Regionen sinkt die Lebensmittelproduktion aufgrund der Erderwärmung, gleichzeitig wächst aber weltweit die Bevölkerung noch weiter an, auf 11,2 oder sogar 20 Milliarden.[13]

Die Prognosen sind nicht mehr an den Haaren herbeigezogen – es sind Fakten, und die Fakten werden Einfluss nehmen auf das Weltgeschehen und auf die Wirtschaft.

Das Problem ist nach Armin Nassehi, Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker, dass wir nur noch Ziele haben. Ziele formulieren kann jeder. Aber dabei vergisst man, dass wenn man ein Ziel formuliert, das noch nicht die Lösung ist.[14] Die Lösung kann nach Nassehi nur darauf aufgebaut werden, die unterschiedlichen Logiken der unterschiedlichen Systeme ineinander zu übersetzen, sprich die Wirtschaft muss weiterhin Geld verdienen können, die PolitikerInnen müssen wiedergewählt werden können, rechtliche Normen müssen gelten dürfen, UmweltaktivistInnen und KlimaexpertInnen dürfen für den Schutz der Umwelt kämpfen. Medien brauchen jeden Tag etwas zu melden, usw …[15]

Das ist nach Nassehi die Kompetenz der Zukunft, die unterschiedlichen Logiken aufeinander zu beziehen. Mit klassisch getrennt für sich agierenden Logiken ist es nicht möglich, die Umwelt-Probleme zu lösen. Das CO2 Problem lässt sich weder als Gerechtigkeitsproblem noch mit der eher bürgerlichen Idee des freiwilligen Verzichts und schon gar nicht mit Staatslenkung und Verboten lösen. Die Herausforderungen sind so groß, da bleibt uns nichts anderes übrig, als das große Gespräch zu führen.[16]

Das Problem ist jedoch, dass diese Logiken oft gegeneinander arbeiten und auch nicht von einer Stelle aus kausal zu steuern sind. Deshalb braucht es dringlich neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können – ein äußerst wichtiger Punkt, sich gegenseitig verunsichern, um der Realität ins Auge sehen zu können. Man muss sich dabei den Konflikten offen stellen und Verantwortung übernehmen.[17]

  • Wenn Sie bis zu diesem Punkt noch nicht in Anklage zu dem Artikel gehen, sondern vielleicht ernsthaft nachdenklich gestimmt sind, was konkret bewegt Sie nachzudenken? Was geht Ihnen jetzt im Moment durch den Kopf?

  • Glauben Sie, dass die Menschheit den Klimawandel noch aufhalten kann, insbesondere dann, wenn Wirtschaft, Politik oder Umwelt-AktivistInnen Ziele getrennt voneinander formulieren und getrennt voneinander zu lösen versuchen?

  • Oder meinen Sie, dass die möglichen Folgen vom Klimawandel ohnehin nur plakativ zur Aufheizung und Meinungsmache manipuliert dargestellt werden, so wie es u.a. Trump sieht?

Wie dem auch sei, einer Tatsache müssen sich Unternehmen, die Automobilbranche aber auch andere stellen – nämlich der Kehrwendung der ChinesInnen, die E-Mobilität nicht mehr länger fördern zu wollen, sondern stattdessen auf Wasserstoffautos zu setzen – ganz nach japanischem und kalifornischem Vorbild.[18]

China galt bisher als entscheidender Markt für den Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge – das wird sich ändern, schneller als vielen lieb sein wird. Bei den chinesischen Behörden wächst das Bewusstsein für die zahlreichen Nachteile batterieelektrischer Autos gegenüber Wasserstoffautos und auch dem klassischen Verbrenner. Besonders schwer wiegen die Umweltprobleme – sowohl beim Gewinnen der erforderlichen Schwermetalle als auch beim Entsorgen der giftigen Abfälle. Staatliche Subventionen werden von nun anstatt in Elektroautos in die Entwicklung der Wasserstoff-Brennstoffzelle gesteckt. Die EV-Industrie wird schon bald die grausame Realität finanzieller Einbußen erleben.[19]

Frank Böttcher, Meteorologe, Wetterforscher, sieht den Umstieg auf Elektromobilität ebenfalls kritisch. Elektromobilität ist bloß eine Übergangstechnologie. Wasserstoff wird die Zukunft werden, und hat in fachkundigen Kreisen ohnehin schon die Nase vorn.[20] Forscher des Wuppertal Instituts für Klimaforschung sagen: Der ökologische Rucksack, also die Summe der Umweltbelastung durch alle bei der Herstellung verwendeten Materialien, ist bei der E-Mobilität im Vergleich zu Verbrennungsmotoren doppelt so hoch.[21] Deutschland möchte jedoch weiterhin auf die Elektromobilität setzen, und die wasserstoffgetriebene Brennstoffzelle als Antriebsoption vernachlässigen.[22]

Rosa spricht aktuell davon, dass sich der Rationalitätsstandard senkt, was umgangssprachlich heißt: Die Zahl der Fehlentscheidungen steigt. EntscheiderInnen wissen offenbar nicht mehr, was sie tun können bzw. sollen.[23]

Prof. Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker, Prof. an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA), kritisiert schon lange, dass man immer wieder auf das falsche Pferd setzt. Man versteht nicht oder will nicht verstehen, das richtige zu tun im Verständnis der ganzheitlichen Betrachtung. Stattdessen lässt man sich vom Effizienz- und Gewinnstreben blenden, übersieht damit jedoch, dass man sich selbst für die Zukunft ein Bein stellt und fallen wird.

Es braucht nach Braungart, Nassehi, u.a. weit mehr Lösungen dafür, was nicht mehr gemacht werden soll, in der Mobilität, in der Industrie und Landwirtschaftsproduktion, beim Fleischessen, … Wenn man Menschen jedoch etwas wegnimmt, muss man ihnen etwas anderes geben. Man muss Unternehmen helfen, mit den richtigen Sachen Gewinne zu machen.

  • Es braucht neue Modelle zwischen Staat und Wirtschaft,

  • ein neues Verhältnis zu Gewerkschaften, die sich auch auf Transformation einstellen.

  • Es braucht intelligente Steuerungen durch technische, rechtliche und ökonomische Anreizformen, wo die unterschiedlichen Logiken ineinander übersetzt wirken und sich nicht in einer zentralen Idee aufheben.[24]

  • Rosa sieht es ähnlich und unterstreicht das, indem die alten Hierarchien, oft im Silodenken gefangen, aufgelöst werden sollten, um die verschränkten Logiken miteinander in einer neuen Unternehmenskultur zum Agieren kommen lassen zu können.[25]

Schellnhuber reflektiert, auch selbstkritisch, dass sich alle zusammen viel zu lange aus der Verantwortung gestohlen haben. Gleichzeitig muss er gemeinsam mit seinen KollegInnen erdulden, dass die Mails von GegnerInnen gehackt werden, und eine regelrechte Treibjagd auf KlimaforscherInnen abgehalten wird. Schellnhuber erklärt sich diese Reaktion durch eine kognitive Dissonanz. Er meint, der Klimawandel stellt für die Menschen ein derart großes Problem dar, bei dem eigentlich niemand weiß, wie man es in den Griff bekommen kann, sodass dieses Problem verdrängt wird.[26]

Der Klimawandel löst eine Art Ohnmacht aus, macht Angst, die man verdrängt, wodurch innovative, neue Ideen in der Produktions- und Wirtschaftsweise bereits im Keim ersticken. Lt. einer Studie wird Angst als Innovationsverhinderer Nummer Eins genannt. Knapp jede zweite Führungskraft befürchtet einen Machtverlust, wenn echte Innovationen gesetzt werden.[27] Die Überspielung der Angst ist dabei gar nicht der schlimmste Aspekt, sondern vielmehr die Tatsache, dass durch Angst zielführendes, verantwortungsbewusstes Denken und Handeln verhindert wird.[28]

Die gute Meldung, die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius ist noch machbar – aber wirklich dringend notwendig. Das geht aus einem Sonderbericht hervor, den der Weltklimarat (IPCC) im Oktober 2018 in Südkorea vorstellte. Nötig seien dafür jedoch schnelle, weit reichende und nie dagewesene Veränderungen in allen Bereichen, Politik, Wirtschaft, Gesellschaft. Die globalen Treibhausgas-Emissionen müssten bis 2030 um 45% unter das Niveau von 2010 fallen. Die Veränderungen dürfen nicht nur die Form der Stromerzeugung oder der Fortbewegung umfassen, sondern auch die Art der Landwirtschaft, Industrieprozesse und die städtische Infrastruktur.[29] Der Wechsel einer Linearwirtschaft hin zu einer Kreislaufwirtschaft ist ein Lösungsansatz.

Resümee

Wir müssen alle Federn lassen, damit neue wachsen können. Man müsste mit denen arbeiten, die eher maximal unterschiedlich als maximal ähnlich sind.[30]

Im Verständnis von Nassehi sollten wir Konkurrenzdenken in einer anderen Art nutzen, miteinander verschränkt die Konkurrenz zum Miteinander werden lassen, sich gegenseitig mit den unterschiedlichen Logiken und Perspektiven klar aufzeigen, was die Herausforderungen sind und gemeinsam Lösungen umsetzen. Dafür braucht es dringend neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können. Und so frage ich Sie und mich selbst:

  • Sind wir bereit, uns verunsichern zu lassen und gemeinsam, statt in Konkurrenz zu anderen Systemlogiken die Herausforderungen zu managen?

  • Welche nächsten Schritte müssten wir konkret dafür setzen?

  • Wieviel Zeit widmen wir den neuen Bündnissen bzw. welche Bündnisse, die außerhalb unserer Systemlogik agieren, würden wir als erstes kontaktieren und uns mit denen auseinandersetzen?

  • Oder enthalten wir uns weiterhin einer Auseinandersetzung, so wie es ein Finanzvorstand eines großen Dax-Konzerns in kleiner Runde zugibt: Wir warten, wir verschieben Entscheidungen.[31]

Weder die verbrauchten Rohstoffe noch das Artensterben kann sich im Rahmen einer Wirtschaftsperiode so erholen, dass es wie zu Beginn dieser Periode war – es wird deutlich länger dauern, nicht 50 Jahre, nicht 100 Jahre, nicht 1000 Jahre, sondern Millionen Jahre. Es braucht lt. Forschung etwa zehn Millionen Jahre, bis die aktuelle Formenvielfalt, und sogar 20 Millionen Jahre, bis die volle Zahl an Spezies wieder erreicht sein könnte.[32]

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[2] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlkc. Am 2019-06-19 gelesen.
[3] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[4] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. Am 2019-06-18 gelesen.
[5] https://diepresse.com/home/ausland/Energiewende_Schwarzenegger-beim-AustrianWorld-Summit-optimistisch. Am 2018-05-22 gelesen.
[6] https://www.welt.de/wirtschaft/energie/article141084514/Die-Welt-steckt-mehr-Geld-in-Oel-als-inGesundheit.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[7] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[8] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[9] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[10] http://www.fr.de/wissen/gesellschaft-die-welt-ist-von-einer-angst-epidemie-befallen-a-1413026. Am 201805-22 gelesen.
[11] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[12] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[13] https://www.focus.de/wissen/klima/klimakatastrophe-forscher-sehen-menschheit-mitte-des-jahrhunderts-am-ende_id_10802940.html?fbclid=IwAR1h0agfsivMYS_fJ1fnKxmi0D7MVFVW70uFBhLxw-xMvSyxdUVanH7lBY4. 2019-06-18 gelesen.
[14] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[15] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[16] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[17] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[18] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-18 gelesen.
[19] https://www.automobil-industrie.vogel.de/china-die-zukunft-gehoert-der-brennstoffzelle-a-835176/. Am 2019-06-19 gelesen.
[20] https://www.abendblatt.de/meinung/article216489581/Wasserstoff-wird-Antrieb-der-Zukunft.html?fbclid=IwAR00IANreabBT_YDse3e81ACdT9CL-9Vs7il63Kvu_OgpgEX8kEVu2h3OzQ. Am 2019-06-19 gelesen.
[21] https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/kann-das-elektro-auto-die-umwelt-retten-100.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[22] https://www.welt.de/wirtschaft/article190734171/Japan-Regierung-und-Toyota-setzen-auf-Wasserstoffautos.html. Am 2019-06-19 gelesen.
[23] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[24] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[25] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[26] Rühle, Alex im Interview mit Schellnhuber, Hans Joachim: Gegen die Wand. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 110. 15. Mai 2018. Feuilleton.
[27] https://berufebilder.de/2016/angst-digitaler-transformation-falsche-glaubenssaetze-besiegen-groessteninnovationskiller/. Am 2017-09-12 gelesen.
[28] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5110557/Dahinter-kommen-gut-gegen-Angst. Am 2017-09-12 gelesen.
[29] https://www.sueddeutsche.de/wissen/bericht-weltklimarat-klimawandel-1.4160538?fbclid=IwAR3CNg1blrBbo4sgeZOsSTpUVOTUVdClpkDPfCDO0MLLvKMbwqfJNs7nlk. Am 2019-06-19 gelesen.
[30] http://www.taz.de/Soziologe-ueber-Klimawandel/!5600327/. Am 2019-06-18 gelesen.
[31] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/dax-manager-zukunft-unternehmensfuehrung-1.4486564. Am 2019-06-19 gelesen.
[32] https://www.msn.com/de-at/nachrichten/wissenundtechnik/die-natur-erholt-sich-vom-menschen-in-millionen-jahren/ar-BBVJRqH?ocid=spartandhp. Am 2019-04-09 gelesen.

reduce text

Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff

Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff

Alle schwärmen von Effizienz.[1] Energieeffizienz, sparsamerer Umgang mit Ressourcen, effizienter Arbeitsfluss, effizientes Management, … scheinen Erfolge sicherzustellen. Lean gilt als Top-Instrumentarium, mit dem man Unternehmen und deren Management bestmöglich strukturiert, wettbewerbsstark, zukunftsorientiert, eben effizient auszurichten vermag.

Effizienz als Erfolgsgarant

Am Anfang der Effizienzmaschine stand der Wunsch, mehr Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können, um den Mangel, den es durchaus einmal gab, beseitigen zu können. Ein so gesehen verständlicher Ansatz:[2]

  • Mit einer effizienteren Bewirtschaftung von Agrarflächen konnte man eine sichere Ernährungsgrundlage schaffen,

  • mit einem effizienten Staatswesen die Wirtschaft und den Frieden sicherstellen,

  • mit der Industrialisierung und einer effizienten Gesundheitsversorgung ein Wohlstandsniveau erreichen, dass es zuvor noch nie gab.

Unternehmensberatungen wie McKinsey, u.a. haben dabei die Aufgabe, die Unternehmen in der Effizienz-, und damit Erfolgs- und Gewinnsteigerung zu unterstützen.[3]

  • Mit Hilfe der neuen Technologien gibt es einen weiteren Sprung, die Effizienz noch weiter zu steigern. Es lassen sich intelligente Produktionen, intelligente Produkte, noch hochwertigere Produkte noch preiswerter und noch schneller herstellen als jemals zuvor. Mit der halben Belegschaft macht man heute das Dreifache von dem, was vor zehn Jahren der Fall war.[4]

Und selbst der Mensch mit seinen Schwächen, ein Geschöpf des Schicksals, wird sich mit Hilfe der Gentechnik zu helfen wissen, und damit effizienter wirken können als jemals zuvor. McKinsey spricht von der Zufallsvernichtung. Offene Fragen, Ungewissheit, Angst gehören immer mehr der Vergangenheit an.[5] Effizienz ist scheinbar der Garant für Erfolg und Wohlstand auf allen Ebenen. Mit einem minimalen Einsatz von Zeit und Ressourcen kann man scheinbar alles erreichen und alles verbessern.

Aber …

read more

Unternehmen machen nach Gunter Dueck mit dem Effizienzstreben einen großen Fehler. Sie gucken nicht auf das Optimum, sondern denken, das Maximale was sie rausholen können, ist immer das Beste. Das ist ein Irrtum.[6]

Effizienz war in Zeiten der Industrialisierung vielleicht wirklich eine Art Heilmittel, um die damals bestehenden Mängel beseitigen zu können. Heute hat man ganz andere Herausforderungen zu bewältigen als damals. Würde man nach Dueck neben dem Maximum auch auf die Optimierung achten, müsste man sehen, dass man heute mit dem Effizienzstreben an Grenzen stößt [7], die, wenn man sie nicht achtet, irgendwann einmal die Effizienz in sich zusammenbrechen lassen – mit Folgen, die man sich nicht vorzustellen vermag.

Wir fürchten uns vor den falschen Gefahren

An zwei, meiner Meinung nach sehr anschaulichen Beispielen, zeigt sich die Perversion des Effizienzstrebens. Anhand der Beispiele Autoreifen und Bremsbeläge weist Prof. Michael Braungart, Verfahrenstechniker, Chemiker, Prof. an der Erasmus-Universität Rotterdam, Geschäftsführer der Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH in Hamburg (EPEA), auf, wie tiefgreifend und umfassend Produktentwicklung heute in Verbindung mit dem Effizienzgedanken geht, und welche Folgen das hat. Man bemüht sich einerseits um die Produktion von effizienteren Produkten, aber übersieht (un)bewusst die Begleiterscheinungen.[8]

  • Heute halten Autoreifen doppelt so lange wie vor 30ig Jahren. Das hört sich zunächst einmal gut an, aber es hat einen Haken: Die Produktverlängerung der Autoreifen wurde erkauft durch Zutaten, die gesundheitsgefährdend sind. Gefährlich daran ist vor allem der Feinstaub in der Luft, der sich durch den Reifenabrieb bildet. Reifen enthalten bis zu 470 teils hochgiftige und krebserzeugende Chemikalien. Die abgeriebenen Teilchen sind teilweise so klein, dass sie nicht einmal mehr vom Regen aus der Luft ausgewaschen werden können. Die Partikel werden dann einfach so von uns allen eingeatmet.

  • Das gleiche gilt für die Bremsbeläge. Man rühmt sich, diese seien frei von Asbest. Aber das heißt gar nichts, weil damit überspielt wird, dass der Abrieb von Bremsbelägen bei Kraftfahrzeugen hochgiftig ist. 20 Prozent des Feinstaubes – mehr als 7000 Tonnen – stammen heute von Bremsen, Tendenz steigend. Besonders problematisch ist das verwendete Antimon, wodurch der krebserregende Stoff Antimon-Trioxid freigesetzt wird, der sogar krebserregender ist als Asbest.

An den Beispielen zeigt sich, dass das Effizienzstreben von einer ganz bestimmten Position aus vielleicht erfolgreich sein mag, aber von einer anderen Perspektive aus betrachtet Folgen mit sich bringt, die langfristig betrachtet alles andere als effizient sind. Das mag sogar bewusst so akzeptiert werden, um die Komplexität besser in den Griff zu bekommen, um weiterhin der Maxime Effizienz und damit verbunden der Gewinnmaximierung folgen zu können.

Aber genau dieser Denkansatz verhindert das, was nach Dueck u.a. dringlich ansteht – innovatives Denken. Nach Dueck, aber auch anderen wie Elon Musk, … ist innovatives Denken dringlichst gefordert, was jedoch aus einer effizienten Arbeitsauffassung und Managementausrichtung heraus schwer bzw. gar nicht umzusetzen ist. Kreativität, eine Grundvoraussetzung von Innovation, arbeitet nicht effizient, sondern wirkt aus einem ineffizient strukturierten Bewusstsein heraus.[9]

Dueck kann aus langjähriger Erfahrung in seiner Führungsposition bei IBM sagen:[10]

  • Ein auf Effizienz hin gedrilltes Betriebsklima gibt innovativem Denken keine Chance. Man veranstaltet zwar Meetings, um das Thema Innovation anzuregen, macht Brainstormings, nutzt Design Thinking, jedoch in einer Art und Weise, effizient, womit man weder die Herausforderungen, die es zu meistern gilt im Auge hat, noch die damit verbundenen Lösungsansätze anzudenken fähig ist.

Selbst in der Forschung muss man effizient werden. Nach Meinung von Prof.Dr. Thomas Speck, Leiter der Plant Biomechanics Group und Direktor des Botanischen Gartens an der Universität Freiburg, ist das kontraproduktiv, sei sogar der Tod jeder Innovation.[11] Die Effizienz ist aber nicht fähig, die mannigfachen, komplex ineinander verschränkten Herausforderungen zu meistern. Im Gegenteil, mit dem Streben nach noch mehr Effizienz produzieren wir ernsthafte, miteinander verflochtene neue Makel:

  • Beispielsweise, indem die Lebensmittel nicht billiger, sondern teurer werden, womit die Welternährung in keiner Weise mehr sichergestellt werden kann, weil die Böden ausgelaugt, die Meere überfischt sind, der Klimawandel landwirtschaftliche Produktionen negativ beeinflusst, die Wasserressourcen sich verändern, … [12]

  • Darüber hinaus gehen durch die Digitalisierung Arbeitsplätze verloren, lt. Schätzung 800 Millionen Jobs. Eine neue Art von Arbeitslosigkeit wird sich gestalten, nicht nur auf den unteren Bildungsebenen, sondern auf allen Ebenen. Die Idee, dass entsprechend viele neue Jobs kreiert werden mag positiv stimmen, aber ist auf keinen Fall mit einem effizienten Denken möglich, denn für neue Jobs braucht es Kreativität und Innovation, die jedoch außerhalb vom effizienten Denken erst zu wirken beginnen.

  • Und das umfassendste Risiko im Effizienzstreben, das jedoch zu oft nur am Rand erwähnt wird, sind die komplexen umfassenden Verschränkungen. Immer mehr autonome Prozesse werden aufgrund des Effizienzstrebens miteinander verbunden, [13] Umweltprobleme auf andere geschoben. Man übersieht, dass aber die Verschränkungen deutlich tiefgreifender sind, und einen deutlich größeren Folgeradius mit sich bringen und Unternehmen treffen könnten, die eigentlich weit weg vom eigentlichen Problemherd sitzen. Doch diese miteinander verwobenen Risiken übersieht man (un)bewusst.

Effizienz = Risiko [14]

Braungart warnt vor der Effizienz-Ideologie schon seit längerem. Er ist felsenfest davon überzeugt, Effizienz ist die falsche Strategie. Er sagt ganz klar, dass er sich als Wissenschaftler nicht mit Effizienz auseinandersetzt. Effizienz ist seiner Meinung nach sogar eine der Ursachen für die globale Zerstörung.[15] Effizienz führt dazu, dass man glauben will, man agiere verantwortungsbewusst. Aber das ist Augenauswischerei, eine Täuschung und Illusion mit ungeahnten Folgen. Speck drückt es noch härter aus:

Wir haben zum ersten Mal in der Evolution die Chance, dass wir Menschen willentlich den Planeten zerstören können. Man kann jetzt sagen, das gehört zur Evolution. Das ist die Evolution der Erde, diese bis zum Exitus auszubeuten und die damit verbundene evolutionäre Herausforderung, wie wir Menschen das überleben werden.[16]

Speck aber hofft, dass dem noch genug Einsicht gegenübersteht, um die Erde und die Menschen nicht der evolutionären Herausforderung des Exitus auszusetzen.[17] Braungart will deshalb keine Zeit in Effizienz stecken, sondern sich viel lieber mit Effektivität und Qualität auseinandersetzen. Effektivität heißt für ihn, von Anfang an die richtigen Dinge zu machen [18], beispielsweise Produkte kreieren, die nicht weniger schädlich sind als vorher, sondern nützlich sind im umfassenden Sinn, u.a. Gebäude errichten, die wie Bäume wirken, die gesunde Lebensräume für Menschen und Tiere bieten. Aktuell zeigt sich nämlich, dass die Luftqualität in Gebäuden 3-8 mal schlechter ist als die Außenluft.[19]

Resilienzbewusstsein ist ein Lösungsansatz

Um vom effizienten Denken zu einem effektiven Denkansatz wechseln zu können, ist es wichtig, zuerst einmal zu definieren, was wir haben bzw. haben wollen und weniger, was beispielsweise in den Produkten drinnen ist. Das klingt eigentlich unglaublich einfach und ist technisch auch machbar. Aber kommt in der Weise nicht zur Anwendung, weil sich nach Braungart niemand um das, was aktuell gemacht wird, richtig kümmert, die weitreichenden, in sich verschränkten Folgen verantwortungsbewusst berücksichtigt.[20] In einer umweltbelasteten, digital hochgradig vernetzt verschränkt agierenden, an Komplexität wachsenden Welt braucht es ein hohes Maß an Resilienz, die auf 3 Ebenen wirken sollte:[21]

  1. Ebene der Technik

  2. Ebene der Organisation in Form von redundanten Organisationsstrukturen

  3. Menschlichen Ebene, indem Menschen in Arbeitsprozessen nicht mehr nur zu optimieren gedrängt, sondern die kreativen Potentiale abseits von Selbstoptimierung und Effizienz zu fördern gesucht werden.

Aber genau diese geforderten Maßnahmen können aus einer effizienten Unternehmensstruktur heraus nicht greifen – im Gegenteil. Die Herausforderungen unserer Zeit, Komplexität, verschränkte Strukturen, Umweltbelastung, …, effizient lösen zu wollen, gleicht einem Himmelfahrtskommando. Aber alle glauben, man ist erfolgreich und weiß, wie man die Zukunft bestmöglich zu gestalten vermag. Das Effizienzstreben ist jedoch nicht fähig, die Komplexität und die umfassenden Verschränkungen adäquat zu lösen. Die Gefahr in ein Himmelfahrtskommando zu schlittern, ist realistischer Weise gegeben. Die Eskalation hat jedoch noch nicht voll zugeschlagen. In einem solchen Stadium zeigt sich meist, dass man …

  • Krisen- bzw. Herausforderungssignale ignoriert oder verharmlost,

  • so tut, als ob man alles im Griff hat,

  • zur Selbstüberschätzung neigt,

  • sich dem Herdentrieb anschließt, um nicht aufzufallen.

Mag sein, dass einige meinen, wir hätten keine Krise und werden auch keine in den nächsten Jahren haben. Die Effizienz in Frage zu stellen, löst bei vielen statt Nachdenken, eine reflexartige Rechtfertigung und sogar eine Lobhudelei für die Effizienz aus. Das ist alles ist zutiefst menschlich. So gesehen macht es keinen Sinn mit Schuldzuweisungen, um sich zu schlagen. Es macht jedoch Sinn, alle MitarbeiterInnen, Führungskräfte, LieferantInnen, KundInnen, PolitikerInnen, … auf die wunden bzw. riskanten Punkte hinzuweisen.

Braungart sieht es ebenfalls kritisch, wenn sich die Menschen im Zuge der Bewusstwerdung ihrer geblendeten Weltansichten selbst zu Schädlingen erklären. Diese Schuldaufladung hilft niemanden – weder den Menschen noch der Umwelt. Es geht nicht um Grün oder Öko, sondern um Qualität, um qualitatives statt quantitativen Wachstumes, um Effektivität statt Effizienz. Dafür ist Innovation gefordert, die jedoch aus dem effizienten Denken heraus nicht umfassend genug, nicht effektiv und resilient greifen kann, wie schon Dueck oder Speck explizit erwähnen. Vielleicht mag an der Stelle ein Blick auf High Reliability Organizations (HROs) helfen, neue, resilientere Denk- und Handlungsmöglichkeiten gedanklich kurz durchzuspielen.

Effektiv und resilient die Komplexität beherrschen

  • HROs, hochzuverlässige Systeme, in denen Verluste nicht in USD oder EUR sondern in Menschenleben gemessen werden, haben die Beziehung zwischen Komplexität der Organisations- und Geschäftsform und den Risiken scheinbar besser verstanden. Ob Luftfahrunternehmen, medizinische Notfallteams, Feuerwehreinheiten oder die Besatzung von Flugzeugträgern, sie konzentrieren sich auf Fehler aller Art und deren möglichen Folgen. Sie stellen sich darauf ein, ständig „überrascht“ zu werden und bereiten sich entsprechend darauf vor. Das heißt in der Praxis:[22]
  • HROs sind besessen von Fehlern. Sie betrachten jeden Lapsus als ein Symptom dafür, dass mit dem System etwas nicht in Ordnung ist, und dass es ernsthaft weitreichendere Konsequenzen haben könnte, falls mehrere kleinere Fehlereinheiten in einem unglückseligen Moment zusammentreffen. Dafür braucht es Fantasie und Offenheit, das Unmögliche gedanklich möglich werden zu lassen, Fehler und Fehlentscheidungen vorweg zu nehmen, das eigene momentane Wissen und die damit verbundene Selbstsicherheit ständig zu hinterfragen.

  • HROs sorgen dafür, umfassendere und komplexere Vorstellungen entstehen zu lassen, statt gezielt zu vereinfachen.

  • HROs ist es ein hohes Anliegen, die MitarbeiterInnen zu verstehen und wie die MitarbeiterInnen miteinander agieren. Manager betrachten weniger, was vor sich geht, als vielmehr was die Menschen bewegt, das zu tun, was und wie sie es tun.

  • HROs pflegen die Vielfalt, nicht nur weil unterschiedliche Perspektiven die Wahrnehmungsfähigkeit in komplexen Situationen erhöhen, sondern auch, weil man die wahrgenommene Komplexität auf diese Weise konstruktiver, couragierter nutzen kann. Die Entscheidungsgewalt liegt bei den MitarbeiterInnen, unabhängig von ihrem Rang.

Effizienz mag einmal wichtig und vermutlich auch bis zu einem gewissen Grad richtig gewesen sein, doch die Zeiten haben sich geändert. Damals gab es andere Herausforderungen zu meistern als heute. Die Effizienzstrategie mag einiges verbessert haben. Aber aktuell wendet sich mit dem Effizienzeifer das Blatt. Statt Mängel zu beseitigen, schafft die Effizienz neue Mängel, neue Herausforderungen, in einer Art und Weise, die man wie es scheint, noch nicht im Auge hat bzw. haben will. Wir sollten in eine neue Art der Beherrschung von Komplexität investieren, und das Effizienzstreben als überholt ansehen. Das heißt mit den Worten von Günther Koch, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Austrian Institute of Technology (AIT), heute Präsident des internationalen Thinktanks Humboldt Cosmos Multiversity:[23]

Es muss erwartet werden, dass man sich in der Bewältigung von Komplexität und zur Kommunikation komplexer Sachverhalte neu positioniert und qualifiziert – andersherum ausgedrückt: VereinfacherInnen und AnbieterInnen von Patentlösungen muss das Handwerk gelegt werden. Vielleicht gelingt es unseren führenden Köpfen, diese Kompetenz endlich zu vermitteln.

Menschen neigen dazu, die Karte fälschlich für das Territorium zu halten. Man konzentriert sich auf die Karte, man gibt der Karte sogar den Vorzug, diese als Realität anzuerkennen. Die geordneten Strukturen werden der ungeordneten Lebensnatur vorgezogen. Wenn dann aufgrund dieser begrenzten Sichtweise ein Fehler, ein Denkirrtum entsteht, dann erkennen wir diesen leider erst im Rückblick. Dabei sehen wir wiederum nur die augenfälligen und sichtbaren Konsequenzen. Die unsichtbaren, nicht ins Auge stechenden Konsequenzen nehmen wir weiterhin nicht wahr.[24]

Die Welt ist eben nicht so linear und rational erfassbar, wie man es zu wünschen hofft, und wie WissenschaftlerInnen so gerne annehmen möchten.[25] Die lineare Welt gibt es nur in den Klassenzimmern und Lehrbüchern. In der Wirklichkeit ist die Linearität eine Ausnahme, Effizienz ein Erfolgstraum, der bis zum gewissen Grad wirksam ist, aber irgendwann gibt es ein Erwachen. Und doch kann man sich von der Sichtweise der Linearität nicht trennen. Menschen wollen das als real ansehen, um das Leben erklär- und besser kontrollierbar machen zu können.

Ein erheblicher Teil der so genannten Management-Literatur besteht aus dubiosen Methoden und Lehren, die in Form leicht konsumierbarer Listen, Regeln und To-Do-Listen verkauft werden. Diese ersetzen Nachdenken und ersparen die mühsame persönliche Auseinandersetzung mit Mensch und Welt – die harte Arbeit mit Komplexität und Risiken, so die kritische Aussage von Wolf Lotter, Journalist und Autor, Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins band eins.[26]

Die Risiken, die weitschichtigen Verschränkungen mit den schwer zu erfassenden Folgen, die Schwarzen Schwäne sind dann das, was man bei all den Vereinfachungen weglässt.[27] Irgendwann, scheinbar aus dem Nichts, taucht jedoch ein Schwarzer Schwan auf. Dann sind wir erstaunt, und meist auch bedenklich unvorbereitet.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[2] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[3] https://www.deutschlandfunk.de/dirk-kurbjuweit-unser-effizientes-leben-die-diktatur-der.730.de.html?dram:article_id=102041. Am 2019-06-12 gelesen.
[4] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[5] https://www.deutschlandfunk.de/dirk-kurbjuweit-unser-effizientes-leben-die-diktatur-der.730.de.html?dram:article_id=102041. Am 2019-06-12 gelesen.
[6] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[7] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[8] Braungart, Michael: Impulsvortrag zu New Business Models 2018. Auf der Suche nach einer neuen Art des Wirtschaftens. 2018-10-18. FH Salzburg. Puch/Urstein.
[9] https://konitzer.wordpress.com/2017/03/14/das-post-effizienz-zeitalter/. Am 2019-06-13 gelesen.
[10] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[11] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[12] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[13] https://stefanfritz.de/warum-unser-effizienzwahn-uns-in-den-untergang-fuehren-wird/. Am 2019-06-13 gelesen.
[14] https://stefanfritz.de/warum-unser-effizienzwahn-uns-in-den-untergang-fuehren-wird/. Am 2019-06-13 gelesen.
[15] Braungart, Michael: Impulsvortrag zu New Business Models 2018. Auf der Suche nach einer neuen Art des Wirtschaftens. 2018-10-18. FH Salzburg. Puch/Urstein.
[16] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[17] https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-ertrag-und-aufwand-wie-menschlich-ist-effizienz.976.de.html?dram:article_id=350223. Am 2019-06-12 gelesen.
[18] Vortrag von Prof. Michael Braungart. https://www.youtube.com/watch?v=RHEgI_TQfTY. Am 2018-11-05 gesehen.
[19] https://www.ife.uni-freiburg.de/wachstumswende/interview-michael-braungart.pdf. Am 2018-11-06 gelesen.
[20] Vortrag von Prof. Michael Braungart. https://www.youtube.com/watch?v=RHEgI_TQfTY. Am 2018-11-05 gesehen.
[21] Kommentar von Günther Wagner an Dr. Winfried Felser vom 2019-06-11.
[22] Weik, Karl E./ Sutcliffe, Kathleen M.: Das Unerwartete managen; Stuttgart 2010, S.VIIff.
[23] https://derstandard.at/2000051808280/Das-ist-alles-sehr-kompliziert. Am 2019-06-13 gelesen.
[24] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.
[25] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.
[26] Lotter, Wolf in brand eins 1/2006.
[27] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.

reduce text