Change-Vorsätze für das Jahr 2019

Change-Vorsätze für das Jahr 2019

Das Jahr 2019 starte ich mit einem Rundumschlag in Sachen Change. Denn es berührt mich fast leiblich, zu wissen, dass ca. 75 Prozent aller Changemaßnahmen scheitern.[1]

Im letzten Jahr habe ich mich u.a. auf meiner New-Work-Safari intensiv mit der Digitalisierung auseinandergesetzt. In meiner Denkpause über den Jahreswechsel 2018/19 habe ich einen Ausflug der besonderen Art gemacht. Mit einer VR-Brille konnte ich mich in Zeit und Raum verlieren, Grenzen überwinden, die real nicht überwindbar sind. Ich hätte nicht gedacht, wie unglaublich echt das auf mich wirkt, und wie berauscht ich davon war. Aber genau das hat mir erneut aufgezeigt, weitreichend Umsicht im Digitalisierungsprozess walten zu lassen.

Digitalisierung braucht ein tiefgreifendes fundiertes Wissen über die Technik. Aber, und genau das wird meiner Meinung nach vollkommen unterschätzt, ein ebenso fundiertes Persönlichkeitsbewusstsein mit einem dementsprechenden Verantwortungsgefühl für die Zukunft.

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Die Changeprozesse im Digitalisierungsprozess scheitern, weil die Digitalisierung nicht nur technisch herausfordert, sondern vor allem individuell persönlich. Ich spreche jetzt nicht von einem behutsamen Umgang mit VR-Brillen, das ist nur ein sehr kleiner Bereich. Sondern ich spreche vielmehr von all dem, wie die mit der Digitalisierung verbundenen Errungenschaften die Menschen neu zu bewegen vermag. Die technischen Raffinessen erlauben es jetzt, und noch vielmehr in der Zukunft, das Leben in ganz neuer Weise zu bewältigen, neue Bedürfnisse freizulegen, sich im Netz in Communities zusammenschließen, und darin eine neue Sinn- und damit auch Arbeitserfüllung zu finden, uvm …

Das wird die Wirtschaft beeinflussen, und die Wirkungskraft von Führungskräften herausfordern. Die Digitalisierung und die damit verbundenen Anpassungen und Veränderungen verlangen von Führungskräften und Unternehmen Change auf höchstem Niveau. Das heißt, die Changeprozesse müssen technisch, organisatorisch, aber im selben Maß auch menschlich auf andere, neue Weise ausgerichtet werden. Das klingt so klar und ist doch, wenn man es als Führungskraft im Jahr 2019 erfolgsversprechend durchbringen will, eine weitaus größere Herausforderung als noch vor 15 Jahren.

  • Nach Prof.Dr. Peter Kruse† agieren die Unternehmen wie Zauberlehrlinge. Es ist leicht, ein vernetztes System zu erzeugen, aber es ist bei weitem nicht so leicht, angemessen mit den Wirkungen dieser Vernetzung umzugehen.[2]

  • Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, spricht offen und fundiert davon, dass 75 Prozent der Unternehmen den Digitalisierungsprozess falsch ansetzen.[3]

  • Prof.Dr. Hartmut Rosa, Soziologe und Politikwissenschaftler, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[4]

  • Steingart schreibt, dass es in den vergangenen zehn Jahren zu einer spürbaren Zunahme von Freak-Events kam – sprich das Verrückte, das Unwahrscheinliche, immer mehr zum Leben erwacht.[5]

Kruse warnt eindringlich vor einem wirtschaftlichen Tsunami, und die Unternehmen seien in keiner Weise nur annähernd angemessen auf einen solchen vorbereitet.[6] Es werden zwar unfassbar viele Changeprozesse aufgesetzt, die vielleicht auf den ersten Blick sogar erfolgsversprechend wirken. Doch längerfristig können viele Changeprozesse den komplexen, sich unentwegt neu bildenden Herausforderungen nicht standhalten – warum: weil die laufenden Veränderungen im System zu kurz greifen, und nur noch ein Change am System den Veränderungen gerecht werden kann.

Change am System statt im System

Dieser Ansatz, Changeprozesse am System statt im System, mag Ihnen nicht neu erscheinen, ein vielleicht sogar schon zielstrebig zur Umsetzung eingeleiteter Prozess sein. Und doch behauptet Prof.Dr. Bruch, dass 75 Prozent der Unternehmen den Digitalisierungsprozess falsch ansetzen und deshalb scheitern. Mag sein, dass der Digitalisierungsprozess bzw. Ihre aufgesetzten Changeprozesse ganz gut performen. Aber das sollte nicht hinwegtäuschen, dass weitere Veränderungen anstehen – die vielleicht weitaus umfassender angegangen werden müssen, da die bisherigen Aktivitäten eher das Gestern als das Morgen abbilden.

Genau an dieser Stelle möchte ich jetzt die Nachricht aus der Raumstation ISS von Alexander Gerst, Geophysiker, Vulkanologe, Astronaut, anführen:[7]

Alexander Gerst spricht, er wünsche sich durch die Augen künftiger Generationen die Zukunft betrachten zu können. Das geht nicht, aber was möglich ist, die Zukunft künftiger Generationen bestmöglich zu unterstützen. Gerst möchte sich entschuldigen, dafür, dass er zu jener Generation zählt, die die Lebensgrundlage für künftige Generationen rücksichtslos und egoistisch zerstört. Aus dem Weltraum sieht er, wie zerbrechlich der Planet Erde, wie klein und beschützenswert die Erde ist.

Vielleicht fragen sich jetzt einige, was die Aussage von Gerst mit den komplexen digitalen Herausforderungen der Unternehmen zu tun hat?! Auf den ersten Blick scheint es am Thema Digitalisierung bzw. erfolgsversprechende Changeprozesse im digitalen Zeitalter vorbeizugehen. Aber mit dem zweiten, dritten und vierten Blick erschließt sich, dass der Digitalisierungsprozess und der Blick über den Tellerrand Hand in Hand laufen. Im Rahmen der Digitalisierung werden insbesondere 3 Paradigmenwechsel,

  • Zentralisierung zu Dezentralisierung

  • Hierarchien zu Netzwerken

  • Entweder/ Oder zu multiplen Optionen

vorangetrieben, die die Wirtschaft, wie ebenso die Politik und Gesellschaft zu Handlungen bewegen, die man noch nicht bewusst zu greifen vermag. Diese Paradigmenwechsel, von der Digitalisierung angetrieben, haben Sprengkraft und sind vergleichbar mit der kambrischen Explosion, die das Weltgeschehen in einer Weise veränderte, die vor und während des Prozesses nicht zu durchschauen gewesen wäre.

Wenn die Wirtschaft diese mit der Digitalisierung verbundenen Paradigmenwechsel als übertrieben sieht, als Schwarzmalerei abtut, wird die Wirtschaft den mit den Paradigmenwechseln verbundenen Veränderungen nachhinken, und damit den Zugang zu Ressourcen und Rohstoffen, den Zugang zu engagierten und innovativen MitarbeiterInnen, den Zugang zu neuen Absatzfeldern, zu neuen KundInnen, … verlieren. Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO von VORSPRUNGatwork, sieht es so:[8]

In komplizierten Zeiten konnte man Strategie von Exekution trennen und einen Plan noch irgendwie unter Anpassungen in die Realität führen. Da machte eine Prozessoptimierung Sinn. Aber in den letzten 15 Jahren ist die Komplexität derart gestiegen – durch die Digitalisierung gibt es einen monumentalen Versatz zwischen der Realität des Marktes und der Wirklichkeit in Unternehmen. Diese versucht weiterhin mit Lösungen erster Ordnung (Prozesslandschaften, Handlungsanweisungen, Standards) Stabilität herzustellen, wo eine reflektierte Instabilität die Lösung wäre: es braucht in Unternehmen ein komplett neues Operating-Modell, dessen Kerneigenschaft permanente Transformationsfähigkeit von innen heraus sein muss – konsequent und fühlbar ausgerichtet am Zweck des Unternehmens und nicht weiter an der quälenden Eigenreferenz. Es geht um das Schaffen eines neuen Paradigmas in Sachen Arbeit, um eine neue Selbstwahrnehmung von Führungskräften, MitarbeiterInnen, um ein neues Selbstverständnis von Unternehmen. Es ist eine völlig andere Sicht auf die Welt.

Es hat den Anschein, dass sich neben technisch ausgerichteten Changeherausforderungen auch eine Führungskrise bzw. eine Führungskulturkrise ausbreitet. Es wird zwar viel von verantwortungsbewusster Wirtschaft geredet, aber das Gegenteil gemacht. Die bestehende Führung, ob in Politik oder Wirtschaft, wird weltweit oft abgelehnt. Eine System Change Aktivistin argumentiert beim R20, Austrian World Summit in Wien: Die Ziele in Wirtschaft und Politik seien unzureichend, und es werden falsche Förderungen durchgeführt.[9] Richard David Precht, Philosoph, meint, wir sollten jetzt endlich so ehrlich sein und zugeben, dass unsere Unternehmenskulturen und entsprechenden Werte veraltet sind, und dass wir mit unseren gegenwärtigen Kompetenzen die 2. Weltrevolution, sprich die Paradigmenwechsel, nicht zu führen im Stande sind.[10] Kruse spricht dabei von dem 3fachen Problem der Führung in digitalen Zeiten:[11]

  1. Komplexitätsfalle: Die Globalisierung und Digitalisierung erschwert in enormer Tragweite die Vorhersagbarkeit von Märkten. Damit wird die Führungslegitimation in Frage gestellt.

  2. Machtverschiebung: Netze übernehmen die Macht. Die Führung im klassischen Sinne verliert immer mehr an Durchsetzungskraft.

  3. Identitätsfrage: Auch hier sind die Netzwerkstrukturen an der Macht. Diese verschaffen neue sinnstiftende Zugehörigkeiten, die weit stärker wirken als die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen.

Meiner Meinung nach sollte ein entsprechendes Risikomanagement, in Verbindung mit einem Systemchange, seriös und weitreichend positiv wirkend aufgebaut werden. Wir brauchen den Ausbruch aus den alten Strukturen, um den Umstieg in ein neues Zeitalter halbwegs unfallfrei zu überstehen. In der Geschichte hat sich vielfach gezeigt, besonders deutlich am Anfang des 20.Jhdt. im Aufkommen der industriellen Revolution, dass rasante Umbrüche ohne kluge und weitsichtige Leader ganze Gesellschaften national und global in ein Chaos stürzten. Deshalb propagiere ich immer wieder aufs Neue, den Digitalisierungsprozess nicht zu unterschätzen,

  • sich der eigenen Begrenztheit im Digitalisierungsprozess bewusst zu werden,

  • die unglaubliche Kraft der Vernetzung, digital, aber eben auch real auf der Ebene der Menschen und Natur, wahrzunehmen,

  • die eigene Angepasstheit an das altbekannte und bisher durchaus auch wirksame Wirtschaftsverständnis aufzugeben, die damit verbundene Komfortlage wahrzunehmen, um die dadurch erdrückte Courage und Kreativität wieder freizusetzen.

Vielleicht fühlen Sie sich von dieser Herangehensweise, Changeprozesse im digitalen Zeitalter zuerst einmal tiefgreifend zu reflektieren, bevor man Strategien und Prozesse aufsetzt, gar nicht angesprochen. Vielleicht geht mein Verständnis von Digitalisierung, und den damit verbundenen Changeprozessen, voll an Ihrem Verständnis und Wissen von Digitalisierung vorbei. Möglicherweise können und wollen Sie sich auch nicht vorstellen, was alles in baldiger Zukunft auf uns zukommen mag. Das ist sehr verständlich, eine Art Selbstschutz. Wie dem auch sei, ich persönlich springe hin und her. Zwischen Ja, ein Systemchange ist notwendig, und Nein, es wird schon nicht so schlimm, versuchen wir einfach etwas nachhaltiger zu werden, dann passt es schon.

Aber, ob ich will oder nicht, ein umfassender Blick auf die globale Situation und die damit verbundenen Herausforderungen zeigen, dass egal wie man das Geschehen auf der Welt dreht, digital, vernetzt, umweltbezogen, wirtschaftlich, gesellschaftlich, … das Weltgeschehen befindet sich in einem Umbruch. Es gibt bereits mehr Tote durch Luftverschmutzung als durch Aids, Tuberkulose und Kriege.[12] Der Klimawandel wird Wachstum kosten, genau das, was die Wirtschaft im alten Verständnis und Wirkungsmodus jedoch braucht, um weiterhin Erfolge generieren zu können.[13] Das alleine ist eigentlich Grund genug, um die bis dato im System initiierten Changeprozesse noch einmal gründlich und umfassend zu überdenken. Der Jahresbeginn mit der doch für viele positiv ausgerichteten Absicht, das neue Jahr bestmöglich anzugehen, ist so gesehen ein guter Zeitpunkt, das zu tun.

Stephen Hawking †, Physiker und Astrophysiker, meint, dass wir in der gefährlichsten Zeit der Menschheitsgeschichte leben, und diesen Zustand uns selbst zuzuschreiben haben. Es sei dabei nicht nur der wissenschaftliche und technologische Fortschritt, der uns schon bald zum Verhängnis werden könnte, sondern es sei vor allem die Dummheit, die der Menschheit schon bald ein Ende setzen könnte. Das Erdklima verändert sich, wenn man dem nicht bald entgegengewirkt. Aber genau dieser Einsicht steht Gier und Dummheit im Weg. Denn dafür müsste man Bequemlichkeiten aufgeben, aber das scheint bereits zu viel verlangt zu sein. Am Beispiel des Kapitalismus lasse sich die Gier besonders gut erkennen, der nicht bloß zu starker Umweltverschmutzung führt, sondern durch immer mehr automatisierte Jobs auch zu einem extremen ökonomischen Ungleichgewicht führen wird. [14]

Ich weiß, das ist alles andere als das, was man im Management als erfolgsversprechende Zukunftsprognose mit entsprechenden Handlungshinweisen sucht. Das mag einige sogar abschrecken, das mag Kritik auslösen. Das mag vielleicht sogar genau das Gegenteil bewirken – das bewusste Negieren anstehender, weitreichender Veränderungen. Und gleichzeitig ist es genau das, was es braucht – ein Rütteln.

  • Welche Führungskraft wagt es, aus dem bisher wirksamen Konzept von Wirtschaft und Management auszubrechen, am System Veränderungen durchzuführen, statt im System zu bleiben, GrenzgängerIn, PionierIn und VisionärIn zu sein bzw. sich dahingehend zu entwickeln?

  • Was könnte sich durch einen solchen couragierten Schritt ändern? Was würden Sie konkret unter Umständen durch einen Systemchange verlieren bzw. was müssten Sie loslassen, und was könnten Sie gewinnen?

Nach Kugelmaier gibt es zwei große Parameter, die Veränderungen vorantreiben:[15]

  • Visionen oder

  • Dringlichkeit

In den meisten Fällen, gerade in großen Unternehmen, ist es Dringlichkeit und selten Visionen.[16] Doch Veränderungen aufgrund Dringlichkeiten sind selten Veränderungen am System, sondern meist nur Veränderungen im System. Insbesondere im Digitalisierungsprozess sind dringliche Veränderungen der Anstoß, aber gerade damit verfehlen diese die notwendige weitreichende und langfristiger angesetzte Veränderung. Es erfordert Anstrengung, die gewohnten, beharrlichen Sichtweisen über das was man als Real annimmt, beiseitezuschieben. Deshalb ist meiner Meinung nach der erste große Schritt in einem Systemchange, die wirklich ehrliche Reflexion. Erst dann greifen und wirken weitere Maßnahmen.

Versuchen Sie einmal ehrlich hinzusehen: wer will nicht in 5 Minuten eine Änderung erzielen, ohne aber nass zu werden?

Niklas Baumann, stellt in seinem Poetry SlamSeid mutig vor zahlreichen VorstandskollegInnen, GeschäftsführerInnen und DirektorInnen aus der Otto Group die These in den Raum, dass in Zukunft der/die KundIn über den Mut eines Unternehmens urteilt, und davon abhängig macht, ob er/sie bleibt bzw. sich auch als neuer Kunde sehen mag. Mut sei die Bereitschaft, sich trotz Risiken, Unsicherheit und Angst für ein moralisch hochstehendes oder lohnenswertes Ziel einzusetzen.[17]

Aber diesem positiv motivierten Ansatz steht eine, oft gar nicht wahrnehmbare, Hürde im Weg: Angst, insbesondere die unbewussten Ängste, die den couragierten Blick vernebeln und tiefgreifend anstehende Veränderungen in subtiler Weise blockieren. Über die Ängste der Mächtigen wird jedoch in Managementkreisen kaum bzw. nur sehr ungern gesprochen. Verdrängte Ängste führen jedoch zu unkontrolliertem Aktionismus, zu Aggression und Arroganz.[18] So kommt es, dass beispielsweise unter dem Deckmantel „Komplexität meistern“ eigentlich die Bewältigung von Ängsten angegangen werden möchte.[19]

Doch das erfordert wieder eine ehrliche Reflexion. Und erst dann, während der Erkenntnisphase, was einem selbst in der Arbeit, im Leben tatsächlich bewegt und berührt, sollten die weiteren Schritte und Maßnahmen in Changeprozessen angedacht und zur Umsetzung angeführt werden. So gesehen ist mein Appell für das Jahr 2019, erst einmal gründlich zu reflektieren, sich betroffen zu fühlen, bevor man die nächsten Changeprozesse aufsetzt.

Innovation ist nicht die Vergrößerung des Angebotes mit neuen Mitteln, sondern die Schaffung von Lebensqualität mit weniger Ressourcen.[20]

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[2] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[3] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[4] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[5] https://blog-wagner-consulting.eu/die-macht-vom-restrisiko/.
[6] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[7] https://www.youtube.com/watch?v=4UfpkRFPIJk.
[8] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[9] https://www.youtube.com/watch?v=d-rWYlHzD0Q.
[10] Precht, Richard David: Vortrag 2016. https://www.youtube.com/watch?v=7PgQ4YxbKWk&t=249s.
[11] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be.
[12] https://diepresse.com/home/ausland/Energiewende_Schwarzenegger-beim-AustrianWorld-Summit-optimistisch. Am 2018-05-22 gelesen.
[13] http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/ifw-prognose-klimawandel-kostetwachstum/2767186.html. Am 2018-05-22 gelesen.
[14] https://www.huffingtonpost.de/2016/06/30/stephen-hawking-mensch-zerstoeren_n_10749052.html. Am 2018-05-29 gelesen.
[15] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[16] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[17] https://www.spektrum.de/magazin/was-menschen-mutig-macht-und-warum-das-wichtig-ist/1576108. Am 2018-09-18 gelesen.
[18] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_angst_des_chefs/. Am 2017-08-07 gelesen.
[19] https://blog-wagner-consulting.eu/machtspiele/
[20] Schmidt-Bleek, Friedrich: Nutzen wir die Erde richtig? Die Leistungen der Natur und die Arbeit des Menschen. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main: 2007.

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Die Herausforderungen von morgen heute im Blick haben

Die Herausforderungen von morgen heute im Blick haben

Wenn es darum geht, die von so vielen im Business geforderte Kreativität zu fördern, um im Digitalisierungsprozess nicht das Nachsehen zu haben, dann braucht es Menschenkenntnis, Zeiten der Stille, Leerläufe.[1]

Und genau deshalb werde ich mir selbst eine Denkpause von 3 Wochen auferlegen.

Wenn Sie meinen, ich rede von meinem Urlaub, dann stimmt das nur zu einem gewissen Grad. Die von mir für mich als notwendig erachtete Denkpause bedeutet nicht Urlaub im herkömmlichen Sinn, sondern viel mehr eine Unterbrechung der gewohnten Denk- und Handlungsweisen. Oft ist die berufliche Denkweise jene, die auch die anderen Lebensbereiche infiltriert – umso wichtiger sind entsprechende Denkpausen. Es fällt meist nicht auf, dass man einen großen Teil der Zeit, beruflich wie auch privat, mit beruflich geprägten Denkweisen verbringt.

Deshalb muss ich mir selbst auch Denkpausen setzen, um mich aus unbewussten gewohnten Denkmustern bewusst wieder herauszulösen. Gewohnte Denkprozesse machen eigentlich Sinn, denn gewohnte Denkprozesse sparen Energie, gehen leicht von der Hand. Gewohnte Denkmuster erleichtern scheinbar auch das Lösen von Problemen. Aber genau damit steht man sich gleichzeitig auch im Weg – insbesondere dann, wenn man Veränderungen bewirken möchte.

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Die Herausforderungen unserer Zeit brauchen neue Lösungsansätze – sprich eine Denkpause

Die Digitalisierung, und die mit ihr verbundenen neuen Arbeitsweisen benötigen nach meiner Meinung und bisherigen Erfahrung Denkpausen. Denn die mit ihr verbundenen Herausforderungen können nicht mehr auf derselben Ebene gelöst und bearbeitet werden, auf der die mit ihr verknüpften Veränderungen wirken. Insbesondere für die mit der Digitalisierung verbundenen heißen Themen, wie vernetztes Arbeiten, systemüberschreitende Lösungsansätze, ein an Einfluss verlierendes Management, falsch gesetzte Ziele, das Unterschätzen der mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen, erscheinen mir Denkpausen, Unterbrechungen fixierter Vorstellungen, als notwendig.

Innovation ist nicht die Vergrößerung des Angebotes mit neuen Mitteln, sondern die Schaffung von Lebensqualität mit weniger Ressourcen.[2]

Man meint, man sei bestens aus- und weitergebildet, vorbereitet, um die Herausforderungen erfolgsversprechend zu meistern. Man meint, man beherrsche die Herausforderungen. Das stimmt schon – aber nur aus der Perspektive der gewohnten Denkbilder heraus. Auch ich lasse mich von den täglichen Verführungen altbekannter Vorstellungen über die Welt lenken. Das läuft unbewusst ab. Nach außen meint man, man ist offen für Neues, man arbeitet agil, vernetzt, man entscheidet demokratisch, agiert frei auf Augenhöhe, uvm …

Aber in Wahrheit nutzt man weiterhin die altbekannten Denk- und Handlungsvariationen, die jedoch den systemüberschreitenden Lösungen diametral entgegenwirken. Das passiert äußerst subtil, und fällt somit kaum jemanden auf. Mir geht es an diesem Punkt nicht anders. Auch ich muss mir immer wieder meiner gewohnten Denkmuster und den damit verbundenen fixierten Vorstellungen bewusst werden. Doch das gewohnte Denken findet Grenzüberschreitungen als nicht notwendig. Und genau an diesem Punkt möchte ich jetzt eine Unterbrechung machen, und Ihnen eine kleine Geschichte erzählen:

Ein Spaziergänger geht durch einen Wald und trifft dort auf eine Gruppe Waldarbeiter, die Bäume fällen und für den Transport zurechtstutzen. Dem Spaziergänger fällt auf, dass diese Arbeiter schweißgebadet sind, ächzen und stöhnen. Weil der Spaziergänger bisher noch nie so geplagte Waldarbeiter gesehen hatte, geht er näher hin und beobachtet das Geschehen genauer. Er stellt fest, dass die Werkzeuge der Arbeiter nicht zu gebrauchen waren: Die Äxte sind nicht scharf genug, die Keile nicht spitz und die Sägen stumpf. Der Spaziergänger geht zum Vorarbeiter und spricht ihn darauf an, ob er denn nicht sehe, wie sehr die Arbeiter leiden, weil das Werkzeug nicht mehr zu gebrauchen ist. Er fragt den Vorarbeiter, ob er denn nicht wisse, dass Sägen, Keile und Äxte einer dringenden Bearbeitung bedurften, damit sie wieder besser zum Einsatz kommen können. Der Vorarbeiter nickt und antwortet: Ja, das ist mir schon klar. Aber dafür haben wir keine Zeit.[3]

Diese Geschichte macht im Verständnis von Hubert Klingenberger, Erziehungswissenschaftler, Dozent und Trainer, auf zwei Aspekte aufmerksam:[4]

  1. In Zeiten beständiger Belastung und geforderter Flexibilität bedarf es immer wieder bewusster Auszeiten, um am Ball bleiben zu können. Das mag sicherlich jedem einleuchten – auch wenn man sich vielleicht zu selten diese Auszeiten, Denkpausen nimmt.

  2. Der zweite Aspekt scheint auf den ersten Blick auch selbstverständlich zu sein. Jede/r wird zustimmen, dass es Zeiten braucht, in denen das berufliche Werkzeug gepflegt werden muss. Aber jetzt kommt der entscheidende Punkt im zweiten Aspekt. Neben dem beruflichen Werkzeug wäre es zusätzlich sinnvoll das alltägliche Werkzeug zu pflegen, zu verbessern und wenn nötig zu verändern. Zum alltäglichen Werkzeug zählt u.a. Kommunikation, Entscheidungsverhalten, Leistungsstreben, Umgang mit Fehlern – eigenen wie auch fremden Fehlern, Durchsetzungsvermögen, Empathie bzw. Mitgefühl, uvm … Dieses Werkzeug wird jedoch meist als ohnehin immer gut einsatzfähig gesehen. An der Stelle meint man, man muss nichts investieren. Um herauszufinden, ob dieses alltägliche Werkzeug gut gepflegt ist, braucht es Denkpausen.

Mag sein, dass ich für manche von Ihnen mit meinem Verständnis von Denkpausen bzw. den damit verbundenen Entwicklungsschritten zu weit gehe. Von einem bestimmten Standpunkt aus betrachtet stimmt das. Doch wenn man einen Schritt vorausgeht, die Digitalisierung weitreichender betrachtet, dann zeigt sich, dass gerade die alltäglichen Werkzeuge Ihre Zukunft als Führungskraft entscheiden werden. So gesehen passt das kürzlich wieder auf LinkedIn aufgepoppte Statement:

5-Hour Rule: If you’re not spending 5 hours per week learning, you’re being irresponsible.[5]

Denkpause als notwendige Weiterbildungsmaßnahme

Genau das, Weiterbildung, aber eben nicht bloß im fachengen Bereich, verstehe ich als Denkpause. Doch gerade was die fachfernen Weiterbildungen im Management betrifft, sehe ich vielmehr eine Bildungsallergie als eine geschätzte Ressource – ohne das verurteilen zu wollen. Im Gegenteil, ich verstehe die Reserviertheit in Bezug auf fachferne Bildung im wirtschaftlichen Kontext. Die Wirkungsweisen fachferner Workshops, beispielsweise von Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation, Motivation, Kreativität, … sind oft nicht eindeutig skalierbar, die Wirkungsweisen nicht wirklich fassbar. Das stimmt sogar. So gesehen kann man keinem Management verübeln, sich auf einfache, schnelle, prozessorientierte Lösungsstrategien zu konzentrieren, anstelle unkontrollierbare Prozesse aufzusetzen.

Die meisten verweigern nicht die neuen Gedanken, sondern die mit den neuen Gedanken verbundenen Folgen – genau das verhindert neue Einsichten, genau das braucht viel Verständnis, Menschenkenntnis und Reflexion.

Mit unkontrolliert auftretenden Folgen von Weiterbildungen tun sich einige im Management schwer – verständlicherweise. An dem Punkt haben Sie vermutlich das Gefühl, dass Sie als Führungskraft nicht alles im Griff haben. An der Stelle braucht es Mut, die Kontrolle über die Prozesse zu lösen. Die Wirtschaftsjournalistin Betty Zucker spricht sogar von der Notwendigkeit einer Treibsandtauglichkeit der Menschen. Man könnte das auch mit Resilienz vergleichen [6] – der menschlichen Fähigkeit, kreativ, intuitiv, systemüberschreitend die Herausforderungen gesund zu managen.

Aus diesem Verständnis heraus möchte ich für mich die Weihnachtszeit nutzen, um eine Denkpause zu machen – eine Unterbrechung der wirtschaftsgeprägten Denkweise. Jetzt mögen viele zu Recht anmerken, dass Sie das ohnehin tun. Sie versuchen arbeitsfreie Tage immer als Denkpause zu nutzen. Auch ich meine das. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, belüge ich mich dabei selbst. Und so frage ich Sie:

  • Wie oft sprechen Sie beim familiären Beisammensein, auch zu Feiertagen und an Sonntagen, von beruflichen Themen?

  • Wie oft fällt im Gespräch mit Ihren Kindern an schulfreien Tagen, im Urlaub, das Wort Schule bzw. Universität, berufliche Ambitionen?

  • Welche Themen kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie all die mit dem Beruf und mit den schulischen, universitären, zukunftsausgerichteten Berufsambitionen von Ihnen selbst, von Ihren Kindern und Ihrer PartnerIn aus der Liste möglicher Gesprächsthemen streichen?

Damit ich selbst auch nicht Gefahr laufe, mich in meiner außerberuflichen Zeit mit beruflichen Dingen auseinanderzusetzen, nehme ich Hilfen zur Hand: Beispielsweise das Spielen mit meiner 5jährigen Tochter. Ich muss zugeben, dass mir das, öfter als es mir lieb ist, nicht leicht fällt. Ich muss mich überwinden, mich u.a. in die Feenwelt meiner Tochter einzulassen, beispielsweise eine Wasserfee zu sein, oder als Katze im Haus herumzulaufen, oder einfach auch nur sinnlos irgendwas zu spielen, uvm … Was ich dabei erlebe, wenn ich mich wirklich auf die Welt meiner Tochter einlasse, dass könnte man mit den Kopf leer machen umschreiben. Dabei mag man in eine seltsame Müdigkeit fallen, in eine scheinbar vorhandene Langeweile – aber genau da wird es dann spannend.

Genau an dem Punkt setzt die mit der Denkpause verbundenen Bildung an. An dem Punkt passiert etwas. Man erlebt hautnah einen Perspektivenwechsel, bekommt neue Einsichten, ein besseres Verständnis für andere aber auch für sich selbst. In vielleicht ähnlicher Weise scheint es der ehemalige US-Präsident Obama zu verstehen:

“At a time when events move so quickly and so much information is transmitted,” he said, reading gave him the ability to occasionally “slow down and get perspective” and “the ability to get in somebody else’s shoes.”[7]

Der Philosoph Peter Bieri spricht sogar von der Notwendigkeit der mit Denkpausen verbundenen Einsichten, um ein Bollwerk gegen die Grausamkeiten der Welt aufbauen zu können. Und genau darauf bezieht sich auch die Rede von Greta Thunberg beim Weltklimagipfel, die vielleicht in den Augen mancher EntscheidungsträgerInnen als Marketing-Masche gesehen wird, als herzrührende Story, um die Wirtschaft und die Politik und deren Leistungsstreben schlecht zu reden. Mag sein, dass das auch ein Aspekt ist. Aber gerade bei meiner New Work Safari, die ich im Herbst 2018 startete, war vermehrt wahrzunehmen, dass man als Führungskraft sehr wohl erkennt, dass es an Weitblick fehlt, an der Notwendigkeit, sich als Führungskraft kritischer, fachübergreifend reflektierter mit den anstehenden Veränderungen, Folgen und Auswirkungen auseinanderzusetzen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[8]

Doch genau dieser Schritt hin zu mehr Reflexion, tut weh. Das motiviert nicht, lässt oft sogar eine abwehrende Haltung aufkommen. Reflexion lässt einen seltsam ermatten, eine unangenehme Schwere spüren. Das mag natürlich niemand. Mit solchen oder ähnlichen Gefühlen will man sich als Führungskraft nicht auseinandersetzen – äußerst verständlich. Eine Führungskraft will entscheidungsstark und selbstsicher wirken. Die mit tiefgreifenderen Überlegungen verbundenen Gefühlen stehen dem hinderlich im Weg. Aber diese mit Einsichten verbundenen Widerstände und unangenehmen Begleiterscheinungen sind nur eine Phase von einem wirklich spannenden Prozess.

Denkpausen ermöglichen erst einen anstehenden Change

Im Grunde genommen ist dieser Prozess innerhalb der Denkpause wie jeder Veränderungsprozess zu verstehen, der aus 3 wirksamen Phasen besteht: 1. Ablösung vom Alten, Gewohnheiten anerkennen; 2. im Niemandsland verweilen, hin und her pendeln zwischen alt und neu; 3. das Alte auflösen, in gewisser Weise neu starten. Wenn man bewusst den sich verändernden Denkprozess in einer Denkpause wahrnimmt, wird man merken, wie viel Kraft eine Denkpause zu reaktivieren vermag. Eine Denkpause bringt eine Kreativität und Lösungsverbesserung zu Tage, die man sich davor kaum so vorzustellen vermag.

Um solche Denkpausen, Unterbrechungen der gewohnten Denkweisen, zur ehrlichen Wirkung kommen lassen zu können, ist es manchmal hilfreich, sich physisch an andere Orte zu begeben. Diese Art der Unterbrechungen vom Alltag, sind jedoch keine moderne Erfindung. In unserem Kulturraum galten beispielsweise Klöster als eine Möglichkeit, sich vom alltäglichen Wirken für eine bestimmte Zeit auszuklinken. Nach Meister Eckhart, ein großer mittelalterlicher Mystiker, kann man aber an jedem Ort der Welt, selbst im Büro, Zugang zur Denkpause finden – sofern man bereit dazu ist, sich von gewohnten Konzepten über sich oder die Welt, zu lösen.[9] Mein Leadership-Dojo ist beispielsweise auch ein Ort, wo man bewusst im geschützten, diskreten Rahmen eine Denkpause eingehen kann.

Als eine von mir beliebte Methode Denkpausen zu kultivieren, verstehe ich Mindfulness. Vorhin ist mir eine interessante Übung in Form einer Karte in die Hände gefallen, die an diesem Punkt der Auseinandersetzung mit Denkpausen meiner Meinung nach ganz gut passt. In dieser Übung geht es folglich, die eigenen Überzeugungen in Frage zu stellen:[10]

  • Es geht darum, eine Überzeugung zu wählen, und in den nächsten Minuten das genaue Gegenteil dazu zu denken.

  • Versuchen Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht?

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als Ihre neue Überzeugung anzunehmen, spannend. Wie fühlen Sie sich mit der neuen Überzeugung?

  • In dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen.

Denkpausen ermöglichen den Blick in die Zukunft

Wenn wir über die Zukunft, oder wie vorhin in der Übung über eine veränderte Sicht, nachdenken, kann die von uns als Wirklichkeit angesehene Welt im Weg stehen.

Die unvollständigen und oft auch unzureichenden Vorstellungen des Realen und die Beharrlichkeit auf der als Realität angenommenen Weltanschauung beeinträchtigen unsere Vorstellung von dem, was auf der Welt vernetzt tiefgründig wirkt. Dadurch sind auch unsere Zukunftsvisionen beeinträchtigt und unterscheiden sich meist nicht sehr von dem, was man im Augenblick für wahr hält.[11]

Es erfordert Anstrengung, die gewohnten, beharrlichen Sichtweisen über das was man als Real annimmt, beiseitezuschieben. Und genau dabei helfen Denkpausen, die Unterbrechung von den gewohnten Denkweisen mit den fixierten Annahmen über das, was Realität scheint.

Abschließen möchte ich diesen letzten Artikel in diesem Jahr mit einer Zeitkapsel:[12]

  • Überlegen Sie sich, was Sie künftigen Generationen hinterlassen wollen?

  • Welche Sachen aus dieser Welt, wie beispielsweise Fotos, Arbeitsgeräte, Filme, Bücher, Musik, Bilder, technische Errungenschaften, Fortbewegungsmittel, Nahrungsmittel, … möchten Sie in die Zeitkapsel packen? Stellen Sie eine Liste von Dingen zusammen, die Ihnen gerade in den Sinn kommen?

  • Dann gehen Sie die Sachen durch, die Sie in die Zeitkapsel packen wollen, und überlegen sich, was die Gegenstände über die heutigen WeltbewohnerInnen, wie auch über Sie selbst aussagen?

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche Ihnen entspannte Feiertage und anregende Gedanken für das neue Jahr.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/pulse/langeweile-ein-neuer-erfolgsversprechender-günther-wagner/.
[2] Schmidt-Bleek, Friedrich: Nutzen wir die Erde richtig? Die Leistungen der Natur und die Arbeit des Menschen. Fischer Taschenbuch Verlag. Frankfurt am Main: 2007.
[3] Klingenberger, Hubert: Schwimmen für Fortgeschrittene. Persönlichkeitsbildung in unruhigen Zeiten. In: Virgil-Magazin. Unterbrechungen. Ausgabe 1/2019.
[4] Klingenberger, Hubert: Schwimmen für Fortgeschrittene. Persönlichkeitsbildung in unruhigen Zeiten. In: Virgil-Magazin. Unterbrechungen. Ausgabe 1/2019.
[5] https://medium.com/accelerated-intelligence/the-5-hour-rule-if-youre-not-spending-5-hours-per-week-learning-you-re-being-irresponsible-791c3f18f5e6. Am 2018-12-18 gelesen.
[6] Klingenberger, Hubert: Schwimmen für Fortgeschrittene. Persönlichkeitsbildung in unruhigen Zeiten. In: Virgil-Magazin. Unterbrechungen. Ausgabe 1/2019.
[7] https://medium.com/accelerated-intelligence/the-5-hour-rule-if-youre-not-spending-5-hours-per-week-learning-you-re-being-irresponsible-791c3f18f5e6. Am 2018-12-18 gelesen.
[8] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[9] Cerning, Katharina: Orte der Unterbrechung. In: Virgil-Magazin. Unterbrechungen. Ausgabe 1/2019.
[10] Mindful. Balanced. Happy. – ProjectBemore.
[11] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.
[12] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.

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Die Schlüsselressource im Digitalisierungsprozess – Kreativität

Nach Prof.Dr. Peter Kruse gibt es nichts Spannenderes, als die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen. Aber das Ausmaß der Digitalisierung wird unterschätzt, was ich in den letzten Wochen in zahlreichen Artikeln zu veranschaulichen versuchte. Dabei geht es mir in keiner Weise darum, dass ich Ihre Anpassungsbestrebungen im Digitalisierungsprozess schlecht oder falsch finde.

Es geht mir viel mehr um eine Bewusstseinsschärfung – dahingehend, dass die mit der Digitalisierung verbundenen Veränderungen eine kaum zu durchblickende Dimension aufweisen, und deshalb Lösungen und Anpassungsprozesse ständig hinterherhinken. Abgesehen davon stehen viele Führungskräfte derart unter Druck, werden von Effizienzgedanken getrieben, so dass man sich von schnellen, einfachen Lösungen, die leicht skalierbar sein sollen, gerne verführen lässt. Doch genau dies kann bei der Digitalisierung zu fehlerhaften Prozessen führen, die den Effizienzbestrebungen diametral entgegenwirken.

Kruse dämmerte, dass die mit der Digitalisierung verbundenen hochkomplexen Herausforderungen nicht auf der gleichen Ebene gelöst werden können, auf der die Probleme auftauchen – sprich auf fachspezifischer Ebene. [1] Die wirtschaftliche Revolution ist nicht mit Funktionsoptimierung zu bewerkstelligen, sondern braucht einen Prozessmusterwechsel. Es braucht den ernsthaften Willen, endlich wirklich etwas Neues zu machen, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[2]

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Und genau daran scheitern die meisten, was u.a. auch Prof.Dr. Heike Bruch, Leadership-Professorin an der UNI St. Gallen, zu bestätigen weiß. Ebenso Jack Ma mit seinem dringlichen Aufruf, die Digitalisierung anders anzugehen. Die Digitalisierung ist nach Ma nur mit freiem Denken, mit über die Fachkompetenzen hinausgehenden Skills, wie Musik, Malen, … zu lösen.[3] Auch ich versuche einen Weg zu finden, der unabhängig von den vielen angeblich wirksamen, schnell und einfach einsetzbaren Tools zur erfolgsversprechenden Bewältigung der Digitalisierung, zu greifen vermag. Und dieser Weg führt mich in das Feld der Kreativität.

In meinem vorletzten Artikel In Netzwerken überleben – aber wie? habe ich den Lösungsansatz Kreativität bereits erwähnt. Bald nach Veröffentlichung bekam ich dankenswerter Weise auf LinkedIn die Rückmeldung: „…wertvoller Artikel, aber es fehlt, wie man die Kreativität erlangen kann“. Mir war sehr bewusst, dass ich Ihnen eine Lösungskomponente ohne tiefgreifende Hintergründe angeführt habe. Und deshalb möchte ich Ihnen heute mein Verständnis von Kreativität, und meine Idee der Wirksamkeit und auch Umsetzbarkeit der Kreativität für Führungskräfte näher erläutern. So beginne ich mit 2 Fragen – Fragen sind eigentlich schon ein erster Schritt hin zur Anregung der Kreativität:

  • Woran kann man Kreativität eigentlich festmachen?

  • Wie kann man die kreative Kompetenz reaktivieren bzw. weiterentwickeln?

101 Wege, neue Ideen zu entwickeln

Einige mögen berechtigterweise anmerken, dass in Sachen „Förderung der Kreativität“ von Seiten des Managements ohnehin schon viel gemacht wird, beispielsweise mit Design Thinking, Brainwriting, Brainstorming, ….. Doch hier hängt der Prozess meiner Beobachtung nach in ähnlicher Weise wie bei der Digitalisierung. Es wird viel von Kreativität gesprochen, man will schnelle, leichte Lösungen haben – verständlicherweise. Aber das führt zur Oberflächlichkeit. Und somit wird die Kreativität, wie eben auch die Digitalisierung, unzureichend angegangen.

Man verfängt sich in der Vorstellung: man plane einen 1-Tages-Kreativitäts-Workshop, oder macht einige Anpassungen im Arbeitsprozess bzw. Veränderungen in den Räumlichkeiten, und schon beginnt die Kreativität zu laufen. Das wäre schön. Und bei manchen gibt es nach einem netten Design-Thinking-Tag oder neu gestrichenen farbigen Wände auch aufgefrischte Gedanken und einzelne neue Ideen, was die Verantwortlichen von der Wirksamkeit der Methoden bestätigt. Aber ist das wirklich die Kreativität, die es nach Ma, Kruse, u.a. schafft, die mit der Digitalisierung verbundenen, kaum zu erfassenden Veränderungen, erfolgsversprechend zu meistern?

An dem Punkt möchte ich erneut anmerken, dass ich all die Bemühungen des Managements nicht schlecht reden will. Im Gegenteil, ich sehe was von den Führungskräften alles versucht wird, um die Kreativität zu fördern.

Doch der Prozess hängt, weil wir meiner persönlichen Erfahrung und Selbstbeobachtung nach gar nicht mehr wirklich wissen, was Kreativsein beinhaltet. Ich weiß, das ist eine harte Aussage von mir. Das erlaube ich mir jedoch zu sagen, weil ich mir selbst in Bezug auf meine Kreativität oft ins Hemd lüge. Ich meine, ich sei kreativ, aber das muss ich wiederholt revidieren. Ich möchte gerne kreativ sein, aber ich hänge wie viele andere auch in einem Wunschtraum, einer Illusion von Kreativität.

An dem Punkt der Einsicht – unabhängig davon, ob richtig oder falsch – wird es spannend. Denn genau an dem Punkt springt meiner Erfahrung nach der Prozess der Kreativität an. Das ist auch der Grund, warum ich Ihnen nicht gleich Kreativitäts-Aktivierungs-Tools anbiete, sondern zuerst einmal Ihr Bewusstsein für Kreativität im Allgemeinen etwas schärfen möchte. Das ist meiner Erfahrung nach der erste Schritt zur Förderung der Kreativität, auf dem in Folge dann aufbauend Tools gesetzt werden können.

Was ist Kreativität?

Der Begriff Kreativität wird heute äußerst inflationär verwendet. Selbst die Lexika sind sich nicht einig, was Kreativität eigentlich wirklich ist.[4] Ein bisschen einfacher wird es vielleicht, wenn man sich nicht mit der Kreativität als solcher befasst, sondern stattdessen das Wirken von kreativen Persönlichkeiten und deren kreative Denkprozesse eingehender studiert – was u.a. Guilford (1897-1988) getan hat.

Seinem eingehenden Studium nach, zeichnen sich kreative Persönlichkeiten durch eine erhöhte Sensitivität gegenüber Problemen aus. Deren Denken ist sehr flüssig, was bedeutet, dass sie beispielsweise in der Lage sind, innerhalb kürzester Zeit äußerst viele Verwendungsmöglichkeiten, beispielsweise für einen Ziegelstein, zu finden.[5] – ich würde sagen, äußerst weitreichend, über das Fachwissen hinaus, assoziativ denkend agieren.

Zusammengefasst kann man sagen, dass kreative Menschen die Fähigkeit zum so genannten divergenten, entgegengesetzten, auseinanderstrebenden, abweichenden Denken in größerem Umfang besitzen als weniger kreative Menschen. Dabei ist die Phase der Präparation, bei dem man umfassend Wissen sammelt und sich intensiv mit dem Problem auseinandersetzt, grundvoraussetzend.[6]

Ähnlich ausgerichtet wird der Kreativitätsprozess bei Wikipedia formuliert. Aus Sicht der modernen Neurobiologie kann man Kreativität als „Neuformation von Informationen“ definieren. Kreativität ist die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren. Das gelingt neurobiologisch jedoch nur, wenn man entsprechend viele Informationen neuronal in sich abgespeichert hat, weil der kreative Funke sich nur aus dem Wissen heraus entzünden kann, welches man schon hat.[7]

Ableitend würde ich jetzt meinen, dass jene Menschen besonders kreativ sind, die auf unterschiedlichsten Fachgebieten Wissen besitzen. So gesehen sind SpezialistInnen eingeschränkter im kreativen Wirkungsradius als GeneralistInnen – ohne das jedoch bewerten zu wollen.

Interessanterweise findet man in letzter Zeit vermehrt Meldungen, dass das Spezialistentum an Grenzen stößt, dass GeneralistInnen mehr Erfolge verzeichnen können [8] – man spricht von Neo-GeneralistInnen [9]. Die leider bereits verstorbene Vera F. Birkenbihl, eine meiner Meinung nach unfassbar breitgebildete sensitive Managementtrainerin, befasste sich auch intensiv mit der Kreativität. Sie sprach davon, wie wichtig umfassendes, über das Fachwissen hinausgehendes assoziatives Denken ist, um kreative Ideen gebären zu können. An dem Punkt stellt sich die Frage:

  • Wie stark konzentrieren Sie sich als Führungskraft auf Ihr Fachwissen? Wenn Sie merken, Sie brauchen vielleicht etwas Unterstützung, holen Sie sich diese vorwiegend von FachexpertInnen Ihrer Zunft, oder wagen Sie bei Problemlösungen auch einen Blick über den fachspezifischen Tellerrand?

Wie dem auch sei. Eines mag man dabei vielleicht schon erkennen.

Kreativität steigt, wenn man sich nicht nur im fachgebundenen Feld bewegt, sondern fachübergreifend in anderen Lebenswelten offen und betroffen unterwegs ist.

Es genügt dafür jedoch nicht, sich einfach nur einen Nachmittag lang unter Skateboard-FahrerInnen zu mischen, oder einen Tag lang als Rote-Nasen-Clown im Spital unterwegs zu sein. Das andersgelagerte Wissen kann erst dann richtig greifen, wenn man wiederholte Male sich in einem fremden Feld bewegt hat. Sport mag für einige zu einem solchen fremden bzw. wirtschaftsfernen Feld zählen. Doch wenn der Sport im Sinne von Leistung, Leistungsoptimierung und Wettkampf betrieben wird, zählt das nicht zum wirtschaftsfernen Feld. Dann wird dem Sport die Handlungsweise der Wirtschaft übergestülpt, und Sport wird dann ein Teil des wirtschaftlich geprägten Lebensstils.

Ich weiß, diese Ansicht mag einigen unangenehm aufstoßen. Vielleicht war das auch schon ein (unbewusster) Grund dafür, warum sich früher manche Könige Hofnarren hielten. Diese Hofnarren konnten frei aus einer anderen Position heraus das Geschehen beurteilen, die Sachlage aus anderen Perspektiven, mit einem anderem Hintergrundwissen, mit anderer Berührtheit betrachten. Der König musste sich nicht selbst in die anderen Lebenswelt hinein bewegen, sondern ließ es durch den Narren für sich geschehen.

Kreativ sein bedeutet, Ideen zu haben, aber eben auch, die richtige Einstellung mitzubringen. Der wichtigste Bestandteil dafür ist Aufgeschlossenheit. Kreative Menschen wagen den Sprung ins Unbekannte, statt in ihren eigenen Komfortzonen zu verharren.[10]

Kehren wir an dieser Stelle wieder zurück zu Ihnen persönlich, zu Ihrem vielleicht ohnehin schon prosperierenden kreativen Potential. Vielleicht haben Sie privat ein Hobby, dass nichts mit Wirtschaft, Management oder einem wirtschaftsangepassten Hobby zu tun hat. Wenn Sie beispielsweise leidenschaftlicher Bienenzüchter sind, neue Rosensorten zu züchten versuchen, bei der freiwilligen Feuerwehr sind, einen Chor leiten, Rettungswagen fahren, Jazzklavier spielen ohne Leistungsgedanken, …, und es dann wagen, das mit Ihrem Hobby verbundene umfassende Wissen in Ihren Arbeitsalltag einfließen zu lassen, dann agieren Sie bereits sehr kreativ.

Wenn Sie bisher die Verknüpfung von wirtschaftsfremden, privatem Wissen mit fachspezifischem Wissen im Beruf noch nicht wagen, dann wäre das ein erster spannender Schritt, Ihre Kreativität durch die Verknüpfung unterschiedlicher Lebensthemen bzw. Lebenswelten zu erhöhen.

Und falls Sie jetzt etwas leer dastehen und finden, Sie sind eigentlich nahezu zu 100 Prozent ein Fachspezialist und setzen sich auch privat vorwiegend mit Fachwissen oder fachnahen Hobbys auseinander, dann könnten Sie an dieser Stelle als ersten Schritt bewusst ein Thema heranholen, dass nichts mit Management oder einem fachübergestülpten Hobby zu tun hat – sofern Sie Interesse haben, Ihre Kreativität zu stärken. Sie können auch bewusst Gespräche mit Menschen suchen, bei denen das Thema Management und Ihr Wirken im Unternehmen vermieden wird.

An der Stelle werden Sie zu Recht anmerken, dafür haben Sie keine Zeit, Sie haben auch kein Interesse, Sie sind eben nicht kreativ, abgesehen davon können Sie sich keine Fehler leisten, was unter Umständen mit mehr Kreativität jedoch passieren könnte. All diese Argumente stimmen. Doch sich aktuell im Digitalisierungsprozess nicht ausreichend Zeit zu nehmen, zu wenig Interesse aufkommen zu lassen, sich vor Fehlern fürchten, sprich eine negative Fehlerkultur zu fahren, ist fast fahrlässig. Die Digitalisierung braucht Sie als Führungskraft, Ihre fachlichen Kompetenzen, wie auch Ihr persönliches Engagement, Ihre Kreativität, um die weitreichenden Veränderungen in Bezug auf die Digitalisierung angemessen abschätzen zu können. Die Gefahr, dass Maschinen kreativer werden als Menschen, steht genauso im Raum, wie kreative Startups und andere Unternehmenskonkurrenten – das sollte doch wirklich zu denken geben.

So kann beispielsweise die künstliche Intelligenz ohne Probleme unterschiedlichste Fachgebiete, die auf den ersten Blick nichts Gemeinsames haben, miteinander in Beziehung bringen – das tun, was Kreativität u.a. bedeutet. Schräg ist, dass gerade die IT diese fachübergreifenden, kreativitätsfördernden Aspekte in der künstlichen Intelligenz forciert, aber selbst, zumindest meiner Beobachtung nach, im fachspezifischen Handeln hängen bleibt. Noch sind viele der trainierten Künstlichen Intelligenzen nur Fachidioten, aber manche, wie u.a. Google wetten, dass beispielsweise die Meisterwerke der Zukunft mithilfe fortschrittlicher künstlicher intelligenzbasierter Software kreiert werden.[11]

Jene vernetzt agierenden, fluiden Arbeitsverbindungen, die die Kraft der Digitalisierung inkl. der Künstlichen Intelligenz kreativ zu nutzen verstehen, können Ihnen und Ihrem Unternehmen wirklich gefährlich werden.

Wie kann man die persönliche Kreativität verbessern?

Wie ich schon in einer Überschrift anmerkte, es gibt 101 Wege, die scheinbar die Kreativität fördern. Ich möchte 2 Aspekte anführen – Ein bisschen weniger ExpertIn sein und Mindfulnesspraxis.

Nach meiner Erfahrung setzen Sie dann wirklich dort an, wo Kreativität nachhaltig wirksam und äußerst individuell abgestimmt gefördert werden kann. Im Anschluss daran möchte ich Ihnen aber auch ein paar relativ leicht umzusetzende Tipps geben, die jedoch meiner Meinung nach ohne die zwei von mir erwähnten Aspekte, nicht ganz so tief wirken.

Ein bisschen weniger ExpertIn sein

Wagen Sie es Ihre fachspezifischen und mit Ihrer beruflichen Position verbundenen Komfortzonen zu verlassen. Versuchen Sie sich offen und ehrlich auf ein fachfernes Gebiet rational und besonders emotional einzulassen – nicht nur für einen Nachmittag, sondern über einen längeren Zeitraum hinweg. Das mag insbesondere zu Beginn alles andere als einfach und motivierend sein.

An der Stelle höre ich oft ein „Ja, aber …“. Versuchen Sie dieses „Ja, aber …“ respektvoll in die Schranken zu weisen. Machen Sie sich auf den Weg, Ihr Wissen, Ihre Handlungen, Ihr Leben und Wirken als Führungskraft in neuer Art mit neuen fachfernen Einsichten zu erweitern – sprich, Ihre Position als ExpertIn zu verlassen. Doch seien Sie vorsichtig. Wählen Sie nicht ein Gebiet, dass zwar anders wirkt, aber bei genauer Betrachtung die gleichen Spielregeln verfolgt wie die Wirtschaft – beispielsweise das selbstopimierungsgetriebene Joggen. An der Stelle möchte ich Ihnen ein vielleicht zynisch anmutendes Zitat anführen:

Ein Experte ist jemand, der alle Gründe kennt, warum eine neue Idee nicht funktionieren wird.[12]

Vielleicht ist es gut, sich als ExpertIn bewusst mit QuerdenkerInnen zu umgeben, mit Menschen, die anders denken als Sie. Echte Diversity und keine Schein-Diversity kann in diesem Fall auch als eine kreativitätsfördernde Maßnahme angesehen werden. Aber vermeiden Sie bei Andersdenkenden bzw. bei QuerdenkerInnen vorschnelle Schlüsse. Achten Sie auf Ihre Reaktionen. Vielleicht spüren Sie im Gespräch mit QuerdenkerInnen, dass Sie gedanklich, wie auch verbal schnell mit der Antwort kommen: Das kann man doch nicht tun. Das mag nett sein, aber für eine Lösung absolut nicht brauchbar, usw… Solche möglichen Antworten sind verständlich, können jedoch den kreativen Prozess gleich wieder im Keim ersticken.

Deshalb ist die Praxis der Achtsamkeit wichtig, um nicht im Prozess der Kreativität zu schnell in kreativitätshemmende Verurteilungen zu fallen, die so gut wie jeder in sich trägt – auch ich. Insbesondere im Zusammenhang mit meiner 5jährigen Tochter muss ich mir eingestehen, dass ich dazu neige, ihre Ideen und die damit verbundenen Handlungsweisen zu schnell abzuwerten: aufgrund Zeitnot, aufgrund Desinteresses, aufgrund vieler anderer, eigentlich unrelevanter Gründe. Mindfulness hilft an dieser Stelle, mehr Interesse, Geduld, mehr Anerkennung, sprich mehr Aufmerksamkeit aufzubringen.

Mindfulnesspraxis

Setzen Sie sich mit Mindfulness auseinander.

Kreativität entsteht meiner Erfahrung nach nicht nur durch Vermehrung von Wissen, von der Verbindung von noch nicht verbundenen gegensätzlichen Einsichten, sondern durch einen Break im Denken, durch ein sich persönliches zurücknehmen aus all den Denkprozessen im Kopf.

Manche schaffen den Break, die Achtsamkeitslücke, indem sie scheinbar stupide Tätigkeiten verrichten, beispielsweise Akten ordnen. Andere setzen gezielt auf Aufmerksamkeitstrainings, und wiederum andere versuchen durch ausgedehnte Spaziergänge die Gedanken wie am Himmel ziehende Wolken frei bewegen zu lassen – ohne sich dabei auf einen der aufkommenden Gedanken gleich wieder gedanklich zu stürzen und daran herum zu kauen. Genau in dieser Lücke des Denkens kann das vorhandene Wissen ganz frei arbeiten, und gegensätzliche Gedanken spontan frei ohne Steuerung miteinander verschmelzen.

Darüber hinaus ist es mit Mindfulness möglich sich von kritischen Stimmen im Inneren wie auch im Außen nicht so sehr verunsichern zu lassen – im Gegenteil: Mindfulness stärkt das Selbstbewusstsein, gibt Kraft, den eigenen inneren kritischen Stimmen zu widerstehen, wie ebenso den äußeren Kritiken couragiert entgegenzutreten.

Mindfulness hilft, Kritik, innerlich wie äußerlich, zu zähmen und daraus sogar kreative neue Ideen entstehen zu lassen. Statt Kritik und damit Widerstand aufkommen zu lassen, kann man ein Einvernehmen fördern, indem durch Achtsamkeit die Art und Weise der Kommunikation geprüft wird. Was meine ich damit: Sobald im verbalen wie auch gedanklichen inneren Austausch von Ideen ein „Soll“ vorkommt, wäre es ratsam, die „Soll-Aussage“ in eine Vorschlags-Aussage zu überführen. Das heißt: Soll-Aussagen wie, Ich finde, Sie sollten …; Am besten wäre es, wenn …; An Ihrer Stelle würde ich, …; usw., genau diese befehlenden Aussagen in Vorschlags-Aussagen wie, Was wäre, wenn …; Hat schon mal jemand daran gedacht, …; Ich frage mich, ob es möglich wäre …; usw…, zu überführen.

Denn eines sollte man sich auch bewusst sein, Kreativität fördert nicht nur Ideen, sondern auch Ängste – insbesondere bei jenen, von denen die Idee nicht kommt. Vielleicht sollten Sie auch diesen Aspekt prüfen, der mir erst jetzt im Schreibprozess so richtig bewusst geworden ist, mich ebenfalls betrifft – persönliche, unbewusst angsterregende Angegriffenheit in Bezug auf die Ideen anderer Menschen. Um an dieser Stelle nicht in der negativen Spirale, in Bezug zu den Hemmschuhen von Kreativität hängen zu bleiben, möchte ich Ihnen zum Abschluss einige, leicht verdauliche, für manche auch amüsante Kreativitätsspiele auf den Weg geben.

Kreativitätsanregende Spiele

Das Was-Wäre-Wenn-Spiel

Fragen, wie ich bereits eingangs von diesem Artikel erwähnte, sind Kreativitätsöffner – insbesondere Frageformulierungen wie „Warum nicht?“ oder „Was wäre, wenn …?“.

Ein „Was wäre, wenn …?-Spiel“ beginnen Sie mit etwas, das in der Welt bzw. in Ihrer Tätigkeit als Führungskraft, nicht passieren würde. Das mag anfangs lächerlich erscheinen, doch nur solange, bis man die Gedanken dazu zu Ende gedacht hat. Ihre Aufgabe ist es, sich mindestens drei mögliche Konsequenzen auszudenken, wie haarsträubend diese auch sein mögen – beispielsweise zu den Fragen:[13]

  • Was wäre, wenn man Computer essen könnte?

  • Was wäre, wenn Plastiktüten so viel kosten wie Kinokarten?

  • Was wäre, wenn Ihr Gehalt stündlich in kleinen Beträgen, statt jeden Monat in einer einmaligen Summe auf Ihr Konto überwiesen würde?

Verknüpfungsspiel

Unser Gehirn ist bestens gerüstet, Zusammenhänge herzustellen. Bei diesem Spiel müssen Sie sich nicht gleich zur Erweiterung Ihrer Kreativität ein fachfernes Gebiet heranholen, sondern es genügt, sich zwei Begriffe aus dem Lexikon zufällig gewählt herauszunehmen. Zufällig, weil damit die Chance höher ist, dass die Begriffe in keinem Zusammenhang stehen. Wenn Sie 2 Begriffe zufällig mit Finderzeig herausgesucht haben, beginnen Sie Gemeinsamkeiten zu den Begriffen zu finden. Zum Beispiel für die Begriffe:[14]

  • Vitamine  –  Fotografie

Auf den ersten Blick haben die beiden Begriffe nichts gemein. Aber wenn man darüber nachdenkt, dann zeigt sich, beides kann man „aufnehmen“. Beide werden in Drogeriemärkten angeboten. Beide Wörter haben 4 Silben, usw…

Erweitern können Sie dieses Spiel, indem Sie die Wörter mit Ideen kombinieren. Sie stellen sich eine Frage und versuchen dann mit Hilfe der gewählten Begriffe auf die Frage eine Antwort zu finden. Das kann zu schrägen Antworten führen. Das mag Ihnen vielleicht anfangs blöd und sinnlos erscheinen, doch mit etwas Übung werden Sie merken, dass Sie damit Ihre Kreativität ankurbeln können. In Bezug auf das Beispiel Vitamine und Fotografie könnte der Prozess so aussehen:

  • Sie stellen sich beispielsweise die Frage, wo Sie Ihren nächsten Geburtstag feiern könnten.

Schreiben Sie jetzt auf, was Sie zu den zuvor zufällig gewählten beiden Begriffen assoziieren, beispielsweise Gesundheit, Wellness, Chemie, Magen, Blut, Bausteine, … zu Vitaminen / Auge, Ausschnitt, Linse, digital, Bildpunkte, Technik, … zu Fotografie.

Im nächsten Schritt formulieren Sie die Frage in Bezug auf die Assoziationen zu den Begriffen um, beispielsweise: Ich suche einen Ort für meinen Geburtstag, wo ich von allen gut gesehen werde, ein Ort mit gesunden Bausteinen? So oder ganz anders könnte Ihre neu formulierte Frage sein, und dann finden Sie Antworten.

Inspirierende Vorbilder

In wessen Fußstapfen träten Sie gerne? Wählen Sie eine Persönlichkeit, die Sie bewundern – bitte jedoch keine aus dem Wirtschaftskontext. Fragen Sie sich, warum Sie gerade diese Persönlichkeit bewundern? Hängen Sie ein Bild Ihres Idols an einem für Sie gut sichtbaren Ort als Gedächtnisstütze. Wenn Sie gerade vor einem Problem stehen und keine Lösung finden, dann fragen Sie:[15]

  • Wie würde (mein Vorbild) in dieser Situation handeln, und zu welchen Entscheidungen kommen?

Statt sich das Hirn mit einer Problemlösung zu zermartern, versetzen Sie sich doch in eine andere Rolle, in eine andere Persönlichkeit, die Sie bewundern und achten. So können Sie gedanklich beispielsweise auch QuerdenkerInnen zu Hilfe holen. Das regt auf jeden Fall Ihre Kreativität an – probieren Sie es aus. Falls Sie innerlich blockieren, dann versuchen Sie respektvoll Ihre Zweifel wie Wolken am Himmel ziehen zu lassen, solange, bis die kritischen Stimmen in Ihnen etwas stiller werden – hilfreich ist hier schon eine gewisse Übung in Mindfulness. Dann versuchen Sie es erneut, wagen es, sich beispielsweise einen Magier heranzuholen, der Ihnen vermutlich spannende Lösungsvorschläge unterbreiten kann.

Resümee

Mir ist bewusst, dass ich mit meinem Artikel zur Kreativität sicherlich bei einigen nicht den Nagel auf den Knopf treffe. Viele haben vermutlich eine ganz andere Vorstellung und Herangehensweise zur Kreativität. Das mag ich niemanden absprechen. Ich kann Ihnen auch keine schnellen Kreativitätsankurbler nennen. Aber eines kann ich mit Gewissheit sagen, ich setze mich ehrlich und ernsthaft, auf Lösungen hinarbeitend, mit jedem Thema auseinander. In Bezug auf Kreativität kann ich abschließend nur noch sagen:

Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte [Laotse] – eine kreative Persönlichkeit, die jeder Mensch ausnahmslos ist.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://blog-wagner-consulting.eu/intuition-meistert-komplexitaet/.
[2] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[3] https://blog-wagner-consulting.eu/in-netzwerken-ueberleben/.
[4] http://www.coundlumbus.de/board-blog/36-kreativitaet/104-definition-kreativitaet-ein-begriff-lexika-kennen-viele-definitionen.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[5] https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/denken-problemloesen106.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[6] https://www.br.de/telekolleg/faecher/psychologie/denken-problemloesen106.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[7] www.coundlumbus.de/board-blog/36-kreativitaet/104-definition-kreativitaet-ein-begriff-lexika-kennen-viele-definitionen.html. Am 2018-12-11 gelesen.
[8] https://blog-wagner-consulting.eu/vom-spezialisten-zum-generalisten/.
[9] Mikkelsen, Kenneth; Martin, Richard: The Neo-Generalist. Where you go ist who you are. LID Publishing Ltd. London: 2016.
[10] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[11] Volland, Holger: Die kreative Macht der Maschinen. Warum künstliche Intelligenzen bestimmen, was wir morgen fühlen und denken. Verlagsgruppe Beltz. Weinheim-Basel: 2018.
[12] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[13] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[14] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.
[15] Eastaway, Rob: Kreatives Denken. 101 Wege, neue Ideen zu entwickeln. Librero IBP. Niederlande: 2015.

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