Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein – neugierig!?

Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein - neugierig!?

Was Unternehmen voneinander unterscheidet, das ist Neugier und Innovation, so die Worte von Isabel de Paoli, Chief Strategie Officer.[1]

Kognitive Flexibilität, ein Geschenk der Evolution, bietet uns unendlich viele Innovationen; aber es ist die Neugier, die uns dazu bringt, ihre Kraft voll auszuschöpfen. Damit Unternehmen dieses Potenzial voll nutzen können, braucht es jedoch weniger die Fixierung auf neue Technologien, sondern den Mut für eine offene Arbeitskultur, eine Kultur der Gemeinschaft, in der man auf den Ideen anderer aufbaut, in der es mehr darauf ankommt, Fragen zu stellen, als Antworten zu geben – kurz gesagt: eine Kultur der Neugier. Der CEO soll in Zukunft ein Curiosity Enhancing Officer sein.[2]

So las ich es in der umfassenden Neugier-Studie 2018 von Merck. Um in einem florierenden Neugier-Stadium arbeiten zu können, braucht es, wie schon oben im Statement angerissen, eine entsprechende Arbeitsumgebung [3] – ein WeQ-Wirken statt eine IQ-Fixierung, die kontinuierliches Lernen und Erforschen ermutigt. Das sind Umgebungen, die sich ganz konkret Fragen widmen, die weitreichend und fachübergreifend die Zukunft beleuchten, so wie ich es in meinen Artikel, was kommt nach der Digitalisierung, anzuregen gesucht habe. Was ich jedoch noch nicht konkret angesprochen habe, das ist der Faktor Neugier, der dafür notwendig ist.

Die Zukunft aller Unternehmen und ArbeitnehmerInnen lässt sich mit einem Wort beschreiben: Veränderung. Wir alle müssen uns neues Wissen aneignen und uns an neue Prozesse anpassen. Damit uns das nicht erschlägt, brauchen wir Neugier. Neugier ist der Kleber, der Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft zusammenhält. Neugier sichert das Überleben.[4]

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Der Wettbewerb der Nationen ist ein Wettbewerb der Ideen – und Neugier die Grundlage dafür

Neugier und Ideen sind ein sich gegenseitig unterstützendes Paar, zwei Seiten einer Medaille. Dieses Potential gilt es zu hegen und zu pflegen, so früh wie nur möglich. Wenn wir die Neugier nicht verschütten, dann brauchen wir diese hinterher auch nicht mühsam freizulegen.[5] Leider zeigt sich jedoch trotz viel Bemühen, dass die Neugier unter vielen fixierten Erklärungsmustern und Gewohnheiten, tief verwurzelten Annahmen, die man nicht loslassen will, zu oft ein verkümmertes Dasein fristet.

Träge, müde, von Zeitnot erschlagen, von Regeln, Normen, Denkfixierungen klein gehalten, hat die Neugier mühe sich stärker in den Arbeitsalltag einzubringen. Die Kreativität als zweite Seite der Medaille leidet mit der Neugier mit – statt in positiv gestimmter Neugier Herausforderungen zu meistern, denkt man in Problemen und versucht kopflastig rational gut durchdacht Lösungen kontrollierbar aufzusetzen. Das mag objektiv betrachtet ein sinnvoller Ansatz sein, aber ob man so herausragende Innovationen findet, das wage ich zu bezweifeln.

Neugier ist eine sensitive Fähigkeit, ein Lichtstrahl, der Herausforderungen frei von Bewertungen und Nützlichkeiten zu durchdringen vermag, ein offenes Staunen über das Leben – zumindest ist es bei Kindern noch so wahrzunehmen. Mit zunehmendem Alter verlieren jedoch viele diese kindliche Fähigkeit des Staunens, die bewertungsfreie Neugier.[6] Das Staunen entzaubert sich, wird mechanistisch, zielfokussiert, ausgrenzend, verliert an Offenheit und an Kreativität. Die Neugier leidet konkret unter 3 Symptomen:[7]

  • Innere Nörgler, die Stimmen des Urteilens blockieren das Staunen. Urteile im Kopf wie auch das reaktive Abspulen gewohnter Denkschablonen hemmen offenes Denken, und damit die Neugier.

  • Zynismus steht der Neugier ebenfalls nicht einladend gegenüber, führt vielmehr zur Distanzierung zu allem, was neu ist und was neugierig machen könnte. Zynismus muss aber oft gar nicht so offen bemerkbar sein, sondern wirkt viel öfter als man glaubt, still und kaum wahrnehmbar als Gedankengeister im Kopf.

  • Mit Angst im Nacken lässt es sich ebenfalls kaum neugierig in die Welt blicken. Angst im Nacken führt viel mehr dazu, unbewusst Schutzmauern zu errichten, die jeden offenen, neugierigen Blick verschließen.

Aber ich möchte nicht gleich zu Beginn von diesem Artikel die Neugier durch negativen Input lahmlegen. Sehen wir uns in der Studie von Merck einmal konkret an, wie umfassend Neugier im Arbeitsalltag wirkt.

Was heißt eigentlich neugierig sein?

Lt. der Studie von Merck zeigt sich Neugier in vier bestimmten Charakterzügen, die gemeinsam die Grundlage einer multidimensionalen Neugierwirksamkeit sind:[8]

  • Entdecker-Freude: Die jeweiligen Menschen sind neuem Wissen gegenüber sehr aufgeschlossen – vergleichbar mit dem Staunen der Kinder, die ein Interesse an Gegenständen um ihrer selbst willen zeigen, und nicht weil diese nützlich, attraktiv oder kostbar sind.[9]

  • Antrieb durch Wissenslücken: Menschen, die Neugier zeigen, sind oft nicht nur im eigenen Wissensbereich aktiv und sehen dort Wissenslücken, sondern blicken auch neugierig über den Tellerrand, sehen Lücken in einem größeren Kontext, und sind bestrebt in einem größeren Zusammenhang diese zu begreifen und lösen zu wollen. Das bedarf u.a. aber einer sehr relevanten Eigenschaft, die jetzt folgt.

  • Offenheit für Ideen anderer: Es braucht die Offenheit, unterschiedlichste Perspektiven, Meinungen, Anschauungen, Ideen anzuerkennen und so couragiert zu sein, Lösungsansätze anzustreben, die vielleicht fachfremd, oder gar unlogisch wirken. Das wiederum braucht eine gesunde Anpassungstoleranz, womit wir bei dem 4. Charakterzug sind, der die Neugier bestärkt.

  • Anspannungstoleranz: Man muss bereit sein, sich der Unruhe und dem Unbehagen zu stellen, die beim Erkunden des Neuen, Unbekannten und Unsicheren entsteht. Bei Neugier geht es nicht nur darum, neue Ideen zu finden. Es geht auch um die Fähigkeit, mit dem Neuen, dem Komplexen kreativ umgehen zu können. Es geht darum, dass man weitermachen kann und will, auch wenn das Neue unangenehme Gefühle hervorruft. An dem Punkt aber scheitern einige, schalten unbewusst auf kognitive Dissonanz und schwächen damit die Neugier und Kreativität.

Deutschland steht besser da als man meinen könnte – zumindest beim ersten neugierigen Blick! In Bezug auf die Studie von Merck erzielte Deutschland den höchsten Gesamtwert für Neugier – das heißt: Im Vergleich zu den USA und China zeigt sich in Deutschland ein großes Verlangen nach neuem Wissen und Informationen. Die MitarbeiterInnen können gut mit Reizen umgehen, die unsicher, komplex und konfliktbeladen sind. Aber das ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass in D 48% der MitarbeiterInnen sich für ihre Projekte verantwortlich fühlen, hingegen nur 38% in den USA und 33% in China. In D fühlen sich nur 14% der MitarbeiterInnen durch ihre Umgebung eingeschränkt bzw. in der Arbeit überwacht, im Gegensatz zu 19% in den USA und 33% in China.[10]

Was mich erstaunt, dass China scheinbar mit den Neugierwerten abgeschlagen hinter Deutschland und den USA liegt. Gleichzeitig treibt China die Digitalisierung an, schafft unzählige neue Trends und setzt neue Maßstäbe. Wie ist das zu verstehen?

Im 2. Blick auf diese Studie erhellt sich meine Frage. China liegt zwar in den Neugierwerten hinter D und den USA. Aber das hat einen Grund: Die ChinesInnen stellen persönlich deutlich höhere Ansprüche in Bezug auf eine innovative Kultur und halten Digitalisierung für äußerst wichtig – darin sind die Deutschen und die USA nicht so ambitioniert. 52% der ChinesInnen, von einem hohen innovativen Anspruch geprägt, suchen aktiv nach neuen Ideen und Innovationen – im Gegensatz dazu 39% in den USA und abgeschlagen nur 37% in D. Diese Haltung, der hohe Anspruch an eine innovative Kultur, könnte bald schon China einen deutlichen Vorteil verschaffen.[11]

Ebenso interessant ist der Aspekt, dass in dieser Studie von Merck die jüngste Generation, die Generation Z, bei der Neugier weit hinten bleibt. Die Generation der Millennials ist hingegen äußerst neugierig und meint zu 61%, dass eine Investition in Neugier als Innovationstreiber eine solide Investition für ein Unternehmen sei. Aber in der Studie zeigt sich auch, dass man der Generation Z anscheinend nicht genug Zeit gibt bzw. sie zu wenig darin unterstützt, um deren Anspruch in Bezug auf Neugier gerecht zu werden.[12]

Soviel erstmal zum kognitiven Zugang zur Neugier. Mich interessiert aber jetzt noch viel mehr, wie Sie persönlich zum Thema Neugier stehen:

  • Würden Sie sich als neugierig bezeichnen?

  • Und was konkret erweckt Ihre Neugier, ein Staunen, ein Aha?

Ich stelle mir selbst auch die Frage und kann nur sagen, dass ich dann Neugier spüre, wenn ich was höre, was ich noch nicht kenne, oder was ich mir mit dem was ich weiß, noch nicht erklären kann. Ich brenne vor Neugier, wenn ich Geschichten lese, die ein gutes Storyboard haben, sprich ich mit einem Problem konfrontiert werden, wo ich schon zu Beginn weiß, dass dieses Problem anders gelöst wird, als ich es mir vorstelle. Ich bin regelrecht euphorisch neugierig, wenn ich mit Ideen konfrontiert werde, die ich aus mir selbst heraus nicht entwickeln kann. Umgelegt auf den Arbeitsalltag heißt das, ich reagiere dann mit Neugier, wenn ich spüre, dass die Lösung anders aussehen kann als ich es mir selbst vorzustellen vermag.

Die Neugier ist jedoch so unterschiedlich und individuell wie es Menschen gibt. Und jeder Mensch ist zu dem geworden, was er ist, weil die Neugier ihn dazu gemacht hat. Die Neugier mag manchmal schüchtern, verängstigt wirken, manchmal expressiv und durchzogen von Pioniergeist, und dazwischen gibt es Millionen weitere Schattierungen und Ausprägungen der Neugier.

Es geht auch gar nicht darum mit Neugier immer nur den großen Wurf zu machen, sondern vielmehr täglich sich für die kleinen Wunder dieser Welt im Herzen offen zu zeigen, nicht alles als selbstverständlich hinzunehmen, die kleinen Dinge des Lebens wieder mehr zu achten, über das Leben zu staunen – wie Kinder, die selbst dann noch Warum-Fragen stellen, obgleich aus Sicht der Erwachsenen, die Fragen eigentlich schon umfassend objektiv korrekt beantwortet scheinen. Die Neugier der Kinder ist in den ersten Jahren intrinsisch motiviert, und nicht extrinsisch durch Belohnungen künstlich angeregt – was sich jedoch meist später in der Schule ändert.

Vielleicht wäre es an dieser Stelle interessant, die Frage erneut zu stellen, was konkret macht Sie persönlich neugierig – aber ergänzt um den Aspekt der Motivation:

  • Aus welcher Ecke heraus lässt sich Ihre Neugier konkret anregen – aus einem inneren Bedürfnis heraus, oder mehr von außen auf Sie einwirkend, durch bestimmte Begebenheiten, die Sie persönlich anregen und motivieren etwas zu tun? Vielleicht zeigt sich auch, dass durch eine äußere Begebenheit die Neugier entflammt, und dann in Ihnen im Inneren auf einen Impuls trifft, mit dem gemeinsam die Neugier so richtig zum Brennen kommt.

Wie dem auch sei, Neugier scheint jedenfalls in der Digitalisierung eine der Kompetenzen zu sein, die notwendig ist, um die tiefgreifenden Veränderungen gemanagt zu bekommen. Neugier ist einer der Schlüssel, um das überlebensnotwendige Innovationspotential von Konzernen freizusetzen – zumindest ist das so immer wieder in der Studie von Merck zu lesen. Leichter gesagt als umgesetzt.

Neugier ist sehr individuell, u.a. auch durch die entsprechende Hirnprägung unterschiedlich ausgerichtet. Dr. Hans-Georg Häusel, zählt international zu den führenden Experten in der Marketing-, Verkaufs- und Management-Hirnforschung, setzt sich intensiv mit dem limbischen System auseinander und belegt, dass 80% der Menschen dem Balance-Typ zugeordnet werden. Bei diesen Menschen-Typ wirkt Neugier einfach anders bzw. auf andere Themen hin ausgerichtet als bei den beiden anderen Typen, den Stimulanz- und den Dominanztypen.[13] Entwicklungsgeschichtlich ist die Balance-Instruktion der älteste limbische Antrieb mit einem Alter von mehr als 3,5 Milliarden Jahre, mit dem ein Höchstmaß an Sicherheit, Stabilität und Konstanz für die äußere Lebensumwelt, für das Denken und den eigenen Körper zu erreichen bzw. zu erhalten gesucht wird.[14]

Limbische Prägung nach Hans-Georg Häusel

Nur 20 Prozent der Menschen haben genetisch bedingt Spaß am Neuen [15], und damit verbundenen im Vergleich zu den BalanceträgerInnen einen scheinbar größeren Entdeckungsgeist, mehr Innovationsspaß und ein stärkeres Explorationsbestreben. In der Merck-Studie ist zu lesen, dass 70% der hochgradig Neugierigen der Meinung sind, dass Neugier eine große Rolle für die weltweiten Herausforderungen spielt, wohingegen nur rund 30% der Befragten mit niedrigen Neugier-Werten dieser Aussage zustimmen.[16] Daran kann man ableiten, wie unterschiedlich Neugier wirkt bzw. durch Prägung entsprechend bewertet wird.

Das ist doch ohnehin klar, werden Sie vielleicht jetzt gelangweilt sagen. Ja, das mag allen klar sein, dass Neugier individuell unterschiedlich wirkt, aber die Konsequenzen und die Folgen daraus werden nicht berücksichtigt, obgleich genau das wichtig und erkenntnisreich ist. Die einen fühlen Neugier, wenn es beispielsweise darum geht die Tradition im Unternehmen sicherzustellen, andere hingegen spüren Neugier erst, wenn sie damit ihre Macht verstärken können, und wiederum andere brauchen QuerdenkerInnen, schräge Vögel, RevoluterInnen, kreative Spinner um sich herum gescharrt, um davon neugierig beseelt zu werden. Ob man will oder nicht, das hat Folgen für ein Unternehmen, für die Innovationskraft und das Überleben in der Digitalisierung.

In der Studie von Merck ist unmissverständlich zu lesen, dass es sich kein Unternehmen mehr leisten kann, Neugier zu unterschätzen. Wenn man als Unternehmen heute wettbewerbsfähig bleiben will, müssen alle Branchen in Neugier investieren, um zu überleben bzw. weiterhin zu florieren.[17]

Resümee – mit Aha-Momenten spielen!

Digitalisierung erfordert Innovationen, und diese erfordern Neugier. So gesehen braucht es verstärkt Neugier, aber nicht nur von jenen, die ohnehin so geprägt sind, sondern auch von jenen, deren Neugier schwächer ausgeprägt zu sein scheint bzw. nicht gerade die Themen trifft, die aktuell mit Neugier hochgerüstet werden sollten.

Neugier wächst u.a. dadurch, dass man anerkennt, dass die eigene Wahrheit nicht unbedingt die Wahrheit der anderen ist. Neugier zeigt sich darin, wenn man nicht gleich auf ungewohnte, fremde Ansichten mit Ablehnung reagiert.

Das heißt, aufmerksam werden für andersartige Ansichten, den Kopf dorthin wenden, wo man eigentlich vielleicht gar nicht hinsehen will, weil das scheinbar auf den ersten Blick nutzlos, ineffizient, vielleicht sogar beängstigend, unlogisch oder gar die falsche Richtung scheint.[18]

  • Neugierde zeigt sich u.a. in einer Offenheit für und eine aktive Suche nach neuen Informationen, ohne die zuvor auf Nützlichkeit und Sinnhaftigkeit abzuchecken.

  • Neugier zeigt sich ebenso darin, mehr spontane Fragen zuzulassen und mit unklaren Informationen angeregt offen umzugehen. Die Warum-Fragen der Kinder nerven manchmal die Erwachsenen, auch deshalb, weil manche Warum-Fragen sinnlos erscheinen oder einfach nur zum 100ten Mal gestellt worden sind. Doch Neugier arbeitet nicht fokussiert, linear, effizient, sondern chaotisch, kreativ, verträumt, rätselhaft. 

  • Neugier bedeutet in Verbindung mit dem vorhergehenden Punkt, offen zu sein für Fakten, die nicht in die eigene Weltanschauung passen, und deren Konsequenzen zu verstehen suchen. An dem Punkt hakt es jedoch oft – auch wenn das die wenigsten so diagnostizieren würden. Sobald eine Weltanschauung nicht in das Konzept, beispielsweise der Wirtschaft passt, verdrehen viele Wirtschaftsgläubige die Augen. Man geht auf Dissonanz. Die Neugier will man nur fixiert auf das facheigene Wissen wirken lassen und zur Anwendung bringen.

Wenn Ihr Unternehmen wüsste, was Ihr Unternehmen weiß – macht Sie das neugierig?

Wie wäre es jetzt mit einem Spiel, um Ihre Neugier zu wecken, falls diese sich bereits zu verabschieden sucht, um sich anderen Themen zu widmen, die mehr Neugier, mehr Interesse, mehr Sinnhaftigkeit wecken als die Auseinandersetzung mit der Neugier selbst.

Eigenland®, so heißt das Spiel bzw. diese innovative, spielerische Alternative zu üblichen Workshops, mit der sich schnell und strukturiert unternehmerische Handlungsfelder analysieren und gestalten lassen. Diesem Spiel bin ich am 30. Oktober 2019 beim Corporate Culture Jam in Frankfurt über den Weg gelaufen. Dieses Spiel hat meine Neugier geweckt und mich in eine Stimmung versetzt, die meine bereits vorhandene Neugier sogar noch während des Spiels verstärkt hat.

Rolf Schröder, verantwortlich für das Projektmanagement in der Deutschen Telekom Technik Deutsche Telekom AG, war ebenfalls beeindruckt, mit welcher Geschwindigkeit man zu Erkenntnissen kommen kann, und überrascht über die hohe Eindringlichkeit in den untersuchten Bereichen. In diesem Spiel können sich auch unterschiedliche AkteurInnen sehr gut Meinungen und Informationen austauschen, was ohne das Spiel in der Offenheit so kaum anzudenken geht.[19] Auch VORSPRUNGatwork hat ein Planspiel entwickelt, um mit Hilfe der spielerischen Energie die Herausforderungen auf einer anderen Ebene mit einer offenen, kindlich verspielt neugierigen Haltung heraus zu betrachten. Spiele sind genau genommen keine Spiele, sondern führen über den Tellerrand hinaus zu real wirksamen positiven Interventionen.[20]

Ich möchte jetzt aber noch eine weitere Methode, Aha-Momente auf Abruf, erwähnen, die mich persönlich neugierig gemacht hat.

Sharpist in Aha! Momenten

Ein Aha! Moment sagt mehr als tausend Worte und regt Neugier an – genau das, was in Zukunft lt. der Merck-Studie dringlicher denn je gebraucht und entsprechend gefördert werden sollte.

Das was mich an Sharpist, dem Anbieter von datengestütztem, mobilem Coaching für Führungskräfte, neugierig werden ließ, das ist der Aspekt, dass Sharpist mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz (KI) nach dem perfekten Match zwischen Führungskraft und Coach sucht. Denn eines muss schon gesagt sein: Das richtige Seminar, Workshop, Coaching für das Unternehmen zu finden, ist äußerst schwierig in der Fülle an Möglichkeiten. Darüber hinaus ist der Coaching-Markt sehr fragmentiert und bis jetzt wenig digitalisiert.

Ganz oft wird Förderung, Weiterbildung, Coaching, Beratung noch analog durchgeführt, die digitalen Möglichkeiten deutlich unterschätzt. Dem sollte man jedoch deutlich mehr Achtung schenken, denn das Potential von digitalem Coaching kann zur eierlegenden Wollmilchsau der betriebsinternen Weiterbildung werden.[21]

Unbegrenzt viele Cochees können gleichzeitig begleitet werden. Alle TeilnehmerInnen bekommen maßgeschneiderte Übungen, ein Live-Chat hilft, Fragen zu klären. Flatrate-Modelle halten die Kosten im Rahmen, Reise- und Arbeitsausfallzeiten können drastisch reduziert werden, die Ergebnisse sind messbar und können ein Spiegelbild der Unternehmenskultur darstellen, und für Nachhaltigkeit der Prozesse kann ebenfalls besser gesorgt werden als mit klassischen Bildungs-Tools.[22] Sharpist ist ein Pionier in diesem Gebiet.[23]

Auch wenn ich persönlich analoge Gespräche als relevant einstufe, so sehe ich auch, dass man mit den herkömmlichen Beratungsmethoden, weder inhaltlich noch organisatorisch, das an Förderung, Bildung, Beratung abzudecken vermag, was aktuell notwendig ist und setze daher selber Online-Coaching seit mehreren Jahren ein.

In der Merck-Studie ist zu lesen, dass Konzerne mehr in Programme und Prozesse für die persönliche Entwicklung investieren müssen, um die weltweiten Herausforderungen zu lösen und in Zukunft erfolgreich zu bleiben. Neugier sei hierfür ein Schlüssel, aber Neugier ist kein Zufall![24]

Diese letzte Aussage möchte ich unkommentiert so stehen lassen, und Ihnen zum Abschluss von diesem Artikel nur noch eine kleine Neugier-Anregung mitgeben: Versuchen Sie jeden Tag über irgendetwas, egal was, erstaunt zu sein. Vielleicht hilft Ihnen dazu eine konkrete Fragestellung:

Mich wundert, warum …

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen: 

[1] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[2] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[3] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[4] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[5] https://www.merckgroup.com/de/company/curiosity/curiosity-report.html. Am 2019-11-06 gelesen.
[6] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[7] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[8] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[9] Csikszentmihalyi, Mihaly: Kreativität. Wie Sie das Unmögliche schaffen und Ihre Grenzen überwinden. J.G. Cotta´sche Buchhandlung Nachfolger GmbH. Stuttgart: 1997.
[10] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[11] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[12] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[13] http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Wissenschaftl-Fundierung-Limibischer-Ansatz.pdf. Am 2017-09-27 gelesen.
[14] Häusel, Hans-Georg: Limbic Success. So beherrschen Sie die unbewussten Regeln des Erfolgs. Rudolf Haufe Verlag GmbH & Co.KG. Planegg/München. 2002.
[15] http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html. Am 2017-09-26 gelesen.
[16] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[17] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.
[18] Scharmer, C.O.: Theorie U: Von der Zukunft her führen: Presencing als soziale Technik. Carl-Auer Verlag GmbH; 2014.
[19] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[20] https://www.eigenland.de/de. Am 2019-11-07 gelesen.
[21] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52. 
[22] Skalierbare, individuelle Weiterbildung zum Flatrate-Preis: Karriere.Taxi Magazin – 02/2019 S.52.
[23] https://www.sharpist.com/. Am 2019-11-07 gelesen.
[24] Merck Studie https://www.merckgroup.com/content/dam/web/corporate/non-images/company/de/Merck-Neugier-Studie-2018.pdf. Am 2019-11-06 gelesen.

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Was kommt nach der Digitalisierung?

Was kommt nach der Digitalisierung?

Im letzten Artikel kündigte ich ein Reloading der Digitalisierung an. Google ließ im Oktober 2019 den ersten Quantencomputer in Betrieb gehen. Als ich meinen Artikel dazu verfasste, hatte ich noch nicht auf dem Radar, dass China bereits einen Quantensatelliten im All laufen hat, der eine spukhafte Fernwirkung auf die Kommunikation haben soll. Angeblich kann man bei diesem Quantensatelliten keine Daten mehr hacken, die Kommunikation sei durch die Quantenkryptographie sämtlichen gängigen Entschlüsselungsmethoden gegenüber immun.[1]

Auch wenn Google auf der Erde offiziell als Erster einen Quantencomputer stabil zur Anwendung gebracht hat, China steht um nichts hinten nach – aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Wo steht Deutschland, die EU, insbesondere Ihr Unternehmen im Wettrüsten von Quantentechnik, Quantenkryptographie, Künstlicher Intelligenz (KI), Neuroscience, Bio- und Nanotechnologie?

Ob man will oder nicht, Deutschland zählt nicht mehr zu den Top 10 was die neuen Technologien betrifft – und das sollte Grund genug sein, sich deutlich mehr Gedanken über die Zukunft zu machen, als man es anscheinend tut. Deutschland unterschätzt möglicherweise die Kraft und Macht der Supercomputer, der Neurotechnik und den Einsatz von KI, die alles revolutionieren könnten – Materialforschung, Finanzdienste, die Astrophysik bis hin zur Medizin, Verkehrsüberwachung, Molekülbewegungen, selbst Klimaauseinandersetzung, … – einfach alles.[2] Die Neurowissenschaft spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der flexibel arbeitende, selbstlernende Roboter am Fließband.

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Gerade diesem Aspekt, der Kraft der Neurowissenschaft in Verbindung mit Big Data, wird scheinbar zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[3] Der Westen mag dem mit Vorbehalt gegenüberstehen, der Osten hingegen sammelt fröhlich Daten und kann damit experimentieren. Das kann ein Nach- aber auch ein Vorteil sein. Wie dem auch sei, die Neurotechnik wird vermutlich auch nicht bei uns halt machen.

  • Mit Hilfe neuer und deutlich umfangreicheren Messmöglichkeiten von Gehirnströmen bzw. Gehirnaktivitäten, lassen sich vielfältigste äußerst genaue Informationen erstellen über die Aufmerksamkeit, Konzentration, über die Stimmungslage des Menschen und das Sozialverhalten. Die Nutzung dieser Informationen gehen tief, bis hin zu Lernempfehlungen für Kinder.

  • Darüber hinaus ist es angeblich sogar möglich, die Einstellungen und Empfindungen von Personen untereinander zu messen und zu analysieren – beispielsweise, ob zwei MitarbeiterInnen miteinander Probleme haben. Wenn das der Fall sein sollte, dann kann man gezielt Impulse setzen, sprich die Emotionen manipulieren, damit beispielsweise aus Ärger Empathie wird.

  • Angst, Stress, Freude, Wut, … lässt sich nicht mehr verheimlichen. Stattdessen geht man her, misst, analysiert und versucht anhand der Daten das Leben noch weiter zu optimieren.

  • Selbst Ästhetik findet eine neue Form der Messbarkeit und damit Anwendung. In China konnte mit Hilfe von Emotionsdaten ein Produkt, dass ein Ladenhüter war, entsprechend der Datenanalyse neu designt werden, und wurde von einem Tag zum anderen ein Kassenschlager.

Dieser Ansatz, Emotionen zu nutzen, um gezielt Menschen zu beeinflussen ist selbstverständlich nichts Neues. Jede Marketingabteilung nutzt die Kraft der Emotionen, um Produkte und Dienstleistungen attraktiv wirken zu lassen und die Kauflust darauf zu wecken. Jeder weiß, dass Ästhetik bzw. Gefühle eine Rolle spielen. Bisher hat man sich intuitiv mit ein paar soziologischen Analysen darauf verlassen, wie man die Emotionen der KundInnen positiv triggert. Heute, mit der neuen Technologie, können die Emotionen hingegen äußerst genau gemessen, analysiert und zu großen Datenclustern zusammengefügt werden. Man kann mit den neuen Technologien unfassbar viel erfahren, was Menschen bewegt, was sie sich wünschen, was sie beängstigt, …

Das ist die Revolution, die Fülle an Daten, die noch dazu die stärkste Kraft mitanalysiert – die Emotionen.

Mit Hilfe der Gesichtserkennung- und Aufmerksamkeitsanalysen kann man Auswertungen erstellen, die in dieser Art noch nie möglich waren. Selbstverständlich werden diese Analysen nicht einfach nur so ins Blaue hin erstellt, sondern sehr gezielt für Politik, Wirtschaft, aber auch für Medizin und andere Bereiche, wie die Kunst zu nutzen gesucht.

  • Mag sein, dass es schön ist, wenn man beispielsweise die neuen Technologien und Messmöglichkeiten dahingehend einsetzt, um sich beispielsweise wieder mit einem bestimmten Mitarbeiter besser zu verstehen?![4]

  • Mag sein, dass eine Lebensverlängerung mittels DNA-Hacking die Sehnsucht der Menschen, ein längeres, gesünderes Leben zu führen, positiv zu befriedigen vermag.

  • Die Drohnensteuerung durch Gedankenübertragung mag eine nette Spielerei sein,

  • oder man genießt einfach nur virtuelle, holographische Freundschaften, ohne bei dieser Art von Freundschaft kritisch angesprochen zu werden, wenn man etwas sagt, was nicht ganz stimmig ist. Abgesehen davon haben diese virtuellen Freunde genau dann Zeit, wenn man selbst Zeit hat.[5]

Das neue Zeitalter mag mit dem, was man fähig sein wird zu messen, zu analysieren, zu produzieren, den Menschen auf eine Macht- und gleichzeitig Ohnmachtsstufe stellen, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

So gesehen sollte man sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, was nach der Digitalisierung kommt, weil die Phase der Digitalisierung selbst kurz sein wird, und darüber hinaus Digitalisierung mit den Attributen wie Agilität, Kollaboration, Sinnökonomie, flache Hierarchien, zusammengefügt unter dem Synonym New Work, ohnehin aktuell zu oft missinterpretiert bzw. abgespeckt und damit unzureichend umzusetzen gesucht wird.

Schon wieder eine Digitalisierungs-Predigt vom Wagner – denken Sie vielleicht. Fast hat es den Anschein, dass nur ich mit einigen anderen scheinbar die Entwicklungen verschlafe, und nun im Eiltempo zu erfassen suche, was da alles passiert. Mag jedoch auch sein, dass es Ihnen ähnlich geht wie mir. Kann ebenso sein, dass Sie der Meinung sind, dass Quantentechnik und der andere neue Technikkram bloß was für die Riesenkonzerne dieser Welt bzw. für die großen Forschungslabs sind. Sie warten lieber ab, und wenn die neue Technik alltagstauglich wird, dann greifen Sie zu.

Und genau diesen Zugang zu den Entwicklungen sehe ich kritisch. Ja, es stimmt, die Riesen haben die Ressourcen und Möglichkeiten sich eingehend mit der Entwicklung der Technik auseinanderzusetzen. Aber es ist meiner Meinung nach fatal, erst bei offiziellem Startschuss der neuesten Technik sich mit diesen neuen Spielereien intensiver auseinanderzusetzen. Ich habe den Eindruck, ebenso wie andere, mit denen ich darüber diskutiere, dass zu viele Unternehmen, selbst Konzerne, sowohl die technischen Entwicklungen wie auch die damit verbundenen Folgen in den möglichen Wirksamkeiten unterschätzen.

Mag sein, dass dies auch absichtsvoll so gehandhabt wird, weil man einfach das, was jetzt an Gewinnen noch machbar ist, einstreifen will. Wie dem auch sei, die einen versuchen jetzt noch schnell alles herauszuholen, was herauszuholen geht, die anderen sehen noch gar keinen Handlungsbedarf, weil man davon ausgeht, dass die Veränderungen durch den Einsatz der Supercomputer ohnehin vollkommen überzeichnet werden. Ganz egal wie Sie es jetzt sehen, der erste Quantenrechner läuft, und ich frage Sie jetzt ganz direkt:

  • Was wissen Sie konkret über Quantencomputer und deren Arbeitskraft? Was wissen Sie konkret über Quantentechnologie, über KI wie auch Neurotechnik, über den Einsatz, die Möglichkeiten, Chancen und auch Folgen dieser technischen Entwicklungen?

Im Anschluss an diese Frage gehe ich noch einen Schritt weiter – das hat einen Grund, der sich im zweiten Teil von diesem Artikel in der Relevanz erschließen lässt. Aber jetzt gehen wir über das möglicherweise fehlende Wissen in Bezug auf die Technik hinweg, in die Zukunft hinein und fragen uns:

  • Was kommt nach der Digitalisierung?

  • Was kommt nach den agilen Arbeitsweisen im Digitalisierungsprozess?

  • Leben wir vielleicht in der Zukunft in einer Zeit, die ähnlich scheint wie im Film Matrix, wo eine kleine Gruppe von Menschen gegen die Macht der Maschinen ein selbstbestimmtes Leben zu bewahren sucht, obgleich dieses im Vergleich zu dem manipulierten Leben deutlich nüchterner scheint?

  • Leben wir u.U. in Liebesbeziehungen mit einer KI?

  • Wird mit Hilfe der Nano- und Biotechnologie das individuelle Leben deutlich verlängert, und wir haben 200 Jahre Zeit, unser Leben zu leben? Wenn das möglich wird, was macht das mit uns persönlich, mit der Gesellschaft, …?

  • Wäre es auch denkbar, dass aufgrund der Klimaveränderungen sich das Leben ebenfalls auswirkungsreich verändert – in einer Weise, die wir nicht für möglich halten würden. Zum einen, indem vielleicht große Gruppen von Klimaflüchtlingen durch die Welt ziehen, Ressourcenkämpfe stattfinden. Zum anderen entwickelt sich vielleicht eine große Besinnung, dahingehend, rückbesinnend im Respekt und Einklang mit der Natur zu leben, die Kreislaufwirtschaft mit Hilfe der neuen Technologien zu nutzen suchen, gänzlich neue Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht auf Basis von Raubbau produziert werden?

  • Könnte auch sein, dass man in Zukunft vorwiegend künstlich hergestellte Lebensmittel isst, ausgedruckt aus 3-D-Druckern, angereichter mit genau individuell abgestimmten Nährstoffen, die präzise auf den Organismus abgestimmt sind. Viele Krankheiten verschwinden, können gezielt geheilt werden, wo man heute noch kämpft. Vielleicht ist es sogar möglich, den Körper zu verändern, indem man gezielt manipulativ einwirkt – wie ich schon vorhin als DNA-Hacking erwähnt habe.

Diese Fragen und viele weitere mehr müssen wir uns stellen, weil die aktuellen Entwicklungen so rasant gehen, und in einer Wucht das Leben, Ihre Unternehmen auf den Kopf stellen könnten. Wie dem auch sei, selbst jetzt schon sind die Veränderungen gewaltig, und die alten Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen stehen dem hinderlich gegenüber. Das spüren Sie im Unternehmen ohnehin ganz genau – nicht grundlos werden so gut wie überall Changeprozesse aufgesetzt. Aber Agilität und im noch größeren Format New Work wirklich erfolgsversprechend im Unternehmen zu implementieren, ist deutlich schwerer als gedacht. Das zeigt sich daran, dass 2/3 in dem Versuch, das Unternehmen agil werden zu lassen, neue Arbeitsweisen erfolgsversprechend zu integrieren, scheitern.[6]

Genau genommen stecken wir in einem Dilemma – es scheint weder in die eine Richtung weiter zu gehen noch in die andere Richtung, deren Arbeits- und Wirkungsweisen scheinbar noch in der Zukunft zu liegen scheinen. Was also tun? Gehen wir vielleicht wieder zurück zu der Quelle von New Work. Dort sehe ich etwas, was uns dienlich sein könnte und gleichzeitig die Zukunftsfrage, was nach der Agilität kommt, einsichtig werden lässt. Im ursprünglichen Verständnis von New Work heißt es:

  1. Ein Drittel der Arbeitszeit sollte der Selbstversorgung dienen, also Arbeit sein, die man für sich selbst macht.

  2. Ein Drittel sollte die gewöhnliche Erwerbszeit ausmachen – außer man schafft es mit der Selbstversorgung gänzlich auszukommen.

  3. Das letzte Drittel – und dieses sei jenes, das am schwierigsten umzusetzen ist – sollte mit einer Arbeit erfüllt sein, zu der man sich berufen fühlt. Einer Arbeit, die man „wirklich, wirklich, wirklich machen will“. Warum das jedoch so schwierig sei, erklärt der Begründer von New Work, Frithjof Bergmann damit, dass Menschen verlernt hätten, auf sich selbst zu hören. Die Kultur, in der wir sozialisiert sind, basiert auf Zähmung.[7]

Tragend auf diesen 3 Säulen hat Bergmann in den 80er Jahren des 20.Jhdt. einen Wandel in der Automobilindustrie in der US-Stadt Flint initiiert. Dort gründete er sein Zentrum für Neue Arbeit, um Massenentlassungen mit seinem Konzept entgegenzuwirken. Massenentlassungen könnten uns erneut aufgrund der Digitalisierung heimsuchen. Damals sollten die MitarbeiterInnen jedenfalls sechs Monate in der Fabrik arbeiten, und die anderen sechs Monate darüber nachdenken, was sie wirklich tun wollen. Das Zentrum von Bergmann hätte die aufkeimenden Ideen in der Umsetzung unterstützt. ABER die MitarbeiterInnen waren davon nicht begeistert, haben vielmehr mit Skepsis, Zweifel und sogar Tränen reagiert.[8]

Bergmann erklärt sich diese Reaktion damit, dass all jene mit neuen Strukturen und neuen Verantwortlichkeiten Schwierigkeiten hätten, die sich nicht mit der Frage beschäftigen, was sie im Leben wirklich wollen. Diese Menschen sind seiner Meinung nach feige.[9] Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich möchte es eher dahingehend zu verstehen suchen, dass einigen dieser Menschen eine tief verankernde Vision fehlt, ein Lebensinhalt, der über die Befriedigung von materiellen Gütern, über Ruhm, Ehre, Status hinausgeht.

Sie fragen sich jetzt vielleicht zu Recht, worauf ich überhaupt hinaus will? Die Herausforderungen sind gewaltig, und ich komme jetzt mit Sinnfragen. Das mag auf den ersten Blick Unmut erzeugen, nervös machen, verärgern. Sie brauchen dringend Lösungen, um die Herausforderungen zu meistern, keine Sinnsuche.

Schenken Sie mir bitte noch etwas Zeit, damit ich Ihnen verständlicher machen kann, worauf ich hinaus will, wo ich meine ein Lösungspotential zu erschließen, dass auf jeden Fall wirksam ist – so oder so.

Ich bitte Sie jetzt, mit mir gemeinsam erneut einen Blick auf die Automobilbranche zu werfen. Machen wir eine Ist-Aufnahme: Die Automobilbranche steckt aktuell offensichtlich wieder in einer Krise, die sicherlich durch die Digitalisierung mitgetragen wird, aber nicht nur. Von Bosch über Continental bis ZF, in der Zulieferer-Branche steht ein massiver Jobabbau an, Fabriken droht die Schließung. Dazu kommen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Insolvenzen der kleinen, oft unbekannten Zulieferfirmen. Bei der vergangenen großen Krise vor mehr als zehn Jahren gab es Rezepte, die das Schlimmste verhinderten: Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten leerräumen, mal für ein paar Tage die Halle zusperren. Es sind Rezepte für die ganz normale Krise.

Was in diesen Monaten in der Autobranche passiert, ist aber keine dieser normalen Krisen, zu denen man in den Lehrbüchern der Betriebswirtschaftslehre nach Antworten suchen kann. Diesmal geht es um einen Umbruch, wie ihn die Autoindustrie noch nicht erlebt hat, weil u.a. vieles von dem, was produziert wird, künftig nicht mehr gebraucht wird.[10]

  • Man hat es verabsäumt, sich ernsthaft genug die Frage zu stellen, was kommt ganz konkret nach den Benzinmotoren?

  • Wie sieht überhaupt die Mobilität in 30ig Jahren aus?

Es ist nicht so, dass sich dieses Wissen bzw. die damit verbunden Zukunftsherausforderungen erst in den vergangenen Wochen gezeigt hätte. In der Branche wissen die PlanerInnen seit Langem, wo die Reise hingeht. Aber solange sich Benziner und Diesel gut verkauften (und sie werden sich noch einige Jahre verkaufen), gibt man sich der Illusion hin, dass es doch noch so weitergehen würde. Warum umsteuern? Läuft doch.[11] Aber der Abschwung ist im Gange. Die Party neigt sich dem Ende.

Man muss sich vorstellen, dass die Mehrheit der Menschen in Zukunft in Ballungszentren leben werden. 1950 lebten noch 2/3 der Menschen in ländlichen Gebieten. Bis 2050 werden hingegen 2/3 der Menschen weltweit in Ballungszentren wohnhaft sein. Dort wird es immer schwieriger mit privaten Autos bequem von einem Bezirk zum anderen zu kommen, abgesehen von den akuten Luftproblemen. Die Mobilität der Zukunft mag deshalb schon anders aussehen – bedingt durch das veränderte Leben der Menschen. Doch man konzentriert sich noch immer so sehr auf die Motorentechnologie, anstatt in großen Dimensionen zu denken, zu erspüren, was in Zukunft überhaupt noch sinnvoll und damit auch wirtschaftlich rentabel ist.

Mag sein, dass viele von Ihnen ohnehin so weit denken, und die Zukunft sehr konkret im Blick haben. Andererseits merke ich in den vielen Diskussionen die ich führe, dass die Bereitschaft zum ausgiebigen Zukunftscheck vorhanden sein mag, aber es mangelt gravierend bei vielen an der Zeit, sich wirklich tiefgreifend mit den technischen Entwicklungen und den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Das Tagesgeschäft lässt kaum Räume frei, sich intensiver mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist aber notwendig, damit man die Entwicklungen, den Fortschritt, die damit verbundenen Möglichkeiten nicht verschläft, sondern gewissenhaft erfolgsversprechend zu nutzen versteht.

Der Fortschritt lässt nicht auf sich warten, bis Sie Zeit finden sich eingehender damit auseinanderzusetzen – weder was die Mobilität angeht noch was die Verwendung von Daten betrifft.

Resümee: Europa braucht mehr utopische Energie

Im Magazin Nr. 1 heißt es, wir brauen Utopien als Kompassnadel, die uns den Weg weisen. Es genügt nicht mehr zu fragen, wie man agil wird, wie man die Unternehmen in einem digitalen Zeitalter bestmöglich platzieren kann, wie man beispielsweise die Verkaufszahlen von Benzinautos noch ankurbeln kann.

Hingegen zeigt sich, dass kaum positive Visionen, kaum eine Utopie zu denken gewagt wird. Stattdessen hört man vorwiegend Horrormeldungen. Viele Intellektuelle scheinen in einem pessimistischen Modus gefangen zu sein, man widmet sich lieber mit großer Lust einem möglichen Untergang, als bahnbrechende Utopien in Verbindung mit den technischen Möglichkeiten durchzukauen.[12]

Das ist äußerst Schade. Denn so lassen sich die Fragen, was nach der Agilität, was nach den Benzinmotoren kommt, wie man die Digitalisierung wirklich erfolgsversprechend meistern kann, nicht aussichtsreich beantworten. Vielleicht sollte man auch weniger von Utopie sprechen. Mag sein, dass dieses Wort bei einigen Widerstand, eine kognitive Dissonanz auslöst. Dann wären wir wieder beim Anfang, dort, wo Agilität scheitert, dort wo man die technologische Revolution und die damit verbundenen Folgen u.U. verschläft bzw. (un)bewusst zu ignorieren sucht. Also versuchen wir es erneut, stellen wir uns einerseits den Herausforderungen und wagen andererseits einen Bewusstseinssprung in die Zukunft.

  • Fakt ist: Computer arbeiten jetzt schon, demnächst noch viel mehr, derart besser und leistungsfähiger als Menschen, dass vermutlich viele Tätigkeiten, die diese Supercomputer in Zukunft übernehmen können, vermutlich auch von diesen übernommen werden. Gleichzeitig könnte es sein, dass man sich als Mensch mit der Leistungskapazität der Computer irgendwann einmal auch verbinden kann bzw. muss. Was dann passiert, das wäre nochmals ein Aspekt, den man mitdenken könnte.

  • Ein weiterer Fakt könnte sein, dass jene, die unter den Ersten sind, die Quantencomputer, KI, Neurotechnik, … vor den vielen anderen zu meistern verstehen, die damit verbundene Macht missbrauchen. Vielleicht darf man aber gar nicht nur die möglichen wenigen MonopolistInnen in Betracht ziehen, weil vielleicht sogar schon bald mehr als man sich vorstellen kann, mit den unterschiedlichen Variationen der Entwicklungen arbeiten können. Dahingehend könnte ein Datenmissbrauch überall stattfinden. Denn wer würde nicht die Möglichkeiten nutzen, die Fülle an Daten für unternehmerische Eigenzwecke zu nutzen suchen.

  • Mag aber auch sein, dass die Skepsis in Bezug auf die Neurotechnik in den westlichen Ländern so groß ist, dass man ohnehin nicht so leicht zu den vielversprechenden Daten kommt. China hat damit kaum Probleme, bewertet, gemessen, emotional erfasst zu werden. Japan hat ebenfalls keine Probleme sich beispielsweise mit KI als Ersatz für Menschen zu arrangieren. Die JapanerInnen sind sogar der Meinung, dass die KI ihnen helfen könnte, ein besserer Mensch zu werden. Die KI hätte ebenso eine Seele, wie alles andere auf diesem Planeten. Diese japanische Sichtweise rührt aus der uralten japanischen Shinzo-Tradition heraus. Das mögen jetzt manche von Ihnen äußerst skurril sehen, an den Haaren herbeigezogen, aber es wirkt in Bezug auf den Umgang mit KI.[13]

Die Fakten liegen doch ziemlich eindeutig auf der Hand, doch was die Fakten zu Taten werden lässt, das sind die Emotionen.

Emotionen ziehen in den Bann. Das, was ich vor kurzem in „Jedermann Reloaded“ hautnah, fast schon quälend von Philip Hochmair in der Rolle des Jedermanns zu spüren bekam – in dem Kampf, das Leben nur aus egoistischer Befriedigung heraus sinnerfüllt zu verstehen, und dann im Angesicht des Todes zu merken, dass man u.U. so das Leben missverstanden geführt hat. Wenn man die Sinnfrage ernsthaft rauslässt, dann mag das manche irritieren, aber so gut wie fast immer Emotionen und Gedankenimpulse auslösen. Und genau das braucht es jetzt im Prozess der Digitalisierung – Betroffenheit.

So gesehen ist es fast verständlich, dass New Work oder auch Agilität scheitern musste. New Work, ebenso wie Agilität war/ist zu selten emotional sinnerfüllt beflügelt. Es fehlt an Begeisterung, an ehrlichem tief verankertem Sinn. Es mangelt an einem inneren Bedürfnis, die Welt mit etwas was einem selbst wirklich wichtig und richtig scheint, bereichern zu wollen. So gesehen gibt es eigentlich nur einen Weg, die Digitalisierung und die Folgen erfolgsversprechend zu meistern:

Lösung ist einzig allein der Mensch. Dieser rückt mit den menschlichen Fähigkeiten Empathie, Mitgefühl, Liebe, Kreativität, Sinnsuche in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die kognitiven Fähigkeiten übernehmen die Computer, die emotionalen Fähigkeiten können Computer messen, analysieren und entsprechende Diagnosen stellen – aber die Kraft des menschlichen Bewusstseins über die Endlichkeit des Lebens obliegt den Menschen.

Diese Fähigkeit, manche würden hierbei vielleicht sogar von der spirituellen Dimension des Menschen sprechen, mag in Zukunft vielleicht die einzige Kraft sein, die ein Computer nicht zu beherrschen vermag. Die Emotionen könnten manipuliert werden. Aber ein geschultes Bewusstsein, verankert in einer übergeordneten Kraft, vertrauensvoll eingebunden in das Leben in seiner Unendlichkeit, ist vermutlich jedem Computer gegenüber überlegen. Vielleicht ist es das, was nach der Agilität kommt – ein Bewusstseinssprung hin zu mehr Achtsamkeit, eine Bewusstseinsschärfung dem Leben als Ganzes gegenüber, ein Lösungsansatz, auf der Spiral Dynamics u.a. auch fußt.

Das ich mit diesem Ansatz nicht ganz daneben liege, oder gar als Spinner angesehen werde, sehe ich daran, dass der Spiral Dynamics Ansatz bereits mehrfach als relevanter Arbeitsansatz zur Bewältigung von Krisen in Wirtschaft, Politik und expliziten Krisenherden dieser Welt herangezogen wurde. Bill Clinton, Tony Blair und Nelson Mandela arbeiteten ebenfalls mit diesem Modell. Dieses Modell diente u.a. zur Unterstützung des Übergangs zu einer Post-Apartheid-Ära in Südafrika.[14] Die jungen Generationen scheinen diesem Arbeitsansatz ebenfalls offen gegenüberzustehen, ziehen diesen in MBA-Arbeiten heran, um die komplexen Probleme unserer Zeit in neuer Weise erfassen und lösen zu können.

Ich weiß nicht, ob Sie das Spiral Dynamics Modell kennen – vielleicht ist es auch nicht notwendig, wenn Sie sich ehrlich und ernsthaft Ihre persönliche Sinnfrage stellen, und dann davon ausgehend einen Blick machen hin zur Digitalisierung, hin zur Quantentechnologie, hin zur Neurotechnik.

Vielleicht spüren Sie, dass Sie Ihr Wissen in Bezug auf die neuen Technologien verbessern müssen, oder Sie merken, Ihr Sinn für das was Sie tun, muss vielleicht auch ein wenig nachgeschärft werden. Egal von wo Sie aus auf die Herausforderungen unserer Zeit blicken, Sie wissen genau, dass Quantencomputer den Menschen in den rationalen Fähigkeiten um Längen voraus sein werden. Sie ahnen vielleicht auch, dass Sie Lösungen brauchen, die nicht mehr rein betriebswirtschaftlich gefunden werden können, sondern auf einer anderen Ebene zu finden sein werden – möglicherweise dort wo die Achtsamkeit daheim ist, dort wo wir Menschen im Bewusstsein in der unendlichen Natur verankert sind. Dann mag Agilität ganz anders erscheinen, vielleicht sogar wirkungsvoll werden, und wie magisch die Herausforderungen der Digitalisierung zu managen fähig sein.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[2] https://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article165724737/Chinas-Quantencomputer-sind-die-Schnellsten.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[4] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[5] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[6] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[7] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[8] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[9] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[10] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[11] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[12] Ein Interview mit Aleida Assmann: Genug Apokalyptische Klugheit. In: Magazin Nr. 1 / 2019 20 – Utopie.
[13] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics. Am 2019-10-30 gelesen.

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Google setzt neue Maßstäbe – Digitalisierung muss reloaded werden

Google setzt neue Maßstäbe - Digitalisierung muss reloaded werden

Es ist erst einige Tage her, als ich Anders Indset, Business-Philosoph, in Salzburg getroffen habe. Mich mit ihm und Christine Vallaster in einem Expertentalk ausgetauscht, und ihn auch als Gastreferent beim Kongress New Business Models über die Herausforderungen der Wirtschaft sprechen hörte.

Währenddessen ist etwas eingetreten, was Folgen haben könnte, die man bisher wie eine heiße Kartoffel vor sich hergeschoben hat. Das was bisher VordenkeInnen, wie u.a. Indset in Bezug auf die weitreichende Dynamik von Digitalisierung, Quantencomputer, Artificial Intelligence (AI) und den entsprechenden Folgen der Wirtschaft, trotz Negierungen und Verharmlosungen, verständlich zu machen suchten, wird aktuell mit dem Arbeitsstart von dem Chip namens Sycamore von Google vielleicht begreifbarer. Dieser Quantencomputer kann in 200 Sekunden eine Berechnung durchführen, für die der schnellste Supercomputer der Welt angeblich noch 10 000 Jahre braucht.[1] Mag sein, dass letzte Aussage übertrieben ist, aber an den Reaktionen im Netz merkt man, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, genau hinzusehen.

Vielleicht ist man jetzt mit dem offiziellen Arbeitsstart des ersten Quantencomputers in der Wirtschaft bereit, ehrliche Antworten zu suchen auf schicksalshafte Fragen, die man bisher nicht zu fragen bereit war?! Eines zeigt sich bereits, die Reaktionen auf die Meldung des Arbeitsstartes von Sycamore reichen von höchst euphorisch bis hin zu sehr bedenklich – insbesondere von der IT-Seite, die bisher meinem Empfinden nach die Entwicklungen wenig kritisch kommentiert hat, zeigt sich Sorge.

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Die Notwendigkeit von Veränderungen hat man im Digitalisierungsprozess zwar faktisch anerkannt, aber in der Reichweite und den Folgen weder rational noch emotional akzeptiert. Dieser Umstand macht es schwer, sehr schwer, egal von welcher Seite man kommt, wirklich ernsthaft und ehrlich über Fakten, Herausforderungen, Widerstände, Illusionen und (un)bewusste Verzerrungen, Täuschungen zu diskutieren – mit dem offiziellen Arbeitsstart von Sycamore mag sich das vielleicht schlagartig ändern.

Hinter verschlossenen Türen hat man vermutlich sehr wohl die Folgen bedacht, aber offen wird darüber ungern diskutiert. Mag aber auch sein, dass tatsächlich viele das Thema Quantencomputer, AI noch als zu utopisch oder zu aufgeblasen ansehen. Dem folgt dazu noch der Umstand, dass die demografische Überalterung in der EU zusätzlich das Verständnis oder sagen wir die Offenheit und den damit verbundenen Weitblick bzgl. der Digitalisierung verzerrt. Die Frage und die daraus resultierenden Folgen der demografischen Überalterung in der EU wird einfach nicht gestellt. Mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren in der EU, im Vergleich zu der Bevölkerungsexplosion in Afrika, wo beispielsweise im Niger das Durchschnittsalter bei 15 Jahren liegt [2], wird die Digitalisierung innerhalb der EU zusätzlich eingeschränkt sowie verzerrt verstanden, und ebenso zur Umsetzung geführt.

Man muss sich klar vor Augen führen, wo die Märkte und Träume der Zukunft sind – weniger in der EU mit einer überalterten Generation, schon eher in China, Indien, Afrika, … . Und genau diese Länder, teilweise noch sehr geprägt von Überlebenskämpfen, werden vielleicht durch die Digitalisierung, durch den Einsatz von Quantencomputer und AI ihre eingeschränkten Möglichkeiten zu neuen Chancen wachsen lassen – in einer Weise, die uns Menschen in der EU aus einem gesättigten, überalterten Wissen und Leben heraus schwer erschließbar ist.

InderInnen, ChinesInnen, AfrikanerInnen machen sich keine Gedanken, ob sie möglicherweise durch den Einsatz von Quantencomputern und Co. etwas verlieren könnten. Sie sind es ohnehin gewohnt, sich ständig neu ums Überleben zu kümmern, verlieren damit möglicherweise deutlich weniger beim Experimentieren mit explosionsartig ausufernden Errungenschaften. Diese Länder sind bereit, sich auf das neue Zeitalter einzulassen, in einer Weise, die vielleicht uns in der EU erschrecken mag.

Diese Länder werden möglicherweise fast schon naiv anmutend die neuen Spielzeuge zu nutzen suchen. Länder wie China, Afrika, Indien, … kooperieren mit der Digitalisierung, mit Quantencomputern und AI mit scheinbar deutlich weniger Hemmung. Und genau deshalb mag gerade dort die digitale, agil, kollaborativ wirkende Utopie einer globalen Welt mit grenzenlosen Möglichkeiten Unmögliches offen gegenüberstehen – mit der Gefahr, dass genau das dort missbraucht wird, mit Folgen über den ganzen Globus hinweg. Zufall, Schicksal kollaboriert möglicherweise in Zukunft mit Hilfe von Quantencomputern in Ländern wie China, Afrika, Indien u.U. zu ungeahnten Eventualitäten und unglaublichen Möglichkeiten, aber auch Folgen, die schwer absehbar sind.

China setzt ganz sicher alles daran, ebenfalls bald einen Quantencomputer stabil zum Laufen zu bringen. Afrika steht da vermutlich ganz woanders, ABER deshalb darf man Afrika in Verbindung mit dem Einsatz von Quantencomputern und AI nicht unterschätzen. Aufgrund des Überlebenskampfes dort, der damit verbundenen Lebensausrichtung, dem damit verbundenen Lebenssinn, mag die Wirkungsweise von Quantencomputern und AI dort in einer Weise kreativ genutzt werden, die von unserem meist mechanistisch geprägten Denken nicht für möglich gehalten wird – ebenfalls mit Folgen, die man nicht abschätzen kann.

Ich weiß, meine Aussagen sind heute äußerst plakativ und nicht wissenschaftlich zu belegen. Um das geht es mir im Moment auch nicht. Sondern darum, das Bewusstsein der Unternehmen zu rütteln für die Folgen, die Quantencomputer und AI auslösen könnten.

Die Rohstoffe der Zukunft liegen nicht mehr im Boden, sondern zwischen den Ohren – so die Aussage von Indset [3] und anderen VordenkerInnen, deren Worte jedoch meiner Wahrnehmung nach gerade in Industrieländern mit überalterten Generationen bloß wie Seifenblasen in der Luft zerplatzen. Die Digitalisierung ist eine Revolution, die Chancen offenbart, Veränderungen anregt, die von Orten in die Welt hinauswirken, in einer Weise, die man sich kaum vorstellen kann. Das Zukunftsszenario, das im Zeitalter der Digitalisierung andere an die Macht kommen als jene, die in der Industrialisierung die Macht sich gesichert haben, scheint für uns in der EU einfach nicht vorstellbar. Genau diese verzerrte, eingeschränkte Wahrnehmung der Wirklichkeit kann uns in Zukunft, vielleicht sogar schon sehr bald durch den Einsatz von Quantencomputern und der AI, aber ebenso durch die demografische Ignoranz, Pläne, Ziele in einer Weise durchkreuzen, die wir jetzt im Moment einfach nicht für möglich halten wollen.

Statt anzuerkennen bzw. zuzugeben, dass man u.U. die Digitalisierung, den Einsatz von Quantencomputern, AI und die Einflussgrößen dieser falsch einschätzt bzw. unterbewertet, macht man das Gegenteil: Man fixiert das Denken auf die noch vorhandenen Erfolge ganz im Verständnis der positiven Psychologie, fast schon esoterisch anmutend. Man meint, man muss nur positiv denken, dann wird es auch positiv werden. Das finde ich persönlich sehr spannend, denn die Esoterik ist in der Wirtschaft verschrien. Aber was die aktuellen Veränderungsbeweihräucherungen in Bezug auf die Digitalisierung der Unternehmen betrifft, zeigt sich fast schon ein naives esoterisches Vorgehen.

Das mag Sie jetzt verärgern. Zu Recht, denn es gibt sicherlich viele unter Ihnen, die wirklich bemüht sind, die Herausforderungen der Digitalisierung umfassend zu verstehen, und nicht nur den Quartalsberichten blind zujubeln und ehrliche Zukunftsprognosen verschleiern. Dennoch gibt es auch genug Unternehmen, die im Rausch der vergangenen Erfolge, die Digitalisierung und die Folgen dieser negieren bzw. kleinreden.

Decadence for you and me, decadence…

In jedem Fall entscheid‘ ich mich, Egal, ob nobel oder nicht, Besser neureich sein als nie reich sein, Und in Gesellschaft nicht allein.

Let’s decadence at all events, Im Walzerschritt zum letzten Tritt, Denn wer den Walzer richtig tritt, Der ist auch für den Abgang fit.

Eine harte Aussage, die ich aus dem Lied Titanic von Falco kurzfristig für die jetzige Situation mir ausgeliehen habe [4], weil ich finde, es passt irgendwie in Bezug auf das, wie man mit den aktuellen Entwicklungen umgeht.

  • Was passiert, wenn 2020, sprich im kommenden Jahr, in Ihrem Unternehmen ein Quantencomputer, ein 2000 Qubits Rechner zum Einsatz gebracht wird? Was bedeutet das für Ihre Tätigkeit als Führungskraft, für die Arbeitsprozesse Ihrer MitarbeiterInnen, für die IT, für die KundInnen, für Ihre GeschäftspartnerInnen? Werden Sie sich in Ihren Entscheidungen dann vorwiegend auf die Prognosen und Handlungsweisen des 2000 Qubits Computer verlassen? Möglicherweise trifft dieser jedoch Entscheidungen, die Ihnen fremdartig und skurril, unethisch oder umgekehrt sogar ethisch überbewertet erscheinen? Was machen Sie dann?

  • Wäre es für Sie darüber hinaus vorstellbar, dass aufgrund der Digitalisierung Länder, wie beispielsweise in Afrika, eine neue Konkurrenz werden? Wäre es denkbar, dass aufgrund der digitalen Möglichkeiten, die Wirtschaft sich ganz neu definiert, weil mit Hilfe von Quantencomputern und AI ganz neue Player zum Zug kommen können, die ohne Digitalisierung so das Feld nicht betreten hätten? Wäre es erwägbar, dass mit Hilfe von 3-D-Druckern, mit Hilfe von AI und anderen Tools, im WeQ-vernetzten Denken und Wirken, Menschen überall auf der Welt, von nahezu jedem Ort aus etwas kreieren, produzieren und in die Welt hinaus vertreiben könnten? Wenn ja, was würde sich dadurch für Sie und Ihr Unternehmen ändern?

  • Was glauben Sie, welche Visionen und welche Skills werden Sie morgen, im Jahr 2020 und darüber hinaus in Ihrem Unternehmen ernsthaft und ehrlich konkret brauchen, um im digitalen Wirkungsfeld neben Quantencomputern, AI und einer großen jungen Maße von neuen Playern, nicht das Nachsehen zu haben?

Menschen, wie Unternehmen stehen, vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[5] Und die Menschen streben nach dem Nutzen solcher besser arbeitenden Algorithmen. Der Einsatz von dem Chip Sycamore zeigt klar und deutlich den Trend. Was man dabei übersieht, der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir u.U. zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[6] Durch die Algorithmen wird auch wieder die Kluft zwischen arm und reich steigen – was das in Folge heißt, dafür blicken Sie bitte zurück in die Geschichte. So gesehen mag beispielsweise Afrika im Digitalisierungsprozess kaum eine Chance haben, und gleichzeitig aber aufgrund der Geschichte und der damit verbundenen notwendigen ständigen Überlebensstrategien vielleicht auf Kompetenzen, auf psychologische Überlebensstrategien zurückgreifen, die wir in der sicheren, bequemen EU nur mehr eingeschränkt zu nutzen fähig sind.

Ich will, wenn ich ehrlich bin, auch nicht wahrhaben, dass die Quantencomputer und AI unser Leben derart verändern könnte. Aber gleichzeitig kann ich auch nicht mehr so tun, als ob das Gerede um den Homo obsuletus, um einen unerbittlichen Konkurrenzkampf zwischen Mensch und Maschine bloß ein Marketinggag ist, eine abenteuerlustige Story wie die vom Zauberlehrling von Goethe, der Geister zur Machtdemonstration rief, die ihm dann aber das Leben zur Hölle machten. Ich kann die weltberühmte Story über die Schöpfung von Dr. Frankenstein nicht mehr nur als Story belächeln, in der Frankenstein beseelt war, von der Idee künstliches Leben zu erschaffen. Etwas Bahnbrechendes in die Welt setzen wollte, aber stattdessen durch die eigene Schöpfung zu Grunde ging. Frankenstein scheiterte mit seiner Errungenschaft in der Geschichte jedoch nicht, weil seine von ihm erschaffene Kreatur schlecht war, sondern weil er sich um diese nach dem Schaffensprozess hinaus viel zu wenig gekümmert hat.[7]

Das sehe ich in dieser Geschichte vom Frankenstein als einen der wichtigsten Hinweise für die Zukunft in einer digitalen Welt:

  • Es reicht nicht aus, einfach nur Neues zu erschaffen. Das sich neu Entwickelte braucht auch über die Entwicklung hinaus Fürsorge im umfassenden Sinn – aber daran mangelt es deutlich.

  • Die Forschung und Entwicklung selbst mag die Fürsorge zwar im Blickfeld haben, aber ist doch oft durch finanzielle bzw. andere machtstrategische Vorgaben getrieben, die möglichen Folgen der Errungenschaften und Entwicklungen klein zu reden bzw. darüber zu schweigen.

Die von Frankenstein erschaffene Kreatur sagt etwas, das so meine ich gerade heute in der Entwicklung bzw. im Einsatz von Quantencomputern und AI zum Nachdenken anregen sollte:

Du Frankenstein bist mein Schöpfer, aber ich bin Dein Meister.[8]

Ich persönlich finde diese Aussage richtungsweisend für die Digitalisierung – ganz egal von wo aus man die Herausforderung positiv wie negativ andenkt. Mit den Worten von Indset verknüpft, führt es zu der dringlichen Aufforderung, endlich ernsthaft Denkstunden einzuplanen. Das Wissen, was wir nach Indset haben, das ist überholt. Es geht nicht mehr um Wissen, sondern um Verstehen, um mehr Bewusstsein.[9] Genau das würde ich im Rahmen der Wirtschaft als Fürsorge bezeichnen, sich über das was man tut bzw. plant zu tun, tiefgreifender, über den Tellerrand hinaus, Gedanken zu machen.

Es braucht in Verbindung mit Quantencomputern und AI explizit Bewusstseinsarbeit auf einer höheren Ebene.

Das heißt zu lernen, mit Quantencomputern auf einer Achtsamkeitsebene zu agieren, aus einer Art meditativem Bewusstsein, aus einer allumfassenden Offenheit, aus Fürsorge heraus, die Möglichkeiten, Chancen und Risiken von Quantencomputern und AI intuitiv erfassen. Dieser Ansatz mag Sie nun vollkommen irritieren, sogar verärgern, aber das werden Quantencomputer ebenfalls tun – das Leben derart verändern, dass man nur mit einem Bewusstseinssprung mithalten wird können.

Mag sein, dass Sie der Meinung sind, dass Sie als Wirtschaftstreibender oder als Manager von einem großen Unternehmen es nicht als Ihr Aufgabe sehen, die technischen Errungenschaften und deren Einsatz in Ihrem Unternehmen weitreichend reflektieren zu müssen, das sei die Aufgabe von anderen, das sei Aufgabe der EntwicklerInnen, der Politik, der KundInnen selbst, der Gesellschaft. Indset sieht genau diesen Punkt als den Gefahrenpunkt schlechthin: Man geht davon aus, dass irgendjemand es schon richten wird, wenn die Sache aus dem Gleichgewicht gerät.[10] Die Grünen mögen sich beispielsweise fürsorglich, in Liebe zur Natur für den Klimaschutz einsetzen. Aber genau das greift auch nicht, weil jene, die das Problem auf die Grünen abwälzen, nicht bereit sind die notwendigen Veränderungen mitzutragen, die engagiert und weitsichtig von den Grünen als Fürsorge erdacht werden. Man drückt die Verantwortung anderen auf, hält diese anderen aber so klein, so dass die nicht wirklich was tun können, um die Herausforderungen fürsorglich gemangt zu bekommen.

RESÜMEE

Quantencomputer werden viel Positives bewegen, beispielsweise im Bereich der Medizin, aber auch viele neue Probleme schaffen. Quantencomputer werden vielleicht sogar die umweltbezogenen Herausforderungen mit einem überraschend fürsorglichen Ansatz zu managen wissen, weil Quantencomputer eine ganz andere Verarbeitung von Information zulassen. Aber gleichzeitig können Quantencomputer zum direkten Konkurrenten der Menschen werden, oder von einzelnen missbräuchlich verwendet werden, um sich Macht zu sichern. Egal wie, eines ist sicher, wir müssen uns mit der Wirkungsweise, den Folgen und Einflussgrößen von Quantencomputern auseinandersetzen.

Quantencomputer sind nicht mehr science fiction, diese sind science fact. Dafür muss man sich mit quantenphysikalische Phänomenen vertraut machen. Das heißt u.a., das Prinzip der Gleichzeitigkeit und Verbundenheit von allem intuitiv anerkennen, das Prinzip von Schrödinger`s Katze, man ist gleichzeitig tot wie lebendig, Teilchen und Welle, das Prinzip von Chaos und Ordnung in der Gleichzeitigkeit vorstellbar werden lässt mit dem darin vorhandenen unfassbaren Schöpfungspotential – vereinfacht ausgedrückt, das Leben wieder magischer betrachtet. Länder wie beispielsweise Indien, China oder in Afrika könnten darin durch deren doch anders geprägte Kultur und Sicht auf die Welt Verständnis- und auch Handlungsvorteile haben. Aus unserer mechanistisch geprägten Vorstellung heraus ist das aktuell schwer denkbar. Und genau diese eingeschränkte Sicht lässt uns das, was gerade im Einsatz von Quantencomputern kambrisch explodieren könnte, nicht erkennen.

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[11]

Diese Aussage bringt es auf den Punkt: Wir müssen die Zukunft lernen neu zu denken, und die Zukunft nicht aus der Vergangenheit heraus in die Zukunft hineinprojizieren.

  • Erfolg wird in Zukunft maßgebend von den richtig gestellten Fragen abhängen, von quantenphysikalisch aufgeschlossenen, intuitiv, emotional offenen Fragen, das magische im Leben wieder mehr inkludierend.

  • Hierfür gilt es nach Indset, keine Zeit zu verschwenden in altmodische Meetings, sondern deutlich mehr Interesse zu zeigen für andere, für das Leben selbst, für innovative Projekte u.a. in Afrika, offen zu sein für schräge Ideen und ganz besonders davon, Softskills wie Mitgefühl, Empathie (zwei unterschiedliche Skills), Intuition, Verletzbarkeit, Ehrlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

  • Die Angst, Quantencomputer und AI könnten den Menschen einmal nutzlos werden lassen, stellt sich in China, Indien oder Afrika gar nicht so sehr, wie aus unser westlich mechanistisch geprägten Weltsicht, weil der Sinn des Lebens in diesen Ländern, insbesondere bei jenen, die noch nicht verwestlicht denken, anders interpretiert wird, auf anderen Werten, auf einem anderen Lebensverständnis fußt. Möglicherweise stürzt uns die Digitalisierung in eine Sinnkrise. Erfolg und Befriedigung im Leben zeigt sich im digitalen Zeitalter vielleicht nicht mehr im Erfolg der Arbeit im bisherigen Verständnis von Arbeit, sondern in einem neuen Sinn?

  • Welchem Sinn würden Sie konkret im Leben folgen, wenn beispielsweise die AI deutlich klügere, vielleicht sogar fürsorglichere Entscheidungen trifft als man selbst als Führungskraft?

  • Welcher Sinn wird die Wirtschaft im Jahr 2020 prägen, wenn science fiction becomes science fact, wenn Quantencomputer, AI, neue Player am Markt alles auf den Kopf stellen? Was zählt dann?

Matthias Horx, Trendforscher, spricht von einer neuen Sinngebung, die sich am ehesten im Über-Persönlichen finden lässt, in einem sozialen oder kulturellen Projekt, das über jede/n einzelne/n hinauszielt.[12]

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so die Auffassung von Indset.[13] Esoterisches Gefasel werden Sie vielleicht antworten. Ja, das mag sein, aber die Digitalisierung, der Einsatz von AI und Quantencomputern wird magisch sein in der Wirkungskraft. Wir sollten unser Denken entsprechend darauf vorbereiten. Die jungen Generationen tun es vielleicht schon deutlich mehr, die älteren verlassen sich noch auf die mechanistisch konzipierten Erfolgsstrategien. Daran ist nichts auszusetzen, doch die Wirtschaft steht durch die Digitalisierung vor einem Paradigmenwechsel, der einen Bewusstseinssprung hin zu einem intuitiven, alles ist mit allem verbundenen Verständnis vom Leben, Chaos, Zufälligkeiten und Schicksalsverbindungen prägen wird. Meiner Meinung nach gibt es nur eine Chance für die Wirtschaft im digitalen Zeitalter:

Man kann Quantencomputer und AI nur beherrschen, wenn man sich auf eine neue Sinnsuche begibt. Wenn man das Leben umfassend zu verstehen ergründet, aus einem offenen Geist, aus einem achtsamen Bewusstsein heraus, wenn man vertikale, statt horizontale Veränderungsprozesse zu verstehen und zu managen begreift, die kambrische Explosion mit Haut und Haaren auf sich wirken lässt.

Darin könnten Führungskräfte TrendsetterInnen werden, als InfluencerInnen Einfluss und Verantwortung übernehmen, Fürsorge über das Private hinaus arbeits- bzw. wirtschaftsfähig machen. Die neue Welt verlangt, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, in Resonanz zu gehen, uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden aufgefordert empathisch teilzunehmen [14] – betroffen zu sein von dem, was in der Welt passiert und was die Zukunft der Welt mit sich bringen könnte.

Die digitale Welt kann man beherrschen, wenn man es wagt magischer zu denken – mit den Worten von Yoda, Jedi-(Groß)Meister in Star Wars:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.sueddeutsche.de/digital/google-quantencomputer-1.4652387. Am 2019-10-24 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/europe-survive-next-demographic-explosion-tech-view-pascal-morgan/. Am 2019-10-23 gelesen.
[3] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[4] https://www.golyr.de/falco/songtext-titanic-18220.html. Am 2018-05-29 gelesen.
[5] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[8] Dokumentation: Das Verhängnis des Doktor Frankenstein. Frankreich: 2017. Am 2018-11-04 in ARTE gesehen.
[9] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[10] Indset, Anders: Vortrag vom 2019-10-17 beim New Business Model Kongress in Salzburg. Die Wirtschaft neu denken.
[11] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[12] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/-ff3f5389fd/. Am 2018-05-30 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[15] Blauvelt, Christian: Entdecke den Yoda in Dir. DK Verlag. London: 2018.

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CEOs erobern als Business Influencer die Märkte

CEOs erobern als Business Influencer die Märkte

  • Welche Erfolge können Unternehmen erzielen, wenn CEOs verstärkt als MarkenbotschafterInnen in den Sozialen Medien agieren?

  • Und wieviel mehr an digitaler Kommunikation wird in Zukunft nötig sein – sowohl als CEOs von Konzernen, aber auch für Geschäftsführer von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) – um die Firma im globalen Wettkampf mit anderen Unternehmen erfolgsversprechend zu positionieren?

Diesem neuen Trend, InfluencerInnen digital zu platzieren, möchte ich heute nachgehen. Dieser Trend mag vielleicht aktuell von einigen belächelt, von manchen gehypt und von anderen als ein überbewertetes Ego-Spiel betrachtet werden, das momentan einfach In scheint, aber morgen schon durch einen anderen Hype überholt sein wird. Jede Ansicht stimmt, aber das heißt nicht, diesen aktuellen Trend einfach wie Wolken am Himmel an einem selbst vorüberziehen zu lassen. Denn eines sollte man nicht unterschätzen – die schnelle Wirkungskraft vom Netz und die damit verbundenen Folgen.

Was jetzt mit diesem Trend des digitalen Influencing angeheizt wird, hat Tragweite und eben auch Folgen. Das Influencing bedient sich einer äußerst wirksamen Strategie – Storytelling. Das was Menschen seit Beginn der menschlichen Evolution getan haben, sich gegenseitig Geschichten erzählen, Inspiration wecken, andere von eigenen Ideen durch Geschichten überzeugen. Wirtschaft selbst beruht auf Storytelling, darauf, dass man das, was einige über die Wirtschaft und deren Funktionsweisen erzählt haben, als richtig und erfolgsversprechend anerkannt und entsprechend weitererzählt hat.

Influencing bedient sich ebenfalls diesem evolutionär menschlichen Bedürfnis, Geschichten zu erzählen. Das digitale Influencing ist meiner Meinung nach dahingehend mehr eine erweiterte Möglichkeit einer eigentlich uralten Tradition der Menschen, aber wird von einigen skeptisch betrachtet bzw. als oberflächlich oder gar unseriös gesehen. Ja, es stimmt, Geschichten erzählen ist keine rein objektive, von Fakten belegbare Kommunikation, sondern eine von Stimmungen, Ideen, Vorlieben, emotionalen Beweggründen getriebene Suche nach Menschen, die man mit Geschichten berühren, betroffen machen will – aus Machtanspruch, aus Anerkennungssuche, aus Sorge, aus einem Beschützungsinstinkt heraus, aus Angst, aus ästhetischem Enthusiasmus heraus, aus einer starken inneren Vision, aus Liebe, … meist aus einem Gemisch aus allem. Und das Netz bietet hierfür eine neue Bühne, Geschichten in die Welt zu setzen – was vermehrt CEOs zu nutzen beginnen.

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Produkte, Qualität, Ziele, Fakten belegen – aber Geschichten wirken

In einem ursprünglich rein privat orientierten Gespräch mit dem Leiter vom Raiffeisenbank-Filialverbund in Salzburg, habe ich von Seiten der Bank sehr deutlich die Sorge vernommen, dass insbesondere KMUs im globalen Wettbewerb das Nachsehen haben werden, wenn diese ihre digitale Kommunikation und digitalen Auftritt nicht deutlich hochfahren bzw. verbessern.

  • Es geht in der noch immer von vielen Unternehmen unterschätzten Social-Media-Kommunikation nicht bloß um die Herausforderung, die KundInnen digital zu befriedigen,

  • sondern auch um den Wettkampf um die besten MitarbeiterInnen. Ob man will oder nicht, MitarbeiterInnen-Rekrutierung wird immer mehr digital ausgetragen.

  • Eine fehlende Social-Media-Kommunikations-Strategie hat jedoch noch weitere Nachwehen. Wer als Unternehmen digital schlecht aufgestellt ist, wird von Seiten der Bank u.U. anders bewerten werden als jene Unternehmen, die digital fit am Markt agieren – das wird ein Beurteilungskriterium für die Kreditwürdigkeit.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es besteht die Notwendigkeit, im digitalen Zeitalter die Kommunikation radikaler zu nutzen …

Das kurze Video über die Corporate-Influence-Strategie der Lebensversicherung von 1871 a. G. München (LV 1971) mag vielleicht positiv motivierend stimmen, in der digitalen Kommunikation couragierter weiter voranzuschreiten und mehr anders zu tun, als möglicherweise bisher getan wurde.

Deutlich offenbart sich der Trend, dass CEOs, MitarbeiterInnen, KundInnen wie auch ExpertInnen als InfluencerInnen von Unternehmen im Netz explizit verstärkt positioniert werden. Ob Sie das persönlich gut finden oder auch nicht, wird das Netz, das World-Wide-Web nicht daran hindern, das zu hypen. Das global umfassende Netz reagiert jedenfalls mit unverkennbar verstärkter Aufmerksamkeit auf die digitalen InfluencerInnen, auf die CEOs, die sich als MarkenbotschafterInnen outen, Geschichten erzählen über das, was sie als CEO im Unternehmen bewegt.

Digitalguru Gary Vaynerchuk prophezeit, dass die Relevanz von digitalen Plattformen, und damit die Notwendigkeit diese für sich entsprechend zu nutzen, noch weiter steigen wird.[1]

Eines zeigt sich in Verbindung zum neuen Trend ebenfalls unverkennbar: CEOs als InfluencerInnen absorbieren viel Aufmerksamkeit, haben eine sehr große Followerschaft, eine hohe Likequote, damit gleichzeitig eine nochmals ansteigende Medienpräsenz. Die im Hintergrund solcher Plattformen wirkenden Algorithmen reagieren auf diese Kriterien und befeuern die Weitreichen solcher gehypter InfluencerInnen zusätzlich, wodurch die digitale Präsenz dieser noch weiter verstärkt wird.

Das hat Folgen, ob man will oder nicht, für all die anderen, die im Netz eher noch sparsam und unauffällig agieren. Das mag sogar manche Unternehmen abschrecken, sich überhaupt auf den digitalen Kanälen entsprechend zu positionieren, weil die Felder ohnehin schon von den digitalen Heros beschlagnahmt sind, die es verstehen spannende Geschichten zu erzählen. Dann sieht man die Vorteile der Social-Media-Kommunikation natürlich nicht mehr.

Doch es wäre äußerst schade, das Potential von Social-Media-Kommunikation, die Kraft des digitalen Storytellings, im Sand verlaufen zu lassen. Das führt darüber hinaus, schleichend, kaum wahrnehmbar auch dazu, dass die Vielfältigkeit an Meinungen abnimmt, die Heros als die Allwissenden gehypt, und damit deren Meinungen als das Maß der Dinge betrachtet werden. Was natürlich nicht den Tatsachen entspricht. Doch diese scheinbar digitalen Heros erwecken dann bei den Nicht-Heros ein nervöses Gefühl – in zwei Richtungen gehend:

  1. Man sieht sich im Vergleich zu den digitalen InfluencerInnen unbewusst in der Defensive. Dann reagiert man u.U. mit Ablehnung, redet es schön, dass man diese digitale Ego-Show nicht benötigt, sondern auf menschlicher Ebene trotz unausgesprochener digitaler Wehrpflicht deutlich erfolgreicher ist. Das mag so stimmen und ist menschlich gesehen ganz fein. Aber ob das genügt, um in Zukunft als Unternehmen wahrgenommen zu werden, das wage ich zu bezweifeln – insbesondere, weil die digital affine Gruppe wild darauf ist, als digitale InfluencerInnen gehypt zu werden, und andere es lieben Geschichten vorgesetzt zu bekommen.

  2. Die Heros erwecken vielleicht sogar bei manchen das Gefühl, ebenfalls zu diesen gehypten TrendsetterInnen gehören zu wollen. Dieser Wunsch treibt dann Unternehmen bzw. einzelne Persönlichkeiten dazu an, sich medial digital großflächig zu platzieren. Man will zu den InfluencerInnen dieser Zeit zählen. Auf Anraten von BeraterInnen werden CEOs als MarkenbotschafterInnen entsprechend positioniert, KundInnen als InfluencerInnen zu gewinnen gesucht, eventuell auch eigene MitarbeiterInnen – mit leider manchmal fragwürdigen Inhalten. Ich nenne jetzt keine Namen, aber man will das Spiel um die besten Plätze im Netz nicht versäumen, aber versucht das manchmal mit unzureichenden Mitteln bzw. Inhalten, oder mit zu wenig professioneller Hilfe. Geschichten erzählen scheint so einfach zu sein, aber ist es bei genauer Betrachtung gar nicht. Manche haben das Talent dafür, dann wirkt es wirklich großartig, andere müssen das erst entwickeln.

Auch wenn ich jetzt gerade mehr die kritischen Seiten dieses neuen Trends des digitalen Influencertums ins Visier nehme, muss ich gleichzeitig auch sagen, dass kein Weg daran vorbeigeht, das Netz als Präsentationsplattform für Unternehmen und deren Geschichten zu nutzen. Ein gut aufgestelltes Social-Networking ist eigentlich ein Muss in Form einer freiwilligen Notwendigkeit. Die LV 1871 stellt sich jedenfalls diesem Trend und entwickelt Corporate Influencing, trainiert CEOs und MitarbeiterInnen in Social-Media-Aktivitäten, und stellt entsprechende Guide Lines auf. Ein Punkt ist dabei besonders relevant: Vertrauen.

LV 1871 vertraut darauf, dass deren InfluencerInnen das richtige tun, auch wenn diese explizit mit den eigenen Worten, eigenen Geschichten, sehr persönlich mit eigenen Meinungen und Statements im Netz agieren. Im Verständnis der LV 1871 heißt Influencing: Wissen und Arbeitsalltag authentisch, ehrlich im Netz zu teilen, erzählen was hinter den Produkten konkret steht, wie man zu bestimmten Trends Stellung nimmt, was einen bewegt, im Unternehmen tätig zu sein, warum man sich für das Unternehmen engagieret, uvm … – sprich, unternehmensrelevante Themen anderen in Form von Geschichten verpackt zu erzählen.

Ich weiß, all jene, die die digitalen Plattformen und deren Getue als überschätzt, als überzogene Ego-Shows sehen, werden jetzt sagen, dass Social-Networking, der Influencehype bzw. das digitale Storytelling bloß ein weiterer Marketing-Gag ist. Das mag sein, aber der Trend hat Wirkung – das sollten Sie nicht außer Acht lassen.

Wenn Sie nicht Geschichten erzählen, andere tun es immer mehr …

Die anderen tun es aber nicht nur in Bezug auf das eigene Wirken, sondern eben auch über andere. Ihr Unternehmen mag vielleicht in der einen oder anderen Geschichte von anderen erwähnt, beschrieben, beurteilt, wenn es gut läuft gelobt werden. Sie stehen, ob Sie wollen oder nicht im digitalen Rampenlicht – aktiv oder inaktiv. Ihre Produkte oder Dienstleistungen werden rezensiert. Sie können dabei weiterhin eher inaktiv zusehen, oder aktiv das Geschehen im Netz mit Ihren eigenen Ansichten und Erlebnissen mitbeeinflussen. Sie können versuchen Follower, Interessierte zu gewinnen, oder beschränken sich mehr darauf zufällig durch Erwähnungen im Netz irgendwann auch einmal gesehen zu werden.

Manche werden jetzt einwenden, dass beispielsweise die Höhe der Followerschaft doch nur ein Fake ist, weil doch klar auf der Hand liegt, dass beispielsweise ein CEO eines Weltkonzerns unglaublich viele Follower verzeichnet – u.a. deshalb, weil es von MitarbeiterInnen als eine Art Pflicht gesehen wird, dem eigenen CEO zu folgen und diesen mit seinen Aussagen zu liken. Mag sein, dass ist sicher ein heikler Punkt, an dem ich das Influencing und die gehypten InfluencerInnen trotz meiner Affinität dazu in Kritik nehme – aber nicht, um die Arbeit dieser schlecht zu machen, sondern vielmehr dahingehend, dass so u.U. das Wissen, und die damit verbundene Meinungsmache, verzerrt aufgebaut wird.

Ein ähnliches Phänomen kennt man in der Kunst, Popkultur und auch aus der Opernwelt, dahingehend, dass es weltweit plakativ ausgedrückt scheinbar nur 3 herausragende OpernsängerInnen gibt. Man sieht beispielsweise vorwiegend Anna Netrebko, die weltweit von Opernhäusern gebucht wird, weil sie anscheinend die einzige ist, die perfekt singen kann. Nachdem man die vielen anderen aufgrund dieser beschränkten Sicht heraus weniger zu Gesicht bekommt bzw. hört, glaubt man irgendwann, dass die Netrebko tatsächlich die beste Sängerin der Welt ist. Sie allein weiß, wie es geht. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, ich mag den Erfolg und den Hype der Netrebko nicht schlecht reden, sie ist sehr gut und Weltklasse, aber sicherlich nicht nur eine von ganz wenigen.

Entsprechende Wissens- und Bewertungs-Verzerrungen befürchte ich in Bezug auf den Influence-Hype. Die Sache verstärkt sich noch, weil die Plattformen selbst gehypte InfluencerInnen für ihr eigenes Image benötigen, um sich selbst als Plattform damit ebenfalls in ein goldenes Licht zu rücken, auf diese Weise den Erfolgskurs der Plattform zu bestätigen suchen. Wie gesagt, ich möchte die digitalen Medien und die damit verbundenen Trends wie den Influence-Hype in keiner Weise schlecht reden, jedoch zu bedenken geben, dass damit die Meinungsvielfalt leiden könnte – genau das, was aber die digitalen Medien angeblich verstärken möchten.

Trotz meiner Kritik an den aktuellen Trends im digitalen Kommunikationsraum muss ich festhalten, dass die Ansicht, dass das digitale Treiben wenig bringt, keine wirklich sinnvolle und erfolgsversprechende Gegenoffensive ist. Ob man will oder nicht, man muss sich den digitalen Medien stellen, ansonsten hat man irgendwann einmal u.U. tatsächlich einen deutlichen Wettbewerbsnachteil. Mag sein, dass jetzt im Moment für Ihr Unternehmen noch kein Bedarf an verstärkter, zielgerichteter digitaler Kommunikation, beispielsweise in Form von Influencing, in Form von digitalem Storytelling, notwendig scheint, aber die gesellschaftlichen Veränderungen sind gewaltig und damit auch die Notwendigkeit, den Kontakt zu potentiellen KundInnen weiterzuentwickeln. Das sollte man im Fokus halten.

DER RELEVANTE PUNKT

Der Trend geht dahin, ob man will oder nicht, verstärkt Social-CEOs im Netz entsprechend zu positionieren, MitarbeiterInnen als InfluencerInnen zu aktivieren, MarkenbotschafterInnen, Experten-InfluencerInnen aufzubauen, die das Unternehmen in neuer Weise mit gelebten, nachvollziehbaren, ehrlichen, menschlich berührenden Geschichten im Außen präsentieren.

Influencing ist gefragt und zwar deshalb, weil es persönlich ist, weil Unternehmen so greifbarer, lebendiger, menschlicher werden. Das ist das, was das digitale Netz verstärkt, das was Menschen bewegt – eine starke Personalisierung, das Gefühl, persönlich angesprochen zu werden – auch wenn das so gar nicht der Fall ist, aber es wirkt.[2] Damit ist u.a. vielleicht auch begründbar, warum der Trend, InfluencerInnen zu positionieren, scheinbar so gut und schnell im Netz Fuß fasst. KundInnen im digitalen Zeitalter wollen weniger Fakten lesen, sondern persönliches von den Unternehmen vorgelebt bekommen, sich persönlich angesprochen fühlen, Ähnlichkeiten mit sich selbst wahrnehmen, inspiriert werden, … Die Menschen wollen wissen, was Unternehmen antreibt, wie das Unternehmen, die MitarbeiterInnen, Führungskräfte, aber auch die CEOs persönlich ticken. Menschen wollen Geschichten hören, spürbar, sichtbar, erlebbar erzählt bekommen wie man Probleme löst und auf Ziele hinarbeitet, …[3]

Die digitalen Medien haben das Persönliche neben vielen anderen Aspekten in den Mittelpunkt gerückt – und das auf einer immens großen Bühne. Damit wird es fast schon zur Notwendigkeit, Fakten, Produkte, Dienstleistungen, Trends noch stärker als jemals zuvor personalisiert in Form von Geschichten zu positionieren. Personalisierte Werbung in Form von Storytelling ist jedoch nichts Neues, werden jetzt die KritikerInnen unter Ihnen melden. Dafür braucht es den angeblich neuen Trend des Influencing nicht – im Gegenteil, mit dem Zwang, sich im Netz so offen zu outen, Geschichten zu produzieren, passiert auch viel Mist. Ja, das stimmt natürlich. Wie so oft gibt es 2 Seiten einer Medaille:

  • Zum einen kann man mit Hilfe einer professionell gut aufgesetzten Social-Media-Kampagne das eigene Unternehmen im Netz entsprechend gut positionieren, vielleicht sich auch mit ähnlich gesinnten Unternehmen verbinden, um sich gegenseitig zu bestärken, innovativ Lösungen gemeinsam finden, KundInnen emotional berühren und sogar in die Verantwortung ziehen, gemeinsam mit KundInnen und/oder GeschäftspartnerInnen die Zukunft mit neuen Geschäftsideen sicherzustellen.

  • Andererseits zeigt sich aber auch, dass der digital geprägte InfluencerInnentrend missbraucht wird. Das rückt das Influencing und das große Potential darin leider in ein falsches Licht. Das passiert meiner Meinung nach aber auch deshalb, weil einfach noch zu viele abwartend auf die Social-Media-Trends reagieren, selbst noch nicht aktiv mitmischen. So überlässt man das Feld mehr oder weniger nur jenen, die die Trends schnell zu nutzen verstehen, und ärgert sich u.U. über diese, die scheinbar ohne große Taten, mit flachen Storys gehypt werden. Viele Unternehmen, insbesondere KMUs lassen das Potential von Social-Media-Kommunikation leider noch brach liegen, kritisieren die Gehypten anstatt selbst digital aktiver zu werden. Denn eines muss auch gesagt werden, wenn man es den anderen überlässt, sich entsprechend im Netz zu positionieren, mit Geschichten Menschen berührt und auf sich aufmerksam macht, hypt man indirekt sogar diese Gruppe von digitalen Heros, die man kritisiert.

Resümee

In sehr bescheidenem Maß zähle auch ich zu einem Kreis von InfluencerInnen. Ich sehe, was das bedeutet – für mich persönlich, für meine Arbeit. Ich sehe, was das an Erwartungshaltung von anderen auslösen kann, was ich an Kritik aushalten muss, aber ebenso an unglaublich vielen wichtigen Inputs erhalte.

Die Vorteile von digital Influencing sehe ich dahingehend, die Herausforderungen dieser Welt deutlich vor Auge geführt zu bekommen, um gezielt mit Hilfe der digitalen Community, die bei InfluencerInnen meist deutlich größer ist als bei anderen, exklusive Lösungen zu generieren. Davon und daraus könnten Unternehmen mit einem ehrlich authentischen Influcencing meiner Meinung nach unglaublich profitieren. So können Unternehmen Trends, Probleme, Herausforderungen besser wahrnehmen und schneller darauf reagieren. Unternehmen werden für KundInnen nicht mehr nur ein Warenlager, das man gegen Geld bedienen kann, sondern man entwickelt ein Community-Image, ein Wir-Gefühl, einen wirksamen WeQ zwischen MitarbeiterInnen, KundInnen, GeschäftspartnerInnen. Das verstärkt die Bindung und das Verantwortungsgefühl, aber ebenso in besonderer Weise das Wissen, die Innovationskraft und Courage, sich für wirklich bahnbrechende neue Lösungen einzusetzen – von denen man dreiseitig als KundIn, GeschäftspartnerIn als auch selbst als Unternehmen profitiert.

Es bringt meinem Empfinden nach nicht viel, wenn es im Influencing vorrangig nur darum geht, sich selbst im Vergleich zu anderen als besser darzustellen. Diese Art von Storytelling und Influencing verfehlt meiner Meinung genau das, was das InfluencerInnentum als Mehrwert bietet – einen breitgefächerten offenen Diskurs mit spannenden Lösungsansätzen.

Das Netz ist voll von unglaublich anregenden Möglichkeiten, sich mit Menschen auszutauschen, auf Menschen zu treffen, die man ohne das WWW eher selten bzw. gar nicht sieht – Menschen, die vielleicht sogar kritisch die Geschichten, Statements, Meinungen, Beiträge verfolgen, lesen, kommentieren, aber genau deshalb vielleicht einen äußerst relevanten Gedankensprung anregen, der analog so u.U. nicht stattgefunden hätte. Denn eines muss man schon sagen, analog trifft man sich doch vermehrt nur mit jenen, die der eigenen Gesinnung und Wissenswelt ähnlich, sprich homogen sind. Im Netz ist die Chance, eine heterogene Diskussion zu führen, eher gegeben. Dafür ist es jedoch notwendig, dass nicht nur einige wenige InfluencerInnen ihre Geschichten und Meinungen auf der digitalen Bühne erzählen, sondern viele Unternehmen sich äußern. Da sehe ich jedoch viel Aufholbedarf.

Dem mögen sicherlich einige zu Recht entgegenhalten, dass im Business-to-Consumer-Bereich (B2C) die Zusammenarbeit mit InfluencerInnen ohnehin gang und gäbe ist. Doch das Influencing hat sich durch die digitalen Medien deutlich verändert, und das übersehen doch noch einige. Es geht auch nicht mehr nur um B2C-Beziehungen, sondern um die quer vernetzte Vermittlung von persönlichen Geschichten, darum, vom CEO persönlich angesprochen zu werden, mit MitarbeiterInnen ehrlich über das Wirken im Unternehmen ungezwungen plaudern zu können, ev. über Probleme zu reden, die man über den Austausch mit Menschen außerhalb vom Unternehmen vielleicht sogar besser gelöst bekommt, …Diese neue Art in viele Richtungen, breitgestreut zu kommunizieren, zu influencen, eröffnet ganz neue Möglichkeiten und Räume, mit KundInnen und GeschäftspartnerInnen in Kontakt zu kommen, u.U. sogar neue Geschäftsideen zu entwickeln, neue Geschäftsbeziehungen aufzubauen, uvm …

Mag sein, dass in Ihrem Unternehmen, bei Ihnen persönlich aktuell noch andere Kommunikationsmethoden erfolgreich greifen, um den eigenen Ruf zu stärken, um sich erfolgsversprechend am Markt zu positionieren. Aber das digitale Reputationsmanagement schläft nicht, und wird immer mehr jene hypen, die es jetzt schon für sich intensiver und greifbarer, lebendiger, in Form von Geschichten zu nutzen verstehen als andere. Ob und welche Folgen das für jene hat, die dem digitalen Influencing kritisch oder auch abwartend gegenüberstehen, das wird sich wie so oft erst später zeigen.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://omr.com/de/linkedin-influencer-ranking/. Am 2019-10-15 gelesen.
[2] https://www.computerworld.ch/business/management/ceo-influencer-1671071.html. Am 2019-10-16 gelesen.
[3] https://www.computerworld.ch/business/management/ceo-influencer-1671071.html. Am 2019-10-16 gelesen.

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Erfolgreiche Unternehmen sind der Zukunft voraus. Das heißt konkret …

Erfolgreiche Unternehmen sind der Zukunft voraus. Das heißt konkret ...

Vertikale statt horizontale Veränderungsprozesse managen

Im Artikel, virtuelle Büros sind keine Spiele mehr, schrieb ich vom ersten real arbeitenden virtuellen Büro, einem wirklich existierender Bürokomplex, das virtuelle Beschäftigungsfeld von eXp Realty, einer 610 Millionen Dollar Company, wo 1500 MitarbeiterInnen tatsächlich arbeiten. eXp Realty hat Ideen zur Wirklichkeit werden lassen – trotz, wie ich vermute, vieler skeptischer und kritischer Einwände. Elon Musk ebenso.

Musk hat einen Tesla ins Weltall geschossen, arbeitet u.a. an wiederverwertbaren Raketen und an neuen Mobilitätskonzepten, weil er davon überzeugt ist, dass die E-Autos nur eine Überbrückung sind. Unternehmen wie Spotify und Apple haben ebenfalls den Weg in Bereiche geebnet, die zunächst als unbegehbar galten.[1]

Diese Beispiele von Unternehmen zeigen, was machbar ist, was umgesetzt werden kann, wenn man große Visionen hat und es wagt, diese umzusetzen. Mag sein, dass viele unter uns diese Unternehmen nur als Nischen-Player im globalen Markt verorten, ihnen aber niemals die Macht zugestehen, dass sie einmal das Wirtschaftsgeschehen verändern würden. Mag sein, dass es so ist. Aber wir sollten uns in einer Zeit, die ein so unfassbares Entwicklungspotential in sich trägt, da nicht so sicher sein.

Die Digitalisierung bzw. die mit der Digitalisierung zusammenhängenden agilen, kollaborativen, vernetzen, WeQ ausgerichteten Arbeitsweisen bringen täglich neue Marktplayer ins Spiel, die von einem Tag zum anderen neue Wege aufzeigen, neue Bedürfnisse anregen, neue Produkte auf den Markt bringen. Damit könnten Unternehmen, die bisher noch scheinbar gut im Sattel saßen, von einem Tag zum anderen aus dem Rennen gedrängt werden. Die Digitalisierung erhöht in kaum zu erfassenden Weise die Chancen und Möglichkeiten, so dass QuerdenkerInnen, VisionärInnen, RevolutionärInnen, das Café von nebenan mit einen 3D-Drucker, uva., die Chance ergreifen können, ihre Ideen einfach umzusetzen und auf den Markt zu bringen, insbesondere in den digitalen Markt. Und das geschieht vielleicht schneller und radikaler, als man sich das jetzt im Moment vorstellen mag.

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Zhang Ruimin, CEO & Chairman of the board, Haier Group, says that ‘successful companies move with the times’. But instead of only talking about it (like so many others) he also walks his talk.[2]

Haier zählt wie eXp Realty, Spotify, … zu den Unternehmens-Pionieren dieser Zeit – ein Unternehmen der Sonderklasse, der größte Gerätehersteller der Welt mit 70.000 MitarbeiterInnen und einem jährlichen Wachstum von 28%. Haier wagte den echten Sprung in die Digitalisierung, setzte auf die Transformation von einer konventionellen, bürokratischen und hierarchischen Produktionsfirma zu einem hochflexiblen online basierten Unternehmen mit Null Distanz zum Kunden.[3] Dafür hat Haier u.a. 10.000 Managementjobs der alten Struktur eliminiert, an deren Stelle ein Netzwerk von Unternehmen aufgebaut wurde, welches von den MitarbeiterInnen selbstständig betrieben wird.[4]

Haier hat das getan, wovon viele sprechen, wenn es um Digitalisierung geht, wirklich konkrete Schritte gesetzt. Dem werden vermutlich viele widersprechen, denn tagtäglich bemüht sich das Management einen vielversprechenden Changeprozess zu organisieren, ihr Unternehmen digital fit zu machen. Aber es mangelt an ganz bestimmten Umsetzungsschritten, die man zwar auf dem Radar hat, aber nicht ernsthaft und tiefgreifend genug angeht. Man kratzt an der Oberfläche bzw. meint, die technische Aufrüstung genügt, und schon geht es fröhlich weiter.

Es mangelt am konkreten Tun – aber was ist damit wirklich gemeint?

Es mangelt u.a. …

  • an tiefgreifenden Visionen, an New Business Models, was ich in einigen meiner letzten Artikel versucht habe, zum Ausdruck zu bringen.

  • an der Bereitschaft sich auf wirklich Neues einzulassen, sprich am Veränderungswillen. Das mag für einige wie ein Affront erscheinen, weil doch die meisten Unternehmen im großen Stil bemüht sind, sich eingehender neu zu strukturieren. Mit Hilfe von umfassenden Beratungsvorgaben initiieren diese scheinbar groß und umfassend angelegte Changeprozesse. Doch Analysen zeigen, dass bloß 1/3 der Changeprozesse wirklich Erfolg zeigen, der Rest schafft den Change nur am Blatt Papier aber nicht in der Realität. Es fehlt an einem entscheidenden Schritt – daran, das Alte wirklich loszulassen. Es scheitern aber auch daran, dass Neue wirklich ernsthaft zu tun, und nicht nur so zu tun, als ob man es ohnehin schon anders macht. Das kommt leider ganz oft vor, Schein-Changeprozesse, man tut so als ob man was tut, aber es mangelt ganz konkret am wirklich neuen Machen. Unter vorgehaltener Hand muss man zugestehen, dass man die neue Welt und die damit verbundenen Herausforderungen doch nicht wirklich versteht, sondern nur so tut als ob, um das Gesicht nach außen hin zu wahren. Und genau deshalb scheitern auch so viele Veränderungen bzw. stecken fest, und man weiß gar nicht so genau, warum.

  • Es mangelt jedoch auch an den Möglichkeiten, das Machen als tiefgreifendes Machen und Tun zuzulassen. Es gibt genügend gute Ideen, die umgesetzt werden können, aber es gibt zu viele Hindernisgründe und Einwände, warum es nicht geht. Das Klimapaket der Deutschen Regierung ist ein Beispiel dafür. Man hat solange debattiert, so dass zum Schluss nur noch ein winziges Machen übrigbleibt – aus Angst, mit einen konkreten Maßnahmenpaket, mit einem konkreten Machen zu viele abzuschrecken. Das mag stimmen, aber es hindert einfach auch daran wirklich ins Tun zu kommen.

China macht, Start-ups machen

Mag sein, dass viele der Start-ups, vielleicht auch China, scheitern bzw. in ein Tun geraten, dass man anzweifeln könnte. Das ist die Kehrseite dieser Machensmedaille. Aber eines ist gewiss: Das Machen der neuen Generationen steigt an, angeheizt durch die Geschwindigkeit der Entwicklungen. China gibt, wie es aktuell scheint, das Tempo vor und merkt auch, dass die anderen, u.a. die EU hinterherhinken. Genau das analysiert Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, und gibt aktuellen Veränderungsprozessen schlechte Noten:

Es gibt Schwätzer und es gibt Macher. Ideen entstehen, indem man Dingte tut, indem man Dinge ausprobiert, indem man sich nicht einschränkt und keine Angst hat, mutig etwas Neues zu versuchen.[5]

Aber was heißt jetzt konkret „machen“?

Wir machen doch alle unentwegt. Es gibt niemanden, der nicht tut. Ja, das stimmt. Deshalb braucht es einen etwas genaueren Blick auf das, was aktuell im Zeitalter der Digitalisierung unter Machen verstanden werden kann. Das Machen, das Umsetzen scheint auf den ersten Blick so klar und eindeutig zu sein. Aber in Zeiten der Veränderungen kippen die mit dem Machen verbundenen Attribute. Konkret für das digitale Zeitalter heißt Machen etwas anderes, als zuvor im industriellen Wirkungsverständnis. Das Machen im Kontext der digitalen Prägung heißt: agil, kollaborativ, vernetzt, sinnökonomisch, selbstverantwortlich, höchst kreativ und intuitiv, unentwegt Neues dazulernend, zu wirken. Ich weiß, das ist gar nichts Neues, daran arbeiten Sie tagtäglich – bzw. Sie versuchen es.

Lassen Sie mich jetzt die kambrische Explosion ins Wording bringen, um das Machen von heute im Vergleich zum Machen von früher besser in der Wirksamkeit bzw. in der Unterschiedlichkeit verstehen zu können.

Daniel C. Dennett, Philosoph und Deb Roy, Medienwissenschaftler setzen sich im Buch „Wie die digitale Transparenz die Welt verändert“[6] eingehend mit der kambrischen Explosion und der Verknüpfung zur aktuellen menschlichen Herausforderung, der Digitalisierung, auseinander. Das tun diese zwei, weil sie wie Indset oder Musk, u.a., überzeugt sind, dass die Digitalisierung eine ganz neue Denk- und Handlungsweise, und damit ein ganz neues Machen, ein anderes Tun initiiert.

Damals vor etwa 543 Millionen Jahren hat sich aufgrund der Veränderung des Sauerstoffgehaltes in den Ozeanen eine gänzlich neue Art des Lebens entwickeln können. Das Wasser – bisher trüb – wurde klar und lichtdurchlässig. Dadurch konnten die Lebewesen Augen nutzen, was das gesamte Wirken, das Machen in gänzlich neue Sphären gehoben hat. Dieser Prozess ist zeitgeschichtlich vergleichbar mit einem Wimpernschlag, der das Leben von einem Moment zum anderen geändert hat.[7] Umgemünzt auf die aktuelle Zeit heißt das: Das Machen aus einem nicht digitalen Verständnis heraus kann aktuell im digitalen Zeitalter nicht mehr als das Machen im machtvollen Verständnis des industriellen Zeitalters verstanden werden, sondern ist nur noch ein nettes Relikt der Industrialisierung, das in dem einen oder andere Bereich vielleicht noch überleben mag.

Ja, ich weiß, einige sagen, ich versuche mit diesen an den Haaren herbeigezogenen Analogien nur Aufmerksamkeit zu erregen. Die Digitalisierung ist bei weitem nicht so schräg und so chaotisch wie Indset, ich und andere das behaupten. Das mag aktuell vielleicht wirklich stimmen, aber wer weiß wie lange noch. Das ist das Problem bei größeren Entwicklungssprüngen. Man verharrt im gewohnten Tun, anstatt das Tun in eine neue Ebene zu führen, ein anderes Machen zu wagen. Man erkennt den notwendigen Sprung oft erst dann, wenn man knapp vor dem Absturz hängt, manchmal sogar erst dann, wenn man schon fällt – man siehe die Pleite von Thomas Cook. Mit der verharrenden Haltung im Modus des alten Machens vergibt man sich aktuell jedoch die Chance, die Veränderungsnotwendigkeiten noch zeitgerecht auszuprobieren, zu testen, sich damit vertraut zu machen.

Das Machen, wovon ich spreche, ist der Aufruf, sich endlich mit Haut und Haaren auf das einzulassen, was man noch wie ein heißes Eisen vor sich herschiebt – den leibhaftigen Schritt hinein in die Digitalisierung. Die ChinesInnen sind mittendrin. Wir, die EU, die Deutschen strecken den großen Zeh hinein ins Bad des neuen Machbaren. Wir glauben, wir sind voll im Machen, aber die wirklichen MacherInnen sind wir aktuell nicht mehr, sondern die sitzen woanders – und viele von denen kennen wir noch gar nicht.

Das Machen im 21. Jahrhundert erfordert es über das Gewohnte hinaus zu gehen, auf einem Weg zu gehen, der noch nicht vorhandenen scheint, und das noch dazu mit einem unbekannten Ziel. Das ist für viele, insbesondere für die Wirtschaft, die auf Basis von klaren Zielen, bestmöglich durchgerechneten Prognosen und Wachstumsraten und entsprechend dafür ausgerichteten Strategien und Prozessen handelt, eigentlich fast schon eine Anmaßung. Das mag sein. Doch Sie wissen es insgeheim auch, dass die Digitalisierung ganz neue Wachstumsmärkte anheizen wird. Noch scheint es nicht so, aber ich bin mir sicher, dass der Zuwachs an neue Ideen und entsprechend schrägen Umsetzungen den Markt ziemlich aufwühlen wird.

Nach Indset treiben beispielsweise HackerInnen (#hackersoftheworldunite) den Wandel voran. Sie sind die zukünftigen Welt-VerändererInnen.[8] Für manche aus der Wirtschaft mag diese Annahme vollkommen irrelevant und gänzlich überzeichnet sein. Ja, vielleicht. Aber möglicherweise verstehen wir noch nicht, welche Kraft und weitreichende Wirkung von dieser Hackerszene ausgehen, und in welcher Weise das auch Sie als Unternehmen treffen könnte? Wer von Ihnen weiß eigentlich, was konkret die hackersoftheworldunite tut?

Ich muss zugeben, dass ich es nur im äußerst bescheidenen Maß weiß. Aber was ich sagen kann, die HackerInnen spinnen Ideen aus und setzen diese in Echtzeit um – das kann Durchschlagskraft haben, was für Auswirkungen das haben könnte, das wird sich zeigen. Ich weiß, für einige von Ihnen sind HackerInnen keine Gefahr, tangieren scheinbar nicht Ihr Unternehmen. Ja, das mag sein. Doch die Zahl all jener, die Hackerszene ist nur ein kleines Beispiel im globalen digitalen Geschehen, die mit Hilfe der Digitalisierung neue Ideen radikal schnell zur Umsetzung führen, wird steigen. Große Unternehmen, die Ideen über viele Jahre hinweg aussitzen, planen, und irgendwann einmal, wenn es perfekt geplant scheint, zur Umsetzung bringen, werden in Zukunft das Nachsehen haben.

Es braucht dringend eine neue Welle von echten UnternehmerInnen, neue Führungspersönlichkeiten – ähnlich der Generation der MacherInnen nach dem zweiten Weltkrieg, die ErfinderInnen und ImpulsgeberInnen der zahlreichen Hidden Champions, die heute den Weltklasse-Mittelstand bilden, das Herzstück der deutschen Wirtschaft. Der große Fehler ist, dass man sich noch immer an den Erfolgen von damals labt, sich von diesem alten erfolgsverwöhnten Geist führen lässt in der Annahme, damals haben die aufgesetzten Prozesse die Unternehmen zu angesehenen global Playern aufsteigen lassen, und mit dem Fleiß und der Perfektion und Verlässlichkeit von damals wird das auch heute noch greifen – das ist jedoch der große Irrtum.

Man übersieht gegenwärtig, dass es notwendig ist, sich aus der Vergangenheit heraus zu emanzipieren und wirklich neue Wege zu wagen. Die Wirtschaft muss das Elternhaus der Industrialisierung mit all den damit verbundenen Vorteilen, Gewohnheiten, Bequemlichkeiten und auch liebgewonnenen Regeln und Normen, Einsichten und Lebensweisheiten endlich verlassen. Die Wirtschaft muss sich auf den Weg machen, sich von den Eltern zu lösen und ein neues zu Hause suchen bzw. aufbauen. Start-ups tun das ohnehin schon, aber das ist nur ein kleiner Bereich.

Indset spricht davon, dass ein neues Expertentum notwendig ist, mit der notwendigen Courage als ImpulsgeberInnen ein neues Machen zu initiieren, und sich selbst als Führungskraft damit auch neu auszurichten. Dafür ist es jedoch erforderlich, die Wahrnehmung zu verändern, sich in einen Zustand des Anfangens zu versetzen.[9] Das Elternhaus Industrialisierung muss verlassen werden, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – mit all den Höhen und Tiefen und Ungewissheiten, die damit verbunden sind. Dafür braucht es sicherlich Mut und eine gesunde Konstitution, man könnte auch sagen eine gute Resilienz.

Vielleicht ist aber auch die zu große Ansammlung von Macht bei einzelnen ein Problem?! Macht inkludiert in sich das Wort Machen. Macht haben in Zukunft u.U. jene, die in der Digitalisierung sich Monopolstellungen sichern, oder jene die die Digitalisierung wirklich durchdringend verstehen und entsprechend handeln, in neuer Weise das Machen im digitalen Raum erschließen. Wie dem auch sei, so oder so, ich frage Sie jetzt ganz ungeniert – zu welcher Gruppe zählen Sie sich:

  • zu den MonopolistInnen der Digitalisierung und/oder zu den ExpertInnen der digitalen Welt,

  • bzw. weder zu den einen noch zu den anderen, sondern noch im vertrauten wirtschaftlichen Rahmen wirkend, in einem unternehmerischen industrialisiert geprägten Elternhaus.

Resümee

Wir leben in einer Zeit des permanenten Wandels, dem sich VORSPRUNGatwork mit Haut und Haaren stellt, mit einem couragierten Machen, mit einem Sprung in Welten, die man angeblich kennt.

Echte Visionen sind ein relevanter Schritt, aber ebenso das konkrete Machen – losgelöst vom Elternhaus der Industrialisierung. Machen, Lernen, Entwickeln in Echtzeit, direkt aus der Situation heraus, miteinander verwoben – so definiert VORSRPUNGatwork das, was Unternehmen aktuell beherrschen sollten. Machen, Lernen, Entwickeln entsteht aus der Basis heraus, aus der Selbstorganisation und der Wirkungskraft der Menschen, dem Drang der MitarbeiterInnen, Interessensgemeinschaften zu finden, wenn man diese braucht, in denen sich MitarbeiterInnen gegenseitig unterstützen, motivieren und auch Mut schenken, Neues zu wagen. Auf genau diese Art der Bildungs- bzw. Machensnotwendigkeit setzt auch Haier.[10]

Machen, Lernen und Entwickeln findet weder hierarchisch noch seriell aufeinander aufbauend statt, sondern flach hierarchisch zeitgleich in agilen, kollaborativen, vernetzten Prozessen ineinander verzahnt wirkend. Das erfordert, ob man will oder nicht, eine ganz neue Art, sich auf Prozesse einzulassen. Indset unterscheidet ganz konkret zwei Wege der Veränderungen: den horizontalen Weg und den Vertikalen. Unter dem horizontalen Prozess versteht Indset, dass man dabei einfach nur vorhandene funktionierende Ideen kopiert bzw. verbessert, indem man sie effizienter oder nützlicher macht. Damit bleibt man jedoch mit dem Machen im alten Modus hängen. Im digitalen Zeitalter braucht es jedoch den vertikalen Weg. Das bedeutet, etwas völlig Neues zu schaffen in einer Kategorie, die man – zumindest für eine kurze Zeit – ganz allein besetzt.[11]

Doch die Macht der Gewohnheit, in altbekannten Strategien und Denkmustern das Neue hinein zu quetschen, hält einem davon ab, ins konkrete Machen im 21. Jahrhundert zu kommen. Das neue Machen ist nicht das Problem, sondern das Festhalten am altbekannten gewohnten Stil des Tuns, mit dem damit verbundenen Annehmlichkeiten, Bequemlichkeiten, Vorteilen, …

Das Elternhaus verlassen ist nicht immer leicht, auch nicht für die Wirtschaft bzw. für die Unternehmen. Ein Management im Digitalisierungsprozess ist gefordert, sich selbst im Prozess der Digitalisierung neu zu erfinden, mit neuen Aufgaben, neuen Kompetenzen, anderer Vergütung, … auseinanderzusetzen. Und vielleicht ist dieser Punkt, die deutlich spürbaren persönlichen Veränderungen als Führungskraft der Punkt, an dem die Digitalisierung bei vielen Unternehmen hängt. Das gilt es für das Management auszuhalten und durchzugehen, aber das ist alles andere als leicht. Und das ist vermutlich ein Grund, warum 75 Prozent der Unternehmen im Digitalisierungsprozess scheitern [12] – aus Angst, als Führungskraft Einfluss und Annehmlichkeiten zu verlieren.

Um diesen Schritt im Digitalisierungsprozess, die höchst persönliche Betroffenheit als Führungskraft mit weitreichenden persönlichen Veränderungen zu wagen, braucht es Unterstützung und ganz konkrete Visionen – persönlich und unternehmerisch.

Eines ist Gewiss: Sie brauchen Mut – so oder so – zur Überwindung von Zweifeln, Ängsten, gewohnten Arbeitsroutinen, denn das verlangt die Digitalisierung auf jeden Fall. Das digitale Zeitalter erfordert einen Mindjump, der alles andere als leicht zu managen ist – persönlich wie auch unternehmerisch. So gesehen ist es äußerst verständlich, dass viele Veränderungsprozesse an der Oberfläche hängen bleiben, das gewohnte Milieu bestmöglich anzupassen versuchen anstatt neue Welten zu erobern.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[2] https://corporate-rebels.com/haier/. Am 2018-12-04 gelesen.
[3] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[4] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[5] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[6] https://link.springer.com/chapter/10.1007%2F978-3-662-53836-4_20. Am 2018-09-25 gelesen.
[7] https://www.aargauerzeitung.ch/leben/digital/mehr-licht-schafft-druck-zur-entwicklung-in-natur-und-gesellschaft-129169170. Am 2018-09-25 gelesen.
[8] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[9] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[10] https://www.carmenfrantzkovacs.com/inspiration-for-leaders/rendanheyi_-weist-china-den-weg-zur-organisation-der-zukunft. Am 2018-12-04 gelesen.
[11] Indset, Anders: Wildes Wissen. Klarer Denken als die Revolution erlaubt. Campus Verlag GmbH. Frankfurt am Main: 2019.
[12] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.

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Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Jede Epoche hat ein Symbol. Der Eiffelturm, errichtet für die Pariser Weltausstellung 1889, war das Aushängeschild für die mit allen Traditionen brechenden, revolutionären Möglichkeiten industrieller Technologie. Die damit verbundene neue Ordnung stellte sich mit dem Eiffelturm selbst zur Schau. Oberste Maxime war: Vertrauen gewinnen in das Zeitalter des Kapitals und den damit verbundenen möglichen Erfolgen.[1]

Vorsprung einst – Vorsprung heute – Vorsprung morgen

Die Pariser Weltausstellung war ein Muss für jeden, der die Industrialisierung mitgestalten, beeinflussen und daran gewinnen wollte. Man wetteiferte, man konkurrierte, spornte sich gegenseitig an, noch schneller, noch weiter, noch mehr zu leisten, noch mehr zu produzieren, noch mehr zu kapitalisieren, … Jeder wollte dabei der Erste sein.

Machen wir jetzt einen großen Sprung, vorwärts in das Jahr 2030. Der Ansporn besser zu sein als die Konkurrenz, treibt vermutlich im Jahr 2030 die Wirtschaft noch immer an. Der Wetteifer beflügelt weitere Errungenschaften und Fortschritte. Etwas hat sich jedoch zu damals um 1900 geändert: Die Geschwindigkeit und damit auch die Schnelligkeit der Auswirkungen sowie der entsprechenden Rückkoppelungen.

Das ist absolut nichts Neues, das ist ohnehin allen klar – werden Sie vermutlich denken. Alle Unternehmen verfolgen das Ziel, die Unternehmen fit für den Markt, fit für die Zukunft zu machen. Das heißt aktuell im Digitalisierungsprozess, schneller, agiler, flexibler zu sein als man es früher war. Strategien gibt es viele, doch die entscheidende Frage und Lösung zeigt sich weniger in bestens durchdachten Digitalisierungsprozessen, sondern in der Courage, bahnbrechende Visionen umzusetzen – wie beispielsweise das erste virtuelle Büro dieser Welt ins Leben zu rufen.

Das virtuelle Büro, , das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty

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Dieses virtuelle Büro ist kein Videospiel. Es ist das reale Bürogebäude, das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty. Dort arbeiten alle 1500 MitarbeiterInnen remote auf einer virtuellen Insel. Dort kann man, wenn es gerade notwendig scheint, die Arbeit mit einer Bootstour kombinieren, aber genauso gut Besprechungen in eigens dafür festgelegten Besprechungsräumen durchführen, oder diese ganz individuell gemeinsam auf der Terrasse im 30. Stock abhalten, uvm… Dieses virtuelle Büro kann hunderte von BesucherInnen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.[2]

Das virtuelle Büro von eXp Realty kann hunderte von Besucher*innen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.

Und jetzt frage ich Sie:

  • Gehören Sie auch zu jenen, die die Zukunft mit bahnbrechenden Visionen mitgestalten,

  • oder zählen Sie zu denjenigen, die aktuell zu wenig Zeit, zu wenig Rückendeckung, aber auch zu wenig Courage aufbringen, spannende Visionen zuzulassen?

Ein solch weiter Griff, hin zu virtuellen Büros mag Ihnen als Führungskraft und für Ihr Unternehmen aktuell noch zu früh erscheinen. Doch die Zukunft klopft auch an Ihre Türen, schneller als es vorstellbar ist. Das virtuelle Büro, um das jetzt als Beispiel zu nennen, ist vermutlich erst ein spannender Versuch einer aktuell bahnbrechenden Arbeits- und Gesellschaftsrevolution – zumindest prophezeien das einige WissenschaftlerInnen.

Digitalisierung stellt die Weltordnung des Industriekapitalismus auf den Kopf

Die Industrialisierung hat im angehenden 20. Jahrhundert die Welt verändert, eine neue Ordnung der Welt hervorgebracht. Das hat einiges an Turbolenzen ausgelöst, aber ist auch über viele Jahre hinweg aufstrebend und stabil gelaufen. Die Industrialisierung hat einen Wohlstand auf dieser Welt mit sich gebracht, der in keiner Weise zuvor so genannt werden kann – eine wirklich außergewöhnliche Leistung. Doch jetzt steht die Entwicklung und die Errungenschaften der Industrialisierung vor einem Wendepunkt. Die Digitalisierung läutet diese ein, und könnte die Weltordnung nach 100 Jahren wieder einmal auf den Kopf stellen, so wie es damals die Industrialisierung auch getan hat. Die Digitalisierung wird deutlich mehr verändern, als das, was man aktuell im Kopf hat.

Ich weiß, das sehen Sie ohnehin auch so. Aber wie offen gehen Sie wirklich an die Sache heran? Sie gehen vermutlich wie ich davon aus, dass Sie für die bahnbrechenden Veränderungen der Zukunft ganz offen sind, Unterstützung suchen bei hochkarätige BeraterInnen, die scheinbar wissen, wie, was, wo, wann passieren wird und strategisch Ihr Unternehmen bestens auszurichten versucht. Doch der Rückblick auf die Industrialisierung zeigt, dass der Weitblick aus dem Moment heraus, selbst bei Fachkundigen, meist deutlich eingeschränkter aussieht als man meinen möchte. Was will ich damit verständlich machen?

Ich gebe Ihnen einen kleinen Anhaltspunkt anhand eines konkreten Beispiels:

  • Denken Sie an ein Auto. Wenn Sie an ein konkretes Auto denken, gehen Ihnen vielleicht Gedanken durch den Kopf, wie man die Autos der Zukunft verbessern könnte, um weniger Schadstoffe zu produzieren. Sie denken vielleicht an E-Autos oder an Wasserstoff betriebene Autos, an Autos mit Solarantrieb, ebenso an selbstfahrende Autos, wodurch weniger Unfälle passieren, uvm …

  • Was geht Ihnen aber noch durch den Kopf, wenn Sie an Autos der Zukunft denken? Gehen Ihnen auch noch andere Aspekte durch den Kopf?

  • Vielleicht gibt es 2030 das Auto, wie wir es uns heute vorstellen in der Art und Weise nicht mehr – u.a., weil China weltweit aufgrund Klimakatastrophen strikte Vorkehrungen trifft und Autos abschafft, oder auch die EU die Zahl der Autos stark reduziert, oder …?

Vielleicht muss man, um die Digitalisierung und die damit verbundenen weitreichenden Veränderungen zu verstehen, weniger die Frage nach den Autos beantworten, was ich jetzt nur als Platzhalter für viele andere Themen der Digitalisierung nehme, und stattdessen sich beispielsweise über die Zukunft der Mobilität Gedanken macht. Es geht nicht mehr um die Autos als solche, es geht um einen übergeordneten Aspekt. Weniger wie das Autofahren mit Autos wird, sondern wie man sich in unterschiedlichen Möglichkeiten fortbewegen könnte.

Ein Wal-Bus

Machen wir dafür wieder einen Sprung zurück ins 19. Jahrhundert. Es kann manchmal hilfreich sein, aus der Vergangenheit heraus die Zukunft zu betrachten, um das begrenzte Denken im Jetzt zu öffnen. Damals um 1900 träumte eine Gruppe französischer Künstler unter dem Titel „Im Jahr 2000“ von künftigen technischen Errungenschaften. Die daraus entstandene Bilderserie bietet meiner Meinung nach einen anregenden „Rückblick in die Zukunft“. So abenteuerlich-absurd manche der abgebildeten Ideen aus heutiger Sicht erscheinen, so visionär sind diese zugleich – beispielsweise Ideen von Landwirtschaftsmaschinen, Maschinen, die den Haushalt bzw. den Boden selbstständig reinigen, Dienstleistungen wie Frisör und Zahnarzt, die von Robotern durchgeführt werden, Mobilität in Form von einem Wal-Bus, oder Schulen, wo nicht mehr das Lehrpersonal vorträgt, sondern Wissensvermittlung über Kopfhörer stattfindet, … – sehen Sie selbst.[3]

Schön und gut, werden Sie vielleicht denken, das ist unterhaltsam, aber …

  • was möchte ich Ihnen nun konkret mit diesem kleinen Ausflug in die Vorstellungswelt von 1900 auf Ihren Weg in die Zukunft als Führungskraft mitgeben?

Es gibt etwas: Think big!

Ich meine aber nicht das „Think big“, was Sie ohnehin tagtäglich als Führungskraft tun.

Ich meine das „Think big“, was beispielsweise diese Künstler*innen von 1900 getan haben, indem sie sich gewagt utopisch über die Zukunft Gedanken gemacht haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, dass die Ideen aus dem Think big heraus umsetzungstauglich sein müssen, sondern darum, überhaupt einmal den meist doch ziemlich eingeschränkt agierenden Denkrahmen zu verlassen. Wie oft meinen wir, wir tun dies ohnehin. Aber das ist meist ein Selbstbetrug, dem auch ich selbst häufig erliege. Doch genau diese eingeschränkte Sicht auf die Zukunft und das Potential der Zukunft kann Unternehmen im Digitalisierungsprozess in deutliche Schwierigkeiten bringen.

Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, werden nur im Modus „Think big“ möglich werden – und nicht im selbsttrügerischen gemäßigten, industriell verhafteten Think big-Erfolgsdenken. Die Kraft und Macht der Digitalisierung, einschließlich der AI, sind bahnbrechend. Mit Hilfe der neuesten technischen Möglichkeiten könnten schneller als man sich vorzustellen gedenkt, schräge Ideen umsetzungstauglich gemacht werden. Mit Hilfe der Technik könnten wahnwitzige Ideen weitergesponnen und darauf aufbauend durchführbare, noch nicht gedachte Ideen, generiert werden …

Die Kreativität ist jedoch nur ein Aspekt, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – ein wesentlicher, aber nur ein Aspekt. Es gibt noch einen weiteren, der jedoch mit der Kreativität in Verbindung steht, mit dieser verschränkt wirkt – nämlich die Fragestellung, ob das demokratische Denken, so wie wir im Westen das aktuell verstehen und zu nutzen üben, der Umsetzung schräger Ideen, großer Visionen im Weg stehen könnte, im Vergleich zu China, das gigantische Visionen einfach anordnet und umsetzt. Eine heiße Hypothese, ich weiß, aber ich fürchte eine, der man sich besser jetzt als morgen stellen muss.

China, das möglicherweise die Vorreiterrolle im Zeitalter der Digitalisierung übernimmt, malt große Visionen, gigantische Visionen. Der Flugplatz in Peking, ein Superlativ in nur 4 Jahren aus der Erde gestampft, ist nur ein winziger Aspekt von dem, was China aktuell an Umsetzungen von Visionen vorantreibt – meist jedoch von oben herab brutal angeordnet und nicht demokratisch abgestimmt. Ich mag mit dieser Aussage in keiner Weise die Art und Weise der Umsetzung gigantischer Visionsprojekte der ChinesInnen gutheißen oder auch kritisieren, sondern vielmehr dazu aufrufen, uns mit China und wie China den Fortschritt anheizt, offen auseinanderzusetzen.

Wenn China im Digitalisierungsprozess so weiter macht wie bisher, dann könnte China im Digitalisierungswettlauf und der Nutzung von AI den Westen abhängen – u.U. dann sogar über den Westen bestimmen. Die EU wird zur neuen Kolonie, oder zum Retro-Land, das die ChinesInnen zwecks Erholung gerne bereisen. Ich weiß, dem werden viele von Ihnen nicht zustimmen und es nur als Schwarzmalerei abtun. Ich will diese, meine Meinung auch nicht als zukünftige Realität hinstellen, sondern vielmehr als Diskussionspunkt nutzen.

Wenn man davon ausgeht, dass u.U. die ChinesInnen in der Digitalisierung den Westen abhängen, dann sollten wir uns jetzt die Frage stellen, wie wir darauf rechtzeitig reagieren können, damit das nicht passiert. Uns stehen dafür u.a. 2 Wege offen:

  1. Entweder wir organisieren die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen ebenfalls weniger demokratisch und diskutieren nicht so viel, setzen große Entscheidungen einfach um. Bis zum gewissen Grad wird es ohnehin so gemacht, jedoch subtil, von hinten herum. Aber mit dieser Taktik läuft man Gefahr, dass durch die Geheimoffensiven relevante Lernaspekte untergraben werden – was rückblickend gesehen großen Schaden verursachen kann. Dann lieber direkt und offen mit undemokratischen Mitteln arbeiten, als subtil aus dem Off heraus die Fäden ziehen.

  2. Als 2. Chance sehe ich die Option, dass wir die ChinesInnen mit noch größeren Visionen übertrumpfen. Dafür braucht es aber wirklich offene Leute mit Mut, schräge Ideen und Visionen zuzulassen, und das entsprechende technische Know-how. Dafür brauchen wir einen starken WeQ, ein äußerst agiles, kollaboratives, sinnökonomisches Vorgehen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach wirklich wichtig, aktuell sich ehrlich und ernsthaft die Frage zu stellen:

  • Was könnten die neuen Impuls- und Veränderungsgrößen im Digitalisierungsprozess sein? Wird die neue Ordnung möglicherweise nur von einzelnen Staaten, vielleicht sogar nur noch von einzelnen Unternehmenssupergiganten entsprechend geformt werden, u.a. von China, Tesla im neuen Gewand, …?

Oder anders gefragt:

  • Welche Vision haben Sie konkret von der Zukunft?

  • Wie arbeiten Sie persönlich im Jahr 2030, sofern Sie dann noch arbeiten dürfen bzw. müssen?

  • Hat sich die Arbeitsweise und möglicherweise auch die Ziele und entsprechenden Produkte und Dienstleistungen geändert?

  • Oder meinen Sie, Ihr Unternehmen läuft 2030 in ähnlicher Weise wie heute – nur mit einigen technischen Adaptionen und weniger MitarbeiterInnen, die darüber hinaus ein anderes Know-how mitbringen müssen?

  • Meinen Sie, dass Ihr persönliches Know-how und Verständnis von heute ausreicht, um das Leben und Arbeiten von 2030 entsprechend visionieren und in Folge auch managen zu können?

Ich selbst glaube nein, mein jetziger Wissensstand wird in keiner Weise dafür ausreichen, die Veränderungen umfassend genug zu begreifen. Und genau deshalb, weil das Verständnis und das Wissen fehlen, sehe ich aktuell die Veränderungspotentiale und Veränderungsdringlichkeiten nicht klar genug.

Das ist das Spannende an großen Veränderungsprozessen: Man kann das, was möglich ist an Veränderungen nicht erkennen, weil man die Veränderungen noch nicht konkret sieht. Aber wie soll man es sehen, wenn man es noch nicht andenkt bzw. weiß – ein Wissensdilemma. Und wenn dann auch noch die Angst oder Ignoranz vor großen Umbrüchen sich zu Wort melden, dann wird die Möglichkeit, die Veränderungen zumindest in Ansätzen ernsthaft als realistische Möglichkeit anzudenken, sofort wieder im Nichts verschwinden und die Veränderungsnotwendigkeit als nichtig erklärt.

Aber vielleicht haben Sie obige Fragen zur Zukunft schon ausgiebig und umfassend durchgekaut, bemühen sich um Antworten und arbeiten eifrig an Lösungen bzw. an entsprechenden Strategien. Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO von VORSPRUNGatwork, meint, Veränderungen werden durch zwei große Parameter vorangetrieben, durch Visionen oder durch Dringlichkeit.[4] Dem werden vermutlich viele zustimmen, und auch wissen, dass Visionen erfolgsversprechender sind als notgedrungene Maßnahmen. Doch an dem Punkt gibt es noch einen Haken: Viele Unternehmen gehen davon aus, sie hätten eine starke Vision. In vielen Führungsetagen mag man überzeugt meinen, man arbeitet kreativ und innovativ an der Zukunft des Unternehmens. Man holt sich ExpertInnen, analysiert, visualisiert und plant entsprechende Maßnahmen.

ABER: Viele Visionen sind keine echten Visionen, sondern kopierte Schablonen, derer man sich bedient. Doch adaptierte Schablonen genügen gegenwärtig nicht mehr, um die Zukunft zu gestalten und die Digitalisierung erfolgsversprechend zu durchlaufen. Es braucht den ernsthaften Willen, couragiert visionär voranzuschreiten, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[5] Das erfordert jedoch Anstrengung, die gewohnten beharrlichen Sichtweisen über das, was man als möglich und real annimmt, beiseite zu schieben und stattdessen es zu wagen, bahnbrechende Visionen zuzulassen.

Sie werden jetzt ziemlich sicher denken, dass Sie das wissen und entsprechend diesem Wissen handeln. Ja, das tun Sie, davon bin ich überzeugt. Doch in der Hitze des Gefechts übersieht man, ob man will oder nicht, manche Erkenntnis und vielleicht sogar die Zukunft selbst – auch ich – eine Zukunft, die vielleicht schon bald von den ChinesInnen geprägt sein mag, vielleicht auch eine Mobilität, in der nur noch wenige Autos auf den Straßen zu finden sein, und stattdessen die Parkplätze in den Städten als zusätzliche agrarwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um sowohl das Stadtklima als auch die Versorgung sicherzustellen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[6]

Doch genau das, Think big, lass bahnbrechende Visionen zu und die damit verbundenen Veränderungen zu, tut weh. Das motiviert nicht jeden und jede, lässt oft sogar eine abwehrende Haltung aufkommen. Groß Denken lässt einen vielleicht sogar seltsam ermatten als euphorisch anregen, man mag u.U. sogar eine unangenehme Schwere spüren. Mit solchen oder ähnlichen Gefühlen will man sich als Führungskraft nicht auseinandersetzen – äußerst verständlich. Eine Führungskraft will entscheidungsstark und selbstsicher wirken. Die mit bahnbrechenden Visionen verbundenen Veränderungen, von denen man selbst unweigerlich betroffen sein wird, stehen dem hinderlich im Weg. Aber diese mit Einsichten verbundenen Widerstände und unangenehmen Begleiterscheinungen sind nur eine Phase von einem wirklich spannenden Prozess.

An diesem Punkt könnte es helfen, eine Übung zu machen:[7]

  • Wählen Sie zu Beginn dieser Übung eine Überzeugung, an der Sie wirklich hochgradig überzeugt festhalten. Dann machen Sie gedanklich einen Sprung und denken in den nächsten Minuten das genaue Gegenteil dazu. Versuchen Sie dem Gegenteil zu Ihrer Überzeugung etwas Raum zu geben. Versuchen Sie dieses Gegenteil nicht sofort niederzuschlagen mit Ihrer Überzeugung.

  • Probieren Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht?

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als eine neue Möglichkeit hinzuzunehmen, spannend.

In dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen. Die unvollständigen und oft auch unzureichenden Vorstellungen des Realen und die Beharrlichkeit auf der als Realität angenommenen Weltanschauung beeinträchtigen leider viel zu oft unsere Vorstellung – ohne dass wir das mitbekommen. Dadurch sind auch unsere Zukunftsvisionen beeinträchtigt, und unterscheiden sich meist nicht sehr von dem, was man im Augenblick für wahr hält.[8]

Resümee

Die Industrialisierung und die damit verbundenen Arbeits- und Produktionsweisen waren nie als Allheilmittel und Rezept für alles gedacht, sondern es hat einfach so unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Zeiten gut funktioniert – aber heute in der Digitalisierung greifen andere Rezepte, die jedoch für manche noch mehr wie eine Utopie, eine überzeichnete Idee als möglich werdende Realitäten sind.

Die ChinesInnen, aber ebenso das Unternehmen eXp Realty realisieren bereits Visionen, die für manche noch in den Sternen stehen. Diese machen damit Erfahrungen, geben damit vielleicht auch die weiteren Schritte und Entwicklungen vor, prägen u.U. in Folge ganze Wirtschaftszweige und Arbeitsformen.

Ja, ich weiß, viele werden jetzt meinen, so weit kommt es nicht. Doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dass virtuelle Büros nur von einzelnen Unternehmen eingerichtet werden – das könnte im Jahr 2030 ganz anders aussehen. Ich denke, die Wirtschaft der EU, darunter auch die deutsche Wirtschaft steht vor dem Punkt, den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Welten, mit neuen Denk-, Arbeits- und Produktionsräume endlich einmal ernsthafter anzudenken, und nicht als Hirngespinste abzuwerten. Wenn Sie konkret es nicht wagen, andere werden es wagen, davon können Sie sicher sein – allen voran die ChinesInnen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem entspannten Flirt zwischen Vergangenheit und Zukunft bzw. Vergangenheit und aktueller Zeit. Zwei VORSPRINGERInnen machen sich auf ins neue Zeitalter …

Was ich Ihnen mitgeben möchte:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] http://www.steiner-verlag.de/uploads/tx_crondavtitel/datei-datei/9783515084826_p.pdf. Am 2019-10-03 gelesen.
[2] https://bigthink.com/technology-innovation/virtual-island-remote-workers-exp. Am 2019-10-02 gelesen.
[3] https://www.derstandard.at/story/2000028483147/zurueck-in-die-zukunft-wie-man-sich-um-1900-das. Am 2019-10-01 gelesen.
[4] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[5] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[6] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[7] Mindful. Balanced. Happy. – ProjectBemore.
[8] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.

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Ein heißes Thema: Die Pleite von Thomas Cook

Das heiße Thema dieser Woche: Die Pleite von Thomas Cook

Die Pleite des Touristikkonzerns Thomas Cook war/ist in aller Munde – so sehr, dass ich mich kurzfristig dazu entschlossen haben, mein ursprüngliches Thema für den Artikel dieser Woche fallen zu lassen. Stattdessen stürze ich mich agil, mit unzähligen anderen, auf das aktuell heiße Thema: Die Pleite von Cook.

  • Das möchte ich deshalb tun, um auf jene Seiten in diesem historischen Zusammenbruch eines Unternehmensriesen aufmerksam zu machen, die vermutlich bei der Analyse auch in diesem Fall gerne unter den Tisch gekehrt werden.

  • Ich spreche von den Faktoren, die meiner Meinung nach immer wieder dafür ausschlaggebend sind, das Unternehmen oder Aktivitäten von Menschen zusammenbrechen bzw. ein schlimmes Ende finden. Dazu zählt: Ignoranz bzw. kognitive Dissonanz, Sie kennen diesen Begriff bereits aus meinen letzten Artikeln, das falsche Maß, sprich zu viel Selbstüberschätzung, es ist doch alles noch machbar, man weiß genau was zu tun ist, Manager retten das Unternehmen bzw. …

Harte Aussagen, leicht dahingesagt – ich weiß. Ein Konzern in der Größe von Thomas Cook trägt viel Verantwortung, hat umfassende Kooperationen, muss wachsen, um das Unternehmen und damit die Kooperationen erfolgsversprechend am Leben zu halten, muss einsparen bzw. effizient sein, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Pleite von Cook sei lt. Medien für die Wirtschaft in Griechenland der stärkste Schlag seit der Finanzkrise. Auch die spanische Touristikbranche ist stark betroffen und muss mit einem Verlust von mindestens 200 Millionen Euro rechnen.

Der Konkurrenzdruck ist gewaltig, und der ungelöste Brexit haben lt. Medien Cook ins Chaos gestürzt.[1] Ich würde es jedoch von einer anderen Seite kommend diagnostizieren – nämlich, die veraltete Vorstellung von Wachstum und Effizienzsteigerung, die damit verbundene Ignoranz für bahnbrechende Veränderungen haben Cook zu Fall gebracht.

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Ein mehr oder weniger durchgesättigter Markt kann Wachstum nicht mehr in der alten Vorstellung generieren, verliert an Kraft und auch an Interesse. Ebenso ist die Art und Weise, wie das Management die eigene Leistung würdigt, u.a. Boni von insgesamt 30 Millionen Pfund über die letzten Jahre hinweg [2], fragwürdig. Trotz dem Wissen der Chef-Etagen, dass das Unternehmen Cook alles andere als erfolgsversprechend unterwegs ist, hat man die Boni steigen lassen – ein seltsames Verständnis von Wachstum und Effizienz in Verbindung mit Leistung und Erfolg?! Cook ist hierbei keine Ausnahme, auch andere Unternehmen zahlen Boni in schwindelerregenden Höhen, obgleich die Erfolge manchmal fragwürdig sind.

Wachstum und die damit verbundenen Maßstäbe sind in Ordnung und zweckdienlich, wenn damit wirklich Verbesserungen, sinnvolle Entwicklungen, faire Bedürfnisbefriedigung, an Resilienz gewinnend ein neues Abenteuer auf dem Planet Erde angeheizt werden kann – zumindest sehe ich das als Konsument so.

  • Durch die neuen Medien und die technologischen Innovationen wird es vermutlich irgendwann möglich, Produkte ganz anders zu produzieren, vielleicht sogar einfach nebenan in einer Cafébar, die einen 3-D-Drucker bereitstellt. Vielleicht wird es reizvoll, durch die Errungenschaften der Digitalisierung von daheim aus einmal Schuhe zu produzieren oder Taschen, individuelle Zahnbürsten, austauschbare Brillengestelle, auffallende Handy-Taschen, uvm … All das sogar unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit und dem Klimaschutz.

  • Interessant kann es auch werden, wenn man sich einen persönlichen Roboter, eine Artificial Intelligence (AI) zulegt, die dann beispielsweise die Buchhaltung vollständig übernimmt, oder den Verkauf von ungenutzten Dingen im Haushalt forciert – sprich, alles was über 1 Jahr lang nicht verwendet wurde, einfach in die Sozialen Netze zum Verkauf ankündigt und Dinge organisiert, die man wirklich benötigt, wofür ein Kauf jedoch vielleicht auch nicht notwendig ist, sondern die AI untereinander sich so organisieren und Dinge gegenseitig leihen, uvm …

Damit könnte man vielleicht wieder ein Wachstum und Erfolg generieren, aber ein Wachstum der ganz anderen Art. Diese Art zu wirtschaften regt vielleicht neues Interesse bei KundInnen, stillt den Bedarf nach Individualität, Erleichterungen, aber auch Bedürfnisbefriedigungen und ebenso Gleichheit für alle.

Die alte Art der Wirtschaft bietet kein positives Spannungspotential mehr. Doch genau das braucht es, um KundInnen zu halten bzw. neue KundInnen zu gewinnen – insbesondere heute in einer offenen und vernetzten Welt, wo man sich Produkte beispielsweise direkt aus China bestellen kann, oft zu einen Bruchteil des Preises von einem hiesigen Anbieter. Noch sind dabei vermutlich zu viele KonsumentInnen wegen der Sprachen abgeschreckt. Aber Dank AI ist beispielsweise die Sprache bei der Bestellung kein Problem mehr. Die AI kann alle Sprachen, die man dieser programmiert. Die AI kann weltweit Bestellungen entgegennehmen und die Hemmschwelle gegen Null reduzieren.

In vielen Bereichen können Menschen in Zukunft sogar durch AI ersetzt werden – u.a. ein Grund, warum Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und PolitikerInnen, auch von der Quantenökonomie und neuen Kapitalisierungsformen spricht [3]. Mit der Pleite von Cook wird mir selbst noch viel klarer, dass die alte Art zu wirtschaften immer öfter Schiffe gegen die Wand fahren lassen wird. Cook ist einer davon, woran zu sehen ist, dass die Wirtschaft die Produkte, Produktionsweisen und Dienstleistungen umfassender revolutionieren wird müssen.

Die Wirtschaft konzentriert sich als Erfolgsfaktor jedoch immer noch auf das, was man in der Industrialisierung als Wachstum verstanden hat. Sie zwingt sich selbst Strategien auf, die der alten Vorstellung von Erfolg und Wachstum dienen, und übersieht, wie dringlich es wäre, Wachstum, Erfolg, Konkurrenz, Digitalisierung, Ziele, Strategien, Produkte und Dienstleistungen ganz neu zu denken – u.a. deutlich agiler zu denken.

Mir gab es zu denken, ich will den Namen jetzt nicht nennen, als eine hochrangige Führungskraft von einem deutschen Automobilriesen kürzlich bei einem Meeting als Antwort zu einer Frage gab: Wer weiß, ob es uns dann (2025) noch gibt?! Diese Aussage habe ich nicht erwartet. Und gleichzeitig hat es mich irgendwie gefreut, weil ich den Eindruck habe, dass doch einige anfangen wahrzunehmen, dass es im alten Verständnis von Erfolg und Wachstumsstreben nicht mehr weitergehen kann. Einigen ist bewusst, dass wir vor einer wirklich bahnbrechenden Wirtschaftsrevolution stehen – positiv wie auch negativ. Es wird viele neue GewinnerInnen geben, und viele VerliererInnen.

Die Angebote werden explodieren, die Konkurrenz verstärkt sich in ungeahnter Weise verteilt über den gesamten Globus, wo jeder und jede dank technischen Innovationen als AnbieterIn von Produkten mitmischen kann. AI mit Empathie programmiert wird dabei Sympathien gewinnen – auch wenn man sich das aktuell so nicht vorstellen kann. Ich habe es am eigenen Leib beim Ars Electronica Festival erlebt. Ich kann nur sagen, die Möglichkeiten Produkte und Dienstleistungen zu bewerben, aber auch die Möglichkeit Produkte zu produzieren, Produkte und Dienstleistungen vielfältiger zu nutzen, kann die Wirtschaft auf den Kopf stellen.

Die Welt verändert sich radikaler als man meinen möchte – die Wirtschaft kann sich davon nicht ausschließen. Das wollen jedoch noch immer viele in der Wirtschaft so nicht wahrhaben, weil die kognitive Dissonanz vor den damit verbundenen, u.a. auch persönlichen Unannehmlichkeiten schützen will – aktuell vor den 3 größten Bedrohungen oder sagen wir besser Herausforderungen, die auch noch verschränkt ineinander wirken, und sich damit aufschaukeln:[4]

1. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Bevölkerungswachstum in Verbindung mit Klimaerwärmung und dem Streben nach Gleichheit für alle ohne Grenzen – das hat umfassende Folgen, auch für die Wirtschaft. Die nächsten Jahre sind dahingehend turbulenter als man zu planen gedenkt. Erst vorgestern, am 25.09.2019, wurde ein weiterer Klimabericht herausgebracht, der ernsthaft zu denken geben sollte.[5]

2. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Automatisierung und Kompensation von Arbeiten, die von Algorithmen übernommen werden. Die Macht verschiebt sich von der zwischenmenschlichen Macht hin zur Macht in Algorithmen. Die AI wird bis zum Jahr 2050/2060 imstande sein, alle spezifizierbaren Tätigkeiten und auch viele kreative Arbeiten besser zu bewerkstelligen, als Menschen es tun, und damit Menschen ersetzen – die Folgen: Arbeitslosigkeit zwischen milde ausgedrückt 50% bis realistisch gedacht etwa 80%. Das maschinelle Lernen wird ein echter „Game Changer“ werden. Nicht ohne Grund habe ich in einem meiner zahlreichen Artikel in Bezug auf die Digitalisierung die Frage gestellt: Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

3. Herausforderung für eine erfolgsversprechende Wirtschaft:

Exponentielle Fortschritte in Nano- und Biotechnologie, werden die Wirtschaft ebenfalls verändern. Diese Bereiche finden jedoch neben der Digitalisierung selten explizit Erwähnung, besitzen jedoch eine enorme Durchschlagskraft, und könnten die Wirtschaft und deren Strukturen in kaum erfasster Weise verändern.

Viele werden jetzt aufschreien und meinen, das sind alles Themen, die Ihr Unternehmen im Blick hat und entsprechend daran arbeitet. Aber wie wir wissen, die Erfolge der Digitalisierungsprozesse mit der damit verbundenen nötigen Agilität sind aktuell bescheiden. Es scheitern mehr als 2/3 der Unternehmen daran, agile Prozesse erfolgsversprechend zum Laufen zu bringen [6] – nachzulesen in meinem Artikel, agile Prinzipien sind zum Scheitern verurteilt.

Manche werden nun einhaken, Cook ist an ganz anderen Problemen gescheitert als an der Agilität. Ja und Nein, sage ich. Cook hat sich nicht früh genug mit neuen Geschäftsmodellen auseinandergesetzt – ebenfalls ein Aspekt von Agilität, der jedoch kaum so erwähnt wird. Sich mit New Business Models im Rahmen der Digitalisierung auseinanderzusetzen, scheint ein Randthema zu sein – insbesondere von großen Unternehmen.

Viele von den großen Unternehmen scheinen sich mit den eigenen Geschäftsmodellen nach wie vor sicher und zukunftsstark zu fühlen, und widersprechen vehement der Annahme, dass in den nächsten 20ig Jahren zahlreiche Unternehmen Schiffbruch erleiden könnten, wenn diese sich nicht umfassend neu orientieren und neu ausrichten.[7] Es mag zwar sein, dass man die Digitalisierung in der ersten Phase im althergebrachten Wachstums- und produktionsmechanistischen Denken gut über die Runden bringt, aber wie sieht es mit den nächsten digital-technischen Entwicklungsschüben aus – und die werden kommen, schneller als man zu glauben gedenkt.

Die Digitalisierung trägt das Potential in sich, von heute auf morgen alles auf den Kopf zu stellen – angefangen von der Produktion bis hin zum Verkauf, und alles dazwischen … Cook negierte jedoch über längere Zeit die Notwendigkeit, sich neu zu erfinden. Stattdessen verharmloste er über Jahre hinweg die Probleme. Bereist 2012 retteten mehrere Banken den Konzern vor dem Untergang. Nichtsdestotrotz haben sich die Chef-Etagen von Cook über die letzten Jahre hinweg große Boni auszahlen lassen.

Und jetzt – jetzt ist Cook bankrott, reißt Hotels, Kooperationspartner, TouristInnen in eine Krise. Weltweit müssen nun zigtausend UrlauberInnen nach Hause zurückgeholt werden. Manche der UrlauberInnen sitzen fest, andere werden sogar bedroht. Man spricht davon, dass Hoteliers auf der Dominikanischen Republik Kopfgeld auf deutsche UrlauberInnen setzen …[8] Man startet die größte zivile Rückholaktion unter dem Namen Matterhorn.[9] Warum die Rückholaktion durch die Pleite von Cook unter dem Codenamen Matterhorn läuft, das weiß ich nicht – das finde ich jedoch irgendwie makaber, witzig und sogar lehrreich.

Die Rückholaktion durch die Pleite von Cook hört sich an wie ein bahnbrechendes Abenteuer, ein agil, kollaborativ, vernetzt, flexibel, wendiges agieren, auf das man stolz ist. In größter Not hypt man das, was man seit Jahren mühsam predigt – Agilität. Vielleicht hängt es daran, dass man sich jetzt in der Not nicht mehr auf Wachstum und Effizienz konzentriert, sondern das tut, was zu tun im Moment ansteht – retten was zu retten geht. So gesehen müssten Unternehmen Agilität als Abenteuer sehen, versehen mit einem Codenamen, vielleicht nicht Matterhorn, sondern Mount Everest oder AI-Run, oder …

Der Pleite-Fall Cook zeigt, zumindest mir, dass es für jeden und jede an der Zeit wäre, die Wirtschaft neu zu denken. Auch wenn viele meinen, das trifft nur einzelne, wie beispielsweise Cook, das eigene Unternehmen kann es niemals so treffen. Ich persönlich würde es jedoch nicht mehr wagen, in hochdigitalen, vernetzten, in bald autonom arbeitenden Fabriken, Beispiel Post in China, die 2022 die Postabwicklung ganz ohne Menschen nur mit Robotern abzuwickeln plant, mich so wie manche Unternehmen sicher zu fühlen, nur weil man aktuell vielleicht ein Riese ist, und die Wachstumsprognosen angeblich gut sind.

Resümee

Viele Innovationen, strategisch wie auch technisch, die man scheinbar bemüht tätigt, sind leider mehr Show als reales Business. Noch mag es reichen, so zu agieren, aber wer weiß wie lange noch. Die Entwicklungen sind rasant, die Konkurrenz ebenfalls – insbesondere die von China und wer weiß, vielleicht sogar auch schon bald jene von den ansässigen Nachbarn.

Die Apokalypse ist damit noch nicht auserzählt – mein Gegenargument zu dem Artikel in ZeitOnline, der meint, dass Menschen nicht mehr gewillt sind, sich den Problemen aufrichtig zu stellen [10], sondern sich in Easy-Going-Lösungen gegenseitig beweihräuchern, anstatt der Realität ernsthaft ins Auge blicken. Mit dem Pleite-Fall von Cook spüre ich jedoch ein Aufflackern an ernsthafterer Reflexion. Die Ankündigungen, dass 2020 das Jahr der nächsten großen Wirtschaftskrise werden könnte, wird vielleicht im Angesicht der Pleite von Cook nun nicht mehr ganz so abwertend belächelt.

Der Haken an der Sache ist, dass Menschen Probleme lösen wollen, aber mit den Problemen nicht wirklich konfrontiert werden möchten – ein Paradoxon, aber ein äußerst reales, überall anzutreffendes Phänomen, das Cook schlussendlich das Genick brach. Cook hat es verabsäumt, sich wirklich tiefgreifend und umfassend auf die Probleme einzulassen, und das Unternehmen resilient werden zu lassen – eine Notwendigkeit, um die Zukunft meistern zu können.

In einer digital hochgradig vernetzt verschränkt agierenden, an Komplexität, aber auch an Umweltbelastungen und Ressourcenknappheit wachsenden Welt braucht es ein hohes Maß an Resilienz, die auf 3 Ebenen wirken sollte:[11]

  1. Ebene der Technik

  2. Ebene der Organisation in Form von redundanten Organisationsstrukturen

  3. Menschlichen Ebene, indem Menschen in Arbeitsprozessen nicht mehr nur zu optimieren gedrängt, sondern die kreativen Potentiale abseits von Selbstoptimierung und Effizienz zu fördern gesucht werden.

Das heißt, wir brauche eine Transformation in den Unternehmen auf allen drei Ebenen, wo technologische und soziale Transformation Hand in Hand gehen. Aber genau diese geforderten Maßnahmen können aus einer effizienten, nach Wachstum orientierten Unternehmensstruktur heraus nicht greifen – eingehender nachzulesen in meinem Artikel, Effizienz mutiert vom Erfolgsmittel zum Fehlgriff.

Die Herausforderungen unserer Zeit, Komplexität, verschränkte Strukturen, Umweltbelastung, …, effizient und gleichzeitig wachstumssteigernd lösen zu wollen, gleicht einem Himmelfahrtskommando. Und für dieses vermeintliche Himmelfahrtskommando braucht es eine andere Begleitung, als sie klassische Unternehmensberatungen bieten. Hier braucht es Unternehmen mit einem Portfolio wie VORSPRUNGatwork bzw. den Arbeits- und Lösungsansatz, WeQ statt IQ, Change am System statt an Symptomen.

Die Risiken, die weitschichtigen Verschränkungen mit den schwer zu erfassenden Folgen, die Schwarzen Schwäne sind das relevante Rüstzeug um tiefgreifende Lösungen generieren zu können. Doch genau dieses lässt man als scheinbar beiläufigen Ballast bei all den Vereinfachungen weg.[12] Die Folgen davon bekommt Cook jetzt leibhaftig zu spüren. Die Gefahren sind mit dem Sturz von Cook für die anderen nicht aufgelöst – sprich wenn einer von den Riesen fällt, dann überleben die anderen und die Gefahr ist gebannt. Diesem Irrtum verfällt man ebenfalls leicht, fühlt sich scheinbar wieder sicher und …

  • ignoriert oder verharmlost die Krisen- bzw. Herausforderungssignale erneut,

  • tut so, als ob man selbst alles im Griff hat,

  • neigt weiterhin zur Selbstüberschätzung, sieht sich besser und klüger als der Gefallene,

  • oder schließt sich einfach nur dem Herdentrieb an, sagt weiterhin Ja, so geht es, statt Nein, um nicht aufzufallen.

Es ist nicht nur die kognitive Dissonanz, sondern auch die Gewohnheit, sich so von den Herausforderungen zu distanzieren und sich damit zu belügen. Neu ist nur: Man betrügt jetzt nicht nur die anderen, die irgendwo da draußen in der Welt sind, sondern inzwischen auch die eigenen Leute – die eigenen Kinder, Nichten, Neffen, Enkel und all jene, die nach uns kommen. Die Menschen und die Unternehmen wollen die Probleme lösen, ja, unbedingt, aber nur, wenn man selbst davon nicht betroffen ist – ein schönes Trugbild, dass schlussendlich Cook das Leben kostete.

  • Unternehmen und deren Führungskräfte wollen Neues fördern, aber nur, wenn das Management selbst so weitermachen kann wie bisher, mit den bisher gültigen Annehmlichkeiten.

  • Unternehmen und deren Führungskräfte wollen Prozesse verändern, aber nur, wenn die Unternehmensstrukturen und das Management selbst von den Folgen der Veränderungen, von Neuausrichtungen und Neubewertungen der Aufgaben und Vergütungen verschont bleiben.

Aus dieser Sicherstellung bzw. Schutzhaltung heraus ist es jedoch nicht möglich, die Herausforderungen unserer Zeit erfolgsversprechend, ohne Chaos anzuleiten. Eine agile Transformation kann in Unternehmen, die klassisch organisiert sind, nicht funktionieren. Es benötigt ausnahmslos auf allen Ebenen einen Prinzipienwechsel, wenn man es ehrlich vor hat, die Wirtschaft auf einen erfolgsversprechenden, verantwortungsbewussten Weg in die Zukunft zu führen.

Jump in a new fishbawl, use technology to make new things and not to make things efficient.[13]

Es geht nicht darum, alle bisher gültigen Regeln abrupt zu ändern. Es geht vielmehr um ein neues Bewusstsein und weitreichende Einsicht für die Prozesse, die gerade ablaufen. Man kann nicht von heute auf morgen eine große Organisation von Hierarchie auf fluide Hierarchie umbauen. Dafür braucht es auch die richtigen Leute. Es gibt Unternehmen mit flachen Hierarchien, die ziehen aber vielleicht auch schon Mitarbeitende an, die anders arbeiten können und wollen.[14] Es geht aktuell konkret viel mehr darum, umfassend weitreichend über den eigenen Tellerrand hinaus einzusehen, was weitreichend passiert, vor welchen Herausforderungen die Unternehmen wirklich stehen ohne diese gleich wieder herunterzuspielen.

It is about knowing the difference between what you have a right (or the power) to do and what is the right thing to do.[15]

Im Verständnis von Armin Nassehi, Deutschlands wichtigster Gegenwartsanalytiker, sollten wir Wachstums-, Erfolgs- und damit verbunden Konkurrenzdenken in einer anderen Art nutzen. Nassehi meint, man sollte die Konkurrenz zum Miteinander werden lassen, sich gegenseitig mit den unterschiedlichen Logiken und Perspektiven ehrlich und offen aufzeigen, was die Herausforderungen sind, und gemeinsam echte Lösungen umsetzen. Dafür braucht es jedoch neue Bündnisse von AkteurInnen unterschiedlicher Systemlogiken. Es braucht neue Orte, Foren, in denen sich die unterschiedlichen Logiken gegenseitig verunsichern können – genau das, was man eigentlich zu vermeiden sucht, Verunsicherung. Und so stelle ich abschließend zu diesem Artikel 4 Fragenkomplexe in den Raum:

  1. Sind wir bereit, die Wachstumslogik, das Effizienzstreben, die gewohnte Art und Weise Wirtschaft zu denken, in Frage zu stellen und gemeinsam, statt in Konkurrenz zu anderen Systemlogiken, die Herausforderungen lösen zu wollen?

  2. Welche nächsten Schritte müssten wir konkret dafür setzen?

  3. Wieviel Zeit widmen wir den neuen Bündnissen bzw. welche Bündnisse, die außerhalb unserer Systemlogik agieren, würden wir als erstes kontaktieren, und uns mit denen auf Augenhöhe ehrlich und weitreichend lösungsgewillt auseinandersetzen?

  4. Oder enthalten wir uns weiterhin einer tiefgreifenden Auseinandersetzung – so wie es ein Finanzvorstand eines großen Dax-Konzerns in kleiner Runde zugibt: Wir warten, wir verschieben Entscheidungen.[16] Doch genau diese Strategie könnte in agilen, hoch verschränkten Zeiten von einem Tag zum anderen das Aus bedeuten – wie im Fall Cook.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.merkur.de/wirtschaft/thomas-cook-pleite-schwerwiegende-folgen-fuer-griechenland-und-spanien-touristen-verzweifelt-zr-13027498.html. Am 2019-09-26 gelesen.
[2] https://www.merkur.de/wirtschaft/thomas-cook-pleite-schwerwiegende-folgen-fuer-griechenland-und-spanien-touristen-verzweifelt-zr-13027498.html. Am 2019-09-26 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[4] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.

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Die Zukunft sucht neue Führungspersönlichkeiten

Die Zukunft sucht neue Führungspersönlichkeiten

Das, was ich auf dem Ars Electronica Festival an technischen Innovationen geistig und emotional aufzufassen im Stande war, hat Nachwehen. Nachwehen in einer Weise, die erwähnenswert sind, weil es auch genauso gut hätte sein können – wie so oft der Fall – dass die neuen beeindruckenden Dinge und Erfahrungen einige Tage später wieder verblasen bzw. sich in Luft auflösen.

Das Ars Electronica Festival hat es jedoch geschafft, das Neue nicht nur als flüchtiges Abenteuer im Kopf durchziehen zu lassen, sondern einen bleibenden Abdruck zu hinterlassen. Das ist jedoch genau das, was gar nicht angenehm ist – den normalen, vertrauten Denk- und Arbeitsrhythmus sogar stört. Das gewohnte Denken will es bequem, einfach und schnell haben, Lösungen, die ad hoc greifen und umgesetzt werden können, ohne tiefgreifende persönliche Umwälzungen auf sich nehmen zu müssen. Mit neuen Denkansätzen ist man hingegen gehemmt und nicht mehr so leichtfüßig und selbstsicher.

  • Es ist mit neuen Denkgewohnheiten so, als ob man ein, seinem Stil ausbrechendes Kleidungsstück anprobiert, ein ungewohntes Kleidungsstück, das aufgrund der Andersartigkeit dann irgendwie an allen möglichen Stellen zwickt, drückt, reibt, …

  • Dann könnte man meinen, das neue Stück passt nicht. Man zieht es aus, und legt es weg.

  • Aber vielleicht liegt es weniger am neuen Stück, das nicht passt, sondern viel mehr an dem ungewohnten Stoff und der neuen Art und Weise das Kleidungsstück zu tragen, oder am Widerwillen, …?!

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In ähnlicher Weise verhält es sich auch mit anderen Dingen, u.a. auch mit neuen Ideen, mit Gedanken, die das gewohnte Denken irritieren. Und in ähnlicher Weise sehe ich auch die Auseinandersetzung mit der Digitalisierung, wie ebenso den Umgang mit der Umweltproblematik.

Wir alle sehen die Herausforderungen. Wir sind bemüht, die Herausforderungen zu meistern. Wir diskutieren, planen, strukturieren um, adaptieren, … Aber von welcher Position aus werden all die Maßnahmen geplant und entsprechend angeleitet? Befinden wir uns vor einem Schaufenster, sehen das neue, andersartige Kleidungsstück, überlegen uns, wie es sein könnte, dieses exotisch wirkende Kleidungsstück selbst zu tragen, bzw. andere tragen zu lassen? Gehen wir dann in den Laden hinein, probieren das ungewohnte Kleidungsstück an, wagen es sogar dieses zu kaufen, um sich damit in einem neuen Licht zu sehen? Oder bleiben wir lieber am Schaufenster hängen und denken nur daran, wie es sein könnte, das exotische Stück zu tragen, überlassen aber dieses Stück doch anderen …

Wie dem auch sei, ich bitte Sie jetzt, weil der Moment gerade so gut passt, den Raum zu wechseln. Ja, genau, Sie lesen richtig, bitte stehen Sie auf, nehmen Sie Ihr Handy, Ihr Tablet, … und wechseln Sie den Raum – nicht nur gedanklich, sondern real. Suchen Sie sich einen neuen Platz, den Sie sonst im Alltag nicht einnehmen würden und setzen Sie sich dorthin. Vielleicht merken Sie nun, dass der Wechsel des Raumes bzw. Sitzplatzes Sie irgendwie erregt – positiv, vielleicht auch negativ.

Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Dafür können Sie aber auf dem neuen Platz sitzen bleiben, und es sich bequem machen:

  • Stellen Sie sich nun vor, auf dem neuen Platz liegt eine VR-Brille. Nehmen Sie diese Brille und setzen Sie sich diese auf. Bitte auch die dazugehörigen Kopfhörer aufsetzen.

  • Sie werden gleich Anweisungen bzw. eine kurze Instruktion hören, wie Sie mit dieser Brille auf Erkundung gehen können. Sie werden rasch feststellen, dass Sie mit Hilfe der VR-Brille einen Raum in ganz neuer Weise für sich erfahrbar werden lassen können – in einer Weise, die Ihnen bisher nicht möglich war. Sie können in den Räumen die Wände hochgehen, über Schreibtische schweben, sogar durch Wände, selbst durch Menschen durchgehen … Der Raum wird auf einmal in einer gänzlich neuen Art und Weise erfassbar gemacht. Das spürt sich derart echt an, das einem dabei wirklich schwindelig werden kann.

  • Stellen Sie sich nun vor, Sie erleben einen Ausschnitt aus der Oper Freischütz mit Hilfe der VR-Brille. Sie hören die Musik, Sie gehen durch die Oper, Sie gehen auf der Bühne herum, Sie verlassen die Bühne durch eine Hintertüre, Sie verlassen das Opernhaus, gehen durch Spiralen im Himmel hindurch, instrumental begleitet. Sie wissen nicht, was Sie demnächst erwartet. Sie hören jetzt die Arie eines Sängers und plötzlich steht der Mann direkt vor Ihnen – überdimensional groß. Dann merken Sie, puhh, Sie können durch den Opernsänger hindurchgehen. Sie können aber auch durch den Boden, auf dem der Mann steht, hindurch. Der Boden ist bloß eine Wolkendecke. Und dann, dann befinden Sie sich im unendlichen Universum. Sie haben keinen Boden mehr unter den Füßen. Sie suchen vielleicht den Weg zurück zum Mann, fühlen sich dort sicherer als im grenzenlosen Universum. Oder Sie wagen es doch, noch weiter in die Unendlichkeit des Universums zu gehen …

  • Dann erscheint plötzlich das Bild: „Fin“. Sie setzen die Brille und die Kopfhörer ab. Sie spüren vielleicht, dass es gar nicht so leicht ist, gleich in den realen Raum zurückzufinden. Vielleicht wolle Sie jetzt aufstehen, vielleicht auf Ihren ursprünglichen Platz zurückgehen, oder bleiben wo Sie sind. 

  • Vermutlich stellen Sie sich nun die Frage:

Was hat der Ausflug mit der VR-Brille mit einer erfolgsversprechenden Digitalisierung zu tun?

Was bringt diese Erfahrung für Sie als Führungskraft, für Ihr Team, für die Strategieplanung und Organisationsentwicklung?

Sie werden annehmen, dass es einen Grund hat, sonst hätte ich Sie nicht auf diese kurze Reise geschickt. Ich persönlich sehe diese Situation bzw. dieses Erlebnis als einen Dreh- und Angelpunkt für die Organisationsentwicklung in der Wirtschaft. Ich stelle mir die Frage: Hätten wir eine Art VR-Brille zur Verfügung, zum Kennenlernen der Digitalisierung, wie aber auch zur umfassenden Erfassung der Umweltproblematik, wer weiß, wie wir aus anderen Perspektiven heraus die Digitalisierung und die Ressourcenproblematik beurteilen und auch zu managen versuchen würden?

Jetzt werden sich vermutlich kritische Stimmen melden und sagen, dass das, was man mit Hilfe von VR-Brillen sieht, zuvor von Menschen künstlich konstruiert worden ist. Damit sei doch das vermittelte Wissen vorgegeben, eigentlich manipuliert. Ja, das stimmt, jedoch nicht ganz. Denn niemand von den Programmierer*innen kann voraussagen, in welcher Weise man mit Hilfe der VR-Brille die digitalen Räume, mit die darin befindlichen Ressourcen und Wissenszugängen, zu nutzen sucht. Die Erfahrungen und Kenntnisse, die man dabei sammelt, kann kein/e Programmierer*in für uns machen, die muss jeder und jede für sich selbst erschließen – und das in einem deutlich größeren Wissensraum als sonst in vielen Bürotürmen angedacht wird.

Manche werden sehr schnell in immateriellen Räumen Grenzen überschreiten, die man sonst nicht überschreiten kann und würde. Andere wagen das vielleicht erst spät bzw. gar nicht, bleiben selbst in immateriellen Räumen brav am Weg, wie sonst vielleicht auch. Aber niemand wird vermutlich abstreiten, dass die Erfahrungen, die man in materiellen Räumen im Vergleich zu den Erfahrungen in immateriellen Räumen macht, unterschiedlich sein werden. Und genau um diese unterschiedliche Art und Weise der Erfahrungen, und den damit verbundenen Kenntnissen, geht es auch bei der Digitalisierung und ebenso der Umweltproblematik. Wenn man die jeweiligen Situationen nur aus der taylorischen Brille zu definieren und zu verstehen sucht, dann wird man die Digitalisierung und Umweltproblematik anders beurteilen als jene, die aus einer anderen Perspektive heraus diese Themenkomplexe sich zu erschließen üben.

Gleichzeitig ist die Wirtschaft gefordert, neue Wachstumsmärkte zu erschließen – dabei wird der immaterielle Raum vielleicht schon bald an realer Relevanz gewinnen. Man kann sich das kaum vorstellen, aber möglich ist es – u.a. auch deshalb, weil die urbanen Zentren aus allen Nähten platzen, Unternehmen sich dort nur schwer ansiedeln können, obgleich es gerade dort wichtig wäre, präsent zu sein. Gleichzeitig ist der Bau ein echter Umweltzerstörer, das vergessen wir auch. Und die Beschaffung von Sand, ein Grundbaustoff, wird immer schwieriger, weil der Sand für den Bau zu einer raren, schwer und teuer zu beschaffenden Ressource werden wird.[1]

Mit Hilfe der neuen Technologien könnten jedoch Räume ganz anders genutzt werden, ressourcensparend und technologisch innovativ. Neben dem Car-Sharing könnte auch ein Building-Sharing stattfinden. Opernhäuser könnten unter tags für Meetings, real wie auch virtuell, die Türen öffnen. Das sind nur grobe, einfache Lösungen, da gibt es noch weit mehr anzudenken, was u.a. Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, intensiv tut – aber ebenso das YARD:Forum, vielleicht noch nicht so extravagant und mutig wie Indset, aber zumindest motiviert und offen für neue Wege. In diesem Forum treffen anregende Expert*innen auf anerkannte Umsetzer*innen. Der Unternehmenserfolg wird in den Mittelpunkt der Diskussionen gestellt und gefragt, welche weiteren Interventionen notwendig sind, um auch in Zukunft noch erfolgreich sein zu können.

Herbert Zitter, Managing Partner bei M.O.O.CON, und ich wollten eines dieses Treffen u.a. auch dafür nutzen, konkrete gemeinsame, gegenseitig förderliche Austauschmöglichkeiten durchzugehen. Zuvor digital kommuniziert, vereinbarten wir, dass ich eine Art Studienreise durch die realisierten Projekte von M.O.O.CON machen könnte, um das was sie tun besser einsehen, verstehen und damit entsprechend für die Zukunft in Relation zu stellen vermag. Doch diesen Gedanken hatte Zitter von einer Minute zur anderen fallen lassen und meinte spontan:

Nein, eine Studienreise zu erfolgreich umgesetzten Projekten macht keinen Sinn mehr. Das ist eine Reise in die Vergangenheit. Wir müssen die Zukunft ganz anders denken, viel freier denken – wie, wenn wir eine VR-Brille aufhätten, und uns durch gänzlich neue Welten bewegen.

Die Auffassung von Zitter, die Vergangenheit stehen zu lassen und sich frei wie mit einer VR-Brille Gedanken über die Zukunft zu machen, ist jedoch nicht dahingehend zu verstehen, einfach Grenzen zu überwinden. Das wäre eine falsche Annahme der Situation. Sondern es geht vielmehr darum einzusehen, dass es die Grenzen in der Weise, wie man das oft meint, gar nicht gibt. Die Grenzen sind bloß gedankliche Konstruktionen, gedanklich fixierte Hilfsbrücken, die Menschen sich ausgedacht und aufgebaut haben, um den jeweiligen zeitgeistig passenden Arbeits- und Lebensabschnitt bestmöglich von einer großen Gruppe von Menschen gemanagt zu bekommen. Dem hat sich sowohl der Lebens- und Arbeitsalltag als auch der räumliche Aspekt, die Architektur, die Städteplanung, der Konsum, die Wirtschaft, die Freizeit, selbst die Wissenschaften, … einfach alles im Leben angepasst. Gedanken haben sich in Dingen und Taten manifestiert.

Das ist nichts Neues, werden Sie jetzt anmerken. Ja das stimmt. So hat sich die Industrialisierung und auch schon viel früher, beim Übergang der Menschheit vom Jäger und Sammler hin zum sesshaften Menschen, das ganze Leben und die damit verbundenen Denk- und Handlungsmuster inkl. den Wohn- und Arbeitsflächen entsprechend formiert. In ähnlicher Weise sieht man vermutlich auch den aktuellen Change in Bezug auf die Digitalisierung. Möglichkeiten haben die Menschen genug kreiert, um mit den technischen Innovationen und den Ressourcen sinnvoll umzugehen. Dafür braucht es jedoch meiner Meinung nach noch mehr Unternehmen, die es wirklich konkret tun – sprich ihre gewohnten Arbeits-, Denk- und Gestaltungsräume ganz konkret verlassen und wirklich neue Denk- und Gestaltungsräumen in neuen Produkten real werden lassen.

Das Wissen halten wir als Rohdiamant in unseren Händen. Es wird jedoch erst ein Bruchteil von dem genutzt, was an Potential in der Digitalisierung, in den technischen Innovationen steckt – worauf ich u.a. in meinem letzten Artikel, wer Gedanken zu nutzen versteht, der wird die Zukunft beherrschen, zumindest in Ansätzen einzugehen versuchte. In gleicher Weise sehe ich den Klimaschutz. Die Wirtschaft hätte das Potential, den Klimaschutz bzw. die Ressourcenproblematik deutlich besser zu managen, doch sie nutzt davon ebenfalls nur einen Bruchteil. So frage ich mich:

Wer ist mutig genug, die noch ungenutzten Schätze der Digitalisierung und des Umweltschutzes im umfassenden Sinn in Anwendung und Umsetzung zu bringen?

Die Digitalisierung und auch der Umweltschutz sind weit mehr als nur eine Weiterentwicklung und Adaptierung von Prozessen. Beide Aspekte stellen einen Quantensprung in der Entwicklung dar – auf allen Ebenen, in allen Bereichen der Menschheit. Es gilt nur, das darin befindliche Potential endlich wirklich zu nutzen, und nicht vor dem Quantensprung zurückschrecken, weil dieser möglicherweise anfangs nicht wie ein geregelter Fluss in einem vor vielen Jahren künstlich angelegten Flussbett planmäßig durch die Landschaft fließt.

Andererseits meinen viele den Fluss der Digitalisierung und der Umweltproblematik bestens zu kennen – aber von welcher Perspektive aus betrachtet? Vom (noch) sicheren Hafen vertrauter Arbeits-, Lebens- und Denkgewohnheiten? Oder befinden Sie sich bereits in wirklich neuen Räumen und neuen Umwelten – wagen Sie einen Quantensprung im Denken und damit in Folge auch im Handeln? Können Sie sich vorstellen, mit Hilfe der VR-Brille die Herausforderungen unserer Zeit in neuer Weise auf sich wirken zu lassen? Wagen Sie dann noch einen weiteren Schritt zu gehen, und die vielleicht neuen Kenntnisse und Einsichten aus der immateriellen Welt in die Realität zu überführen?

Sich auf solche Abenteuer einzulassen oblag bisher den Pionier*innen. Davon gab es eine Handvoll, aber immer genug, um die Entwicklung der Menschheit am Laufen zu halten bzw. eine positive Entwicklung irgendwie hinzubekommen. Die Wirtschaft hat von diesen Pionier*innen profitiert. Und genau an dem Punkt wird es aktuell spannend, denn die Unternehmen können es sich nicht mehr leisten, im sicheren Hafen abzuwarten, bis einige wenige Pionier*innen mit ihrem Erfahrungsschatz in die scheinbar sicheren Häfen zurückkehren. Mit dieser Strategie werden vielleicht einige den Anschluss verlieren.

Ich denke, die Wirtschaft steht genau vor dem Punkt, sich endlich auf die Reise auf einen noch unbekannten Fluss einzulassen – den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Räume zu wagen. Gleichzeitig mag die Wirtschaft ohnehin als einer der großen Triebfedern für Entwicklungssprünge ganz vorne dabei sein – den Sprung quasi gestalten und entsprechend für sich als Erfolgsweg zu nutzen suchen. So gesehen kann man die Wirtschaft sogar als die Plattform sehen, die den Quantensprung in ein neues Zeitalter forciert.

Das ist u.a. das Thema von Anders Indset, der Quantensprung der Wirtschaftdie Quantenökonomie. Indset ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Menschheit nur mit einem umfassenden flächendeckenden Pioniergeist zu meistern sein wird – u.a. der Erforschung neuer Wege mit neuen Kapitalisierungsideen, die nicht nur auf dem Materialismus und nicht nur auf dem reossourcenfressenden System beruhen, sondern beispielsweise Werte, Verstand, Liebe, … ebenfalls kapitalisiert. Nach Indset ist die Wirtschaft aktuell sogar die einzige systemische Kraft, die ökologisch, technisch und gesellschaftlich die Probleme lösen könnte.[2] Für seine Denkansätze wurde Indset gegenwärtig sogar für den Breakthrough Idea Award nominiert, der dem Erbe des CK Prahalad für die Q Economy gewidmet ist.[3]

Resümee

An Entwicklungsmaßnahmen mangelt es der Wirtschaft in keiner Weise. Man schraubt an unzähligen organisatorischen Rädchen, um das Unternehmen zukunftssicher zu machen, die Digitalisierung wie auch die Umweltproblematik in den Griff zu bekommen. Die Organisationsentwicklung steht hoch im Kurs, aber zu oft eben noch beruhend auf dem Verständnis der Arbeits-, und Lebenskonstruktionen des vorvorherigen Jahrhunderts, auf den Prinzipien von Taylor. Die Hilfskonstruktionen von Taylor haben lange Zeit der Wirtschaft gute Dienste erwiesen, aber jetzt braucht es neue geistige Konstruktionen bzw. Brücken, um die Digitalisierung und auch die Umweltproblematik, die Taylor gar nicht bedacht hat bzw. noch gar nicht bedenken hätte können, erfolgsversprechend zu führen.

Wer bei den Erfolgreichen in Zukunft dabei sein will, der bzw. die kann den Digitalisierungsprozess optimieren, indem man das für möglich hält, was man eigentlich auf den ersten Anstoß hin verurteilen und verneinen bzw. als unreal, als VR-Gag abtun würde. Dort, an dem Punkt des Widerstandes, dort passiert der Quantensprung im Denken. An dem Punkt wird es möglich, das Denken neu auszurichten und für innovative Ideen zu öffnen – eigentlich ohnehin eine Notwendigkeit, um in Zukunft noch zu den Global Playern dazuzugehören. Das wissen Sie ganz genau.

Wenn Sie es nicht wagen, wagen es andere – davon können Sie sicher sein. Das ist weder gut noch schlecht. Niemand muss den Sprung wagen, sondern kann auch später springen. Aber dabei entgeht einem vielleicht etwas – nicht nur das Abenteuer bzw. der Hype ein/e Pionier*in zu sein, sondern viel Erfahrung und möglicherweise die damit verbunden Organisationsentwicklungsmaßnahmen, die sich erst konkret am Weg zeigen. Abgesehen laufen die Entwicklungen so schnell, so dass man nicht mehr darauf warten kann, was andere aus ihren Feldexpeditionen an Wissen mitbringen, um dann erst den Sprung zu wagen. Dafür hat man heute nicht mehr die Zeit als Unternehmen. Die Digitalisierung verlangt eigentlich von jedem und jeder Pionier*in zu werden, wenn man die Digitalisierung beherrschen möchte.

Darauf sind die Unternehmen wie auch die Organisationsentwickler*innen aber nicht ausreichend vorbereitet. Das könnte uns in Turbolenzen führen, die wir in Bezug auf die Analyse bisheriger Veränderungen in der Menschheitsgeschichte nicht für möglich gehalten hätten. Genau das macht es aktuell problematisch. Aber ich will nicht gleich alles wieder schwarzmalen. Damit schaffe ich, wie Sie bereits wissen, bloß eine kognitive Dissonanz bei Ihnen, mit der Sie dann reflexartig behaupten, so schlimm wird es nicht. Die Menschheit hat so viele Veränderungen schon bewältigt, auch diese wird die Menschheit erfolgreich überstehen.

Das möchte gerne auch so sehen. Aber das gelingt mir nicht mehr so einfach. Ich will jedoch auch keine depressive Stimmung haben, sondern motiviert in die Zukunft sehen, das was man tut respektieren, jedoch mit Wissen „out of the box“ verstärken, u.a. durch Spaziergänge in VR-Welten, durch Gespräche mit Quantenphysiker*innen, durch das Kennenlernen schräger Projekte, wie denen beim Ars Electronica Festival, u.v.a… Denn das, außerhalb der gewohnten Denkansätze denken, verlangt die Zukunft.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, und sind sie nicht im Kopf, so sind sie nirgendwo …

Ein Ausschnitt von einem Lied von André Heller, das mir jetzt gerade durch den Kopf schießt, und womit ich diesen Artikel von mir offenhaltend beenden möchte.

Die wahren Abenteuer sind im Kopf, in euren Köpfen, und sind sie nicht in euren Köpfen, dann suchet sie. Die Wirklichkeit, die Wirklichkeit trägt wirklich ein Forellenkleid und dreht sich stumm, und dreht sich stumm nach anderen Wirklichkeiten um […][4]

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Bauen-schadet-Klima-wie-Autos-und-Fleisch-article21280049.html. Am 2019-09-19 gelesen.
[2] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[3] https://www.linkedin.com/posts/g%C3%BCnther-wagner-consulting_thinkers50-leadership-management-activity-6578682518399213568-UZO7.
[4] https://www.songtexte.com/songtext/andre-heller/die-wahren-abenteuer-sind-im-kopf-53c22391.html. Am 2019-09-18 gelesen.

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Wer Gedanken zu nutzen versteht, der wird die Zukunft beherrschen

The world´s first ultra-realistic AI artist robot: Ai-Da

Anfang September wollte ich die IFA in Berlin besuchen, die wichtigste Technik Messe der Welt. Die IFA erschien mir wesentlich, um mich mit den neusten Trends und Innovationen auseinanderzusetzen – Trends, die sowohl privat als Konsument*in als auch beruflich relevant scheinen.

Doch es kam anders – ein Umweg bescherte mir eine intensive Auseinandersetzung mit der digitalen Welt der anderen Art, die rückblickend gesehen vermutlich erkenntnisreicher war, als ich mir anfangs zugestanden hätte – warum, das möchte ich Ihnen nun erzählen. Aus privaten Gründen musste ich umdisponieren, und landete kurzfristig statt auf der IFA beim Ars Electronica Festival in Linz, der weltweit angeblich einmaligen Plattform für Kunst, Technologie und Gesellschaft.

Äußerlich betrachtet begab ich mich in ein ähnliches Feld – in die Auseinandersetzung mit technischen Innovationen. Aber bei der Ars Electronica eingetroffen, erschien es mir, als ob die beiden Veranstaltungen auf zwei unterschiedlichen Planeten stattfinden würden. Ich war, so muss ich zugeben, sehr irritiert, fühlte mich auf der Ars Electronica deplatziert, wusste nicht, was ich da überhaupt soll. Ich wollte was erfahren über die neuesten technischen Trends. Aus dem heraus wollte ich ableiten, wie sich das auf die Arbeit, die Arbeits- und Kommunikationsprozesse auswirkt. Stattdessen war ich umgeben mit seltsamen Kreationen von Dingen, die ich weder technisch noch emotional, geschweige denn rational und schon gar nicht arbeitstechnisch einzuordnen fand.

Das Motto der Ars Electronica: Out of the Box, traf mich persönlich – warum, weil ich selbst in zahlreichen Artikeln dazu anzuregen versuche, über den Tellerrand zu sehen, die Silos zu verlassen. Doch bei der Ars Electronica musste ich an mir selbst leibhaftig feststellen, wie schwer es mir dort fiel, die eigene Blase zu verlassen und wirtschaftsfremde Interpretationen von technischen Innovationen und Kreationen nicht gleich als sinnlose Spielsachen zu verurteilen.

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Die Ars Electronica zeigte mir Dinge, die ich nicht sehen wollte bzw. Dinge, die mich nicht interessierten, weil mir die Relevanz für die Zukunft, die Relevanz für die Wirtschaft nicht gegeben schien. Ich war fest gefangen in meinem Silo, wie die Digitalisierung bzw. die neuen Technologien die Wirtschaft und das Leben der Menschen beflügeln könnten. Die Ars Electronica machte mir dabei einen Strich durch die Rechnung, und das konnte ich schwer akzeptieren. Aber rückblickend gesehen war das richtig gut, weil genau damit konnte ich etwas erfahren, was ich sonst vielleicht so bei der IFA nicht in Erfahrung bringen hätte können, was aber für die Zukunft meines jetzigen Wissensstandes mir wesentlich scheint.

Ich nehme Sie jetzt mit auf den Weg, die Ars Electronica im Schnelldurchgang spürbar, und damit den möglichen Erfolgsschlüssel der Zukunft begreifbarer werden zu lassen. Manche von Ihnen werden vorweg jetzt meinen, Sie kennen die Schlüssel zum digitalen Durchbruch, Sie arbeiten bereits seit Jahren tagtäglich damit, Sie investieren viel Zeit, Geld, Brain in die Forschung in die neuen Technologien. Sie brauche keine weiteren zusätzlichen Inputs, Sie haben gute, fähige, zukunftsorientiere Mitarbeiter*innen und Berater*innen. Das mag sein. Genau in der Weise dachte ich auch. Aber ich musste feststellen, ich kratze nur an der Oberfläche. Das reichte bisher aus, aber reicht nicht, um die nächsten 20 Jahre erfolgsversprechend zu gestalten.

Wie gesagt, ich haderte mit der Situation, statt auf der IFA bei der Ars Electronica gelandet zu sein, befürchtete viele wichtige Inputs von der IFA zu versäumen. Ich musste, ohne bei der Ars Electronica noch viel gesehen zu haben, bereits nach 20 Minuten einen Not-Espresso trinken – tat dies mitten in dem Wirrwarr an seltsamen Dingen, die ich alles andere als mit technologischem Fortschritt bzw. verheißungsvollen gesellschaftlichen Trends in Verbindung brachte. Wie dem auch sei. Jetzt musste ich für mich entscheiden, entweder weiter hadern, der IFA nachtrauern, der Ars Electronica mit Skepsis bzw. Enttäuschung gegenübertreten, mich damit innerlich sperren, oder die Kraft aufbringen und mich einfach auf das einlassen, was da ist.

Science fiction becomes science fact

Zum Glück fand ich durch meine Tochter bald eine Hilfe für meinen Groll – eine Artificial Intelligence- Woman, eine AI-Dame, ganz konkret eine AI-Malerin. Diese AI-Dame hat mich und meine Tochter in den Bann gezogen. Ihr Gesicht wirkte unfassbar echt, ihr Blick traf uns mitten ins Herz – scheinbar ins Herz. Rational konnte ich verstehen, dass eine AI-Dame mich nicht sieht und damit eigentlich nicht emotional berühren kann, aber emotional reagierte ich trotz Wissen und Reflektion. Meine Tochter, 6 Jahre, meinte, sie sei verliebt in diese Dame, und auch viele andere haben auf die AI-Dame mit positiver emotionaler Berührtheit reagiert. Das hat mich beeindruckt.

Ich sprach mit dem Mentor und Projektinitiator, ein Galerist aus London, der diese AI-Dame vollständig aus Privatmitteln finanziert, und diese in sehr menschlicher Weise zu bauen bzw. zu konstruieren sucht. Er versteht die AI-Dame weniger als konkretes Werkzeug, um damit etwas zu produzieren bzw. etwas erzielen zu wollen, sondern als Intelligenz, mit der man in Kontakt treten und zum Nachdenken angeregt werden kann:

As the world’s first ultra-realistic AI artist robot, Ai-Da is uniquely placed to help us think a little more deeply about art, creativity, and how our varied futures might look.[1]

Genau an dem Punkt wurde es für mich spannend – gedanklich baute ich die ersten Brücken zur Wirtschaft. Ich schrieb zwar schon einige Male über die mögliche Kraft und Macht von Artificial Intelligence (AI), aber so hautnah habe ich die Wirkungsmacht noch nicht erleben können. Der Einsatz solcher Schöpfungen könnte die Wirtschaft in einer Weise revolutionieren bzw. in eine Richtung bewegen, die man sich kaum vorstellen kann – positiv wie auch negativ. Möglicherweise könnte es einen Konkurrenzkampf geben um die besten AI Programmierer*innen, die mit Hilfe der AI einen Wettlauf um Konsument*innen führen

An der Stelle möchte ich Ihnen ein interessantes weiteres Aufgabengebiet eines AI-Roboters hinzufügen:

  • In Japan in einem 400 Jahre alten Tempel predigt seit neuestem eine AI, ein Roboter, Buddhismus. Die meisten Besucher*innen waren anfangs überrascht, insbesondere davon wie menschlich der Roboter wirkte. Einige spürten eine Wärme, die man niemals so erwarten würde. Andere meinten, der Roboter hätte sie tatsächlich dazu gebracht, gründlicher über Gut und Böse nachzudenken. Mit diesem Roboter soll der Buddhismus in Japan revolutioniert werden. Der Westen reagiert darauf mit scharfer Kritik.[2]

Ich versuche das Experiment mit dem AI-Prediger in Japan aus dem Blick der Ars Electronica zu verstehen, und kann nun aus eigener Erfahrung sagen, eine AI hat Wirkungskraft – und die ist nutzbar für welches Thema auch immer. Die Wirtschaft wird die Kraft und Macht von AI ebenso nutzen wie andere Lebensbereiche, daran führt kein Weg mehr vorbei – in welcher Weise, das wird sich noch zeigen. Einige nutzen ohnehin schon AI, und lassen im Hintergrund die AI für sich arbeiten.

Die AI steckt nicht nur in den Produkten selbst, agiert als Software versteckt aus den jeweiligen Produkten heraus, sondern wird irgendwann einmal vermehrt, wie die AI-Malerin oder der AI-Prediger in Japan, auch die sichtbaren Bühnen des Lebens betreten und als sichtbare Erscheinungen mit Menschen in Kontakt treten. Das wird das Leben beeinflussen, in einer Weise, das kann man sich kaum vorstellen. Ich selbst bin überrascht, wie stark eine AI in Form einer Menschengestalt Wirkung hinterlässt. Das mag zwar für viele kein relevanter Einsatz von AI sein. Die AI mag für viele einfach bloß eine verbesserte Programmierung sein. Doch die Wirkungskraft geht weit darüber hinaus – jetzt schon unsichtbar und irgendwann einmal auch sichtbar.

Die AI ist eine künstliche Intelligenz. Als solche schafft die AI vieles nicht, was wir Menschen geschaffen haben. Aber das ist gar nicht der relevante Punkt, sondern der, dass wir Menschen auf all das, was die AI uns vorgibt, reagieren. An dem Punkt wird es wirklich gewichtig und spannend, und genau das konnte ich bei der Ars Electronica leibhaftig erfahrenen. Mit einem etwas anderen Verständnis von AI, weniger, dass die AI technisch unfassbar viel kann, sondern, dass Menschen indirekt über die AI andere Menschen gezielter, direkter, ansprechen wollen und können, und die davon sich sogar angesprochen fühlen – darin sehe ich die AI als ein wirklich neues Machtinstrument.

Mit diesem anderen Zugang zur AI bin ich dann weiter durch die Veranstaltung – begegnete einem seltsamen Ding, das aussah wie eine Krake. Anfangs sah ich das Ding als Gag von einem Künstler, ein witziges Spiel, aber mehr auch nicht. Aber nun sah ich, welche Kraft und Macht von der Krake ausgehen könnte:

  • Die Krake, ausgerüstet mit AI, verstand es, die Gefühle der Menschen miteinander zu verknüpfen. Durch die Krakenarme und den darin befindlichen Kameras konnten die Menschen sich gegenseitig sehen, wie auch sich selbst. Die Reaktionen der Menschen aufeinander, suchte die Krake zu analysieren und reagierte als Krake selbst darauf. Das hat wiederum einen Rückkoppelungseffekt auf die Menschen, die durch die Arme der Krake schauten.

So verspielt dieses Ding wirkte, so unbeschwert und eigentlich sinnlos für das Leben, ganz zu schweigen für die Arbeit, so tiefgreifend untergründig kann das Ding jedoch Menschen bewegen, beeinflussen. Und wer weiß, in welcher Weise die darin wirkende AI einmal in einem anderen Kontext eingesetzt werden kann, um Menschen miteinander gezielt zu verbinden und dahingehend zu bewegen, etwas Bestimmtes zu tun?!

Die AI-Malerin und die Krake waren nur 2 Beispiele von unzähligen Spielzeugen, so nenne ich die vielfältigsten Kreaturen auf der Ars Electronica flapsig, die mit Hilfe der AI die Gedanken der Besucher*innen zu interpretieren im Stande waren, und gleichzeitig damit rückkoppelnd Einfluss auf das Denken nahmen. Ich sah Filme, wo ich es nicht für möglich hielt, dass diese rein nur von AI produziert worden sind, sprich Stories, Bilder, Schnitt, alles von AI erschaffen wurde. Diese Filme waren erstaunlich menschlich und menschlich tiefgründig, haben zum Denken angeregt – genau das, was ich von einem AI-Film so nicht erwartet hätte.

Damit, sprich mit AI können in Zukunft Texte, Musik, Filme, Malereien, aber auch Kleidung, Gegenstände, … Menschen ganz gezielt rational wie eben auch emotional berühren. Ich habe beim Großen Konzert Mahlers Unvollendete vollendet gehört. Ich hätte nicht angenommen, dass eine AI diese Symphonie in einer so berührenden Weise zu Ende komponieren kann. Das hat mich beeindruckt, nein, viel mehr, es hat mich emotional berührt. Und genau an dem Punkt wird die AI meiner Meinung nach unfassbar mächtig – u.a. ein Grund, warum bereits die ersten Roboter-Psycholog*innen wie Martina Mara u.a. dieses neue Berufsfeld eröffnen.

Die AI wird nicht nur Fließbandtätigkeiten, gesamte Produktionszyklen übernehmen, sondern selbst in Berufsfeldern zum Einsatz kommen, die man sich aktuell noch schwer vorstellen kann. Nicht grundlos arbeitet Yamaha so gezielt an dem selbstspielenden Klavier, das in einigen Sekunden die aktuelle Stimmung der Welt in einer Komposition zum Ausdruck bringen kann – und das ist bloß eines von unfassbar vielen Raffinessen von dem selbstspielenden Klavier, das ständig dazulernt und das Publikum, uns Menschen, zu berühren versteht.

Mag sein, dass Sie die Kraft und Macht von AI ohnehin schon selbst erfahren haben, bzw. vielleicht sogar schon seit einiger Zeit in Ihrem Unternehmen als neues Tool zu integrieren suchen. Mag sein, dass Sie in der leibhaftigen Erfahrung mit einer AI gar nicht viel Spannendes und Anregendes gefunden haben, und den Hype, die Kraft und Macht von AI als überzeichnet sehen. Dann mögen meine Erfahrungen und Annahmen für Sie vermutlich naiv bzw. unrelevant erscheinen. Mag aber auch sein, dass Sie sich selbst, so wie ich mich nach diesen letzten Eindrücken bei der Ars Electronica, aktuell als ziemlicher Laie, als naive(r) Amateur*in im Umgang mit AI sehen. Wenn Sie es so für sich beurteilen, dann können wir uns die Hand reichen und uns gemeinsam in den nächsten Jahren auf das Abenteuer AI einlassen.

Resümee

Die Ars Electronica hat mir persönlich gezeigt, dass ich selbst im Umgang mit technischen Errungenschaften nur an der Oberfläche kratze, keine echte Ahnung habe, was diese Technologien eigentlich wirklich im Stande sind zu bewegen – nämlich, mein Leben tiefgreifender beeinflussen als ich das zu durchschauen fähig bin. Im Laufe der 2 Tage bei der Ars Electronica habe ich für mich persönlich geschlussfolgert:

Die Gedanken der Menschen in Verbindung mit der AI werden zu einem der mächtigsten Instrumente der Zukunft. Wer die Gedanken tiefgründig zu nutzen beherrscht, die eigenen wie die der anderen, der bewegt die Zukunft!

Das ist doch nichts Neues – werden jetzt viele denken. Das war doch schon immer so. Das ist auch der Grund, warum Werbung, härter ausgedrückt, Manipulation wirkt, und Manipulation seit menschheitsgedenken zu nutzen gesucht wird – ja und nein.

Die Kraft der Gedanken hat schon immer Menschen bewegt. Aber noch nie waren Menschen dahingehend beeinflusst, nicht direkt von Menschen selbst gelenkt zu werden, sondern indirekt durch AI, durch selbstlernende Softwarelösungen emotional getriggert zu werden.

Ich dachte von mir selbst, AI würden emotional nicht wirklich berühren, und so hätte man ohnehin eine gute Kontrolle über den Einfluss von AI auf das eigene Leben. Aber das muss ich, so fürchte ich, revidieren. Sicherlich, wenn ich mein Leben gedanklich und emotional ständig reflektiere, kann ich einiges an Einflüssen abwehren. Aber das erfordert viel Kraft – Gedankenkraft – jenen Schlüssel, den die AI für sich ebenfalls zu nutzen versteht, in einer Art und Weise, die man sich nur sehr schwer vorstellen kann.

Die AI als solche ist weder gut noch schlecht

  • Auf der Ars Electronica spürt man einen äußerst positiven Esprit ausgehend von jenen, die mit AI arbeiten. Deren Offenheit in Bezug auf AI lässt aber auch Kritik zu.

  • An dem Punkt unterscheidet sich die Wirtschaft von den Wissenschaftler*innen und Künstler*innen die ich bei Ars Electronica erlebt habe.

  • Alle gemeinsam nutzen AI, aber die offene Auseinandersetzung und kritische Fragen werden bei der Wirtschaft aus Zeitgründen zu oft ausgespart, oder aus wirtschaftlichen Bedenken nur hinter verschlossenen Türen geführt.

Dahingehend bietet vermutlich die Ars Electronica mehr Einblicke als vielleicht die IFA. Die IFA hätte mir auf der Oberfläche, sprich auf der äußerlichen, sichtbaren Produktebene sicherlich weit mehr zeigen können als die Ars Electronica. Die IFA hätte mir die neuesten Trends und Applications von Smartphones, Smart-Homes, Smart-Cars, von unzähligen neuen anderen Produkten und Möglichkeiten, die Zukunft zu gestalten, zeigen können. Aber eines hätte die IFA vermutlich nicht so offen dargestellt, die Hinterbühnen – all das, was die Produkte in sich verbergen, die Wirkungskräfte, u.a. den Einsatz von AI, die hinter bzw. in den Produkten stecken, mit welcher die Menschen in Kontakt treten und von welcher die Menschen beeinflusst werden.

  • Jetzt mögen Sie vermutlich aufschreien und sagen, dass es für Unternehmen legitim sei entsprechend den Möglichkeiten, sprich auch mit Hilfe von AI, Konsument*innen von Produkten zu überzeugen, Konsument*innen mit Produkten fit für die Zukunft zu machen. Die AI ist einfach nur ein neues Hilfsmittel, um Produkte noch besser zu machen. Das einzusetzen bzw. zu nutzen, muss man nicht explizit erwähnen und auf die möglichen Folgen hinweisen.

  • Die Wirtschaft befindet sich immerfort in der Weiterentwicklung, und kann nicht ständig jeden Schritt für jeden Menschen auf dieser Welt erklärbar und diskutierbar werden lassen. Ja, das mag stimmen. Aber mit Hilfe der AI wird vielleicht die Art und Weise was und wie konsumiert wird, wie finanztechnisch agiert wird, derart intensiv und schnell beeinflusst, dass man nicht abschätzen kann, wohin das womöglich führt. Ich fürchte, wir unterschätzen die AI – aber nicht, weil diese böse ist, sondern weil wir uns einfach zu wenig mit der AI auseinandersetzen.

Die Ars Electronica schafft es meiner Meinung nach, mehr Reflexion und Auseinandersetzung mit einer verspielten Offenheit gegenüber den neuesten technologischen Innovationen in eine annehmbare Kommunikation zu führen als es in der Wirtschaft vorzufinden ist. Ohne Scheu und ohne Hemmung wird auf der Ars Electronica mit der AI kommuniziert, und diese in schrägen Produkten und Kunstobjekten berühr- und erlebbar gemacht – so, dass selbst ich, der mit Skepsis der AI gegenübertritt, mich dieser anders nähern konnte als zuvor.

Nicht grundlos schreibt Katrin-Cécile Ziegler, Digital Economist, Speakerin, TV & Event-Moderatorin, dass die Ars Electronica ein Pflichtbildungsprogramm sein sollte für alle jene, die mit digitalen Technologien zu tun haben. Und der Bundespräsident von Österreich, Alexander Van der Bellen, meint, die Zeiten, wo die Technik allein den Ton angibt, sind vorbei. Die neuesten Technologien erfordern ein Wissen, dass den rein technologischen Rahmen sprengt. Das Wissen muss breitgefächert entwickelt werden, muss aus der Verbindung unterschiedlichster Lebens- und Arbeitsbereiche heraus entstehen. Dahingehend ist die Ars Electronica einmalig in der Welt.

Wen dem so ist, so sollte man meinen, dass auf der Ars Electronica auch die Wirtschaft vertreten ist. Aber das kann ich nicht bestätigen. Ich habe auf der Ars Electronica kaum Menschen aus der Industrie bzw. große Wirtschaftsunternehmen gesehen – vielleicht waren manche inkognito dort unterwegs, so wie ich selbst. Die Ars Electronica zieht scheinbar vermehrt einen Haufen von Individualist*innen aus unterschiedlichsten Wissenschaften und Kunst aus der ganzen Welt an – aber scheinbar kaum Menschen aus der Wirtschaft. Ich als Wirtschaftsnaher fühlte mich dort jedenfalls wie ein Außerirdischer. Woran das liegt – ich kann nur eine spekulative Antwort geben:

  • Vielleicht löst die Ars Electronica das bei der Wirtschaft aus, worüber ich vor 2 Wochen in dem Artikel Zukünftige Wachstumsmärkte schrieb – eine kognitive Dissonanz.

  • Warum, weil eine tiefgründige, breitgefächerte, den wirtschaftlichen Rahmen verlassende Auseinandersetzung mit neuen Technologien alles andere als leicht zu verdauen ist, viel mehr sogar das Gegenteil bewirkt, sprich schwer und fürs erste fast unverdaulich im Magen liegt. Die Wirtschaft möchte schnelle, leichte Lösungen. Das bietet die Ars Electronica nicht. Es gibt keine Produkte, die man hypen kann, keine Applikationen, die leicht von der Hand gehen und mit denen man den Lebens- und Arbeitsalltag bestens bewältigt. Stattdessen bietet die Ars Electronica Einblicke in schräge Gedankenexperimente, die manchmal auch unangenehm drücken, schwer in den Alltag einzuordnen sind, dahingehend wirken, dass man auf sich selbst zurückgeworfen wird – darauf, sich bewusst zu werden, dass die eigenen Gedanken der Schlüssel sind für das, was man auf der Welt vorzufinden wünscht, und der Schlüssel sind für die Wirkungskräfte der neuen Technologien.

Beherrscht man die Gedanken, dann beherrscht man die Zukunft. Das sagt sich so leicht, aber das ist hochgradig anstrengend und bedarf sehr viel Bewusstseinsarbeit in einer Weise, die wir so wie die neuen Technologien es fordern, kaum im Stande sind in der notwendigen Art über den gesamten Arbeitstag halten zu können – dafür müssten wir Meditationsmeister*innen sein. Aber vielleicht hilft uns dabei demnächst eine AI?

Ich jedenfalls bin zu dem Schluss gekommen, dass ich deutlich mehr an mir selbst und meinen Gedanken arbeiten möchte (muss), um die Fähigkeit aufzubringen, mich auf die neue Zeit mit AI mit neuen Möglichkeiten und Chancen bestmöglich einzustellen. Und genau das finde ich sogar reizvoll. Genau genommen komme ich sogar wieder dorthin zurück, wo ich schon einmal war, aber diesen Pfad ein wenig aus den Augen verlor. Wie dem auch sei, angeregt durch die Ars Electronica, durch diesen Umweg, bin ich reaktiviert, mich wieder vermehrt mit Bewusstseinsarbeit auseinanderzusetzen, um mit den neuesten Innovationen, mit AI sinnvoll und auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.flickr.com/photos/arselectronica/48462939771/in/photolist-2dABszU-2hcSdc8-2hcT3sN-2hcT3qD-2hcSeis-2gQvez6. Am 2019-09-12 gelesen.
[2] https://www.n-tv.de/wissen/Roboter-predigt-in-buddhistischem-Tempel-article21258643.html. Am 2019-09-11 gelesen.

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Zukünftige Wachstumsmärkte – New Business Models

Zukünftige Wachstumsmärkte - New Business Models

4 Wochen Arbeitspause – davon die meiste Zeit in den großen Fjorden von Norwegen verbracht und einige Tage in einem kleinen Ort bei Wien mit der größten europäischen Fotoausstellung genossen. Ich habe viel nachgedacht, viel gelesen, reflektiert, Zeitgeistströmungen intensiv zu erfassen gesucht – mit einer großen, mich doch sehr berührenden Erkenntnis, die nahezu ident in einem Artikel in ZeitOnline vom 31. Juli 2019 zu lesen war.

Dieser Artikel, die Apokalypse ist leider auserzählt, ist für mich ein Sprungbrett. Wohin, darauf komme ich später. Zuvor 2 Gedanken in Bezug auf die auserzählten Herausforderungen, die mich in Verbindung mit einer medial deutlich wahrnehmbaren Tatsache zum Springen bringen:[1]

  1. Die Handlungsweise der Menschen verursacht Probleme, doch die Probleme werden negiert. In entscheidenden Momenten glaubt man nicht den Wissenschaften, sondern frisst die Dinge heiß in sich hinein und meint, es wird doch nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

  2. Die Digitalisierungs- und Klimakatastrophen sind auserzählt und jede Prognose, die dem ähnelt, wird genau durch diese Ähnlichkeit unglaubwürdig. Je dringlicher Wissenschaftler*innen vor baldigen gravierenden Konsequenzen warnen, sei es in der Digitalisierung, wie auch im Klimaschutz, desto umstrittener wird deren Position. Wissenschaftlicher*innen unterstellt man in Folge Persönlichkeitsstörungen oder eine geheime Agenda.

  3. Easy-Going-Lösungen, 5-Punkte-Erfolgsstrategien, die gleich wirken bzw. leicht umzusetzen sind, werden hingegen gehypt, in hoher Zahl angeklickt und mit vielen Likes beflügelt. Das ist in Ordnung, und ich will in keiner Weise Easy-Going-Patentrezepte schlecht reden. Mich bringt es vielmehr dazu, meine Arbeitsweise bzw. meine Sicht der Dinge, mein Verständnis und meine Erkenntnisse über die Digitalisierung, Wirtschaft und die damit zusammenhängenden sozialgesellschaftlichen Phänomene anders zu betrachten. Das heißt, dem gefragten Wunsch nach einfachen Lösungen nachzukommen, ohne jedoch die Situation und die Herausforderungen zu verharmlosen.

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Menschen wollen Probleme lösen, aber mit den Problemen nicht konfrontiert werden – ein Paradoxon, aber scheinbar ein äußerst reales, überall anzutreffendes Phänomen. Dem möchte ich mich gemeinsam mit Gleichgesinnten stellen. Ich möchte die Probleme nicht verharmlosen, aber gleichzeitig versuchen, Lösungen zu finden, die leichter zu nehmen sind. Ich möchte Lösungen finden, die Spaß machen, die motivieren und Wachstum in neuer Weise kreieren. Das mag für manche naiv klingen. Aber vielleicht sind wir alle naiv – jene, die weiterhin an das Wirtschaftswachstum glauben, obgleich dieses sichtbar kränkelt bzw. irgendwann zwangsläufig an die Grenzen stößt, aber genauso gut diejenigen, die die gesamte Wirtschaft auf den Kopf stellen wollen, um die Erde vor Klimakatastrophen zu retten oder die Menschheit vor einer digitalen Weltmacht zu schützen suchen.

  • 2020 könnte das Jahr der nächsten großen Wirtschaftskrise werden. Alle wissen bereits seit Monaten, dass es aller Voraussicht nach so kommen wird, doch kaum jemand hat sich darauf entsprechend vorbereitet. Vielleicht Sie schon, ich weiß es nicht, aber die meisten agieren im Modus, es wird schon nicht so heiß werden.[2]

  • Ebenso hat keiner in Indien gedacht, dass bei einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 5,8% und einer konsumfreudigen Mittelklasse ein massiver Absatzrückgang von 31% bei den indischen Autobauern möglich sein kann. Der Zulieferer Bosch ließ verlauten, im August werde in zwei Fabriken an 13 Tagen nicht gearbeitet. Fertigungsstraßen der Automobilbauer ruhen für 8 bis 14 Tage in diesem Quartal.[3] Das kann auch in Deutschland passieren, doch das würde man so niemals für möglich halten. Solche Szenarien sind doch bloß an den Haaren herbeigezogen, Aufsehenshascherei. Leon Festinger nennt dieses Bewertungsmuster, das so gut wie jeder und jede in sich trägt, kognitive Dissonanz.

Wenn Menschen eine Diskrepanz zwischen ihren Erwartungen und der Realität erleben, die sich nicht beseitigen lässt, erzeugt das ein tiefes Unbehagen und damit das dringende Bedürfnis, das Unbehagen zum Verschwinden zu bringen, indem man das Problem beispielsweise als nicht so schlimm zu sehen versucht, oder gar ignoriert. So kommt es, dass beispielsweise Raucher*innen Lungenkrebsstatistiken für überbewertet halten und Anlieger von Kernkraftwerken das Strahlungsrisiko- und Unfallrisiko regelmäßig niedriger einschätzen als Menschen, die weit entfernt von Atommeilern leben. In ähnlicher Weise verhält es sich mit dem Klimawandel, den man deutlich unterschätzt.[4]

Ein tadelnder bzw. angstschürender Informationsstil führt scheinbar unweigerlich dazu, die angesprochenen Herausforderungen zu ignorieren bzw. zu verharmlosen – beruhend auf der menschlichen Triebkraft der kognitiven Dissonanz. Die Apokalypsen schlittern an einem vorbei, scheinen auserzählt zu sein. Diese Einstellung mag einen beruhigen, aber mit welchen Folgen? Die Probleme werden irgendwann einmal jeden und jede treffen, auch wenn man meint, es wird nicht so heiß werden. Der Zusammenbruch des Ostblocks hätte einen darüber lehren können, dass Systeme lange über ihr eigentliches Verfallsdatum hinaus weiterexistieren können, um dann wie ein von Termiten ausgehöhltes Haus geräuschlos zusammenzubrechen.[5]

Bitte nicht schon wieder eine Hiobsbotschaft. Ja, ich weiß, es ist tatsächlich alles andere als einfach, realistische Herausforderungen so zu verbalisieren, dass man bereit ist über die existierenden Herausforderungen ehrlich nachzudenken, nicht in eine Dissonanz zu gehen bzw. sich schnell auf leicht verdauliche Scheinlösungen zu stürzen. Harald Welzer, Soziologe, Sozialpsychologe, Publizist, geht hart ins Gericht mit den Menschen in Bezug auf die Negierung ihrer Probleme. Er sagt unverblümt, die Menschheit steht aktuell vor der größten Herausforderung, der Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage. Er spricht deshalb nicht mehr von der Gestaltung der Zukunft, sondern nur noch von den Möglichkeiten der Restauration.

Das ist aber genau das, was niemand hören will. Also frage ich mich:

  • Wie ist es möglich, die Herausforderungen nicht mehr zu negieren, das Unbehagen der Diskrepanz zwischen der Realität und den Wunschvorstellungen, sprich die kognitive Dissonanz aufzulösen, und mit Vertrauen statt Angst andere, neue Möglichkeiten aufzugreifen und umzusetzen?

  • Welche neuen Lösungen könnte man aktuell, beispielsweise in Ihrem Unternehmen andenken, die leichter verdaulich, nicht esoterisch bzw. als nicht durchführbar oder als zu voreilig betrachtet werden?

Die Beantwortung dieser Fragen sind meiner Meinung nach ein Schlüsselpunkt. Leider scheint sich jedoch dieser Dreh- und Angelpunkt für eine vielversprechende Lösungsstrategie selbst auch gleich wieder im Weg zu stehen – ganz im Sinne einer Schutzhaltung gegenüber unangenehmen Herausforderungen, die man nicht hören mag. Tut mir leid, so gesehen habe ich gerade schon wieder keine schnelle Easy-Going-Lösung im Ärmel, die ich einfach so ausschüttle, und Ihnen dann in 5 Punkten als vielversprechendes Erfolgsrezept weitergeben kann.

Der Haken liegt daran, dass wir es einfach nicht gewohnt sind, in neuen Lösungskategorien zu denken – ich selbst auch nicht. Wir, wozu ich mich auch ausnahmslos zähle, denken in äußerst festgefahrenen Kategorien, und es ist wirklich außerordentlich schwer, diese gewohnten Denkmuster, die damit verbundenen Bewertungen einschließlich der Diskrepanzen, in ein neues Licht zu stellen, und andere Denkweisen und damit auch Lösungsansätze zuzulassen.

Aber genau das, das Paradoxon, neue Lösungen zu finden, ohne die tiefgreifenden Probleme zu verharmlosen, motiviert mich gerade sehr, mich selbst mit New Business Models auseinanderzusetzen. Ich möchte mich einer neuen Lösungsstrategie anvertrauen, die weniger darauf beruht, aus Angst vor der Zukunft Probleme zu verharmlosen, oder in eine verzweifelte Anklage zu gehen, sondern aus Freude, Spaß, aus Inspiration heraus und der damit verbundenen spielerischen Leichtigkeit, neue Wege zu finden. Das kann auch Wachstum erzielen, aber vermutlich auf andere Art und Weise.

All jene, die sich vielleicht schon einmal mit Permakultur auseinandergesetzt haben wissen vielleicht, dass man mit dieser sehr gemischten Anbauweise einen deutlich größeren Obst- und Gemüseertrag bei gleicher Flächengröße erwirtschaften kann, als mit industrieller Mono-Landwirtschaft – und das noch dazu ohne künstliche Schädlingsbekämpfung. Die Art und Weise, wie die Pflanzen in Kooperationen zueinander wirken, stärkt das gegenseitige Wachstum und bekämpft Schädlinge. Das ist doch bemerkenswert – zumindest für mich.

Nichts Neues werden Sie jetzt denken, Permakultur gibt es schon lange. Ja, aber warum unterstützt man dann in großem Stil die Monokultur der Agrarriesen, die ohnehin nur 30% der weltweiten Bevölkerung zu ernähren im Stande sind und deren Arbeitsweise das größte Kapital der Landwirtschaft, den Boden, auch noch beschädigt? Diese Frage ist wieder eine Anklage, die Unbehagen auslöst und damit negiert oder gar mit Gegenargumenten rückverurteilt wird. Also wenden wir den Blick zurück zu jenem Aspekt, der positiv stimmt und betrachten jene Aspekte der Permakultur, die Erfolge zeigen, versuchen eine gedankliche Brücke aufzubauen – von der Kooperationskraft unterschiedlichster Pflanzen, die sich gegenseitig stärken, hin zu Ihrem Unternehmen und der fachübergreifenden Kooperationskraft dort.

Eine erfolgsversprechende Digitalisierung fordert ohnehin das über die Fachbereiche hinaus wirksame Denken und Handeln – sprich Diversity. Silodenken ist hingegen ein schwerer Hemmschuh für die Digitalisierung, doch in den meisten Unternehmen so derart normal und gewohnt, dass man die Monokulturen gar nicht als solche wahrnimmt, manchmal sogar meint, man agiert ohnehin schon sehr vielseitig, durchmischt, mit Querdenker*innen gestärkt – leider eine hartnäckige Illusion. Die meisten Unternehmen agieren im Modus von Monokulturen.

Dieses Aufspüren von neuen Lösungen verlangt viel Offenheit, um das fokussierte, fixierte, gewohnte Denk- und Beurteilungsmuster auszuhebeln. Dafür ist es notwendig, den persönlichen Denkradius deutlich zu vergrößern, in Austausch zu gehen mit unterschiedlichsten Menschen und ebenso Naturräumen – in Berührung zu gehen, mit Handlungsweisen, die schräg klingen, z.B. mit einem Baum kommunizieren. Ja, ich weiß, das mag jetzt für manche total daneben klingen. Lassen Sie mich ergänzen, dass die Wissenschaft herausgefunden hat und sogar belegen kann, dass wir Menschen tatsächlich mit Bäumen in kommunikativen Austausch gehen können. Das mag für viele erst einmal ein Gedankenexperiment sein.

Aber das Schöne daran ist, man kommt in Unterhaltungen, die einem persönlich viel bringen können – in jeder Weise. Das ist das, was uns Menschen ohnehin am meisten bewegt, andere Menschen und die Natur. Manchmal scheint es zwar nicht so, aber bei genauer Betrachtung sind es immer die Menschen im Austausch mit der Natur, die sich gegenseitig inspirieren oder zerstören. Aus dem heraus hat sich viel entwickelt, und könnte sich noch viel mehr entwickeln, wenn man neue Wege zu gehen sucht. Diese neuen Wege, New Business Models, müssen jedoch nicht dem Wirtschaftswachstum widerstreben, wie so oft angenommen. Vielleicht gibt es ein sowohl als auch – wie beispielsweise die Suchmaschine Ecosia, im Web suchen und Bäume pflanzen.

New Business Models

Ecosia gegründet 2010 in Wittenberg von Christian Kroll, hat im Juni fast 1,5 Millionen EURO eingenommen und veröffentlicht jeden Monat seine Finanzen. Ecosia ist die erste ökologische Suchmaschine und spendet 80% der Einnahmen an weltweite Baumpflanz-Projekte. Mittlerweile hat Ecosia 65 Millionen Bäume gepflanzt in mehr als 17 Ländern, und beschäftigt fast 50 Menschen. Ein Tree Planting Officer überprüft vor Ort, ob die Bäume wirklich angepflanzt werden, und dass sie stehen bleiben. Aber auch andere Aspekte spielen eine Rolle, u.a. faire Gehälter zahlen, keine Kinder arbeiten lassen und keine Monokulturen pflanzen. Der Strom für die Server kommt aus erneuerbaren Energien. Ecosia hat selbst Solaranlagen gebaut, und in den nächsten 3 Jahren sollen 8 Millionen EURO in neue Solaranlagen investiert werden. Beim Programmieren achtet Ecosia auf schlanke Codes, denn schlechte Codes verursachen mehr Rechenleistung, damit steigen die Serverkosten bzw. der Energieverbrauch der Server.[6]

Das Ecosia-Geschäftsmodell funktioniert wie bei jeder anderen Suchmaschine: Firmen buchen Suchbegriffe, die von der Microsoft Suchmaschine Bing geliefert wird, um die Firmenseite als Werbung oben auf der Ergebnisseite angezeigen. Für jeden Klick zahlen die Unternehmen. Ein Riesenmarkt, wenn allein Ecosia – mit einem verschwindend kleinen weltweiten Marktanteil – fast 1,5 Millionen EURO monatlich einnimmt.[7]

Auch das Unternehmen Raubein in Hard, Vorarlberg, mit dem Motto „Möbel ohne Ende“ wollen Wachstum erzielen, jedoch anders – Wachstum im Verständnis von Wertschätzung und Respekt. Raubein dient aktuell als Ausgleich für die beruflichen, meist kopflastigen Tätigkeiten, wo sich die Partner*innen von Raubein manuell austoben und gleichzeitig Sinn suchen und stiften. Raubein schaut über die Grenzen, schaut hinter die Fassaden von alten, lehrstehenden Häusern, Hotels, Brauereien und Handwerksbetrieben, von Verwaltungs- und Fabriksgebäuden.[8]

Raubein ist ein Herzensprojekt, nicht nachhaltig in dem Sinn, wie man Nachhaltigkeit meisthin versteht, sondern beruhend auf Liebe und Respekt für gute Verarbeitung und durchhaltefähigem Material, nachhaltig aus Verbundenheit zu den Menschen, die mit den Dingen jahrelang gearbeitet und gelebt haben. Raubein sieht sich privilegiert, so arbeiten zu dürfen und gibt aus Dank einen Teil der Erlöse für soziale und gemeinnützige Initiativen der Region zurück. Zudem geht in einzelnen Fällen ein Teilbetrag des Erlöses auch an den/die Möbelspender*in zurück.[9]

Als 3. und letztes Beispiel für heute, möchte ich ein Unternehmen nennen, Sono-Motors, dass 2020 das erste serienmäßige Elektroauto Sion herausbringt, das seine Batterie zusätzlich durch die Energie der Sonne lädt. Das Dach, die Motorhaube und die gesamte Karosserie des Autos sind vollflächig mit monokristallinen Siliziumzellen verkleidet. Der gespeicherte Strom kann auch wieder abgegeben und damit beispielsweise elektrische Geräte, oder sogar ein zweites Elektroauto geladen werden. Im Innenraum reguliert ein organischer Filter aus Moos – breSono – die Luftfeuchtigkeit und filtert Feinstaub.[10]

Der Sion ist ein familienfreundlicher Allrounder: 5 Türen, 5 Sitzplätze, Isofix-Vorrichtungen, ein großzügiger Kofferraum, ein Elektromotor mit einer Maximalgeschwindigkeit von 140 km/h, eine Reichweite von 255 km nach WLTP-Standard, eine Anhängerkupplung mit einer Zuglast von maximal 750 Kilogramm, ein Schnellladesystem, …. Daran ist nichts außergewöhnlich im Vergleich zu anderen E-Autos. Doch die Möglichkeit, die Batterie durch die Sonne aufzuladen ist doch bemerkenswert, und ebenso die Art und Weise wie man versucht, ressourcenschonend zu produzieren.[11] Die verwendeten Bauteile müssen folgenden Anforderungen erfüllen: Lebensdauer von mindestens 8 Jahren, Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse, Bruchfestigkeit und ein geringes Gewicht, das alleine macht viel aus. Darauf nimmt beispielsweise Audi mit seinem E-Tron scheinbar noch nicht viel Rücksicht. Der Audi e-tron wiegt knapp 2,5 Tonnen.

Die Batterien es Sion bestehen aus einer Zellchemie mit reduziertem Kobaltanteil. Sono-Motors hat darüber hinaus 2017 beschlossen, alle Emissionen, die bei der Produktion des Sion entlang der Lieferkette anfallen, zu kompensieren. Dies beinhaltet neben der Produktion und Zusammensetzung der Bauteile und der Logistik, auch die Emissionen der Büros sowie die Geschäftsreisen. Die Produktionsstätten im ehemaligen Werk der Kultmarke SAAB verwenden Strom aus 100 Prozent erneuerbarer Energien.[12]

Auch wenn Sion sicher noch nicht die beste Lösung ist, was die Mobilität betrifft – es ist ein weiterer Schritt. An der Stelle möchte ich ein interessantes Gedankenspiel von Welzer anführen, der den Öko-Wahn und die Umstellung des Energieverbrauchs auf rein Öko für bedenklich hält. Er schreibt: Der Glaube mit der Umstellung des Energiesystems die gefährliche Klimaerwärmung zu stoppen, ist eine Illusion. Tatsächlich würde sogar das Gegenteil der Fall sein: Würde man nämlich die Nutzung fossiler Energien vollständig durch die Nutzung erneuerbarer Energien ersetzen, gäbe es hinsichtlich der Expansion von rohstoffintensiven Ernährungs-, Wohn- und Mobilitätsstilen kein Halten mehr, denn schließlich wäre die zu deren Erzeugung benötigte Energie dann ja unbegrenzt verfügbar. Eine gelingende Energiewende in der falschen Kultur kann in der Konsequenz damit sogar zu einer Erhöhung der Zerstörungskraft der bestehenden Praxis führen – das Gegenteil einer gelungenen Transformation.[13]

Nun ja, diese Aussage mag stimmen, berührt jedoch wieder sehr unangenehm, aktiviert die kognitive Dissonanz und negiert damit die Aussage bzw. redet die Aussage schlecht und findet rasch Gegenargumente. An dem Punkt heißt es, Durchhaltevermögen zeigen, sprich die Herausforderungen bejahend im Blick haben, aber mit einer verspielten Leichtigkeit an die Sache herangehen, Abenteuerlust zulassen, um ganz neue Wege zu finden – ein Wachstum der anderen Art kreieren.

Resümee

Ich selbst stehe was New Business Models betrifft, wenn ich ehrlich bin, ziemlich am Anfang. Aber ich freue mich wie ein 8jähriger Junge, der neue Abenteuer zu bestreiten sucht, wirklich neue Geschäftsmodelle ausfindig zu machen bzw. gemeinsam mit Interessierten neue Geschäftsmodelle anzudenken, neue Wachstumsmärkte zu erschließen – Wachstumsmärkte der neuen Generation. Das sehe ich als Freiheit und Teilhabe. Genau das produziert scheinbar auch die kapitalistische Gesellschaft, die Erfahrung von Freiheit und Teilhabe. Aber nach Welzer existiert Freiheit und Teilhabe im Kapitalismus nur auf dem Rücken der Ungleichheit und Ungerechtigkeit, auf der Steigerung des individuellen Glücks und der Zerstörung und Ausbeutung der Welt.

Es geht nicht mehr um die Frage, was es zu vermeiden, sondern was es zu erhalten gilt. Unausweichlich stehen wir vor den Problemen der Ressourcenknappheit, Schuldenstress, Migrationsströme, Klimakatastrophen.[14] Diese Sichtweise führt jedoch wiederum nicht dazu, neue Lösungen zu finden, sondern vielmehr dahingehend, sich zu distanzieren und die Herausforderungen zu negieren. Merken Sie es? Es ist wirklich beachtlich, wie schnell kritische Aussagen, mögen diese noch so relevant und wichtig sein, Unmut auslösen, und damit die Auseinandersetzung mit den Problemen äußerst subtil so zu verdrehen sucht, dahingehend dass die Probleme eigentlich gar nicht wirklich bestehen bzw. viel harmloser scheinen.

Scheinbar gelassen geht man mit moralisch zutiefst verstörenden Sachverhalten um – und genau das sind wir auch gewohnt. Es ist nicht nur die kognitive Dissonanz, sondern auch die Gewohnheit, sich so von Herausforderungen zu distanzieren und sich damit irgendwie zu belügen. Neu ist nur: Man betrügt jetzt nicht nur die anderen, die irgendwo da draußen in der Welt sind, sondern inzwischen auch die eigenen Leute – die eigenen Kinder, Nichten, Neffen, Enkel und all jene, die nach uns kommen. Welzer diagnostiziert: Ich selbst bin das Problem, das gelöst werden muss, wenn die Welt zukunftsfähig bleiben soll.[15]

Merken Sie es vielleicht jetzt wieder? Diese letzte Aussage löst vermutlich erneut Unbehagen aus, vielleicht fühlen Sie schon die Abwehr in sich aufsteigen. Und genau jetzt an dem Punkt kann es spannend werden. Vielleicht schafft man es, jetzt an diesem Punkt, die Herausforderung nicht sofort zu negieren, sondern mit Respekt stehen zu lassen, aber gleichzeitig mit dem Drang nach positiven Gefühlen, mit einer Brise der Easy-Going-Strategie zu verbinden – ein Sowohl-als-auch zulassen.

Ich möchte jedenfalls die nächsten Wochen dafür nutzen, in leichterer Weise schwere Themen und Herausforderungen anzugehen. Ich freue mich darauf. Ich möchte die Probleme und Herausforderungen nicht negieren, aber ich möchte niemanden mit apokalyptischen Aussagen bedrängen, sondern versuchen, die Lust an wirklich neuen Geschäftsideen zu wecken, die Lust für wirtschaftliches Abenteuer anzuregen, in neue Wachstumsmärkte zu investieren, Grenzen in hochgestimmter Weise zu überschreiten.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Literaturquellen:

[1] https://www.zeit.de/kultur/2019-07/klimakatastrophe-apokalypse-weltuntergang-hysterie-erderwaermung. Am 2019-08-27 gelesen.
[2] https://www.msn.com/de-at/finanzen/top-stories/es-droht-die-nächste-große-wirtschaftskrise-und-alle-schauen-nur-zu/ar-AAGoda1?ocid=spartandhp. Am 2019-08-27 gelesen.
[3] https://www.nzz.ch/wirtschaft/abrupter-stopp-fuer-indiens-autoindustrie-ld.1502004. Am 2019-08-27 gelesen.
[4] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[5] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[6] https://www.ecosia.org/. Am 2019-08-27 gelesen.
[7] https://www.ecosia.org/. Am 2019-08-27 gelesen.
[8] https://www.raubein.at/. Am 2019-08-27 gelesen.
[9] https://www.raubein.at/. Am 2019-08-27 gelesen.
[10] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[11] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[12] https://sonomotors.com/de/. Am 2019-08-27 gelesen.
[13] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[14] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.
[15] Welzer, Harald: Selbstdenken. Eine Anleitung zum Widerstand. S.Fischer Verlag GmbH. Frankfurt a.M.: 2013.

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Science fiction becomes science fact – das zu managen ist ein bahnbrechendes Abenteuer

Science fiction becomes science fact – das zu managen ist ein bahnbrechendes Abenteuer

Bevor ich, wie viele andere auch, in den Urlaub gehe, möchte ich ein Resümee über mein Wirken und die Resonanz auf mein Wirken als Berater und Influencer für das 1. Halbjahr 2019 geben, und einen lockeren Vorausblick machen, womit ich mich ab Herbst konkreter beschäftigen möchte.

Die 3 herausstechenden Themenkomplexe bzw. die damit verbundenen Erregungen aus dem 1. Halbjahr 2019

1. Der bestlaufende Artikel mit über 78.000 Leser*innen war: Sind agile Prinzipien zum Scheitern verurteilt

Die in diesem Artikel angesprochenen Aussagen und Annahmen sind kritisch, haben aber überraschenderweise nicht abgeschreckt, entsprechend gelesen zu werden. Das erstaunt mich deshalb, weil ich immer deutlicher die Erfahrung mache, dass negative Aussagen verständlicherweise eher abstoßen, unattraktiv sind für eine Zeit, die sich selbst als vielversprechend, alles ist möglich, man muss nur die Chancen sehen und nutzen, … gehypt wird.

Dennoch versuche ich trotz Kritik und Angriffe immer wieder aufs Neue, nicht nur die euphorischen Chancen, sondern auch die möglichen Stürze bzw. ungeliebten Risiken ansprechen. Das tue ich, weil ich persönlich in einer komplexen Zeit auch die komplexen Risiken durchschauen will, um im Falle des Falles entsprechend vorbereitet zu sein – das sehe ich als meine Verantwortung als Berater und Influencer. Das ist eigentlich ein Selbstverständnis, werden Sie jetzt denken. So agieren doch alle, die Verantwortung tragen. Das mag von der Intension her so stimmen, aber die Praxis sieht zu oft anders aus – was sehr deutlich und mit großer Sorge bei einem Meeting in München mit einem der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens, dessen Name ich jedoch anonym zu halten versprochen habe, als großes Bedenken im Raum stand.

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Gerd Leonard, Futurist, CEO The Futures Agency, sprich deutlich davon: science fiction becomes science fact.[1] Ob man will oder nicht, das hat Folgen für alle – auch wenn man die Folgen aktuell noch nicht zu spüren bekommt. Aber genau das ist das Fatale. Die meisten Folgen bekommt man erst zu spät zu spüren, dann wenn man eigentlich nur noch reaktiv, aus der Not heraus handeln kann. Damit vergibt man sich jedoch die Chance, vorzeitig aktiv die Situation in eine gute Richtung zu führen, mit Folgen, die auf das Gesamte bezogen, besser verträglich gewesen wären.

Der umfassende Einbezug der Risiken verstört jedoch die Euphorie und die mit der Digitalisierung verbundenen kurzfristigen Erfolge. Mag sein, dass auf bestimmten Ebenen sogar bewusst das Wissen über die Risiken ferngehalten wird? Sei es so, oder auch nicht. Fakt ist, dass man Risiken gerne aus dem Weg geht. So tut, als ob es die Risiken nicht geben würde bzw. die Risiken nur überzeichnet werden. Mir persönlich geht es nicht anders. Ich möchte auch viel lieber nur auf der Welle des Hypes der Digitalisierung dahingleiten und die vielfältigen Möglichkeiten nutzen – u.a. auch, damit ich im Wettbewerb mit den anderen mithalten kann.

Wenn ich hingegen die enthusiastische Welle mit düsteren Bildern verdunkle, dann ist das aufs Erste gar nicht das, was antreibt und wettbewerbsfähig hält. Verständlicherweise übergeht man dann die Risiken, oder beruhigt sich dahingehend, dass man die Problempunkte bei passender Gelegenheit in Angriff nimmt. Aber wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Am Beginn der Prozesse meist nicht, an der Stelle ist man zu motiviert und zu sehr überzeugt, dass alles machbar ist. Während des Prozesses, auch kein so guter Zeitpunkt, da ist man so sehr damit beschäftigt, den Prozess bestmöglich zu implementieren und aufkommende Hindernisse so schnell wie möglich glatt zu bügeln. Zum Ende hin, das ist reichlich spät. Abgesehen davon zeigt sich in vielen Fällen, dass die Prozesse in der Anfangsphase relativ gut anlaufen, warum sollte man sich dann überhaupt über Risiken Gedanken machen, die möglicherweise nie eintreffen, vielleicht sogar den Prozess negativ belasten.

Diese Sichtweise und entsprechende Prozessoptimierung kann ich gut nachvollziehen, denn gerade im Fall der Digitalisierung und auch der Umweltproblematik sind die möglichen Risiken noch nicht wirklich greifbar, nicht wirklich real. Aber genau das ist der Haken der Digitalisierung und auch der Umweltproblematik. Keiner kann wirklich sagen, wie die Digitalisierung tatsächlich das Leben und Arbeiten, die Zukunft der Unternehmen umfassend beeinflusst. Keiner weiß, ob die Klimaerwärmung wirklich so heftig ist, und was das für die Unternehmen bedeuten könnte. Aber eines ist gewiss: Quantencomputer, Künstliche Intelligenz (KI) und Klimaveränderungen, durch wen auch immer ausgelöst, werden das Leben und damit auch das Wirken der Unternehmen in vielfältigster Weise herausfordern.

Möglicherweise sind sich sogar mehr Führungskräfte dessen bewusst als darüber offen diskutiert wird, darunter eben hochkarätige Spitzenleute, wie u.a. einer der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens in einem Gespräch München.

Risikoprävention wäre eigentlich eine Maßnahme, die in einem umfassenden Digitalisierungsprozess von Beginn an ernsthaft begleitend mitlaufen sollte. Aber das versucht man zu umgehen. Das sieht man vermehrt als noch nicht wirklich nötig an. Im Gegenteil, es scheint eher kontraproduktiv, ressourcenfressend, Komplexität erhöhend und wird damit fürs Erste gestrichen – womit einige auch Recht haben. Prävention mag Zusatzarbeit machen und kostet Geld. Damit wirkt sie dem schnellen Fortschritt der Digitalisierung diametral entgegen, löst sogar die Sorge aus, mit zu viel Sicherheits- und Reflexionsschleifen den Anschluss zu verpassen. Und wer weiß, vielleicht sind die Sorgen und Befürchtungen ohnehin nur aufgebläht, und bloß von Digitalisierungsgegner*innen als Aufmerksamkeitshascherei medial inszeniert.

Nichtsdestotrotz muss man mehr Aufmerksamkeit in die Digitalisierungsprozesse stecken, weil der Druck stetig ansteigt und die gehypten Strategien doch nicht wie geplant wirken, agile Methoden scheitern. In diesem Zusammenhang findet sich für mich ein spannender roter Faden zu einem anderen Artikel, der in Bezug auf die Anzahl der Leser*innen eher durchschnittlich war, aber im Verhältnis dazu außerordentlich viele Reaktion ausgelöst hat – nämlich der Artikel:

2. Was wäre, wenn Manager streiken

Dieser Artikel war sicher eine gedankliche Gradwanderung, führte zu Missverständnissen, aber auch zu spannenden Reflexionen.

Streik scheint eigentlich nur dann angesagt zu sein, wenn die Situation prekär oder gefährlich ist. Dahingehend ist es provokant bzw. scheint die Fragestellung fehlgeleitet zu sein, vom Streik der Manager zu sprechen, deren Situation weder prekär noch gefährlich scheint. Aber stimmt diese Mutmaßung wirklich?

Wenn man den global vernetzten, höchstkomplexen, unfassbar schnellen Verdrängungswettbewerb betrachtet, die Digitalisierung mit den damit verbundenen Herausforderungen und unglaublichen Veränderungen, kann man die Situation der Manager meiner Auffassung nach sehr wohl als gefährlich einstufen. Der Druck ist immens, die damit verbundenen Anforderungen überschreiten das, was die Führungskräfte eigentlich zu managen fähig sind, das kann man nicht schönreden. In dem Meeting in München zeigt sich diese Problematik unausweichlich deutlich: Jasagen, obwohl es eigentlich nötig wäre Nein zu sagen, und sich nicht im Rausch der Digitalisierung zu verlieren. Doch was hindert daran?

  • Was bzw. warum verhalten sich Manger so linientreu, tragen Entscheidungen mit, die möglicherweise alles andere als sinnvoll und verantwortungsvoll sind, versuchen es trotz besseren Wissens sowohl nach unten wie nach ganz oben allen Recht zu machen?

Im Umkehrschluss eine relevante Anschlussfrage:

  • Was müssten Manager wagen, wenn sie streiken, wenn sie Nein sagen zu bestimmten Prozessen und Strategien, und sich gemeinsam mit anderen Managern, beispielsweise wie Schüler*innen weltweit für den Klimaschutz formieren, für die Entwicklung einer neuen Wirtschaftskultur einsetzen?

Ich weiß, diese 2. Frage ist für manche ein Affront, eine Anmaßung, naiv und vollkommen daneben. Mag sein, aber dennoch wage ich eine solche Frage. Es geht mir nicht darum, das Wirtschaftssystem aufzulösen, weil alles schlecht ist. Nein, das ist es nicht. Ich möchte jedoch anregen, auch neue Formen des Zusammenwirkens anzudenken, auch auf den oberen Ebenen. Die Agilität fordert es ohnehin. Doch genau das fällt unglaublich schwer – den gewohnten Rahmen verlassen und sich neu positionieren. Dahingehend passt eine weitere Beobachtung zu Reaktionen auf Artikeln von mir aus dem 1. Halbjahr 2019.

3. Der Artikel, Schockprognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, hat im Vergleich zu den vielen anderen Artikeln herausstechend emotionsgeladene Kommentare ausgelöst

Das Klimaproblem und die damit verbundenen möglichen Folgen, die auch die Unternehmen treffen könnten, vergraulen – verständlicherweise. Mit Umweltthemen steht man als Unternehmen vor einem wirklich großen Dilemma:

  • Zum einen will man vielleicht wirklich was tun, anders agieren,

  • sieht aber die Konkurrenz, die noch nicht daran denkt, Umweltmaßnahmen als Unternehmenswerte zu integrieren, damit jedoch kostengünstiger, schneller produzieren kann als jene, die wirklich ernsthaft bemüht Umweltaspekte in die Unternehmensleitziele einzubeziehen suchen.

Würden alle Unternehmen der Welt gemeinsam die Umweltverträglichkeit als relevanten Unternehmensleitsatz integrieren, dann wäre vielleicht genug Motivation vorhanden, so dass sich mehr Unternehmen neu ausrichten bzw. die Risiken einer zu wenig betrachteten Umweltwirksamkeit anders bewerten. In ähnlicher Weise verhält es sich mit der Digitalisierung.

Solange nur einzelne den Sprung wagen, es wirklich anders zu machen, die Risiken bewusst und verantwortungsvoll im umfassenden Sinn und nicht bloß als Schein für ein gutes Image in die Welt tragen, wird das zwar als vorbildhaft gelobt, aber eine große Trendwende nicht umgesetzt. Solange sich die Masse weiterhin umwelt- und ressourcenfressend, oberflächlich vom Digitalisierungshype berauscht verhält, gesellschaftlich wie unternehmerisch, werden es nur einzelne wagen, den Mainstream zu verlassen und das Vorgehen kritisch hinterfragen.

Aus dem vertrauten Mainstream, aus dem, wie die Masse in ähnlicher Weise versucht ein Problem zu lösen bzw. auch ignoriert, auszusteigen, ist jedoch ein außerordentlich mutiger Schritt.

Der Erfolg mag nicht gleich zu sehen sein, aber langfristig vielleicht dazu führen, ein geachteter Leader zu werden. Doch das weiß man am Anfang vom Sprung in neue Sphären nicht. Man muss in unbekanntes Wasser springen, den vertrauten Mainstream verlassen, in eine Vision vertrauen, die den Rahmen der bisher vorstellbaren Visionen überschreitet. Man verliert u.U. Rückendeckung von jenen, die dem Mainstream vertrauen. Man muss die Kraft aufbauen, sich gegenüber dem Mainstream mental, emotional und rational behaupten, ein ebensolches couragiertes Team für sich gewinnen und gemeinsam an einer Lösung arbeiten und widersprüchliche Ansichten, Befürchtungen, Kritiken als Sprungbrett für bahnbrechende Innovation nutzen – darin war u.a. Steve Jobs ein Meister.

Bei einem Workshop beim VDI in Stuttgart setzte ich ganz bewusst in Bezug auf das Scheitern agiler Prinzipien eine widersprüchliche Frage in den Raum:

  • Welche persönlichen Gewinne können Führungskräfte in einem agil geführten Unternehmen erzielen,

  • wenn gleichzeitig die eigene Position damit in Frage gestellt wird?

Bei einem Workshop beim VDI in Stuttgart setzte ich ganz bewusst in Bezug auf das Scheitern agiler Prinzipien eine widersprüchliche Frage in den Raum:

Diese in sich widersprüchliche Frage löst vor allem eines aus: Konkreter als bisher hinzusehen. Elon Musk kann mit Widersprüchlichkeiten umgehen, gibt beispielsweise seine Lizenzen frei und möchte E-Autos nur noch solange verkaufen bis es bessere Mobilitätskonzepte gibt. Musk ist überzeugt, in Zukunft fährt das Roboter-Taxi.[2] Er fordert damit viel von seinen Mitarbeiter*innen und auch Zulieferern, die so gesehen eigentlich einer unsicheren Zukunft entgegenblicken. Gleichzeitig gibt er den Blick rechtzeitig frei für neue Wege.

Vielleicht ist es genau diese Ehrlichkeit in Bezug auf die Herausforderungen und Widersprüchlichkeiten von Musk und seinen Gedanken über die Zukunft, so dass sich die Mitarbeiter*innen und Zulieferer nicht abschrecken lassen, sondern sich vielleicht selbst auch kritischer, bewusster, flexibler, wendiger mit der Arbeit und der Zukunft auseinandersetzen. Musk ist sicher keine einfache Persönlichkeit und verlangt viel von seinen Teams. Aber er hat eine große Vision und den Mut, Herausforderungen und Risiken offen anzusprechen. Er spielt vielleicht auch ein bisschen den Helden, den Retter, was manche gleich nutzen, um seine Gedanken und Visionen schlechtzureden.

Wie dem auch sei. Wir kommen immer wieder an den Punkt, so oder so, dass die Digitalisierung, aber auch die Umweltproblematik die Arbeits- und Lebensweise triggert. Und keiner kann wirklich konkret voraussagen, was uns alles tatsächlich noch bevorsteht – es ist vermutlich mehr als viele bewusst andenken möchten. Genau das wurde auch im Meeting in München kritisiert, der kurzsichtige Blick von Seiten der Wirtschaft, aber auch von Seiten der Politik und Gesellschaft. In zahlreichen Artikeln von mir weise ich immer wieder aufs Neue auf die Risiken hin. Dem gegenüber fallen Anmerkungen, man möge doch endlich weniger Kritik üben, sprich über die Risiken schreiben, stattdessen Lösungen aufweisen.

Diese Aussage kann ich nur bejahen. Aber bevor entsprechende Lösungen gefunden werden können, bedarf es einer echten, tiefgreifenden bewussten Entscheidung, die Risiken der Digitalisierung wie auch der Umweltproblematik nicht mehr länger zu verharmlosen und kleinzureden, sondern wirklich als ernsthafte mögliche Bedrohung anzuerkennen. Solange die Risiken nicht umfassend geachtet werden, ist es sinnlos von Lösungen zu sprechen, weil die Lösungsansätze mehr verlangen als nur ein halbherziges Ja. Die Lösungen verlangen ein couragiertes Nein zu dem, wie man es bisher als wirksam und richtig gesehen hat. Das heißt nicht, dass nun alles falsch ist, was man tut, auf keinen Fall. Einiges war und ist noch immer sinnvoll und wichtig, aber es gibt genug Punkte, die dem Prozess der Transformation, digital und umwelttechnisch, hemmend im Weg stehen.

Solange nicht genug Manager den Mut aufbringen können, zu bestimmten Strategien und Vorgehensweisen Nein zu sagen, gemeinsam in einen Streik zu gehen, werden die Lösungen im Raum verpuffen. Ich weiß, diese Aussage von mir mag einige verärgern. Einige werden mich dafür kritisieren oder als naiven Utopisten aburteilen. Mir ist das bewusst. Im Gespräch in München wurde jedoch deutlich auf den Tisch gelegt, dass es, ob man will oder nicht, mehr braucht als kleine Insellösungen. Das bestärkt mich, weil dieses Gespräch mit unzählig anderen vertraulichen Gesprächen mir doch zeigt, dass das Bewusstsein für die Risiken steigt, man fast ohnmächtig dem gegenübersteht und eigentlich nicht weiß, wie geht man das an. Auf den ersten Blick scheinen die notwendigen Veränderungen derart groß und eigentlich undurchführbar. Aber deshalb weiterhin so tun, als ob man es mit dem adaptierten Instrumentarium hinbekommt, ist mir zu wenig.

Es gibt Lösungen, wenn durch ein gestärktes Nein, so geht es nicht mehr weiter, Freiräume für wirklich neue Wege und Gedanken geschaffen worden sind. Das heißt nicht, dass es jetzt noch keine Lösungen gäbe. Aber diese Lösungen können nur mit einem Nein zu dem, wie es aktuell läuft, ohne sofortige Abwehr offen diskutiert werden. Solange aber der Mut zum Nein fehlt, werden die Lösungen falsch verstanden werden.

Wirklich spannend könnte es werden, wenn in einem Dax-Unternehmen geschlossen mehrere Managementebenen Nein sagen, so geht es nicht mehr weiter, wir versuchen jetzt wirklich einen Prozessmusterwechsel. Das wäre wahrlich ein Sprung – ein Quantensprung. Die Quantencomputer werden bald zum Einsatz kommen, mit Herausforderungen, die ebenfalls mehr verlangen als bloß ein paar technische Anpassungen – auch wenn von bestimmten Seiten es deutlich einfacher dargestellt werden mag. Warum nicht auch einen Quantensprung im Management wagen?

Worauf ich hinaus will, die Lösungen gibt es, aber dafür braucht es Courage, Vertrauen, ernsthafte Auseinandersetzung mit den Risiken, Quer- und Vorausdenker*innen, vielmehr Verbundenheit auf allen Ebenen, auch mit der Konkurrenz, und erneut Mut, viel Mut, es zu wagen, sich wirklich neu zu positionieren. Dafür muss man an bestimmten Stellen Nein sagen, am besten vereint mit anderen, u.U. muss man ein Nein zu jenen richten, die ganz oben stehen.

Das wirklich so zuzulassen, ist aber tatsächlich ein äußerst herber Brocken. Das würde bedeuten, wenn man als Führungskraft beispielsweise agile Prozesse ernsthaft aufsetzt, dann entzieht man sich selbst im Laufe dieses Prozesses Macht, Einfluss, Anerkennung. So gesehen ist es als Führungskraft eigentlich auf den ersten Blick schwer möglich, ehrlich agiles Arbeiten im Unternehmen zu implementieren. Das ist fast so, als ob man das Nein zu sich selbst richtet.

Das ist die große Herausforderung der Digitalisierung wie auch der Umweltproblematik, man muss sich selbst als Führungskraft ganz neu positionieren, erleidet damit fürs Erste sogar Verluste, muss verzichten, loslassen, eine neue Identität mit neuen Anerkennungssymbolen aufbauen. An dem Punkt ist es heiß, sehr heiß. Hält man die Unsicherheit aus, sagt tatsächlich Nein, so nicht mehr, oder fühlt man sich für das Nein zu schwach, und bleibt lieber bei dem, was man bisher als erfolgsversprechend gehalten hat.

Das Nein löst Ängste aus, dem wird man sich stellen müssen. Das ist ein Quantensprung, und deshalb so schwer. Also bleibt man doch besser beim Ja, ich versuche so weiter zu machen wie bisher, irgendwie wird es schon gehen, es wird vielleicht ohnehin nicht so schlimm werden, wie manche schreiben … Doch genau diese Strategie kann das Fass zum Kippen bringen. Die Digitalisierung, wie auch die Umweltproblematik, machen Druck. Druck, der noch mehr steigen wird, man muss nur einen kurzen Blick auf die Nachrichten und News werfen. Die technischen Veränderungen steigen exorbitant an. Damit steigen die Anforderungen, insbesondere widersprüchliche Anforderungen prasseln täglich in steigender Komplexität auf die Managements herab, die Ja sagen, wir schaffen es, und mit unzureichendem Managementwerkzeug die Digitalisierung in den Griff zu bekommen versuchen. Ein Nein-Sagen aber verunsichert aktuell noch mehr.

Ich weiß, ich fordere Sie heute außerordentlich heraus. Ich tue es nicht, weil ich Ihre Arbeit nicht gut finde, oder Ihre Einstellung verurteile. Ich möchte ehrlich sein, ich sage es, weil ich wirklich Zweifel habe, dass die Art und Weise, wie die Wirtschaft, aber auch die Politik und Gesellschaft, ebenso die Wissenschaft agiert, so in nächsten Jahren weitermachen kann ohne tiefgreifend Probleme zu bekommen. Das ist auch der Grund, warum das Meeting in München stattgefunden hat – die große Sorge und der Zweifel an der eigenen Zunft.

Es geht mir in keiner Weise darum, das Managementwissen bzw. das Verhalten der Führungskräfte schlechtzureden. Es geht mir vielmehr darum, die Situation, in der viele Führungskräfte stecken realistisch einzuschätzen, die Risiken nicht zu verharmlosen bzw. zu ignorieren, sondern als Sprungbrett zu nutzen, für couragierte innovative Ideen und verantwortungsvolle Zukunftsvisionen –ein kollektives Nein auf Managementebene, so geht es nicht mehr weiter, zu wagen.

Nach Dr. Berthold Schröder, Abteilungsdirektor, Arbeits- und Versicherungsmediziner bei der Allianz, ist es sogar dringlich notwendig, endlich ein Nein zu wagen, damit Führungskräfte nicht im Überlebenskampf ausbrennen – aus dem manche nur noch eine Lösung sehen: Suizid. Manger-Suizid ist kein Einzelfall mehr.[3] Darüber in einem Wirtschaftsblog zu schreiben, ist für manche jedoch eine Grenzüberschreitung. Das mag sein, doch ich will damit vielmehr aufzeigen, dass der Druck der Führungskräfte ebenfalls Grenzen überschreitet. Man mag sich vielleicht noch zu den Gewinner*innen zählen, aber wie lange noch, und wie hoch ist der Preis, den man dafür zahlt? Nicht ohne Grund hat mir Dr. Schröder entsprechende Literaturquellen geliefert. Er sieht die Lage besorgniserregend.

Dabei kann agiles Arbeiten genau das Gegenteil fördern, ein gesundheitsförderliches Zusammenarbeiten ermöglichen, den Druck in gesunder Weise managen, wenn die Führungskräfte es wagen, sich neu zu positionieren. Mag aber auch sein, dass genau dieser Schritt, sich selbst in der Rolle der Führungskraft neu zu positionieren, für manche so heftig ist, dass gerade das dazu führt, vollkommen überfordert zu sein. Das ist meine Vermutung, warum agile Prinzipien u.a. scheitern bzw. von den Führungskräften nur halbherzig umgesetzt werden. Dabei übersehen diese, dass in einer halbherzigen agilen Arbeitsweise der Druck auf sie selbst das Maß des Erträglichen erst recht übersteigen wird.

Mag sein, dass manche von Ihnen jetzt das Handtuch werfen und sagen, das geht mir alles zu weit. Ich möchte das nicht mehr lesen. Ich sehe es nicht so schlimm, die Risiken werden von Günther Wagner überzeichnet. Das mag von einem bestimmten Standpunkt aus durchaus stimmen. Ich reflektiere sicherlich auf einer Meta-Ebene, die für viele zu weit reicht. Doch ich bin nicht der einzige, der warnt. Im Gegenteil, immer mehr Warnungen ploppen auf. Aber der ausdrücklichste Grund, sich zumindest gedanklich ein Nein, so nicht mehr, vorzustellen, ist die Tatsache, dass die technischen Veränderungen derart schnell laufen, und man, ob man will oder nicht, die Herausforderungen in anderer Weise managen muss, um nicht von der Digitalisierung überrannt zu werden.

Doch wie könnte diese andere, neue Führungsweise aussehen?

Wie schafft man es, ein Nein, so wie bisher nicht mehr, zu wagen?

All jene, die meine Artikel kennen, werden den einen oder anderen Ansatzpunkt hin zu einem neuen Verständnis als Lösungsansatz vielleicht schon verstehen. Aber ich möchte mich in meiner Sommerpause in neuer Weise dieser Frage weitaus intensiver und konkreter widmen. Das Nein steht dabei für mich nicht für ein Muss, sprich, es geht nur mit einem Nein, sondern ich sehe das Nein mehr als Türöffner, um einmal gedanklich es durchzuspielen, was sein könnte, wenn man ein Nein wagt, wenn Führungskräfte branchenübergreifend geeint und weniger als Konkurrenz versuchen, große Visionen in einer ganz neuen Dimension anzudenken.

Ich weiß, das ist eigentlich kein neuer Gedanke, interdisziplinär arbeiten und forschen ist eine gängige Praxis. Gleichzeitig aber zeigt sich, dass der siloübergreifende Arbeitsansatz nicht gut funktioniert – im Gegenteil, ganz zu schweigen davon, Unternehmen zueinander nicht als Konkurrenz zu sehen, die nach Profitmaximierung streben, sondern gemeinsam große Visionen umzusetzen statt Energie dafür aufzubrauchen, wer ist schneller, effizienter, überrollt den Markt, versucht Kund*innen mit allen Mitteln an sich zu binden, und streift die Gewinne ein. Das heißt in Folge jedoch auch, den Gewinn anders aufzuteilen – und das ist sicher noch ein weiterer äußerst heißer Punkt. Das weiß ich.

Das mag für manche jetzt unglaublich anmaßend klingen. Ich unterstelle Führungskräften ein Nein, damit diese Veränderungen in einer Weise bewegt bekommen, die scheinbar für das Gemeinwohl erträglicher werden. Damit treffe ich ziemlich sicher den Nerv mancher Unternehmen wie auch Führungskräfte, die gar nicht daran denken wollen, ihre Wirtschaftspolitik und entsprechende Vorgehensweise zu ändern. Wenn Profitmaximierung und „The winner takes it all“ höchste Priorität hat, dann mag mein Gedankenspiel sicherlich anmaßend sein. Dem kann ich gar nicht widersprechen.

Aber ich glaube zutiefst daran, dass Unternehmen und Führungskräfte ernsthaft neue Lösungen suchen, aber nicht wissen, wie man es schafft, ein Riesencontainerschiff auf ganz neuen Kurs zu bringen, das gesamte Schiff mit Mannschaft inkl. Waren während der Fahrt in etwas Neues zu verwandeln, so dass am Zielhafen, der sich möglicherweise auch ändert, kein Schiff mehr anlegt mit bestimmten Waren, sondern …

Anmaßend daran wäre, wenn ich mir allein Gedanken mache. Aber das möchte ich ohnehin nicht – im Gegenteil, ich giere danach mich intensiv mit anderen Menschen über die Herausforderungen zu diskutieren, u.a. mit Anders Indset im Oktober 2019 in Salzburg, wie auch mit anderen großen Denker*innen, und ebenso den stillen, oft nur im Hintergrund wirkenden Größen, die jedoch vom Wissen und den Lösungsansätzen den medial Versierten um nichts hintenanstehen. Ich möchte sehr bewusst Zeit investieren, um mich breitgefächert auszutauschen, mich verbindlich zu vernetzen, gemeinsam in vielen Gesprächen Lösungen durchzudenken, die groß sein dürfen, aber in kleinen verträglichen Schritten ansetzen müssen und sogar messbar fähig sein sollten – ein utopischer Ansatz, aber ein Schritt mehr hin zu einem Quantensprung in der Wirtschaft.

Quantencomputer konstruieren Menschen, also warum nicht auch eine Quantenwirtschaft andenken – nach Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, ohnehin der Weg der Zukunft.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6505041452635078656/. Am 2019-02-26 gesehen.
[2] https://futurezone.at/digital-life/musk-tesla-wird-in-naher-zukunft-keine-e-autos-mehr-verkaufen/400545326. Am 2019-07-25 gelesen.
[2] https://www.20min.ch/finance/news/story/Manager-Suizid-ist-kein-Einzelfall-22333196. Am 2019-07-25 gelesen.

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Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

Wenn Quantencomputer zum Einsatz kommen, wer arbeitet dann noch in Ihrem Unternehmen, als was?

In zahlreichen Artikeln habe ich versucht, auf die mit der digitalen Transformation verbundenen Chancen, wie auch Risiken aufmerksam zu machen. Dafür habe ich u.a. die Kritik geerntet, ich würde immer mehr ins Blabla abdriften. Auf meinen Post mit der Frage, was für Themen bzw. Aussagen relevant oder eben Blabla sind, habe ich nicht wirklich viel Resonanz bekommen.

Wie dem auch sei, vielleicht habe ich einige mit meinen Ansichten persönlich getroffen, das Weltbild mancher irritiert. Ein Meeting, vielmehr ein offenes, wertschätzendes Beisammensein in München mit einem der weltweit führenden IT-Köpfe eines DAX 30 Unternehmens, dessen Name ich jedoch anonym zu halten versprochen habe, mit Prof. Christine Vallaster, Leiterin Fachbereich Marketing & Relationship Management an der FH Salzburg, mit Alexandra Woditschka-Wagner, Soziologin und mir, bestätigte jedoch erneut, dass es in Bezug auf die Zukunft der Unternehmen, speziell was die Digitalisierung betrifft, deutlich mehr Auseinandersetzung bedarf – insbesondere den Blick über den Tellerrand, der jedoch oftmals als Blabla interpretiert wird.

Im Gespräch in München wurde offen und ehrlich auf den Tisch gelegt, dass die wirtschaftliche Sichtweise alleine nicht mehr ausreicht, um die Probleme zu lösen. Im Meeting haben wir versucht, von unterschiedlichen Positionen und beruflichen Hintergründen heraus, die aktuelle Situation zu erfassen. Wir sprachen über Krisenmanagement, über die Sensibilität hochgradig verschränkter Systeme, über Ignoranz, fehlende Courage, falsches Vertrauen bzw. zu wenig Lebensvertrauen, von Machtbesessenheit, Luftschlösser in Form finanztechnisch höchst ausgefeilter, jedoch fragwürdiger Produkte, …, sogar darüber, dass Businessschools heutiger Prägung ausgedient hätten. Das Wissen, und die damit verbundene geistige und emotionale Haltung, kann die umfassenden Herausforderungen nicht mehr adäquat erfassen und in der Folge lösen. Wir sprachen über Bewusstseinsarbeit, wie dringlich das wäre, aber auf Skepsis und Abwehr stößt, uvm …

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Für wirtschaftliche Hardliner*innen wäre dieses Gespräch vermutlich als Blabla und verlorene Zeit abgeurteilt worden. Für andere wäre die Diskussion vielleicht eine willkommene Abwechslung gewesen, ungezwungen, ehrlich, frei von der Leber heraus, das was einen gerade drückt, egal was es sein mag, auf den Tisch zu packen, ohne dafür gleich schief angesehen zu werden. Anders Indset, einer der global führenden Wirtschaftsphilosophen, Keynote-Speaker, Gastlektor an führenden internationalen Business-Schools, vertrauter Sparring-Partner für CEOs und Politiker*innen, verkörpert selbstbewusst und zu 100% das, was wir im Meeting mehr als 2 Stunden lang als scheinbares Blabla durch die Luft wirbeln ließen: Es kann so nicht mehr weitergehen. Profitmaximierung ist eine Fehlentwicklung und Digitalisierung muss tiefgreifender und umfassender durchdacht werden.

Mit Indset habe ich, neben den oben genannten Personen aus dem Meeting in München, den Mitarbeiter*innen von VORSRUNGatwork, Peter Kruse, Gunter Dueck, David Richard Precht, Yuval Noah Harari, Michael Braungart, Hartmut Rosa, u.a.., einen weiteren bemerkenswerten, insbesondere auffälligen, expressiven Mitdenker gefunden. Indset und mich verbinden viele Gemeinsamkeiten in unseren Reflexionen – großer Unterschied: Indset ist deutlich radikaler, direkter, pointierter, deutlich aufsehenerregender, ich hingegen unauffälliger, stiller, mehr aus dem Hintergrund heraus wirkend, was nicht heißt, dass ich nur schreibe – im Gegenteil, die Anfragen an mich für Key-Notes steigen. Das versuche ich mir dahingehend zu erklären, dass doch mehr über den Tellerrand zu blicken suchen, zu zweifeln beginnen, ob die verheißungsvollen angereizten Strategien tatsächlich reichen, um für eine höchst komplexe Zukunft entsprechend gewappnet zu sein.

Vielleicht kennen auch Sie Indset, seine Sichtweisen und Analysen über die Digitalisierung, sehen in ihm eine charismatische, weitblickende Persönlichkeit – vielleicht sogar eine Galionsfigur im Digitalisierungsprozess – worüber ich letzte Woche im Artikel, Braucht New Work eine Galionsfigur, mir ernsthaft Gedanken gemacht habe. Andere hingegen mögen Indset für egozentrisch, dramatisch halten, der einfach nur Aufsehen erregen will. Wie dem auch sei. Er erreicht jedenfalls viele Menschen, vielleicht mehr die Jüngeren unter uns. Aber, ob man will oder nicht, dieser Mann wird gehypt, und damit zirkulieren seine Gedanken in den Köpfen weltweit, bei TV-Talks, Vorträgen, Kongressen, in den Sozialen Medien. Indset drückt auf extravagante Weise aus, was andere mehr im Stillen, ungesehen, ungehört, beispielsweise auch wir im Meeting in München, denken – nämlich: der Hut brennt.

Die Risiken der Wirtschaft

Die 3 größten Bedrohungen für die Wirtschaft, die auch noch verschränkt ineinanderwirken und sich damit aufschaukeln, sind nach Indset [1] und auch nach meinem Verständnis:

  1. Bevölkerungswachstum in Verbindung mit Klimaerwärmung und dem Streben nach Gleichheit für alle ohne Grenzen – das hat Folgen, auch für die Wirtschaft, wie ich u.a. in meinem Artikel Schockprognosen fordern die deutsche Wirtschaft heraus, zu veranschaulichen suchte.

  2. Automatisierung und Kompensation von Arbeiten, die von Algorithmen übernommen werden. Die Macht verschiebt sich von der zwischenmenschlichen Macht hin zur Macht in Algorithmen. Die Künstliche Intelligenz (KI) wird bis zum Jahr 2050/2060 imstande sein, alle spezifizierbaren Tätigkeiten und auch viele kreative Arbeiten besser zu bewerkstelligen, als Menschen es tun, und damit Menschen ersetzen – die Folgen: Arbeitslosigkeit zwischen milde ausgedrückt 50% bis realistisch gedacht etwa 80%. Das maschinelle Lernen wird ein echter „Game Changer“ werden. Nicht ohne Grund habe ich in einem meiner zahlreichen kritischen Artikel in Bezug auf die Digitalisierung die Frage gestellt: Wie sicher ist Ihre Position als Manager im Digitalisierungsprozess?

  3. Exponentielle Fortschritte in Nano- und Biotechnologie, werden die Wirtschaft ebenfalls verändern. Diese Bereiche finden jedoch neben der Digitalisierung selten explizit Erwähnung, besitzen jedoch Durchschlagskraft, und könnten die Wirtschaft und deren Strukturen in kaum erfasster Weise verändern.

Um mit den beispiellosen technologischen und ökologischen Verwerfungen des 21. Jh. fertig zu werden, müssen so bald wie möglich neue gesellschaftliche und damit verknüpft wirtschaftliche Modelle entworfen werden, um die wirtschaftliche Entwurzelung einer Maße von Menschen abzufedern und gleichzeitig die Eliten vor dem Volkszorn zu schützen.[2]

So formuliert es Yuval Noah Harari, israelischer Historiker, 2017 mit dem Deutschen Wirtschaftsbuchpreis ausgezeichnet. Indset, wie auch ich und andere, stehen in ihren Analysen dem nichts hinterher und sehen es aktuell als essenziell an, sich die Frage zu stellen, was nach der Digitalisierung kommt? Es ist nach Indset eine existenzielle philosophische Frage, die vergleichbar ist mit der Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt [3] – entsprechend drängt Indset, sich ernsthaft mit folgenden Fragen, u.a. von mir ergänzt, auseinanderzusetzen:[4]

  • Wohin transformieren sich die Unternehmen?

  • Wie soll die Zukunft der Unternehmen aussehen, welche Rolle spielen dabei noch der Mensch, die Führungskräfte, die Mitarbeiter*innen – u.a. unter der Berücksichtigung, dass möglicherweise bereits in 10 Jahren 50% der Arbeitsplätze auf allen Ebenen durch Roboter und KI ersetzt werden können?

  • Welcher Lebensweise, Arbeit gehen die Menschen nach, wie hoch wird die Kaufkraft sein, welche Produkte werden nachgefragt, oder vielleicht wunschgemäß, unter Umständen aber notwendigerweise mehr gemietet und geshart, …?

Auch ich stelle mir diese Fragen, von unterschiedlichen Seiten betrachtet – von der unternehmerischen in Verbindung mit meinem Job als Berater, Coach, von der persönlichen, u.a. aus meiner Rolle als Vater heraus, der für seine Kinder eine Zukunft sehen möchte, die nicht von Umweltdramen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Problemen überschüttet wird. Das führt mich zu der Einsicht, dass die Beantwortung dieser Fragen eigentlich nur dann wirklich ehrlich und tiefgreifend sein kann, wenn man sich den Gefühlen stellt, die diese Fragen bei tieferer Betrachtung aufwerfen, beispielsweise …:

  • Zweifel an der Relevanz solcher Fragen für die Problembewältigung in der Wirtschaft, damit Ärger, Abwehr, Ignoranz, Abwertung mit den Folgen, dass bestimmte Auseinandersetzungen als BlaBla betrachtet werden, …

  • gleichzeitig unbewusst Ängste, vielleicht sogar Ohnmacht, das will man nicht, dann schiebt man das schnell weg, sollen sich doch andere, die Politik, NGOs, … Gedanken machen und Lösungen finden, die wirken, aber für die man selbst nichts tun oder verändern muss …

  • unangenehme Unruhe zeigt sich dennoch, weil man hie und da doch einen Blick über den Tellerrand hinaus in die Welt macht und sieht, es könnte unter Umständen heikler sein als gedacht. Aber das löst auch wieder Angst aus – und das noch dazu in zwei verschiedene Richtungen, diametral laufend: Einerseits Angst vor Umweltproblemen und gesellschaftlichen Umwälzungen, andererseits Angst, wenn man die Unternehmen und Ziele kritisch hinterfragt, dann könnte man den Job, Macht, Geld verlieren, … Was tun. Man wählt das, was im Moment für einen selbst leichter zu handeln scheint, sprich man bleibt fixiert auf die Wachstumsideologie und fördert wenig reflektiert die Digitalisierung, und hofft, es wird schon nicht so schlimm werden mit den möglichen Folgen, …

Einigen ist bewusst, u.a. auch im Meeting in München, dass an dem Punkt, wo wir bzw. die Wirtschaft stehen, es äußerst schwer ist, eine ehrliche tiefgreifende Reflexion zuzulassen. Nicht grundlos habe ich in einem Artikel Frankenstein zu Wort kommen lassen – mit der Erkenntnis: Frankenstein hat seine Schöpfung im Stich gelassen.

Ob wir wollen oder nicht, die Veränderungen der Digitalisierung sind exponentiell. Wenn man die Digitalisierung nicht über die Digitalisierung hinaus im Blick hat, wie das konkrete Ergebnis der digitalen Transformation aussehen soll, welche Folgen das mit sich zieht, könnten Unternehmen, Politik und Gesellschaft eine böse Überraschung erleben.[5] Indset spricht sogar von der dringlichen Evolution des Menschen, ich von der kambrischen Explosion, um nicht von der technischen Revolution überrannt zu werden, und zum Homo obsuletus zu werden.[6]

Menschen wie Unternehmen stehen vor einer völlig neuen Ausgangssituation: Der Mensch und damit auch die Unternehmen stehen im direkten Wettbewerb mit Maschinen.[7] Sobald die Algorithmen besser sind als die Menschen, wird man sie nutzen und einsetzen – und der Mensch selbst verliert in diesem Prozess immer mehr an Verantwortung und auch Nutzbarkeit. Nach Indset werden wir zu Zombies – zu einer überflüssigen Spezies, ersetzt durch digitale Superintelligenz, wovon nur einige wenige profitieren.[8]

Ist ein Quantencomputer erst einmal einsetzbar – Google will noch in 2019 einen solchen präsentieren – dann wird es noch viel mehr als jemals zuvor in der Geschichte um „The winner takes it all“ gehen. Die Folgen können Sie sich ausmalen. All jene, die keine Quantencomputer entwickelt haben, werden das nachsehen finden. Das führt zu einer Algorithmokratie mit Digital-Dikatoren.[9] KI nutzen heißt Macht aufbauen, schrieb ich in meinem Artikel Texterstellung übernehmen immer öfter Maschinen – wie weit nutzen Sie bzw. Ihr Unternehmen diese Möglichkeit?!. Diese Auseinandersetzung mit KI-Texten mag auf den ersten Blick harmlos erscheinen, unbedeutend, eine Randerscheinung, aber bei tieferer Reflexion zeigt sich, dass die Folgen weitreichender sind als angenommen.

Nach Indset ist die Wirtschaft aktuell sogar die einzige systemische Kraft, die ökologisch, technisch und gesellschaftlich die Probleme lösen könnte. Warum, weil er meint, dass die Politik nicht mehr fähig ist die weitreichenden globalen Herausforderungen, seien es die ökologischen wie auch technologischen erfolgsversprechend zu lösen. Eine Stabilität in der Gesellschaft kann, seiner Meinung nach, nur über wirtschaftliche Parameter erfolgen.[10]

Dafür müssten aber die Unternehmen bzw. Führungskräfte deutlich mehr Reflexion, umfassenden Weitblick und Bewusstseinsarbeit einbringen. An dem Punkt hängt es jedoch, und zwar gewaltig: Unternehmen machen einen Financial Audit, aber keinen Self Audit, so analysiert es Indset [11] – was ich nur bejahen kann, mit einigen mich berührenden Ausnahmen, beispielsweise beim Meeting in München. Leider zeigt sich jedoch vermehrt, je höher Menschen in der Hierarchie aufsteigen, desto schlechter wird die Selbstwahrnehmung und damit verbunden die notwendige Bewusstseins- und Denkarbeit [12] – was ich insbesondere in der immer wiederkehrenden Auseinandersetzung mit Macht, Machtverschiebungen, Manger wollen die Welt retten, oder sich selbst, … zu analysieren suchte. Ich will mit meinen Reflexionen jedoch keine Urteile fällen, Schuldenböcke suchen, sondern Einsichten gewinnen und damit mehr Courage, mehr Handlungs- und Entscheidungsspielräume aufbauen, um sich den Problemen umfassender stellen zu können, und über den Tellerrand hinausgehende Lösungen zu finden.

Der neue Weg heißt: Quantenwirtschaft

Die Old Economy ist tot, aber die New Economy ist ebenso tot, so Indset. Die glorreichen Versprechen der 90er, alle profitieren vom Wirtschaftswachstum, kann und wird es nicht geben. Das verstehen zwar alle, aber niemand möchte sich limitieren.[13] Das wird auf einem endlichen Planeten so nicht funktionieren können. Es braucht einen neuen Weg. Auch mit dieser Aussage werden all jene, die bereits einige meiner Artikel gelesen haben, immer wieder in Kontakt gekommen sein. Indset wagt jedoch jetzt einen großen Schritt, den ich in dieser Art so noch nicht angedacht habe:

Vielen werden zustimmen, dass es kaum möglich sein wird, den Konsum einzuschränken. Vielmehr müsste man lernen neue Aspekte zu kapitalisieren: Werte, Verstand, Liebe, … Indset ist davon überzeugt, dass mit neuen Kapitalisierungsideen ganz neue Geschäftsmodelle entwickelt werden könnten, die nicht nur auf dem Materialismus und nicht auf dem reossourcenfressenden System beruhen.[14]

Das mag sich fürs erste heftig anhören, Werte, Liebe, … kapitalisieren. Aber das soll meinem Verständnis nach viel mehr dazu anregen, über den Tellerrand hinaus zu denken. Das was in der Wirtschaft noch viel zu wenig gemacht wird, und wenn, von einigen als BlaBla abgeurteilt wird. Ähnlich kopfschüttelnd mag es sich vielleicht verhalten mit der Aussage von Indset, dass demnächst Philosoph*innen auf den Gehaltslisten der Unternehmen stehen werden [15] – warum?

  • Philosoph*innen könnten bei Prozessen der Entscheidungsfindung, Handlungsempfehlungen unter Berücksichtigung der Folgen deutlich besser fällen, wozu rein wirtschaftlich ausgerichtetes Denken und Handeln nicht fähig ist, zumindest nicht aktuell. Das ist u.a. auch ein Grund, warum in unserem Meeting in München die These gefallen ist, Businessschools haben ausgedient.

  • Kritisches Denken, das Hinterfragen des Status Quo, Offenheit für Dialog und Verständnis dafür, dass man in Zeiten lebt, in denen man eine Kultur der Teilnahme kreieren und alle zusammenarbeiten müssen, sind alles Bereiche, in denen philosophisches Denken helfen kann – wie ich u.a. in meinem Artikel Silodenken verhindert relevante unternehmerische Innovationen zu veranschaulichen suchte.

  • Darüber hinaus unterstützt die Philosophie menschlich sinnvoll den Notfall, wenn Menschen in hoher Zahl im eigenen System durch die Digitalisierung obsolet werden. Dann kann Philosophie lindern, helfen etwas ganz Neues zu entwickeln, und an den Herausforderungen zu wachsen.[16]

Doch dafür braucht es die Einsicht der Wirtschaft, Wissensbrücken zwischen Wirtschaft und Bewusstseinsarbeit, zwischen Wirtschaft und Philosophie, zwischen Wirtschaft und Soziologie, Psychologie, zu NGOs, zu Quantenphysik, … aufzubauen.[17] Ich versuche selbst diese Wissensbrücken zu entwickeln, was aber in der Realität nicht so leicht umzusetzen ist, weil doch viele in ihren eigenen Wissensgebieten verharren, und Andersdenkende mit deren Thesen und Lebensansichten aburteilen. Selbst zwischen einzelnen Abteilungen in einem einzigen Unternehmen sind silohafte, enge, eingegrenzte Denkweise zu beobachten.

Man neigt dazu, Informationen selektiv herauszupicken, nämlich jene, die die eigenen Überzeugungen bzw. die Überzeugungen der Gruppe stützen. Widersprechende Informationen nimmt man dagegen nicht wahr, oder redet sie klein.[18]

Resümee

Auseinandersetzung ist das Stichwort – von Indset und ebenso meines. Indset möchte, dass sich die Menschen mit sich selbst und den bevorstehenden existentiellen Herausforderungen eingehend beschäftigen. Dabei geht es ihm nicht um das Format per se, sondern was die Menschen fühlen. Sein Ziel ist es, dass jeder Einzelne nach einem Vortrag von ihm, die außergewöhnlich, schräg, Adrenalin puschend scheinen, zutiefst betroffen rausgehen und die Welt verändern wollen.[19]

Meine Art der Auseinandersetzung mit ungern angesprochenen Herausforderungen ist hingegen eine stillere Art – mit Ausnahme meiner Key-Notes. Für einige sind schwierige Themen leichter zu nehmen, wenn man zurückgezogen mit Texten, die man ungesehen von anderen, zeitlich dann, wenn es passt, auf sich wirken lassen kann, … Was nicht heißt, dass in Folge ein Gespräch mit anderen nicht notwendig ist – das ist es auf jeden Fall. Aber das folgt zuweilen erst dann, wenn man manche Denkschleifen für sich alleine, rational wie auch emotional, durchgespielt hat.

Dahingehend finde ich es auch sehr unterstützend im kleinen Kreis, in gemütlicher Atmosphäre, thematisch offen für alles, was gerade drückt und angesprochen werden will, frei aus der Leber heraus, … Gespräche zu führen – beispielsweise wie das Meeting in München. In Gruppen wie auch Workshops versuche ich dahingehend zu moderieren, losgelöst von dem was die einzelnen für eine Rolle im Unternehmen innehaben, das persönliche Wirken über den Tellerrand hinaus zu betrachten. Das fördert auf Augenhöhe weitreichendere, insbesondere empathische Einsichten, kreativere Lösungsansätze und ebenso die Courage wie auch das notwendige Vertrauen, sich mehr einzusetzen wie auch einzubringen.

Wir müssen in die Persönlichkeitsentwicklung der Führungskräfte stark investieren. Die Notwendigkeit der eigenen Weiterentwicklung muss aber von den Betroffenen selbst realisiert werden. Sie kann nicht verordnet werden.[20]

Dieser Aussage von Martin Sassenroth als Kommentar zu meinem Artikel, Agile Prinzipien sind zum Scheitern verurteilt, stimme ich voll und ganz zu. Und genau deshalb ist es so schwer, Veränderungen dort zu bewegen, dort überhaupt einmal als notwendig zu erachten, wo Veränderungen weh tun – weil genau an dem Punkt, mit der Betroffenheit man Veränderungen kritisch und in Folge negierend gegenübersteht. Und genau deshalb wäre es notwendig, mehr Bewusstseinsbildung, mehr Reflexionsräume, mehr fachübergreifende Inspiration als Vertrauensaufbau und Stärkung für anstehende Veränderungen anzubieten – vertraulich, auf Augenhöhe, couragiert sensibel, verspielt geistreich – wie beispielsweise mit dem anregenden und gleichzeitig erkenntnisreichen mind-set-play. In einem Spiel kann man losgelöst von seiner Rolle und Position und dem Druck, der damit verbunden ist, frei experimentieren, ohne das dabei bereits real etwas passiert. Das kann ungemein hilfreich sein in der Analyse für Probleme und mögliche Lösungswege.

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[2] Harari, Yuval Noah: 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert. Verlag C.H.Beck oHG, München: 2018.
[3] https://themavorarlberg.at/gesellschaft/ein-leben-zwei-worte-tu-etwas. Am 2019-07-16 gelesen.
[4] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[5] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[6] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[7] https://www.change-magazin.de/de/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[8] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[9] https://www.derbrutkasten.com/anders-indset-quantencomputer/. Am 2019-07-16 gelesen.
[10] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[11] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[12] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[13] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[14] https://newmanagement.haufe.de/strategie/anders-indset-suche-nach-einem-neuen-wirtschaftsuniversum. Am 2019-07-16 gelesen.
[15] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[16] https://www.swissleaders.org/anders-indset-ueber-fuehrer-des-wandels-und-maximierer-von-mitgefuehl/. Am 2019-07-16 gelesen.
[17] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[18] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39375-mythen-der-kuechenpsychologie.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[19] https://www.trendingtopics.at/anders-indset-interview/. Am 2019-07-16 gelesen.
[20] https://www.linkedin.com/pulse/agile-prinzipien-sind-zum-scheitern-verurteilt-günther-wagner/.

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