Social Network Hype in Coronazeiten, und was ich davon halte …

Social Network Hype in Coronazeiten, und was ich davon halte ...

Auch wenn es jetzt so scheint, also ob es bald wieder wie vor Corona weitergeht, kann ich der scheinbaren positiven Aufbruchstimmung nicht so richtig glauben – auch wenn ich es gerne wollen würde.

Es fällt mir deshalb auch wirklich schwer, auf den Social Media Kanälen die digitale Präsenz und den damit verbundenen Hype mitzumachen, euphorisch mit all den anderen im digitalen Arbeits-Reigen mitzutanzen – jedoch nicht, weil ich das nicht könnte. Auch nicht, weil es meiner Meinung nach falsch wäre – im Gegenteil. Insbesondere im letzten Jahr habe ich ja unermüdlich argumentiert, dass viele Unternehmen die Digitalisierung verschlafen, die digitalen Kommunikationsmöglichkeiten stiefmütterlich behandeln und damit in der Zukunft ins Strudeln geraten könnten.

  • Was hindert mich aber jetzt daran, den endlich aufbrechenden digitalen Hype mitzumachen?

  • Warum juble ich nicht und kann überzeugt in den Social-Media-Kanälen verkünden, na endlich, durch Corona sehen die Unternehmen wie wichtig Digitalisierung, wie wichtig Vernetzung, Kollaboration und agiles Arbeiten ist?

Meine aktuelle Zurückhaltung mag Dich jetzt erstaunen, manche irritieren – wie vielleicht auch mein Wechsel bei der Ansprache von Sie auf Du. Das kam in mir so hoch, u.a. deshalb, weil Corona schonungslos zeigte, wie sehr wir voneinander abhängen, wie eng wir Menschen mit der Umwelt im Austausch sind, wir weltweit doch im gleichen Boot sitzen und versuchen ein gutes Leben zu führen. Ob wir wollen oder nicht, wir sind uns alle näher, als manchen von uns lieb ist, und das möchte ich mit dem Du unterstreichen.

Die Digitalisierung unterstützt diesen Trend ohnehin ohne großes Aufheben darum. Mit Hilfe der Digitalisierung, mit Hilfe der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten war es überhaupt möglich, jetzt in der Coronakrise die Wirtschaft noch am Laufen zu halten. Und dennoch jubiliere ich nicht und versuche auch nicht wie viele andere, Dir Online-Beratungs-Tools zu verkaufen, Führung in digitalen Zeiten als das Non-Plus-Ultra ans Herz zu legen, um die Krise so scheinbar bestmöglich zu meistern.

Nein, bei diesem digitalen Run und Hype mache ich nicht mit, weil es meiner Meinung nach nicht das ist, was es an Herausforderungen aktuell zu lösen gilt.

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Es mag zwar stimmen, dass viele Unternehmen nicht adäquat und professionell die digitalen Medien nutzen, dass das Führen von Online-Teams oftmals nur provisorisch vonstatten geht, Homeoffice noch in den Kinderschuhen steckt. Aber das sehe ich aktuell gar nicht so sehr als das Problem. Viele machen Fehler dabei, manche mehr andere weniger, aber aufgrund der Ausnahmesituation gibt es viel gegenseitiges Verständnis, Unterstützung und Hilfsbereitschaft, stärkt sogar den Trend eine positive Fehlerkultur wirken zu lassen, wo sicherlich an der einen oder anderen Stelle mit Online-Beratungen manches leichter und schneller umzusetzen möglich ist.

Doch meiner Meinung hat nicht der Shutdown selbst die Wirtschaft lahm gelegt, weil man nicht schnell genug, nicht agil genug, digital schlecht vorbereitet den Arbeitsstil an die Situation anpassen konnte. Nein, das sehe ich in der Coronakrise nicht als das Hauptproblem. Sondern viel mehr sehe ich den Punkt, dass diese durch den Virus angetriggerte Krise uns was anderes deutlich vors Auge führt, und zwar das höchst sensible Zusammenspiel von Lebenswelten, von Umwelten, vom Leben als Gesamtes auf dem Planeten Erde.

Die Krise, die sich aktuell zeigt, ist eine Systemkrise. Das, woran man weltweit herumdoktert, um das Leben, um die Wirtschaft nach dem Shutdown wieder hochzufahren, ist nur ein Herumdoktern an den Symptomen. Und das reicht nicht, die Ursache der Krise in den Griff zu bekommen, weil die Krise nicht durch Corona selbst entstanden ist, sondern schon viel länger vor sich hin schwelt. Dem mögen jetzt einige von Euch sicherlich und auch verständlicherweise widersprechen. Ja, es gibt sicher Betriebe, die erst durch Corona in eine richtige Krise stürzten. Aber es gibt genug Unternehmen, die schon vor Corona sich in einer Lebensphase befanden, die man nicht mehr für gesund einstufen konnte.

Vielleicht reagierst Du jetzt mit Unmut oder sogar Ärger, weil Du meine Annahme, die Krise besteht schon viel länger, nicht gutheißen kannst bzw. willst. Stattdessen möchtest Du sofort zu den Punkten kommen, die Dir bestätigen, dass Du und Deine Maßnahmen im Umgang mit der Corona-Krise richtig und erfolgsversprechend sind. Du willst hören, was Du immer gewohnt warst zu hören, dass Du mit Deinen Strategien, Wachstum wieder anzukurbeln, noch effizienter zu agieren, digital bestmöglich aufgestellt sein, richtig liegst und es damit wieder aufwärts geht. Dir in Deinen Annahmen, wie die Wirtschaft funktioniert und wie die Wirtschaft wieder zum Laufen kommt zu widersprechen, löst meist Verärgerung, Ablehnung, das Verurteilen der anderen Meinung aus – menschlich gesehen verständlich. Aber es hilft nicht, wirklich große Probleme gelöst zu bekommen und es hilft nicht, die notwendige Innovation anzukurbeln, die wir aber aktuell brauchen, um die Coronakrise, in Verbindung mit den anderen Krisen, gemanagt zu bekommen. Also was kannst Du jetzt an der Stelle tun:

Du kannst jetzt an dieser, für Dich vermutlich unangenehmen Stelle eines machen:

  1. Du kannst Dich Deinem Ärger über mich hingeben, meine Meinung als falsch deklarieren, hörst auf zu lesen, und springst zu einem ganz anderen Artikel in den Social Media Plattformen, zu einem Artikel, der das ausspricht, was Du als richtig empfindest …

  2. Oder Du scrollst jetzt noch bis zum Ende von diesem Artikel, zum Resümee, um evtl. dort noch vielleicht eine relevante Aussage zu finden, die Dir möglicherweise doch noch eine Bestätigung oder einen Lösungsansatz gibt, den Du vielleicht noch nicht konkret so angedacht hast, aber der Dir helfen könnte, …

  3. Oder Du gibst Dir einen Ruck, und liest den gesamten Text mit der Vorahnung, es könnte Dich eventuell unangenehm berühren, es ist nicht das, was Du eigentlich hören bzw. lesen möchtest, es ist vermutlich auch nicht das, was Deine Sichtweise, Dein Verständnis von Wirtschaft und Erfolg und Lösungsansätze zur Überwindung der Coronakrise bestätigen wird, …

 

Hast Du Dich für 1. entschieden?

Wenn ja, dann kann ich Dir sagen, dass ich Dich voll und ganz verstehe.

Du willst, Du musst im Schnelllauf mit all den anderen trotz und mit Corona die Wachstumsziele sicherstellen. Du stehst unter Druck. Du musst weiterhin in gewohnter Weise Erfolge verzeichnen, und nicht die Kehrseiten einer vernetzten, ausbeuterischen, unfairen Wirtschaft diskutieren. Du wirst nicht dafür bezahlt, die Wirtschaft neu zu denken, sondern Wachstum zu generieren, Gewinne zu steigern. Damit sicherst Du Dein eigenes Leben und ev. das Leben der MitarbeiterInnen.

Aber genau dieses Verständnis führte in die Krise, die schon vor der Coronakrise ein Thema war. Die Coronakrise ist nicht bloß eine Krise wegen der mit Corona verbundenen Maßnahmen, sondern wir stecken schon viel länger in der Krise. Wir stecken in einer Systemkrise, die schon vor Corona Thema war, aber die wir so gut es geht zu verdrängen suchten. Aktuell tun wir dahingehend alles, um das nicht wahrhaben zu müssen, indem man weiterhin versucht so schnell wie möglich zur angeblich guten Normalität, zum sogenannten Erfolg vor Corona zurückzukehren – mit einem endlosen Wachstum in einer endlichen Welt, einem Wachstum auf Kosten anderer ohne Rücksicht auf die Umwelt, ohne Rücksicht auf die Folgen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen einer Digitalisierung, die zwar aktuell die Wirtschaft am Leben hält und gleichzeitig aber die Wirtschaft längerfristig in anderer Weise aushöhlen wird.

Wir scheinen dem Corona-Virus mit all unseren Kräften zu trotzen, rühmen uns dafür, suchen nach Strategien, um rasch wieder zum gewohnten Wirtschaften zurückzukehren anstatt den Shutdown zu nutzen, Innezuhalten und das, was wir tun einmal wirklich gründlich zu reflektieren. Der Shutdown hätte uns helfen können, das Weltgeschehen einmal mit anderen Augen zu sehen, neue Einsichten zu gewinnen, das was lebenswert ist, was lebenserhaltend wichtig ist, einmal intensiver unter die Lupe zu nehmen, um das sensible Gleichgewicht, das Spiel der Mächte Umwelt-Wirtschaft nicht mehr länger über die Maßen hinaus auszureizen.

Mag sein, dass Du das in keiner Weise so siehst, meine Meinung sogar als wirtschaftlich gefährlich erachtest, die Wirtschaft neu zu denken, die Wirtschaft mit dem Erfolgsstreben in Frag zu stellen. Das macht Angst, und das löst eben auch eine Krise aus. So gesehen verstehe ich Deinen Unmut und Deinen Ärger und Deine Abwehr. Ich wünsche Dir dennoch das Beste und verabschiede mich, weil ich Dir an der Stelle vermutlich nicht das bieten kann, was Du vielleicht brauchst – konkrete Strategien, um die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder auf Erfolgskurs zu führen …

Danke, dass Du dennoch bis an dem Punkt mir Dein Interesse geschenkt hast.

 

Hast Du Dich für 2. entschieden, dafür, dass Du Dich ebenfalls nicht unbedingt aktiviert fühlst weiterzulesen, aber unsicher bist, ob eventuell am Ende des Artikels vielleicht doch noch was Wichtiges steht, und Du deshalb noch zum Resümee scrollen und grob überfliegen möchtest, was dort noch steht. Es könnte doch sein, dass am Schluss von diesem Artikel noch die eine oder andere Information zu finden ist, die Dir wichtig scheint. Mal sehen, vielleicht ist es so … Scrolle hinunter zum Resümee. Wir treffen uns dort wieder.

 

Und jetzt komme ich zu jener Gruppe von LeserInnen, zu jenen, die sich für 3. entschieden haben, zu Dir, der Du trotz Zeitnot, trotz aufkeimender Skepsis oder Langweile oder Unruhe, den ganzen Text lesen willst, ohne zu wissen, ob das für Dich von Nutzen ist oder nicht, oder Dich sogar unangenehm berührt.

Starten wir gemeinsam hierbei mit einer Fahrt durch den Tunnel. Die Corona-Zeit fühlte sich für manche an wie eine solche – dunkel, eingeengt, eingeschränkt in der Wendigkeit, äußerst starr in den Vorgaben. Diese Metapher, die Fahrt durch den Tunnel mag von einer bestimmten Perspektive aus stimmen, die Corona-Zeit war wie eine Fahrt durch einen Tunnel mit der Ausrichtung und der Hoffnung, dass der Tunnel bald zu Ende sein möge, und man wieder normal den Arbeitsalltag bestreiten kann. Aber ich persönlich sehe es etwas anders.

Während der heißen Shutdown-Phase war ich auch geneigt, mich wie in der Fahrt in einem Tunnel zu sehen, aber im Laufe der Zeit sah ich deutlich mehr, nämlich, dass wir zum Großteil unseres Erwerbslebens im Tunnel fahren, aber gar nicht merken, dass es so ist. Der Tunnel fühlt sich an, als ob es kein Tunnel wäre, sondern das ganze Leben miteinschließt. Wir haben unser Tunnelleben bestmöglich organisiert, wir leben ein Leben auf einer 16spurigen Tunnelautobahn – eine Präzisionsleistung der Industrialisierung.

In diesem Tunnel haben wir nie damit gerechnet, dass ein Virus namens Covid-19 unsere Tunnelfahrten zum Erliegen bringt. Und was tun wir jetzt in dem Schock, weil die Tunnelfahrten nicht mehr reibungslos funktionieren, wir versuchen in dem Tunnel so schnell wie möglich wieder handlungsfähig zu werden. Wir hypen von einem Tag zum anderen die bis dahin oft noch stiefmütterlich betrachteten digitalen Kommunikationsplattformen. Von einem Tag zum anderen waren Homeoffice, virtuelle Meetings, agiles Arbeiten, … eine weltumspannende, anregende, erfreuliche, positiv anmutende Normalität in diesem Tunnel, sprich eine weitere Spur, die bislang nur von wenigen genutzt wurde, wird jetzt von einem Tag zum anderen auch von vielen anderen zu nutzen gesucht.

Und jetzt scheint es wieder vorwärts zu gehen – zumindest wird mit einem solchen Bild gerne nach außen hin zu überstrahlen gesucht, man kann sich wieder frei bewegen, digital frei. Und so eilen wir weiter im Arbeitsleben mit dem Tunnelblick, fühlen angeblich die neuen Freiheiten, obgleich wir noch immer im Tunnel sind. Alles ist bestens, die Coronakrise kann gemeistert werden. Wenn man sich dahingehend kritisch meldet, dann wird man aktuell schnell ins Eck der MiesmacherInnen gedrängt. Dann heißt es, man hätte es nicht verstanden die Coronakrise zu nutzen, um endlich wirklich agil zu werden, wendig sich auf die neue Normalität und die neuen Bedürfnisse einzustellen, digital offensiv in den Markt zu gehen, neue Wachstumsmärkte zu erschließen. Es stimmt zwar, es ist gut, innovativ zu sein, neue Märkte zu erschließen, die Zukunft erfolgsversprechend im Blick zu haben.

Aber welche Zukunft sehen wir als erfolgsversprechend?

Ist es doch fast immer nur das Bild einer Zukunft im altgewohnten Rahmen, im hergebrachten Verständnis von Erfolg, Wachstum, Gewinn, Annehmlichkeit, Sicherheit, … – ohne das jetzt schlecht machen zu wollen. Doch wer sagt, dass das wirklich die Zukunft ist, die uns Menschen auf dem Planet Erde ein gutes Leben ermöglichen kann?

Wir verbinden mit der Zukunft noch immer die schönen Seiten der Vergangenheit, wollen deshalb jetzt mit dem Shutdown auch wieder vermehrt zurück zum Erfolg vor Corona. Ein solches Zukunftsbild möchte ich niemandem nehmen. Auch ich möchte in eine positive, florierende Zukunft blicken. Dafür muss ich jedoch erkennen, dass das, was ich bisher als Zukunft sehe und dahingehend zu tun gedenke, unter Umständen nur aus einem eingeschränkten Tunnelblick heraus entsteht. Das ist jedoch nicht die Zukunft, die ich für die Menschheit auf dem Planet Erde mit den aktuell umfassenden Herausforderungen als erfolgsversprechend ansehen würde.

Corona war dahingehend für mich ein Lehrmeister, hat mir zu verdeutlichen gezeigt, dass ich schon vor Corona im Tunnel saß. Mit Corona hat sich mein Tunnelblick geweitet, mir zu verstehen gegeben, der Tunnel ist meine gedankliche Konstruktion von Erfolg, davon was ich als Leben für erstrebenswert erachte. Nach außen hin mögen bereits viele Tunnel scheinbar weltoffen, verantwortungsbewusst, umweltbedacht wirken, aber das ist die große Täuschung, geht am Leben vorbei, ist nicht im Stande zu erfassen, was auf der Erde außerhalb vom Tunnel wirklich los ist, was alles ineinander verwoben wirkt und was alles Aufmerksamkeit braucht, um den Menschen auf der Erde weiterhin ein gutes zu Hause bieten zu können.

Corona hat diesen gedanklichen Tunnel von Erfolg gerüttelt, eingestürzt ist er weder bei mir noch vermutlich bei anderen – auch wenn einige wenige sogar äußerst begierig darauf hofften und meinten, die Zeit nach Corona wird eine neue Zeit sein. Ich selbst wage nicht zu beurteilen, ob Corona das Weltgeschehen verändert könnte – weder in die eine Richtung noch in die andere. Ich kann nur für mich selbst versuchen, das was gerade läuft weitgreifend zu reflektieren.

Dahingehend sehe ich mit Corona zwar einen massiven Schnitt in das Leben der Welt, aber es gibt andere Faktoren, die wie Corona, unser Leben noch viel nachhaltiger prägen werden als Corona selbst das für Monate getan hat und noch in abgeschwächter Form aktuell tut. Und genau das sehen wir aber in dem Tunnel nicht, indem wir schon vor Corona unterwegs waren.

Und genau das ist es, was mich aktuell an der Situation wirklich irritiert, dass wir schon viel, viel länger in gedanklichen Tunneln das Leben und die Wirtschaft führen und viele heikle Themen damit übersehen. Corona hat es geschafft, in unser aller Tunnelsystem einzudringen, eine weltweite Hysterie, Angst, Sorge, Stress um das Leben auszulösen. Der Klimawandel, der unser aller Leben ebenfalls gefährdet, löst hingegen keine Todesangst aus, obgleich weltweit jährlich rund 4,5 Mio Tote durch Luftverschmutzung zu verzeichnen sind. Diese Herausforderung übersehen wir täglich in unseren Tunneln bzw. nehmen es nicht wahr in dem eingeschränkten Denkhorizont. Um einzusehen, wie sehr wir uns auch um das Klima, um Überbevölkerung, Überalterung, Ressourcenengpässe kümmern sollten, sollten wir unsere gedanklichen Tunneln endlich verlassen, den 16spurigen High-Tec-Erfolgs- und Fun-Tunnel über einen Notausstieg verlassen, um einmal aus einer neuen Perspektive heraus das eigene Tun, die Wirkung und Folgen der unternehmerischen Aktivitäten betrachten.

Mag sein, dass Du Dich jetzt missverstanden fühlst, dass Du meine Sichtweise als falsch und vielleicht sogar anmaßend empfindest. Das kann ich gut nachvollziehen, weil es nicht unbedingt positiv stimmt und die Euphorie, die Coronakrise schnell und wendig zu meistern, nicht untermalt – im Gegenteil:

Ich beschwöre die nächsten dunklen Zeiten hervor. Dabei weiß doch niemand, ob das mit dem Klima wirklich so schlimm ist. Manchen ist es im Moment sogar egal, weil es aktuell die wenigsten von uns persönlich trifft – hart ausgedrückt, wir müssen jetzt im Moment keine Todesangst empfinden, wenn wir uns nicht um das Klima bemühen. Jene, die das trifft, leben nicht in unserem nächsten Umfeld, so gesehen ist das Thema scheinbar in einem in unserem Tunnelsystem nicht existent. Solange wir selbst im Tunnel nicht betroffen sind, müssen wir uns nicht sorgen, wir haben auch noch genug Nahrung, und die Umweltkatastrophen in Anbetracht des Klimawandels betreffen unsere Tunnel (noch) nicht – also müssen wir auch nichts ändern an unserer Lebens- und Sichtweise.

Corona hingegen hat sich sehr wohl in unseren eigenen Tunneln eingeschlichen, konnte damit jeden und jede von uns treffen. Niemand konnte mehr sicher sein, niemand konnte wissen, ob der Virus einen heimsuchen kann, ob und wie man damit erkranken würde, ob es sogar lebensgefährlich werden könnte. Beim Klimawandel ist das nicht so – dieser ist in unserem Tunnelsystem noch nicht spürbar genug. Wir sind noch nicht persönlich davon betroffen. Und diese Fehleinschätzung macht mich aktuell nachdenklich. Corona hat uns gezeigt, wie viel Angst eine ganze Welt vor dem Tod hat. Corona hat uns gezeigt, wie hoch sensibel das Leben auf dieser Welt ist, wie hochgradig vernetzt alles miteinander verwoben lebt – vom nur mikroskopisch sichtbaren Wesen bis hin zum Planeten Erde, den wir in einer Weise wie niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte ausbeutet und überfordern.

Mit Covid-19 ist Panik ausgebrochen, weil wir dem Tod global ins Auge blicken mussten – es hätte jeden und jede treffen können. Wir saßen im Tunnel fest, fühlten wie eine Maus vor der Schlange. Wir sind jedoch nicht fähig gewesen zu erkennen, dass es nicht der Tunnel ist, der uns lahmlegt, sondern unsere Gedanken, unsere gedanklichen Konstrukte über das, was die Welt zu sein scheint und was die Welt bedroht. Und das stimmt mich wirklich nachdenklich, löst eine Sinnfrage in mir aus. Wir empfinden Covid-19 als lebensgefährlich, aber erkennen nur bedingt die Gefahr der Klimaerwärmung und setzten kein angemessenes Maßnehmen, um diese Bedrohung in den Griff zu bekommen, nur weil wir gerade in unseren Tunneln noch nicht persönlich den Klimawandel zu spüren bekommen. Wir fühlen uns so sicher, und sind es in keiner Weise, wenn wir so weitermachen wie in den letzten Jahren. Dann werden wir vielleicht mit deutlich größeren Krisen als der Corona-Krise fertig werden müssen.

 

Resümee 

Ich kann jetzt an der Stelle nur eines sagen, wagen wir einen Blick außerhalb des Tunnels. Bleiben wir im Tunnel bei einer Not-Bucht stehen, gehen wir gemeinsam durch den Notausstieg. Wir wissen vermutlich beide nicht, wohin uns der Notausstieg führt. Es ist nur gewiss, wir werden etwas anderes sehen als den Tunnel. Aber das andere ist genauso real, wie der Tunnel selbst.

Machen wir gemeinsam einen Blick out of the box.

Versuchen wir zu verstehen, dass wir alle, auch ich, das Leben aus gedanklichen Konstruktionen zu leben suchen, die jedoch fast immer nur einen kleinen Ausschnitt zu zeigen fähig sind – eben ein Tunnel sind. Aber die Tunnel sind nicht die Realität, die Tunnel sind einfach nur Hilfskonstrukte, eingeschränkte Sichtweisen, dienlich um das Leben zu erleichtern, um die Fülle und Komplexität leichter in den Griff zu bekommen. Aber gleichzeitig geraten wir genau mit diesen schwer wahrnehmbaren Tunnelblicken in eine Sackgasse, weil wir im Tunnelblick die Komplexität missinterpretieren und in Folge unzureichende Maßnahmen setzen.

Wenn Sie mir bis hier her gefolgt sind, dann werden Sie vermutlich jetzt an der Stelle nicht unbedingt vor Euphorie aufschreien. Es wird Ihnen vielleicht sogar schwerfallen, die nächsten Schritte, Ziele, Strategien zu setzen, um Ihr Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu führen, zur Normalität zurückzukehren. Das ist vermutlich auch der Grund, warum wir selten einen Blick aus dem Tunnel wagen, weil uns dann die Welt in ihrer Größe, in ihrer Komplexität und hohen Sensibilität zu Füßen liegt, wir uns äußerst klein und unzureichend fühlen, ev. sogar schlechtes Gewissen, Angst vor der Zukunft, Angst vor den wirklich großen Herausforderungen aufsteigt. Aber wagen wir es, den Tunnel zu verlassen, uns den unangenehmen Gefühlen zu stellen und den Blick zu weiten, zeigt sich eine neue Kraft, neue Interessen, neue Motivation, neue Einsichten, neue Ziele, neue Geschäftsfelder, neue Produktionsmöglichkeiten, …

Und an dem Punkt stehe ich jetzt persönlich. Das heißt konkret, ich werde gemeinsam mit anderen neue bzw. andere Wege zu gehen suchen, mich anderen Themen widmen als bisher, … Dabei muss ich mich selbst genauso überraschen lassen und offen sein, wie Du, der und die Du mir bisher aus bestimmten Gründen heraus gefolgt bist. Wagen wir gemeinsam einen Gedanken- und Hörsprung Out Of Box.

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Beste Grüße Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge, insbesondere News im Umgang mit der Corona-Krise mitbekommen zu können, folgen Sie mir auf LinkedIn, Xing und Twitter. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer. In der Gruppe „Viable System Model …“ finden Sie Diskussionen über den Entwurf neuer nachhaltiger Geschäftsmodelle.

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Stress wirkt und Stress beeinflusst aktuell das Weltgeschehen

Stress wirkt und Stress beeinflusst aktuell das Weltgeschehen

Keiner kann aktuell mit 100% Sicherheit sagen, welche Maßnahmen wirklich richtig und auch erfolgsversprechend sind, um als Unternehmen die Coronakrise gut zu überstehen. Eines kann jedoch mit hoher Sicherheit angenommen werden, der Druck, die Komplexität und die Folgen sind gewaltig.

Was es bedeutet, wenn der Stress über das gesunde Maß hinausschießt, sollte angesichts der heiklen Lage jedem und jeder aktuell hochgradig bewusst sein – dahingehend, dass u.a. …

  • Stress jene Hirnbereiche zurückbildet, die für ein in die Zukunft gerichtetes, flexibles, vernetztes und logisches Denken zuständig sind. Stress unterbindet viel mehr die Vernunft, statt weitreichendes Denken zu fördern.[1]

Die meisten Führungskräfte wurschteln sich meiner Beobachtung nach mit ihrem Stress irgendwie durch den Arbeitsalltag. Viele Führungskräfte meinen sogar, wenn sie es bisher mit ihrem Stress geschafft haben, vorhergehende Tiefs und ebenso die ersten Corona-Krisenzeiten zu überstehen, dann werden sie die Herausforderungen der Coronakrise in ähnlicher Weise auch weiterhin zu überstehen schaffen. Aber diese Prognose bzw. Selbstannahme ist trügerisch.

Darüber hinaus wird für viele Unternehmen ein entsprechendes Stress-Management nicht als organisatorische Angelegenheit gesehen, sondern in das persönliche Selbstmanagement abgeschoben – davon ausgehend, dass Führungskräfte von sich aus individuell Stressmanagement betreiben. Jetzt in der Coronakrise könnte diese unternehmerische Sicht bzw. ein solches Stressbewältigungsverständnis jedoch ein Schuss nach hinten sein.

Dabei war es schon vor Corona sichtbar und belegbar, dass Stress am Arbeitsplatz in Deutschland jährlich einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens 8 Milliarden Euro verursachte – aufgrund von Fehlentscheidungen, Krankenständen, u.a.[2] Und wenn Stress schon vor Corona ziemlich hohe Schäden verursachte, wie hoch wird der Schaden durch den übergangenen Stress in der Coronakrise werden?

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Viele scheinen jedoch nicht zu merken bzw. nicht merken zu wollen, wie sehr der Stress schon vor Corona das Verhalten und Entscheidungen ungünstig beeinflusst hat – und jetzt in Coronazeiten noch zusätzlich verstärkt Einfluss nimmt.

Wir haben uns einfach schon so sehr daran gewöhnt, unter Stress zu handeln. Wir empfinden es sogar irgendwie als positiv anregend, wenn man durch Stress getriggert aktiv sein kann, wenn man Probleme scheinbar schnell gelöst bekommt, so dass man das nicht in Frage stellt bzw. nicht als mögliche Fehlerquelle für Entscheidungen betrachtet.

Stress ist nicht per se negativ. Das muss an der Stelle auch gesagt werden. Stress ist ein gut durchdachtes Schutzprogramm, hilft in Krisen, hilft viel Energie aufzubringen, um Problemsituationen zu bewältigen, ABER NUR wenn man Stress dahingehend nicht ausreizt, nicht auszubeuten sucht.

Die Natur hat die Menschen mit einem ausgeklügelten Anti-Stress-Programm ausgerüstet

Die Natur ging jedoch davon aus, dass die stressigen Situationen nur relativ kurz andauern, und dann wieder Ruhe einkehrt. Heute sind jedoch die Ruhephasen kaum noch vorhanden, und aktuell in der Coronakrise sogar noch zusätzlich, ohne Aussicht auf baldige Ruhe, fast aufs äußerste hin ausgereizt [3] – mit den Folgen:

  • Die Vernunft ist in einem solchen überreizten Stressmodus nahezu lahmgelegt.

  • Im Stressmodus gelten die Überlebensstrategien Angriff oder Flucht, man agiert im sogenannten Reptilien-Modus.[4]

  • Das gibt den Gestressten das scheinbar sichere Gefühl: Wir haben alles im Griff. Wir brauchen kein weiteres Überdenken und keine anderen, neuen Lösungen. Und nachdem aktuell in der Coronakrise die meisten Unternehmen wie auch Regierungen in ähnlich gestresster Weise agieren, scheint alles was man an Entscheidungen aktuell festlegt, sinnvoll, richtig und alternativlos zu sein.

  • Der Stress mit seinen eingeschränkten Denkprozessen wird als mögliche Stör- bzw. Fehlergröße ungeachtet zur Seite geschoben.

Stillschweigend zustimmend bzw. unbeachtet ertrinken aktuell in der Coronakrise die so notwendigen erweiterten Reflexionen, weitreichenden Lösungsstrategien und innovative Zukunftsbilder in der Flut von Stresshormonen – und ein Großteil sieht dem zu, ohne das in Frage zu stellen, ohne den Stress mit seinen eingeschränkten Handlungswerkzeugen kritisch zu überdenken.

Ich will damit nicht sagen, dass in dieser wirklich äußerst schwierigen, komplexen und eigentlich nicht kontrollierbaren Situation nicht nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt wird. Ich gehe davon aus, dass man sich umfassend bestmöglich bemüht. Was ich einzig zu kritisieren wage:

  • Es ist meinem Empfinden nach dringlich anzuraten, den Stress auf allen Ebenen besser zu managen. Es sollte dem Stress, und der unterschwellig mit dem Stress Hand in Hand gehenden Angst, ebenfalls in die Augen geblickt werden und nicht nur dem Coronavirus, um als Unternehmen und auch als Regierung Lösungen im Umgang mit der Coronakrise zu finden, die nicht allzu sehr von Stress- und Angsthormonen überschüttet zu Entscheidungen führen.

Maßnahmen zur Stressbewältigung

Diejenigen, die jetzt an der Stelle zugeben, dass Stress Sie möglicherweise doch mehr quält als sie wahrhaben wollten, werden vermutlich so schnell wie möglich ein Stress-Reduktions-Mittel haben wollen. Dazu kann ich sagen, ja, es gibt Methoden, die relativ rasch wirken, u.a. …

  • Mindfulness praktizieren, wovon ich bereits über mehrere Jahre hinweg immer wieder gesprochen habe,

  • Idiolektische Gespräche führen und

  • Denkpausen machen, eine Unterbrechung der gewohnten Denk- und Handlungsweisen setzen, was mit kleinen Übungen und Anregungen relativ leicht in den Alltag eingebaut werden kann.  

Doch genau diese Methoden, mögen aufs Erste hin jetzt in einer so akuten gestressten Phase, scheinbar für viele nicht die adäquate Lösung sein, sondern sogar gewissermaßen den Stress noch zusätzlich erhöhen – aus Angst, dass man beispielsweise mit einer Denkpause, mit Achtsamkeitsübungen zu langsam wird und entscheidende Momente versäumt.

Das Gegenteil ist jedoch der Fall. Ich weiß, das ist für viele kaum vorstellbar, genau jetzt im Stress, eine Denkpause zu machen. Doch das sind bereits die Folgen vom Stress, der höchst aktiv sein will, sich in der Aktivität sehr wohl fühlt und meint mit Aktivität alles im Griff zu haben – beispielsweise aktuell so viel wie möglich so schnell wie möglich online, digital aufzuarbeiten und quer über den Globus gemanagt zu bekommen.

Wir hetzten durch die Krise, meinen sogar noch positiv aktiv mit der Krise umzugehen, lassen uns von den auf den ersten Blick scheinbar gut laufenden digitalen Aktivitäten blenden und vergessen, dass gute Lösungen niemals nur aus einem zu aktiven Geist heraus entstehen können.

Das heißt jedoch auch nicht, dass Stress nur negativ ist, wie ich schon anfangs von diesem Artikel erwähnt habe. Ein gewisses Maß an Stress brauchen wir im Leben – bis zu einem gewissen Grad ist Stress sogar lebensnotwendig. Jede Stresssituation hat zuerst einmal die Aufgabe, ausreichend Energie zur Verfügung zu stellen, um damit die Leistungsfähigkeit zu erhöhen. So haben die Harvard Wissenschaftler Robert Yerkes und John Dodson herausgefunden, dass die Aufmerksamkeit steigt, je mehr Stresshormone der Körper ausschütten.

Aber jetzt kommt der Hacken im naturgegebenen Stressmanagement: Dieses funktioniert nur dann einwandfrei, wenn ein ausgewogenes Maß von Stress, eine gute Balance von Aktivität und Ruhe, eingehalten wird. Jonathan S. Abramowitz meint:[5]

Stress ist wie eine Gitarrensaite. Ist diese zu lose gespannt, lassen sich nur flache, tiefere Töne spielen. Fehlt die Spannung völlig, lässt sich gar kein Ton hervorbringen. Wenn die Saite zu stark gespannt ist, gibt diese zu hohe, scharfe Töne oder die Saite reißt sogar.

An der Stelle möchte ich Sie jetzt persönlich und direkt fragen:

  • Was meinen Sie, wie sind Sie als Gitarrensaite aktuell gespannt – richtig gespannt, zu lose oder überspannt?

Diese Frage zu beantworten scheint aufs Erste einfach zu sein, und gleichzeitig nicht, weil die meisten von uns, wie ich auch schon erwähnte, den Stress kaum noch wahrnehmen. Stress gehört zu unserem täglichen Leben, wird so gesehen vielleicht sogar als richtig gestimmtes Lebensgefühl erachtet.

Doch jetzt in Coronazeiten kann dieser verzerrte Umgang mit Stress fatale Folgen mit sich bringen, u.a., indem wir unzureichende Maßnahmen auf Basis von unzureichenden Zukunftsbildern zu entscheiden suchen. Wir spüren nicht mehr, ob wir aus Stress heraus agieren, oder aus einer gesunden Balance von Aktivität und Ruhe, aus einem resilienten Lebensgefühl heraus die Situation bewältigen. Resilienz, Agilität und Innovationskraft sind die Schlüsselkompetenzen im Umgang mit Herausforderungen und Krisen, doch unter Stress kann weder Resilienz noch Agilität und ebenso wenig Innovation erfolgsversprechend wirken.

Genau diese Einschränkungen – geistig, emotional und körperlich – merken die meisten jedoch nicht, außer beispielsweise professional trainierte SportlerInnen, in Achtsamkeit gut geübte Menschen oder auch jene, die eine Kampfkunst trainieren. So weiß ich aus Eigenerfahrung aus dem Aikido, dass man die beste Kraft und beste Strategie findet, wenn man in der richtigen Spannung, aus der sogenannten Grundspannung heraus agiert. Das heißt jedoch nicht, dass man beispielsweise als AikidoschülerIn dann für immer in der Grundspannung bleibt und Stress kein Thema mehr ist. Selbst als langjährig praktizierender Aikido- und Achtsamkeits-Schüler falle ich persönlich unentwegt aus der mentalen, emotionalen und körperlichen Grundspannung heraus. Das ist lt. Meinung der LehrerInnen ganz normal.

Es gibt jedoch einen Unterschied zu jenen, die kein Training machen, man merkt es relativ schnell und deutlich, wann man die Spannung überreizt oder zu lasch wird, und dann kann man zeitgerecht mit einer gut verankerten Achtsamkeit wieder in die Grundspannung zurückfinden. Dann übernimmt nicht gleich der Stress wieder die Führung, sondern man selbst kann den Stress führen. Selbst die kleine Achtsamkeitsübung, den eigenen Atem beobachten, hilft schon in Ansätzen dem überreizten Stress eine kleine Pause zu gönnen und sich etwas zu entspannen.

Achtsamkeit ist meiner Meinung nach ein äußerst hilfreiches Mittel zur Stress- wie auch Angstbewältigung, die, wie ich auch schon erwähnte, Hand in Hand mit dem Stress unterwegs ist. Viele verbinden mit Achtsamkeit möglicherweise eine Form von Meditation, für die man sich regelmäßig Zeit nimmt. Das stimmt so auch, doch Achtsamkeit beginnt schon früher:

  • In dem Moment, wo einem beispielsweise bewusst wird, dass man gerade oberflächlich atmet, dadurch vielleicht zu wenig Luft hat, weil man zum einen diesen Text lesen möchte, zum anderen aber gedanklich vielleicht schon auf dem Sprung zur nächsten Video-Konferenz ist, übt man sich bereits in mehr Achtsamkeit.

Das ist zwar nur der erste Schritt, aber jeder Schritt zu mehr Achtsamkeit zählt – egal wo man anfängt. Stressbewältigung beginnt bei kleinen Dingen. Kleine Achtsamkeitsübungen regelmäßig angewandt, nehmen dem Stress etwas Fahrt aus den Segeln, eröffnen dem Denken eine Pause. Das ist ein guter Schritt hin zu etwas weniger Stress, darf jedoch nicht als einmaliges Ereignis angesehen werden, dass dann auf Dauer wirkt. Achtsamkeitsübungen und Denkpausen sollten immer wieder aktiviert werden, mal in größerer Form, dann wieder in kleinen Dosen.

  • Das heißt zum Beispiel auch, das Mittagessen bewusst als Ruhephase zu sich zu nehmen. Lt. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verzichten jedoch schon rund 26 Prozent auf diese Pause.[6]

Resümee

Egal wie wir aktuell die Situation betrachten, überbordend oder gut bewältigbar, Stress ist ein Mitläufer in der jetzigen Krise und damit ein relevantes Thema wie die Maßnahmen selbst. Meinem Empfinden nach braucht jedoch die Stressbewältigung in Coronazeiten Unterstützung bzw. ein gezieltes Stressmanagement, damit man resilient agil und mit der notwendigen Innovationskraft couragiert einer Zukunft nach bzw. mit Corona entgegen gehen kann.

Mag sein, dass es nur mein spezifischer Blick auf die Situation ist, der mich zu einer solchen Aussage veranlasst.

Wie dem auch sei, falls Sie jedoch für sich Stress als bereits unangenehm drückend wahrnehmen, möchte ich Sie zum Abschluss von diesem Artikel einladen, 2 geführte Mediationen im Ansatz kennenzulernen, die bei ausreichender Praxiserfahrung helfen in stressigen bzw. unangenehmen Situationen Ruhe und Klarheit zu finden bzw. beizubehalten.

See-Meditation

Bei der Achtsamkeitsübung „See“ lernt man, die Ruhe in der Tiefe eines Sees wahrzunehmen. Man nimmt wahr, wie beispielsweise die Oberfläche des Sees durch ein Gewitter bzw. Sturm stark in Unruhe ist. Man merkt, dass man jedoch nicht an der Oberfläche bleiben muss. Der See besteht eben nicht nur aus der Oberfläche, sondern geht auch in die Tiefe. Und in der Tiefe des Sees bleibt es beispielsweise trotz Gewitter oder Sturm ruhig.

Diesen inneren Ort der Stille kann man bei ausreichender Meditationserfahrung in Stresssituationen auf Abruf aktivieren.

Berg-Meditation

In ähnlicher Weise wirkt die Bergmeditation von Jon Kabat Zin. Hier geht man in die Vorstellung ein Berg zu sein, fest wie ein Berg in der Umwelt zu stehen – mit einer kraftvollen Mitte. Es mag sein, dass ein starker Sturm um den Berg weht. Es mag sein, dass die Sonne unangenehm auf den Berg brennt. Unerschütterlich mit Ruhe übersteht der Berg jedes Ereignis. Im Gegenteil, der Berg erfreut sich an den Abenteuern, weil er weiß, nichts kann ihn in der Tiefe wirklich erschüttern. Er steht fest verankert im Boden, an seiner Oberfläche mag es Unangenehm sein, aber kein Ereignis währt ewig, und die Tiefe bleibt unantastbar und damit unerschütterlich.

Mit entsprechender Praxis kann man sich jederzeit die Kraft des Berges holen. Aus dieser Haltung heraus können unangenehme Situation mit mehr Geduld und Einsicht wahrgenommen und entsprechend anders gehandelt werden – weniger aus dem Stressmodus, sondern vielmehr aus einer kraftvollen Grundspannung heraus.

Diese beiden Beispiele, die See- und die Bergmeditation veranschaulichen nur einen Bruchteil von dem, wie Achtsamkeit zur Stressbewältigung trainiert werden kann. Das was vermutlich viele von Ihnen kennen, ist die stille Meditation: Das Schließen der Augen und wahrnehmen beispielsweise vom Atem. Das ist ein außerordentlich wichtiger Grundbaustein, der aber mit Hilfe von geführten Meditationen sehr gut ergänzt und erweitert werden kann.

Die Idiolektische Gesprächsführung und die Denkpausen sind Achtsamkeitsübungen ähnlicher als man meinen könnte – nur mit anderem Instrumentarium. Die damit verbundenen Übungen schaffen es ebenfalls fühlbar, spürbar, manchmal auch sehr verspielt und witzig, sich aus einem sich immer enger schnürenden Strudel an Gedanken, aus einem eingeengten Stressfeld und den Stress anhaftenden Gedanken ein Schnippchen zu schlagen, den Blick zu weiten und in Folge den Stresspegel abzusenken.

Achtsamkeit und die damit verbundene Ruhe ist jedoch kein Wert an sich. Ruhe und Stress in Form von erhöhter Aktivität sind vielmehr wie Bruder und Schwerster – sie ergänzen einander. Man kann nur entspannt sein, ohne zu erstarren, wenn man den Stress und die damit verbundene Aktivität beherrscht – und umgekehrt. Man kann nur aktiv, geschäftig sein, ohne sich darin zu verlieren, wenn man die Ruhe versteht.

Jetzt im Moment in der globalen Coronakrise bezweifele ich, ob wir den durch Corona ausgelösten Stress und durch die Maßnahmen im Kampf gegen Corona zusätzlich aufbauenden Stress wirklich zu managen fähig sind, die Flutwelle von Stress unterschätzen und bereits zu ertrinken drohen, ohne es sogar zu merken?!

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen: 

[1] http://www.sueddeutsche.de/wissen/entscheidungsfindung-stress-macht-gewohnheitstiere-1.175688. Am 2017-08-28 gelesen.
[2] APA: Psychische Krankheiten kommen Wirtschaft teuer. Der Standard, 2010-11-23., S. 16.
[3] Aus meinem Buchbeitrag aus: Industrie 4.0. Wie cyber-physische Systeme die Arbeitswelt verändern. Hrsg.: Volker P.Andelfinger, Hänisch, Till. Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH. Wiesbaden: 2017.
[4] http://www.psychologie-heute.de/news/gesundheit-psyche/detailansicht/news/die_bessere_pause_kopie_1/. Am 2017-08-28 gelesen.
[5] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/-69de50b16f/. Am 2017-08-28 gelesen.
[6] http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/stressbelastung-wir-koennen-uns-zu-tode-arbeiten/9441692.html. Am 2017-08-28 gelesen.

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„Überraschende“ Lösungen sind gefordert

„Überraschende“ Lösungen sind gefordert

24% der Betriebe stehen vor der Pleite. Mehr als 60% der Unternehmen sind stark von Covid-19 betroffen.[1] Das sollte zu denken geben. Eine Pleitewelle könnte in der Folge auch jene Unternehmen negativ beeinflussen, die aktuell in der Krise scheinbar noch keine Folgen zu verzeichnen haben, ev. sogar gewinnen.

Die Zukunft neu denken wird ein Muss für nahezu alle werden, um die Wirtschaft und das Leben nach bzw. mit Corona erfolgsversprechend wieder anzukurbeln. Adaption und Resilienz sind dabei Schlüsselkompetenzen [2], vereinen in sich die Kraft, die schon vor der Krise stetig ansteigende Komplexität besser in den Griff zu bekommen, und die schon vor der Krise geforderte Agilität und kreative, über den Tellerrand reichende Lösungen endlich wirklich couragiert mit Leben zu erfüllen.[3]

Jene, die schon vor der Krise Resilienz, Adaption, Agilität und couragierte Innovationen, New Business Models für sich zu verstehen und entsprechend im Unternehmen zu implementieren gesucht haben, u.a. es wagten, auf Resilienz statt auf Effizienz zu setzen [4], haben jetzt einen deutlichen Vorteil im Vergleich zu all den anderen, die mit diesen Kompetenzen nur sehr oberflächlich, mehr zum Schein als zum Sein, flirteten.

Jetzt geht es jedoch weniger darum, Versäumnisse anzuklagen, sondern die Krise zu nutzen und die Anpassungsfähigkeit und Resilienz innovativ couragiert aufzubauen – ohnehin ein Muss für etwa ¼ der Unternehmen, die einer möglichen Pleite sehr nahestehen. Matthias Horx, Zukunftsforscher, sieht jetzt aktuell in der Krise die große Chance, die Weichen neu zustellen – auch bei all jene, die das bisher noch nicht für notwendig angesehen haben bzw. denen der Mut fehlte, das zu wagen.

Es ist Zeit neu zu bauen – und das erfordert mehr denn je …

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Mut gepaart mit Entscheidungskraft neue Dinge zu wollen, neue Möglichkeiten mehr anzustreben als neue Zukünfte verhindern zu wollen [5] – sprich das Alte Wirken und Wirtschaften mit Wertschätzung und gleichzeitiger nötiger Offenheit für Neues ziehen zu lassen, let it go.

Das ist eigentlich ohnehin eine Notwendigkeit – zum einen wegen der bevorstehenden Pleitewelle und zum anderen, weil wir nach der Krise nicht mehr so weitermachen können wie zuvor. Das Leben nach Corona wird ein anderes sein als zuvor – darin sind sich außerordentlich viele WissenschaftlerInnen und auch Top-ÖkonomInnen [6], u.a. Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Horx u.v.a. ziemlich sicher.

Erhöhtes Bewusstsein für Zusammenhänge und gegenseitige Abhängigkeiten regional und global, von Natur und Gesellschaft, von Wirtschaft und Gesellschaft, von Gesundheit und Wirtschaft, von Politik und Wirtschaft, von Politik und Gesundheit, …

Mit der Coronakrise erlebt die Welt eine gigantische Dekonstruktion des Alltags mitsamt seinen komplexen Wirkungsbeziehungen. Es wird dabei sichtbar, was die Welt zusammenhält – und was nicht. Welche Stärken wir hatten – und welche Schwächen.[7] Das zu erkennen ist wichtig, um nicht wieder den Fehler zu machen, hochkomplexe Wirkungs- und Beziehungsweisen in eine lineare Lösungskonstruktion hinein zu quetschen. Die Krise zeigt erschreckend klar, dass wir die Komplexität vernachlässigt, und damit die Resilienz geschwächt haben.

Vorstellungskraft gepaart mit Vor-Sicht ist in Verbindung mit erhöhtem Bewusstsein für Komplexität ein weiteres relevantes Thema, woran es jedoch besonders mangelt.

Das aktuell globale Problem ist nach Meinung von Marc Andreessen, das Versagen der Vorstellungskraft und der damit verbundenen unterlassenen Handlungen in der Vergangenheit.[8] Doch es reicht noch viel weiter mit der Vorstellungskraft: Denn ohne Vorstellungskraft kann man die Zukunft nicht wirklich neu denken, sondern wird immer wieder zurück in alte Denkmuster und Handlungsmuster fallen, die dann wiederum zukunftsnotwendige neue Handlungen unterbinden – ein Teufelskreis.

Es mangelt, ob man das gerne zugeben mag oder nicht, an Kreativität bzw. an dem Mut, kreativ visionär in die Zukunft zu blicken – was ich jedoch auch schon vor der Coronakrise zu verstehen zu geben suchte, ohne jedoch auf große Resonanz gestoßen zu sein. Doch jetzt in dieser globalen heftigen Krise zeigt sich schonungslos, ob man gewillt und fähig ist die Zukunft neu zu denken. Und wenn man es nicht wagt, dann könnte das bald für viele ein unangenehmes Erwachen werden, Zukunftsszenarien könnten wahr werden, Ihr Unternehmen nach Corona, die wir uns vermutlich nicht wünschen möchten.

Ab wann man von einer kreativen neuen Lösung sprechen kann und wann nicht, hängt von unserer Vorstellungskraft ab. Und wenn diese eingeengt, begrenzt, ängstlich blockiert wirkt, dann ist man dazu geneigt, eine bloße Notmaßnahme bereits als bahnbrechend innovativ und ganz neu anzusehen. Das wäre so, als wenn man nach einem schweren Unfall, mit den Folgen einer Armamputation oder gar eine Querschnittslähmung die Betroffenen und deren Wunden am Stand der Möglichkeiten versorgt, aber dann die Verunfallten einfach zurück in den Alltag schickt und meint, diese können das Leben jetzt wieder in gewohnter Weise wie vor dem Unfall weiterführen.

Dahingehend wird vermutlich einleuchten, dass dies so nicht gehen wird. Man spricht zwar in der Rehabilitation immer davon, den Alltag bestmöglich zurückzugewinnen. Doch dabei stellt sich vielmehr die Frage:

  • Was ist überhaupt der Alltag?

  • Welche Art von Alltag kann wieder zurückgewonnen werden?

Alltag ist kein fixes Bild, sondern ein Variables. Dahingehend sehe ich aktuell die Diskussion, langsam zur Normalität zurückzukehren, nicht unbedingt zielführend, sondern sogar Ziel bzw. Zukunft verzerrend.

Wir alle, Wirtschaft, Gesellschaft, Politik, regional wie global stehen jetzt am kritischen Punkt der Bifurkation mit 2 Möglichkeiten:

  1. Festhalten am Status-quo, die Zukunft als Fortschreibung der Vergangenheit vorstellen [9], dahingehend die Wundversorgung der Krise gewährleisten und dann alles daransetzen das Leben und Wirtschaften wie vor der Krise, vor diversen Amputationen oder Lähmungen hin zu leben suchen, zurück ins alte Spiel kehren. Das wird insbesondere für die vielen kleineren und mittleren Unternehmen jedoch kaum möglich sein. Die wenigen unternehmerischen Riesen werden sich mit weitreichenden Subventionen über Wasser halten, … Die Folgen davon sollten nicht unbedacht bleiben: Die Wirtschaftskraft könnte von wenigen globalen Playern, deren Namen ich jetzt nicht aufzählen möchte, angetrieben und von diesen diktiert werden. 

  2. Den Sprung in die Innovation, einen Neustart wagen. Das könnte u.a. dahin gehen, hybride Geschäftsmodelle kreieren, Kreislaufwirtschaft reaktivieren, resilientes Wirken und Wirtschaften fördern, im Cafe von nebenan neben einem Coffee-to-Go (aktuell nur mit Maske zu betreten) einen 3-D-Drucker in Genossenschaft zum Einsatz bringen, um das auszudrucken, was man aktuell gerade braucht. Tagsüber im Hotel arbeiten, sprich Tageszimmer im Hotel für das Remote Working vermieten, uvm … [10] Für den Neustart braucht es Mut, Entscheidungskraft, Vorstellungskraft und das Denken in einer Wir-Kultur, in einer gegenseitigen Abhängigkeit, ohne das als Hürde zu sehen, sondern viel mehr als Chance, um sich gegenseitig zu unterstützen. Social Business darf offener gedacht werden mit dem Ziel, ein profitables Geschäftsmodell mit gemeinnützigem Zweck zu etablieren. Das stärkt die Resilienz und damit auch den Umgang mit Krisen.

Resümee zu den Perspektiven der Wirtschaft nach Corona

Will man die gesamte Dimension dieser Krise erkennen, ist man gezwungen, eine Metaperspektive einzunehmen – mit der Individualperspektive oder dem reinen Fachblick erkennt man lediglich Ausschnitte. Die Coronakrise ist ein derart einschneidendes Ereignis in sämtlichen Dimensionen des menschlichen Wirkens auf dieser Erde, dass es ist demnach unausweichlich ist, alle Dimensionen in ihren Wirkungen aufeinander in Beziehung zu stellen, um die Krise zu meistern [11] – woran es jedoch aktuell meiner Meinung nach mangelt.

Wirtschaft-nach-Corona-horx-szenarien-folgen

Die Szenarienanalysen könnten helfen, die möglichen Zukünfte leichter zu visionieren. Dabei dienen die Szenarien vor allem dazu, Zukunftsoptionen zu strukturieren. Diese nehmen die Zukunft nicht vorweg, sondern dienen der Orientierung und helfen sich über mögliche Zukünfte mehr Gedanken zu machen, worüber ich konkret im letzten Artikel, Ihr Unternehmen nach Corona – mögliche Zukunftsszenarien geschrieben habe.

Mit weiterführenden Denk-Unterstützungen, wie der Re-Gnose, der Idiolektischen Gesprächsführung und dem Spiel von Eigenland®: Corona – what´s next?!, kann man das Unternehmen in der Zukunft zu orten suchen und Wege hin in die Zukunft zu denken wagen, um diese zu gestalten und nicht umgekehrt, von der Zukunft überrollt zu werden. Diese Art sich als Unternehmen für die Zukunft fit zu machen, sind viele Unternehmen jedoch nicht gewohnt bzw. gewillt zu tun – scheitern bereits bei der Vorstellung, die Zukunft, statt in Prognosen in Re-Gnosen und in unterschiedlichen Szenarien gedanklich zuzulassen. Doch genau das verstärkt aktuell die Pleitewelle sogar noch, anstatt diese abzuflachen.

Welchen Weg Sie bzw. Ihr Unternehmen schlussendlich für sich zu planen suchen, das obliegt Ihrer Vorstellungskraft und dem Mut bzw. Zweifel, …

  • Erhalt bzw. die Rückkehr zum gewohnten Alltag, um jeden Preis anzustreben, oder

  • es zu wagen, die Weichen neu zu stellen, glokal, digital und adaptiv Wirtschaft und Gesellschaft neu zu denken.

Horx schreibt, dass diese Krise ein besonderer Augenblick der Menschheit sei, und die Zukunft von diesem Planeten in einer weitreichenden Weise zu beeinflussen vermag. Jetzt stehen Türen offen für neue Möglichkeitsräume. Es ist die Zeit des Manythings go.[12]

Und gerade angesichts der anstehenden Pleitewelle, die auch auf den Rest der Unternehmen wirken wird, braucht es dringend Innovationen, Ideen, fernab vom linearen Denken.

Lazy Eight: Der adaptive Cycle als Instrument der Stunde

Aktuell stellt sich wie kaum zuvor die Frage:

  • Was sind Sie als Unternehmen bereit für die Zukunft einzusetzen – an kreativen Input, an Mut Neues zu wagen, um die Krise zu überleben bzw. die Krise zu nutzen, um widerstandskräftiger zu werden?

Wagen Sie es Ihre Vorstellungskraft, Ihren visionär kreativen Blick mehr als zuvor in Entscheidungsprozesse einzubinden?

  • Wagen Sie es dahingehend Hilfe zu holen, wenn Sie merken, Sie sind eigentlich nicht offen genug, ein größeres Bild der Zukunft zuzulassen?

  • Wagen Sie es, Ihr Team, sich selbst dahingehend zu stärken, out of the box zu denken – wie schon erwähnt durch Re-Gnosen, durch Design-Thinking, durch Idiolektische Betrachtungsweisen, durch Spiele wie: Corona – what´s next?!, und weitere andere Techniken Ihre unternehmerische Zukunft couragiert weiterzuentwickeln?

Wagen Sie es dahingehend eine konkrete Entscheidung zu fällen – wenn ja, in welche Richtung fällen Sie die Entscheidung, welcher neuen möglichen Zukunft messen Sie welchen Wert zu?

  • Das Visionieren neuer Zukünfte ist ein Aspekt – genauso relevant ist die entsprechende Bewertung der möglichen Szenarien, und das ist deutlich schwieriger als man annehmen würde, und braucht mehr Reflexion als meist dafür aufgebracht wird. Die neue mögliche Zukunft steht und fällt mit dem Wert oder Zweifel (emotional, finanziell, rational, …), der der jeweiligen Zukunft gegeben wird – das ist ein äußerst delikater und relevanter Punkt.

  • Bei manchen Unternehmen mag es sogar gar nicht so sehr an neuen Bildern der Zukunft mangeln, aber durch einen zweifelnden Geist einer neuen Zukunft gegenüber, angsterfüllt Gewohntes zu verlieren, wird man der neuen Zukunft keinen großen Wert beimessen, sondern schätzt den Wert des Gewohnten aus Angst heraus höher ein.

Und falls man es dann tatsächlich schafft, die neue Zukunft als wertvoll, als investitionsrelevant zu erachten, dann braucht es auch die passenden Strukturen, u.a. neue Kommunikationsstrukturen, die ob wir wollen oder nicht, in den wenigsten Unternehmen tatsächlich jedoch vorhanden sind, um wirklich weitreichende neue Visionen zur Umsetzung zu bringen.

  • Hierarchische Kommunikationsstrukturen sind für den Aufbau einer neuen Zukunft hinderlich, was jedoch schon vor der Krise im Digitalisierungsprozess klar auf der Hand lag, aber irgendwie noch von sich geschoben werden konnte, ohne dabei das Gefühl zu bekommen den Anschluss an eine erfolgsversprechende Zukunft zu verlieren.

Das, was ich Ihnen gerade als Fragen bzw. als Richtlinie aufzuzeigen sucht, mag auf den ersten Blick jetzt für Sie absolut nichts Neues sein im Vergleich zu alten Krisen- bzw. Changeüberlegungen. Jede Umstrukturierung, jeder Change läuft auf den ersten Blick nach diesem Schema ab, und kämpft im Prozess mit den geforderten Veränderungen, kämpft mit Dilemmata-Situationen, die durch einen Change oft erst an die Oberfläche gespült werden – und davon gibt es aktuell mehr denn je in einer Heftigkeit, die man ohne Reflexion und ohne mentale Widerstandskraft kaum zu bewältigen scheint:

Das Dilemma beginnt mit dem Shut-Down, dem wirtschaftlich verordneten Herunterfahren um gleichzeitig an anderer Stelle Leben zu sichern,

und reicht hinein in die Zukunft:

  • Will man zurück in das Streben und Wirken der Wirtschaft, wie es vor der Krise war, oder wagt man einen Sprung in eine neue Zukunft?

  • Welche Unternehmen gelten dahingehend als förderungswürdig, welche eher nicht?

  • Soll man als Unternehmen Kurzarbeit anmelden, oder doch eher kündigen? Wen soll man kündigen?

  • Welcher Zukunft kann man als Unternehmen überhaupt Vertrauen schenken?

  • Welche Ratschläge scheinen erfolgsversprechend – die der klassischen Beratungsunternehmen, oder vielleicht jene, die mehr als kreative Spinner angesehen werden, oder beides nicht, sondern …

Wir werden, ob wir wollen oder nicht, uns den Dilemmata stellen müssen und sind aufgefordert es zu wagen, das Dilemma selbst neu zu bewerten – weder das eine noch das andere als Lösung anzusehen, sondern darüber hinaus zu denken, die Vorstellungskraft dahingehend zu stärken, eine 3. und 4. Ebene mitzudenken, in die Lösung miteinzubeziehen.

Doch dieser Schritt wird für viele nur schwer ohne Unterstützung möglich sein. Ohne Unterstützung bleibt man aufgrund des Stresses, aufgrund von Angst unbewusst in eingeengten Sichtweisen hängen, die keinen freien Blick in 3. und 4. Ebenen hinein gewähren, die kreative Ideen im Keim ersticken.

Wir stehen aktuell global vor einem riesengroßen Change mit einer ungewissen Zukunft – sofern man es so betrachten kann und will. Dahingehend brauchen jedoch meiner Meinung nach mehr Unternehmen Unterstützung, als diese von sich selbst anzunehmen glauben. Vielen Unternehmen fehlt der kreative Schwung, sich Zukünfte neu vorzustellen, fehlt der Mut, die eigene Kreativität wirken zu lassen und nicht gleich in aufkommenden Zweifeln in die altbekannten Bilder zurück zu flüchten.

Auf den Punkt gebracht:

Das scheinbar Überraschende daran ist, dass diese Kompetenzen und Strategien auch schon vor der Krise für eine erfolgsversprechende Digitalisierung als wegweisend angesehen worden sind, aber wie es scheint bei vielen Unternehmen jedoch noch auf den Startschuss zur Umsetzung gewartet haben, der jetzt mit Corona mit Bomben und Granaten ausgelöst wurde.

Das mag fast eine Ironie des Schicksals sein?!

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge, insbesondere News im Umgang mit der Corona-Krise mitbekommen zu können, folgen Sie mir auf LinkedIn, Xing und Twitter. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer. In der Gruppe „Viable System Model …“ finden Sie Diskussionen über den Entwurf neuer nachhaltiger Geschäftsmodelle.

 

Informationsquellen:

[1] https://www.diepresse.com/5801247/24-prozent-der-betriebe-vor-pleite. Am 2020-04-22 gelesen.
[2] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[3] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[4] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[5] https://a16z.com/2020/04/18/its-time-to-build/ Am 2020-04-21 gelesen.
[6] https://www.diepresse.com/5802657/wie-top-okonomen-die-welt-nach-der-coronakrise-sehen. Am 2020-04-22 gelesen.
[7] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[8] https://a16z.com/2020/04/18/its-time-to-build/ Am 2020-04-21 gelesen.
[9] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[10] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[11] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[12] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.
[13] https://www.zukunftsinstitut.de/fileadmin/user_upload/Whitepaper-Die_Wirtschaft_nach_Corona.pdf. Am 2020-04-21 gelesen.

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