Bildungs-Allergien im Management überwinden

Bildungs-Allergien im Management überwinden

Ein höheres Bildungsniveau ist nicht nur erforderlich, sondern dank der neuen Technologien auch möglich.[1] Unmengen an Lerntipps stehen jedem zur Verfügung.

  • Doch genügt das, um Lernen, Fort- und Weiterbildungen tatsächlich erfolgsversprechend zum Wirken zu bringen?

  • Wann ist es wirklich notwendig, eine Fortbildung anzusetzen?

Was die Kompetenzen und damit das Wissen der Führungskräfte und CEOs betrifft, da scheiden sich die Geister. Außenstehende würden sagen, dass das Management heute im Jahr 2017 einiges zu Lernen hat. Das Management selbst sieht das vielleicht nicht ganz so. Am Beispiel der Digitalen Kommunikation zeigt sich, dass Deutschlands Management doch einiges zu Lernen hat.

Im Social-Media-Ranking steht Deutschland gemeinsam mit Russland auf dem letzten Platz weltweit.[2]

Den einzigen Dax30-CEO, den man auf Twitter findet, ist Bill McDermott von SAP. Ihm folgen 33.500 Personen, und über sein Linkedin-Profil ist er mit 179.400 Personen verbunden.[3] Der Ökonom Thomas Straubhaar meint, in Kinderzimmern findet sich mehr digitale Kompetenz als in den Chefetagen der Wirtschaft.[4] Das sei bedenklich. So entrinnt den Führungskräften ein großes Potential.

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Eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey kommt zu dem Ergebnis, dass die Produktivität von MitarbeiterInnen durch die Einführung eines Social Internet zwischen 20 und 25 Prozent steigen könnte.[5]

Doch der Einsatz der Social-Media-Tools verlangt zum einen die Kompetenz, richtig damit umzugehen und den Mut, die damit verbundenen Veränderungen und Lernfelder in Angriff zu nehmen.

Heute möchte ich jedoch weniger den Punkt, was gelernt werden sollte, sondern das Lernen als solches betrachten. Am Schluss von diesem Artikel möchte ich 5 Tipps anführen, die meiner Meinung und Erfahrung nach für eine nachhaltig wirksame Fortbildung im Erwachsenenalter notwendig sind.

Überheblichkeit und Angst bremsen Bildungsmaßnahmen

Mit Adorno beginnt Bildung nicht damit, etwas zu wissen, sondern damit, zu wissen, was man nicht weiß.[6]

Arnold Schwarzenegger, Ex-Gouverneur und Filmstar, sagt von sich, dass er während seiner Zeit als Gouverneur sich mit Leuten umgeben hat, die viel klüger waren als er. Donald Trump rät er, mehr zu lesen. Es sei seine Verantwortung, sich besser zu informieren.[7] Das verlangt jedoch die Einsicht, in gewisser Weise sogar Demut, dass man erkennt, dass der eigene Wissensstand und manche Verhaltensweisen, insbesondere in hochkomplexen Zeiten wie heute, überholt sind. Die Arbeitswelt 4.0 verlangt unglaublich viel Fachwissen und ein äußerst breitgefächertes Verhaltens-Know-how in Bezug auf Agilität, Kollaboration und Innovation für einen erfolgsversprechenden Umgang mit den Herausforderungen der VUCA-World.[8]

Wie schon öfter in meinen Artikeln erwähnt, werden die mit den neuen Kompetenzen einhergehenden Fähigkeiten in den Aus- und Weiterbildungen jedoch kaum ausgebildet. Prof. Dr. Gunter Dueck – Philosoph, Mathematiker, Autor und Gewinner des Wirtschaftsbuchpreises 2006 – beleuchtet kritisch die Lehrpläne der Universitäten und fragt sich, wie die Universitäten damit leben, dass StudentInnen in vielen Disziplinen vom gelernten Stoff später im Beruf „nichts“ gebrauchen können.[9]

Lernen beginnt also mit der Einsicht bzw. einer urteilsfähigen Selbstführung. Solange man meint, dass die eigene Kompetenz ausreicht, wird lernen und verändern nicht möglich sein. Microsoft-Gründer Bill Gates, der erfolgreiche Unternehmer Warren Buffett und Paypal-Erfinder Elon Musk – so unterschiedlich drei der erfolgreichsten Menschen unserer Zeit auch sind, sie alle ruhen sich nicht auf Ihrem Wissen aus, sondern lernen täglich neu dazu.[10]

Leider zeigt sich jedoch oft eine Art Lern-Allergie. Viele ergreifen die Flucht, wenn es ums Lernen geht. Zum einen aus einer gewissen Überheblichkeit heraus, zum anderen jedoch aufgrund negativer Erfahrungen in der Schule und darüber hinaus. Bei manchen ist die Überheblichkeit, man wüsste schon alles, eine Not-Strategie, um Lernschwierigkeiten aus früheren Zeiten nicht mehr ausgeliefert sein zu müssen.[11]

Lernen wird heute die wichtigste Arbeit in der Arbeit werden – auch im Management. Davon wird die erfolgreiche Zukunft von einem selbst als Führungskraft und von Unternehmen abhängen.[12]

Es ist also höchste Zeit, die Lern-Traumata aus der Schul- und Studienzeit zu überwinden.

Bildung neu lernen

Das Entscheidende über das Lernen findet sich bereits früh in der Menschheitsgeschichte. So brachte in der Orestie, einer bedeutenden griechischen Tragödie aus dem Jahr 458 v. Christus, erst Zeus die Menschen auf den Weg zum richtigen Denken und zur Einsicht in das Ganze. Die anderen sind daran gescheitert. Das göttliche Gesetz von Zeus beschreibt: Durch leiden lernen.[13] Genau das wollen wir jedoch nicht.

Aber gerade der Leidensaspekt, wenn dieser das Maß des Erträglichen überschreitet, ist der Auslöser, um etwas zu lernen bzw. zu verändern.

Das ist eigentlich ein Paradoxon. Das schlimme daran ist, dass man in Bezug auf das was man erträgt, sehr lange ausharren kann – oft auch zu lange. Es geht aber auch nicht bloß um Spaß. Es geht um die Balance: Tun, leiden, lernen. Der Leidensaspekt gehört dazu und kann, wenn respektvoll behandelt, das Sprungbrett zu neuem Wissen werden. Genau an diesem Punkt spielt die Selbstführung und der Einsatz einer positiven Fehlerkultur eine wesentliche Rolle, wie ich in meinem Artikel „10 Tipps für eine positive Fehlerkultur“ zu vermitteln versuchte. Fehler gehören zum Lernprozess. Doch gerade vor dem Fehlermachen haben viele Angst. So wird das Lernen bereits im Keim erstickt. Oder man wird zum zwanghaften Büffler, aus der Angst heraus, Fehler zu machen.

Das Lernen wird viel zu einseitig und vor allem selbstbezogen betrachtet. Das Lernen ist weit komplexer als das, was man in der Schule und anderen Weiterbildungen unter Lernen versteht. Sicher werden einige von Ihnen das auch so sehen. Manchen anderen ist aber dieses komplexe Lernverständnis abhandengekommen und damit auch die Einsicht, dass Lernen mehr braucht als nur rationale Wissenserweiterung. Informationen bloß aus Büchern und Vorträgen in seinen Kopf zu hämmern, und dann auf Knopfdruck auszuspucken, heißt nicht unbedingt zu wissen. Mag sein, dass viele genau das als Lernen verstehen. Wissen und die darauf begründete Kompetenz braucht mehr.

Lernen ist das Wechselspiel von eigenem Wissen, eigener Visionen und Emotionen in Verbindung mit dem Wissen und den Visionen und Emotionen der anderen.

Der Erfolg von Google, Facebook und Co begründet sich nicht auf deren technisches Super-Know-How, sondern darauf, dass sie ein elementares menschliches Grundbedürfnis stillen, das Bedürfnis nach Information und Kommunikation.[14] Genau das ist auch die Basis für ein erfolgsversprechendes Lernen: Lernen ist die Verbindung von Wissen mit menschlichen Bedürfnissen, wie auch menschlichen Zweifeln. In gewisser Weise nutzen Google und Co die kindliche Art des Lernens, die spielerische Weise sich neues Wissen anzueignen. Kinder lernen aus Leidenschaft, mit Körper und Emotionen.

So braucht es eigentlich LehrerInnen/TrainerInnen/Coches, die keine vorgefertigten Lernschemata abwickeln, sondern rational und emotional erkennen, was jemand noch nicht weiß bzw. nicht wissen möchte und dies ehrlich und respektvoll ansprechen. Die in der Folge das fehlende Wissen rational und emotional anregen, testen und umzusetzen versuchen. Jedes Lernen heißt, dass zunächst einmal etwas Unbekanntes auf einen zukommt. Angelehnt an ein Zitat von Johan Wolfgang von Goethe heißt Lernen:

Wir lernen nur, wenn wir das zu Erlernende nicht beurteilen können. Das was wir von einem Buch/LehrerIn beurteilen können, das bzw. der/die müsste von uns lernen.

Dieser Schritt macht dem einen oder anderen Angst – berechtigterweise. Im Rahmen einer Studie des Thinktanks 2bAhead nannten 52 Prozent der daran teilnehmenden ManagerInnen Angst als den Innovationsverhinderer Nummer eins. 35 Prozent der insgesamt 202 befragten Innovationschefs gaben sogar zu, dass sie selbst schon Innovationen aus Angst verhindert haben.[15]

70 Prozent der Old-School-ManagerInnen verbringen 70 Prozent ihrer Arbeitszeit damit, ihre bisher erreichte Macht abzusichern anstatt Neues zu Lernen.[16]

Die kommende Wissensgesellschaft erzwingt eine Höherentwicklung des Menschen, der nun in seine professionelle und persönliche Entwicklung sehr viel mehr Energie stecken muss, um in Zukunft mithalten zu können. Das ist die eindringliche Aufforderung von Prof. Dr. Gunter Dueck.[17]

5 Bildungs-Tipps

Zusammenfassend und den Text ergänzend möchte ich Ihnen jetzt 5 Tipps geben, Ihre persönliche Fort- bzw. Weiterbildung sowie die Ihrer MitarbeiterInnen erfolgsversprechend anzugehen.

  1. Ergründen Sie wirklich ehrlich, ob eine Weiterbildung ansteht oder nicht. Wenn Widerstand hochkommt, dann können Sie sicher sein, dass Sie einen Punkt getroffen haben. Wagen Sie es, sich mit Ihren und den von Ihren MitarbeiterInnen aufkommenden Bildungswiderständen auseinanderzusetzen. Das wird vieles klären, und eine vertrauensvolle Lernbasis schaffen. Selbsterkenntnis und ein gutes Stressmanagement gehört zum Lernmanagement dazu.
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  2. Prüfen Sie die Weiterbildung auf Sinnhaftigkeit/Motivation. Lernen ohne Sinn ist bloß wie ein Windhauch. Er kommt und geht, ohne etwas tiefgründig und nachhaltig zu hinterlassen. Im Moment des Windhauchs mag dieser für manche erfrischend sein, aber sobald dieser weg ist, ist alles beim Alten. Der Sinn und die Motivation begründet sich in der emotionalen Berührtheit von dem zu Erlernenden. Dazu gehören nicht bloß die Freude und der Spaß, sondern unter Umständen auch Frust, Ärger oder sogar Traurigkeit. Insbesondere die negativen Aspekte brauchen Verständnis. Aus dem heraus kann in Folge für das zu Erlernende sehr viel an zusätzlichem Wissen und Innovationen gewonnen werden.
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  3. Entwickeln Sie deshalb ein ganzheitlich ausgerichtetes Weiterbildungsprogramm inkl. Ergründung des individuellen Lerntyps gemeinsam mit dem Management und qualifizierten, erfahrenen BeraterInnen. Zum Lernen gehört Leidenschaft, Emotion und Körperlichkeit – der rationale Aspekt wird sich dann fast von selbst manifestieren bzw. im Hirn als Erinnerung abspeichern. Das entwickelte Lernprogramm sollte so individuell wie möglich ausgerichtet bzw. adaptierfähig sein. Man sollte die unterschiedlichen Lerntypen mit dem Fortbildungsprogramm erreichen können.
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  4. Geben Sie sich selbst und Ihren MitarbeiterInnen Zeit zum Üben, und schaffen Sie eine positive Fehlerkultur. Fehlermachen gehört zum Lernen dazu. Reflektieren Sie mit anderen über das zu Erlernende. Das Sprechen hilft, das neue Wissen besser, tiefgründiger und weitreichender zu verstehen, und darüber hinaus auch noch mögliche Blockaden oder gar Sinnfragen zu klären. Ebenso hilft es, ein handschriftliches Weiterbildungs-Tagebuch zu führen. Das Tippen in das Tablet/PC bringt kaum etwas.[18] Das kognitive und emotionale Erfassen der Zusammenhänge sind für das zu Erlernende unglaublich wichtig. Nur dann kann das neue Wissen wirklich greifen und sinnvoll wirken.
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  5. Nutzen Sie Erinnerungshilfen – in Form von Gegenständen, inneren Bildern oder auch durch KollegInnen und MitarbeiterInnen. Das neue Wissen geht in der Hektik vom Arbeitsalltag leicht wieder verloren. Allzu leicht lässt sich das Neue durch negative Gedanken wieder einschüchtern und verschwindet im Hintergrund. Gleichzeitig dient die Erinnerungshilfe auch unserer Gedankenkontrolle.
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Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] http://archiv.omnisophie.com/downloads/10.1007_s00287-011-0581-4.pdf. Am 2017-08-01 gelesen.
[2] https://www.haufe.de/marketing-vertrieb/online-marketing/social-media-ranking-deutsche-ceos-auf-dem-letzten-platz_132_419690.html. Am 2017-08-01 gelesen.
[3] https://www.haufe.de/marketing-vertrieb/online-marketing/social-media-ranking-deutsche-ceos-auf-dem-letzten-platz_132_419690.html. Am 2017-08-01 gelesen.
[4] https://christinaboesenberg.de/2016/10/29/aufsichtsrat-4-0/. Am 2017-08-01 gelesen.
[5] https://de.linkedin.com/pulse/deutschlands-chefs-noch-lernen-m%C3%BCssen-von-antje-neubauer-kemper. Am 2017-08-01 gelesen.
[6] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5233453/Lernen-statt-leiden. Am 2017-08-01 gelesen.
[7] http://www.n-tv.de/politik/Schwarzenegger-raet-Trump-zum-Lesen-article19959644.html. Am 2017-08-02 gelesen.
[8] https://blog-wagner-consulting.eu/foerderliches-management-statt-frust/.
[9] http://archiv.omnisophie.com/downloads/10.1007_s00287-011-0581-4.pdf. Am 2017-08-01 gelesen.
[10] http://www.focus.de/finanzen/videos/fuenf-stunden-regel-rezept-fuer-erfolg-bill-gates-warren-buffett-und-elon-musk-befolgen-eine-gemeinsame-regel_id_5770606.html. Am 2017-08-01 gelesen.
[11] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5233453/Lernen-statt-leiden. Am 2017-08-01 gelesen.
[12] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5233453/Lernen-statt-leiden. Am 2017-08-01 gelesen.
[13] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5233453/Lernen-statt-leiden. Am 2017-08-01 gelesen.
[14] http://karrierenews.diepresse.com/home/ratgeber/management/5225660/Selbstfuehrung-in-einer-komplexen-Welt. Am 2017-08-01 gelesen.
[15] http://blog.anneschueller.de/warum-die-alten-von-den-jungen-nicht-lernen-und-in-alten-strukturen-verharren/. Am 2017-08-01 gelesen.
[16] http://blog.anneschueller.de/warum-die-alten-von-den-jungen-nicht-lernen-und-in-alten-strukturen-verharren/. Am 2017-08-01 gelesen.
[17] http://archiv.omnisophie.com/downloads/10.1007_s00287-011-0581-4.pdf. Am 2017-08-01 gelesen.
[18] http://www.zeit.de/studium/uni-leben/2012-11/Manfred-Spitzer-Lernmythen. Am 2017-08-02 gelesen
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Achtsamkeit als Weg zum Erfolg?!

Achtsamkeit als Weg zum Erfolg - oder ein Missbrauch mit unangenehmen Folgen?!

Oder ein Missbrauch mit unangenehmen Folgen?!

Achtsamkeit ist nicht nur in der Gesellschaft „in“, auch im Wirtschaftskontext wird das Thema immer häufiger diskutiert – wie viele von Ihnen sicherlich merken. Der Zukunftsforscher Matthias Horx spricht ebenfalls davon, dass Achtsamkeit in den nächsten 20-30 Jahren in allen Lebensbereichen in der Gesellschaft und ebenso in der Wirtschaft prägend sein wird.[1]

Achtsamkeit reduziert nachweislich Stress, macht resilient und fördert die Empathie, die im 21. Jhdt. von Führungskräften immer ausdrücklicher gefordert wird.

Die größte Ausbreitung der Achtsamkeit geht auf das von Jon Kabat-Zinn aufgebaute Programm „Mindfulness Based Stressreduction“ (MBSR) zurück. Er hat den Stein ins Rollen gebracht, indem er aus der buddhistischen Achtsamkeitspraxis die grundlegenden Techniken so herausgeschält hat, dass diese für jeden Menschen handhabbar wurden, ohne in eine ethische oder spirituelle Grundsatzdiskussion hineinzurutschen.

Achtsamkeit heißt: Zur Besinnung kommen, sinnlich werden, die Sinnesorgane mit dem Bewusstsein anzusteuern und was dort hineinkommt, in das Bewusstsein zu nehmen. [2]

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Darüber hinaus hat Zinn das MBSR-Programm sukzessive durch eine fundierte wissenschaftliche Begleitforschung zu untermauern gesucht.[3] Die Achtsamkeitsbewegung hat eine Modewelle losgetreten, ähnlich wie vor 20 Jahren Wellness. Die ursprüngliche Definition von Wellness, die ganzheitliche Betrachtung und die miteinander verwobene Beziehung von Geist, Körper und Seele, ist heute jedoch in der Art kaum noch zu spüren. So kommt es, dass für ein steigendes Wellnessgefühl es scheinbar genügt, ein Wellness-Wasser zu trinken und Wellness-Socken zu tragen. So gesehen wird das, was Wellness ursprünglich zu bewirken versuchte, missbräulich verwendet.[4]

So stelle ich mir, in Anlehnung an andere, die Fragen:

  • Wird der Trend der Achtsamkeit nur dahingehend gefördert, die Selbstoptimierung noch stärker anzuregen, die eigene Performance noch eindrucksvoller zu verbessern, und den Egoismus noch mehr zu befriedigen?
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  • Besteht die Gefahr, dass der Trend der Achtsamkeit – ähnlich wie der Wellnesstrend – dazu missbraucht wird, einfach nur Umsätze zu steigern und Leistungen zu forcieren, ohne die Sinnhaftigkeit und die Folgen eines Turbo-Kapitalismus auf das Leben von Mensch und Natur in Frage zu stellen?
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  • Wie kann der ursprüngliche Antrieb der Achtsamkeit überleben, dass Achtsamkeit ähnlich wie Wellness dazu dient, den persönlichen Reifungsprozess in Verbindung mit einem nachhaltig ausgerichteten Verantwortungsbewusstsein zu begleiten?
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Bevor ich mich dem Achtsamkeitsboom kritisch annähere, möchte ich sagen, dass ich wie andere auch diesen Trend zuerst einmal erfreulich begrüße. Achtsamkeit ist meiner Erfahrung nach ein sehr guter Türöffner, um Stress zu reduzieren, gelassener und damit auch leistungsfähiger, wie auch konzentrierter zu agieren, und die körperliche wie auch emotionale Resilienz zu stärken.

Achtsamkeit als Leistungsantreiber oder weiser Ratgeber?

Wenn durch das Achtsamkeitstraining nicht nur die Selbstoptimierung im Fokus steht, sondern auch das „Du“, die Eingebundenheit und Unzertrennlichkeit von einem selbst mit anderen Menschen und der Natur zu begreifen versucht wird, dann kann ich Achtsamkeit aus besten Wissen und Gewissen empfehlen. Doch ich selbst weiß aus eigener Erfahrung, wie leicht man das Du, die ganzheitliche Betrachtung ohne ethisches Grundgerüst und ohne persönliche, erfahrende Begleitung in der Praxis aus den Augen verliert.

Achtsamkeit heißt, die Egozentrik des alltäglichen Ich-Bewusstseins zu überwinden, indem die egoistischen, emotionalen Antreiber wahrgenommen werden. [5]

Deshalb möchte ich niemanden verurteilen, der die Achtsamkeit vielleicht in einer missbräuchlichen Weise nutzt. Die im Netz angebotenen Meditations-Apps suggerieren das Bild, dass Achtsamkeitspraxis ganz einfach so mit Hilfe einer einfachen App in den Alltag integriert werden kann.[6] Bis zu einem gewissen Grad stimmt das. Es war zum einen gut, dass Jon Kabat-Zin die Achtsamkeitspraxis aus dem spirituellen Rahmen gelöst hat. Hätte er es nicht getan, so hätte die Achtsamkeitspraxis vermutlich kaum eine so weitreichende Anerkennung erfahren. Daran ist nichts verwerflich.

Doch ich nehme auch wahr, dass etwas fehlt. Dieser fehlende Teil ist mir, wenn ich ehrlich bin, erst durch meine Verbindung von Achtsamkeit und Kampfkunst so richtig bewusst geworden. Im Aikido-Training, wenn mir ein/e PartnerIn (Gegner) gegenübersteht, wird mir bewusst, wie Achtsamkeit in Verbindung mit dem Du wirkt. Was Achtsamkeit eigentlich heißt. Es bedeutet zu fühlen, geistig und körperlich zu verstehen, dass der Gewinn über einen anderen keinen Fortschritt bedeutet. Es geht nicht darum, besser zu sein, mächtiger zu sein, schneller zu sein, …

Es geht um das Wahrnehmen und Spüren, um die daraus entstehende Erkenntnis, woran man selbst und der andere gerade leidet, welche emotionalen Befindlichkeiten in einem selbst und beim anderen das Miteinander blockieren.

Wenn man das zu fühlen im Stande ist, dann wird aus dem Kampf ein verantwortungsbewusster Tanz. Dann öffnet sich das Feld der Kreativität und der verantwortungsbewussten, nachhaltig orientierten Ausrichtung für die Zukunft.

Es gibt keinen zweiten Planeten Erde

Bei dem Punkt, achtsames, verantwortungsbewusstes Handeln, denke ich an Philipp Blom, Historiker und Bestsellerautor. Er schreibt sehr eindrucksvoll über das Wirken der Menschen auf dem Planeten Erde. In seinem kürzlich erschienenen Buch „Was auf dem Spiel steht“ fragt er sich sehr eindringlich, wann die Menschen endlich bereit sind bewusst wahrzunehmen, was sie mit dem Leben auf ihrer Erde tun? Seinem Wissen nach steht der Mensch vor radikalen Umbrüchen. Klimawandel, Überbevölkerung sowie Raubbau an der Natur zerstören in einem kaum vorstellbaren Tempo den Lebensraum und das teilweise friedvolle Miteinander auf der Erde.[7]

  • Was hilft ein aktuelles Rekordwachstum, wenn in 30-50ig Jahren der Klimawandel, eine Folge vom Raubbau an der Natur, gespeist durch den Antrieb der Wirtschaft, dramatische Nachwehen für alle Menschen hat – ausnahmslos für alle? Jedes Unternehmen, jede Führungskraft, jede/r MitarbeiterIn wird betroffen sein.
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  • Was hilft ein gewinnträchtiges Wirtschaftsabkommen mit einzelnen afrikanischen Staaten bzw. mit einzelnen afrikanischen Clans, wenn damit in Folge Millionen AfrikanerInnen ihre Lebensgrundlage, die ohnehin mühsam ist, gänzlich verlieren? Ihr Leid wird immer handfester an die Türen Europas klopfen.
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Das sind nur 2 unangenehme Fragen. Es gibt noch weit mehr, die ich, wenn ich ehrlich bin, auch gerne verdränge. Die Gegenwart ist noch ganz gut. Die Zukunft wird es nicht mehr sein, so die klare Aussage von Blom. Deshalb negieren wir die Zukunft. Mag sein, dass ich hier ein wenig Schwarz male. Blom hat sich gleich zu Beginn in seinem Buch selbst zu ermuntern versucht, nicht so pessimistisch zu denken. Doch er ist aus seinem ganzen Wissen heraus zu dem Schluss gekommen, dass die Menschen anscheinend nicht bereit sind umzudenken.[8]

Ich persönlich hoffe, dass Blom mit seiner Hypothese nicht Recht behält. Ich wünsche mir, dass die Achtsamkeit im tiefgründigen Sinn als gesellschaftliche Bewegung wirksam wird. Dann ist es möglich, die Probleme der Welt gemeinsam zu lösen. Ich mag jetzt nicht pathetisch klingen. Ich versuche das Treiben der Wirtschaft faktisch neutral zu betrachten. Doch die Zukunftsprognosen, selbst jene von WirtschaftswissenschaftlerInnen, rühren und rütteln mich. Das lässt mich einfach nicht kalt. Mag sein, dass manche von Ihnen mich jetzt zu rührselig halten. Sie haben vielleicht andere Erfahrungen und Einsichten. Das ist gut so, und gemeinsam aus unterschiedlichen Perspektiven heraus entstehen weitere neue Einsichten. Das ist ebenfalls Achtsamkeit.

Achtsamkeit als Zukunftschance

So wie ich versucht habe, mir das Feld der Achtsamkeit zu erschließen, so verstehe ich Achtsamkeit als Türöffner, die eigenen inneren Dämonen besser kennen und führen zu lernen. Es sind diese inneren Dämonen, die ein Umdenken und neues Handeln verwehren.

Die inneren Dämonen wie Neid, Gier, Hass, Zweifel, Widerwillen, Trägheit, u.a. verzerren den klaren Blick auf das Leben. Diese Dämonen überreden, Dinge zu tun, die eigentlich einem selbst und anderen nicht gut tun.

Die Achtsamkeitspraxis hilft, diese Dämonen aufzuspüren und respektvoll in Schranken zu weisen. Genau genommen steckt hinter jedem Dämon Angst. Das ist meine Einsicht und Empfindung. Achtsamkeit hilft, die Angst liebevoll in den Arm zu nehmen, und den Dämonen zu zeigen, dass sie die Angst nicht mehr beschützen müssen. Die Angst selbst begründet sich darin, die tiefgründige Verbundenheit mit dem Leben verloren zu haben, die Kraft des Herzens nicht mehr zu spüren.

Achtsamkeit heißt zu verstehen, dass die eigene Befindlichkeit in Verbindung mit der Befindlichkeit der anderen gemeinsam agiert.[9] Ich lebe nicht getrennt von den anderen, sondern ich bin Du. Deine Gefühle wirken auf mich und umgekehrt. Wenn ich meine eigenen Gefühle nicht zu verstehen vermag, dann kann ich das noch weniger mit den Gefühlen der anderen, die aber auf mich wirken und mich beeinflussen.

Jeder, der die Achtsamkeitspraxis durchdringend als Weg der Selbsterkenntnis zu gehen versucht, wird jedoch andere Erfahrungen und Einsichten machen. Aber die meisten Praktizierenden werden vermutlich zustimmen, dass der Weg der Achtsamkeit nicht zur Effizienzsteigerung dient, sondern zur Steigerung der Menschlichkeit.[10] So gesehen ist die Herauslösung der Achtsamkeitspraxis aus dem spirituellen Rahmen ein wenig gefährlich. Damit geht eine elementare Einsicht verloren, die Verbundenheit mit der Schöpfung, der darin begründete Respekt vor der Natur, das verantwortungsbewusste gemeinsame Gestalten der Welt und der Gesellschaft.

Ich möchte in diesem Artikel keine ethischen Belehrungen abhalten. Das steht mir absolut nicht zu. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass ich selbst aus meiner Erfahrung heraus weiß, dass das Achtsamkeitstraining leicht missbräuchlich genutzt werden kann. Die Gefahr ist einfach sehr groß, diesen Missbrauch nicht zu merken. Das kann absolut niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Der Weg der Erkenntnis ist kein leichter Weg, und sollte meiner Meinung nach nicht losgelöst von einem spirituellen oder ethischen Grundgerüst, nur mit entsprechend einsichtiger und erfahrenen Begleitung zur Wirkung kommen. Ich weiß auch, dass gerade in Zeiten der Säkularisierung ein spirituelles Grundgerüst als Wegweiser sicher nicht gerne gesehen wird. Ethische Werte verlieren jedoch auch an Bedeutung.

Wohlstand frisst Werte – wenn die Wächter der Werte schlafen. [11]

So gesehen braucht es zusätzliche Übungen bzw. Reflexionen, die die Einsicht ermöglichen, dass die Selbstbezogenheit und Selbstfokussierung keinen echten Erfolg bringt. Ich persönlich konnte mit Hilfe von Aikido die Achtsamkeitspraxis vertiefen, und den möglichen Missbrauch aufdecken, bevor dieser zu stark zum Wirken kam. Es gibt sicher auch noch andere Wege, solche, wo man selbst mit einem Du in ehrlicher, offener Weise konfrontiert wird. Das ist meiner Erfahrung nach notwendig, ansonsten belügt man sich wieder selbst in dem eigenen, scheinbaren achtsamen Fortschritt.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[2] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[3] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[4] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[5] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[6] https://utopia.de/achtsamkeit-5-empfehlenswerte-meditations-apps-57123/. Am 2017-07-25 gelesen.
[7] https://files.hanser.de/hanser/docs/20170710_21771145219-117_978-3-446-25664-4-Leseprobe.pdf. Am 2017-07-25 gelesen.
[8] https://files.hanser.de/hanser/docs/20170710_21771145219-117_978-3-446-25664-4-Leseprobe.pdf. Am 2017-07-25 gelesen.
[9] https://www.researchgate.net/publication/317097836_Mindfulness_im_Alltag_und_in_Organisationen. Am 2017-07-24 gelesen.
[10] https://blog-wagner-consulting.eu/unerwartete-revolution/.
[11] Höhler, Gertrud: Jenseits der Gier. Vom Luxus des Teilens. Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin: 2005.

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Visionen zum Leben erwecken statt Ziele setzen

Visionen zum Leben erwecken statt Ziele setzen

Vor einer Woche habe ich über Ziele im Management bringen keinen Erfolg geschrieben. Zum einen stimmt es, dass heute – in VUCA-Zeiten – das Festhalten an starren Zielevereinbarungen Unternehmen zum Wanken bringt. Doch wie soll ein Unternehmen, das Management ohne Ziele handeln?

Vision als Realutopie

Es wird heute von relativen und flexiblen Zielvereinbarungen, statt fixer Ziele gesprochen. Doch das genügt meiner Erfahrung nach nicht, um das Unternehmen auf Kurs zu halten, bzw. das Unternehmen erfolgreich durch die Stürme der VUCA-Zeiten zu führen. Meinem Empfinden nach fehlt es an gelebten Visionen. Visionen werden zwar oft von Unternehmen formuliert, aber gelebt werden diese kaum.

  • Das Problem liegt zum einen an der greifbaren Formulierung klarer Visionen. Die meisten wissen streng genommen nicht, was eine Vision eigentlich ist.

  • Zum anderen werden in Verbindung mit den Visionen Zielvereinbarungen, die meinem Wissen und meiner Erfahrung nach den Visionsumsetzungsprozess tatkräftig unterstützen, falsch gesetzt. Visionen werden allzu oft mit Zielen bzw. Unternehmensstrategien verwechselt.

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Die Vision wächst aus einer religiösen bzw. philosophischen Erkenntnis heraus. Es ist eine Offenbarung, eine Verkündigung bzw. eine Idee. Es ist eine gedankliche Erscheinung, die die Wirklichkeit aus einer anderen Perspektive zu betrachten vermag, und damit den Weg in die Zukunft in anderer Weise zu denken im Stande ist.[1] Reinhold Messner, der Grenzgänger und Erfinder einer effizienten Logistik, versteht es so:

Der Wert einer Lebensform und damit auch einer Vision und den darin begründeten Teilzielen ist zu bemessen an ihrer Nachhaltigkeit, an ihrem internen Veränderungspotential, und am Reichtum und Wohlbefinden des Ganzen.[2]

Was macht eine erfolgsversprechende Vision aus

Zum Einstieg kann dazu gesagt werden, dass das Silicon Valley nicht aufgrund des Technologie-Know-Hows europäischen Firmen voraus ist, sondern mehr Mut zu Visionen zeigt.[3]

Visionen tun weh, und wenn Visionen auf ein freundliches Kopfnicken stoßen, dann sind es keine Visionen, sondern Binsenweisheiten.[4]

Eine Vision zu haben, bedeutet genau zu wissen, wie man die Welt verändert haben möchte. Die Vision von Facebook lautet, jeden mit jedem zu vernetzen. Airbnb will die Welt gastfreundlicher gestalten, Google möchte der ganzen Welt alle Informationen zugänglich machen, und Uber will shared rides als Hauptverkehrsmittel etablieren. Eine Vision zu haben, bedeutet jedoch noch nicht, dass das Unternehmen besonders sozial oder idealistisch ausgerichtet sein muss.[5] Aber gerade in Bezug auf soziale Visionen zeigt sich, wie dynamisch und aussichtsreich Visionen sein können, wie beispielsweise bei Nelson Mandela, Martin Luther King oder Mahatma Gandhi.

Hier stellt sich mir die Frage, was konkret diesen Persönlichkeiten die Kraft gegeben hat, ihre Visionen zu finden, und daran zu glauben:

  1. Zum einen war es vielleicht die Fähigkeit, die kindliche Energie zu bewahren, der unbeirrbare kindliche Glaube, trotz großer Hindernisse etwas erreichen zu können[6], gepaart mit der kindlichen Experimentierfreudigkeit und Kreativität neue Wege zu finden. Im Management gibt es da und dort Anstöße, dieses in der Kindheit so kraftvolle Tun zu reaktiveren. Neue Denkschulen, wie Design Thinking und Art Thinking, versuchen die mit dem kindlichen Vermögen verbundenen Ressourcen wieder in Aktion zu bringen.

  2. Neben der Kreativität und Experimentierfreudigkeit brauchen Visionen zugleich die Kraft des Nicht-Denkens. Angelehnt an die Worte von Reinhold Messner werden Visionen durch das Vordenken im Nicht-Denken[7], durch die achtsame Aktivierung der nicht-dominanten Gehirnhälfte zum Wirken gebracht, durch die Intuition genährt. Genau genommen ist das ebenfalls eine kindliche Fähigkeit. Die Intuition der Erwachsenen unterscheidet sich jedoch von jener der Kinder. Die Intuition verstärkt sich im Laufe des Lebens durch die täglich anwachsenden Erfahrungen und Eindrücke, und begleitet Erwachsene dadurch in anderer Weise als die Kinder. Leider ist der Zugang bei den Erwachsenen zu ihrer Intuition, zu ihrem Bauchgefühl, aufgrund der Überbewertung der rationalen Fertigkeiten der dominanten Gehirnhälfte, nur selten klar und deutlich zu spüren.

  3. Darüber hinaus verlangen Visionen eine Art Opferbereitschaft, das Verlassen der Komfortzonen. Gerade dieser Punkt, das Verlassen der Komfortzonen macht Eindruck auf andere. Damit gewinnt man Anerkennung, wird Vorbild und lädt zum Nachahmen ein. Entscheidend ist somit auch, in welcher Weise die Vision bzw. die mit der Vision einhergehenden Ziele angeordnet werden. Es macht einen unfassbaren Unterschied, ob die Visionen von den VisionsträgerInnen selbst gelebt und aus tiefer Überzeugung heraus gemeinsam mit den anderen aufgebaut, oder nur rein formal, technisch von „Oben herab“, aus der Komfortzone heraus, ohne Selbstbetroffenheit und Gefühl angeordnet werden.[8]

Mut, so wie dieser im Silicon Valley gerne als Visionsträger propagiert wird, ist in Bezug auf Visionen nur ein Aspekt. Angelehnt an Reinhold Messners Erfahrung als Visionär und Grenzgänger bedarf es für erfolgsversprechende Visionen eines brauchbaren Managements mit Bezug zu einer lebenswerten Welt.

Wer Verantwortung für Menschen und Güter trägt, sollte sich die Zukunft eindringlich vor Auge halten.[9]

Visionen dienen u.a. dazu, die Zukunft im Gesamtblick zu erfassen, sich über die Zukunft Gedanken zu machen, nicht bloß über den eigenen Erfolg und den Erfolg des Unternehmens, sondern auch über die Umwelt, die Gesellschaft und die Folgen des eigenen Handelns in Bezug auf die Umwelt. Doch zu oft wird bloß in kurzen Zeitintervallen und begrenzt auf Eigenerfolg die Zukunft berechnet. Ressourcen wie Zeit, Energie und Geld werden dabei verschwendet.[10]

Das stößt mich an, daran zu erinnern nicht gleich die Schuldigen zu suchen oder in einen neuen Aktionismus zu verfallen, sprich Ziele abschaffen und Visionen schaffen. Zum einen muss man sagen, dass die Bemühungen im Management, es besser zu machen, ohnehin groß sind. Es mangelt vielmehr an neuen Tools und qualitativ hochwertigen Hilfestellungen, die neuen Tools verantwortungsbewusst zum Einsatz zu bringen. Die neuen Tools, wie beispielsweise Design Thinking, Art Thinking, Achtsamkeit können nicht wie die bisherigen, meist nur rational ausgerichteten Management-Werkzeuge, in einem 1-3 Tages-Workshop erlernt werden. Die neuen Tools, worunter auch die Visionssuche fällt, benötigen eine äußerst erfahrene, ganzheitlich geschulte Begleitung. Die neuen Tools wirken eben nicht nur auf der rationalen, sondern auch auf der emotionalen Ebene.

Visionssuche wagen

Visionquest als Visionsaufbauinstrument wird kaum in Unternehmen angewandt. Die Visionssuche ist im ethnologischen Sinn eine spirituelle Praxis zur Erlangung tieferer Lebenseinsichten.[11] Der Ablauf ist ziemlich einfach: Es wird ein Ort gesucht, an dem die Suchenden ungestört sein können, dem Himmel in gewisser Weise näherkommen. Man verbringt dann eine gewisse Zeit ganz alleine mit sich und den Fragen für die Zukunft. Die Nahrungsaufnahme wird ebenfalls reduziert. Man übt sich verstärkt in der Achtsamkeit, der Meditation. Man reinigt seine Gedanken, seinen Körper und öffnet sich für das Ganze, für das Leben im umfassenden Sinn. Das ist der Punkt, an dem die Vision bereit ist sich zu zeigen. Das Privatissimum, die Klausur, die ich bei Anfrage maßgeschneidert und diskret begleite, wirkt in sehr ähnlicher Weise.

Mag sein, dass Sie diese Art und Weise neue Ideen zu generieren abschreckt. Das ist durch und durch normal. Denn nur wenige Menschen im Management wagen den Blick über den Tellerrand in das Feld der allzu gerne als esoterisch abgestempelten Wirkungsmechanismen. Das kann niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Das ist die gängige Praxis und alle, die es anders machen, werden vielleicht sogar als Spinner abgestempelt. Doch vielleicht sollte man es wagen, die Vision anzudenken, das Management neben all dem rationalen, technischen Know-How auch in Intuition, u.a. mit Hilfe von spirituellen Erkenntniswegen, zu bilden. Ich wage das kaum so zu formulieren. Doch wenn ich über Visionen schreibe, so sollte ich mir selbst auch eingestehen, inwieweit ich es wage, Visionen auszudrücken. So stelle ich mir selbst und Ihnen die Frage:

Was ist der größtmögliche positive Wandel in der Welt, den wir Kraft unserer Leidenschaft und Ressourcen bewirken können?

Mit dieser Frage möchte ich diesen Artikel beenden. Mir ist bewusst, dass ich heute vielleicht mit meinem Andenken einer intuitiv ausgerichteten Vision für das Management einige unter Ihnen abschrecke. Das nehme ich mit großem Respekt an. In einer rational ausgerichteten Welt verunsichert das Nicht-Rationale enorm. Das Rationale gibt Schutz, das Altbekannte verbindet die Menschen, und jeder der sich auf etwas Neues einlässt, verliert das Vertraute und auch die Anerkennung und den Schutz der Gemeinschaft. Vielleicht muss dieser Punkt, diese Einsicht: Angst davor zu haben, als Outsider abgestempelt zu werden, und damit evtl. Macht, Einfluss und Schutz zu verlieren, vertrauensvoll mit sich selbst geklärt sein, bevor irgendein Tool zur Verbesserung der Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Einsatz kommt.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Erscheinung. Am 2017-07-17 gelesen.
[2] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG. München: 2010.
[3] http://t3n.de/news/vision-744637/. Am 2017-07-17 gelesen.
[4] http://t3n.de/news/vision-744637/. Am 2017-07-17 gelesen.
[5] http://t3n.de/news/vision-744637/. Am 2017-07-17 gelesen.
[6] http://t3n.de/news/vision-744637/. Am 2017-07-17 gelesen.
[7] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG. München: 2010.
[8] Angelehnt an einen Kommentar aus meinem Artikel: Ziele im Management bringen keinen Erfolg – warum?
[9] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. 6. Auflage. BLV Buchverlag GmbH & Co. KG. München: 2010.
[10] http://www.christianhaak.de/blog/details/article/strategie-veraenderung-heute-wie-wir-aus-visionen-wirklichkeit-werden-lassen/. Am 2017-07-17 gelesen.
[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Visionssuche. Am 2017-07-18 gelesen.

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