Ziele im Management bringen keinen Erfolg – warum?

Ziele im Management bringen keinen Erfolg – warum?

Steuerbarkeit und fixe Jahrespläne sind in der modernen Wirtschaftsgesellschaft eine gefährliche Illusion.[1]

Komplexität, Agilität, flache Hierarchien sind durch das Aufstellen und Verfolgen eines Jahresplanes nicht erfolgreich zu bewältigen. Die meisten ManagerInnen schwören jedoch noch immer auf Zielvorgaben, wie sie von den Managementpionieren zu Beginn des Industriezeitalters erfolgreich angewandt wurden. Aber in VUCA-Zeiten sind Zielvereinbarungen Zeitverschwendung, unproduktiv und erfolgsmindernd, so die Erkenntnis von Niels Pfläging, Managementberater.[2]

Die meisten Managementsysteme orientieren sich stark an der vermeintlichen Messbarkeit von Wirtschaftlichkeit und Erfolg. Den komplexen Wirkungsmechanismen menschlicher Interaktionen können sie jedoch nur sehr begrenzt gerecht werden.[3]

So paradox es scheint, doch gerade jetzt, in Zeiten der Digitalisierung, sind die menschlichen Wirkungsmechanismen im Business überlebenswichtig und damit erfolgsgebend. Doch das erfordert ein deutliches Umdenken im Management.

read more

Das Management hält jedoch verbissen an den veralteten Tools der Zielvereinbarungen fest – vermutlich, weil das Führen nach festen Zielvorgaben offensichtlich noch immer ganz gut funktioniert, aber darüber hinaus auch die persönlichen Ziele der Führungskräfte, Macht, Prestige, Ruhm und Ehre nährt.[4]

Das erklärt, warum eine Veränderung im Management Widerstand auslöst. Das soll jetzt keine Schuldzuweisung sein. Das ist einfach menschlich, so wie ich es versucht habe, in meinem Artikel über Macht verständlich zu machen. Doch sich auf Dauer dem Widerstand beugen, das wird nicht die Lösung sein, um die Herausforderungen und Probleme der VUCA-Zeit in den Griff zu bekommen.

Wir reiten auf einem Pferd, das seit Beginn des Informationszeitalters längst tot ist.[5]

Irgendwann wird die Erfolgsstrategie eines kontrollierten, hierarchisch aufgestellten Management mit fix vorgegebenen Zielvereinbarungen kippen – und dann ist es vielleicht für das Unternehmen zu spät.[6] Die Art, wie sich Märkte entwickelt haben – schnelllebig, komplex, überraschend – kann ohne Implementierung einer neuen Managementkultur, ohne Kollaboration in flachen Hierarchien, mit Demut, ohne starren Zielen und einer positiven Fehlerkultur nicht erfolgsversprechend bewältigt werden. Doch der klassische Managementstil hat lange gut funktioniert, und so ist es für viele schwierig sich vorzustellen, dass es auch Alternativen gibt, die darüber hinaus auch noch gut wirken.[7]

Wir sind für die Wurzeln der Probleme blind, weil die Symptome uns hypnotisieren.[8]

Doch niemanden in den Führungskreisen kann ein Vorwurf gemacht werden. Solange die Aus- und Weiterbildung nur an den Symptombehandlungen arbeitet, wird sich an den Wurzeln der Probleme nicht viel ändern. Wenn Sie meine Beiträge schon länger verfolgt haben, dann wird Ihnen vielleicht jetzt in den Sinn kommen, dass ich in meinen Beiträgen oft die menschliche Komponente erwähne, die leider zu selten bei der Problembewältigung Berücksichtigung findet.

Das Potential, das uns Menschen gegeben ist, Empathie, Achtsamkeit, Mitgefühl, wird als Managementtool leider kaum explizit angesprochen und vermittelt. Die Führungskräfte können daher dieses Wissen, und die damit verbundenen Erfahrungen kaum entwickeln und weitergegeben – selbstverständlich mit einigen Ausnahmen.

Zu groß ist der Widerstand sich den Veränderungen zu stellen, die tatsächlich gefordert werden. 90 Prozent der PersonalerInnen müssten ihr Instrumentarium abschaffen und die Dinge grundlegend anders anpacken.[9]

Zu gerne beruft man sich auf die Aussage: Es muss funktionieren, denn die anderen machen es auch noch so. Unternehmen, die ohne fixe Ziele, mit flachen Hierarchien, kollaborativ, achtsam und mit einer positiven Fehlerkultur agieren, sind Ausnahmen – darunter fällt die Drogeriekette DM, wie auch Google und Toyota.[10]

Der Sinn der Verwendung von Zielsystemen, die mit individuellen Vergütungen verknüpft sind, werden kaum in Frage gestellt und wenn, dann zeigt sich rasch Widerstand. Dabei kann eindeutig belegt werden, dass selbst bei bester Implementierung und Gestaltung von Zielmanagementsystemen die erwarteten positiven Effekte nicht erreicht werden können, weil diese Systeme auf 4 grundsätzlichen Irrtümern beruhen [11]:

Irrtum 1: Zielmanagement kostet wenig und bringe viel

Irrtum 2: Individuelle Ziele tragen zum Unternehmensziel bei

Irrtum 3: Vergütung individueller Ziele fördert Visionen

Irrtum 4: Zielsysteme können maßgeschneidert werden

Die vor rund vier Jahren herausgebrachte Studie des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung München (ISF) kann belegen, dass mit Management by Objectives (MbO) die Leistung nicht verbessert wird, sondern sich damit der Stress und Leistungsdruck für MitarbeiterInnen, wie auch Führungskräfte erhöht, was die angeblichen positiven Wirkungen eindeutig in den Hintergrund drängt. Führungskräfte nutzen Ziele vielmehr als Macht- und Kontrollinstrument, verwalten diese wie Soll-Ist-Analysen und entfernen sich damit von der menschlichen Komponente.[12]

Das kann, wie ich schon mehrfach erwähnt habe, keinem/keiner der Führungskräfte vorgeworfen werden. Das Management wie es gelehrt und weitergegeben wird, wagt es noch zu selten die menschlichen Aspekte als Führungs- und Zielerreichungswerkzeug anzuwenden.

Wolfgang Vieweg, Unternehmensberater und Professor für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen und Wirtschaftsethik an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, spricht ebenfalls sehr deutlich davon, dass das Setzen von Zielen reichlich unproduktiv sei, und den Anforderungen unserer flexiblen Zeit nicht mehr entspreche. Vieweg sieht im Modell „Management by Options“ die Chance, das Unternehmen erfolgsversprechend durch die schnelllebige Wirtschaft zu lenken.[13]

Die Welt verlangt von uns, dass wir uns weniger darauf fokussieren, wie wir etwas dazu zwingen können, in unsere Pläne zu passen. Stattdessen müssen wir uns darauf fokussieren, miteinander in Beziehung zu sein, und uns in die Erfahrung zu begeben, um zu bemerken, was daraus entsteht. Wir werden also aufgefordert teilzunehmen, statt zu planen.[14]

Doch die meisten Führungskräfte fühlen sich ohne Vorhersagungen und Zielplanungen eher hilflos. Deshalb halten viele am Plan fest, anstatt der Wirklichkeit zu folgen – mit unangenehmen Nebenwirkungen. Man versucht die Planerfüllung mit Kniffen und List entsprechend zu manipulieren. Im Kleinen wie im Großen wird geschoben und paktiert.[15] So wird das Lügen im Management u.a. auch zur Zielerreichungsstrategie.[16]

Doch wie schon mehrfach erwähnt, es macht keinen Sinn die Führungskräfte an den Pranger zu stellen. Es zeigt sich ohnehin, dass ein Umdenkprozess im Laufen ist. Gleichzeitig lösen diese neuen Bewegungen im Management Widerstand aus. Das verlangt respektvolle Einsicht von denen, die ein Umdenken fordern und couragiertes Vertrauen von jenen, die noch im Alten feststecken. Das kann nicht von einer Stunde zur anderen in das Handeln implementiert werden, wie beispielsweise ein Update am PC, das meist rasch ein Problem zu lösen vermag.

Ich sehe den Hype bzw. die neue Erfolgsstory, keine Ziele vorzugeben, um fit zu bleiben und am Erfolg in Zukunft teilhaben zu können, mit geteilter Aufmerksamkeit. Zum einen muss ich Recht geben, dass die Planwirtschaft als solche nicht mehr zeitgemäß ist. Zum anderen kann aber auch nicht von einem Tag zum anderen ein eingespieltes System auf Knopfdruck verändert werden. Für viele Führungskräfte, und auch MitarbeiterInnen haben Ziele eine Art Ankerfunktion, sie geben ihnen Orientierung.[17]

Ich sehe den ersten Schritt hin zur Lösung nicht darin, Ziele einfach aufzugeben und stattdessen Optionen zu setzen, sondern ins Spüren zu gehen. In meinem Artikel „Berge versetzen im Management“[18] habe ich darübergeschrieben, wie oft wir dem Irr-Glauben erliegen, wir müssten alles rational und effektiv mit bestmöglicher Fachkompetenz und genauer Zielfokussierung lösen, und vergessen dabei die stärkste Kraft zu nutzen – unsere Empathie, Mitgefühl, Liebe.

Eine zum Einsatz gebrachte Sinnökonomie, das gemeinsame Miteinander vom Was (Prozesse, Tools), Wie (Haltung, 5R) und Warum (Sinn, Motivation) in Verbindung mit Achtsamkeitsschärfung kann helfen, die vermutlich immer stärker werdenden Zweifel und Unsicherheiten im Management zu reduzieren bzw. den Mut aufzubringen, die menschliche Komponente, die Gefühle, in das Business einfließen zu lassen. Damit kann das krampfhafte Festhalten an Vorgaben gelöst werden, und Herausforderungen mit Offenheit, Flexibilität und Kreativität gemeistert werden. Mit Zielen verhält es sich ähnlich wie mit Veränderungsprozessen: 60-70 Prozent scheitern bzw. gehen am Ziel vorbei – warum[19]?

Es fehlt die Verbindung von Kopf und Herz.

Wir alle erliegen dem menschlichen Bedürfnis, Kontrolle in einer letztlich unkontrollierbaren Welt zu behalten. Angst, Unsicherheit, Widerstand sind unsere täglichen Begleiter und allzu oft auch unsere Entscheider. Doch Achtsamkeit kann den Verführungen und damit verbundenen Fehlhaltungen widerstehen. Achtsamkeit kann eine couragierte Begleitung werden, die im Stande ist uns verantwortungsvoll durch die Stürme des Business, durch die Stürme des Lebens zu führen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/zielvereinbarungen-ohne-plan-geht-s-auch-11039847.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[2] http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/zielvereinbarungen-ohne-plan-geht-s-auch-11039847.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[3] http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/zielvereinbarungen-ohne-plan-geht-s-auch-11039847.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[4] https://www.lean-knowledge-base.de/falsche-ziele-fuehren-in-die-falsche-richtung/. Am 2017-07-12 gelesen.
[5] https://www.karriere.at/blog/fuehren-ohne-ziele.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[6] http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/arbeitswelt/zielvereinbarungen-ohne-plan-geht-s-auch-11039847.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[7] https://www.karriere.at/blog/fuehren-ohne-ziele.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[8] https://www.karriere.at/blog/fuehren-ohne-ziele.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[9] https://www.karriere.at/blog/fuehren-ohne-ziele.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[10] https://www.karriere.at/blog/fuehren-ohne-ziele.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[11] http://www.manager-magazin.de/harvard/a-615605.html. Am 2017-07-11 gelesen.
[12] https://www.business-wissen.de/artikel/fuehrungsinstrument-fuehren-mit-optionen-statt-mit-zielen/. Am 2017-07-11 gelesen.
[13] https://www.business-wissen.de/artikel/fuehrungsinstrument-fuehren-mit-optionen-statt-mit-zielen/. Am 2017-07-11 gelesen.
[14] Laloux, Frederic, Reinventing Organizations. Ein Leitfaden zur Gestaltung sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit. Verlag Franz Vahlen GmbH. München: 2015. S.214.
[15] https://www.lean-knowledge-base.de/falsche-ziele-fuehren-in-die-falsche-richtung/. Am 2017-07-12 gelesen.
[16] https://blog-wagner-consulting.eu/berge-versetzen-im-management/.
[17] https://www.business-wissen.de/artikel/fuehrungsinstrument-fuehren-mit-optionen-statt-mit-zielen/. Am 2017-07-12 gelesen.
[18] https://blog-wagner-consulting.eu/berge-versetzen-im-management/.
[19] http://se.linkedin.com/pulse/unser-immer-schnelleres-leben-schreit-danach-sich-wieder-sara-weber. Am 2017-07-12 gelesen.

reduce text

Die unerwartete Revolution in Unternehmen

Mindfulnesspraxis - die unerwartete Revolution in Unternehmen

Der Industriekonzern Thyssen-Krupp, das Technologieunternehmen Siemens und die Deutsche Telekom baten Peter Bostelmann, tätig bei SAP, um Unterstützung.[1] Doch was tut Bostelmann konkret, was für diese Konzerne und andere Unternehmen so interessant ist?

Mindfulnesspraxis

Peter Bostelmann war ein effizienter Zahlenmensch und ist heute „Director of SAP Global Mindfulness Practice“, sprich Achtsamkeitsdirektor. Er ist hauptberuflich dafür zuständig, SAP-MitarbeiterInnen weltweit beizubringen, wie man richtig entspannt – das glatte Gegenteil von dem, was die Silicon-Valley-Kultur nach außen hin ausmacht. Anfangs gab es Skepsis, doch dann hat sich die Achtsamkeitspraxis im Konzern zu einem Flächenbrand ausgeweitet. Das Programm ist fünf Jahre alt, und 5500 SAP-MitarbeiterInnen stehen auf Wunsch auf der Meditations-Warteliste. Bostelmann wird von 24 TrainerInnen und 50 BotschafterInnen an 20 Standorten unterstützt.[2]

Bei SAP beginnen viele Meetings jetzt mit einer Minute Atmen – Erdung, wie Bostelmann es nennt.[3]

Es muss einen Grund geben, warum dieses Training bei MitarbeiterInnen, wie auch beim Management so gut ankommt. Eine Studie von SAP zeigt sehr transparent, dass die durch das Achtsamkeitstraining geschulten MitarbeiterInnen seltener krank sind, engagierter, fokussierter, kreativer arbeiten und mit ihren Vorgesetzten besser klar kommen, im Vergleich zu jenen, die dieses Achtsamkeitstraining nicht absolviert haben.[4] Auch die Studie des drittgrößten amerikanischen Krankenversicherers Aetna konnte belegen, dass mit Hilfe von Meditation im Arbeitsalltag die Krankheitskosten um 7 Prozent gedrückt werden können.[5]

read more

Bostelmann orientierte sich mit seinem Mindfulnesstraining an Chade-Meng Tan, der bei Google das Achtsamkeits-Programm „Search Inside Yourself“ eingeführt hat. Tan´s Programm besteht aus drei Schritten:[6]

  1. Aufmerksamkeitsschulung

  2. Selbsterkenntnis und Selbstbeherrschung

  3. Nützliche geistige Gewohnheiten

Als kleine Gedankenstütze bzw. als Einstieg zu diesem Thema möchte ich 3 Aspekte der Achtsamkeitspraxis, angelehnt an meinen Artikel „Slowness wird der Trend der Zukunft …“, anführen:[7]

  • Achtsamkeit beginnt im Kleinen. Dabei, bewusst wahrzunehmen, was jetzt gerade in diesem Moment passiert – im Außen und im Inneren. Beispielsweise Sie lesen diesen Artikel. Sie nehmen wahr, dass Sie vielleicht zu schnell lesen, dass Sie vielleicht mit den Gedanken abschweifen und beim nächsten Meeting sind, oder sich über den Artikel ärgern.

  • Achtsamkeit kann mit Hilfe Ihres Körpers relativ schnell erfasst werden. Ihr Atem, Ihre Sitzhaltung, Ihre angespannten oder zu schlaffen Muskeln, Ihre gebeugte Haltung, Ihre hochgezogenen Schultern, ein mögliches Bauchzwicken, … zeigen Ihnen sofort in diesem Moment, was jetzt gerade los ist. In diesem Moment entsteht eine Lücke im Denken. Das eröffnet für einen Moment einen erweiterten Denk- und Handlungsraum.

  • Das klingt eigentlich sehr einfach. Doch die Achtsamkeit wird durch 5 Aspekte gehindert bzw. verzerrt, die jeden von uns zu jeder Zeit beeinflussen und begleiten. Deshalb bedarf es einer Schulung, so wie es Tan und Bostelmann erfolgreich bei Google und SAP initiieren.

Auch Apple, BASF, Vodafone oder DM, um nur einige zu nennen, nutzen Meditation, um die Selbstwahrnehmung sowohl der MitarbeiterInnen als auch der Führungskräfte zu stärken, Konflikte besser zu lösen, zielfokussierter zu arbeiten und akzeptable, wertebewusste und nachhaltig wirksame Entscheidungen zu treffen.[8] Der Lebensmittelkonzern General Mills gilt sogar als Musterbeispiel für einen Konzern, der Meditation und Yoga in die Firmenkultur integriert. Die Nachfrage war dort so groß, dass das Unternehmen veranlasst hat, ein eigenes Institut zu gründen. Zu ihren Kunden zählen u.a. Procter & Gamble wie auch die US Airforce.[9]

Doch in der deutschen Firmenwelt ist die Achtsamkeitspraxis noch relativ wenig verbreitet. Es hat einen religiösen Beigeschmack, und schreckt deshalb viele Unternehmen ab. Schade, denn der persönliche und auch unternehmerische Gewinn, und damit meine ich nicht bloß den finanziellen, sondern viel mehr auch den Wohlfühlgewinn und die psychische Gesundheit kann mit Achtsamkeitspraxis im Berufsalltag deutlich verbessert werden. So sagt Ray Dalio, Gründer des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater Associations:

Wenn ich meditiere, dann öffnet sich mein Geist, es entspannt und erdet mich. Meditation war mehr als alles andere in meinem Leben der wichtigste Faktor für jeden Erfolg, den ich hatte.[10]

Kurt Faller, Management-Coach, bewertet die bisher laufenden Achtsamkeits-Programme grundsätzlich positiv, doch von einem „Achtsamen Management“ kann bei vielen noch nicht gesprochen werden. Dafür müssen drei Ebenen der Achtsamkeitspraxis ineinandergreifend wirken:[11]

  • Die Ebene der Selbstführung

  • Die Ebene des achtsamen Führens

  • Die Ebene der organisierten Achtsamkeit

Die Ebene der Selbstführung, und damit insbesondere der persönlichen Stressbewältigung, ist meiner Meinung und Erfahrung nach grundvoraussetzend, damit die beiden anderen Ebenen darauf aufbauend bzw. ineinandergreifend wirken können. Denn ohne Selbsterkenntnis und der damit zusammenhängenden Einsicht über die emotionalen Befindlichkeiten und empathischen, mitfühlenden Empfindungen für andere, ist der Weg hin zu einem achtsamen Führen nicht offen. Tan will mit Achtsamkeit ebenfalls nicht nur die Leistung der MitarbeiterInnen steigern, sondern auch helfen, das Gute in jedem zu finden – ebenso in den Führungskräften. Deshalb lautet Tans Jobbeschreibung: Gemüter erleuchten, Herzen öffnen, Weltfrieden schaffen.[12] Genau dieser Ansatz mag zwar viele im Management abschrecken, aber genau darum geht es eben auch.

Es geht nicht bloß um Effizienzsteigerung mittels Achtsamkeit, sondern auch um Steigerung der Menschlichkeit im Arbeitsprozess. Die beiden Seiten gehören zu ein und derselben Medaille.

So hat laut einer weltweiten Studie von Regus, dem weltweiten Führer von innovativen Arbeitsplatzlösungen, seit Beginn der Wirtschaftskrise der Stress am Arbeitsplatz deutlich zugenommen. Es heißt in dieser Studie, dass die zunehmende Gewinnfixierung der Unternehmen für 35% der ArbeitnehmerInnen in Deutschland einen erheblichen Stressfaktor darstellt. Eine Studie der AOK zeigt die Auswirkungen ebenso deutlich mit den Folgen, dass daraus in Deutschland jährlich ein wirtschaftlicher Schaden von mindestens acht Milliarden Euro entsteht.[13]

Die Studie des Managementzentrums St. Gallen belegt, dass 82% der Führungskräfte die Notwendigkeit für einen radikalen Richtungswechsel im Management einsehen und für unabwendbar halten. Bostelmann, Tan, u.a. sind vielleicht die VorreiterInnen und Vorbilder einer möglicherweise weltweit anbahnenden Strömung. Auch der Management-Denker Fredmund Malik fordert eindringlich ein Umdenken im Management, um mit der Komplexität und den Herausforderungen menschenwürdiger umzugehen.[14] Lt. Bostelmann ist das der Anfang einer neuen Arbeitsweise. Statt auf dem Smartphone Fotos mit Filtern zu überziehen und auf Likes zu warten, werden die Menschen beispielsweise in der U-Bahn sich in Achtsamkeit üben, die Augen schließen und ruhig atmen.[15]

Zum Abschluss von diesem Artikel möchte ich Sie einladen, 2 geführte Mediationen kennenzulernen, die bei ausreichender Praxiserfahrung helfen in stressigen bzw. unangenehmen Situationen Ruhe und Klarheit zu finden. In diesem Artikel schreibe ich nur ganz kurz, um was es geht. Wenn diese Meditationen mit Hilfe eines erfahrenen Trainers/Trainerin gut verinnerlicht sind, dann genügen bei Bedarf wenige Sekunden um deren Wirkung zum Einsatz zu bringen. Das heißt aber auch nicht, dass bei Verinnerlichung der Praxis, die Wirkung für immer vorhanden ist, und man jederzeit auf Abruf darauf zurückgreifen kann. Es ist mit der Achtsamkeit so wie bei SportlerInnen. Es braucht ein regelmäßiges Training, um die Kondition halten zu können. Am Anfang benötigt jedes Training vielleicht mehr Engagement, aber irgendwann gehört es zum Lebensalltag. Dann kann Achtsamkeit wirklich äußerst kraftvoll wirken.

2 Beispiele geführter Mediationen

Seemeditation

Tan führt seine Achtsamkeits-KursteilnehmerInnen beispielsweise zu der Vision eines klaren Bergsees. Ich kenne diese Vision von Jon Kabat Zin, emeritierter Professor an der University of Massachusetts Medical School in Worcester. Bei der Achtsamkeitsübung „See“ lernt man, die Ruhe in der Tiefe eines Sees wahrzunehmen. Man nimmt wahr, wie beispielsweise die Oberfläche des Sees durch ein Gewitter stark in Unruhe ist. Man merkt, dass man jedoch nicht an der Oberfläche bleiben muss. Der See besteht eben nicht nur aus der Oberfläche, sondern geht auch in die Tiefe. Und in der Tiefe des Sees bleibt es beispielsweise trotz Gewitter ruhig.

Diesen inneren Ort der Stille kann man bei ausreichender Meditationserfahrung in Stresssituationen auf Abruf aktivieren.

Bergmeditation

In ähnlicher Weise wirkt die Bergmeditation von Jon Kabat Zin. Hier geht man in die Vorstellung ein Berg zu sein, fest wie ein Berg in der Umwelt zu stehen, mit einer kraftvollen Mitte. Es mag sein, dass ein starker Sturm um den Berg weht. Es mag sein, dass die Sonne unangenehm auf den Berg brennt. Unerschütterlich mit Ruhe übersteht der Berg jedes Ereignis. Im Gegenteil, der Berg erfreut sich an den Abenteuern, weil er weiß, nichts kann ihn in der Tiefe wirklich erschüttern. Er steht fest verankert im Boden, an seiner Oberfläche mag es Unangenehm sein, aber kein Ereignis währt ewig, und die Tiefe bleibt unantastbar und damit unerschütterlich.

Mit entsprechender Praxis kann man sich jederzeit die Kraft des Berges holen. Aus dieser Haltung heraus können unangenehme Situation mit mehr Geduld und Einsicht wahrgenommen und entsprechend einer entspannten Haltung anders gehandelt werden.

Wir sind nie frei von Bedingungen, wir sind aber immer frei, wie wir uns zu den Bedingungen einstellen.[Viktor E. Frankl]

Diese beiden Beispiele, die See- und die Bergmeditation veranschaulichen nur einen Bruchteil von dem, wie Meditation und Achtsamkeit trainiert werden kann. Das was vermutlich viele von Ihnen kennen, ist die stille Meditation. Das schließen der Augen und wahrnehmen, beispielsweise vom Atem. Das ist ein außerordentlich wichtiger Grundbaustein, der aber mit Hilfe von geführten Meditationen sehr gut ergänzt und erweitert werden kann. William James war ein Verfechter der Achtsamkeit, und erkannte deshalb sehr gut, wo es hacken könnte:

Niemand sei bei klarem Verstand, der nicht das Vermögen besitzt im Zustand der Achtsamkeit zu handeln. Eine Erziehung, die dieses Vermögen ausbildet, wäre die Erziehung par excellence. Doch ist es leichter, dieses Ideal zu definieren, als praktische Anleitungen zu seiner Verwirklichung zu geben.[16]

Mit diesen Worten beende ich diesen Artikel. Möge die Achtsamkeit nicht bloß rational als neues Management-Tool gehypt werden, und von unzureichend geschulten TrainerInnen und Coaches weitergegeben werden, sondern auf hohem Niveau mit entsprechender Achtsamkeit hautnah und emotional erlebt, erfahren und in den Arbeitsalltag integriert werden.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/silicon-valley-ausatmen-1.3562715. Am 2017-07-03 gelesen.
[2] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/silicon-valley-ausatmen-1.3562715. Am 2017-07-03 gelesen.
[3] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/silicon-valley-ausatmen-1.3562715. Am 2017-07-03 gelesen.
[4] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/silicon-valley-ausatmen-1.3562715. Am 2017-07-03 gelesen.
[5] http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/entspannung-fuer-manager-der-fuer-ruhe-sorgt/9521208.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[6] Aus meinem Artikel: Slowness wird der Trend der Zukunft.
[7] Aus meinem Artikel: Slowness wird der Trend der Zukunft.
[8] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/management-durch-meditation-selbstfuehrung-fuer-alle/14762334.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[9] http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/entspannung-fuer-manager-der-fuer-ruhe-sorgt/9521208.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[10] http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/entspannung-fuer-manager-der-fuer-ruhe-sorgt/9521208.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[11] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/beruf-und-buero/buero-special/management-durch-meditation-selbstfuehrung-fuer-alle/14762334.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[12] http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/entspannung-fuer-manager-der-fuer-ruhe-sorgt/9521208.html. Am 2017-07-03 gelesen.
[13] Aus meiner Abhandlung: http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Verantwortungsbewusstsein-im-Wirtschaftsalltag.pdf.
[14] Aus meiner Abhandlung: http://leadership-dojo.eu/wp-content/uploads/2016/05/Verantwortungsbewusstsein-im-Wirtschaftsalltag.pdf.
[15] http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/silicon-valley-ausatmen-1.3562715. Am 2017-07-03 gelesen.
[16] Schreib, Herbert: Cool durch Wirbel und Wandel. Wie Manager souverän bleiben – Dynamic Mindfulness. Linde Verlag GmbH. Wien: 2014
.

reduce text

Macht verändert das Verhalten – von jedem

Macht verändert das Verhalten – von jedem

Kennen Sie den Roman „Der Herr der Ringe“, die atemberaubende Geschichte um Macht und den Kampf gegen die Verführungen der Macht? Diese Geschichte zeigt erschreckend gut, was die Forschung heute ebenfalls feststellt:[1]

Macht verändert die Psyche und damit die Persönlichkeit.

Als Einstieg in dieses Thema möchte ich Ihnen in wenigen Sätzen die Erzählung über Macht, und die Wirkung von Macht widergeben:

Im Roman „Herr der Ringe“ hat Frodo, der Hobbit die negativ wirksamen Verführungen der Macht durch den Ring am eigenen Leib erfahren. Sein ursprünglich sozial positives Verhalten, seine Tugenden haben sich mit dem Besitz des Ringes verändert. Er selbst hat dies gar nicht gemerkt. Fesselnd erzählt Reuel Tolkien, wie Frodo durch den Ring der Macht beeinflusst wurde, wie die Macht in seinen Händen seine Gedanken, seine Gefühle, seine Ziele verdreht hat. Nur mit Hilfe und viel Courage seiner Freunde und anderer Wesen konnte Frodo der Macht widerstehen.

Michael Schmitz, langjähriger politischer Journalist und heute Managementberater, hat ähnliche Erfahrungen gemacht, als er mächtige Personen aus nächster Nähe erlebte:[2]

read more

Je länger Mächtige Macht ausüben, umso selbstverständlicher erscheint sie ihnen und umso gedankenloser nutzen sie die Vorteile und Privilegien, die ihnen Macht gewährt.

Schmitz und viele Forscherinnen, wie u.a. Fast und Robertson, können das ebenfalls belegen.

Wenn es tatsächlich stimmt, dass Macht die Psyche und die Persönlichkeit verändert, dann sollte das doch jedem, der in irgendeiner Weise andere führt, sprich Macht über andere hat, aufhorchen lassen?

Dacher Keltner, Psychologe an der University of California in Berkley, sagt: Wir alle sind Opfer des Macht-Paradoxes.[3] Niemand ist davon verschont. Es kann selbst jene treffen, die ursprünglich mit besten Wissen und Gewissen ihre Machtposition nutzen wollten.

Macht und Machtmissbrauch liegen eng beieinander.[4]

Im Folgenden möchte ich Sie einladen die Wirkungsmechanismen der Macht unter die Lupe zu nehmen. Wie gesagt, es wird viel von Macht gesprochen und viel geurteilt. Doch Verurteilungen ändern nichts an der Tatsache, dass Macht alle Beteiligten verändert. Es braucht ein tieferes Verständnis für die Wirkungsmechanismen der Macht, um die Verführungen und Fallen der Macht leichter zu erkennen. Wir müssen neue Wege finden, um die positiven Aspekte besser zu nutzen, und die Negativen besser im Griff zu haben.

Die positive Wirkung von Macht für die Mächtigen

Macht hat zuerst einmal positive Aspekte. Beispielsweise nehmen mit einem Ansteigen von Macht strategisches und abstraktes Denken zu. Die Motivation und die allgemeine Stimmung erhöht sich und die Angst reduziert sich. Macht hat damit eine antidepressive Wirkung für die Mächtigen. Zusammenfassend zu den positiven Seiten der Macht kann gesagt werden:[5]

Macht macht die Mächtigen klüger, ehrgeiziger, konzentrierter und mutiger.

Macht aktiviert ähnliche Hirnareale wie Drogen und Sex. Ian Robertson, Neurowissenschaftler und Klinischer Psychologe am Trinity College in Dublin hat erforscht, wie Macht die Hirnbiologie verändert. Beispielsweise erhöht Macht den Testosteronspiegel, was zu einer vermehrten Aufnahme des Neurotransmitters Dopamin führt, was u.a. das Belohnungszentrum aktiviert. Als Folge steigt die Laune, die Innovationskraft, der Mut, aber auch die Selbstbezogenheit und andere nicht immer nur vorteilhafte Persönlichkeitsaspekte.[6]

An diesem Punkt kann vermutlich jeder und jede zugeben, dass die mit der Macht einhergehenden positiven Aspekte und die steigende Motivation willkommen sind. Gleichzeitig, mit dem Anstieg der Lust und Laune, greifen schleichend und kaum wahrnehmbar die negativen Aspekte der Macht. Niemand kann sich davon freihalten. Nur mit viel Reflexion, viel Wissen über die Wirkungsmechanismen der Macht und der Annahme von Feedback von außen können die positiven Aspekte der Macht weiterhin genutzt, und die negativen Seiten in Schach gehalten werden.

Die negative Wirkung von Macht

Die Schattenseite der Macht nimmt schleichend Besitz von den Mächtigen. Irgendwann wird die mit der steigenden Macht einhergehenden Verhaltensänderung jedoch deutlicher, zeigt sich beispielsweise in Willkür, Unterdrückung, Gewalt, Erniedrigung. Zahlreiche Studien belegen das leider so, u.a. ein Experiment an der Universität Oxford 2012. Die Studienleiterin Riam Kanso vom Oxforder Brain & Cognition Laboratory konnte zeigen:[7]

Macht untergräbt die ausbalancierte Zusammenarbeit mit den Untergebenen.

Das belegen darüber hinaus zahllose Fälle von Selbstbereicherung und Korruption in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Eine frühere Studie von dem Psychologen Adam Galinsky musste feststellen:[8]

Macht reduziert die Fähigkeit zur Empathie, die Fähigkeit sich in andere Menschen und ihre Perspektiven hineinversetzen zu können.

Abgesehen davon kümmert es viele Mächtige erschreckend wenig, was ihre Mitmenschen über sie denken. Eine erhöhte Machtposition verleitet die Mächtigen zum Danebenbenehmen, wovon es ebenfalls genügend Beispiele gibt. Doch man kann nicht davon ausgehen, dass die negativen Aspekte nur bei bereits auffallenden oder schwachen Persönlichkeiten vorzufinden sind. Leider zeigen Studien, u.a. die von Oxford 2012, dass selbst Menschen mit normalen Persönlichkeitsmerkmalen bei Anstieg ihrer Machtkompetenz zu negativen Veränderungen in ihrem Verhalten neigten. So scheint es, dass ein Zuwachs von Macht das Gehirn aus dem Gleichgewicht zu bringen scheint. Ein Team um Nathanael Fast von der University of Southern California hat festgestellt:[9]

Mächtige, die sich ihrer Macht sehr bewusst waren und sich gleichzeitig kompetent fühlten, neigten auffallend oft zu übertriebenen selbstsicheren Entscheidungen – selbst dann, wenn diese falsch und mit finanziellen Einbußen verbunden waren.

In Bezug auf Macht konnte Fast noch einen entscheidenden Aspekt aufdecken, nämlich dass der Status in Zusammenhang mit Machtmissbrauch ebenfalls eine Rolle spielt. Es zeigte sich, dass jene, denen man Macht gab, ohne sie mit einem hohen sozialen Status zu verbinden, deutlich stärker dazu neigten, andere zu erniedrigen, als Mächtige, die einen hohen Status genießen durften. Doch der bedrohlichste Aspekt von Macht ist die Aggression. Damit hat sich ebenfalls Fast, gemeinsam mit Serena Chen von der University of California in Berkeley auseinandergesetzt:[10]

Am aggressivsten agieren die inkompetenten Mächtigen.

Chefs scheinen vor allem dann zum Tyrannen zu werden, wenn sie sich ihrer Position nicht gewachsen fühlen. Sie spüren, dass sie unter Beobachtung stehen, und der daraus erwachsene Stress kippt die Macht ins Destruktive. Leidensgeschichten von Angestellten unter solcher Art überforderter Führungskräfte gibt es unzählige.[11]

An diesem Punkt möchte ich ganz konkret eine kurze Denk- und Reflexionspause machen.

Ich gehe davon aus, dass die bisherigen Aussagen über Macht, und die Wirkungsmechanismen von Macht, nicht ohne Spur an Ihnen vorübergegangen sind. Mag sein, dass Sie das auch schon sehr gut kennen. Wagen Sie nun einen Blick auf sich selbst als Führungspersönlichkeit.

  • Wie sehen Sie sich aktuell in Ihrer Arbeitsweise als Führungskraft und Ihren damit verbundenen Machtmöglichkeiten?

  • Ist Ihnen wirklich bewusst, was die Macht mit Ihnen zu machen im Stande ist?

  • Welche Veränderungen Ihrer Gedanken, Gefühle, Ziele und Ihres Verhaltens haben Sie bereits selbst wahrgenommen, oder wurden Ihnen zurück gespiegelt?

Ab wann verändert Macht das Verhalten in negativer Weise

Im Zusammenhang mit den Wirkungsweisen der Macht stellt sich natürlich auch die Frage, wie schnell sich das Funktionieren des Gehirns durch Macht verändert. Robertson musste dabei feststellen, dass selbst eine kleine Machtfülle schon ausreicht, um einen Rückgang der Empathie auszulösen. Abgesehen davon ist der positive Aspekt der Macht, eine erhöhte Dopaminausschüttung und der damit einhergehende Motivations-, Innovations- und Mutanstieg eben nicht nur positiv zu sehen, sondern kann suchtartiges Verhalten hervorrufen.[12]

Die Suchtqualität der Macht und ihre verzerrenden Wirkungen auf den menschlichen Geist haben in der Menschheitsgeschichte Hunderten Millionen Menschen das Leben gekostet.

Auswirkungen der Macht auf die Untergebenen

Ich gehe davon aus, dass jeder/jede, der/die diesen Artikel liest, die negative Seite der Macht und die Folgen davon vor Augen hat. Einen Gedanken möchte ich jedoch speziell ausformulieren. Wenn beispielsweise Macht im positiven Sinn die Mächtigen klüger, ehrgeiziger, konzentrierter und mutiger werden lässt, dann heißt das im Umkehrschluss, dass die Untergebenen dümmer, fauler, unkonzentrierter und apathischer agieren. Eine Studie um Maarten Boksem von der Erasmus-Universität Rotterdam belegt:[13]

Das Erleben eigener und fremder Macht beeinflusst unmittelbar das Motivationssystem des Gehirns.

Das führt dazu, dass die Untergeordneten beispielsweise Verlusten eine deutlich höhere Beachtung schenken als die Mächtigen. Die Untergeordneten zeigen jedoch mehr Sensibilität für gemeinsame Ziele, lassen sich aber leicht von Informationen ablenken und verlieren schnell ihre Ziele aus den Augen.[14] Aus diesem Wissen heraus kann MitarbeiterInnen eigentlich kein Vorwurf bezüglich schlechter Arbeitsleistungen gemacht werden.

Resümee

Ich habe mich in diesem Artikel nur einigen wenigen Aspekten der Macht gewidmet – jenen, von denen ich meine, sie können zum Nachdenken bewegen ohne sofort Schuldzuweisungen in den Raum zu stellen. Ich möchte den Machtmissbrauch nicht anklagen, das steht mir auch nicht zu, sondern ich möchte mit Hilfe des bewussten Erkennens der Verführungsmuster achtsamer mit Macht umgehen und die Verführungen besser zügeln. Die Hauptthese im Buch von Dacher Kaltner „Das Machtparadox, wie wir Einfluss gewinnen oder verlieren“ bringt es deutlich auf den Punkt:[15]

Die Machthaber müssten eine Persönlichkeitsentwicklung zulassen. Aber viele Mächtige bleiben lieber ihren Grundsätzen treu, und nur wenige lernen, ihre Macht weise zu nutzen.

Spannend ist jedoch zu beobachten, dass die Digitalisierung und die Arbeitswelt 4.0 mit ihren Arbeitsansätzen wie Kollaboration, positive Fehlerkultur und Sinnökonomie dem Machtmissbrauch entgegenzuwirken im Stande ist. Doch wenn man die Wirkungsmechanismen der Macht wirklich versteht, dann sollten wir alle auf der Hut sein, damit die neuen Helden der VUCA-World den Verführungen durch den Machtanstieg widerstehen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[2] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[3] Keltner, Dacher: Das Machtpardox. Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main: 2016.
[4] http://www.blog.michael-ehlers.de/business-club-talk-macht-und-machtmissbrauch-liegen-eng-beieinander/. Am 2017-06-27 gelesen.
[5] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[6] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[7] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[8] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[9] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[10] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[11] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[12] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[13] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[14] http://www.psychologie-heute.de/archiv/detailansicht/news/die_schattenseiten_der_macht/. Am 2017-06-26 gelesen.
[15] Keltner, Dacher: Das Machtpardox. Wie wir Einfluss gewinnen – oder verlieren. Campus Verlag GmbH, Frankfurt am Main: 2016
.

reduce text