Erfolgstool Nr. 3 im Management

Kollaboration als Leadership-Skill steht international an 3wichtigster Stelle

  • 49% der EU-ArbeitgeberInnen halten die Fähigkeit zur Kollaboration für erfolgreiches Management für besonders bedeutsam![1]  

Wie sieht es in Deutschland aus?

  • Man staune, in Deutschland erkennen bloß 28% der ArbeitgeberInnen die Kollaborationskompetenz als erfolgskritische Fähigkeit an.

  • Ähnlich schlecht sieht es mit den Skills Lernen und emotionale Intelligenz aus, die Teilaspekte von einem gut funktionierenden Kollaborations-Management sind.[2]

  • Bei den deutschen Unternehmen scheinen noch immer die analytischen Fähigkeiten bevorzugt zu werden – mit einigen Ausnahmen. 

Ist die bremsende Haltung in Deutschland in Bezug auf Kollaboration im Management noch ziel- und erfolgsdienlich?

In einigen meiner Beiträge habe ich geschrieben, dass das „Was-Geändert-Werden-Muss“ im Management meist sehr gut aufbereitet ist. Wenn es an Umsetzungsaktivitäten mangelt, dann am „Wie“ und nicht am „Was“.

Doch in Bezug auf die Kollaboration zeigt sich schon beim „Was“ eine Distanzierung.

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  • Woran liegt es, dass die deutschen Führungskräfte und ArbeitgeberInnen die Erfolgskraft von Kollaboration noch nicht anerkennen?

  • Was ist mit Kollaboration konkret gemeint?

  • Wie wird Kollaboration erfolgsversprechend im Management eingeführt?

Ich beginne mit dem „Was“ ist Kollaboration. Im Anschluss an das Was möchte ich kurz auf die Unterbewertung der Kollaborations-Kompetenz eingehen und zum Schluss ein Beispiel anführen, wo Kollaboration erfolgreich in ein europaweit agierendes Dienstleistungsunternehmen eingeführt werden konnte. 

 

Relevante Eckpfeiler eines erfolgreichen Kollaborations-Managements

Genau genommen habe ich schon mehrfach über Kollaboration geschrieben, jedoch das Wort als solches nicht verwendet.

Was beinhaltet konkret ein erfolgreich funktionierendes Kollaborations-Management:

  • Generationsübergreifendes Arbeiten

Die jungen Generationen strömen immer mehr ins Arbeitsleben, und besetzen bald auch Führungspositionen. Diese jungen Generationen arbeiten in anderer Weise, sind höchst offen für Digitalisierung und haben auch andere Werte und Vorstellungen in Bezug auf ihre Arbeit.

Das alleine fordert schon einiges von den älteren Führungs-Generationen. Der oft still und heimlich ausgefochtene Generations-Konflikt verbraucht viel Kraft und Ressourcen, die doch notwendigerweise viel besser und effizienter zu nutzen wären, um die Herausforderungen der VUCA-Zeit gemeinsam zu meistern. 

  • Sinnvolle Tätigkeit auf allen Ebenen

ArbeitnehmerInnen suchen vermehrt einen Sinn in ihrer Arbeitstätigkeit. Die Deloitte-Studie hat deutlich gezeigt, dass Unternehmen mit einer implementierten Sinnökonomie auf Erfolgsspur sind.[3] Und die Kraft der Netzwerkstrukturen muss ebenfalls als sinnstiftende Zugehörigkeit mehr Beachtung finden.[4] 

  • Führungskontrolle abgeben und Freiräume für MitarbeiterInnen schaffen

Neben einer offenen und sich gegenseitig inspirierenden Generationsarbeit im Management und einer ansprechenden Sinnökonomie braucht es noch zusätzlich Freiräume. Das impliziert das Führen in Augenhöhe und das Stärken der Eigenverantwortung der MitarbeiterInnnen. Das verlangt von den Führungskräften, sich selbst als anweisende Person zurückzunehmen und den MitarbeiterInnen und deren Fähigkeiten vertrauen. 

Führung ist heute nur noch legitim, wenn sie die Selbstführung der anvertrauten Mitmenschen zum Ziel hat.[5]  

Zusätzlich kommt der Führungskraft die Aufgabe zu, als ModeratorIn zu wirken und gemeinsam mit den MitarbeiterInnen Ideen entwickeln und Verantwortung tragen.

Statt Informationen nach oben und die Befehle nach unten zu schicken, sollte das Wissen in die Breite gestreut werden – jeder weiß alles, jeder redet mit jedem.[6] Informationen dürfen nicht mehr aus machtpolitischen Interessen einbehalten werden.[7] Die klassisch hierarchischen Organisationsmodelle werden durch offene Netzwerkstrukturen abgelöst.[8] Damit werden Informationen viel schneller verbreitet und der Gesamt-Prozess der Arbeit viel besser verstanden. So können die MitarbeiterInnen und Führungskräfte der unterschiedlichen Ebenen effizient und deutlich schneller arbeiten, und für anstehende Herausforderungen gemeinsam bessere Lösungen finden.

Doch mit dem „Wissen in die Breite streuen“ ist nicht bloß die Verbesserung des klassischen Intranets gemeint. Vielmehr geht es darum, ein Social Intranet mit Chatfunktion aufzusetzen und eine entsprechende Kollaborationssoftware zu nutzen, um virtuelle Meetings und Video-Konferenzen zu führen, um Dokumente offen auszutauschen,[9] um firmeneigene Wikis zu installieren, um gemeinsam an virtuellen Whiteboards Ideen voranzutreiben, uvm …

Früher haben sich die MitarbeiterInnen den Führungskräften aufgrund der festgelegten Positionierungen und den damit verbundenen Regeln untergeordnet. Heute müssen sich die Führungskräfte ihre Autorität und ihr Ansehen bei MitarbeiterInnen erarbeiten. Das ist ein ganz neuer Ansatz, der immer mehr zum Wirken kommt. Die jungen MitarbeiterInnen und ebenso die jungen Führungskräfte verlangen eine direkte Feedbackkultur.[10] 

  • Lebenslanges Lernen und das Verschmelzen von Arbeit und Freizeit

Lebenslanges Lernen und die unaufhörliche Weiterentwicklung der Führungskräfte und MitarbeiterInnen werden Schlüsselthemen der Personalabteilungen werden. In VUCA-Zeiten wird neben der fachlichen und technischen Kompetenz insbesondere persönliche Kompetenz gefordert. Das braucht Aufmerksamkeit und ein darauf ausgerichtetes Coaching- und Mentoringprogramm.[11]

Die strikte Trennung von Beruf und Freizeit schwindet immer mehr. Die moderne Arbeitswelt spricht vom Work-Life-Blending, was dazu führt, dass die jungen Führungskräfte und MitarbeiterInnen im Beruf mehr Entfaltungsspielräume fordern. Das was man in der Freizeit tut, das möchte auch in das Berufsleben hineinwirken. Das was man Privat als Wichtig erachtet, möchte auch im Beruf anerkannt werden.[12] 

Die Digitalisierung und Algorithmisierung funktioniert anders – sozialer.[13]  

Das ist der Grund, warum für eine erfolgsversprechende Implementierung eines Kollaborations-Managements empathisches Wissen und Gespür grundvoraussetzend sind.

  • Die Digitalisierung der Arbeits- und Produktwelt verlangt soziale Innovationen

Stephan A. Jansen, Wirtschaftswissenschaftler, schreibt, dass die Deutschen wirklich Beeindruckendes in der Technologie geleistet haben. Aber die damit zusammenhängenden Arbeitsweisen und ebenso die Produkte gehen immer mehr an dem was die MitarbeiterInnen und KundInnen wünschen und brauchen vorbei. Technische Innovationen gibt es genug, aber die menschlichen Innovationen hinken hinterher.[14]

Die Fähigkeit zu einem guten Kollaborations-Management ist lt. Jansen der Erfolgsschlüssel für ein wirksames Zusammenspiel der sozialen Innovationen und dem Überleben der eigenen Arbeitskraft in hoch digitalisierten Zeiten. Die VUCA-Zeit braucht als ebenbürtige Leistung zur Rationalisierung und Technisierung intuitives Wissen und kollaboratives Wirken.[15] 

 

Unterbewertung der Kollaborations-Kompetenz von deutschen ArbeitgeberInnen

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Kollaboration in deutschen Unternehmen unterbewertet wird. Ich möchte nur kurz 2 Punkte anführen. Diese beiden Punkte sind jedoch bei genauer Betrachtung größer und tiefreichender als es anfangs scheint.

  • Zum einen liegt es schlichtweg daran, dass die Führungskräfte keine Zeit haben, um sich mit der Thematik Kollaboration auseinanderzusetzen. Der Besuch von einem einzigen Workshop genügt nicht, um dieses umfassende Kompetenz-Tool in den Unternehmens-Alltag zu integrieren. Wenn Führungskräfte 6 Monate im Voraus keinen freien Termin aufbringen, um sich mit neuen Kompetenzen auseinanderzusetzen, so braucht man sich nicht wundern, wenn Kollaboration vom Tisch geräumt wird.

  • Zum anderen fehlt es an der inneren Haltung vieler Führungskräfte – mit einigen Ausnahmen. Es fehlt an Einsicht und Selbstkritik, dass man als Führungskraft auch Weiterbildung braucht – insbesondere was die emotionalen Kompetenzen betrifft.

Aber jetzt möchte ich Ihnen darstellen und zeigen, dass Kollaboration tatsächlich erfolgreich, motivierend und auf allen Ebenen zustimmend zum Einsatz und Wirken kommen kann. 

 

Beispiel für die erfolgreiche Einführung „Kollaborativen Arbeitens“

Ein europaweit agierendes Dienstleistungsunternehmen kam mit dem Auftrag, die Vertriebs-Prozesse neu aufzusetzen und einen vertrieblichen sowie kulturellen unternehmerischen Wandel anzustoßen und zu begleiten, damit sie den Sprung ins neue Zeitalter spürbar über alle Ebenen schaffen.

Was musste dafür berücksichtigt werden:

  1. Es muss einfach sein und in Echtzeit funktionieren

  2. Es muss ressourcenschonend sein

  3. Es muss sichtbar Erfolge zeigen und motivationsanregend wirken 

Wie können diese 3 Punkte in der Aufsetzung eines sehr umfassenden Prozesses wie dem Kollaborations-Management-Prozess gewährleistet werden:

  • Indem man einen Arbeitskreis zusammenstellt, der sich 3 Mal pro Jahr real trifft als Präsenztraining und die weiteren Male mit Hilfe einer Kollaborationssoftware, der Implementierung einer Multi Divise fähigen App, gemeinsam an den zu verändernden Punkten bzw. Herausforderungen virtuell weiterarbeitet. Damit bleiben die zu behandelnden Themen ständig im Fokus und versanden nicht.

  • Die Software selbst ist so konzipiert, dass diese einfach zu bedienen und gleichzeitig durch spannende Tools das Interesse weckt. Das Problem bei vielen Workshops ist, dass nach Abschluss vom Workshop das Erlernte relativ bald im Berufsalltag wieder versandet. Durch regelmäßige kurze, virtuelle Impulse und Meetings wird das Ziel und das Erlernte nicht vergessen bzw. neues Wissen gefördert und entwickelt. Gleichzeitig wird das gemeinsame Wissen bestmöglich dokumentiert, ist damit bei Rückfragen anderer Führungskräfte und MitarbeiterInnen erklär- und nachvollziehbar. Auf Knopfdruck können Reportings für Vorstände und Shareholder erstellt werden. In VUCA-Zeiten ist Transparenz und das Teilen von Informationen ein relevanter Punkt, den es zu beachten und in den Unternehmensalltag zu integrieren gilt.

  • Der Arbeitskreis selbst besteht aus einzelnen Führungskräften unterschiedlicher Ebenen und einzelnen MitarbeiterInnen unterschiedlicher Abteilungen. Damit wird das interdisziplinäre Arbeiten in Augenhöhe, in Echtzeit, ungefiltert, ohne Verzerrungen der Informationen und Übermittlungsfehler durchgeführt. Dieses interdisziplinäre Arbeiten brachte bei diesem Beispiel unglaubliche Aha-Erlebnisse, und in Folge ganz neue Lösungsansätze hervor.

  • Ein/e externe/r ModeratorIn unterstützt die Zusammenarbeit des Arbeitskreises, stellt neue Inhalte ins Netz, setzt Impulse, wenn es notwendig erscheint, stellt gezielt Fragen bzw. erörtert Fragen und achtet darauf, dass die kollaborativen Tools bei jedem im Steuerkreis bestmöglich verinnerlicht und in den Berufsalltag Einzug finden. Anonyme Trackings sorgen darüber hinaus, dass bei den TeilnehmerInnen des Arbeitskreises das Vertrauen gestärkt wird.

  • Zeit und Geld wird gespart, schnelles Handeln und einprägsames Wissen gewährleistet, weil nur 3 Mal im Jahr Präsenzmeetings notwendig sind und der Großteil der Arbeit virtuell mit Hilfe der Multi Divise fähigen App absolviert wird. Die regelmäßig stattfindenden virtuellen Meetings garantieren, dass der Arbeitskreis am Ball bleibt, sich gegenseitig motiviert und unterstützt. Das stärkt den Gruppenzusammenhalt und auch den Mut, unangenehme Dinge endlich einmal konkret und ehrlich anzusprechen, gemeinsam darüber zu reflektieren und neue Lösungsansätze zu finden. Die Lern-, Wissens- und Diskussionsinhalte sind mobil überall abrufbar, sprich vertraute und motivierende Begleiter in der Hosentasche, Anzugtasche, Akten- oder Handtasche.

  • Dieser Arbeitskreis dient als Vorbild für andere MitarbeiterInnen und Führungskräfte, die daran nicht teilgenommen haben. Die TeilnehmerInnen des Arbeitskreises werden das Wissen, so wie sie es selbst im Kreis erlebt und erfahren haben, offen, in Augenhöhe weitergeben, wodurch mögliche Widerstände bei den anderen gemildert bzw. ganz ausgeschlossen werden können. Ausgehend vom Arbeitskreis kann damit die Unternehmenskultur über das ganze Unternehmen hinweg mit einfachen Tools, zeitschonend, ressourcenschonend und menschlich annehmbar gewährleistet werden.

Die erfolgreiche Einführung von kollaborativ arbeitenden Teams in einem europaweit agierenden Dienstleistungsunternehmen zeigt deutlich, es ist wirklich möglich weitreichende und große Veränderungs-Prozesse effizient und menschlich akzeptabel aufzusetzen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] https://www.managerseminare.de/ms_News/52,254384. Am 2017-04-11 gelesen.
[2] https://www.managerseminare.de/ms_News/52,254384. Am 2017-04-11 gelesen.
[3] Siehe Artikel: Erfolgsgarantie durch Sinn-Ökonomie 
[4] Siehe Artikel:
Gewinner im Hierarchie-Netzwerk-Krieg
[5] http://cmueller.de/was-ist-new-work_560__a.html. Am 2017-04-11 gelesen.
[6] Siehe Artikel: Gewinner im Hierarchie-Netzwerk-Krieg
[7] http://cmueller.de/was-ist-new-work_560__a.html. Am 2017-04-11 gelesen.
[8] http://t3n.de/news/digital-leadership-neue-804761/2/. Am 2017-04-11 gelesen.
[9] http://t3n.de/news/digital-leadership-neue-804761/2/. Am 2017-04-11 gelesen.
[10] http://t3n.de/news/digital-leadership-neue-804761/2/. Am 2017-04-11 gelesen.
[11] http://t3n.de/news/digital-leadership-neue-804761/2/. Am 2017-04-11 gelesen.
[12] http://t3n.de/news/digital-leadership-neue-804761/2/. Am 2017-04-11 gelesen.
[13] https://spielraum.xing.com/2016/07/interview-stephan-jansen/. Am 2017-04-11 gelesen.
[14] https://spielraum.xing.com/2016/07/interview-stephan-jansen/. Am 2017-04-11 gelesen.
[15] https://spielraum.xing.com/2016/07/interview-stephan-jansen/. Am 2017-04-11 gelesen.

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Erfolgsgarantie durch Sinn-Ökonomie

Unternehmen mit einem „strong sense of purpose“ haben einen Erfolgsvorsprung von bis zu 60%.

Die Studie „Culture of Purpose“ von Deloitte zeigt deutlich, dass selbst bei traditionellen Controllern, die Frage nach dem Sinn und einem sinnerfüllten Unternehmen relevant ist.[1]

Unternehmen mit einem „strong sense of purpose“ haben einen Erfolgsvorsprung von bis zu 60%.[2]

Sinn als Schlüsselressource der Zukunft — wie ist das zu verstehen?[3]

Die Herausforderungen der VUCA-Zeit stellen die Unternehmen hart auf die Probe. Die Unternehmen sind gefordert und müssen Veränderungen einleiten und umsetzen.

  • „Was“ konkret geändert werden muss, dass wissen Sie. Damit arbeiten die meisten von Ihnen bereits täglich – mit mehr oder weniger gutem Erfolg.

  • Das „Wie“ als Umsetzung für das „Was“ wird ein wenig ins Abseits geschoben. Es ist unbequem und erscheint in Change-Prozessen anfangs erfolgshinderlich.

  • Und mit dem „Warum“ kommt noch ein weiterer Aspekt in Change-Prozessen hinzu, der ähnlich wie das Wie zu wenig Beachtung erfährt.

Obgleich die Studie von Deloitte deutlich zeigt, dass die Implementierung einer Sinnökonomie in den Unternehmensalltag die notwendigen Veränderungen erfolgsversprechend zu bewegen verspricht, wird dem Was in Change-Prozessen unverkennbar mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

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Bevor ich nun konkret auf die Sinnökonomie eingehe, möchte ich Ihnen noch kurz die 3 tragenden Säulen von Change-Prozessen anschaulich machen: 

Die 3 Säulen erfolgswirksamer Veränderungs-Prozesse

Erst durch ein gemeinsames Miteinander vom Was, Wie und Warum können Herausforderungen und notwendige Veränderungen erfolgreich gemeistert werden.

Erst durch ein gemeinsames Miteinander vom Was, Wie und Warum können Herausforderungen und notwendige Veränderungen erfolgreich gemeistert werden.

Beschränken wir uns in Veränderungsprozessen nur auf das Was, ist die Chance auf einen erfolgreichen Change begrenzt. Lt. zahlreicher Studien scheitern ca. 60-70% aller Change-Management-Projekte oder erreichen nicht die gesteckten Ziele. Diese geringe Erfolgsquote ist seit den 70er Jahren konstant.[4]

Deshalb stellen sich auch immer mehr Führungskräfte die Frage, woran es liegt, dass die Veränderungs-Prozesse nicht zum gewünschten Ergebnis führen. Immer mehr Unternehmen suchen nach einem neuen genetischen Code, um ihr Überleben zu sichern.[5] Dieser Code ist jedoch nicht nur im „Was“, sondern ebenso im „Wie“ und „Warum“ zu finden. Insbesondere die neue Generation an Führungskräften fragt vermehrt nach einem Warum und Wozu.

Gleichzeitig weiß ich aus langjähriger Erfahrung, dass beispielsweise das Wie in Change-Prozessen nicht gerne gesehen und oft ausgespart wird. Das Warum erleidet eine ähnlich unliebsame Position. Verständlich, denn das Was ist leicht zu argumentieren und in Anweisung zu bringen. Das Wie und auch das Warum verlangen persönliche Auseinandersetzung und persönliche Betroffenheit. Bernd Ankenbrand, Sinnökonom, sagt ganz deutlich:

Wer Sinn sucht, muss sich auf den Weg machen, eine (Selbst-)Entwicklung und auch eine gewisse Offenheit zulassen.[6]

Sinnmaßstäbe finden

Es ist vielleicht nicht so schwer vom Sinn zu sprechen, aber eine neue Sinnkultur im Unternehmensalltag zu wagen und umzusetzen, das kann nicht per Anweisung erfolgen. Das erlebe ich täglich in meiner Arbeit als Berater.

  • Das „Was“ wird auf die Tagesordnung gesetzt und zur Umsetzung angeordnet.

  • Das „Wie“ soll jeder für sich selbst finden – still und leise. Das weiß doch ohnehin jeder – oder nicht?!

  • Das „Warum“ wird erst gar nicht erfragt bzw. fällt unter den Tisch.

Das Warum hat seine eigenen Gesetze und Spielregeln, so wie das Wie und auch das Was ein konkretes Handwerkszeug benötigt, um wirken zu können. Hier stellt sich gleich die Frage, was überhaupt Sinn ist bzw. als sinnvoll und als wertvoll im Unternehmenskontext gesehen werden kann? Das ist der entscheidende Punkt im erfolgsversprechenden Einführen einer Sinnökonomie.

Ob etwas sinnvoll und damit wertvoll ist, hängt davon ab, welche Maßstäbe angelegt werden.[7]

Jede Epoche entwickelt eigene Sinnmaßstäbe. So haben in Stammesgesellschaften andere Maßstäbe gegolten wie in der Industrialisierung, oder heute in der Digitalisierung. Macht und Dominanz waren beispielsweise für Stammesgesellschaften relevante Sinngebungen. Im Industriezeitalter galten Produktivität und Disziplin als sinnstiftend, und damit erfolgsversprechend. Und heute, im VUCA-Zeitalter gelten wiederum andere Wertbestimmungen als früher. Selbstorganisation und Vernetzung sind aktuell sicher relevante Aspekte. Aber die Sinngebung in Zeiten der Digitalisierung ist viel differenzierter. Was für den einen sinnvoll ist, erscheint dem anderen als Unsinn, und umgekehrt.[8]

Die Komplexität zeigt sich somit auch in der Sinnfrage. Deshalb ist es so wichtig, die zugrundeliegenden Maßstäbe transparent zu machen und offen anzusprechen. Die folgenden 4 Fragen helfen, den Sinn deutlicher herauszuarbeiten:[9]

  1. Warum tut jemand das, was er tut?

  2. Welche Wirkung hat dieses Tun auf einen selbst und auf andere?

  3. In welchem Zusammenspiel bzw. in welcher Zugehörigkeit steht das jeweilige Tun zu den anderen?

  4. Was kann vom Unternehmen an Mehrwert an die Gesellschaft zurückgegeben werden? Was ist der Faire-Share?

Manche mögen den relevanten Aspekt der Sinnstiftung erkannt haben, nutzen diesen jedoch nur aus Marketing-Gründen. So wird der Wandel jedoch auch nicht gelingen.

Sinnökonomie verlangt Authentizität und persönliche Betroffenheit. Dafür genügt manchmal auch nur ein ehrlich gemeinter Dank!

Je intensiver sich ein Unternehmen mit der Sinnökonomie auseinandersetzt, desto deutlicher zeigt sich, dass die Implementierung einer Sinnstiftung nicht an der Veränderung der Führung und entsprechenden Führungskultur vorbeigeht. Wo wir erneut wieder bei dem Themenkomplex wären:

  • Veränderung der Führungskräfte und dem zugrundeliegenden Führungsverhalten

Darüber habe ich schon mehrfach geschrieben, u.a. in „die neue Freiheit im Leadership“ oder in „Endlich wirksame Management-Effekt.

Die Auseinandersetzung mit dem Sinn in Unternehmen, soll jedoch auch nicht heißen, dass jedes Denken und Ausrichten an Profit schlecht wäre. Profit ist notwendig und eröffnet erst die Türen, um eine stimmige Sinnökonomie ins Unternehmen zu implementieren. Mit einem gesunden Profit können die Spielräume für Sinn, Innovation und Veränderung ermöglicht und unterstützt werden.[10]

Bernd Ankenbrand ist davon überzeugt, dass die Sinnfrage für die Unternehmen und Führungskräfte eine Schlüsselressource der Zukunft werden wird.[11] Die Unternehmen und Führungskräfte, die weiterhin erfolgswirksam am Markt bestehen möchten, müssen sich die Fragen stellen:

  • Was ist für welche Zielgruppe sinnvoll und warum?

  • Welcher Sinn bewegt die KundInnen?

  • Kennen Sie den Sinn Ihrer MitarbeiterInnen in Bezug auf deren Tätigkeiten im Unternehmen?

  • Warum sind Sie Führungskraft? Was hat Sie dazu bewegt als Führungskraft für dieses Unternehmen tätig zu sein?

Auch ich selbst muss mir immer wieder die Frage stellen, was mich dazu bewegt als Berater tätig zu sein, und Sie als Führungskraft in Ihrem Erfolg und Wirken zu unterstützen. Ich kenne aus eigener Erfahrung den Druck der auf Ihnen lastet. Ich kenne aus eigener Erfahrung das Streben nach Erfolg. Und ich kenne aus eigener Erfahrung die Dilemmata, verantwortungsbewusst, empathisch und dennoch gewinnorientiert zu handeln. Ich war bestrebt für mich persönlich die Dilemmata bestmöglich zu lösen, und bin heute als Berater bestrebt meine Erfahrungen und mein Wissen mit Ihnen zu teilen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] https://www2.deloitte.com/us/en/pages/about-deloitte/articles/culture-of-purpose.html
[2] https://www2.deloitte.com/us/en/pages/about-deloitte/articles/culture-of-purpose.html

[3] http://berndankenbrand.de/sinn-als-schluesselressource-der-zukunft/. Am 2017-04-04 gelesen.
[4] http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/a-898305.html
[5] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[6] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[7] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[8] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[9] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[10] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.
[11] http://www.ey.com/de/de/issues/business-environment/entrepreneur-by-ey-nur-wer-sinn-stiftet-kann-auch-wert-schopfen. Am 2017-04-04 gelesen.

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Förderliches Management in VUCA-Zeiten – anstelle von Frust

Förderliches Management in VUCA-Zeiten - anstelle von Frust

Das wollen vermutlich alle – Sie, ich, die Vorstände, die Führungskräfte, die MitarbeiterInnen, die GeschäftspartnerInnen und KundenInnen. Sie wollen Ihr Unternehmen bestens auf die Herausforderungen vorbereiten. Sie wollen ein/e GewinnerIn in VUCA-Zeiten sein, und: 

  • Ihr Unternehmen in seiner Agilität stärken,

  • Netzwerkstrukturen deutlich verbessern,

  • flache Hierarchien schaffen und den Hierarchie-Netzwerk-Krieg gewinnen[1],

  • Führungskräfte, einschließlich sich selbst, in ihrer Rolle neu definieren. Sie wollen u.a. den Coach in den Führungskräften, in Ihnen selbst aktivieren und eine neue Art zu führen kultivieren[2],

  • ein positiv wirksames Fehlermanagement implementieren[3]

  • uvm …

Doch die Frustmeldungen werden trotz eifrigen Bemühens, den Anforderungen und Herausforderungen in VUCA-Zeiten gerecht zu werden, nicht weniger. Im Gegenteil, Führungskräfte und MitarbeiterInnen gehen gemeinsam in einen kollektiven Burnout. In den Netzwerkforen, u.a. auch bei einzelnen Kommentaren zu meinen Artikeln, kann ich immer wieder lesen, dass man den Führungskräften in Ihrem Bemühen, etwas erfolgsversprechend und positiv zu ändern, nicht mehr glaubt!

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  • Die Frustmeldungen schießen wie Pilze aus dem Boden – warum?

  • Woran liegt es, dass trotz gut durchdachter Maßnahmen und eifrig durchgeführten Change-Prozessen der gewünschte Erfolg ausbleibt?

 

Es gibt einen tiefgreifenden Grund: Das „Wie“!

Es gibt kaum jemanden, der nicht darüberschreibt, dass die Unternehmen und das Management sich etwas einfallen lassen müssen, um in disruptiven Zeiten weiterhin erfolgreich zu bleiben. Es wird jedoch so gut wie immer nur über das: „Was“ geändert werden muss, geschrieben. Selbstverständlich ist das „Was“ notwendig. Doch der entscheidende Schritt um das „Was“ wirksam werden zu lassen, ist das „Wie“.

  • Wie werden die notwendigen Veränderungen umgesetzt?

  • Mit welcher Haltung treten die Führungskräfte den Herausforderungen gegenüber, um mit der Komplexität und einer ungewissen Zukunft innovativ, intuitiv und verantwortungsbewusst umzugehen?

Das „Wie“ wird unterschätzt. Das ist meine langjährige Beobachtung und Erfahrung als Manager sowie heute als Berater und Coach. Das „Wie“ ist für die meisten unbequem, unlogisch, verlangt Selbstreflexion, Training und Disziplin. Unbewusst wissen das vermutlich viele von Ihnen, und versuchen deshalb dem „Wie“ irgendwie auszuweichen, in der Hoffnung, es wird auch ohne dem unbequemen Teil gehen.

Seien Sie doch ehrlich, wer will nicht in 5 Minuten ohne nass zu werden eine Änderung erzielen?

Doch das scheinbar unbequeme „Wie“ ist der entscheidende Dreh- und Angelpunkt in einem erfolgsversprechenden Change-Prozess. Solange das „Wie“ im Prozess nicht aktiv mit einbezogen wird, scheitern die noch so eifrig vom Management geplanten und zur Umsetzung gedrängten Veränderungsstrategien.

Ihnen als Führungskraft sollte bewusstwerden, aus welcher Haltung heraus Sie die Change-Maßnahmen umzusetzen versuchen. Meiner Erfahrung nach besteht schon oft bei der Führungskraft selbst ein Widerwillen, Unlust und Widerstand in Bezug auf die Veränderungen. Diese Widerstände verstecken sich gerne, und werden so gut es geht verdrängt. Wer will sich schon mit seinen eigenen, und darüber hinaus mit den Widerständen der anderen herumplagen?

Der Widerstand ist das beste Zeichen dafür, dass wir im Change-Prozess etwas vergessen haben – die Emotionen und Gefühle!

Das „Was“ ist im Vergleich zum „Wie“ so schön klar und scheinbar einfach – so einfach wie der Austausch von kaputten Teilen an einer Maschine. Doch wir sind Menschen, und als Menschen reagieren wir alle auf Herausforderungen und notwendige Veränderungen in sehr subtiler, nicht logischer Weise. Dafür braucht es zu aller erst einmal einen kritischen und gleichzeitig respektvollen Blick zu sich selbst.

 

Hier beginnt der erste Schritt hin zu einem erfolgsversprechenden „Wie“

Zu aller erst sollte Ihnen als Führungskraft klar sein, ob Sie in Bezug auf die Sachlage und den Herausforderungen, in Ihrem Verhältnis zu Ihren MitarbeiterInnen, der Kundenlage, u.a. die Realität verzerren, in Widerstand gehen oder sonst wie emotional angerührt sind. In emotionalen Tiefphasen können niemals neue Schritte erfolgreich umgesetzt, und auch keine innovativen Lösungen gefunden werden. Im Gegenteil, emotional angerührte Phasen lösen Stress aus. Im Stress schaltet sich das Reptilienhirn ein, rationales Denken und emotionales Feingespür sind ausgeschalten.

 

Tipps zur Bewältigung der Widerstände

Im Unternehmenskontext ist es leider normal, die Emotionen und auch Widerstände zu unterdrücken. Das ist die vielerorts eingeführte Unternehmenskultur. So spüren viele nicht mehr, dass sie vielleicht angerührt bzw. gestresst sind, und blockieren damit negativ die laufenden Change-Prozesse. Es ist nun einmal notwendig, ob man will oder nicht, in herausfordernden Situationen den Widerstand, den Stress und das emotionale Ungleichgewicht wieder in Balance zu bringen, bevor man weitere Maßnahmen zu setzen versucht.

Wie kann man das?

  • Halten Sie jetzt einmal kurz inne – z.B. 3 Minuten lang.

  • In welcher Haltung lesen Sie gerade diese Zeilen? Sitzen Sie krumm, schief, gebeugt? Ziehen Sie Ihre Schultern hoch, schmerzt Ihr Rücken, Ihr Kopf, …? Nehmen Sie das wahr?

  • Wie atmen Sie, tief oder flach – schnell oder langsam? Bekommen Sie gut Luft? Versuchen Sie Ihren Atem kurz zu beobachten, z.B. 3 Atemzüge lang.

  • Vielleicht nehmen Sie sich selbst und Ihre Befindlichkeit jetzt etwas deutlicher wahr. Das ist gut, denn Ihre Emotionen und Widerstände drängen nach Beachtung. Nichts ist schlimmer als keine Beachtung zu erfahren – das kennt vermutlich jeder Mensch. Ihre Emotionen und Ihre Widerstände wollen ebenfalls gesehen werden.

  • Verändert sich dadurch gerade etwas? Verändern Sie vielleicht jetzt Ihre Sitzhaltung oder Ihre Atmung? Fühlen Sie vielleicht einen weiteren Widerstand hochkommen? Was geht Ihnen gerade durch den Kopf? Geht Ärger durch Ihre Gedanken?

  • Was Sie jetzt auch immer wahrnehmen, Sie beachten sich und ihre Befindlichkeiten. Ein wesentlicher Schritt, um Widerstände und Stress positiv in den Griff zu bekommen. Ihre Befindlichkeiten fühlen sich angesprochen und versuchen Ihnen zu zeigen, was als nächstes dran ist.

Ich weiß, dass mag für einige von Ihnen jetzt seltsam erscheinen. Doch ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, versuchen Sie es und lassen Sie sich von den Wirkungen überraschen. Sie können dabei nichts verlieren, nur gewinnen, u.a. eine Pause und damit etwas Ruhe. Doch ich weiß, Sie gewinnen langfristig noch sehr viel mehr, ein grundlegendes Vertrauen in sich und andere, und innovative Lösungen. Womit ich gleich zu den weiteren Schritten, weg vom Frust hin zum wirksamen Management komme.

 

Der zweite und dritte Schritt für ein zukunftsorientiertes Management

  • Intuition entwickeln und

  • Mut zur Lücke haben

Mit diesen zwei weiteren Punkten löse ich ebenfalls oft ein Kopfschütteln aus. Erst im Laufe der Gespräche zeigt sich dann Interesse und auch Zugeständnis. Im wirtschaftlichen Kontext sind wir es einfach nicht mehr gewohnt, über Gefühle und deren Wirkungen zu sprechen. Wir tun so, als ob in der Wirtschaft vieles rational wie eine Maschine abzulaufen scheint.

Das ist vermutlich unser Wunsch. Wir wollen das Geschehen und unsere Ziele gut im Griff haben. Alles was sich dem entgegenstellt, das versuchen wir zu verdrängen oder zu bekämpfen. Aber so lässt sich kein Change erfolgsversprechend führen, schon gar nicht in VUCA-Zeiten. Das digitale Zeitalter verlangt auch Emotion und Intuition.

Rationalität und Intuition sind dabei kein Gegensatz, sondern Ergänzung. Doch Intuition ist nicht greifbar, nicht messbar und nicht aus Fachzeitschriften heraus erlernbar. Sie ist auch keine übernatürliche Kompassnadel, die uns auf geheimnisvolle Weise unfehlbar den richtigen Weg weist. Intuition ist nichts weiter als eine unbewusste, körperliche und emotionale Verarbeitung und Bewertung aller Wahrnehmungen, Eindrücke und Erkenntnisse. Die Intuition ist dabei wesentlich schneller als unser Verstand.

Klingt nett, aber wie soll bloß eine über Jahre hinweg, nicht beachtete Intuition eine vertrauensvolle Wegbegleitung sein bzw. werden? Ich selbst habe mir diese Frage früher auch oft gestellt. Heute kann ich mit Überzeugung sagen, es gibt Wege die Intuition in den Businessalltag zu integrieren.

 

Tipps zur Verbesserung der Intuition

Beginnen wir mit einer kleinen Definition:

  • Gefühle sind eine Mischung aus Gedanken und körperlichen Energien. Das heißt: Nehmen wir die körperlichen Regungen, z.B. wie oben beschrieben etwas besser wahr, dann nehmen wir auch unsere Gefühle besser wahr, und ebenso das sogenannte übergeordnete Gefühl, die Intuition. Die Gedanken selbst folgen oft nur den körperlichen Regungen. Die Gefühle sind schneller als das Denken.

Gerhard Roth empfiehlt zum Aufbau der Intuition 3 Schritte. Ich lehne mich ein wenig an seinen Schritten und an denen von Marie Mannschatz an, die ich frei, stark angereichert durch meine persönliche Erfahrung interpretiere.

  1. Versuchen Sie z.B. 3x am Tag verteilt für kurze Zeit, 3 Minuten lang inne zu halten, und Ihre körperlichen wie auch gedanklich, emotionalen Bewegungen zu beobachten.

  2. Lernen Sie, Ihre Gedanken wie am Himmel ziehende Wolken zu betrachten – egal zu welchem Thema. Vielleicht haben Sie jetzt gerade Lust, das auszuprobieren. Nehmen Sie sich ein Thema Ihrer Wahl, und versuchen Sie nun die Gedanken dazu ganz frei wie Wolken am Himmel ziehen zu lassen für z.B. 3 Minuten lang. Beschränken Sie sich auf das Beobachten, versuchen Sie nicht bestimmte Gedanken festzuhalten – ich weiß, das ist besonders schwer. Wir greifen oft blitzschnell zu ganz bestimmten Gedanken, wollen diese festhalten oder mit Druck in eine andere Richtung bewegen. Versuchen Sie in dieser Übung das nicht zu tun bzw. wahrzunehmen, was mit Ihnen geschieht, wenn Sie einzelne Gedanken festhalten. Sie werden merken, Sie bekommen einen Tunnelblick und viele andere Gedanken und damit verbunden Emotionen entziehen sich in Folge Ihrer Aufmerksamkeit, u.a. auch die Intuition.

  3. Wenn Sie merken, dass Zweifel in Ihnen hochsteigen, dann nutzen Sie diese gleich für eine weitere Übung. Versuchen Sie den Zweifel, das „Entweder-Oder“, das „Geht-So-Nicht“ im Denken durch ein „Und“ zu ersetzen. Sobald ein Zweifel hochsteigt, versuchen Sie den Zweifel mit einem „Und“ zu erweitern ohne weitere Argumente, einfach nur ein „Und“ setzen.

  4. Um Entscheidungen mit der Intuition stärker zu verbinden, rate ich Ihnen gemeinsam mit Roth, einen möglichen Entschluss aufzuschieben. Das heißt, verschieben Sie den Termin für Ihre Entscheidung. Geben Sie der Entscheidung noch etwas mehr Zeit, z.B. gehen Sie noch auf die Toilette bevor Sie Ihre Entscheidung treffen, oder holen Sie sich was zum Trinken, oder schlafen Sie noch eine Nacht darüber, …

  5. Nutzen Sie das Prinzip: Erkennen, benennen, ausgleichen, loslassen. Das heißt, Sie nehmen war, was jetzt ist: körperlich, emotional, gedanklich. Sie können benennen, was Sie gerade wahrnehmen, z.B. Zweifel, Druck in der Brust, … Sie reagieren nicht sofort auf die emotionalen und gedanklichen Ausbrüche, sprich Sie warten die ersten Regungen ab, und setzen erst dann den weiteren Schritt. Sie lassen von der Annahme los, dass Sie einzig allein für alles verantwortlich sind. Sie sind ein Teil von vielen. Nehmen Sie sich und Ihren Stolz und Ihren Machtanspruch ein wenig zurück.

  6. Das Gefühl, das jetzt hochkommt, folgen Sie dem. Wagen Sie es. Kommt Zweifel auf, versuchen Sie ein Sowohl-als-auch zu finden. Verbinden Sie die Gegensätze.

Ich spreche bei der Intuition oft auch vom leibhaftigen Wissen, vom Embodiment-Management[4]. Manche Menschen haben einen spontanen Zugang zu einer Art Bauchgefühl. Vielleicht kennen Sie dieses Gefühl. Es ist manchmal nur ganz kurz wahrzunehmen, aber wenn man täglich versucht immer wieder in sich zu hören, was da so in einem selbst z.B. im Bauch zu spüren ist, dann wird das Bauchgefühl lauter und deutlicher.

Ich weiß, das ist vielleicht überhaupt nicht das, was Sie als Führungskraft in schwächelnden Change-Prozessen an Ratschlägen hören wollen.

  • Sie werden sich vermutlich nun fragen, wie Sie überhaupt sicher sein können, dass gefühlsbetonten Entscheidungen und entsprechenden Maßnahmen richtig sind?

Eine selbstverständlich äußerst relevante Frage. Ich antworte darauf, dass es im Leben selbst keine 100% Sicherheit gibt, außer dem Tod. So gesehen braucht das Leben den Mut zur Lücke.

 

Tipps zur Entwicklung von Mut zur Lücke

Im Beruf, wie auch Privat steigen täglich die Auflagen, Richtlinien, Ansprüche und sonstigen Aspekte. Die beruflichen wie auch privaten Anforderungen sind so umfassend, dass es so gut wie kaum noch möglich ist, alles 100%ig im Griff zu haben. Es braucht in disruptiven Zeiten den Mut zur Lücke.

Wir können darauf vertrauen, dass wir die Lücken meistern und mit Hilfe der Intuition kreative Lösungen finden. Dieses Vertrauen fehlt jedoch leider häufig. Viele von uns haben eine Sozialisierung hinter sich, die den Mut zur Lücke und das kreative Potential der Intuition nicht genug gefördert haben, sondern diese als unrealistisch und weltfremd verurteilten und damit ins Abseits schoben.

Was können Sie nun konkret tun, um den Mut zur Lücke zu reaktivieren?

  • Schenken Sie sich etwas Zeit, nehmen Sie Ihren Atem wahr, wie schon weiter oben beschrieben. Wie atmen Sie gerade? Schnell, aufgeregt, flach? Oder tief in den Bauch hinein? Müssen Sie gerade nach Luft schnappen? So wie Ihr Atem im Moment ist, so ist es jetzt. Versuchen Sie das nicht zu beurteilen, respektieren Sie Ihren Atem so wie er gerade ist. Das alleine genügt, und Ihr Atem wird sich ohne Druck verändern und ohne Ihr Zutun verändern.

  • Setzen Sie bewusst eine Lücke in Ihrem Alltag: z.B. anstatt eine weitere Fachzeitschrift zu lesen, gehen Sie ins Kino. Statt mit den Kindern in den Zoo zu gehen, setzen Sie sich auf eine Parkbank und warten ab was passiert.

  • Entspannen Sie durch eine kleine Übung: Nehmen Sie sich kurz Zeit, spannen Sie jetzt alle Muskeln kurz an, so stark es geht, auch Ihre Gesichtsmuskeln. Beißen Sie Ihre Zähne zusammen, spüren Sie sich in Ihrer Anspannung. Und jetzt, jetzt lassen Sie Ihre Anspannung los. Lockern Sie Ihr Gebiss, Ihre Schultern. Spüren Sie den Kontrast zwischen Anspannung und Entspannung. Es geht dabei nicht um die Bewertung, Anspannung ist schlecht und Entspannung gut. Es geht einfach nur um das Wahrnehmen. Das fördert Ihr Selbstbewusstsein und damit den Mut zur Lücke.

  • Stärken Sie Ihre Intuition wie oben beschrieben, dann stärken Sie gleichzeitig auch Ihr Vertrauen in Lösungen.

 

Was bisher nicht war, kann an Wissen nachgeholt werden

Mag sein, dass es für eine Reaktivierung der Emotionen, Intuition und Courage einen Anstoß von außen, eine erfahrene, ehrliche und reflektierte Begleitung und etwas Disziplin braucht.

Intuition und ebenso den Mut zur Lücke besitzt jeder von uns. Es ist uns von Natur gegeben.

Wir nutzen dieses Wissen nur nicht, bzw. haben es verabsäumt dieses Wissen in unseren beruflichen Alltag zu integrieren. Das verlangt ein bestimmtes Maß an Selbst-Führung und der damit verbundenen Selbst-Erkenntnis. Für manche von Ihnen mögen diese Schritte anfangs vielleicht mühsam sein, aber ich kann Ihnen versprechen, dieser Weg ist unglaublich spannend und befriedigend.

Es braucht anfangs einen langen Atem[5]. Doch bereits am Anfang vom Weg, bei jedem Versuch das „Wie“ mit dem „Was“ in den Alltag zu verankern, werden Sie Erfolge feststellen. Ich weiß, mit dem „Wie“, wie ich dieses verstehe und als notwendige Maßnahme zur Begleitung von Change-Prozessen sehe, werden die altbewährten Management-Tools ziemlich gerüttelt. Das „Wie“ fordert viele heraus, und ist gleichzeitig der erfolgsversprechende Schritt in das neue digitale Zeitalter.

Die Welt verändert sich. Führung auch.[6]

Ihr Günther Wagner

 

 

Literaturquellen:

[1] Aus meinem Artikel: Gewinner im Hierarchie-Netzwerk-Krieg
[2] Aus meinem Artikel: Die neue Freiheit im Leadership
[3] Aus meinem Artikel: 10 Tipps für eine positive Fehlerkultur
[4] Mehr Information zum Embodiment-Management finden Sie auf meiner Webseite.
[5] Aus meinem Artikel: Verhaltensänderung braucht einen langen Atem
[6] http://www.osb-i.com/sites/default/files/presse/osb_leadership_navigator.pdf

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