Die neue Freiheit im Leadership

Die neue Freiheit im Leadership

Wer einmal auf einer Harley saß und die Route 66 gefahren ist, wird dieses Gefühl von Freiheit nicht mehr wieder vergessen können. Wer einmal den Klang einer Harley, das Brüllen eines Löwen beim Fahren erleben durfte, der möchte kein anderes Motorrad mehr haben. Harley steht für Freiheit, für den Durst nach Freiheit.

Die veränderten Lebensbedingungen, die Konkurrenten und globalen Verstrickungen haben den Freiheits-Mythos der Harley nicht in Frage gestellt, ABER sehr wohl den Kauf einer Harley. Und so kam es, dass trotz der Sehnsucht nach Freiheit und der Sehnsucht der KäuferInnen sich Freiheit zu gönnen, Anfang der 80er der legendäre Motorradhersteller Harley-Davidson kurz vor dem Aus stand. Rich Teerlink hat das Unternehmen aus der Überlebenskrise herausgezogen, in einer Weise, die uns heute überraschen sollte.

 

Der neue Führungsstil bei Harley-Davidson 

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Rich Teerlink bediente sich schon damals in den 80ern der Führungsansätze der New-Work-Bewegung des 21.Jhdt.. Harley hat schon damals auf flache Hierarchien, schlankes Management, Teamarbeit und Mitarbeiterbeteiligung, Freiräume sprich offene Arbeitsatmosphären, Selbstverantwortung, … gesetzt, um das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs zu bringen.[1]

  • In der akuten Phase bediente sich Rich eines autoritären Führungsstils, um rasch und wendig handeln zu können.

  • Doch er wusste auch, dass er seinen Befehlston ändern müsse, sobald die Akutphase überwunden ist. Er dürfe seine MitarbeiterInnen nicht auf Dauer wie Soldaten führen, die nur Befehle entgegennehmen, und diese innerhalb bestimmter Grenzen ausführen sollten. Dann wird bald die nächste Krise Harley beuteln.

  • Das größte Kapital waren in seinen Augen die MitarbeiterInnen.

Das war der springende Punkt für die langfristig erfolgreiche Bewältigung der Krise bei Harley. Rich Teerlink war bewusst, dass neben weiteren Verbesserungen der betrieblichen Prozesse, die Beschäftigten auf eine andere Weise behandelt werden mussten: Fair, respektvoll und in Augenhöhe.

Doch was tun, um bei den MitarbeiterInnen wieder das Vertrauen in das Management zu stärken? Rich spürte, dass die goldenen Zeiten der Industrialisierung mit dem Herrschen von Pionieren und Patriarchen zu Ende waren – und das schon damals in den 80ern. Er holte sich BeraterInnen ins Haus, weil er merkte, dass er selbst mit seinem Wissen und seinem Führungsverhalten an Grenzen stieß. Lee Ozley, sein zweiter Berater, hat ihm dabei mit schonungsloser Offenheit gezeigt, wo es hackte. Gemeinsam widmeten sie sich zwei wichtigen Fragen:

  • Welchen Einfluss übt ein permanentes Krisenmanagement, sprich ein autoritärerer Führungsstil auf die Belegschaft aus – insbesondere dann, wenn die Akutkrise eigentlich schon überwunden ist?

  • Wie kann, wenn die Akutphase der Krise vorbei ist, ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem die MitarbeiterInnen effektiver arbeiten wollen. Wie kann ein Arbeitsumfeld geschaffen werden, in dem jeder von sich aus um das Wohlergehen des Unternehmens besorgt ist, und kooperativ daran mitwirken will, dass sich sowohl die eigenen als auch die Leistungen aller verbessern?

 

Eines muss allen Führungskräften jedoch bewusst sein, die MitarbeiterInnen verneinen neue Programme, die von „oben“ verordnet werden, und es braucht Kulturwächter.

Es brauchte wirklich neue Ansätze, um die MitarbeiterInnen zu motivieren in anderer Weise weiterzuarbeiten. Rich Teerlink von Harley verstand das, setzte auf die Ideen, Vorstellungen, Sorgen und Visionen der eigenen MitarbeiterInnen, und wollte diese ans Licht bringen.

Das klingt sehr gut, doch Rich musste im Laufe seines Vorgehens feststellen, dass seine Führungskräfte, einschließlich er selbst nicht darauf vorbereitet waren einen solchen Wandel einer gemeinsam, mit MitarbeiterInnen erstellten Zukunftsvision zu verwirklichen. Rich lernte zu begreifen, dass es Zeit kostet Menschen aus den gewohnten Ansichten und Verhaltensweisen herauszuholen, um neue zu entwickeln. ABER das heißt auch nicht, das aufzugeben, sondern nur festen Kurs zu halten und zu akzeptieren, dass eine solche Reise Höhen und Tiefen hat.

Wir alle sind hier um zu lernen. Richtige Antworten gibt es nicht. Das war die Auffassung von Rich. Er selbst als Führungskraft muss wie seine MitarbeiterInnen auch, an sich und seinen Kompetenzen und Fähigkeiten arbeiten.

 

Freiheit versus Technokratischem Führungsstil

  • Rich Teerlink musste als CEO lernen, seine eigene traditionelle Vorstellung von einem Manager loszulassen. Oft hat er sich für die integrative Führung engagiert, aber verstieß noch während seiner Predigten selbst dagegen.

  • Rich hat gelernt, seine eigenen Erwartungen an MitarbeiterInnen loszulassen, und stattdessen die Erwartungen der MitarbeiterInnen in den Mittelpunkt zu stellen. Die Führungskräfte vergessen zu schnell die Bedürfnisse der MitarbeiterInnen, und achten nur auf ihre eigenen.

  • Narzisstische Züge von Führungskräften werden auch von Laurence Vanhee als Bremse für jede notwendige Weiterentwicklung gesehen.[2]

  • Geld spielt auch nicht mehr die größte Rolle. Viele Menschen suchen einen Sinn in der Arbeit, und wünschen sich mehr Respekt und Verbundenheit.[3]

Rich Teerlink hat bereits vor mehr als 35ig Jahren mit Erfolg beweisen können, dass der Ansatz der New-Work-Bewegung tatsächlich Sinn macht, um Unternehmen wieder auf einen Erfolgskurs zu führen. Doch er hat einen relevanten Schritt dabei vergessen:

  • Kulturwächter zu integrieren

Sobald Rich Teerlink Harley verlassen hat, ist die von ihm neu aufgesetzte Unternehmenskultur in die alte bürokratisch-hierarchische Form zurück gerutscht. Die MitarbeiterInnen waren nicht mehr das Wichtigste, sondern das Geld stand wieder im Vordergrund. Mit diesem Einbruch ist der Erfolgskurs von Harley auch wieder abgestützt. Rich Teerlink hat es verabsäumt, andere Führungskräfte neben sich selbst und einige MitarbeiterInnen dahingehend zu briefen, die neue Kultur am Laufen zu halten.

Trotz diesem leider missglückten Fortsetzen seiner Vision, ist seine Leistung unumstritten. Er konnte beweisen, dass ein schlankes Management, flache Hierarchien, Vertrauen und Einbindung der MitarbeiterInnen in Entscheidungsprozesse, ein Unternehmen auf Erfolgskurs zu bringen im Stande sind. Neben Harley gibt es noch weitere Unternehmen und Organisationen, die zeigen, dass der New-Work-Ansatz wirklich zu neuen Erfolgen führt.

Im belgischen Sozialministerium wird schon seit mehr als 12 Jahren das Phänomen der Generation Y und deren Führungsverständnis berücksichtigt. Die Generation Y lässt sich nicht mehr in alter Weise kontrollieren und führen. Diese Generation hat einen anderen Führungsstil in ihrer Kindheit erlebt. Die Eltern haben diese weniger kontrolliert, und vielmehr kooperativ zu führen versucht. Diesen Generations- und damit Unternehmens- und Führungskonflikt hat sich das Ministerium gestellt, und die Arbeitsweisen entsprechend angepasst. Das heißt, viele MitarbeiterInnen arbeiten von zu Hause aus. Sie bewerten einmal im Jahr ihre Vorgesetzten, und genießen die volle Redefreiheit in sozialen Netzwerken.[4]

Bei der Firma Favi können MitarbeiterInnen monatlich Verbesserungen einreichen und erhalten dafür Prämien. Die MitarbeiterInnen werden nicht kontrolliert, und arbeiten in autonomen, kleinen Teams zusammen. Für die Umstrukturierung bei Favi waren dabei drei Grundsätze relevant:[5]

  • Destrukturierung

  • Der Mensch ist gut, und ich vertraue ihm

  • Die Liebe zum Kunden

Auch im Gore-Modell geht es um Selbstverantwortung, Teamarbeit und die natürliche Führung.[6]

  • Die MitarbeiterInnen sollen nicht wegen ihrer Zeugnisse, sondern auf Grundlage ihres Ideenpotentials eingestellt werden.

  • Daneben werden aus dem Pool von MitarbeiterInnen SponsorInnen gewählt, die neue MitarbeiterInnen begleiten, coachen und unabhängig von der jeweiligen Führungskraft am Karriereweg unterstützen. Jede/r MitarbeiterIn baut sich so ein starkes Netzwerk auf, unabhängig von der jeweiligen Führungskraft.

  • Zusätzlich wird jede/r MitarbeiterIn auf der Suche nach einem idealen Platz im Unternehmen, dem sogenannten Sweet Spot unterstützt. Ein Sweet Pot ist ein Punkt, wo Talente, Interessen und der Geschäftsbedarf aufeinandertreffen.

Georg Schreyögg, Berliner Hochschullehrer, kann darauf hinweisen, dass bei Gore & Associates die Zahl der Patente pro MitarbeiterIn dreimal so hoch ist wie bei den Konkurrenten. Auch der Prozentanteil neuer Produkte am Umsatz von Gore & Associates ist dreimal so hoch wie bei der Konkurrenz DuPont.[7]

Das sollte doch zu denken geben, für alle jene, die sich bis heute mit dem neuen Ansatz von Führung noch nicht auseinandergesetzt haben. In Zeiten der Digitalisierung, Globalisierung und Schwarzen Schwänen braucht es von Seiten der Führung 2 grundlegend neue Führungseinsichten:[8]

  • Sich selbst als Führungskraft zurücknehmen, die MitarbeiterInnen respektieren und in diese vertrauen

  • Freiräume und Transparenz zulassen, um die Innovation und Kreativität zum Leben zu erwecken

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus?

Wagen Sie es neue Freiheiten im Führen zuzulassen, oder verunsichert Sie das so sehr, dass Sie an kontrollierenden Führungsweisen festhalten?

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] Auszug aus dem Buch von: Teerlink, Rich: More Than a Motorcycle: The Leadership Journey at Harley-Davidson. Veröffentlicht in Harvard Business Review Nr. 4, Juli/August 2000 unter dem Titel: Harley´s Leadership U-Turn.
[2] http://www.zeitansichten.de/der-arbeitsplatz-der-zukunft/. Am 2017-02-08 gelesen.
[3] http://www.zeitansichten.de/der-arbeitsplatz-der-zukunft/. Am 2017-02-08 gelesen.
[4] http://www.zeitansichten.de/der-arbeitsplatz-der-zukunft/. Am 2017-02-08 gelesen.
[5] http://www.zeitansichten.de/der-arbeitsplatz-der-zukunft/. Am 2017-02-08 gelesen.
[6] Siebenbrock, Heinz: Führen Sie schon oder Herrschen Sie noch? Faires Management – Der Methodenbruch.
[7] Siebenbrock, Heinz: Führen Sie schon oder Herrschen Sie noch? Faires Management – Der Methodenbruch.
[8] http://www.zeitansichten.de/der-arbeitsplatz-der-zukunft/. Am 2017-02-08 gelesen

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Irrtümer und Komplexitätsfallen in der Führung

Irrtümer und Komplexitätsfallen in der Führung

Die Schuldzuweisungen werden hin und her geworfen. Die Verantwortlichen bauen Schutzmauern auf, was verständlich und nachvollziehbar ist, und die Lösungen bleiben auf der Strecke.

  • Ja, es werden von den Führungskräften Fehler gemacht.

  • Ja, es werden unkluge Entscheidungen getroffen, und

  • Ja, das ist menschlich und braucht Verständnis.

Versuchen wir einmal nicht die Verantwortlichen mit Schuldzuweisungen zu attackieren, sondern einzusehen, dass Führungskräfte Menschen sind, und als Menschen Irrtümern und Gewohnheiten erliegen. Als Mensch tun wir uns alle schwer, aus vorgefassten Meinungen und gewohnten Verhaltensmustern auszubrechen. Das geht jedem so – vielleicht mit einigen Ausnahmen.

 

Es stimmt, dass es kompetentere Führungskräfte braucht. Doch was heißt das konkret, ohne gleich wieder eine Schuldzuweisung loszutreten?

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Wie soll eine Führungskraft, die über 20ig Jahre hinweg entsprechend der damals vorgegebenen effizienten und konform zu verlaufenden Unternehmenskultur gehandelt hat, plötzlich eine empathische und kreative Führungspersönlichkeit werden?[1]

Psychologisch gesehen ist das gar nicht möglich. Eine Führungskraft kann nicht einfach so über Nacht festgefahrene Gedankenkonstrukte und gewohnte Verhaltensweisen ändern. Führungskräfte sind eben auch nur Menschen und keine Maschinen. So beißt sich die Katze in den Schwanz. Die MitarbeiterInnen fühlen sich wie Maschinen behandelt, und gleichzeitig soll eine Führungskraft wie eine Maschine auf Knopfdruck ihr eigenes Verhalten ändern. 

 

Hier sollte der erste Schritt hin zu einer verständnisvollen Lösung gesetzt werden. Jeder muss bei sich selbst beginnen, MitarbeiterInnen genauso wie Führungskräfte, und sich die Fragen stellen:[2]

  • Was ist mein Menschen- und Weltbild?

  • Wie kommuniziere ich mit den anderen?

  • Was sind meine Vorstellungen darüber, wie die eigene Arbeit verrichtet werden soll?

  • Was für andere Möglichkeiten gäbe es noch, die Arbeit zu verrichten? 

 

Die Erfolgsgeschichte von dem US Navy Submarine Captain David Marquet bringt es auf den Punkt:

Capitän David Marquet befehligte viele Jahre lang seine Crew im klassischen Verständnis von Führung – bis zu dem Tag an dem er auf das Atom-U-Boot Santa Fe geholt wurde. Dort hat er sein Führungsverhalten von Grund auf verändert, weil er bei einem Befehl bemerkte, dass er das U-Boot mitsamt der gesamten Besatzung, einschließlich sich selbst in höchste Gefahr brachte. Er hatte sich eingestanden, dass der Fehler nicht an seinem möglicherweise schlechten Befehl lag, sondern daran, dass er überhaupt Befehle gab, und seine Besatzung bloß als BefehlsausführerInnen sah. Anstatt Befehle zu geben, begann er Fragen zu stellen. Dafür musste er sein gesamtes, jahrzehntelang eingeübtes und gewohntes Führungs- und entsprechende Kommunikationsverhalten und Kommunikationsverständnis in neuer Weise begreifen, und entsprechend adaptieren.[3] Das braucht Selbsterkenntnis.

 

Genau an dem Punkt startet das Veränderungsmanagement, mit der Einsicht der Führungskräfte, dass sie nicht länger als Chef, sondern als Führungspersönlichkeiten ihre Arbeit verrichten können.

 

Bei vielen liegt in Bezug auf das Konzept Führung ein Missverständnis vor. Viele Führungskräfte meinen Führung heißt: Anweisungen und Befehle geben und darüber wachen, dass diese befolgt werden, und im Anschluss die Ausführung bewerten.[4] Das ist verständlich, so haben es die meisten gelehrt und vorgelebt bekommen. Nur wenige Führungskräfte haben eine andere Art der Führung kennengelernt, eine mit Fokus auf den/die MitarbeiterIn und nicht auf die Aufgabe selbst, die erledigt werden muss.

  • Wer als Führungskraft konnte leibhaftig bei einer anderen Führungskraft miterleben dürfen, was es heißt einen Raum zu schaffen, indem sich die MitarbeiterInnen entfalten können?

  • Wer von den Führungskräften hat es gewagt, jede(n) MitarbeiterIn als potenzielle Führungskraft zu verstehen, sprich die MitarbeiterInnen dahingehend zu fördern, dass diese ihr volles Potential entdecken, entwickeln und reifen lassen können?

Vermutlich nur sehr wenige. Auch hier soll nicht eine Schuldzuweisungsspirale in Gang gesetzt werden, sondern auf die Einsicht appelliert werden, dass wir alle gemeinsam, Führungskräfte wie auch MitarbeiterInnen die Verantwortung tragen. In diesem neuen Verständnis von Führung liegt die Zukunft der Unternehmen und der erfolgreiche Umgang mit der Komplexität.[5] Denn die Komplexität kann nur mit der Ressource Mensch, gebündelt in interdisziplinären Teams, gemeistert werden. 

 

Und wieder ein Punkt, an dem wir einem Irrtum erliegen. So meinen viele, dass in Zeiten der Digitalisierung die Maschinen viele Arbeiten erledigen, und der Mensch überflüssig wird. Eine Untersuchung der Beratungsgesellschaft Korn Ferry verdeutlicht, dass 40 Prozent der ManagerInnen aufgrund des Drucks der AktionärInnen, MitarbeiterInnen durch Maschinen ersetzen sollten. 64 Prozent der Führungskräfte sehen ihre MitarbeiterInnen bloß als Kostenfaktor und nicht als Vermögenswert, und 67 Prozent der ManagerInnen sind davon überzeugt, dass Technologie in Zukunft mehr Ertrag bringen würde als das Humankapital.[6]

Aber das Gegenteil ist der Fall. Die Fixierung auf intelligente Computerprogramme und Maschinen birgt ein großes Risiko – für die Gesellschaft und die Unternehmen selbst.[7] Durch die Digitalisierung und Globalisierung erhöht sich die Komplexität. Und um mit dieser Komplexität, bewegt durch die Digitalisierung und Globalisierung, mithalten zu können, braucht es Kreativität. Und genau dort endet die Kompetenz der Technik. Computer und künstliche Intelligenzen sind im Umgang mit Komplexitäten nur beschränkt lösungsfähig.

Genau an dem Punkt ist der Mensch und das kreative Potential der Menschen gefragt.[8] Aus diesem Blickwinkel betrachtet, hat Capitän Marquet intuitiv den richtigen Schritt gesetzt:[9]

  • Er hat seine Besatzung ermutigt, selbst Entscheidungen zu treffen, und dass Potential jedes einzelnen Besatzungsmitglieds entsprechend gefördert.

  • Er hat sich als Kommunikator verstanden, und die Bedingungen für Selbststeuerung geschaffen.

  • Er hat eine Grundlage geschaffen, in der seine Besatzung günstige Erfahrungen machen konnte.

  • Er hat in Augenhöhe geführt und erlebbar werden lassen was es heißt, gemeinsam Ideen zu entwickeln und Verantwortung zu tragen. 

 

Jetzt stellt sich jedoch die Frage, in welcher Weise können sowohl die Führungskräfte wie auch MitarbeiterInnen motiviert werden, um sich auf eine neue Führungskultur einzulassen?

Wie wir wissen, ist jede Verhaltensänderung äußerst schwer umzusetzen. Die Macht der Gewohnheit lässt sich nicht einfach so auf ein neues Abenteuer ein. Es beginnt wieder bei jedem selbst, bei einer intrinsischen, sinnstiftenden Motivation, mit dem Embodiment-Bewusstsein und der persönlichen Entscheidung, sich auf den Transition-Prozess einzulassen.

Im Prozess selbst kann man dahingehend sensibilisiert werden, Denk- und Gewohnheitsmuster bewusst zu erkennen, zu akzeptieren und in Folge Neugierde aufbauen für neue Handlungsvariationen. Das heißt u.a.:

  • Ablenkungen verringern

  • Irreführende Vereinfachungen und Banalisierungen aufspüren

  • Viele Fragen stellen

  • Konditionierungen aufdecken

  • Emotionale Befindlichkeiten und Egotriebe, z.B. Maßlosigkeit, Über-Mut, … wahrnehmen

  • Widerstände zulassen

  • Auf Überraschungen einstellen

  • Design Thinking for Leadership

Und dann braucht es vertrauensstärkende Maßnahmen, sprich die neuen Denk- und Verhaltensweisen müssen gemeinsam von den MitarbeiterInnen und den Führungskräften im Alltag erleb- und spürbar gemacht werden. 

Klingt irgendwie plausibel und machbar. Vielleicht werden Sie jetzt sogar das Gefühl haben, dass Sie das ohnehin schon versuchen.

 

Doch genau an diesem Punkt erliegen wir wiederum einem menschlichem Irrtum. Unsere gewohnten Denk- und Handlungsmuster sind meist so stark und wehren sich so massiv gegen neue Denk- und Handlungsmöglichkeiten, so dass diese bald im Sand verlaufen. Das läuft unbewusst ab, zeigt sich unter Umständen in „Ja, aber …-Sätzen“. Wenn wir mit Ja, aber … beginnen, dann können wir davon ausgehen, dass die Macht der Gewohnheit ein Veto einlegt.

 

Beginnen wir an dem Punkt, wo Krisen noch nicht voll zugeschlagen haben, sich jedoch schon langsam ankündigen. In dem Stadium zeigt sich, dass man …:

  • Krisen- bzw. Herausforderungssignale ignoriert oder verharmlost

  • so tut, als ob man alles im Griff hat

  • zur Selbstüberschätzung neigt

  • sich dem Herdentrieb anschließt, um nicht aufzufallen 

Zeigt sich dann irgendwann die Krise im vollen Ausmaß, neigen noch immer viele dazu verbissen an Altbewährtem festzuhalten. Verständlich, weil viele in dem Moment in einen Schockzustand verfallen – rational, emotional und körperlich. In dem Zustand sind wir nicht handlungsfähig, auch wenn viele weiterhin so tun als ob das gehen würde. Die Selbstüberschätzung als Gewohnheitsmuster lässt sich selbst in der Krise nicht dazu bewegen, die Situation neu zu überdenken. Im Gegenteil, die Macht der Gewohnheit ist in Krisen ganz besonders stark.

Die Gewohnheit scheitert lieber nach Plan, als mit ungewöhnlichen Lösungen Erfolg zu haben.

Das ist alles ist zutiefst menschlich. So gesehen macht es keinen Sinn mit Schuldzuweisungen um sich zu schmeißen. Es macht jedoch Sinn, alle, MitarbeiterInnen, Führungskräfte, … auf die wunden bzw. riskanten Punkte in sich selbst hinzuweisen.

Deshalb ist es so unglaublich wichtig einzusehen, dass wir alle Menschen sind mit unterschiedlichsten, nicht vergleichbaren Erfahrungen und Talenten, und den damit verbundenen, individuellen emotionalen Befindlichkeiten und Egotrieben. Gleichzeitig verbindet uns alle, abhängig von dem jeweiligen Kulturkreis in dem man aufwächst, eine gemeinsame, tiefgreifende Konditionierung und Sozialisierung.

Es braucht einen Brückenschlag, eine tragfähige Verbindung von alten Denkgewohnheiten zu Arbeits- und Führungsweisen mit neuen, offenen Handlungsvariationen.

Das ist mein Bild, meine Erfahrung und Beobachtung davon, komplexe Herausforderungen und Risiken respektvoll und erfolgsversprechend zu meistern. Aus dem heraus haben wir von Wagner Consulting einen tiefgreifenden Prozess aufgesetzt, mit den Zielen:

  • Die veralteten Managementstrukturen und Arbeitsweisen in neue Handlungsspielräume überführen.

  • Die Rahmenbedingungen für tragfähige Innovationen verbessern.

  • Die Komplexität leibhaftig verstehen, und aus diesem Verständnis heraus reduzieren.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch einmal zusammengefasst in einer Grafik, die Krisen bzw. Herausforderungen, deren aktuellen Ursachen und einige Lösungsansätze darstellen.

 

Es braucht einen Brückenschlag, eine tragfähige Verbindung von alten Denkgewohnheiten zu Arbeits- und Führungsweisen mit neuen, offenen Handlungsvariationen.

 

Ich möchte Sie dazu einladen, dass jeder, Führungskräfte wie auch MitarbeiterInnen gemeinsam in Respekt füreinander, die Ursachen der Krisen zu bewältigen versuchen und neue kreative Wege gemeinsam zu gehen wagt, um die Krisen in Chancen zu transformieren.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] Schäfer, Dorothee: https://cmc.wfb-bremen.de/digitalisierung-industrie-40/digital-leadership-fuehrung-in-der-digitalisierung/. Gelesen am: 2017-01-25
[2] ebd.: Schäfer, Dorothee
[3] David Marquet im Gespräch mit Heiko Fischer: http://ingahoeltmann.de/leadership-unter-wasser/. Gelesen am 2017-01-25.
[4] Höltmann, Inga: http://ingahoeltmann.de/ein-chef-ist-keine-fuehrungskraft/. Gelesen am 2017-01-25
[5] ebd.: Höltmann, Inga
[6] Eckert, Daniel; Zschäpitz, Holger: https://www.welt.de/wirtschaft/article161335580/Top-Manager-schaetzen-Menschen-geringer-als-Maschinen.html. Gelesehen am 2017-01-25
[7] ebd.: Eckert, Daniel; Zschäpitz, Holger
[8] Schäfer, Dorothee: https://cmc.wfb-bremen.de/digitalisierung-industrie-40/digital-leadership-fuehrung-in-der-digitalisierung/. Gelesen am: 2017-01-25
[9] ebd.: Schäfer, Dorothee

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Erschütterung der Macht

Erschütterung der Macht - ein Blick in die Zukunft

Das rasante Ansteigen der technischen Errungenschaften und der global vernetzen, digitalisierten Welt lässt den Boden auf dem wir alle stehen stark vibrieren.

Ein Blick in die Zukunft

  • Kennen Sie essbare Kleidung, oder Outfits, die Emotionen sichtbar werden lassen? Wissen Sie, dass Stoffe aus herangezüchteten Hefepilzen produziert werden können?

  • Haben Sie schon von den frei in den Weltmeeren schwimmenden, künstlich erschaffenen Steuer-Oasen-Schiffen gehört?

  • Werden Sie einen Grillen-Kebab, einen Heuschrecken-Snack oder ein Würstel aus geklonten tierischen Zellen in Ihrer Pause essen wollen?

  • Stellen Sie sich vor, jetzt wartet ein autonom fahrendes E-Mobil oder ein Dronen-Taxi vor Ihrer Türe, um Sie zu einem der äußerst selten gewordenen analogen Meetings zu bringen?

  • Den Großteil Ihrer Arbeit als Führungskraft, sofern Sie als solche überhaupt noch gebraucht werden, verrichten Sie mit der Datenbrille. So benötigen Sie kein Büro mehr, müssen nicht mehr herumreisen, können Ihre noch vorhandenen MitarbeiterInnen per Datenbrille erreichen.

  • Und jetzt werden Sie in einen Operationssaal geführt. Ein Roboter diagnostizierte die Notwendigkeit einer Operation, die von einem erfahrenen Roboter-Team durchgeführt wird. Roboter sind im Diagnostizieren von Krankheiten mittlerweile besser als Menschen.

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Niemand kann leugnen, dass neue Techniken unsere Art zu leben und zu arbeiten verändern. Wir werden ZeitzeugInnen der 2. Weltrevolution, die wie die 1. Weltrevolution uns zu einem Prozess-Muster-Wechsel zwingt.

Ich spüre eine starke Erschütterung der Macht,

so die Worte, angelehnt an die Aussage des Imperators in Star Wars, von Prof. Dr. Peter Kruse zu Beginn seines Interviews auf der Messe „Zukunft Personal“.[1] Ich lade Sie ein, sich rund 9 Minuten Zeit zu nehmen, und die Einsichten von Prof. Dr. Kruse, des leider zu früh verstorbenen Quer- und Vordenkers, auf sich wirken zu lassen.

Wir schwimmen aktuell in einem Meer von Inkompetenz.

So drückt es Richard David Precht bei einem Vortrag 2016 aus.[2] Wir sollten jetzt endlich so ehrlich sein und zugeben,

  • dass unsere Unternehmenskulturen und entsprechenden Werte veraltet sind, und

  • dass wir mit unseren gegenwärtigen Kompetenzen die 2. Weltrevolution nicht zu führen im Stande sind.

Prof. Dr. Peter Kruse weist in seinem Interview sehr deutlich auf die Herausforderungen der Führungskräfte hin und auf die Notwendigkeit, das gegenwärtige Führungsverhalten kritisch zu hinterfragen, und neue Führungswege zu wagen.

So spricht Prof.Dr. Kruse von dem 3fachen Problem der Führung:

  1. Komplexitätsfalle: Die Globalisierung und Digitalisierung erschwert in enormer Tragweite die Vorhersagbarkeit von Märkten. Damit wird die Führungslegitimation in Frage gestellt.

  2. Machtverschiebung: Netze übernehmen die Macht. Die Führung im klassischen Sinne verliert an Durchsetzungskraft.

  3. Identitätsfrage: Auch hier sind die Netzwerkstrukturen an der Macht. Diese verschaffen neue sinnstiftende Zugehörigkeiten, die weit stärker wirken als die Zugehörigkeit zu einem Unternehmen. Was das für die Führung in Unternehmen heißt, das können Sie erahnen.

In ähnlicher Weise versuche ich ebenfalls auf die Herausforderungen der Führungskräfte aufmerksam zu machen. Die Entwicklung zukunftstauglicher Managementfähigkeiten scheitert gegenwärtig an 5 Führungsfehlern:[3]

  • das Festhalten an alten Gewohnheiten – „Das war schon immer so!“

  • das Fehlen einer systematischen Prognose und Beurteilung der Zukunft – das Management beschäftigte sich pedantisch mit Kleinigkeiten und nicht mit der generellen Lage, 

  • einer schlechten bzw. unprofessionellen Kommunikation und Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Bereichen,

  • dem menschlichen Fehlverhalten in Krisensituationen und 

  • einer fehlenden Innovationskultur.   

Doch wo können die Führungskräfte diese für die Zukunft notwendigen Skills erlernen?

  • In den MBA-Studiengängen kaum.

  • In den Unternehmen selbst auch nur sehr begrenzt.

  • Die Führungskräfte sind auf sich selbst gestellt.

Das bedeutet:

  • Es braucht von den Führungskräften einen Funken Selbsterkenntnis, um einzusehen, dass Sie Ihr Führungsverhalten kritisch beleuchten und sich fehlendes Wissen eingestehen sollten.

  • Und es braucht über den Tellerrand hinausblickende Persönlichkeiten, mit denen die Führungskräfte gemeinsam Skills entwickeln, um ihre Unternehmen erfolgreich und verantwortungsbewusst durch die 2. Weltrevolution führen zu können.

Die Erschütterungen sind zu spüren. Jetzt liegt es an uns allen, das nicht zu leugnen, die Herausforderungen anzunehmen und den Prozess-Muster-Wechsel kompetent zu führen.

Ihr Günther Wagner

 

Literaturquellen:

[1] Kruse, Prof. Dr. Peter: Interview. https://www.youtube.com/watch?v=01Lb78hJcME&feature=youtu.be
[2]
Precht, Richard David: Vortrag 2016. https://www.youtube.com/watch?v=7PgQ4YxbKWk&t=249s
[3]
Dobler, Christoph: Leadership. Impulse, Zitate und Reflexionen

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