Risikomanagement

Ist es bloß eine Panikmache, oder zeigt sich tatsächlich, dass Krisen und Katastrophen neu und anders betrachtet werden müssen?

Versagen die bisherigen Methoden, wie die Gauß’sche Verteilung und die Brown’sche Bewegung, welche das Herzstück von Fachdisziplinen wie der Wahrscheinlichkeitstheorie, stochastischer Prozesse und Statistik sind? 

Werden uns die Grenzen unserer determinierten Lebensauffassung (alles, jedes Objekt, ist logisch vorherbestimmt), welche spätestens seit Newton alle Bereiche unserer Gesellschaft durchzieht und sogar den Menschen auf eine trivial funktionierende Maschine reduziert, aufgezeigt?

 

Was wir von Quallen lernen können

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Das ungebremste Wachstum der Finanzinstitute erfolgte in verschiedenen Bereichen und unterschiedlichste Richtungen. Der Lebenszyklus vieler Banken, bzw. des Bankensystems als Ganzes ist mit dem einer Krebszelle vergleichbar. Jede Zelle, jedes Lebewesen hat eine natürliche Wachstumsgrenze. Auch wir Menschen sind mit rd. 18 Jahren ausgewachsen.

Nur bei Krebszellen versagt dieser biologische Schalter.

Krebszellen

In ihr sind die effizienten genetischen Steuerungsmechanismen gestört, und es entsteht eine Zelle, die nicht mehr zu wachsen aufhört. Sie wuchern ungebremst, bis das ihr Wirt nicht mehr lebensfähig ist.

An so einem Punkt ist es naheliegend, das gesamte System einmal zu überdenken und nach möglichen neuen Ansätzen zu suchen, beispielsweise in der Natur bei den Quallen.

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Die Frage ist die Antwort

Wir leben heute in einer Welt konstanter und dramatischer Veränderungen. Dieser Wandel durchdringt selbst den letzten und kleinsten Winkel unseres eigenen Lebens.  

Wir spüren und erfahren diese Umwälzungen direkt oder indirekt auf unserem Bankkonto, unserem Arbeitsplatz, unserer Gesundheit oder selbst in der Hoffnung unserer Träume. Viele Menschen stellen sich die Frage, wie sie durch dieses Chaos sicher navigieren können, ob als Führungskraft in einem Unternehmen oder als Privatperson, denn wir haben es nicht gelernt mit solchen komplexen und schnelllebigen Situationen umzugehen. Die meisten Menschen realisieren nur, dass ihre bisher erlernten Lösungsstrategien versagen.

 

Ein kritischer Sandhaufen

Um unsere komplexen Veränderungen zu verstehen, betrachten wir ein sehr einfaches Modell, mit dem die meisten von uns von Kindheit an eine gewisse Intuition verbinden: den Sandhaufen. Wer hat nicht den durch die Finger oder das Stundenglas rieselnden Sand vor Augen, der sich zu einem kegelförmigen Haufen auftürmt. 

Das interessante an einem Sandhaufen ist seine absolute Unberechenbarkeit. Hat der Haufen einmal eine bestimmte Größe erreicht, kann ein einzelnes Sandkorn eine Sandlawine auslösen. Danach kann man aber wieder Tausende Körner hinzufügen, bevor der Sandhaufen ein weiteres Mal ins Rutschen gerät. Jedes einzelne Korn auf dem Haufen ist gewissermaßen durch ein unsichtbares Netz aus Druck und Spannung mit allen anderen Körnern verbunden.

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Die Teile eines solchen kritischen Systems können nicht isoliert begriffen werden. Die einzelnen Sandkörner unter einem Mikroskop zu betrachten liefert keinen Hinweis darauf, wie sich der gesamte Sandhaufen verhält. Doch wir halten allzu oft hartnäckig an dieser alten Gewohnheit fest, Stück für Stück und in Einzelheiten zu denken und dichten diesen Einzelteilen kausale Ursache-Wirkungs-Mechanismen an. Durch diese lineare Sichtweise haben wir einen Scheuklappenblick, welcher uns beschränkt und zu weiteren Fehlschlägen führt. Viele Manager und Analysten versteifen sich viel zu sehr darauf, was sie messen können, als darauf, was sie nicht messen können. „What you can’t measure – you can’t manage“ – ist bei Führungskräften noch immer gelebte Praxis. 

Es ist an der Zeit, dieser althergebrachten westlich-intellektuellen Gewohnheit Lebewohl zu sagen. Diese Denkweise fußt auf den Gedanken von Aristoteles, dass alles ergründbar ist, wenn man es nur auseinandernehmen in seinen Einzelteilen untersuchen kann. Wir müssen also lernen, alles auf einmal zu betrachten, und die Dinge in einen Kontext stellen. Wenn wir einen Sandhaufen verstehen wollen, müssen wir tief in ihn hineinblicken und ergründen, welche Dinge die innere Struktur des Sandhaufens beeinflussen.

 

Die Frage ist die Antwort 

lautet eine Weisheit des Zen-Buddhismus. Wie und wonach wir fragen, ist von entscheidender Bedeutung. In einer Welt konstanter Veränderungen müssen wir versuchen, diese Welt aus allen möglichen Blickwinkeln zu betrachten – indem wir den Blick schweifen lassen und auch unbequemen Wahrheiten ins Auge sehen. Wir müssen dazu ständig neue Fragen stellen und neue, bisher unbekannte Perspektiven ergründen.  

Denn auf unterschiedliche Fragen erhalten wir auch unterschiedliche Antworten. Wir müssen lernen anders zu sehen und zu denken, dann können wir auch die neuen Herausforderungen meistern.

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Doping

„Langstreckenläufer positiv auf ein Steroid getestet, Geher wegen Epo-Dopings verdächtigt, Sprinterin wegen Dopings vom Wettkampf ausgeschlossen, Schwimmerin muss sich gegen Doping-Vorwürfe wehren.“

Diese Schlagzeilen begleiten die Olympischen Sommerspiele, obwohl am Vorabend der Spiele Sarah Stevenson den Olympischen Eid abgelegt hat. Im Namen aller Athleten  hatte sie versprochen, die gültigen Regeln zu respektieren und  sich  einem Sport ohne Doping und ohne Drogen“ zu verpflichten.

 

Ist das System von Scheinheiligkeit und Verlogenheit gekennzeichnet?

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Wissen wir nicht alle, dass Spitzensport in dieser aufwendigen Form ohne Doping nicht funktioniert? Wir erwarten zum Teil unmenschliche und übermenschliche Leistungen von den Athleten, welche punktgenau erbracht werden sollten und wundern uns, dass sie zu solchen Mitteln greifen. Neben dem Profisport wurde aber ein weiteres, sehr lukratives Geschäft aufgebaut – die Dopingjagd.

Letztlich konkurrieren die Pharmakonzerne in einem lukrativen Geschäft mit dem Spitzensport. Die Einen entwickeln in hochgezüchteten Labors  sündhaft teure leistungsfördernde Substanzen und Methoden. Bei den Anderen läuft die Maschinerie, um den Doping-Sündern auf die Schliche zu kommen. Dieses Scheingefecht verschlingt inzwischen Milliarden, die eigentlich dem volkswirtschaftlich und gesundheitspolitisch so wichtigen Sport zugutekommen sollten.

 

Doping – ein gesellschaftliches Problem?

Das System funktioniert aber auch dadurch, dass die Menschen in  unserer ehrgeizigen Gesellschaft ein Problem damit haben, Zweitbester zu sein. Es beginnt in der Schule, im Sportverein, in der Erziehung. So wurden Generationen erzogen, denen das Credo des euphorischen Individualismus vorgebetet und eingebläut wurde. Der individuelle Erfolg um jeden Preis steht hier oft im Vordergrund. So wird geschwindelt und getrickst, um an die gewünschten Früchte von Ruhm, Ehre oder Geld zu gelangen.

Wenn es aber selbstverständlich wird, dass der Erfolg nicht um jeden Preis im Vordergrund steht, sondern Fairness, dann wird Vertrauen aufgebaut und nicht mehr gefault. In der Sozialisation müssen diese Werte verinnerlicht werden, damit sie später auch gelebt werden können. Dazu muss aber auch unsere ewig gestrige Schule reformiert werden, so dass die Kinder wieder spielerisch und mit gemeinschaftlichem Geist lernen, statt gedrillt und zu Konkurrenzdenkern formiert zu werden.

 

Dopt die Wirtschaft?

Die Jagd nach Leistungsrekorden ist aber nicht nur im Sport ein Thema, sondern längst auch in der Wirtschaft. „Auch Manager, Politiker und Künstler sind gedopt, um bessere Leistungen zu erbringen. Hier nennt es sich Enhancement.“ [1]

Unter solch verharmlosenden Namen wie „NeuroPusher“, „Brainbooster““ oder „Gedächtnisverstärker“ werden solche leistungssteigernden Mittel in diesen Gesellschaftskreisen mehr und mehr zur Normalität. Dabei kommen chemische Substanzen wie Methylphenidat („Ritalin“), Modafinil („Vigil“), Fluoextin („Prozac“, „Fluctin“), aber auch Kokain, bei den so genannten geistigen Eliten und Führungskräften unserer Gesellschaft zusehends zum Einsatz.

Auch Studierende erfreuen sich an konzentrations- und leistungssteigernden Drogen, um so ihre kognitiven Leistungen zu steigern. In den Vereinigten Staaten „dopen“ sich bereits heute 16 bis 25 Prozent der Prüflinge regelmäßig pharmakologisch. Durch weltweit aktive Apotheken im Internet werden diese Zahlen sicher weiter steigen.[2]

 

Welche Werte bestimmen mein Leben?

Jeder Mensch hat eine Identität und möchte Anerkennung für seine Leistungen. Daher auch das Rekordstreben. Die Frage ist, auf Basis welcher Werte ich anerkannt werde.

Wenn Fairness einer meiner Werte ist, welcher sich in meinem Denken und Handeln widerspiegelt, dann werde ich auch Anerkennung erfahren.

 

[1] Andrea Hlinka; Wir sind eine gedopte Gesellschaft; Kurier 04.08.2012; S.9
[2] vgl. F.A.Z.-Serie: Gehirntraining Ein Wettrüsten, das unser Denken bedroht; 11.09.2008

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