Neue CC-Kultur

Die klassische Rollenverteilung zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gerät ins Wanken. Die Mechanismen der wechselseitigen Ergänzung, Kontrolle und Korrektur funktioniert nicht mehr. Genau vor diesem Hintergrund sollte sich das Corporate Citizenship (CC) sehen und entsprechend agieren.

Schon lange engagieren sich Unternehmen im Gemeinwesen, meist jedoch auf Grund eines philanthropischen Grundverständnisses einzelner Firmeninhaber, später hat sich dies auf Sponsoringmaßnahmen erweitert. Darauf haben sich in den letzten Jahren verstärkt die Marketingstrategen gestürzt und das darin vorhandene Werbepotenzial entdeckt.

Nicht ohne Grund fragen sich jetzt viele Bürger, welche Motivation denn das Unternehmen tatsächlich hat als Corporate Citizen zu agieren? Will das Unternehmen wirklich helfen, oder doch wieder nur in die eigene Tasche wirtschaften?

 

Deutschland braucht eine neue Kultur der Anerkennung für Corporate Citizenship [1]

read more

Einige Unternehmen haben bereits erkannt, dass CC im gesamten Unternehmen als Unternehmenswert verinnerlicht sein muss, nach Außen entsprechend ausgerichtete Partnerschaften einzugehen sind, und eine Win-Win-Situation gestaltet werden sollte. Es genügt nicht mehr CC nur noch auf der Ebene des Sponsoring oder der Spenden durchzuführen.

CC durchbricht die starren Grenzen zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Das führt häufig zu Schwierigkeiten und Wertirritationen und braucht Mut sich darauf einzulassen. Solange jedoch die Mitarbeiter des Unternehmens im CC nicht voll eingebunden sind, kann das Potenzial von CC nicht wirklich genutzt werden. Die Unternehmenswerte sollten vom gesamten Unternehmen, der Führungsebenen und den Mitarbeitern, getragen werden.

Auch wenn CC und CSR in den letzten Jahren einen deutlichen Aktivitätsschub erfahren konnte, muss angeführt werden, dass die Hemmnisse und Hürden nicht weniger geworden sind, und so manches Engagement verhindern.

Die Herausforderungen der heutigen Gesellschaft sind enorm groß, jedoch mit transsektoralen Allianzen, mit hoher Wertschätzung und gemeinschaftlichen Lösungsentwicklungsengagement zu meistern. Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sollten in einem regen Dialog treten und gemeinsam Lösungen finden mit Win-Win-Ausrichtung.

 

 

[1] Taubken, Norbert: Positive Bestärkung, partnerschaftliche Begleitung. Deutschland braucht eine neue Kultur der Anerkennung für Corporate Citizenship, S. 8-15 in: Corporate Responsibility 2007. Unternehmen und Verantwortung. Frankfurt: AmCham Germany / F.A.Z.-Institut 2007.

reduce text

Reputationsschäden

ERGO mit dem Budapester Skandal, Skandia mit dem Immobilienskandal, und insbesondere die nicht mehr enden wollenden Finanzskandale zeigen es. So heißt es in einer Studie, das deutsche Banken durch die Finanzkrisen das verloren gegangene Vertrauen ihrer Kunden kaum zurück gewinnen können. Zwei von drei Entscheidern sind überzeugt, dass das Verhältnis zu ihren Kunden nachhaltig geschädigt ist. [1]

Nicht genug – Banken müssen sich neben ihrem Finanzkrisenspektakel auch noch ethisches Fehlverhalten vorwerfen lassen. Banken haben aktuell den Ruf als „Hungermacher“-Banken zu agieren, d.h. durch Spekulation auf Agrar-Rohstoffe Gewinne zu erzielen und damit den Hunger der Welt zu verschärfen. [2] Diese Aussagen, es gibt mehrfach andere in unterschiedlichsten Branchen inklusive der Politik, veranschaulichen, dass die finanziellen Schäden bei Werte-Verfehlungen nur die Spitze vom Eisberg sind. Die gesellschaftlich emotional ausgelösten Schäden sind weit tiefgehender und wirken langfristig negativ auf das Unternehmen zurück. Und man sollte auch nicht vergessen, dass der Reputationsschaden von einem Unternehmen indirekt auch auf die mit diesem Unternehmen agierenden Kooperationen überfließt.

 

Ist Ihnen wirklich bewusst wie weitreichend Reputationsschäden wirken?

read more

Was die Menschen erwarten ist eine neue Werthaltung, so die Meinung von Herbert Walter. [3] Werte-Fehlverhalten, Werte-Missbrauch, Werte-Ignoranz von Unternehmen, ebenso von Politik und Gesellschaft, lässt sich in Zeiten von Medien-Sensations-Nachrichten-Druck, Facebook und Co. nicht mehr verheimlichen. Fehlverhalten, direkt wie auch indirekt wird öffentlich und hat Folgen.

In der Gesellschaft zeigt sich ein wachsendes Werte-Interesse, ein Aufflammen für ein Werte-Bewusstsein.  Heiner Geißler drückt es so aus: Es ist eine moralische Krise, die wir heute erleben. Was wir jetzt erleben ist erst der 2. Schritt nach der 1. Finanzkrise. Die ja niemand vorhergesehen hat, obwohl sie hätte vorausgesehen werden können. […] Es ist eine moralische Krise, die wir heute erleben, die die Gier nach Geld die Hirne dieser Menschen regelrecht zerfressen hat. Die Menschen haben das Vertrauen in das ökonomische System verloren. [4] Reinhold Messner spricht von einer Krise des Sattseins. [5] Und ich spreche von einer Sinnkrise, davon, dass Menschen die Bedeutsamkeit von dem was sie tun in der leibhaftigen Form des Erlebens und den positiven Gewinn ihrer Handlungen für sich und andere verloren haben.

Es geht dabei weder um eine moralische Anklage noch um eine Missionierung von Unternehmen, das löst nur Widerstände aus. Es geht schlichtweg um ein angemessenes natürliches Gefühl und einen angemessenen natürlichen Umgang mit Werten und Sinnhaftigkeiten, um die Bewusstwerdung der in Werten ruhenden Intelligenz und die offene und selbstsichere Implementierung von Werten in den Unternehmens-, Lebensalltag. Das führt zu einem entspannten Verhältnis zwischen individuellem, gesellschaftsbezogenem, politischem Sinn-/Ethikverständnis und erfolgsorientiertem Wirtschaften.  

 

 

[1] Fond Online: Studie: Banken leiden massiv unter Vertrauensverlust ihrer Kunden. ttp://www.fondsprofessionell.at/news/uebersicht/druckseite/nid/studie-banken-leiden11.11.2011.

[2] Loven, Hendrik ; Streule, Josef: Banken und ihre unmoralischen Lebensmittelspekulationen.

http://http://www.br.de/fernsehen/das-erste/sendungen/report-muenchen/lebensmittelspekulationen100.htmlhtml. 14.11.2011

[3] Walter, Herbert, ehemaliger Sprecher der Dresdner Bank, in: ARD, hart aber fair. 24.10.2011 http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2011/1024/index.php5

[4] Geißler, Heiner in: ARD, , hart aber fair. 24.10.2011. http://www.wdr.de/tv/hartaberfair/sendungen/2011/1024/index.php5.

[5] Messner, Reinhold: Berge versetzen. Das Credo eines Grenzgängers. München: BLV Buchverlag GmbH & Co.KG. 2010. S.62 

reduce text