Relevante Ziele im Jahr 2020

Relevante Ziele im Jahr 2020

Eine flatterhafte Gesellschaft und die sich selbst beschleunigende Technik ergeben einen Problemcocktail, dessen Wirkung, Folgen und entsprechende Maßnahmen kaum noch mit herkömmlichen Analysen und entsprechenden Managementmethoden hinreichend erfasst und demzufolge gesteuert werden können.[1]

Meine Antwort: Eine Denk–Pause einlegen

Warum Problembewältigung, und damit verbunden neue Lösungsansätze und Ziele, eine Denk-Pause benötigen, möchte ich Ihnen in diesem letzten Artikel von 2019 näherbringen.

Die Weihnachtsfeiertage können eine stimmige Grundlage geben, sich gezielt aus dem Arbeitsalltag herauszunehmen, das Geschehen der Welt für 2 Wochen lang nicht nur aus einer wirtschaftlich ausgerichteten Brille heraus zu betrachten und gedanklich entsprechend zurecht zu rücken. Zwei Themen sind es Wert, dahingehend genauer unter die Lupe genommen zu werden:

  • Illusionen, Wunschvorstellungen über das, was die Welt bewegt und wie die Welt in Bezug auf die Wunschvorstellungen reagieren sollte. Man stellt Meinungen als richtig und zielführend hin, die man jedoch (unbewusst) stimmig oft mehr zu den eigenen Vorstellungen hin zu manipulieren sucht, als bereit ist wirklich umfassende Lösungen für Herausforderungen zu entwickeln. Eigentlich veruntreut man so gesehen Wissen …

  • Gewohnheiten, eine ebenso wie Illusionen viel zu wenig beachtete Macht, die jedoch oft die Entscheidungsfäden zieht, und aufgrund derer auch Wunschvorstellungen unabänderlich wie ein Fels in der Brandung dastehen. So ist es fast nicht möglich, widersprechende, nicht zu den eigenen Auffassungen passende Meinungen zu akzeptieren, stattdessen werden diese geschickt überblendet, negiert oder gar als falsch abgeurteilt …

Doch UnternehmerInnen, EntscheiderInnen verblendetes Denken und komfortverwöhntes Nestverhalten zu unterstellen, mag sicher nicht das sein, womit man sich zu Weihnachten in der Pause konfrontieren möchte – wo es doch um Besinnung, Ruhe vom Alltag, um Innehalten und Durchatmen geht.

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Und dennoch passt genau diese Zeit, die Weihnachtsfeiertage, um sich und die eigenen Vorstellungen von der Welt, das Wissen über das Weltgeschehen und die damit verbundene Haltung zu hinterfragen. Das verstehe ich als Innehalten, zur Ruhe kommen, eine Pause einlegen vom gewohnten Denken und dem darauf beruhenden Handeln. Besinnung heißt für mich, das was man tut, aktiv kritisch zu beleuchten, in Verbindung mit dem was man folglich entscheidet.

  • Wie wäre es jetzt zum Einstieg des Hinterfragens Ihrer beruflichen Ziele, Motivationen, Entscheidungen für 2020, wenn Sie als Versuchsfeld zum Innehalten und Reflektieren das Weihnachtsfest selbst herziehen, und dieses ehrlich kritisch, aber nicht feindselig, widerstrebend, sondern mit kindlich naiver Neugier, beleuchten?

Manche von Ihnen tun das vermutlich ohnehin, jedes Jahr aufs Neue, weil es irgendwie mit Weihnachten nicht so läuft wie man sich das eigentlich wünscht. Deutlich schwieriger wird es beim Hinterfragen von Themen, mit denen man täglich konfrontiert ist, von deren Existenz man abhängig ist, durch deren Wirkungskreis man sich selbst bestätigt und anerkannt fühlt – beispielsweise die Wirtschaft und die wirtschaftliche Leitkraft, den Kapitalismus.

All die mit der Wirtschaft verbundenen Leitsätze und Meinung aus einer anderen Perspektive heraus zu analysieren, ist vermutlich deutlich schwieriger als das Weihnachtsfest selbst, wie es heute im Jahr 2019 meist gefeiert wird, einen gedanklich kritischeren Blick zu zuwerfen. Deshalb starten wir jetzt lieber mit Weihnachten, und hinterfragen offen und ehrlich:

  • Welchen Sinn hat Weihnachten für Sie heute im Jahr 2019?

  • Welchen Sinn hatte Weihnachten vor rund 2000 Jahren gehabt? Feierte man überhaupt schon Weihnachten? Was könnte damals der tieferliegende Beweggrund gewesen sein?

  • Welchen Sinn könnte Weihnachten in der Zukunft im Jahr 2050 haben? Viel kann bis dahin passieren, möglicherweise könnte der ursprüngliche Sinn wieder relevant werden, oder Weihnachten der Sinn gänzlich verloren gehen? Was könnte dann für 2050 an Weihnachten wichtig werden?

  • Vielleicht können Sie sich vorstellen, Weihnachten einmal ganz anders zu feiern, Weihnachten eine ganz neue Bedeutung zu geben, oder Weihnachten gar abzuschaffen?

Wie dem auch sei, diese gedankliche Auseinandersetzung mit Weihnachten mag für manche relativ leicht von der Hand gehen. Deutlich schwieriger wird es mit Themen, mit Handlungsfeldern, in denen man sich täglich bewegt, auf die man täglich vertraut, durch die man Belohnung und Anerkennung erfährt. Diese Felder, beispielsweise das Feld Wirtschaft, einer Denk–Pause zu unterziehen und einen Mindjump durchzuspielen, sprich Zielvorstellungen, Produktionszuwächsen, Marktanteilsicherung, Digitalisierungsprozesse, Fusionierungsgedanken, Stakeholder-Value, … mit ganz anderen Ansichten zu untermauern, ist ein Kraftakt – emotional und rational. Probieren Sie es aus, …

  • beispielsweise das festgelegte Credo von Wachstum in Frage zu stellen, und mit einer anderen Disposition zu belegen. Das ist vermutlich für viele in der Wirtschaft schwer vorstellbar – eigentlich eine Utopie, eine Illusion, möglicherweise meinen Sie, es sei sogar ein gezielt ausgerichteter Manipulationsversuch von welcher Seite her auch immer …

Doch so abwegig oder gar feindselig sollte man den Fingerzeiger, das Wachstumsstreben zu hinterfragen, nicht mehr abtun. Der vor kurzem veröffentlichte Artikel, die 20 Big Ideas von 2020, von Sara Weber, Redaktionsleitung LinkedIn Deutschland und Niederlande, fordert sogar dazu heraus einen Mindjump zu machen, beispielsweise den Kapitalismus als einzig wahre Wirtschaftsform in Frage zu stellen.[2]

Mag sein, dass Sie diese Gedankenspiele für die Wirtschaft und deren Zukunft gänzlich absurd halten. Doch genau mit dieser Haltung wird es in einer hochkomplexen digital fluiden Zeit gefährlich: Man überschätzt das Wissen und die damit verbundene Meinung über das, was die Welt bewegt, und unterschätzt das Nicht-Wissen, konkreter das Nicht-Wissen-Wollen, die Bagatellisierungskraft. Das hat zur Folge, dass immer mehr Entscheidungen nicht den Kern der Sache treffen bzw. nicht treffen wollen.

Nach Prof. Michael Braungart, versteht man nicht oder will nicht verstehen, das richtige zu tun. Stattdessen lässt man sich vom Effizienz- und Gewinnstreben blenden, übersieht jedoch, dass man sich durch diese geistige Begrenztheit für die Zukunft das eigene Bein stellt.

Menschen wollen jedoch, wie es scheint trotz bestem Wissen, um jeden Preis das als Real ansehen, was sie glauben, um das was sie tun als richtig und nachahmenswert zu positionieren. Man hält fälschlich die konstruierten Landkarten im Kopf für das Territorium. Diese, bloß auf rationaler Ebene, auf einem Reißbrett wahrgenommene Erfassung der Problemlage führt jedoch wie schon Braungart dazu sagt, die Herausforderungen, sei es Digitalisierung, Klimaerwärmung, Phosphatmangel, Ressourcenwettkämpfe, … nicht ernsthaft leibhaftig genug ein- und damit zu unterschätzen.

Die Forschung untermauert sehr deutlich, ob man es wahrhaben will oder nicht, dass wir alle Wissensillusionen erliegen, weil wir unser Wissen manipulieren, ohne das selbst so überhaupt wahrzunehmen.[3]

Der heikle Punkt ist jedoch weniger die Unwissenheit selbst, sondern vielmehr darin zu sehen, dass die Menschen nicht wissen, dass sie unwissend sind, weil sie ihr Wissen überschätzen bzw. passend für die jeweilige Sache zu manipulieren suchen.[4] Dieser Wissensverzerrungsprozess wirkt auf 2 Ebenen:

  • Die individuelle Wissensillusion bzw. die persönliche Annahme der Wahrheit

  • Die Gruppenillusionen bzw. Gruppenwahrheiten

Welches Wissen wahr scheint, besteht oft in Abhängigkeit von einer bestimmten Gemeinschaft, die man repräsentiert bzw. vertreten will. Man wählt ein Umfeld, und schließt sich dem darin existierenden wissenschaftlichen Konsens an.[5] Wirtschaftsmenschen glauben so gesehen vorwiegend nur Wirtschaftsmenschen. TechnikerInnen vertrauen anderen TechnikerInnen, UmweltaktivistInnen anderen UmweltaktivistInnen. KatholikInnen vertrauen der Meinung der Katholischen Kirche, …

Es mag zwar für die meisten so scheinen, und gerade heute in digitalen, global vernetzten Zeiten, dass man offen und frei für anderes Wissen und Meinungen ist, und sich nicht nur rein auf das Fachwissen und die darin kursierende Meinung über die Welt konzentriert – aber an dieser Stelle trügt der Schein. Statt wirklich offen über den Tellerrand zu sehen, und andere Meinungen in gleicher Weise wie die eigenen für Wahr anzusehen, neigt man vielmehr dazu, nur jene Informationen selektiv herauszupicken, die die eigenen Überzeugungen bzw. die Überzeugungen der Gruppe stützen – Beispiel die Notwendigkeit vom Wirtschaftswachstum. Das zu hinterfragen, löst bei vielen in der Wirtschaft ein gedankliches und emotionales Erdbeben aus.

So gesehen mag trotz eifrigem Bemühen zur Offenheit und einem dahingehenden Meinungsaustausch unterschiedlicher Disziplinen, kein ehrlicher Austausch von Meinungen stattfinden. Von Offenheit zu sprechen, ist so gesehen eigentlich ein Schildbürgerstreich – eine Illusion. Denn sobald widersprechende Informationen, die eigene Meinung und Auffassung in Frage stellen, nimmt man die Gegenargumente entweder nicht wahr, redet diese klein oder zieht diese in den Dreck.

Man geht davon aus, dass wenn eine große Gruppe von Menschen bzw. ein System, wie beispielsweise die Wirtschaft, eine bestimmte Denkart hat, die gut und plausibel mit Wissen untermauert ist, muss diese Denkart doch stimmen und die Herausforderungen unserer Zeit zu lösen fähig sein?![6]

Doch die Zahl der populären Irrtümer, die im Alltag kursieren, sind groß. Das negieren wir jedoch schnell. Denn das würde heißen, wir müssten viel öfter unsere Ansichten überprüfen – unser Denken wie das regelmäßige Saubermachen und Entrümpeln regelmäßig durchführen.

  • Aber wer tut das, reinigt und entrümpelt ernsthaft und ehrlich das eigene Denken in regelmäßigen Abständen?

Oft mögen Annahmen wirklich sehr plausibel klingen, wie beispielsweise Latein und Mathematik schulen das logische Denken. Doch Studien belegen eindeutig, dass selbst plausibel und richtig erscheinende Denkansätze falsch sind.[7] Ein konkretes Ereignis, ohne es beim Namen zu nennen, mit verheerenden Folgen kennen Sie, wenn eine ganze Gruppe von Menschen einer idealisierten, zurecht gerückten Wahrheit folgt, …

Es ist jedoch wirklich verdammt schwer, sich dem verzerrten Wahrheitsstreben, den zurechtgerückten Meinungen und damit der eigenen Illusionen über das, was die Welt bewegt, zu entziehen – aus dreierlei Gründen:

  • Unbewusstheit und damit Unwissenheit – schlichtweg zu wenig ehrliche selbstkritische, fachspezifische und fachübergreifende Reflexion, worüber ich schon in Ansätzen geschrieben habe.

  • Angst, Anerkennungsverlust, tiefgreifend wirksam, und doch von vielen als Entscheidungskraft, als Wissens- und Meinungsprägung kaum hinterfragt. Angst gilt als Innovations- und Changekiller schlechthin.

  • Gewohnheit in Verbindung mit einer unzureichenden Fragekultur, die meist nur an der Oberfläche, das Was und ev. noch das Wie in Prozessen zu fragen gewillt ist. Doch das Warum man das tut, wird unter den Tisch gekehrt, bzw. das Warum mit dem Was und dem Wie verwechselt.

Auch wenn das Gehirn und das Denken fast uneingeschränkt zu Veränderungen fähig wäre, besteht ein extrem starker Drang zur Beharrung und zum Festhalten am Gewohnten [8], weil das Gehirn zur Verarbeitung von ungewohnten, neuen Gedanken und damit verbunden neuen Handlungsmöglichkeiten sehr viel Energie braucht – weit mehr als für gewohnte Reaktionen. Das Gehirn will aber nicht viel Energie aufbrauchen, sondern Energie sparen. Und das geht am besten in gewohnten Denkmechanismen.[9] Dann schüttet das Gehirn körpereigene Opiate aus – so genannte Wohlfühldrogen.

Für viele von uns ist es deshalb möglicherweise schon anstrengend, beispielsweise Weihnachten in einer ganz neuen Art und Weise zu denken – nicht am Was und Wie herumzudoktern, sondern Weihnachten ganz neu ins Erleben zu bringen mit neuen Einfällen, neuen Ritualen, neuem Sinn?

  • Was könnte sich an Weihnachten ändern, wenn wir das Warum von Weihnachten neu hinterfragen, einen neuen Sinn suchen und dahingehend Weihnachten anders feiern als gewohnt?

  • Oder wir verzichten gar auf Weihnachten, weil das Warum von Weihnachten, der Sinn ohnehin schon gänzlich verloren gegangen ist?

Wie dem auch sei – an dem Hinterfragen des Weihnachtsfestes mag uns vielleicht schon bewusst werden, wie stark Gewohnheiten, Wunschbilder, Mainstreamkraft uns beeinflussen und uns sogar daran hindern kann, ernsthaft offen und kritisch eine Sache zu hinterfragen. Erst durch einen kaum noch zu ertragenden Leidensdruck, meist durch ein von außen, auf einen selbst einwirkendes, dramatisches Ereignis wagen manche den Sprung in eine fremde Gedankenwelt, wagen den Sprung in das Ungewohnte, akzeptieren Meinungen, die man zuvor vielleicht sogar bekämpft hat.[10]

Neugier ist an dieser Stelle eine helfende Hand. Leider zeigt sich jedoch in vielen Studien, dass gerade die Neugier jenseits des 20. Lebensjahres nachlässt – wenn diese nicht schon während der Schulsozialisierung durch rigide Pläne an Kraft verloren hat.

Ein Hamsterrad, ein Gedankenkarussell, dem man sich schwer entziehen kann, aber …

Man wird immer wieder mit den eigenen Begrenzungen in Bezug auf die Sichtweise der Welt konfrontiert. Wenn wir das jedoch bewusst wahrnehmen und uns dem bewusst stellen, dann ist das die beste Investition in die Zukunft:

  • Dann können wir uns den Herausforderungen couragiert, offen, mit deutlich mehr Innovationskraft stellen.

  • Dann können wir resilient und tragfähig weitreichende Entscheidungen treffen.

  • Dann schult man das, was die essenzielle Kraft in digitalen Zeiten werden wird, das Bewusstsein. Dahingehend werden wir jedem Computer vermutlich noch längere Zeit hinweg deutlich überlegen sein.

Und die Weihnachtszeit, die Zeit der Besinnung kann ein guter Türöffner sein, um Bewusstsein zu stärken, das was man denkt, tut und anderen zu vermitteln sucht, gründlich zu hinterfragen.

RESÜMEE

Was folgt nun konkret aus den Erkenntnissen, dass wir aus unterschiedlichen Gründen in unterschiedlichen Graden Wissensillusionen erliegen bzw. Wahrheiten folgen, die unter Umständen keine Wahrheiten sind, sondern zurechtgeschmiedete Plattitüden auf denen Entscheidungen getroffen werden – möglicherweise Entscheidungen, die rückblickend aus der Zukunft heraus gravierende Folgen mit sich gebracht haben.

Thomas Wilhelm, Didaktikprofessor, setzt an dieser Stelle der Aufklärung auf eine Aufbau- statt auf eine Konfliktstrategie:[11]

  • Wilhelm versucht beispielsweise richtige bzw. andere Vorstellungen zu vermitteln, ohne die Falschen bzw. Eingeschränkten zu aktivieren, und damit eventuell sogar noch zu verstärken.

  • Es geht ihm darum, Wissensillusionen nicht zu verurteilen, sondern die Bedeutung dieser klar herauszustreichen, dass man beispielsweise mit fixierten Meinungen im Alltag relativ weit kommen kann, aber ebenso aufzeigt, dass man genau damit an Grenzen stößt.

Steven Sloman, Professor für Kognitionswissenschaften, Linguistik und Psychologie, setzt auf einen ähnlichen Lösungsansatz:

Er sieht nur eine Chance, Wissensillusionen entgegenzuwirken, indem die Kulturen insgesamt verändert werden, indem man die Gemeinschaften als Ganzes skeptischer macht. Das erreicht man u.a., … [12]

  • indem man einfach ein Gespräch beginnt.

  • Indem man darüber aufklärt, wie wichtig es ist, fachübergreifend über Ziele, Konsequenzen und Ergebnisse zu reden.

  • Indem man darauf achtet, dass ExpertInnen echte ExpertInen sind und nicht nur Menschen, die die Macht haben, ihre Meinungen kundzutun.

  • Indem man versucht, die Art und Weise zu ändern, wie MeinungsführerInnen, PolitikerInnen und JournalistInnen kommunizieren – worunter ich als Influencer irgendwie auch zähle.

Als Influencer muss ich mir bewusst sein, dass ich Wissen verbreite – unter Umständen mit meinen Annahmen und meinen Wissensansätzen nicht immer richtig liege. Ich sollte bewusst darauf achten, Illusionen und Verzerrungen im Blick zu behalten und kritisch zu hinterfragen.

Deshalb ist mir der Diskurs so wichtig. Im Diskurs können Irrtümer ans Licht kommen. Aus diesem Grund möchte ich meine Wissensansätze vielmehr als Diskussionsplattform und weniger als Wahrheit ansehen, um darauf aufbauend Ihr und mein Wissen in neue Erkenntnisebenen, zu neuem Bewusstsein führen zu können. Manchmal rüttle ich dabei etwas mehr, manchmal etwas weniger. In meinen Beiträgen und Artikeln, neu im Aufbau in der Zukunftswerkstatt outofbox.space, ebenso in meiner Gruppe zum Leadership Café versuche ich regelmäßig Diskurse anzuregen, über den Tellerrand hinaus zu blicken – mit der Gefahr, hie und da schief angesehen zu werden.

Sloman sagt: Der Trick besteht darin, den sozialen Diskurs so zu ändern, dass ExpertInnen aus unterschiedlichen Bereichen mehr konsultiert werden, man mehr von diesen hört, wie sie über mögliche Konsequenzen in unterschiedlichen Umwelten reden.[13]

Es gibt nach Sloman, und so sehe ich es auch, jedoch keine Patentlösung. Man muss anerkennen, dass es ein fundamentales menschliches Verhalten ist, dass Menschen sich auf Gemeinschaften und auf das Wissen ihres sozialen Umfeldes beziehen, dieses meist als einzig wahr postulieren möchten – mit der Gefahr, Wissensverzerrungen und Meinungsfixierungen, gegenseitigen Manipulationen zu erliegen. Doch das einfach so hinzunehmen, weil es so menschlich ist, wäre der falsche Ansatz.

Denn was zeichnet den Menschen aus – Bewusstsein – und genau um das geht es in der heiklen Auseinandersetzung mit Wissen, Meinungen, Standpunkten und den damit verbundenen Weltanschauungen. Es geht darum, auch in der Wirtschaft, sich selbst und das Verständnis für die Welt immer wieder aufs Neue bewusst zu beleuchten und dahingehend dazuzulernen, sich weiterzuentwickeln und nicht nur darum, Recht zu behalten bzw. die Welt den eigenen Vorstellungen hin zu manipulieren suchen.

Das ist für mich u.a. ein Aspekt von Weihnachten, sich als Mensch mit all dem was einen ausmacht kritisch zu betrachten, sprich …

  • die eigene Wissensblase, in der man sich wohl fühlt, die man verständlicherweise für vertraut und sicher und damit auch für wahr und richtig hält, immer wieder couragiert verlassen und Blicke über den Tellerrand hinaus machen.

  • Bescheidener werden bzw. anerkennen, dass man unter Umständen mit dem eigenen Wissen ein wenig daneben liegt. An diesem Punkt mag der von mir immer wieder in Artikel und Beiträgen erwähnte Blick der Achtsamkeit, die Schärfung der Wahrnehmung durch Mindfulness in Verbindung mit dem Wissen über die Macht der Gewohnheiten, der Konfrontation mit Bildungs-Allergien und insbesondere die Auseinandersetzung mit Ängsten unterstützend wirken.

Die kommenden Weihnachtsfeiertage sind dahingehend eine stimmige Zeit, Innezuhalten und etwas mehr bzw. tiefgreifender zu reflektieren als gewohnt. Man mag dabei zu Beginn bloß wenige, einzelne Annahmen ernsthaft hinterfragen können bzw. wollen. Doch das ist schon ein großer Schritt, wenn man das schafft, einzelne verzerrte Wahrheiten zu entzerren. Vielleicht hilft Ihnen dabei eine spielerische Übung:

  • Wählen Sie eine Überzeugung, die Ihnen gerade durch den Kopf geht, und von der Sie so richtig schön felsenfest überzeugt sind. Sie fühlen sich vermutlich wohl mit dieser Ansicht, bestätigen damit Ihre Entscheidungen und zukünftigen Ziele, geben sich selbst Kraft und Überzeugung.

  • Und jetzt wagen Sie einen spielerischen Sprung und denken genau das Gegenteil zu Ihrer vorhin gewählten Ansicht – so als ob Sie ein Schauspieler sind, der eine neue Rolle einnimmt.

Versuchen Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht.

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als Ihre neue Überzeugung anzunehmen und damit gedanklich zu spielen, spannend.

  • Wie fühlen Sie sich mit der neuen Überzeugung?

Wie dem auch sei, in dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen.

Was Sie mit dieser Übung vermutlich erkennen: Die Auseinandersetzung mit Meinungen führt zu einem selbst zurück, zum eigenen Ego und dem Ego-Tunnel. Das ist für jede und jeden eine Herausforderung der besonderen Art – insbesondere für jene, die es nicht gewohnt sind, sich persönlich mit den eigenen Meinungen kritischer zu betrachten. In manchen Umwelten mag es en vogue sein, kritische Selbsterkenntnis zu üben, aber die Wirtschaft zählt, so meine ich, nicht dazu. Doch genau das, könnte der Wirtschaft gerade jetzt in hochkomplexen Zeiten mit global verstrickten Herausforderungen zum Verhängnis werden.

Deshalb rate ich zu, die Weihnachtsfeiertage 2019 zu nutzen, sich eine Denk–Pause zu gönnen, um sich geistig, emotional und mental entsprechend fit zu machen für die Herausforderungen 2020, für die 20 Big Ideas 2020.

Dahingehend möchte ich meinen letzten Artikel in diesem Jahr 2019 abschließen mit einer Aussage, die meiner Meinung nach den essenziellen Punkt trifft. Die damit verbundene Erkenntnis sehe ich persönlich als ein essentielle relevantes, erstrebenswertes Ziel für 2020:

Bewerten wir unsere Überzeugungen nicht nach ihrer Plausibilität, sondern nach dem Schaden, den diese anrichten können.[14]

Ihr Günther Wagner

 

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Informationsquellen: 

[1] http://www.handelsblatt.com/panorama/aus-aller-welt/katastrophen-die-ankunft-des-schwarzen-schwans/3962600.html. Am 2017-10-17 gelesen.
[2] https://www.linkedin.com/pulse/big-ideas-2020-klima-amazon-netflix-und-mehr-themen-die-sara-weber/. Am 2019-12-11 gelesen.
[3] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38993-die-leute-wissen-nicht-wie-unwissend-sie-sind.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[4] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38993-die-leute-wissen-nicht-wie-unwissend-sie-sind.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[5] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38993-die-leute-wissen-nicht-wie-unwissend-sie-sind.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[6] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39375-mythen-der-kuechenpsychologie.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[7] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/39375-mythen-der-kuechenpsychologie.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[8] Häusel, Hans-Georg: Think Limbic! Die Macht des Unbewussten verstehen und nutzen für Motivation, Marketing, Management. 2. überarb. Aufl.. Haufe Mediengruppe. Freiburg, Berlin, München: 2002.
[9] http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html. Am 2017-09-26 gelesen.
[10] http://www.stern.de/gesundheit/loslassen-lernen-warum-uns-veraenderungen-so-schwerfallen-3926206.html. Am 2017-09-26 gelesen.
[11] https://www.psychologie-heute.de/leben/39043-wir-naiven-welterklaerer.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[12] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38993-die-leute-wissen-nicht-wie-unwissend-sie-sind.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[13] https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/38993-die-leute-wissen-nicht-wie-unwissend-sie-sind.html. Am 2018-10-02 gelesen.
[14] Taleb, Nassim Nicholas: Der Schwarze Schwan. Die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. 2. Auflage. München: DTV GmbH. 2010.

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