Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Virtuelle Büros sind keine Spiele mehr

Jede Epoche hat ein Symbol. Der Eiffelturm, errichtet für die Pariser Weltausstellung 1889, war das Aushängeschild für die mit allen Traditionen brechenden, revolutionären Möglichkeiten industrieller Technologie. Die damit verbundene neue Ordnung stellte sich mit dem Eiffelturm selbst zur Schau. Oberste Maxime war: Vertrauen gewinnen in das Zeitalter des Kapitals und den damit verbundenen möglichen Erfolgen.[1]

Vorsprung einst – Vorsprung heute – Vorsprung morgen

Die Pariser Weltausstellung war ein Muss für jeden, der die Industrialisierung mitgestalten, beeinflussen und daran gewinnen wollte. Man wetteiferte, man konkurrierte, spornte sich gegenseitig an, noch schneller, noch weiter, noch mehr zu leisten, noch mehr zu produzieren, noch mehr zu kapitalisieren, … Jeder wollte dabei der Erste sein.

Machen wir jetzt einen großen Sprung, vorwärts in das Jahr 2030. Der Ansporn besser zu sein als die Konkurrenz, treibt vermutlich im Jahr 2030 die Wirtschaft noch immer an. Der Wetteifer beflügelt weitere Errungenschaften und Fortschritte. Etwas hat sich jedoch zu damals um 1900 geändert: Die Geschwindigkeit und damit auch die Schnelligkeit der Auswirkungen sowie der entsprechenden Rückkoppelungen.

Das ist absolut nichts Neues, das ist ohnehin allen klar – werden Sie vermutlich denken. Alle Unternehmen verfolgen das Ziel, die Unternehmen fit für den Markt, fit für die Zukunft zu machen. Das heißt aktuell im Digitalisierungsprozess, schneller, agiler, flexibler zu sein als man es früher war. Strategien gibt es viele, doch die entscheidende Frage und Lösung zeigt sich weniger in bestens durchdachten Digitalisierungsprozessen, sondern in der Courage, bahnbrechende Visionen umzusetzen – wie beispielsweise das erste virtuelle Büro dieser Welt ins Leben zu rufen.

Das virtuelle Büro, , das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty

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Dieses virtuelle Büro ist kein Videospiel. Es ist das reale Bürogebäude, das reale Arbeitsumfeld einer 610 Million Dollar Company namens eXp Realty. Dort arbeiten alle 1500 MitarbeiterInnen remote auf einer virtuellen Insel. Dort kann man, wenn es gerade notwendig scheint, die Arbeit mit einer Bootstour kombinieren, aber genauso gut Besprechungen in eigens dafür festgelegten Besprechungsräumen durchführen, oder diese ganz individuell gemeinsam auf der Terrasse im 30. Stock abhalten, uvm… Dieses virtuelle Büro kann hunderte von BesucherInnen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.[2]

Das virtuelle Büro von eXp Realty kann hunderte von Besucher*innen gleichzeitig aufnehmen und individuell betreuen.

Und jetzt frage ich Sie:

  • Gehören Sie auch zu jenen, die die Zukunft mit bahnbrechenden Visionen mitgestalten,

  • oder zählen Sie zu denjenigen, die aktuell zu wenig Zeit, zu wenig Rückendeckung, aber auch zu wenig Courage aufbringen, spannende Visionen zuzulassen?

Ein solch weiter Griff, hin zu virtuellen Büros mag Ihnen als Führungskraft und für Ihr Unternehmen aktuell noch zu früh erscheinen. Doch die Zukunft klopft auch an Ihre Türen, schneller als es vorstellbar ist. Das virtuelle Büro, um das jetzt als Beispiel zu nennen, ist vermutlich erst ein spannender Versuch einer aktuell bahnbrechenden Arbeits- und Gesellschaftsrevolution – zumindest prophezeien das einige WissenschaftlerInnen.

Digitalisierung stellt die Weltordnung des Industriekapitalismus auf den Kopf

Die Industrialisierung hat im angehenden 20. Jahrhundert die Welt verändert, eine neue Ordnung der Welt hervorgebracht. Das hat einiges an Turbolenzen ausgelöst, aber ist auch über viele Jahre hinweg aufstrebend und stabil gelaufen. Die Industrialisierung hat einen Wohlstand auf dieser Welt mit sich gebracht, der in keiner Weise zuvor so genannt werden kann – eine wirklich außergewöhnliche Leistung. Doch jetzt steht die Entwicklung und die Errungenschaften der Industrialisierung vor einem Wendepunkt. Die Digitalisierung läutet diese ein, und könnte die Weltordnung nach 100 Jahren wieder einmal auf den Kopf stellen, so wie es damals die Industrialisierung auch getan hat. Die Digitalisierung wird deutlich mehr verändern, als das, was man aktuell im Kopf hat.

Ich weiß, das sehen Sie ohnehin auch so. Aber wie offen gehen Sie wirklich an die Sache heran? Sie gehen vermutlich wie ich davon aus, dass Sie für die bahnbrechenden Veränderungen der Zukunft ganz offen sind, Unterstützung suchen bei hochkarätige BeraterInnen, die scheinbar wissen, wie, was, wo, wann passieren wird und strategisch Ihr Unternehmen bestens auszurichten versucht. Doch der Rückblick auf die Industrialisierung zeigt, dass der Weitblick aus dem Moment heraus, selbst bei Fachkundigen, meist deutlich eingeschränkter aussieht als man meinen möchte. Was will ich damit verständlich machen?

Ich gebe Ihnen einen kleinen Anhaltspunkt anhand eines konkreten Beispiels:

  • Denken Sie an ein Auto. Wenn Sie an ein konkretes Auto denken, gehen Ihnen vielleicht Gedanken durch den Kopf, wie man die Autos der Zukunft verbessern könnte, um weniger Schadstoffe zu produzieren. Sie denken vielleicht an E-Autos oder an Wasserstoff betriebene Autos, an Autos mit Solarantrieb, ebenso an selbstfahrende Autos, wodurch weniger Unfälle passieren, uvm …

  • Was geht Ihnen aber noch durch den Kopf, wenn Sie an Autos der Zukunft denken? Gehen Ihnen auch noch andere Aspekte durch den Kopf?

  • Vielleicht gibt es 2030 das Auto, wie wir es uns heute vorstellen in der Art und Weise nicht mehr – u.a., weil China weltweit aufgrund Klimakatastrophen strikte Vorkehrungen trifft und Autos abschafft, oder auch die EU die Zahl der Autos stark reduziert, oder …?

Vielleicht muss man, um die Digitalisierung und die damit verbundenen weitreichenden Veränderungen zu verstehen, weniger die Frage nach den Autos beantworten, was ich jetzt nur als Platzhalter für viele andere Themen der Digitalisierung nehme, und stattdessen sich beispielsweise über die Zukunft der Mobilität Gedanken macht. Es geht nicht mehr um die Autos als solche, es geht um einen übergeordneten Aspekt. Weniger wie das Autofahren mit Autos wird, sondern wie man sich in unterschiedlichen Möglichkeiten fortbewegen könnte.

Ein Wal-Bus

Machen wir dafür wieder einen Sprung zurück ins 19. Jahrhundert. Es kann manchmal hilfreich sein, aus der Vergangenheit heraus die Zukunft zu betrachten, um das begrenzte Denken im Jetzt zu öffnen. Damals um 1900 träumte eine Gruppe französischer Künstler unter dem Titel „Im Jahr 2000“ von künftigen technischen Errungenschaften. Die daraus entstandene Bilderserie bietet meiner Meinung nach einen anregenden „Rückblick in die Zukunft“. So abenteuerlich-absurd manche der abgebildeten Ideen aus heutiger Sicht erscheinen, so visionär sind diese zugleich – beispielsweise Ideen von Landwirtschaftsmaschinen, Maschinen, die den Haushalt bzw. den Boden selbstständig reinigen, Dienstleistungen wie Frisör und Zahnarzt, die von Robotern durchgeführt werden, Mobilität in Form von einem Wal-Bus, oder Schulen, wo nicht mehr das Lehrpersonal vorträgt, sondern Wissensvermittlung über Kopfhörer stattfindet, … – sehen Sie selbst.[3]

Schön und gut, werden Sie vielleicht denken, das ist unterhaltsam, aber …

  • was möchte ich Ihnen nun konkret mit diesem kleinen Ausflug in die Vorstellungswelt von 1900 auf Ihren Weg in die Zukunft als Führungskraft mitgeben?

Es gibt etwas: Think big!

Ich meine aber nicht das „Think big“, was Sie ohnehin tagtäglich als Führungskraft tun.

Ich meine das „Think big“, was beispielsweise diese Künstler*innen von 1900 getan haben, indem sie sich gewagt utopisch über die Zukunft Gedanken gemacht haben. Dabei geht es überhaupt nicht darum, dass die Ideen aus dem Think big heraus umsetzungstauglich sein müssen, sondern darum, überhaupt einmal den meist doch ziemlich eingeschränkt agierenden Denkrahmen zu verlassen. Wie oft meinen wir, wir tun dies ohnehin. Aber das ist meist ein Selbstbetrug, dem auch ich selbst häufig erliege. Doch genau diese eingeschränkte Sicht auf die Zukunft und das Potential der Zukunft kann Unternehmen im Digitalisierungsprozess in deutliche Schwierigkeiten bringen.

Die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen, werden nur im Modus „Think big“ möglich werden – und nicht im selbsttrügerischen gemäßigten, industriell verhafteten Think big-Erfolgsdenken. Die Kraft und Macht der Digitalisierung, einschließlich der AI, sind bahnbrechend. Mit Hilfe der neuesten technischen Möglichkeiten könnten schneller als man sich vorzustellen gedenkt, schräge Ideen umsetzungstauglich gemacht werden. Mit Hilfe der Technik könnten wahnwitzige Ideen weitergesponnen und darauf aufbauend durchführbare, noch nicht gedachte Ideen, generiert werden …

Die Kreativität ist jedoch nur ein Aspekt, um die Digitalisierung erfolgsversprechend zu meistern – ein wesentlicher, aber nur ein Aspekt. Es gibt noch einen weiteren, der jedoch mit der Kreativität in Verbindung steht, mit dieser verschränkt wirkt – nämlich die Fragestellung, ob das demokratische Denken, so wie wir im Westen das aktuell verstehen und zu nutzen üben, der Umsetzung schräger Ideen, großer Visionen im Weg stehen könnte, im Vergleich zu China, das gigantische Visionen einfach anordnet und umsetzt. Eine heiße Hypothese, ich weiß, aber ich fürchte eine, der man sich besser jetzt als morgen stellen muss.

China, das möglicherweise die Vorreiterrolle im Zeitalter der Digitalisierung übernimmt, malt große Visionen, gigantische Visionen. Der Flugplatz in Peking, ein Superlativ in nur 4 Jahren aus der Erde gestampft, ist nur ein winziger Aspekt von dem, was China aktuell an Umsetzungen von Visionen vorantreibt – meist jedoch von oben herab brutal angeordnet und nicht demokratisch abgestimmt. Ich mag mit dieser Aussage in keiner Weise die Art und Weise der Umsetzung gigantischer Visionsprojekte der ChinesInnen gutheißen oder auch kritisieren, sondern vielmehr dazu aufrufen, uns mit China und wie China den Fortschritt anheizt, offen auseinanderzusetzen.

Wenn China im Digitalisierungsprozess so weiter macht wie bisher, dann könnte China im Digitalisierungswettlauf und der Nutzung von AI den Westen abhängen – u.U. dann sogar über den Westen bestimmen. Die EU wird zur neuen Kolonie, oder zum Retro-Land, das die ChinesInnen zwecks Erholung gerne bereisen. Ich weiß, dem werden viele von Ihnen nicht zustimmen und es nur als Schwarzmalerei abtun. Ich will diese, meine Meinung auch nicht als zukünftige Realität hinstellen, sondern vielmehr als Diskussionspunkt nutzen.

Wenn man davon ausgeht, dass u.U. die ChinesInnen in der Digitalisierung den Westen abhängen, dann sollten wir uns jetzt die Frage stellen, wie wir darauf rechtzeitig reagieren können, damit das nicht passiert. Uns stehen dafür u.a. 2 Wege offen:

  1. Entweder wir organisieren die Digitalisierung und die damit verbundenen Veränderungen ebenfalls weniger demokratisch und diskutieren nicht so viel, setzen große Entscheidungen einfach um. Bis zum gewissen Grad wird es ohnehin so gemacht, jedoch subtil, von hinten herum. Aber mit dieser Taktik läuft man Gefahr, dass durch die Geheimoffensiven relevante Lernaspekte untergraben werden – was rückblickend gesehen großen Schaden verursachen kann. Dann lieber direkt und offen mit undemokratischen Mitteln arbeiten, als subtil aus dem Off heraus die Fäden ziehen.

  2. Als 2. Chance sehe ich die Option, dass wir die ChinesInnen mit noch größeren Visionen übertrumpfen. Dafür braucht es aber wirklich offene Leute mit Mut, schräge Ideen und Visionen zuzulassen, und das entsprechende technische Know-how. Dafür brauchen wir einen starken WeQ, ein äußerst agiles, kollaboratives, sinnökonomisches Vorgehen.

Deshalb ist es meiner Meinung nach wirklich wichtig, aktuell sich ehrlich und ernsthaft die Frage zu stellen:

  • Was könnten die neuen Impuls- und Veränderungsgrößen im Digitalisierungsprozess sein? Wird die neue Ordnung möglicherweise nur von einzelnen Staaten, vielleicht sogar nur noch von einzelnen Unternehmenssupergiganten entsprechend geformt werden, u.a. von China, Tesla im neuen Gewand, …?

Oder anders gefragt:

  • Welche Vision haben Sie konkret von der Zukunft?

  • Wie arbeiten Sie persönlich im Jahr 2030, sofern Sie dann noch arbeiten dürfen bzw. müssen?

  • Hat sich die Arbeitsweise und möglicherweise auch die Ziele und entsprechenden Produkte und Dienstleistungen geändert?

  • Oder meinen Sie, Ihr Unternehmen läuft 2030 in ähnlicher Weise wie heute – nur mit einigen technischen Adaptionen und weniger MitarbeiterInnen, die darüber hinaus ein anderes Know-how mitbringen müssen?

  • Meinen Sie, dass Ihr persönliches Know-how und Verständnis von heute ausreicht, um das Leben und Arbeiten von 2030 entsprechend visionieren und in Folge auch managen zu können?

Ich selbst glaube nein, mein jetziger Wissensstand wird in keiner Weise dafür ausreichen, die Veränderungen umfassend genug zu begreifen. Und genau deshalb, weil das Verständnis und das Wissen fehlen, sehe ich aktuell die Veränderungspotentiale und Veränderungsdringlichkeiten nicht klar genug.

Das ist das Spannende an großen Veränderungsprozessen: Man kann das, was möglich ist an Veränderungen nicht erkennen, weil man die Veränderungen noch nicht konkret sieht. Aber wie soll man es sehen, wenn man es noch nicht andenkt bzw. weiß – ein Wissensdilemma. Und wenn dann auch noch die Angst oder Ignoranz vor großen Umbrüchen sich zu Wort melden, dann wird die Möglichkeit, die Veränderungen zumindest in Ansätzen ernsthaft als realistische Möglichkeit anzudenken, sofort wieder im Nichts verschwinden und die Veränderungsnotwendigkeit als nichtig erklärt.

Aber vielleicht haben Sie obige Fragen zur Zukunft schon ausgiebig und umfassend durchgekaut, bemühen sich um Antworten und arbeiten eifrig an Lösungen bzw. an entsprechenden Strategien. Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO von VORSPRUNGatwork, meint, Veränderungen werden durch zwei große Parameter vorangetrieben, durch Visionen oder durch Dringlichkeit.[4] Dem werden vermutlich viele zustimmen, und auch wissen, dass Visionen erfolgsversprechender sind als notgedrungene Maßnahmen. Doch an dem Punkt gibt es noch einen Haken: Viele Unternehmen gehen davon aus, sie hätten eine starke Vision. In vielen Führungsetagen mag man überzeugt meinen, man arbeitet kreativ und innovativ an der Zukunft des Unternehmens. Man holt sich ExpertInnen, analysiert, visualisiert und plant entsprechende Maßnahmen.

ABER: Viele Visionen sind keine echten Visionen, sondern kopierte Schablonen, derer man sich bedient. Doch adaptierte Schablonen genügen gegenwärtig nicht mehr, um die Zukunft zu gestalten und die Digitalisierung erfolgsversprechend zu durchlaufen. Es braucht den ernsthaften Willen, couragiert visionär voranzuschreiten, anstatt das Gleiche wie bisher zu intensivieren.[5] Das erfordert jedoch Anstrengung, die gewohnten beharrlichen Sichtweisen über das, was man als möglich und real annimmt, beiseite zu schieben und stattdessen es zu wagen, bahnbrechende Visionen zuzulassen.

Sie werden jetzt ziemlich sicher denken, dass Sie das wissen und entsprechend diesem Wissen handeln. Ja, das tun Sie, davon bin ich überzeugt. Doch in der Hitze des Gefechts übersieht man, ob man will oder nicht, manche Erkenntnis und vielleicht sogar die Zukunft selbst – auch ich – eine Zukunft, die vielleicht schon bald von den ChinesInnen geprägt sein mag, vielleicht auch eine Mobilität, in der nur noch wenige Autos auf den Straßen zu finden sein, und stattdessen die Parkplätze in den Städten als zusätzliche agrarwirtschaftliche Flächen genutzt werden, um sowohl das Stadtklima als auch die Versorgung sicherzustellen.

Hartmut Rosa, Zeitforscher, Direktor des Max-Weber Kollegs, Professor an der Universität Erfurt und an der Friedrich-Schiller-Universität Jena meint: Rechne damit, dass morgen alles anders sein wird.[6]

Doch genau das, Think big, lass bahnbrechende Visionen zu und die damit verbundenen Veränderungen zu, tut weh. Das motiviert nicht jeden und jede, lässt oft sogar eine abwehrende Haltung aufkommen. Groß Denken lässt einen vielleicht sogar seltsam ermatten als euphorisch anregen, man mag u.U. sogar eine unangenehme Schwere spüren. Mit solchen oder ähnlichen Gefühlen will man sich als Führungskraft nicht auseinandersetzen – äußerst verständlich. Eine Führungskraft will entscheidungsstark und selbstsicher wirken. Die mit bahnbrechenden Visionen verbundenen Veränderungen, von denen man selbst unweigerlich betroffen sein wird, stehen dem hinderlich im Weg. Aber diese mit Einsichten verbundenen Widerstände und unangenehmen Begleiterscheinungen sind nur eine Phase von einem wirklich spannenden Prozess.

An diesem Punkt könnte es helfen, eine Übung zu machen:[7]

  • Wählen Sie zu Beginn dieser Übung eine Überzeugung, an der Sie wirklich hochgradig überzeugt festhalten. Dann machen Sie gedanklich einen Sprung und denken in den nächsten Minuten das genaue Gegenteil dazu. Versuchen Sie dem Gegenteil zu Ihrer Überzeugung etwas Raum zu geben. Versuchen Sie dieses Gegenteil nicht sofort niederzuschlagen mit Ihrer Überzeugung.

  • Probieren Sie es einmal für ein paar Minuten und prüfen Sie, wie es Ihnen mit den gegenteiligen Überzeugungen geht?

  • Vielleicht sperren Sie sich, das genaue Gegenteil Ihrer Überzeugungen zu glauben?

  • Aber vielleicht finden Sie dieses Experiment, das Gegenteil Ihrer Überzeugungen als eine neue Möglichkeit hinzuzunehmen, spannend.

In dieser Übung gibt es kein richtig oder falsch. Es geht lediglich darum, die Perspektivenvielfalt wahrzunehmen. Die unvollständigen und oft auch unzureichenden Vorstellungen des Realen und die Beharrlichkeit auf der als Realität angenommenen Weltanschauung beeinträchtigen leider viel zu oft unsere Vorstellung – ohne dass wir das mitbekommen. Dadurch sind auch unsere Zukunftsvisionen beeinträchtigt, und unterscheiden sich meist nicht sehr von dem, was man im Augenblick für wahr hält.[8]

Resümee

Die Industrialisierung und die damit verbundenen Arbeits- und Produktionsweisen waren nie als Allheilmittel und Rezept für alles gedacht, sondern es hat einfach so unter bestimmten Bedingungen zu bestimmten Zeiten gut funktioniert – aber heute in der Digitalisierung greifen andere Rezepte, die jedoch für manche noch mehr wie eine Utopie, eine überzeichnete Idee als möglich werdende Realitäten sind.

Die ChinesInnen, aber ebenso das Unternehmen eXp Realty realisieren bereits Visionen, die für manche noch in den Sternen stehen. Diese machen damit Erfahrungen, geben damit vielleicht auch die weiteren Schritte und Entwicklungen vor, prägen u.U. in Folge ganze Wirtschaftszweige und Arbeitsformen.

Ja, ich weiß, viele werden jetzt meinen, so weit kommt es nicht. Doch ich würde mich nicht darauf verlassen, dass virtuelle Büros nur von einzelnen Unternehmen eingerichtet werden – das könnte im Jahr 2030 ganz anders aussehen. Ich denke, die Wirtschaft der EU, darunter auch die deutsche Wirtschaft steht vor dem Punkt, den Sprung in neue materielle wie auch immaterielle Welten, mit neuen Denk-, Arbeits- und Produktionsräume endlich einmal ernsthafter anzudenken, und nicht als Hirngespinste abzuwerten. Wenn Sie konkret es nicht wagen, andere werden es wagen, davon können Sie sicher sein – allen voran die ChinesInnen.

Abschließen möchte ich diesen Artikel mit einem entspannten Flirt zwischen Vergangenheit und Zukunft bzw. Vergangenheit und aktueller Zeit. Zwei VORSPRINGERInnen machen sich auf ins neue Zeitalter …

Was ich Ihnen mitgeben möchte:

Ihr Günther Wagner

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge zu lesen, können Sie mir auch auf LinkedIn, Xing und Twitter folgen. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer.

 

Informationsquellen:

[1] http://www.steiner-verlag.de/uploads/tx_crondavtitel/datei-datei/9783515084826_p.pdf. Am 2019-10-03 gelesen.
[2] https://bigthink.com/technology-innovation/virtual-island-remote-workers-exp. Am 2019-10-02 gelesen.
[3] https://www.derstandard.at/story/2000028483147/zurueck-in-die-zukunft-wie-man-sich-um-1900-das. Am 2019-10-01 gelesen.
[4] Gespräch mit Dr. Christian Kugelmeier, Co-CEO VORSPRUNGatwork, im Rahmen eines VORSPRUNGbrett im Dezember 2018.
[5] http://www.forschungsnetzwerk.at/downloadpub/soziale_kompetenz_im_ingenieurberuf.pdf. Teil I: Lernen von Columbus – Veränderungen in unsicheren Situationen gestalten. Von Dr. Peter Kruse. Am 2018-11-27 gelesen.
[6] Rosa, Hartmut: Im Reich der Geschwindigkeiten. In Philosophie Magazin. Nr. 02/2018. Philomagazin Verlag GmbH. Berlin.
[7] Mindful. Balanced. Happy. – ProjectBemore.
[8] Smith, Keri: Meine Welt. Verlag Antje Kunstmann GmbH. München: 2015.

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