Was kommt nach der Digitalisierung?

Was kommt nach der Digitalisierung?

Im letzten Artikel kündigte ich ein Reloading der Digitalisierung an. Google ließ im Oktober 2019 den ersten Quantencomputer in Betrieb gehen. Als ich meinen Artikel dazu verfasste, hatte ich noch nicht auf dem Radar, dass China bereits einen Quantensatelliten im All laufen hat, der eine spukhafte Fernwirkung auf die Kommunikation haben soll. Angeblich kann man bei diesem Quantensatelliten keine Daten mehr hacken, die Kommunikation sei durch die Quantenkryptographie sämtlichen gängigen Entschlüsselungsmethoden gegenüber immun.[1]

Auch wenn Google auf der Erde offiziell als Erster einen Quantencomputer stabil zur Anwendung gebracht hat, China steht um nichts hinten nach – aber jetzt kommt die entscheidende Frage:

Wo steht Deutschland, die EU, insbesondere Ihr Unternehmen im Wettrüsten von Quantentechnik, Quantenkryptographie, Künstlicher Intelligenz (KI), Neuroscience, Bio- und Nanotechnologie?

Ob man will oder nicht, Deutschland zählt nicht mehr zu den Top 10 was die neuen Technologien betrifft – und das sollte Grund genug sein, sich deutlich mehr Gedanken über die Zukunft zu machen, als man es anscheinend tut. Deutschland unterschätzt möglicherweise die Kraft und Macht der Supercomputer, der Neurotechnik und den Einsatz von KI, die alles revolutionieren könnten – Materialforschung, Finanzdienste, die Astrophysik bis hin zur Medizin, Verkehrsüberwachung, Molekülbewegungen, selbst Klimaauseinandersetzung, … – einfach alles.[2] Die Neurowissenschaft spielt dabei ebenso eine Rolle, wie der flexibel arbeitende, selbstlernende Roboter am Fließband.

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Gerade diesem Aspekt, der Kraft der Neurowissenschaft in Verbindung mit Big Data, wird scheinbar zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt.[3] Der Westen mag dem mit Vorbehalt gegenüberstehen, der Osten hingegen sammelt fröhlich Daten und kann damit experimentieren. Das kann ein Nach- aber auch ein Vorteil sein. Wie dem auch sei, die Neurotechnik wird vermutlich auch nicht bei uns halt machen.

  • Mit Hilfe neuer und deutlich umfangreicheren Messmöglichkeiten von Gehirnströmen bzw. Gehirnaktivitäten, lassen sich vielfältigste äußerst genaue Informationen erstellen über die Aufmerksamkeit, Konzentration, über die Stimmungslage des Menschen und das Sozialverhalten. Die Nutzung dieser Informationen gehen tief, bis hin zu Lernempfehlungen für Kinder.

  • Darüber hinaus ist es angeblich sogar möglich, die Einstellungen und Empfindungen von Personen untereinander zu messen und zu analysieren – beispielsweise, ob zwei MitarbeiterInnen miteinander Probleme haben. Wenn das der Fall sein sollte, dann kann man gezielt Impulse setzen, sprich die Emotionen manipulieren, damit beispielsweise aus Ärger Empathie wird.

  • Angst, Stress, Freude, Wut, … lässt sich nicht mehr verheimlichen. Stattdessen geht man her, misst, analysiert und versucht anhand der Daten das Leben noch weiter zu optimieren.

  • Selbst Ästhetik findet eine neue Form der Messbarkeit und damit Anwendung. In China konnte mit Hilfe von Emotionsdaten ein Produkt, dass ein Ladenhüter war, entsprechend der Datenanalyse neu designt werden, und wurde von einem Tag zum anderen ein Kassenschlager.

Dieser Ansatz, Emotionen zu nutzen, um gezielt Menschen zu beeinflussen ist selbstverständlich nichts Neues. Jede Marketingabteilung nutzt die Kraft der Emotionen, um Produkte und Dienstleistungen attraktiv wirken zu lassen und die Kauflust darauf zu wecken. Jeder weiß, dass Ästhetik bzw. Gefühle eine Rolle spielen. Bisher hat man sich intuitiv mit ein paar soziologischen Analysen darauf verlassen, wie man die Emotionen der KundInnen positiv triggert. Heute, mit der neuen Technologie, können die Emotionen hingegen äußerst genau gemessen, analysiert und zu großen Datenclustern zusammengefügt werden. Man kann mit den neuen Technologien unfassbar viel erfahren, was Menschen bewegt, was sie sich wünschen, was sie beängstigt, …

Das ist die Revolution, die Fülle an Daten, die noch dazu die stärkste Kraft mitanalysiert – die Emotionen.

Mit Hilfe der Gesichtserkennung- und Aufmerksamkeitsanalysen kann man Auswertungen erstellen, die in dieser Art noch nie möglich waren. Selbstverständlich werden diese Analysen nicht einfach nur so ins Blaue hin erstellt, sondern sehr gezielt für Politik, Wirtschaft, aber auch für Medizin und andere Bereiche, wie die Kunst zu nutzen gesucht.

  • Mag sein, dass es schön ist, wenn man beispielsweise die neuen Technologien und Messmöglichkeiten dahingehend einsetzt, um sich beispielsweise wieder mit einem bestimmten Mitarbeiter besser zu verstehen?![4]

  • Mag sein, dass eine Lebensverlängerung mittels DNA-Hacking die Sehnsucht der Menschen, ein längeres, gesünderes Leben zu führen, positiv zu befriedigen vermag.

  • Die Drohnensteuerung durch Gedankenübertragung mag eine nette Spielerei sein,

  • oder man genießt einfach nur virtuelle, holographische Freundschaften, ohne bei dieser Art von Freundschaft kritisch angesprochen zu werden, wenn man etwas sagt, was nicht ganz stimmig ist. Abgesehen davon haben diese virtuellen Freunde genau dann Zeit, wenn man selbst Zeit hat.[5]

Das neue Zeitalter mag mit dem, was man fähig sein wird zu messen, zu analysieren, zu produzieren, den Menschen auf eine Macht- und gleichzeitig Ohnmachtsstufe stellen, die alles Bisherige in den Schatten stellt.

So gesehen sollte man sich ernsthaft mit der Frage auseinanderzusetzen, was nach der Digitalisierung kommt, weil die Phase der Digitalisierung selbst kurz sein wird, und darüber hinaus Digitalisierung mit den Attributen wie Agilität, Kollaboration, Sinnökonomie, flache Hierarchien, zusammengefügt unter dem Synonym New Work, ohnehin aktuell zu oft missinterpretiert bzw. abgespeckt und damit unzureichend umzusetzen gesucht wird.

Schon wieder eine Digitalisierungs-Predigt vom Wagner – denken Sie vielleicht. Fast hat es den Anschein, dass nur ich mit einigen anderen scheinbar die Entwicklungen verschlafe, und nun im Eiltempo zu erfassen suche, was da alles passiert. Mag jedoch auch sein, dass es Ihnen ähnlich geht wie mir. Kann ebenso sein, dass Sie der Meinung sind, dass Quantentechnik und der andere neue Technikkram bloß was für die Riesenkonzerne dieser Welt bzw. für die großen Forschungslabs sind. Sie warten lieber ab, und wenn die neue Technik alltagstauglich wird, dann greifen Sie zu.

Und genau diesen Zugang zu den Entwicklungen sehe ich kritisch. Ja, es stimmt, die Riesen haben die Ressourcen und Möglichkeiten sich eingehend mit der Entwicklung der Technik auseinanderzusetzen. Aber es ist meiner Meinung nach fatal, erst bei offiziellem Startschuss der neuesten Technik sich mit diesen neuen Spielereien intensiver auseinanderzusetzen. Ich habe den Eindruck, ebenso wie andere, mit denen ich darüber diskutiere, dass zu viele Unternehmen, selbst Konzerne, sowohl die technischen Entwicklungen wie auch die damit verbundenen Folgen in den möglichen Wirksamkeiten unterschätzen.

Mag sein, dass dies auch absichtsvoll so gehandhabt wird, weil man einfach das, was jetzt an Gewinnen noch machbar ist, einstreifen will. Wie dem auch sei, die einen versuchen jetzt noch schnell alles herauszuholen, was herauszuholen geht, die anderen sehen noch gar keinen Handlungsbedarf, weil man davon ausgeht, dass die Veränderungen durch den Einsatz der Supercomputer ohnehin vollkommen überzeichnet werden. Ganz egal wie Sie es jetzt sehen, der erste Quantenrechner läuft, und ich frage Sie jetzt ganz direkt:

  • Was wissen Sie konkret über Quantencomputer und deren Arbeitskraft? Was wissen Sie konkret über Quantentechnologie, über KI wie auch Neurotechnik, über den Einsatz, die Möglichkeiten, Chancen und auch Folgen dieser technischen Entwicklungen?

Im Anschluss an diese Frage gehe ich noch einen Schritt weiter – das hat einen Grund, der sich im zweiten Teil von diesem Artikel in der Relevanz erschließen lässt. Aber jetzt gehen wir über das möglicherweise fehlende Wissen in Bezug auf die Technik hinweg, in die Zukunft hinein und fragen uns:

  • Was kommt nach der Digitalisierung?

  • Was kommt nach den agilen Arbeitsweisen im Digitalisierungsprozess?

  • Leben wir vielleicht in der Zukunft in einer Zeit, die ähnlich scheint wie im Film Matrix, wo eine kleine Gruppe von Menschen gegen die Macht der Maschinen ein selbstbestimmtes Leben zu bewahren sucht, obgleich dieses im Vergleich zu dem manipulierten Leben deutlich nüchterner scheint?

  • Leben wir u.U. in Liebesbeziehungen mit einer KI?

  • Wird mit Hilfe der Nano- und Biotechnologie das individuelle Leben deutlich verlängert, und wir haben 200 Jahre Zeit, unser Leben zu leben? Wenn das möglich wird, was macht das mit uns persönlich, mit der Gesellschaft, …?

  • Wäre es auch denkbar, dass aufgrund der Klimaveränderungen sich das Leben ebenfalls auswirkungsreich verändert – in einer Weise, die wir nicht für möglich halten würden. Zum einen, indem vielleicht große Gruppen von Klimaflüchtlingen durch die Welt ziehen, Ressourcenkämpfe stattfinden. Zum anderen entwickelt sich vielleicht eine große Besinnung, dahingehend, rückbesinnend im Respekt und Einklang mit der Natur zu leben, die Kreislaufwirtschaft mit Hilfe der neuen Technologien zu nutzen suchen, gänzlich neue Produkte auf den Markt zu bringen, die nicht auf Basis von Raubbau produziert werden?

  • Könnte auch sein, dass man in Zukunft vorwiegend künstlich hergestellte Lebensmittel isst, ausgedruckt aus 3-D-Druckern, angereichter mit genau individuell abgestimmten Nährstoffen, die präzise auf den Organismus abgestimmt sind. Viele Krankheiten verschwinden, können gezielt geheilt werden, wo man heute noch kämpft. Vielleicht ist es sogar möglich, den Körper zu verändern, indem man gezielt manipulativ einwirkt – wie ich schon vorhin als DNA-Hacking erwähnt habe.

Diese Fragen und viele weitere mehr müssen wir uns stellen, weil die aktuellen Entwicklungen so rasant gehen, und in einer Wucht das Leben, Ihre Unternehmen auf den Kopf stellen könnten. Wie dem auch sei, selbst jetzt schon sind die Veränderungen gewaltig, und die alten Arbeitsweisen und Organisationsstrukturen stehen dem hinderlich gegenüber. Das spüren Sie im Unternehmen ohnehin ganz genau – nicht grundlos werden so gut wie überall Changeprozesse aufgesetzt. Aber Agilität und im noch größeren Format New Work wirklich erfolgsversprechend im Unternehmen zu implementieren, ist deutlich schwerer als gedacht. Das zeigt sich daran, dass 2/3 in dem Versuch, das Unternehmen agil werden zu lassen, neue Arbeitsweisen erfolgsversprechend zu integrieren, scheitern.[6]

Genau genommen stecken wir in einem Dilemma – es scheint weder in die eine Richtung weiter zu gehen noch in die andere Richtung, deren Arbeits- und Wirkungsweisen scheinbar noch in der Zukunft zu liegen scheinen. Was also tun? Gehen wir vielleicht wieder zurück zu der Quelle von New Work. Dort sehe ich etwas, was uns dienlich sein könnte und gleichzeitig die Zukunftsfrage, was nach der Agilität kommt, einsichtig werden lässt. Im ursprünglichen Verständnis von New Work heißt es:

  1. Ein Drittel der Arbeitszeit sollte der Selbstversorgung dienen, also Arbeit sein, die man für sich selbst macht.

  2. Ein Drittel sollte die gewöhnliche Erwerbszeit ausmachen – außer man schafft es mit der Selbstversorgung gänzlich auszukommen.

  3. Das letzte Drittel – und dieses sei jenes, das am schwierigsten umzusetzen ist – sollte mit einer Arbeit erfüllt sein, zu der man sich berufen fühlt. Einer Arbeit, die man „wirklich, wirklich, wirklich machen will“. Warum das jedoch so schwierig sei, erklärt der Begründer von New Work, Frithjof Bergmann damit, dass Menschen verlernt hätten, auf sich selbst zu hören. Die Kultur, in der wir sozialisiert sind, basiert auf Zähmung.[7]

Tragend auf diesen 3 Säulen hat Bergmann in den 80er Jahren des 20.Jhdt. einen Wandel in der Automobilindustrie in der US-Stadt Flint initiiert. Dort gründete er sein Zentrum für Neue Arbeit, um Massenentlassungen mit seinem Konzept entgegenzuwirken. Massenentlassungen könnten uns erneut aufgrund der Digitalisierung heimsuchen. Damals sollten die MitarbeiterInnen jedenfalls sechs Monate in der Fabrik arbeiten, und die anderen sechs Monate darüber nachdenken, was sie wirklich tun wollen. Das Zentrum von Bergmann hätte die aufkeimenden Ideen in der Umsetzung unterstützt. ABER die MitarbeiterInnen waren davon nicht begeistert, haben vielmehr mit Skepsis, Zweifel und sogar Tränen reagiert.[8]

Bergmann erklärt sich diese Reaktion damit, dass all jene mit neuen Strukturen und neuen Verantwortlichkeiten Schwierigkeiten hätten, die sich nicht mit der Frage beschäftigen, was sie im Leben wirklich wollen. Diese Menschen sind seiner Meinung nach feige.[9] Ich würde es nicht so ausdrücken. Ich möchte es eher dahingehend zu verstehen suchen, dass einigen dieser Menschen eine tief verankernde Vision fehlt, ein Lebensinhalt, der über die Befriedigung von materiellen Gütern, über Ruhm, Ehre, Status hinausgeht.

Sie fragen sich jetzt vielleicht zu Recht, worauf ich überhaupt hinaus will? Die Herausforderungen sind gewaltig, und ich komme jetzt mit Sinnfragen. Das mag auf den ersten Blick Unmut erzeugen, nervös machen, verärgern. Sie brauchen dringend Lösungen, um die Herausforderungen zu meistern, keine Sinnsuche.

Schenken Sie mir bitte noch etwas Zeit, damit ich Ihnen verständlicher machen kann, worauf ich hinaus will, wo ich meine ein Lösungspotential zu erschließen, dass auf jeden Fall wirksam ist – so oder so.

Ich bitte Sie jetzt, mit mir gemeinsam erneut einen Blick auf die Automobilbranche zu werfen. Machen wir eine Ist-Aufnahme: Die Automobilbranche steckt aktuell offensichtlich wieder in einer Krise, die sicherlich durch die Digitalisierung mitgetragen wird, aber nicht nur. Von Bosch über Continental bis ZF, in der Zulieferer-Branche steht ein massiver Jobabbau an, Fabriken droht die Schließung. Dazu kommen, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, die Insolvenzen der kleinen, oft unbekannten Zulieferfirmen. Bei der vergangenen großen Krise vor mehr als zehn Jahren gab es Rezepte, die das Schlimmste verhinderten: Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten leerräumen, mal für ein paar Tage die Halle zusperren. Es sind Rezepte für die ganz normale Krise.

Was in diesen Monaten in der Autobranche passiert, ist aber keine dieser normalen Krisen, zu denen man in den Lehrbüchern der Betriebswirtschaftslehre nach Antworten suchen kann. Diesmal geht es um einen Umbruch, wie ihn die Autoindustrie noch nicht erlebt hat, weil u.a. vieles von dem, was produziert wird, künftig nicht mehr gebraucht wird.[10]

  • Man hat es verabsäumt, sich ernsthaft genug die Frage zu stellen, was kommt ganz konkret nach den Benzinmotoren?

  • Wie sieht überhaupt die Mobilität in 30ig Jahren aus?

Es ist nicht so, dass sich dieses Wissen bzw. die damit verbunden Zukunftsherausforderungen erst in den vergangenen Wochen gezeigt hätte. In der Branche wissen die PlanerInnen seit Langem, wo die Reise hingeht. Aber solange sich Benziner und Diesel gut verkauften (und sie werden sich noch einige Jahre verkaufen), gibt man sich der Illusion hin, dass es doch noch so weitergehen würde. Warum umsteuern? Läuft doch.[11] Aber der Abschwung ist im Gange. Die Party neigt sich dem Ende.

Man muss sich vorstellen, dass die Mehrheit der Menschen in Zukunft in Ballungszentren leben werden. 1950 lebten noch 2/3 der Menschen in ländlichen Gebieten. Bis 2050 werden hingegen 2/3 der Menschen weltweit in Ballungszentren wohnhaft sein. Dort wird es immer schwieriger mit privaten Autos bequem von einem Bezirk zum anderen zu kommen, abgesehen von den akuten Luftproblemen. Die Mobilität der Zukunft mag deshalb schon anders aussehen – bedingt durch das veränderte Leben der Menschen. Doch man konzentriert sich noch immer so sehr auf die Motorentechnologie, anstatt in großen Dimensionen zu denken, zu erspüren, was in Zukunft überhaupt noch sinnvoll und damit auch wirtschaftlich rentabel ist.

Mag sein, dass viele von Ihnen ohnehin so weit denken, und die Zukunft sehr konkret im Blick haben. Andererseits merke ich in den vielen Diskussionen die ich führe, dass die Bereitschaft zum ausgiebigen Zukunftscheck vorhanden sein mag, aber es mangelt gravierend bei vielen an der Zeit, sich wirklich tiefgreifend mit den technischen Entwicklungen und den möglichen Folgen auseinanderzusetzen. Das Tagesgeschäft lässt kaum Räume frei, sich intensiver mit der Zukunft auseinanderzusetzen. Gleichzeitig ist aber notwendig, damit man die Entwicklungen, den Fortschritt, die damit verbundenen Möglichkeiten nicht verschläft, sondern gewissenhaft erfolgsversprechend zu nutzen versteht.

Der Fortschritt lässt nicht auf sich warten, bis Sie Zeit finden sich eingehender damit auseinanderzusetzen – weder was die Mobilität angeht noch was die Verwendung von Daten betrifft.

Resümee: Europa braucht mehr utopische Energie

Im Magazin Nr. 1 heißt es, wir brauen Utopien als Kompassnadel, die uns den Weg weisen. Es genügt nicht mehr zu fragen, wie man agil wird, wie man die Unternehmen in einem digitalen Zeitalter bestmöglich platzieren kann, wie man beispielsweise die Verkaufszahlen von Benzinautos noch ankurbeln kann.

Hingegen zeigt sich, dass kaum positive Visionen, kaum eine Utopie zu denken gewagt wird. Stattdessen hört man vorwiegend Horrormeldungen. Viele Intellektuelle scheinen in einem pessimistischen Modus gefangen zu sein, man widmet sich lieber mit großer Lust einem möglichen Untergang, als bahnbrechende Utopien in Verbindung mit den technischen Möglichkeiten durchzukauen.[12]

Das ist äußerst Schade. Denn so lassen sich die Fragen, was nach der Agilität, was nach den Benzinmotoren kommt, wie man die Digitalisierung wirklich erfolgsversprechend meistern kann, nicht aussichtsreich beantworten. Vielleicht sollte man auch weniger von Utopie sprechen. Mag sein, dass dieses Wort bei einigen Widerstand, eine kognitive Dissonanz auslöst. Dann wären wir wieder beim Anfang, dort, wo Agilität scheitert, dort wo man die technologische Revolution und die damit verbundenen Folgen u.U. verschläft bzw. (un)bewusst zu ignorieren sucht. Also versuchen wir es erneut, stellen wir uns einerseits den Herausforderungen und wagen andererseits einen Bewusstseinssprung in die Zukunft.

  • Fakt ist: Computer arbeiten jetzt schon, demnächst noch viel mehr, derart besser und leistungsfähiger als Menschen, dass vermutlich viele Tätigkeiten, die diese Supercomputer in Zukunft übernehmen können, vermutlich auch von diesen übernommen werden. Gleichzeitig könnte es sein, dass man sich als Mensch mit der Leistungskapazität der Computer irgendwann einmal auch verbinden kann bzw. muss. Was dann passiert, das wäre nochmals ein Aspekt, den man mitdenken könnte.

  • Ein weiterer Fakt könnte sein, dass jene, die unter den Ersten sind, die Quantencomputer, KI, Neurotechnik, … vor den vielen anderen zu meistern verstehen, die damit verbundene Macht missbrauchen. Vielleicht darf man aber gar nicht nur die möglichen wenigen MonopolistInnen in Betracht ziehen, weil vielleicht sogar schon bald mehr als man sich vorstellen kann, mit den unterschiedlichen Variationen der Entwicklungen arbeiten können. Dahingehend könnte ein Datenmissbrauch überall stattfinden. Denn wer würde nicht die Möglichkeiten nutzen, die Fülle an Daten für unternehmerische Eigenzwecke zu nutzen suchen.

  • Mag aber auch sein, dass die Skepsis in Bezug auf die Neurotechnik in den westlichen Ländern so groß ist, dass man ohnehin nicht so leicht zu den vielversprechenden Daten kommt. China hat damit kaum Probleme, bewertet, gemessen, emotional erfasst zu werden. Japan hat ebenfalls keine Probleme sich beispielsweise mit KI als Ersatz für Menschen zu arrangieren. Die JapanerInnen sind sogar der Meinung, dass die KI ihnen helfen könnte, ein besserer Mensch zu werden. Die KI hätte ebenso eine Seele, wie alles andere auf diesem Planeten. Diese japanische Sichtweise rührt aus der uralten japanischen Shinzo-Tradition heraus. Das mögen jetzt manche von Ihnen äußerst skurril sehen, an den Haaren herbeigezogen, aber es wirkt in Bezug auf den Umgang mit KI.[13]

Die Fakten liegen doch ziemlich eindeutig auf der Hand, doch was die Fakten zu Taten werden lässt, das sind die Emotionen.

Emotionen ziehen in den Bann. Das, was ich vor kurzem in „Jedermann Reloaded“ hautnah, fast schon quälend von Philip Hochmair in der Rolle des Jedermanns zu spüren bekam – in dem Kampf, das Leben nur aus egoistischer Befriedigung heraus sinnerfüllt zu verstehen, und dann im Angesicht des Todes zu merken, dass man u.U. so das Leben missverstanden geführt hat. Wenn man die Sinnfrage ernsthaft rauslässt, dann mag das manche irritieren, aber so gut wie fast immer Emotionen und Gedankenimpulse auslösen. Und genau das braucht es jetzt im Prozess der Digitalisierung – Betroffenheit.

So gesehen ist es fast verständlich, dass New Work oder auch Agilität scheitern musste. New Work, ebenso wie Agilität war/ist zu selten emotional sinnerfüllt beflügelt. Es fehlt an Begeisterung, an ehrlichem tief verankertem Sinn. Es mangelt an einem inneren Bedürfnis, die Welt mit etwas was einem selbst wirklich wichtig und richtig scheint, bereichern zu wollen. So gesehen gibt es eigentlich nur einen Weg, die Digitalisierung und die Folgen erfolgsversprechend zu meistern:

Lösung ist einzig allein der Mensch. Dieser rückt mit den menschlichen Fähigkeiten Empathie, Mitgefühl, Liebe, Kreativität, Sinnsuche in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die kognitiven Fähigkeiten übernehmen die Computer, die emotionalen Fähigkeiten können Computer messen, analysieren und entsprechende Diagnosen stellen – aber die Kraft des menschlichen Bewusstseins über die Endlichkeit des Lebens obliegt den Menschen.

Diese Fähigkeit, manche würden hierbei vielleicht sogar von der spirituellen Dimension des Menschen sprechen, mag in Zukunft vielleicht die einzige Kraft sein, die ein Computer nicht zu beherrschen vermag. Die Emotionen könnten manipuliert werden. Aber ein geschultes Bewusstsein, verankert in einer übergeordneten Kraft, vertrauensvoll eingebunden in das Leben in seiner Unendlichkeit, ist vermutlich jedem Computer gegenüber überlegen. Vielleicht ist es das, was nach der Agilität kommt – ein Bewusstseinssprung hin zu mehr Achtsamkeit, eine Bewusstseinsschärfung dem Leben als Ganzes gegenüber, ein Lösungsansatz, auf der Spiral Dynamics u.a. auch fußt.

Das ich mit diesem Ansatz nicht ganz daneben liege, oder gar als Spinner angesehen werde, sehe ich daran, dass der Spiral Dynamics Ansatz bereits mehrfach als relevanter Arbeitsansatz zur Bewältigung von Krisen in Wirtschaft, Politik und expliziten Krisenherden dieser Welt herangezogen wurde. Bill Clinton, Tony Blair und Nelson Mandela arbeiteten ebenfalls mit diesem Modell. Dieses Modell diente u.a. zur Unterstützung des Übergangs zu einer Post-Apartheid-Ära in Südafrika.[14] Die jungen Generationen scheinen diesem Arbeitsansatz ebenfalls offen gegenüberzustehen, ziehen diesen in MBA-Arbeiten heran, um die komplexen Probleme unserer Zeit in neuer Weise erfassen und lösen zu können.

Ich weiß nicht, ob Sie das Spiral Dynamics Modell kennen – vielleicht ist es auch nicht notwendig, wenn Sie sich ehrlich und ernsthaft Ihre persönliche Sinnfrage stellen, und dann davon ausgehend einen Blick machen hin zur Digitalisierung, hin zur Quantentechnologie, hin zur Neurotechnik.

Vielleicht spüren Sie, dass Sie Ihr Wissen in Bezug auf die neuen Technologien verbessern müssen, oder Sie merken, Ihr Sinn für das was Sie tun, muss vielleicht auch ein wenig nachgeschärft werden. Egal von wo Sie aus auf die Herausforderungen unserer Zeit blicken, Sie wissen genau, dass Quantencomputer den Menschen in den rationalen Fähigkeiten um Längen voraus sein werden. Sie ahnen vielleicht auch, dass Sie Lösungen brauchen, die nicht mehr rein betriebswirtschaftlich gefunden werden können, sondern auf einer anderen Ebene zu finden sein werden – möglicherweise dort wo die Achtsamkeit daheim ist, dort wo wir Menschen im Bewusstsein in der unendlichen Natur verankert sind. Dann mag Agilität ganz anders erscheinen, vielleicht sogar wirkungsvoll werden, und wie magisch die Herausforderungen der Digitalisierung zu managen fähig sein.

Ihr Günther Wagner

 

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Literaturquellen:

[1] https://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/abhoersicher-china-schickt-quanten-satelliten-ins-all-a-1107921.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[2] https://www.welt.de/print/welt_kompakt/webwelt/article165724737/Chinas-Quantencomputer-sind-die-Schnellsten.html. Am 2019-10-29 gelesen.
[3] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[4] https://newmanagement.haufe.de/skills/the-next-big-thing-und-china-laeuft-uns-den-rang-ab. Am 2019-10-29 gelesen.
[5] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[6] https://www.linkedin.com/feed/update/urn:li:activity:6469127421533700096/. Am 2018-11-21 gelesen.
[7] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[8] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[9] https://kurier.at/wirtschaft/karriere/new-work-wissen-sie-was-sie-gluecklich-macht/257.484.960. Am 2018-07-10 gelesen.
[10] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[11] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/auto-zulieferer-krise-stellenabbau-1.4654232. Am 2019-10-29 gelesen.
[12] Ein Interview mit Aleida Assmann: Genug Apokalyptische Klugheit. In: Magazin Nr. 1 / 2019 20 – Utopie.
[13] https://tv.orf.at/kulturmontag/. Homo digitalis – wie lange sind wir noch Mensch?. Am 2019-10-28 gesehen.
[14] https://de.wikipedia.org/wiki/Spiral_Dynamics. Am 2019-10-30 gelesen.

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