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WAS LERNEN WIR AUS DER CORONAKRISE?

WAS LERNEN WIR AUS DER CORONAKRISE?

Der Lockdown wurde verlängert. Die zwangsoptimierte und zwangsoptimistische Homeoffice-Stimmung beginnt zu schwächeln.

Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sind notwendig, und viele Unternehmen haben ziemlich wendig reagiert. Die Digitalisierung war dabei ein scheinbar hilfreiches Mittel, und diverse Nebenwirkungen nimmt man breitwillig in Kauf, geht Kompromisse ein. Das mag angesichts der Lage richtig und notwendig sein, aber man sollte die Nebenwirkungen im Auge behalten bzw. ehrlich und offen wahrnehmen – denn dort liegt möglicherweise der Hund begraben.

 

EIN KRITISCHER SANDHAUFEN

Um die aktuelle Situation, Corona und die mit Corona verbundenen Maßnahmen und Veränderungen zu verstehen, betrachten wir vielleicht einmal ein sehr einfaches Bild, mit dem die meisten von uns als Kind oder vielleicht auch als Erwachsener eine gewisse Freude und Neugier verbinden: Einen Sandhaufen.

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Viele von uns haben in Verbindung mit Sand die Erinnerung oder Idee, wie der Sand durch die Finger rieselt, wie sich der Sand zu einem kegelförmigen Haufen auftürmt. Das interessante an einem Sandhaufen ist seine absolute Unberechenbarkeit. Hat der Haufen einmal eine bestimmte Größe erreicht, kann ein einzelnes Sandkorn eine Sandlawine auslösen.

Jedes einzelne Korn auf dem Sandhaufen ist durch ein unsichtbares Netz aus Druck und Spannung mit allen anderen Körnern verbunden. Einzelne Sandkörner unter einem Mikroskop zu betrachten liefert aus diesem Wissen heraus jedoch keinen weitreichenden Hinweis, wie sich der gesamte Sandhaufen verhält. Trotzdem glauben wir, wir könnten den Einzelteilen kausale Ursache-Wirkungs-Mechanismen zuschreiben, und darauf reduziert optimale Lösungen für das Ganze finden.

Auch wenn die Sandhaufen-Metapher jetzt nicht 1-zu-1 auf unser Leben, auf die Wirtschaft umgelegt werden kann, sollte man nicht den Fehler begehen, die Komplexität mit den weitreichenden Verbindungen und Wirkungen aus den Augen zu verlieren. Eine zu sehr auf Einzelteilen basierende Ursache-Wirkungs-Strategie kann Unternehmen und auch die Politik in der gegenwärtigen Pandemie, aber ebenso in der Klimakrise zum Verhängnis werden. Und genau an dem Punkt beginnt der Lernaspekt.

 

WAS KÖNNEN WIR AUS DER CORONAKRISE LERNEN?

Es ist an der Zeit, aktuell mehr denn je, das reduzierte lineare Denken in Ursache-Wirkungs-Kausalitäten zu hinterfragen, zu erweitern und den Blick zu schärfen für all das, was noch wirkt, aber (un)bewusst weggeschoben wird. Wir sollten uns mehr denn je für die Komplexität der Ereignisse öffnen. Lernen, alles auf einmal zu betrachten, den gesamten Sandhaufen wahrzunehmen und versuchen, die Dinge in einem erweiterten Kontext zueinander im Blick zu behalten.

Wenn wir Corona und die Folgen für die Wirtschaft verstehen wollen, müssen wir die Wirkungsweise vom Sandhaufen verstehen, müssen wir tief in den Sandhaufen hineinblicken und ergründen, welche Dinge die Struktur des Sandhaufens beeinflussen. Wir müssen lernen, anders zu sehen und zu denken, dann können wir auch die komplexen Herausforderungen mit der Coronapandemie meistern, die Schwarmintelligenz, die kollektive menschliche Klugheit nutzen, die jedoch nach Meinung von Prof.Dr. Gunter Dueck leider deutlich schwächelt.

Schwarmdumm

Dueck spricht in seinem Buch, Schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam, offen aus, dass statt Teamgeist und dem Willen für intelligente Lösungen viel mehr Desinteresse an anderen herrscht, die Eigeninteressen mit gemeinnützlichen Zielen kollidieren [1/2] – was sich selbst in der Coronakrise nicht unterbinden lässt.

So sagt Dueck in einem Interview, wir sind äußerst schlecht darin, trotz partikulärer Wünsche gemeinsam an einem Ganzen zu arbeiten. Was herauskommt ist sehr oft richtig dumm. Das nennt man natürlich anders, wählt verträglich anmutende Worte, wie: Mit diesem Kompromiss müssen wir leben.[3]

Jeder mag für sich allein schon intelligent sein, aber in der Gruppe endet es nach Dueck in einer Schwarmdummheit mit der Erfolgsillusion Effizienz mit utopischen Zielen, wo man dann viel tricksen muss, um diese entsprechend vielversprechend vorzeigen zu können. Ein Manager, der die Auslastung über 85% hinaufschraubt, ist für Dueck sogar ein relevanter Grund, dass die Schwarmdummheit in Unternehmen zunimmt.[4]

Eine Auslastung von 85%, bei vielen Managern am liebsten 100%, ist nur bei einer totalen Roboterisierung der Arbeit möglich, wo man es vielleicht einrichten kann, dass es NIE Störungen gibt. Aber nachdem das so nicht existiert, sei es nach Dueck dumm, die Auslastung so hoch zu setzen, das erzeugt Druck, Stress, Störungen, Fehler, Chaos mit kaum zu durchblickenden Folgen.[5]

Wer unter zu hoher Auslastung arbeitet, hat nicht mehr genug Ressourcen frei, um offen und teamorientiert zu agieren, ist nur noch auf sich selbst konzentriert, es irgendwie zu schaffen, verliert den Teambezug und den notwendigen Weitblick, wie ich auch schon in meinem Artikel Stress wirkt, und Stress beeinflusst aktuell das Weltgeschehen zu verdeutlichen suchte. Gleichzeitig lässt mit dem Effizienzstreben die Kundenbetreuung nach, Qualitätsmängel zeigen sich vermehrt, und dringend anstehende Innovationen ersticken im Keim.[6]

Dueck wundert sich, dass niemand versucht, die Probleme und Herausforderungen, die global Corona aber auch Klima bedingt exorbitant hoch sind, qualitativ im Sinne höchster Kompetenz zu lösen. Der Auslastungswahn ist nach Dueck auf jeden Fall keine Lösung, im Gegenteil, verstärkt die Probleme noch weiter.

Aber was heißt das jetzt für die Unternehmen, wo Homeoffice und die damit verbundene Effizienz scheinbar erfolgsversprechend wirkt, gleichzeitig aber die Auslastung der MitarbeiterInnen durch Verstrickungen von Homeoffice und Home-Schooling, von Privat und Beruf deutlich steigt, und genau diese Auslastung weitere Probleme schürt, statt weitreichende tragfähige Lösungen zu generieren?

 

DIE FRAGE IST DIE ANTWORT

Und deshalb stelle ich erneut die Frage:

Was haben Unternehmen aktuell aus der Coronakrise gelernt?

Was hat konkret Dein Unternehmen aus der Coronakrise gelernt?

Wie und wonach wir fragen, ist von entscheidender Bedeutung, um die Schwarmintelligenz zu (re)aktivieren, der Schwarmdummheit ein Schnippchen zu schlagen – sofern das gewollt wird, aber auch das könnte eine spannende Frage sein, mit spannenden Antworten. Dabei geht es jetzt in keiner Weise darum, schwarze Schafe zu finden und offen an den Pranger zu stellen, sondern die Reflexion und das Verständnis unseres Denkens und Wirkens besser zu durchschauen, um die Herausforderungen unserer Zeit optimaler zu lösen.

Eigenland stellt ebenfalls Fragen, und gemeinsam mit Eigenland habe ich einen interaktiven Online-Workshop entwickelt, um auf Basis von Fragen, die von TeilnehmerInnen anonym bewertet werden, Perspektivenerweiterung anzuregen und neue Lösungsansätze anzudenken.

Es geht um die einfach scheinende, aber meist unglaublich schwierige Erkenntnis, dass Eigeninteressen und das damit verbundene Verhalten Einfluss auf das Gesamtsystem hat und unvorstellbar große Kreise zieht – im Positiven wie im Negativen. Es geht um den Mut, die persönlichen Interessen, die persönlichen Meinungen und Glaubenssätze, ehrlich und tiefgründig zu reflektieren, den IQ dem WeQ zu öffnen. Dazu möchte ich gleich 2 Fragen stellen:[7]

Was schärft oder vernebelt den Blick für ein WeQ-Wirken im Management?

Welche geistigen Voraussetzungen benötigt ein WeQ Management?

Dueck setzt ebenfalls auf die WeQ-Intelligenz, u.a. aus dem Internet kommend, wo sich fremde Menschen spontan und freiwillig vernetzen und erstaunliche Problemlösungen erarbeiten. So schuf die Weisheit der Masse, wie er es ausdrückt, wertvolle Open-Source-Software oder stürzte sogar Diktatoren. Aber Konzerne, Regierungen sind seiner Meinung nach noch zu sehr im IQ-Denken verhaftet, übersehen damit die Gefahren, agieren schwarmdumm – mit den Worten von Bertolt Brecht:

Unsichtbar wird die Dummheit, wenn sie genügend große Ausmaße angenommen hat.

Mit dieser harten Aussage möchte ich diesen Artikel jedoch nicht beenden, sondern viel mehr eine weitere Frage stellen, um mit unserer individuellen Klugheit schwarmintelligent zu reflektieren, einer möglichen eingeschlichenen Schwarmdummheit entschieden entgegenzutreten.

Welche Entscheidungen in Deinem Unternehmen würdest Du als intelligent bezeichnen, und welche hingegen eher als dumm?

Beste Grüße Günther

 

PS: Um meine zukünftigen Beiträge, insbesondere News im Umgang mit der Corona-Krise mitbekommen zu können, folgen Sie mir auf LinkedIn, Xing und Twitter. Darüber hinaus finden Sie in der Gruppe „Leadership Café …“ neben meinen Beiträgen ebenso Beiträge anderer HR Influencer. 

 

Informationsquellen:

[1] ww0315_18-23_TT Schwarmdummheit.pdf (inxshare.de). Am 2021-01-26 gelesen.
[2] Interviewseite Helga König und Peter J. König- Buch, Kultur und Lifestyle : Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. #Gunter_Dueck über sein Buch „#schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam“ (interviews-mit-autoren.blogspot.com). Am 2021-01-27 gelesen.
[3] Interviewseite Helga König und Peter J. König- Buch, Kultur und Lifestyle : Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. #Gunter_Dueck über sein Buch „#schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam“ (interviews-mit-autoren.blogspot.com). Am 2021-01-27 gelesen.
[4] ww0315_18-23_TT Schwarmdummheit.pdf (inxshare.de). Am 2021-01-26 gelesen.
[5] Interviewseite Helga König und Peter J. König- Buch, Kultur und Lifestyle : Helga König im Gespräch mit Prof. Dr. #Gunter_Dueck über sein Buch „#schwarmdumm – So blöd sind wir nur gemeinsam“ (interviews-mit-autoren.blogspot.com). Am 2021-01-27 gelesen.
[6] ww0315_18-23_TT Schwarmdummheit.pdf (inxshare.de). Am 2021-01-26 gelesen.
[7] www.ilwis-hr.com/news-detail/article/Buchtipp-die-stille-revolution/. Am 2018-02-20 gelesen.