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DIE WELTWIRTSCHAFT SPIELT DOMINO

DIE WELTWIRTSCHAFT SPIELT DOMINO

Die Welt steht am Beginn einer weltweiten Logistik- und Energiekrise. Ob in Deutschland oder Österreich, Unternehmen drosseln oder stoppen ihre Produktionen. Die Nachfrage der Kunden kann in vielen Bereichen nicht mehr befriedigt werden. Dazu steigen die Preise für Energie, Baumaterialien, Lebensmittel, etc.

 

CHINA STEHT BEREITS MITTEN IN EINER KRISE

In China wird Energie bereits rationiert und die Produktion sinkt in vielen Bereichen. Zusätzlich steht China am Beginn einer Immobilienkrise. Die Krise von Evergrande löst merklich schon eine Kettenreaktion aus. Ratingagenturen wie Fitch und S&P stufen bereits die Kreditwürdigkeit weiterer Immobilienentwickler herab. Das kann zu einem sozialen Sprengstoff in China führen.

Wir erleben gerade einen Dominoeffekt. Die Krisen, die aktuell an unterschiedlichen Stellen aufpoppen, haben Potential – leider nicht an positiven Effekten, vielmehr an unvorhersehbaren Wirkungsgraden. Meiner Meinung nach sollten Unternehmen jetzt wirklich hellhörig werden. Die Krisen, die sich aktuell anbahnen haben Power, aber nicht die Power, die uns beflügelt und voranbringt, sondern vielmehr die Flügel lähmt!

Jetzt ist der Zeitpunkt etwas zu tun, sich abzusichern, gegenzusteuern. Bevor ich zu den Maßnahmen für ein präventives Krisenmanagement komme, möchte ich die Ursachen dieser Krise näher beleuchten und die komplexen Zusammenhänge unserer globalen Wirtschaft in diesem Kontext hervorheben.

Jahrelang schon verharmlosen wir beispielsweise die Folgen der Klimaveränderungen. Und heute erleben wir uns beim Eintreten der damit deutlich werdenden Katastrophen fast wie im Schock, weil es scheinbar so unerwartet auf uns einbricht. Wir reagieren kopflos und verkrampft, so wie beim letzten Hochwasser in Deutschland.

Dahingehend stellen sich mir dringlicher denn je die Fragen:

  • Wie gut sind wir auf die kommenden „Einschläge“ vorbereitet? Uns sollte jetzt deutlich bewusst werden, dass die am wenigsten erwarteten Ereignisse Wirkung haben, ob wir wollen oder nicht.

  • Beschäftigen wir uns stattdessen lieber noch mit den alten Krisen und ignorieren zum x-ten Mal erneut wieder die aktuellen Krisen-Signale?

So beklagte erst kürzlich der Präsident der US-Notenbank, Jerome Powell, es ist frustrierend zu sehen, dass nach 18 Monaten Pandemie der Fokus in der Wirtschaftspolitik noch immer auf der Impfung der Menschen und der Kontrolle der Delta-Variante liegt.[1] Mit diesem eingeschränkten Blick ignorieren, übersehen wir vollends die Hinweise, dass wir voll in eine Logistik- und Energiekrise hineinschlittern.

 

KRISEN-DOMINO-STEINE – EINE ERNÜCHTERNDE BETRACHTUNG DER AKTUELLEN SITUATION 

Wir sollten JETZT handeln, gegensteuern, uns vorbereiten auf das, was wie Dominosteine an unterschiedlichen Krisenherden scheinbar unerwartet und unvorhersehbar auf uns zurollt. „Be prepared for the unprepared.“ Wir sollten ein wachsames Auge auf die Krisensteine haben und durchspielen, welche Krisensteine unsere auf radikale Effizienz getrimmten Wirtschaft zum Wacken bringen könnte, wie beispielsweise der weltweite Energiehunger …

1. Weltweiter Energiehunger

Die globale Wirtschaft erholt sich nach dem coronabedingten Einbruch im vergangenen Jahr. Viele große Volkswirtschaften wollen sich nun gleichzeitig mit Gas und Kohle eindecken. Das führt dazu, dass die Nachfrage kräftig steigt – und damit entsprechend die Preise.

2. Explodierende Energiepreise in Europa

Europas Gasspeicher sind weitestgehend leer. In Deutschland sind die Gasspeicher derzeit nur zu rund 68 Prozent befüllt und damit sind die Vorräte viel kleiner als in den Vorjahren. Im Sommer wurden außerdem Instandhaltungsarbeiten an Europas Gas-Infrastruktur nachgeholt, was zu verringerten Liefermengen geführt hat. So wurde etwa in Norwegen und Großbritannien am Pipeline-Netz gearbeitet.[2]

Eine gleichzeitige Windflaute in Teilen Europas und eine anziehende Nachfrage sorgen für sprunghaft steigende Energiepreise in ganz Europa. So ist der Preis für Erdgas (Stand 5.10.2021) seit Anfang ’21 um +429 % gestiegen und liegt um +913 % über dem Durchschnittspreis des Jahres 2020. Siehe Grafik von Thorsten Polleit: [3]

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Erste Fabriken in energieintensiven Branchen stellen bereits die Produktion ein oder reduzieren diese drastisch. Die Düngerhersteller und die Chemieindustrie, einschließlich der Agrarchemie, sind aufgrund ihrer energieintensiven Produktion (Erdgas) ganz besonders von der Preisexplosion bei Erdgas betroffen. Wegen der explodierenden Gaspreise ist eine rentable Produktion für die Hersteller unmöglich. So hat auch der Chemieriese BASF die Produktionskapazität für Düngemittel aufgrund der „extrem herausfordernden“ Wirtschaft aufgrund der hohen Erdgaspreise zuletzt deutlich eingeschränkt.[4]

Was sich für manch einen Städter als trockene Nachricht liest, beunruhigt die Landwirte. Spätestens im kommenden Jahr dürfte es aber auch die Verbraucher nervös machen. Sind diese es doch gewohnt, ihre Lebensmittel im Überfluss, zu billigsten Preisen, im Supermarkt zu kaufen.

Angesichts steigender Zulassungszahlen für E-Autos wächst die Sorge vor einer möglichen Überlastung der Stromnetze. Die erste Regierung zieht jetzt Konsequenzen – mit einem radikalen Schritt. Ladesäulen in privaten Haushalten und an Arbeitsplätzen sollen in Großbritannien demnach von 8 bis 11 Uhr morgens und von 16 bis 22 Uhr abends vom Netz genommen werden. Die neue Regelung soll im Mai kommenden Jahres in Kraft treten.

Der Gaspreis wird auch durch einen enormen Bedarf Chinas an Flüssiggas (LNG) angetrieben. Die zweitgrößte Volkswirtschaft und zugleich die größte herstellende Industrie des Planeten kauft derzeit den LNG-Markt leer und zahlt Rekordpreise, um die Versorgung im nahenden Winter zu sichern.

3. Großflächige Stromausfälle in China

In China kommt es in vielen Provinzen in diesen Tagen zu flächendeckenden Stromausfällen. Fabriken stehen still, Ampeln fallen aus und Menschen erleiden schwere Vergiftungen. Die Ursachen sind unterschiedlicher Natur und teilweise hausgemacht.

Die Regierung in Peking will einerseits die Emissionen drastisch reduzieren und bis 2060 eine Klimaneutralität erreichen. Doch fast alle Provinzen haben die ausgegebenen Ziele für 2021 deutlich überschritten, was nun den Druck erhöht, den Konsum zu reduzieren.

Hauptursache bleibt aber eine tatsächliche Energieknappheit, insbesondere von Kohle und Wasserkraft. Im Zuge eines Handelsstreits mit Canberra hat China die Kohleimporte aus Australien drastisch zurückgefahren. Die Mongolei löste Australien als Chinas größte Bezugsquelle für Kohle ab. Aber die Covid-19-Pandemie zwang im Mai zur Schließung der beiden wichtigsten Kohle-Lkw-Routen.[5] Und im Kohle-Exportland Indonesien kommt es wegen massiver Regenfälle zu Produktionsausfällen.[6]

Aber auch bei inländische Lieferungen von Kohle hat China Schwierigkeiten. Eine Reihe tödlicher Unfälle hat die Schließung vieler chinesischer Kohleminen erzwungen. Erst kürzlich wurde eine Kohlemine mit einer Jahreskraft von 6 Millionen Tonnen in der Provinz Shanxi für einen Monat geschlossen, nachdem ein Arbeiter getötet wurde. Zuvor erfolgte die Schließung von 22 Kohleminen in der Provinz nach drei Bergbauunfällen im Juni.[7]

Mangels großer eigener fossiler Brennstoffreserven hatte China hatte in den vergangenen Jahren verstärkt auf Wasserkraftwerke gesetzt, um den weiterwachsenden Energiebedarf der weltgrößten Bevölkerung decken zu können. Diese Projekte sind nicht nur gigantisch von ihrem Ausmaß, sondern schüren auch Ängste vor einem Wasserkrieg mit Indien.[8]

Doch der letzte Sommer war sehr trocken und Wasserkraftwerke benötigen Wasser. Dadurch kommt die Energieproduktion auch von dieser Seite unter Druck.

Und nicht zuletzt steigt die Nachfrage für Heizenergie im Nordosten des Landes, nachdem es dort früher als gewöhnlich zu Temperatureinbrüchen kam. Es sieht so aus, als ob die chinesischen Reserven an Kohle aufgebraucht sind. Die verbliebene Energiemenge wird wahrscheinlich für die Schwerindustrie (Auto, Schiffbau, Infrastruktur), Hochtechnologie, Petrochemie, Medizin, Metallverarbeitung und den Militär-Industriellen-Komplex geschützt.[9]

Zunächst traf es vor allem Fabriken, die ihre Produktion einstellen mussten. Doch inzwischen schwappte die Energieknappheit von der Arbeitswelt auf den Alltag der Menschen über. Die Lage ist ernst, der innere Frieden bröckelt und es besteht eine bedrohliche Gemengelage für die Energiesicherheit des Landes. Das sich die Lage bald erholt ist unrealistisch.

4. Eine Lieferkettenkrise könnte die Weltwirtschaft aus den Angeln heben

Die Arbeiter, die die globalen Lieferketten in Bewegung halten, warnen vor einem „Systemzusammenbruch“. Es fehlen nicht nur tausende Fernfahrer in Großbritannien oder Deutschland, sondern auch die Belastung der Transportarbeiter fordert nach zwei Jahren Pandemie ihren Tribut. So ist für viele ihre Belastungsgrenze erreicht.

Alle Transportsektoren sehen einen Mangel an Arbeitskräften und erwarten, dass auf Grund der schlechten Behandlung, der Millionen von Transportarbeitern während der Pandemie ausgesetzt waren, viele die Branche verlassen werden, was die Lieferkette stark bedroht. Der Arbeitskräftemangel wird sich gegen Ende des Jahres wahrscheinlich verschlimmern.

Von Liverpool bis Los Angeles, von Peking bis Berlin steckt die Welt schon heute in einer Versorgungskrise.[10] Containerschiffe warten darauf, ihre Ladung zu löschen, im Supermarkt klaffen Lücken im Regal, Milchbauern bleiben auf ihrer Milch sitzen, bei Ikea fehlen Matratzen, und in Kläranlagen mangelt es an wichtigen Chemikalien.

Für ECommerce-Anbieter werden die wachsenden Probleme bei der Lieferung – vor allem aus China – zu einem wachsenden Problem. Über einen Monat Verspätung haben Containerschiffe mittlerweile. Lieferengpässe, Peitscheneffekte und Preisexplosionen: Industrie-Insider warnen vor Verwerfungen im Weihnachtsgeschäft. Der Preis für den Transport eines standardmäßigen 40-Fuß-Containers stieg gleichzeitig von 1.650 US-Dollar auf 12.977 US-Dollar.[11]

Die International Chamber of Shipping (ICS) hat die UN-Vollversammlung vor wenigen Tagen in einem offenen Brief dazu aufgefordert, sämtliche Covid-Beschränkungen für das Transportwesen nach gezielter und prioritärer Impfung der Logistikkette aufzuheben. Der Brief wurde auch von der International Air Transport Association (IATA), der International Road Transport Union (IRU) und der International Transport Workers‘ Federation (ITF) unterzeichnet. Zusammen repräsentieren sie 65 Millionen Transportarbeiter weltweit.[12]

5. Der Klimawandel ist der größte Risikofaktor für Unternehmen

Unternehmen und Investoren werden sich langsam der Gefahren des Klimawandels und extremer Wetterereignisse bewusst. Viele halten Umweltrisiken wie Dürren und Waldbrände inzwischen sogar für gefährlicher als turbulente Märkte. Heute begreift eine breite Öffentlichkeit, dass die Klimakatastrophe keine abstrakte, theoretische Computersimulation ist, sondern eine reale, alle Menschen betreffende Herausforderung, der man sich stellen muss.

Eine große Gefahr ist dabei eine Wasserkrise. Sowohl verheerende Überschwemmungen als auch Trinkwassermangel werden weltweit immer schlimmer, aber nur wenige Länder und Organisationen sind darauf vorbereitet. Der Klimawandel verschärft beides.

Aber auch die Hitze bedroht die Energieversorgung. Überall liefen in diesem Sommer in Südeuropa die Klimaanlagen bei Temperaturen bis zu 45 Grad auf Hochtouren. In Griechenland wurden Kohlekraftwerke, die stillgelegt werden sollten, wieder in Betrieb genommen, um das nationale Stromnetz zu stabilisieren.

Waren die Unternehmen bisher nur mit dem Druck der Verbraucher konfrontiert, ihre Produkte klimafreundlich zu gestalten, gibt es heute auch immer mehr Druck von der Seite der Investoren.

So startete Norwegens Staatsfonds im September eine große Initiative für Nachhaltigkeit. Als weltweit größter Aktionär will er seine Marktmacht nutzen, um Unternehmen zu einem verantwortungsvolleren Verhalten zu beeinflussen.[13]

6. Steigende Rohstoffpreise

Neben Energie und Fracht sind die Rohstoffpreise ein erheblicher Kostentreiber. Doch die wenigsten Marktteilnehmer hatten sich bis vor kurzem darum Sorgen gemacht. Doch jetzt werden die Unternehmen, aber auch die Privathaushalte mit einer anderen Realität konfrontiert.

  • Rohstoffe werden knapp

  • Die Preise steigen

  • Materialengpässe werden häufiger

Ob Stahl, Holz, Bitumen, oder auch Kupfer. Fast alle Baumaterialen sind derzeit knapp und teuer. Im Durchschnitt gab es Preissteigerungen um die 30% seit Herbst 2020 – mit Spitzen von 65%, beispielsweise bei metallurgischen Sekundärrohstoffen. Bei Warmstahl sind die Preise seit Jahresbeginn um 60% gestiegen. Auch bei Kupfer, Zinn und Platin findet die Aufwärtsspirale kein Ende. Besonders die Elektromobilität befeuert die Nachfrage bei Industriemetallen und anderen Rohstoffen, wie z.B. Lithium und Graphit.

Der Aluminium-Industrie droht noch vor Weihnachten ein europaweiter Produktionsstopp. Damit drohen massive Produktionsausfälle in der gesamten Aluminium-Wertschöpfungskette mit Sektoren wie der Automobil-, Flugzeug-, Elektrofahrrad-, Bau- oder Verpackungsindustrie sowie dem Maschinenbau. Ursache sind ausbleibende Lieferungen des wichtigsten Legierungsmetalls Magnesium aus der Volksrepublik China, die mit einem Weltmarktanteil von 87 Prozent beinahe über ein Monopol verfügt.[14]

Dem eingeschränkten Angebot stehen Kunden gegenüber, deren Lagerbestände nahezu aufgebraucht sind.

Wir hatten diesen Sommer eine Feuchtwetterlage in ganz Nordeuropa. Der Sommer und mit ihm die Ernte, sind buchstäblich ins Wasser gefallen. Dadurch geht bei verschiedenen Agrarprodukten der Preis regelrecht durch die Decke. Wir sehen teilweise eine Verdreifachung des Preises.

7. Weitere Risiken

Neben den Risiken im Energie- und Logistikbereich wird die Weltwirtschaft von diversen anderen Gefahren belastet. Das Spektrum reicht von Cyberrisiken, starken Verwerfungen an den Kapitalmärkten bis hin zu demographischen Risiken. All dies sind Querschläger, welche die stabilsten Trends torpedieren und die am besten durchdachten Pläne vom Tisch wischen.

Eine weit verbreitet und völlig natürliche Haltung ist es, diese Ungewissheiten der Zukunft zu leugnen und zu verdrängen. Lieber berauschen wir uns an einer Welt, die uns gefällt. In diesem Rauschzustand, diesem Höhenrausch sind wir blind für die Folgen unseres Systems. Das Leben in „Phantasia-Land“ bietet noch ausreichend Spaß, Freude und Ablenkung – fragt sich nur noch, wie lange …

 

KRISENMANAGEMENT – WAS IST JETZT ZU TUN

Eine Krisenbewältigung im klassischen Sinne ist mit einer so komplexen Krisenlandschaft, wo man auch nicht genau weiß, wo, wie, wann diese in welcher Rückkoppelung oder auch Kombination wirken, überfordert. Die Entscheider stehen vor einem Dilemma: Der Handlungsdruck ist in einem Augenblick da, wo sich wissenschaftlich noch nichts beweisen lässt. Und wenn es die Wissenschaft endlich alle Fakten sauber sortiert hat, ist es für eine entsprechende Stärkung, Prävention meist zu spät.

Organisationen, die das scheinbar Unerwartete ignorieren, haben die Neigung, einfache Diagnosen zu akzeptieren und die Komplexität der Lage zu unterschätzen. Lieber handelt man scheinbar in der Not, als die Not vorauszudenken und sich entsprechend zu rüsten – beispielsweise indem man ehrlich und nüchtern jetzt diverse Szenarien durchspielt. Dabei hilft ein Spiel von Eigenland ungemein, weil man sich den Krisen auf leichtere Art nähern kann. Aber man kann natürlich sich einfach auch nur folgende Fragen offen und ehrlich stellen:

Risiken deutlich und scharfkantig bewusst machen

  • Was könnte knapp werden?

  • Wie hoch ist – grob geschätzt – die Eintrittswahrscheinlichkeit?

  • Ist praktisch sofort oder schon bald mit einem Eintreten zu rechnen, oder müssen dafür erst gewisse Voraussetzungen gegeben sein?

  • Wer ist primär betroffen – welche Personengruppen oder Branchen, welche geographischen Regionen, etc.?

  • Mit welcher Zeitverzögerung tritt der Schaden ein?

  • Mit welcher Dynamik könnten sich die Wirkungen entfalten – langsam und zeitversetzt oder praktisch augenblicklich? 

  • Wie lange reichen unsere Lagerbestände?

  •  Welches soziales Konfliktpotential/ politische Bedeutung hat das Schadensereignis?

  • Welche Aufgaben müssen priorisiert werden?

  • Brauchen wir dafür zusätzliche Leute (intern/ extern), mit welchen Kompetenzen?

  • Können wir die MitarbeiterInnen selber schulen?

  • Haben wir die Möglichkeit, diese Entwicklung in den Griff zu bekommen?

  • Welche Innovationen könnten durch die Krise zum Durchbruch gelangen?

Enttäuschungsmanagement, der zweite Schritt:

Enttäuschungsmanagement ist eine ungeliebte, aber zentrale Führungsaufgabe. Hier gilt es, dass Enttäuschungen nicht zwingend zu Frust und Belastungen führen müssen. Grundlage ist eine klare (interne) Kommunikation für realistische Erwartungen. Es gilt daher zu beurteilen:

  • Wen werden wir enttäuschen (Kunden, Zulieferer, Banken, Versicherungen, Gerichte, etc.)?

  • Wodurch enttäuschen wir sie?

  • Schätzen wir die Ansprüche und Erwartungen realistisch ein?

  • Sollten wir sie vorzeitig informieren?

  • Wer wird uns enttäuschen?

  • Hypothesen bilden und nachfragen

Wenn alle Organisationen dies gut machen, bleibt das Vertrauen bestehen. Wer beim Krisenmanagement allerdings vermeidbare Fehler macht, rutscht in eine Krise 2. Ordnung:

Die externe Vertrauenskrise

Zulieferer, Kunden, Banken, Gerichte, usw. misstrauen unseren Angaben und reagieren entsprechend. Die jetzt dringend notwendigen Ressourcen schwinden in Folge wie in einem Strudel.

Wenn die Führung einer Organisation jetzt nicht adäquat reagiert und das Vertrauen wieder herstellt, bricht oft ein interner Streit aus. Das ist die Krise 3. Ordnung:

Die interne Vertrauenskrise

Das Vertrauen ist jetzt dahin und die Existenz der Organisation gefährdet …

 

RESÜMEE

Ich möchte meine nüchternen Ausführungen und Gedanken mit einem philosophischen Zusatz beenden. Ein Zusatz, der aber gerade im Krisenmanagement für ein flexibles, wendiges, kreatives Lösungspotential sorgt. Schopenhauer formulierte es so:

Jeder steckt in seinem Bewusstsein wie in seiner Haut und lebt unmittelbar nur in demselben. 

Was meint er bzw. was meine ich jetzt damit:

Wenn wir selbst am eigenen Leib die Krise noch nicht richtig spüren, denken wir, es gibt keine Krise. Erst wenn wir selbst persönlich, hautnah, körperlich spürbar betroffen sind, die Krise aber auch zugeben, sprich nicht zu ignorieren versuchen, wozu viele von uns neigen, handeln wir. Und so gesehen, wäre es aktuell mehr denn je ratsam, sich so heterogen wie möglich zusammenzuschließen, um das eigene begrenzte Bewusstsein zu erweitern.

  • Stelle daher Teams mit unterschiedlichsten Menschen zusammen (multi-sex, multi-age, multi-culturell), um nicht in Gefahr zu laufen, das Geschehen zu eng zu betrachten.

  • Und bereite Dich auf die Ankunft der nächsten Schwarzen Schwäne vor. Sie werden kommen, auch wenn wir sie heute noch nicht sehen. Denn: 

Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz!“ [Dalai Lama XIV] 

Euer Günther Wagner

 

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Informationsquellen:

[1] https://www.theguardian.com/business/2021/oct/02/how-the-supply-chain-crisis-is-affecting-six-big-economies
[2] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Warum-gehen-die-Energiepreise-durch-die-Decke-article22850503.html
[3] https://twitter.com/ThorstenPolleit/status/1445655110521012226
[4] https://www.agrarheute.com/markt/duengemittel/basf-drosselt-duengerproduktion-europa-duengerpreise-explodieren-585860
[5] https://www.aspistrategist.org.au/beijings-ban-on-australian-coal-is-hurting-china/
[6] https://www.n-tv.de/wirtschaft/Warum-gehen-die-Energiepreise-durch-die-Decke-article22850503.html
[7] https://www.aspistrategist.org.au/beijings-ban-on-australian-coal-is-hurting-china/
[8] https://www.handelsblatt.com/politik/international/wasserkraft-chinas-plaene-fuer-einen-neuen-megastaudamm-schueren-aengste-vor-einem-wasserkrieg-mit-indien/26919880.html?ticket=ST-9401147-ot1RIeFrsu1r1E1m2bkc-ap5
[9] https://fortisanalysis.substack.com/p/coal-for-christmas
[10] https://www.theguardian.com/business/2021/oct/02/how-the-supply-chain-crisis-is-affecting-six-big-economies
[11] Containgeddon: Verhageln Lieferengpässe das Weihnachtsgeschäft? (ibusiness.de)
[12] https://edition.cnn.com/2021/09/29/business/supply-chain-workers/index.html
[13] https://edition.cnn.com/2019/01/16/business/climate-change-global-risk-wef-davos/index.html
[14] Drohender Alu-Produktionsstopp gefährdet die deutsche Industrie – WELT